Schatten der Wahl
38. Tamtis noe lat/ dok ba muaan yi wa
Albus Dumbledore starrte auf den mannshohen Spiegel auf der anderen Seite des Raumes und drehte das Medaillon fahrig zwischen seinen Fingern. Es war rund, aus viererlei Metall gearbeitet. Ein weißgoldener Phönix, eine eiserne Schildkröte, ein bronzener Tiger und ein silberner Drachen erhoben sich als Relief in der Mitte. Um sie herum wand sich eine vierfarbene Schlange und biss sich selbst in den Schwanz. Er hatte nie gedacht, dass er dies eines Tages verwenden würde. Er hatte es in seiner Jugend gefunden, und warum er es behalten hatte wusste er selbst nicht genau.
Vielleicht hatte er die schwache Hoffnung gehegt, dass Gellert ihm eines Tages doch zuhören würde. Er schloss für einen Moment die Augen. Hoffnung sollte eine gute Sache sein, doch wohin hatten all seine Hoffnungen geführt? Tod und Zerstörung. Er hatte immer zu lange gewartet.
Er hatte auch diesmal zu lange gewartet. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, wusste er, dass es zu spät war. Aber dennoch, Hoffnung ließ ihn nicht aufgeben. Albus gestand sich selbst gegenüber ein, dass er nicht wirklich mit einer Antwort auf seine Eule gerechnet hatte. Es war nur ein letzter hilfloser Versuch von jemandem gewesen, der keine Ideen mehr hatte. Er musste sich eingestehen, dass ihm die Ideen ausgingen. Ihm war nur zu klar, dass der Mann, dem er geschrieben hatte, es ebenfalls wusste. Albus seufzte. Er war ein alter Mann. Er hatte gegen zwei dunkle Zauberer gekämpft und sie überlebt. Er war zu alt für einen dritten. Aber er hatte keine Wahl. Die Hoffnungen so vieler lagen auf seinen Schultern. Sie hatten ihn in den vergangenen Jahrzehnten auf einen Sockel gestellt, bis er mehr einem Gott glich als einem Menschen. Aber er war kein Gott, und an manchen Tagen spürte er jedes seiner 187 Jahre nur zu deutlich in seinen Knochen. Er betrachtete niedergeschlagen die hölzerne Box auf seinem Tisch. Sie enthielt sein Vermächtnis, wenn er diesen Tag nicht überleben sollte. Das Wissen seines Lebens und den letzten Rat, den er ihnen geben konnte. Vielleicht würde er diesmal nicht zurückkehren – und dann?
Albus sah wieder auf das Medaillon und verzog den Mund zu einem untypisch bitteren Lächeln. Es gab für alles einen Preis, und er war mehr als bereit diesen zu bezahlen, wenn das auch nur das Geringste an dem ändern würde, wozu seine Fehler geführt hatten.
Die Prophezeihung hatte sich grausame Weise erfüllt, während Albus nur ohnmächtig zusehen konnte. Er hatte einen Kampf gewonnen, aber den Krieg verloren. Sein Gegner verspottete ihn mit diesem Angebot, das ebenso eine Geste des Mitleids sein konnte, wie sein sicherer Tod. Albus straffte sich und strich seine dunkelblaue Robe glatt.
„Komm, alter Freund. Wir haben eine Verabredung einzuhalten."
Sein Phönix landete auf seiner Schulter und zirpte beruhigend. Albus strich ihm über die Federn. Er hatte keine Wahl. Er hatte den Pfad seines Schicksals vor langer Zeit gewählt. Sie nannten ihn hinterlistig und manipulativ, selbst gewissenlos. Zu einem gewissen Grad war er all das. Aber sie vergaßen, dass er selbst niemals frei gewesen war. Albus trat auf den Spiegel zu, hielt das Medaillon vor sich und berührte mit seinem Stab dreimal hintereinander den Rahmen.
„Patefacio ianua, ich komme in friedlicher Absicht. Ich schwöre kein Schaden soll von mir ausgehen. Ich bin ein Botschafter zu einem Ort jenseits aller Kämpfe. Patefacio ianua tua."
Das Medaillon in seiner Hand begann zu leuchten, ein Licht, das sich auf den Spiegel ausbreitete. Die Spiegeloberfläche wellte sich einen Moment wie Wasser, dann lag sie wieder still. Er atmete tief durch, dann trat er hindurch.
Albus betrat ein Büro ganz anders als sein eigenes. Ein schwerer Mahagonischreibtisch stand auf der anderen Seite des Raumes. Rechts von ihm lag eine Feuerstelle in der ein lebendiges Feuer prasselte. Es gab keine Porträts oder Bücherregale an den Wänden, nur einige Waffen in Vitrinen und Artefakte, die ihm vage bekannt vorkamen. Über dem Schreibtisch hang als ein großes Steinrelief eine Schlange, die sich im Zeichen der Unendlichkeit um zwei überkreuzte Zepter ringelte.
„Willkommen, Schulleiter." Eine Gestalt löste sich aus den Schatten hinter dem Schreibtisch. „Ich habe mir die Freiheit genommen, nach meinem Geschmack zu dekorieren. Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel. Es gibt Ihnen die einzigartige Gelegenheit, zu sehen, wie mein Büro im Haus der Dämmerung aussieht." Der Mann lachte leise. „Schließlich werden Sie nie die Gelegenheit haben, mich dort zu besuchen."
„Haus der Dämmerung", murmelte Albus. „Nennen sie es so?" Er betrachtete den Mann vor sich, der ihn mit grünen Augen anblickte. Die Jahre hatten es gut mit ihm gemeint. Albus erinnerte sich an einen charismatischen Jungen in dieser Gestalt, und die Ausstrahlung des Mannes war nicht geringer. Aber dieser Mann besaß eine Aura der Kälte und Macht, die dem Jungen gefehlt hatte. Die dunkle Robe, die er trug, ließ ihn leicht mit der Dunkelheit verschmelzen. Sie war nicht schwarz, sondern grau. Das lange, silbergraue Haar fiel ihm offen über die Schultern. Auf seiner Schulter ruhte der Kopf einer grün-silbernen Schlange, deren Körper sich um seinen Arm und seine Hüfte wand.
„Es ist gut, dich wieder zu sehen, Harry."
Albus' Gegenüber schloss für einen Moment die Augen.
„Möchtest du mich provozieren, Albus?"
„Ich habe die Dinge immer bei ihrem Namen genannt, wie du wohl weißt."
Der Mann lächelte flüchtig. „Aus deiner Sicht vielleicht. Wenn du mich bei meinem Namen nennen willst, dann tu das. Ich habe viele Namen, aber dieser gehört nicht dazu. Der Junge dieses Namens starb vor über vierzig Jahren durch die Hand der Elben. Ich verstehe jedoch, wenn dir einige meiner Namen… widerstreben. Einige meiner Gefolgsleute nennen mich Lord Aqurab. Es ist der Name, den er mir gegeben hat, aber ich habe mich daran gewöhnt. Schließlich ist es ein recht passender Name. Andere nennen mich Lord der Schatten. Es wäre zu viel verlangt, dass du einen dieser Namen verwendest, nicht wahr? Du kannst mich Tigris nennen, wenn du willst. Ich hoffe, du weißt es zu schätzen."
Albus musterte denn Mann der ihm gegenüber stand einen Moment. „Es ist schön, dich wieder zu sehen, Tigris."
Der junge Lord trat hinter dem Schreibtisch hervor und hielt Albus eine Dose hin. „Zitronenbonbon?"
Dumbledore zog eine Braue hoch, nahm sich aber eines der angebotenen Bonbons und setzte sich. Tigris nahm sich selbst eines, schob es sich in den Mund. Dumbledore folgte seinem Beispiel und genoss das süß- saure Aroma.
„Also hast du doch einige Dinge an mir zu wertschätzen gewusst."
