Jahr 1
Nächtliche Streifzüge
Die Sache mit der Karte war Max einfach nicht aus dem Kopf gegangen. Natürlich wusste er, dass James, Fred und Marius für solche Scherze bekannt waren, doch sein Unterbewusstsein redete ihm ein, dass es dieses Mal kein Spaß gewesen war, und irgendwie hatte es ihn dazu gebracht, Näheres über Leute mit dem Namen Black herauszufinden.
Dazu hatte er nun eine Menge Zeit in der Bibliothek verbringen müssen. Mittlerweile schlich er sogar schon heimlich hin, damit niemand der anderen Gryffindors dachte, er sei ein Streber. Immerhin hatte er einen ganz guten Ruf, den er aber wahrscheinlich schnell wieder verlieren würde, wenn man ihn zu häufig in der Bibliothek zwischen Büchern entdeckte. Das Einzige, was Max bisher gefunden hatte, war ein altes Ahnenbuch über reinblütige Familien und deren Nachkommen. Versteckt in einem der hinteren Teile der Bibliothek, hatte er es gelesen, musste jedoch feststellen, dass es zwar eine Menge Blacks gegeben hatte, doch außer Namen, Familienzusammenschlüsse und Reinheiten des Blutes, war in diesem Buch nicht wirklich etwas über sie zu finden, jedenfalls nichts Interessantes, nichts wonach er suchte, auch wenn er nicht einmal wirklich wusste, was genau er suchte.
Außer der Sache mit der Bibliothek hatte er es sich in letzter Zeit zum Spaß gemacht nachts durch Hogwarts zu streifen. Zu seinem Stolz war er bisher auch noch nicht erwischt worden, weder von Filch, noch von dessen Katze, noch von Lehrern oder Vertrauensschülern, die ihre Streifen zogen. Irgendwie gefiel es ihm ganz gut. Max mochte das Risiko, das die Streifzüge darstellten, doch er hatte bemerkt, dass er gut war. Es lag ihm regelrecht im Blut.
Einer der Orte, die er besonders gern besuchte, war die Küche. Tatsächlich hatte er sie ganz allein gefunden, ganz allein, weil sich niemand der anderen Jungen dazu durchringen konnte, den gleichen Spaß zu haben. Manchmal wünschte Max, er wäre ein paar Jahre älter und zusammen mit James, Fred und Marius in einem Jahrgang, dann könnte er so etwas mit ihnen zusammen machen, doch dem war nicht so, also musste er gewisse Geheimgänge eben allein finden und auch das hatte er schon getan.
Leider eines Nachts, es war gerade Frühling geworden und er bekam immer öfter abends Hunger, sodass sein Magen ihn praktisch zwang hinunter in die Küche zu laufen, kam es, dass er mit von Schokomuffins voll bepackten Armen wieder hinauf auf den Weg zum Gemeinschaftsraum war, da er jedoch aß, war er sehr unvorsichtig und, als er um eine Ecke bog, lief er direkt in Filch hinein, wobei er vor Schreck alle Muffins fallen ließ und sie auf dem Boden verteilte. Am Kragen zog Mr Filch ihn bis zu seinem Büro und Max hatte nicht einmal mehr Zeit, die Muffins aufzusammeln und mitzunehmen.
„Du kommst mir irgendwie bekannt vor Junge", sagte Filch und begutachtete ihn mit seinen altersschwachen Augen, dabei rückte er Max so nah, dass Max unwohl wurde, zumal ein unangenehmer Geruch von Filch ausging.
„Ich glaube, du warst schon öfter hier, nicht war?", krächzte Filch, doch Max verneinte.
„Lüg nicht!", fuhr er ihn an und Max zuckte zusammen.
„Ich führe Kartei über jeden Schüler, der in den letzten fünfzig Jahren hier irgendetwas verbrochen hat, also werde ich das ganz schnell herausfinden", lächelte Filch zufrieden und kramte nach einem Pergament.
„Wie heißt du?", fragte Filch.
„Ruben Nott", antwortete Max schnell.
Er hatte sich schon vorher überlegt einen Namen der Slytherins zu nennen, denn er hatte festgestellt, dass er manchen davon sogar recht ähnlich sah. Filch kniff die Augen zusammen, und beäugte ihn noch einmal genau, kritzelte dann jedoch etwas auf das Pergament.
„Vergehen: Nächtliche Streifzüge, Diebstahl von Essen aus der Küche und Verschmutzung eines Korridors", krächzte Filch beim Mitschreiben.
Max blickte ungläubig drein. Konnte Filch ihm nicht einfach Nachsitzen geben? Wozu machte er sich die Mühe alles so haarklein zu dokumentieren.
„Uns hätten sie damals auspeitschen lassen, oder uns an den Daumen von der Decke baumeln lassen. Ach, wie ich diese Schreie genossen habe. Das waren wenigstens noch Strafen, einfach lächerlich, dass Wennell glaubt, ihr würdet ohne Schmerzen etwas lernen!"
Max verzog keine Miene.
„Nun gut, du darfst gehen, aber glaub nicht, dass du so einfach davon kommst!"
Bevor Filch es sich anders überlegen konnte, stand Max auf und eilte zum Ausgang. Er war noch einmal davon gekommen und freute sich schon auf Notts Blick, wenn er die Einladung zum Nachsitzen bekam. Er schloss die Tür und eilte zurück zu der Stelle, an der Filch ihn eingesammelt hatte. Sein Magen knurrte wie ein wütender Hund. Ob die Muffins noch dort waren?
