Jahr 2

Briefe von Baddocks Mum

Die ganze Sache mit den Rumtreibern war Max im Kopf geblieben und immer wieder musste er an die Karte denken, die James ihm gezeigt hatte.

Konnte es wirklich wahr sein?

Mittlerweile war das zweite Schuljahr angebrochen und Max hatte in den Sommerferien beschlossen noch mehr zu recherchieren. Er wollte in der Bibliothek gezielter nach der Familie Black zu suchen. Wenn der Hut ihm gesagt hatte, dass viele seiner Verwandten in Slytherin gewesen waren, dann waren sie sehr wahrscheinlich auch Reinblüter. Nach einigem Überlegen, dachte er, dass es vielleicht gut war, weiter seinen alten Plan zu verfolgen und nach Informationen in der Bibliothek zu suchen. Etwas anderes gab es in der Zaubererwelt ja auch schließlich nicht.

Nach kurzer Zeit hatte Max schon ein interessantes Buch über die nobelsten reinblütigsten Familien aus ganz Großbritannien gefunden und er war auch sehr eifrig dabei, es zu lesen. Es war staubig, gut, doch es machte auf Max irgendwie den Anschein, als würde es die Antwort auf all seine Fragen enthalten.

Einige seiner Mitschüler hatten schon gefragt, was er mit dem Buch wolle, als er es im Gemeinschaftsraum gelesen hatte, aber Max sagte nichts. Nachher hielten sie ihn noch für verrückt. Darauf konnte er bestens verzichten. In einer Stunde Zauberkunst war dann Professor Baddock angekommen und hatte ihm das Buch entrissen und ihm zusätzlich eine Strafarbeit aufgebrummt.

Missmutig ging Max also eines Abends zum Büro von Professor Baddock, wohin dieser ihn bestellt hatte. Schon nach kurzer Zeit erfuhr er seine Aufgabe, die nicht gerade rosig war...

Es ging darum das Büro von Baddock aufzuräumen, zu entstauben, zu wischen und Sämtliches zu sortieren. Auch seine Schleimpflanze ganz hinten im Fenster, an der lauter tote Fliegen klebten, sollte er säubern, was Baddock mit einem äußerst breiten Grinsen erläuterte.

Max warf ihm einen finsteren Blick zu.

„Wenn ich wieder komme, dann haben Sie alles erledigt, klar?"

„Wann kommen Sie denn wieder, Sir?", hatte Max gefragt, doch die Antwort von Baddock war gewesen: „Wenn ich es für angemessen halte."

Seufzend machte Max sich an die Arbeit. Das würde ein langer Abend werden, dabei lagen noch unzählige ungeschriebene Aufsätze im Turm. Was war das überhaupt für eine blöde Idee, Nachsitzen, weil er ein Buch gelesen hatte?

Die Stunden verstrichen und die Pflanze hatte ihn fünfmal mit Schleim bespuckt, als er zufällig mit einem Staubwedel daran gekommen war.

Als er bei Baddocks Schreibtisch ankam, fiel ihm etwas auf.

Sein Buch!

Na gut, es war nicht sein Buch, aber Baddock war wirklich so dumm gewesen und hatte es hier liegen gelassen.

Der Kerl war wirklich rassistisch, dachte Max und schob ein paar Unterlagen zur Seite, um an das Buch zu kommen. Irgendwie unterschätzte er Muggelgeborene. Das war ihm schon öfter aufgefallen, genau genommen unterschätze Baddock ihn. Das sah man hier schon wieder!

Breit grinsend hob Max das Buch an, doch dann kam ihm eine Idee und er ließ es wieder unter dem Stapel verschwinden.

Max ging zur Tür und sah hinaus. Wie weit war Baddock entfernt? Er schob seinen Körper hinaus in den Korridor und lief ein Stückchen, während er an mindestens drei Nischen vorbeikam, war Baddock selbst nirgends zu sehen. Er war zu weit weg, um etwas zu bemerken.