„Ich habe eine Menge an dir zu wertschätzen gewusst, Albus", entgegnete Tigris. „Wir haben nur unterschiedliche Prioritäten." Seine Augen musterten Albus durchdringend. Albus erinnerte sich an Harrys grüne Augen, und manchmal, im Halbdunkel des Raumes, schien die Farbe fast die gleiche zu sein. „Warum bist du hier?", fragte Tigris nach einem Moment des Schweigens.
„Um zu sehen, ob noch etwas von dem Jungen übrig ist, den ich einst kannte. Wenn, so gelingt es mir vielleicht, dich zu überzeugen, deine wahnsinnigen Pläne aufzugeben." Es war nicht, was er hatte sagen wollen. Albus wusste sofort, welchen Fehler er gemacht hatte, aber es war nun zu spät.
„Und wenn nicht?"
„Dann gelingt es mir vielleicht eine Schwachstelle zu finden, durch die es uns gelingt, die Schatten zu besiegen."
Tigris lehnte sich in seinen Sessel zurück und betrachtete ihn amüsiert. „Ein großes Risiko für so viele ‚vielleicht'. Warum?"
„Ich hatte keine andere Möglichkeit an Informationen zu gelangen. Der Orden verlässt sich auf mich." Vielleicht war dies sogar das Beste.
Tigris' Lächeln wurde ein wenig melancholisch. „Du bist in deinem eigenen Netz gefangen, Albus."
„Ich hatte nie vor, dich zu benutzen."
„Ich weiß. Du warst wirklich immer ein gefühlsduseliger Narr."
Albus fühlte, wie die Wirkung des Trankes nachließ. Veritaserum mischte sich nicht gut mit Zucker. Er ließ zu, dass sein Zorn sich in seinem Gesicht wiederspiegelte.
Tigris grinste. „Weißt du, es gab immer das Gerücht in Slytherin, dass deine Süßigkeiten mit Zaubertränken versetzt waren. Ich weiß natürlich, dass du das niemals getan hättest. Aber mir gefiel die Idee."
„Veritaserum, Tigris?" Albus wusste, der Vorwurf in seiner Stimme würde sein Gegenüber nur amüsieren, aber manche Gewohnheiten waren schwer abzulegen. Er war zu lange ein Lehrer gewesen. Tigris hatte ihm einmal vertraut. Er wusste, dass er dieses Vertrauen verspielt hatte, aber er erinnerte sich auch an den einsamen Jungen, der so verzweifelt nach jemandem gesucht hatte, dem er vertrauen konnte. Wieviel davon war noch immer da? Er hatte keinen Zweifel daran, dass der Mann vor ihm in gewisser Weise genauso einsam war. Er hatte nie Veritaserum verwendet, weil er wusste, welch zweischneidiges Schwert es war.
Der junge Mann zuckte mit den Schultern. „Ich musste mir über deine Absichten im Klaren sein. Tee?"
Er winkte mit der Hand und eine Kanne dampfenden Tees mit zwei Tassen erschien vor ihnen auf dem Tisch.
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Dumbledore stand ruckartig auf und wandte sich ab.
Tigris konnte plötzlich sein Lachen nicht länger unterdrücken. „Du kommst hierher, um meine Schwachstelle zu finden, mich zu besiegen, umzubringen womöglich, und du bist ärgerlich, weil ich es herausgefunden habe? Komm auf den Teppich, Albus."
Dumbledore drehte sich mit wehender Robe um. „Ist noch etwas übrig, Harry?"
Der Ärger den er fühlte, überraschte Tigris selbst. Er hatte nichts anderes erwartet, dennoch, Dumbledore wusste sehr gut, dass er nicht Harry Potter war, und er benutzte diesen Namen nur, um ihn zu provozieren. Es hätte nicht funktionieren sollen, aber das tat es. „Ich bin nicht Harry, Albus. Ich war es nie! Vielleicht hast du die Person nie gekannt, die ich war. Du hast mir immer erzählt, wie gut ich wäre, welch perfekter Gryffindor – selbstlos, mutig, gerecht. So war ich nie, Albus. Ich war ein verängstigter kleiner Junge, als ich nach Hogwarts kam. Unsicher und erschreckt von all den Erwartungen, die auf mich einstürmten. Ich hatte niemals den Mut mich gegen die verdammten Muggel zur Wehr zu setzen, mit denen du mich gezwungen hast zu leben!"
Dumbledore blinzelte überrascht, und Tigris atmete tief durch. Er war überrascht davon, wie wütend ihn das noch immer machte.
„Ich verstehe, warum du es getan hast, aber da waren Dinge, von denen du nichts wusstest. Ich habe dir nie davon erzählt, weil ich Angst hatte, es passe nicht zu dem Bild das alle von mir hatten. Ich wollte niemanden enttäuschen. Ich dachte, ich müsste dieses Idol sein, das die Zaubererwelt aus einem einjährigen Kind geschaffen hat. Ich war voreingenommen und vorschnell in meinen Urteilen über Menschen. Wenn ich Snape jemals eine Chance gegeben hätte, könnte Sirius noch leben! Es hat keinen Sinn, darüber zu hadern, es ist Vergangenheit. Aber wenn du denkst, ein Teil von mir bereut, was ich getan habe, dann suchst du nach etwas, das ich nie hatte."
Tigris schloss einen Moment die Augen und schüttelte langsam den Kopf. Er bezweifelte, dass Dumbledore wirklich in der Lage war, zu hören, was er ihm sagte. Es war sinnlos, es ihm begreiflich machen zu wollen. Sie hatten wichtigeres zu bereden. „Ich weiß, was du von Muggeln denkst, Albus. Du denkst, sie sind wie wir, nur mit weniger Fähigkeiten. Aber das ist nicht wahr. Sie sind dumm, und gefährlich durch ihre Zahl. Sie vergiften die Welt in der wir leben und entwickeln immer gefährlichere Waffen, die auch uns nicht mehr unbeeinträchtigt lassen werden. Wir sind die überlegene Spezies, Albus. Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist. Wir sind für das verantwortlich, was in unserer Zukunft passiert. In deinen Augen bin ich ein Dunkler Lord, aber ich töte nicht wahllos und nach Belieben, ich töte nur wenn es sein muss. Alles, was ich will, ist Kontrolle. Ich suche nicht deine Zustimmung. Ich weiß, die wirst du mir nie geben. Du wirst mich bekämpfen, solange du lebst. Es ist deine Bestimmung, so wie dies hier", er deutete zu dem Symbol über ihnen, „meine ist. Alles, worum ich dich bitte ist Akzeptanz. Akzeptanz, dass ich das bin, was ich bin. Nicht mehr und nicht weniger."
Er lachte heiser. „Du suchst nach einer Schwachstelle, Albus? Wie ironisch, wenn du meine größte Schwachstelle bist."
Dumbledore betrachtete ihn mit einem unleserlichen Gesichtsausdruck. „Warum? Denkst du, ich würde es aufgeben, deine Ziele zu bekämpfen, wenn du mir schmeichelst?"
Tigris setzte sich und lächelte zynisch. „Denkst du nicht, es war eine törichte Entscheidung, mich mit dir zu treffen? Ich weiß, wie gut du Menschen einschätzen kannst. In diesem Moment erhältst du bereits Informationen, deren Verlust ich bereuen werde. Dieses Gespräch wird unsere Pläne schwieriger machen. Ich hätte mich nie mit dir treffen brauchen. Du hast mir nichts zu bieten, du bist in diesem Konflikt im Nachteil. Ich hätte dich vor langer Zeit töten sollen, um der Gegenseite ihre Leitfigur zu nehmen. Denke nicht, ich hätte es nicht tun können. Ich hatte viele Gelegenheiten. Hast du dich nie gefragt, warum ich damals zu dir gekommen bin um dir zu sagen, wer ich bin? Ich hatte den Zwilligen versprochen, mit dir zu reden, aber ich habe ihnen nie versprochen, dir die Wahrheit zu sagen. Ich habe es dennoch getan. Weil ein Teil von mir dir vertraut hat. Weil ein Teil von mir trotz allem gehofft hat… gehofft hat, dass es meine Welt zum Besseren verändern würde. Du bist meine Schwachstelle, Albus, glaube mir. Setz dich und trink einen Tee mit mir."
