Personen: James Potter, Gracie Connor, Fette Dame
Zuordnung: Teil 1, Kapitel 12
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James erreichte das Porträtloch der Fetten Dame.
„Blütenduft", sagte James genervt.
Er rechnete damit, dass das Porträt zur Seite schwang, doch irrte sich und lief dagegen.
„Autsch. Mach gefälligst auf", murrte James die Fette Dame an.
„Was habe ich dir noch das letzte Mal gesagt?", fragte sie und sah James streng an.
Er fluchte.
„Ha! Ich wusste es! Irgendwann würde ich dich kriegen und jetzt schläfst du draußen!"
Die Fette Dame triumphierte.
„Es war etwas Wichtiges", erklärte James, doch die Fette Dame hörte ihm nicht zu.
„Das sagst du jedes Mal. Seit Jahren machst du immer wichtige Sachen nach der Sperrstunde draußen", warf sie ihm sarkastisch vor und James seufzte.
Gerade überlegte er, wie er es diesmal schaffen konnte, dass sie ihn doch noch einließ, als er hinter sich plötzlich Schritte vernahm, und kurz darauf tauchte Gracie Connor auf.
„Blütenduft", sagte sie James ignorierend, doch das Porträt öffnete sich auch bei ihr nicht.
„Hat sich das Passwort geändert?", fragte sie verwundert.
„Nein", antwortete James ruhig und lehnte sich lässig gegen die Wand.
„Warum macht sie dann nicht auf?", fragte Gracie nun etwas hysterisch.
„Tja, bedank dich bei ihm", rief die Fette Dame schrill.
James glaubte ein Fauchen von ihr zu hören.
„Was hat das mit dir zu tun, Potter?", blaffte Gracie nun ihn an.
Ihre Augen funkelten wütend und James griff sich mit der Hand an den Hinterkopf und zerwuschelte sich dort seine Haare.
„Weißt du", fing er an, „ich kann dir das nicht so richtig erklären."
„Ich will es auch eigentlich gar nicht wissen, ich will nur da hinein", entgegnete Gracie.
„Machen Sie jetzt endlich auf! Ich bin Vertrauensschülerin und da drin steigt eine Party, die ich sofort beenden muss!", wandte sie sich nun an die Fette Dame. Doch die schüttelte nur den Kopf.
„Bitte", warf James ein, „Sie können Gracie doch nicht bestrafen. Sie hat nichts getan!"
„Ach nein? Warum sitzt sie dann nach der Sperrstunde immer noch hier draußen? Außerdem kennen wir den Trick ja schon!", sagte die Fette Dame wohlgesinnt.
„Was glauben Sie eigentlich...?", brauste Gracie auf, doch James unterbrach sie.
„Lass es, Gracie! Es hat keinen Sinn."
„Das sagst du, aber du hast mir doch das alles hier erst eingebrockt!"
Sie ließ sich an der Wand hinabsinken und setzte sich auf den kalten Steinfußboden.
„Tut mir leid", sagte James, doch Gracie ignorierte ihn.
Eine Weile stand er noch so da und starrte auf Gracie hinab, die ihre Arme eng um die Knie geschlungen hatte, dann setzte er sich zu ihr.
Leicht nervös rutschte seine Hand zu seinem Hinterkopf und wuschelte sich wieder einmal durch das schwarze unordentliche Potterhaar.
„Ist dir kalt?", fragte er plötzlich.
„Nein!", fauchte Gracie ihn an.
„Okay, ich dachte nur, w...", fing er an.
„Ist mir egal, was du dachtest, James."
Sie schwiegen eine Weile. James erwartete jede Sekunde einen Wutausbruch von ihr, weshalb er einfach dasaß, auf seine Schnürsenkel starrte und nichts sagte.
Die Zeit verstrich. Vielleicht war mittlerweile schon über eine Stunde vergangen. Aus dem Gemeinschaftsraum vernahm man jedenfalls keinen Laut mehr. Das einzige Geräusch, was noch zu hören war, war ihr beider Atem.
„James?", unterbrach Gracie irgendwann die Stille.
„Ja?"
„Ich wollte nur sagen, also, unser Streit eben. Das tut mir echt leid", brachte sie heraus.
James glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Hatte sie sich gerade wirklich bei ihm entschuldigt?
„Du hattest Recht. Ich hätte besser aufpassen sollen, anstatt... na ja. Es kommt nicht mehr vor! Versprochen! Großes Rumtreiber Ehrenwort!"
Sie lachte darüber.
„Aber ich glaube, ich bin wirklich verantwortungslos", fügte James hinzu.
„Ein bisschen."
„Auf einmal?"
„Ja."
„Also... ähm... verzeihst du mir?"
Sie nickte und lächelte ihn an. Ein gutes Gefühl machte sich in ihm breit und er war sich sicher, dass dieses erst einmal nicht mehr so schnell verschwinden würde.