Also ging Max den ganzen Weg zurück, holte das Buch und legte es in die zweite Nische hinter eine Rüstung. Aus irgendeinem Grund stieg seine Laune durch diese Tat erheblich. Er kehrte wieder in das Büro zurück und erledigte alles im Handumdrehen, alles außer der Pflanze, vor der er gut eine viertel Stunde verbrachte und überlegte, was zu tun war.

Hatte Longbottom ihnen in Kräuterkunde einmal etwas beigebracht, nein, nichts Sinnvolles auf jeden Fall, dachte Max und betrachtete die vertrockneten Wurzeln, die an der Pflanze hinabhingen.

Seine Mum sagte immer, dass Max nicht auf den Kopf gefallen war, also sollte er sich schleunigst etwas ausdenken.

Max holte eine Feder und piekste in die Wurzeln, nichts geschah. Er berührte die Wurzeln mit einem Finger, nichts geschah. Er rieb etwas von dem auf seinen Umhang gespritzten Schleim an die Wurzel, die Wurzel verfärbte sich violett. Max blinzelte.

Mal sehen, was passierte, wenn er alles mit dem Schleim einrieb.

Nach ein paar Minuten war er fertig, zum Glück hatte er die Pflanze nicht nochmal provozieren müssen, da noch genug Schleim auf seinem Umhang war.

Als die Wurzeln eingerieben waren, zog die Pflanze auf einmal all ihre Fühler ein und Max konnte die Fliegen und den Schleim abkratzen.

Nun da er fertig war, ließ er sich auf Professor Baddocks Stuhl nieder und wartete. Es war fast wie in so einem Wartezimmer beim Arzt, zu dem er immer mit seiner Mum hinging, doch dort hatte es wenigstens alte Zeitschriften gegeben, die man lesen konnte. Mal sehen, was sich hier so finden ließ und er zog eine Schublade auf.

Aufsätze von Schülern waren uninteressant, dachte Max.

Tinkturen für Zehennägel, das überstieg sein Interesse.

Briefe von Baddocks Mum?

Wenn es etwas gab, das Max sich nicht vorstellen konnte, dann war es die Tatsache, das Baddock eine Mum hatte, die ihm Briefe schrieb. Er nahm den obersten heraus.

Lieber Mallie,

alles Liebe und Gute zu deinem Geburtstag.

Egal wie alt du wirst, ich erinnere mich immer noch daran, wie du damals in Windeln auf deinem ersten Spielzeugbesen gesessen hast, dein Vater war damals ziemlich enttäuscht, dass du wenig Talent gezeigt hast und er dich immer abwarf.

Jedes Jahr wird es schwieriger, dir ein passendes Geschenk zu suchen, aber da es nun bald auf den Winter zugeht, habe ich ein paar schöne warme lange Unterhosen besorgt, deine alten waren, als ich dich zuletzt gesehen habe ziemlich abgetragen.

Ich freue mich schon, dich an Weihnachten wieder zu sehen.

In Liebe, Mum

Als Max geendet hatte, hörte er Schritte und konnte den Brief noch gerade so in die Schublade zurück tun, bevor Baddock das Büro betrat.

„Was sitzen Sie hier so herum?", blaffte er Max an.

„Ich bin fertig, Sir", antwortete Max und erhob sich von dem Stuhl.

„Nun gut, Sie können gehen", sagte Professor Baddock, ein wenig unfreundlicher, als sein Blick auf die Pflanze fiel.

Es war gerade so als hätte er gehofft, dass Max es nicht schaffte, sie zu säubern.

Er knallte die Tür hinter Max zu, der geradewegs zur nächsten Rüstung ging, um sein Buch zu holen. Ob schon einmal jemand hier in Hogwarts sich nach dem Nachsitzen jemals so großartig gefühlt hatte?