Dumbledore folgte der Einladung widerstrebend. „Was willst du?"
Tigris lehnte sich zurück und zuckte mit den Schultern. „Was bist du bereit, mir zu geben? Du weißt, was ich dir bieten kann: Informationen. Informationen, die du dringend brauchst."
„Wie du bereits sagtest, ich habe dir nichts zu bieten", erwiderte Dumbledore bitter.
„Ah, aber da irrst du dich, Albus. Du hast dich selbst."
Dumbledore straffte sich zornig. Plötzlich hatte er die müde, niedergeschlagene Ausstrahlung verloren, mit der er gekommen war. „Ich werde dich niemals unterstützen."
Tigris lächelte flüchtig. „Du solltest mir zuhören. Das erwarte ich nicht."
„Was dann?", fragte der alte Mann verwirrt.
„Kannst du es dir nicht denken? Ich habe keine Gleichgestellten mehr, Albus. Du bist der einzige, dem eine solche Beschreibung noch nahe kommt. Komm und rede mit mir. Ich weiß, allein das wird dir bereits helfen. Wir könnten uns hier treffen, einmal im Monat vielleicht, auf eine Tasse Tee und möglicherweise eine Partie Schach."
Dumbledore starrte ihn an, dann blinzelte er plötzlich. „Warum nicht? Ich habe schließlich dasselbe Problem."
Tigris goss ihm eine Tasse Tee ein. „Was ist mit Minerva?"
Dumbledore seufzte. „Da sind einige Dinge, die sie einfach nicht versteht. Sie hält mich für unfehlbar. Zu viele denken das."
„Ja, ich weiß, was du meinst. Sie sehen mich vielleicht nicht als unfehlbar, aber sie denken, ich wäre allwissend."
„Bist du es?"
Tigris lachte. „Niemand weiß alles. Ich bin nicht Voldemort. Ich denke nicht, dass ich der größte Zauberer aller Zeiten bin. Ich bin mächtig geworden, ja. Ich weiß und vermag wahrscheinlich mehr als jeder andere Zauberer oder Muggel, aber das ist nicht mein Verdienst, sondern der von vielen, vielen Menschen meiner Überzeugung."
„Du bist menschlich geblieben."
Der Satz amüsierte Tigris. War es das, was Dumbledore hoffte? Dass er weniger Monster war als Grindelwald und Voldemort? Dass ihn das von dem abhalten würde, was sie beide wussten, das geschehen musste? „Menschlicher vielleicht."
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Als Dumbledore gegangen war, trat Tigris aus dem Spiegel zurück und sein Vater sah auf. Er hatte in dem Sessel vor der Feuerstelle auf ihn gewartet.
„Hast du bekommen, was du gewollt hast?"
Tigris lächelte dünn. „Dumbledores größte Schwäche ist sein unbeirrbarer Glaube an seine Menschenkenntnis. Er denkt, er kennt mich."
„Und du denkst, das tut er nicht?"
Tigris lachte, und setzte sich. „Ich höre, was du mir sagen willst. Ich werde ihn nicht unterschätzen, Vater. Aber am Ende werde ich dieses Spiel gewinnen. Die Ironie ist, Dumbledore hat mir einmal gesagt, dass es Voldemorts Untergang sein wird, dass er nicht versteht, was Liebe bedeutet. Er hatte Recht. Aber nun ist es Dumbledore, der das Gleiche nicht versteht. Es spielt keine Rolle, ob ich ihn anlüge, oder die Wahrheit sage, er hört nur das, was er hören will. Nun wird es sein Untergang sein."
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Die Zahl der Toten in Syrien übersteigt nun 200.000
Eine Beobachtergruppe teilte am Dienstag mit dass Syriens Bürgerkrieg in weniger als vier Jahren den Tod mehr als 200.000 Menschen verursacht hat, und fügte hinzu dass die meisten davon Kämpfer beider Seiten sind.
„63.074 der Toten waren Zivilisten, davon 10.377 Kinder", sagte Abdel Rahman.
Abdel Rahman gab dem internationalen Versagen Syrien vor dem Internationalen Strafgerichtshof zur Rede zu stellen die Schuld an dem andauernden Blutvergießen.
„Dadurch, dass die Mörder nicht vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden gibt ihnen die internationale Gemeinschaft die stillschweigende Erlaubnis, weiter zu morden", sagte er.
Es hat mehrere Versuche gegeben, Syrien an den Internationalen Strafgerichtshof zu verweisen, aber sie wurden durch das Veto von Russland und China im UN Sicherheitsrat blockiert.
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Khairiah kniete vor dem Grabstein nieder und sah zu der goldenen Statue hoch. „Sie haben mir gesagt, wenn ich dich wiedersehen will, sollte ich hierher kommen", sagte sie. „Ich habe dich geliebt. Nach all diesen Jahren liebe dich noch immer. Ich weiß das klingt absurd, ich habe dich damals kaum gekannt. Dennoch, ich glaube daran, dass es etwas wie Schicksal gibt. Ich weiß nun, wer du wirklich bist – was du wirklich bist – und meine Gefühle haben sich nicht verändert. Dennoch, das ist nicht der Grund, warum ich hier bin."
Sie schwieg einen Moment und fühlte, wie Tränen in ihre Augen stiegen.
„Meine Familie ist tot", sagte sie. Sie schloss ihre Augen für einen Moment und schluckte. „Sie haben nie auf mich gehört. Ich habe versucht, sie zu mir nach England zu holen, aber sie wollten nicht aus unserer Heimatstadt weg. Nun haben die Muggel Kalhu zerstört und ich bin die einzige Tayyar, die noch am Leben ist." Sie ballte die Fäuste. „Dies muss aufhören. Wir können sie nicht so weiter machen lassen. Du hattest Recht. Du hast gesagt es ist unsere Verantwortung etwas daran zu ändern. Wir können es ändern, darum müssen wir etwas tun." Sie sah hoch. „Du weißt, dass ich dir helfen kann. Ich bin es müde, ein Teil des Problems zu sein. Lass mich ein Teil der Lösung sein."
Die Augen der Statue bewegten sich plötzlich, und sahen auf sie herunter. Sie begegnete dem Blick herausfordernd.
Die Statue lächelte, und sie fühlte plötzlich einen Ruck, der sie mit sich riss, als hätte sie eine unsichtbare Hand gepackt und zöge sie durch Zeit und Raum.
Als sie wieder Luft holte, war sie in einer großen Halle, und Tigris sah auf sie herunter. „Du willst dich mir anschließen?", fragte er und sie nickte.
Es verblüffte sie, wie sehr er sich verändert hatte, aber es war keine schlechte Veränderung. Er sah aus als hätte er eine alte Haut die ihm nicht mehr passte abgestreift und wäre daraus hervorgegangen als jemand, der aussah, wie er wirklich war. Es gefiel ihr.
Er lächelte. „Es freut mich, dass du zu mir gekommen bist."
Sie lächelte zurück. Sie wusste in diesem Moment, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte.
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Adelsstand wieder eingeführt
In einer überraschenden Wendung in der laufenden Debatte bestätigte der Wizengamot am Dienstag die Wiedereinführung von Adelstiteln im Zusammenhang mit Herkunft und Landbesitz. Die Mitglieder des Wizengamot versicherten, dass es sich lediglich um formale Titel handelt, und dass dies keinen Einfluss auf die Rechtsprechung innerhalb entsprechender Ländereien hat. Die Vereinigung muggelgeborener Landbesitzer gab dennoch ihren Protest bekannt.
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UNICEF Bericht
Im vergangenen Jahr starben 500,000 Kinder in Afrika an Masern. Masern schwächt das Immunsystem und macht Kinder anfällig für Komplikationen durch Durchfall, Lungenentzündung und Unterernährung. Die überlebenden Kinder leiden oft unter Erblindung, Taubheit, oder Gehirnschäden. Die Todesrate durch Masern ist so hoch – jede Minute stirbt ein Kind – dass viele Mütter ihren Kindern keinen Namen geben, bis sie die Krankheit überstanden haben.
