Personen: James Potter, Marius Proudfoot

Zuordnung: Teil 2, Kapitel 6

Aussprache

Der Streit zwischen James und Marius war inzwischen über einen Monat her. Seitdem hatten die beiden so gut wie überhaupt kein Wort mehr miteinander gesprochen. Fred war die abgekühlte Stimmung zwischen seinen beiden Freunden natürlich bald aufgefallen, aber keiner der zwei hatte sich erbarmt, ihn darüber aufzuklären, was genau zwischen ihnen vorgefallen war, James nicht, weil er es nicht hätte aussprechen können, und Marius, so dachte James, wollte sich seinen Verrat wohl nicht eingestehen. Natürlich hatte Marius sich bei James entschuldigt, sogar mehrfach, aber James hatte es nicht hören wollen.

Am Morgen vor James' erstem Quidditchspiel in dieser Saison machte er wieder einen Schritt auf James zu, indem er ihm am Gryffindortisch „Viel Erfolg" wünschte.

„Danke", sagte James nach kurzem Zögern und fühlte sich danach sogar etwas erleichtert.

Es war, als sei er über einen extrem schwarzen Schatten gesprungen.

Als er dann nach dem gewonnenen Spiel gegen die Slytherins aus den Umkleideräumen kam, sah er neben sämtlichen Verwandten auch Marius dort stehen. Letztendlich wusste er nicht, was ihn genau bewegte, aber er sprach Marius an: „Kommst du?"

Es war nun an der Zeit, die Geschichte zu vergessen, dachte James. Dafür waren sie all die Jahre lang zu gute Freunde gewesen.

Marius war zunächst überrascht, doch dann nickte er. Vermutlich hatte er gedacht, James würde ihm niemals mehr verzeihen. Aber so langsam musste James sich eingestehen, dass er sich selbst albern vorkam.

In der ersten Woche war James hauptsächlich wütend gewesen. Diese Wut war in der zweiten dann in Traurigkeit umgeschlagen und spätestens ab der dritten Woche hatte James festgestellt, dass er Marius vermisste. Er war neben Fred sein bester Freund hier in Hogwarts gewesen und das Schweigen machte ihn fertig. Natürlich war es schlimm, dass Marius ihm so in den Rücken gefallen war, aber war er das wirklich? Mittlerweile war James an dem Punkt angelangt, zu glauben, dass es nicht Marius' Schuld war, sondern seine eigene. Er hatte in diesem Schuljahr endlich aufgehört seinen Freunden von Gracie vorzuschwärmen. Sowohl Fred, als auch Marius wussten, dass er sich seit Ende des letzten Schuljahres mit Emilia Hopkins traf, und vielleicht war genau das das Problem.

Die beiden gingen ein Stück zusammen, liefen hinüber zum Schwarzen See, wo sie ungestört sein würden.

„Du hattest Recht", gab James schließlich zu, während sie nebeneinanderher stapften.

Marius warf ihm einen überraschten Blick zu.

„Ich hatte wirklich kein Recht, dir irgendetwas vorzuwerfen, wenn du wirklich etwas mit Gracie hättest", presste er hervor.

Aus irgendeinem Grund fiel es ihm besonders schwer, diese Worte auszusprechen.

„Es tut mir wirklich leid, James. Ich wusste nicht, dass sie dir immer noch so viel bedeutet. Ich dachte, dass... na ja wegen Emilia", entschuldigte sich Marius abermals.

James nickte.

„Ich weiß", sagte er und blickte kurz hinüber zum See.

Der Riesenkrake war aufgetaucht und streckte ein paar seiner Tentakel der warmen Herbstsonne entgegen.

„Obwohl ich es vielleicht besser hätte wissen sollen", fuhr Marius fort.

James warf ihm einen gequälten Blick zu, sah dann zurück zum See und dann wieder zu Marius.

„Ich habe in letzter Zeit viel nachgedacht", setzte James an wohl wissend, dass das was jetzt käme, sehr schwer werden würde, „und ich will nicht, dass sie zwischen uns steht. Wenn du sie magst und sie dich auch, dann solltet ihr..."

Marius zog die Brauen hoch.

„Ach bitte, du kannst es doch nicht einmal aussprechen", sagte er und grinste breit, „Ich habe echt nichts mir ihr, James. Es ist einfach so passiert und es war blöd. Ich glaube, das war einfach nur, weil ich es so immer mache."

Nun war es James, der ihn schief ansah.

„Na, ich küsse andauernd Mädchen", verteidigte sich Marius und James schüttelte belustigt den Kopf.

Bald darauf jedoch verschwand sein Lächeln. Zu dieser Sache gehörten schließlich immer zwei und Gracie hatte nicht gewirkt, als wären ihr Marius' Lippen so unangenehm.

„Sie hat übrigens wirklich nur eine Aufmunterung gesucht", sprach Marius weiter, „Ich weiß nicht, warum sie traurig war, aber wenn du mich fragst, dann wollte sie sich von irgendetwas ablenken und ich hatte nicht den Eindruck, als hätte sie das geschafft."

James schnaubte.

„Ich sollte sie wohl vergessen", sagte er.

Marius zuckte die Schultern.

Die beiden schwiegen eine Weile und betrachteten den Riesenkraken im See. Beide fühlten sich tief innerlich erleichtert, dass sie dieses Problem, das sie nun seit Wochen verfolgte, aus der Welt hatten schaffen können.

„Schön, jetzt wo das geklärt ist, wie wäre es, wenn wir uns heute Nacht mal wieder rausschleichen?", fragte Marius mit einem breiten Grinsen.

„Fred und ich haben Nick versprochen auf seine Todestagsfeier zu gehen", entgegnete James, „aber danach bleibt bestimmt noch etwas Zeit für den Verbotenen Wald."