Durch Urlauber und den weltweiten Reiseverkehr werden weltweit immer wieder Masern-Infektionsketten in Gang gesetzt. Die meisten Erkrankungsfälle werden vor allem in Regionen mit einer geringen Masern-Durchimpfungsrate festgestellt. Urlauber, die Länder besuchen, in denen Masern weit verbreitet sind, sollten vor Antritt der Reise den eigenen Impfschutz prüfen und die Masernimpfung gegebenenfalls nachholen.
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„Warum reist du nicht als Sayyid Saya?", fragte Lucius. „Du könntest Khiariah und Orion mitnehmen, ich bin sicher, sie würden die Reise genießen."
Tigris seufzte. „John wartet schon seit einer Weile auf dieses Artefakt, ich kann nicht durch ein Portal reisen."
Lucius schüttelte den Kopf. „Ich weiß, aber Khairiah hat einen Reisepass, oder?"
„Die Muggel würden uns kein Visum geben", erklärte Tigris geduldig. „Mein Name ist auf einer ihrer Beobachtungslisten für Terrorverdächtige. Ihr Name wahrscheinlich auch."
„Wie kommt es, dass die Muggel etwas wissen?", fragte Lucius verblüfft. „Ich dachte, Saya war ein harmloser Wissenschaftler?"
„Oh, das war er. Ein vollkommen unauffälliger Muggel, geboren in Kandahar, hat in Wien Ökologie studiert, dann ein paar Jahre in Norwegen gelebt. Ich habe ihn ursprünglich ausgewählt, weil er so verdammt unauffällig war. Nein, die Muggel wissen nicht das Geringste. Es ist nur sein Name, und sein Geburtsort."
„Also was wirst du dann tun?", fragte Lucius. „Wie willst du dann nach New York kommen?"
Tigris lachte. „Mit dem Flugzeug natürlich. Ich werde einfach einen der alten Decknamen Voldemorts benutzen. Es sind noch genug der Amulette dafür da, und sie haben alle diplomatische Immunität."
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Die jüngste Malfoy Tochter hat ihr Debüt – erste Fotos der jungen Elizabeth mit ihren Geschwistern!
Als der Name des jüngsten Mitglieds des Malfoyfamilie letzte Woche veröffentlicht wurde, waren wir alle ein wenig schockiert. Entgegen aller Erwartungen hatten die Malfoys erneut mit der Familientradition gebrochen, und einer ihrer Töchter einen durchaus ungewöhnlichen Namen gegeben (Wettergebnisse findet ihr in unserer letzten Ausgabe). Man kann davon ausgehen, dass Lord Malfoy dabei dem Wunsch seiner Frau nachgekommen ist (lest auch auf Seite zwei – Hermione Malfoys Jugend in der Muggelwelt, und ihre Pläne für die frühzeitige Förderung Muggelgeborener).
Wie sieht Lady Malfoy so kurz nach der Geburt schon wieder so gut aus?
Schlichte Eleganz und perfekte Haltung - Hermione Malfoy war letzte Woche bereits wieder im Ministerium zu sehen, wo sie dem Minister bei der Unterzeichnung der Allianzverträge mit Deargnos Kinslayer assistierte. Ihr elegantes Kleid ist eine exklusive Kreation von Twilfitt and Tattings, und sehen wir da Sleekeasy's neuste Miracle Magic Tinktur in ihren Haaren? Lady Malfoy lehnte es ab, sich dazu zu äußern.
Die süßen Fotos der vier Kinder wurden gestern in Diagon Alley aufgenommen, wo Papa Malfoy mit den Kleinen Eis essen ging. Der bekannte Heiler hatte wie immer die Schwangerschaft seiner Frau professionell begleitet (sind wir nicht alle ein wenig eifersüchtig?). Der Malfoy Erbe versucht anscheinend seine kleinste Schwester für Eiscreme zu begeistern, was ihrem Gesichtsausdruck zufolge nicht ganz erwünscht ist. Korbinian beginnt im September bereits sein zweites Jahr in Hogwarts, während sein jüngerer Bruder Lucien noch sechs Jahre auf seine Einschulung warten muss (Seite 4 - Exklusiv: Karriere oder Familie – berühmte Hexen über ihre Entscheidung).
Die offizielle Gala zur Feier der Geburt wird am Sonntag im Malfoy Herrenhaus stattfinden. Witch Weekly wird wie immer dabei sein und ausführlich für euch berichten! Bleibt dabei.
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Reiseinformationen (Cholera)
Cholera ist eine hochinfektiöse Durchfallerkrankung, die durch Bakterien im Trinkwasser verursacht wird. Aufgrund des rapiden Wasserverlusts kann Cholera bei der Hälfte aller Erkrankten innerhalb von Stunden zum Tod führen. Übertragung von Cholera erfolgt hauptsächlich durch kontaminiertes Trinkwasser und verunreinigte Lebensmittel, insbesondere bei schlechten hygienischen Bedingungen. Wenn Sie sich in einem einem Gebiet befinden, in dem Cholera epidemisch ist, und an Durchfall erkranken, sollten Sie sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben. Durch rechtzeitige Behandlung mit Antibiotika und Rehydrierung mit elektrolythaltiger Flüssigkeit ist Cholera heutzutage sehr gut behandelbar, wenn die Erkrankung rechtzeitig diagnostiziert wird.
Cholera tritt hauptsächlich in Afrika, Südasien und Lateinamerika auf. Schätzungen zufolge sterben pro Jahr zwischen dreiundzwanzig- und hundertdreiundvierzigtausend Menschen an Cholera. Die Diskrepanz dieser Zahlen ergibt sich daraus, dass viele Cholerafälle wegen mangelnder Überwachung und Angst vor einem negativen Einfluss auf Handel und Tourismus nicht offiziell registriert werden.
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„Es passiert genauso wie wir es hervorgesehen haben", sagte John.
„Ich vertraue dir dabei, aber ich verstehe es nicht, wenn ich ehrlich bin", sagte Tigris. „Der Ausgang ist vollkommen unsicher. Sicher könnt ihr nicht all diese Muggel kontrollieren."
John zuckte mit den Schultern. „Nein, aber das brauchen wir auch nicht. Egal wie es ausgeht, es wird zu unserem Vorteil sein. Wenn sie gewinnt wird es Ausschreitungen geben. Die Leute werden es nicht akzeptieren. Es wird zu Chaos führen und mehr denn je die Leute überzeugen dass sie machtlos sind, dass das System sie betrügt, und dass niemand sich darum kümmert was sie wollen und brauchen. Wenn er gewinnt, wird das Gleiche geschehen, nur dass sie sich noch mehr verraten fühlen werden, weil sie ihm vertraut haben. In beiden Fällen gewinnen wir. In beiden Fällen werden die Menschen verzweifelt und hoffnungslos sein, und am Ende dankbar für die, die ihnen Hilfe versprechen."
Tigris dachte darüber nach und nickte nachdenklich. „Was ist mit diesem Mann in Utah von dem mir Lucius erzählt hat? Der zum Problem werden könnte wenn es eng wird, so wie es jetzt ist? Was war sein Name… MacGuffin?"
John lachte. „Oh, McMullin! Er hat keine Chance. Sie werden ihn niemals gewinnen lassen."
Tigris runzelte die Stirn. „Warum?"
Sein Freund grinste. „Weil er ein ehrlicher Mann ist. Die Muggel wissen ebenso wie wir beide, dass es nichts Gefährlicheres gibt als einen ehrlichen Mann."
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Hermione hörte den Namen Voldemort aus dem Kinderzimmer und runzelte die Stirn. Diese spezielle Gruppe Kinder war manchmal eine explosive Mischung, auch wenn sie meistens gut miteinander zurechtkamen. Die Kinder der Weasleyzwillinge hatten den Hang zu Schabernack von ihren Eltern geerbt, und Snapes Sohn Mervyn stand ihnen nur wenig nach. Auror Tayyars Kinder waren sehr intelligent, aber manchmal schienen sie es zu genießen, Zwietracht zu schüren, und ihre eigenen Plagen taten ihr Übriges. Sie musste zugeben, dass Theodore Notts Kinder die einzigen waren, die fast niemals Unruhe stifteten. Hermione sprach einen Bemerk-mich-nicht Zauber und spähte durch den Spalt in der Tür. Es schien alles friedlich zu sein, die Tunichtgute waren dabei, eine Geschichte zu spielen.
„Vor langer langer Zeit", begann Mervyn, „wurde ein Junge namens Tom Riddle geboren."
Hermione sah wie Lucien lächelte und sich zurücklehnte. Ihr Zweitältester fühlte sich zu alt, um Geschichten zu erzählen, aber seine Schwester Sarah und Mervyn schienen nie zu alt dafür zu werden.
„Seine Mutter war eine schöne und kluge Hexe, ihr Name war Cicuta Bator. Sie verliebte sich in einen Muggel namens Tom Riddle. Tom Riddle wusste nicht, dass sie eine Hexe war. Als er es herausfand, verstieß er sie."
„Aber ich bin schwanger, Tom!", schluchzte Sarah und strich mit den Händen über ihren dicken Bauch, dank einem Kissen, dass sie unter ihr Gewand geschoben hatte.
„Das kümmert mich nicht!", fauchte Enoch Nott. „Ich will nichts mit deinesgleichen zu tun haben. Du bist mit dem Satan im Bunde! Wer weiß, dein Kind ist wahrscheinlich seine Brut!"
„Tom, glaub mir, das ist nicht wahr!", rief sie.
„Geh", sagte Enoch kalt und deutete von sich.
„So wurde Tom Riddle ohne Vater geboren."
Sarah entfernte das Kissen und setzte eine Puppe auf ihren Schoß. „Dein Vater wollte uns nicht, mein kleiner Tom, aber er hat dir seinen Namen gegeben. Du heißt Tom Riddle, so wie er, und Marvolo, wie dein Großvater. Tom Marvolo Riddle. Dein Großvater war ein stolzer Mann, er wollte keine Tochter die mit einem Muggel davonläuft. Deswegen sind wir ganz alleine. Aber fürchte dich nicht, kleiner Tom, denn du bist ein Zauberer. Du wirst ein mächtiger Zauberer werden, denn du stammst aus einer alten Blutlinie. Sie reicht bis zu Slytherin selbst. Ja, mein kleiner Tom, du bist der Erbe von Slytherin selbst. Aber das muss unser Geheimnis bleiben, ein Geheimnis nur zwischen Mami und dir."
Mervyn erzählte Voldemorts Geschichte bis zu dem Zeitpunkt an dem er Hogwarts verließ, und Hermione war beeindruckt, wie viele Details er in Erinnerung behalten hatte. Der Junge war immer von Geschichte fasziniert gewesen, fast so sehr wie Lucien. Sie hatte die Kinder dieses Spiel zuvor spielen sehen, und fragte sich, wer es ihnen beigebracht hatte. Sie hatte Sameth Zabini oder Mr. Tayyar in Verdacht. Die Weasleys hatten kein solches Interesse an Geschichte, Snape würde sich nie dazu herablassen ein solches Theater aufzuführen, Theodore hatte ihr versichert er war es nicht, und sie wusste es war nicht Draco.
„Nachdem er die Schule verlassen hatte bereiste er die Welt", sagte Mervyn. „Er suchte nach alten Texten über die dunklen Künste und fand sie. Er vollzog viele dunkle Rituale und wurde mächtig und fast unsterblich. Als er zurück kam sammelte er seine Todesser um sich und begann eine Herrschaft des Schreckens."
Patty, Aries, Paddy, Geraint und Antares krochen auf Knien zu Mervyn und küssten den Saum seiner Robe. Dann traten sie zurück und bildeten einen Kreis um ihn. Es erschreckte Hermione. Es war beinah, als hätten sie gesehen, wie es gewesen war. Harry hatte es ihr und Ron beschrieben, aber erst jetzt konnte sie es sich wirklich vorstellen.
„Geht, meine Todesser. Foltert und tötet alle, die sich uns in den Weg stellen. Tötet die Muggelverwandten der Schlammblut- Zauberer. Lasst das Dunkle Mal über ihren Häusern erscheinen!"
Die ‚Todesser' gingen und setzten sich wieder.
„Er hatte ein hässliches Mal entworfen, einen Totenkopf mit einer Schlange als Zunge. Er zeichnete die Todesser damit auf ihrem linken Unterarm. Durch dieses Mal konnte er sie zu sich rufen. Wenn er es wollte, brannte es schwarz."
„Mein Großvater hat dieses Mal auf dem Arm", flüsterte Enoch.
Lyra Tayyars Kopf fuhr herum. „Tatsächlich?" Der Tonfall des Mädchens ließ Hermione die Stirn runzeln. Er klang missbilligend, aber nicht so, als wenn einer der Weasleys es gesagt hätte. Verächtlich. Hermione fragte sich, was Khairiah und Sayyid Tayyar ihren Kindern über die Todesser beibrachten. Die Aurorin redete nicht viel darüber. Enoch senkte den Kopf.
„Du musst dich nicht dafür schämen", sagte Lyra plötzlich. „Dein Vater ist ein guter Mann, ich weiß das."
Mervyn räusperte sich. Lyra warf ihm einen beschämten Blick zu. „Entschuldigung."
Mervyn nickte nur. „Die Todesser zauberten ein Bild dieses Mals in den Himmel, wenn sie töteten. Es war der Alptraum aller Zauberer in dieser Zeit. Sie wussten, wenn sie nach Hause kamen und dieses Zeichen war zu sehen, waren alle, die in dem Haus waren, tot."
„Das ist schrecklich", flüsterte Gavin. Was erzählte Bill seinen Kindern wohl über den Krieg? Die Älteste hatte wahrscheinlich mehr gewusst, aber die jüngeren? Bill und Fleur hatten nie wirklich verarbeitet wie Dominique gestorben war.
„Nun, seid nicht verwirrt, Sarah und Enoch spielen jetzt Lily und James Potter."
Die beiden stellten sich auf, Sarah eine Babypuppe im Arm.
„Voldemort hatte von einer Prophezeiung erfahren, die vorhersagte, dass ein Kind geboren würde, was in der Lage wäre, ihn zu besiegen. Er glaubte dieses Kind wäre Harry Potter, Sohn von James und Lily Potter. James und Lily waren beide bekannte Auroren und hatten viele Male gegen ihn gekämpft. Severus Snape, der ein Spion für Dumbledore war", Mervyn klang ein wenig stolz, als er das sagte, „warnte sie und sie versteckten sich mit dem Fidelius Zauber. Aber ihr Geheimnisverwahrer, James Freund Peter Pettigrew, verriet sie. So fand Voldemort heraus, wo sie waren, und ging, um sie alle zu töten."
Mervyn ging zu den beiden hinüber.
„Lily, nimm Harry und lauf! Er ist es! Geh! Beeil dich! Ich versuche sie aufzuhalten!", rief Enoch.
Sarah nahm die Babypuppe und ging ein paar Schritte.
Mervyn richtete seinen Stab auf ihn. „Stirb!" Enoch fiel zu Boden.
„Nicht Harry!", rief Sarah. „Bitte, nicht Harry!"
„Geh zur Seite, dummes Mädchen!", sagte Mervyn, den Stab auf sie gerichtet. „Geh!"
„Nicht Harry, bitte nicht! Nimm mich, töte mich an seiner Stelle!", rief sie und beugte sich über die Puppe.
„Stirb!", sagte Mervyn, und sie fiel zur Seite. „Stirb!", wiederholte er, auf die Puppe zeigend. „Ahhh!" Er hielt die Hände vor sein Gesicht.
„Die Liebe von Lily Potter beschützte das kleine Baby und der tödliche Fluch fiel auf Voldemort zurück. Sein Körper wurde zerstört und das Baby überlebte, nur mit einer Narbe auf der Stirn. Harry Potter wurde von Lilys Schwester und ihrer Familie aufgenommen, den Dursleys. Die Dursleys waren Muggel. Sie mochten Harry Potter nicht, weil er ein Zauberer war und waren sehr gemein zu ihm. Aber Dumbledore zwang sie, Harry zu behalten, weil Lily Potters Blut in ihrer Schwester Harry beschützte. Dumbledore wusste nämlich, dass Voldemort nicht tot war. Die vielen Rituale, die er vollzogen hatte, hatten dafür gesorgt, dass er überlebte, aber er war nur ein Geist ohne Körper. Als Harry Potter nach Hogwarts kam, versuchte Voldemort, wieder vollkommen lebendig zu werden. Er versuchte, den Stein der Weisen zu stehlen, den Dumbledore in Hogwarts versteckt hatte. Aber Harry Potter kam ihm zuvor und besiegte ihn ein weiteres Mal. Zu dieser Zeit hatte Harry zwei gute Freunde gefunden, die ihm halfen. Ron Weasley und Hermione Granger. Sie waren mit ihm zusammen in Gryffindor."
Hermione lächelte bei dem Gedanken daran. Wie anders sie damals doch gewesen waren. Ihr Lächeln verschwand. Besonders Harry.
„Ich habe mir sagen lassen, er verabscheute Slytherins, besonders Severus Snape und Draco Malfoy." Mervyn lachte leise. Lucien grummelte. „Das mag daran gelegen haben, dass Dracos Vater Lucius ein Todesser war."
Germaine starrte Lucien an. „Ist das wahr?"
Lucien warf ihr einen bösen Blick zu. „Woher soll ich das wissen, ich habe ihn nie getroffen. Aber ich weiß, er ist der Grund dafür, dass mein Vater hinkt."
Mervyn fuhr fort, Harrys Geschichte zu erzählen, bis er zu jenem Sommer kam, den Hermione noch immer den Furchtbarsten ihres Lebens in Erinnerung hatte.
„In dem darauf folgenden Sommer gelang es Todessern, die Schilde um das Haus der Dursleys zu durchbrechen und das Haus brannte nieder", sagte er. „Alle die darin waren starben. Obwohl man seine Leiche nie fand, hielten alle Harry Potter für tot. Aber sie irrten sich."
Hermione sah ihn überrascht an. Würde er wirklich…?
„Was niemand wusste, war, dass Harry Potter in Wirklichkeit Tigris Malfoy war, und dass die Malfoys ihn in diesem Sommer zu sich geholt hatten. Von diesem Moment an wuchs er mit seiner wahren Familie auf, und als er wieder nach Hogwarts zurückkam, wurde er nach Slytherin eingeteilt. Die Wahrheit ist, dass er immer schon ein Slytherin war, aber bei seiner ersten Einteilung hatte er den Sprechenden Hut davon überzeugt ihn nach Gryffindor einzuteilen."
„Das ist nicht möglich", sagte Germaine entschieden.
„Wie willst du das wissen?", fragte Lyra überlegen. „Du warst in Beauxbatons."
„Weil es unlogisch ist." Germaine reckte ihr Kinn in die Höhe und erinnerte Hermione in diesem Moment sehr an Fleur. „Der Sprechende Hut soll Kinder in das Haus einteilen für das sie am besten geeignet sind. Mein Vater hat mir das gesagt. Man kann ihn nicht täuschen."
„Ich habe nicht gesagt, dass er ihn getäuscht hat", sagte Mervyn ungehalten. „Er war für beide Häuser geeignet, aber beim ersten Mal wollte er nach Gryffindor. Nun lass mich weiter erzählen."
Germaine schmollte, aber schwieg.
„Tigris hatte einen Plan", fuhr Mervyn fort. „Er wurde ein Todesser um Voldemorts Vertrauen zu gewinnen, aber im Geheimen plante er, ihn zu besiegen. Er schuf sich viele Verbündete. Voldemort bemerkte es nicht, weil Tigris viel schlauer war als er. Als er wusste, dass er stark genug war, forderte er Voldemort heraus."
Die ‚Todesser' umringten Mervyn wieder. Paddy trat vor. „Ich habe von einem beunruhigendem Gerücht erfahren, mein Lord."
„Erzähl mir davon!", befahl Mervyn.
„Ich habe gehört, dass Harry Potter noch am Leben ist und manche Eurer Todesser ihm Loyalität geschworen haben", sagte Paddy. „Offenbar glauben sie, Ihr haltet nicht, was Ihr versprochen habt. Sie denken, Ihr habt uns Macht über die gesamte Zaubererwelt versprochen und die Herrschaft über die Muggel. Aber Ihr tut nichts, um das zu erreichen. Stattdessen schickt ihr uns in immer neue Versuche, Eure alten Feinde umzubringen, erst Harry Potter, nun Dumbledore. Alle Versuche schlagen fehl und viele von uns werden gefangen genommen oder sterben."
„Was tust du, Tigris?", zischte Mervyn.
„Ich berichte nur, was ich gehört habe, mein Lord. Sie sagen, Harry Potter ist noch am Leben und mächtiger als Ihr. Sie sagen, er hat Ideale, mit denen sie übereinstimmen, dass er weiß, dass Muggel gefährlich für Zauberer sind und bereit ist, sie zu beherrschen. Er strebt nach Macht und hat versprochen, sie mit denen teilen, die ihm folgen."
„Ach wirklich?", spottete Mervyn. „Und wo ist dieser mächtige Harry Potter?"
„Direkt vor dir, Tom", sagte Paddy, tat als werfe er etwas nach Mervyn und richtete seinen Stab auf ihn. Geraint und Aries stellten sich neben Paddy und richteten ihre Stäbe auf Patty und Antares. „Nur dass dies niemals wirklich mein Name war."
Mervyn presste eine Hand auf seine Brust. „Er traf Voldemort mit einem vergifteten Dolch ins Herz und sprach einen Spruch, um den Geist des Dunklen Magiers zu zerstören, so dass er für immer gebannt war." Mervyn fiel zu Boden. Paddy trat neben ihn.
„Voldemort ist tot. Das Alte und Schwache muss dem Neuen und Stärkeren weichen. Folgt mir, und ihr werdet die Macht erhalten, die ihr begehrt. Ich heiße alle Zauberer willkommen, reinblütig oder muggelgeboren. Magie ist in allen gleich und wir sind nur wenige, wir müssen zusammenhalten und stärker werden. Nennt mich Lord der Schatten."
Geraint, Aries und Antares knieten sich vor ihm hin, aber Patty blieb stehen.
„Ich will Euch nicht folgen, Schattenlord, ich bin es müde Lords zu folgen. Tötet mich, wenn Ihr wollt."
„Ich werde Euch nicht töten", sagte Paddy. „Ich bin ein gnädiger Lord. Ihr könnt gehen. Aber das Dunkle Mal auf Eurem Arm wird sichtbar bleiben als Erinnerung."
Patty ging.
„Ihr, meine treuen Gefolgsleute, werdet von diesem Mal befreit werden", sagte er zu den Übriggebliebenen. „Ihr könnt euch die Graue Gilde nennen, meine Schatten. Denn wie Schatten werdet ihr in der Dunkelheit verschwinden. Wie Schatten werdet ihr im Geheimen wirken, bis unser Ziel erreicht ist."
„Ende", sagte Mervyn und stand auf.
Hermione starrte die Kinder an. Irgendetwas entging ihr. Eine Hand legte sich auf ihre Schulter und sie schrie überrascht auf. Zum Glück bewirkte der Stillezauber auf der Tür, dass sie nicht bemerkt wurde. Sie atmete tief durch, als sie ihren Ehemann erkannte. „Merlin, Draco, du hast mich erschreckt. Musst du dich so anschleichen?"
Draco zog eine Braue hoch und sah auf seinen Spazierstock hinunter. „Ich schleiche niemals, meine Liebe, das ist unmöglich. Du warst zu fasziniert von was immer dort drin vor sich geht, um mich zu bemerken."
„Sie erzählen eine Geschichte über Voldemort und deinen Bruder. Sie ist erschreckend wahrheitsgetreu."
„Wirklich?" Draco spähte in den Raum. „Oh, Mervyn und die Tayyars. Das überrascht mich nicht."
„Ich mag die Geschichte nicht", sagte Germaine trotzig.
„Warum?", fragte Mervyn etwas beleidigt.
„Weil der Böse gewinnt!"
„Er ist nicht der Böse", protestierte Mervyn. „Er ist der Held, der den Bösen besiegt hat."
„Nein, er ist auch der Böse. Mein Papa sagt das, und meine Mama sagt das auch. Der Schattenlord ist genauso böse wie Voldemort."
„Vielleicht sagen sie das, weil deine Eltern dumm sind", sagte Lucien, zu Hermiones Überraschung.
Germaine sprang auf. „Meine Eltern sind nicht dumm! Du bist dumm!"
„Beruhigt euch, Kinder!", rief Lyra. „Es ist nur eine Geschichte. Wollt ihr ein anderes Ende hören? Ich erzähle euch eines, in Ordung? Wenn ihr euch vertragt."
Germaine grummelte, aber setzte sich wieder.
Lyra lächelte. „Okay. Also… nachdem der Schattenlord gewonnen hatte, wollte er die Welt erobern, weil das das ist, was Lords tun. Aber dann passierte etwas. Der Schattenlord traf eine Frau. Sie war die allerschönste Frau in der ganzen Welt. Sie war lieb und freundlich und sie hatte ein gutes Herz. Der Schattenlord verliebte sich in sie, und sie liebte ihn. Er entschied dass er die Welt nicht brauchte. Er wollte kein Lord mehr sein, nur ein Ehemann, und ein guter Vater ihrer Kinder. So hat ihre Liebe all das Böse besiegt, und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende."
„Wieviele Kinder hatten sie?", fragte Gavin herausfordernd.
„Drei."
„Mädchen oder Jungen?"
„Zwei Jungen und ein Mädchen."
„Wie alt sind sind sie?"
„So alt wie wir."
„Gehen sie auch nach Hogwarts?"
„Ja, aber das ist ein großes, super großes Geheimnis, weil wenn die Leute das wüssten, hätten sie Angst."
„Ich habe keine Angst!", sagte Germaine.
„Nein, aber du bist auch sehr mutig."
„Warum hätten sie Angst?", fragte Gavin.
„Weil sie nicht wissen, dass der Schattenlord nicht böse ist."
Gavin und Germaine musterten sie skeptisch. Schließlich verschränkte Germaine die Arme. „Ich mag dein Ende lieber."
„Gut." Lyra grinste.
Mervyn seufzte und schüttelte den Kopf. „Das ist ein Ende für Mädchen."
„Es ist trotzdem das bessere Ende!" Lyra streckte ihm die Zunge heraus. Sie beugte sich verschwörerisch zu Gavin und Germaine herunter. „Und außerdem ist es wahr."
Die kleineren Kinder kicherten, und sie streckte die Arme aus um sie zu kitzeln.
„Dieses Mädchen wird mal eine gute Diplomatin sein", kommentierte Draco.
„Es ist aber gelogen."
„Wer weiß?" Ihr Ehemann grinste. „Vielleicht stimmt es ja. Tigris war nie ein Kostverächter. Vielleicht hat er ja wirklich seine wahre Liebe gefunden. Wir haben schon eine Weile nichts mehr von ihm gehört."
Hermione schnaubte abfällig. „Weil er es so will. Wir beide wissen, dass das seine Strategie ist. Man sieht genug, wenn man aufmerksam genug hinschaut."
„Haben die Unsäglichen etwas gefunden?", fragte Draco überrascht.
Sie schüttelte den Kopf. „Du weißt, ich kann dir das nicht sagen. Du hast nicht die nötige Sicherheitsstufe."
„Manchmal bin ich eifersüchtig auf Direktor Tayyar."
Hermione rollte die Augen. „Ich werde mich bestimmt nicht in sie verlieben. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, dass Lyra den Kindern erzählt der Schattenlord wäre einer der Guten. Wie kommt es überhaupt, dass Lucien so etwas behauptet? Das ist… ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll."
Draco zuckte mit den Schultern. „Seine Freunde in Slytherin wahrscheinlich."
Sie schüttelte den Kopf. „Es ist eigenartig. Warum erzählen die Snapes und die Tayyars ihren Kindern die ganze Geschichte, aber…" Sie hielt inne als plötzlich die Puzzleteile in einem schrecklichen Moment absoluter Klarheit zusammenkamen.
Sie wich zurück und schloss leise die Tür. „Wie konnte ich so blind sein? Sayyid Saya. Arabisch und Urdu. Drei Kinder, zwei Jungen und ein Mädchen. Hast du es gewusst, als wir ihn zum Paten unserer Kinder gemacht haben?"
„Was gewusst?", fragte Draco verwirrt.
Das Dunkle Mal der Todesser war nach Voldemorts Tod verblasst. Bei manchen war ein Schatten zurückgeblieben, eine Narbe in der Form des alten grässlichen Bildes, bei manchen war das Zeichen vollständig verschwunden. Sie hatten immer angenommen, das kam daher, dass diese Leute gezwungen worden waren, oder dass sie nicht wirklich loyal gewesen waren, aber laut der Geschichte der Kinder war das Gegenteil wahr. Es war ein Trick gewesen, eine hinterlistige Täuschung. Die Gefolgsleute von Tigris Malfoy waren die ganze Zeit vor ihren Augen gewesen.
„Und Snape… er hat kein Dunkles Mal mehr. Er ist ein Schatten. Khairiah muss auch ein Schatten sein. Seine Ehefrau… wie konnte ich so verdammt dumm sein… ich habe sie zum Direktor der Aurorenzentrale gemacht!" Sie lachte hysterisch. „Wie konnte ich es nicht früher sehen!" Sie zog ihren Zauberstab. „Ich muss die Auroren rufen. Aber wem kann ich noch vertrauen? Wie weit haben sie das Ministerium schon infiltriert? Croaker! Ich muss es Croaker sagen!"
„Expelliarmus. Accio Stab."
Hermione fuhr herum und starrte ihren Ehemann fassungslos an, als ihr Stab in seiner Hand landete.
„Du musst mir glauben, Draco!"
„Oh ich glaube dir", sagte er. „Du bist wie immer viel zu intelligent, und doch bist du manchmal so blind. Ein Fluch und ein Segen zugleich."
Als sie ihn nur verwirrt ansah presste Draco die Lippen zusammen.
„Warum denkst du hat er mich am Leben gelassen?", fragte er traurig. „Ich bin sein Bruder. Mehr als das, er braucht mich."
Erkenntnis reifte in ihr und sie wich zurück. „Was willst du tun? Es mich vergessen lassen? Denkst du nicht ich habe ein Recht darauf, zu wissen, mit wem meine Kinder ihre Zeit verbringen? Ein Recht, Teil dieses Teils ihres Lebens zu sein?" Sie fühlte plötzlich einen stechenden Kopfschmerz und griff sich an die Stirn, taumelte, fing sich.
Draco musterte sie, sein Gesichtsausdruck starr. „Ja. Aber es geht nicht darum, was ich denke. Wir wissen beide, was du mit diesem Wissen tun würdest. Du weißt, dass er es weiß."
Hermione fühlte eine hilflose Wut in sich aufsteigen. Sie hatte immer gewusst, dass sie am Ende verlieren würde, aber es tat weh zu wissen, dass sie niemals eine Chance gehabt hatte. Sie hätte es wissen müssen, dachte sie bitter. Sie kannte den verdammten Bastard. Sie hätte wissen müssen, dass er es nicht dem Zufall überlassen würde. Sie hätte es wissen müssen, aber, das wurde ihr in diesem Moment kristallklar bewusst, sie hatte es nicht wissen wollen. Sie verzog bitter ihren Mund. „Worauf wartest du dann? Tu es."
Ihr Mann trat zu ihr und nahm sie in den Arm, als ihr schwindlig wurde. „Ich muss nichts mehr tun", sagte er traurig. „Es ist bereits getan."
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Mit Marburgvirus infiziertem Amerikaner geht es gut
Der mit Marburgvirus infizierte amerikanische Keniatourist hat sich nach zwanzig Tagen im Krankenhaus wieder vollständig erholt. „Es waren dreißig Ärzte um mich herum", sagte er. „Am Anfang dachte ich, ich müsste sterben, aber dann sagte ich mir, ich bin jung und gesund, und ich bekomme die beste gesundheitliche Versorgung die es nur gibt, ich werde das schaffen."
Kenia ist das Zentrum der derzeitigen Marburgvirus-Epidemie, die im Juni begann. Berichten zur Folge hat sich das Virus nun auch nach Somalia und Uganda ausgebreitet. Der Sudan schloss am Mittwoch die Grenzen und ließ verlauten dass sämtliche Reisende aus Epidemiegebieten ausgewiesen werden.
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Verdandi Hatkee trat aus der Feuerstelle und schüttelte die Asche aus ihrem Gewand. „Dieser Ort hat sich verändert, seit ich das letzte Mal hier war."
Tigris deutete eine Verbeugung an. „Ich hoffe, die Veränderung gefällt Ihnen. Ich freue mich, dass Sie meine Einladung angenommen haben."
Sie lächelte, aber das Lächeln erreichte ihre Augen nicht. „Sie haben mir Ihren Sohn als Tribut geschickt. Ich konnte nicht Nein sagen."
„Wir haben gemeinsame Interessen. Ich hoffe, dass er aus dieser Erfahrung etwas lernt."
„Ich bin mir nicht sicher, ob unsere Interessen sich so sehr gleichen, aber ich werde Ihnen zuhören." Sie trat in den Hof des Hauses hinaus und betrachtete die Grabsteine nachdenklich. „Sie haben dieses Haus gemeistert."
„Ich habe viele Dinge gemeistert", sagte Tigris, neben sie tretend. „Sie haben mir viele nützliche Dinge beigebracht, als ich ein Junge war."
„Schmeichelei." Sie sprang auf einen der Steine und sah auf ihn herunter. „Arroganz."
„Vielleicht." Tigris setzte sich auf den Boden und lehnte sich gegen einen der Steine. „Ich will diese Allianz zwischen uns. Ich brauche Ihre Hilfe um meine Ziele zu erreichen. Ich brauche Einigkeit. Huangdi versteht das. Namaku versteht das. Jitendra versteht das."
„Jitendra betrachtet Sie als einen Freund. Ich denke, er wird das eines Tages bereuen."
Tigris sah schweigend zu ihr hoch, bis sie zu ihm hinunter sprang.
„Wir werden uns nicht einmischen, solange unsere Interessen nicht beeinträchtigt werden", sagte sie schließlich. „Wir werden abwarten. Beweisen Sie uns, dass Sie tun können, was Sie versprechen und wir erwägen diese Allianz."
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Malfoy vs. Malfoy
Lord Malfoy ist zurück auf der politischen Bühne, und er opponiert gegen seine eigene Frau in seiner Kampagne für eine striktere Anwendung des Geheimhaltungsparagraphen. Auf die Frage, ob der politische Disput zu Problemen in seiner Ehe geführt hätte, scherzte Lord Malfoy, dass die Sofas im Malfoy Herrenhaus sehr bequem seien.
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„Ich hatte dich gebeten, es nicht zu öffnen", sagte sie traurig.
Rolf fuhr herum, überrascht, dass er sie nicht hatte kommen hören. Warum wusste sie nicht. Er sollte sich inzwischen daran gewöhnt haben.
„Warum?", fragte sie.
„Ich…" Rolf starrte auf das geöffnete Kästchen, und den schimmernden Mantel, der sich darin verbarg. „Warum, Luna? Warum hast du ihnen geholfen?"
Sie seufzte. Ein Teil von ihr hatte immer gewusst, dass er es nicht verstehen würde, dass es eines Tages enden musste. Sie ging an ihm vorbei und nahm den Mantel. Er lag warm in ihren Händen. Warm wie Traurigkeit und Abschied. „Dies ist ein Geschenk von meiner Mutter. Ich habe es nicht gewollt. Ich war so sicher, dass ich es niemals brauchen würde. Sie hat mir gesagt, dass ich töricht bin. Manche Dinge sind unvermeidlich. Ich weiß das. Ich sehe es jeden Tag."
Sie lachte traurig. Zauberer lebten in einer Welt versteckt vor den Augen der Muggel, voller Wunder und Geheimnisse. Trotzdem waren sie der Meinung, dass es jenseits dessen nichts mehr geben konnte, dass es nichts geben konnte, das sie nicht verstehen konnten, das vor ihnen verborgen war. Selbst Rolf, ihr liebster, geliebter Rolf, der alle Kreaturen und Monster dieser Welt liebte, konnte nicht glauben, dass es etwas jenseits dessen gab, was seine Augen sehen konnten.
Sie wusste, dass er es nicht verstehen würde, aber all die Jahre hatten ihren Preis. „Es muss ein Gleichgewicht in der Welt geben, Rolf. Unsere Welt kennt kein gut und böse. Das ist eine menschliche Idee."
„Wie kannst du das sagen? Du hast zusammen mit Dumbledore gegen Voldemort gekämpft!"
„Ja, weil er aufgehalten werden musste. Er wäre das Ende aller Magie gewesen, und das Zeitalter der Magie hat gerade erst begonnen. Wir waren an einem Wendepunkt, aber er ist nun Vergangenheit. Vor langer Zeit, als wir bereits einmal an diesem Punkt angekommen waren, hat sich die Waagschale zur Welt der Muggel gewendet. Magie entschied sich, sich zurückzuziehen, klein zu werden, so dass sie wachsen konnten. Nun hat sich das Rad erneut gedreht."
„Wovon redest du?", rief Rolf. „Du kannst nicht wirklich glauben, dass sie gewinnen sollen!"
Luna seufzte. Sie war lange zornig auf ihre Mutter gewesen, zornig darüber, was sie ihrem Vater angetan hatte. Zornig, dass sie nicht sehen konnte, wie sehr er litt, dass sie sich weigerte, ihm zu helfen. Nun verstand sie es schließlich. „Es tut mir so leid, Rolf.", sagte sie. „So leid."
Sie sah ihm in die Augen. „Es war ein Unfall", sang sie. „Du bist zu spät gekommen, es ist nicht deine Schuld. Die Kinder brauchen dich jetzt, denk an sie."
Es war ein Segen, dachte sie, dass ihre Kinder bereits erwachsen waren. Sie würde kein kleines Mädchen zurücklassen, halb in dieser Welt, halb in einer anderen, das seinen Weg mit einem Vater finden musste, der nach etwas suchte, das unumgänglich verloren war. Sie und Rolf hatten eine lange Zeit zusammen verbracht, eine wunderbare Zeit. Sie hatte immer gewusst, dass es eines Tages enden musste.
Sie schwang den Mantel um ihre Schultern und breitete ihre Flügel aus. Über ihnen kreiste ihre Mutter. Es überraschte sie nicht, dass sie sie erwartet hatte.
Sie schlug ihre Flügel und der Wind grüßte sie wie einen alten Freund.
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„Ich brauche dich Severus."
Snape ballte wütend die Fäuste. „Es ist mir egal, was du brauchst", zischte er. „Habe ich nicht schon genug für dich geopfert?"
Tigris lehnte sich zurück und betrachtete ihn kühl. Sanguini neben ihm grinste.
„Ich habe immer gedacht, dass dein Sohn ein sehr mutiger Mann ist. Ein Mann mit Überzeugungen. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass er ein Gryffindor ist. Einer der besten Auroren die das Ministerium hat, er hätte eines Tages Leiter der Abteilung für magische Strafverfolgung werden können. Bedauerlich, dass seine Überzeugungen so wenig mit unseren übereinstimmen, nicht wahr? Dennoch, ich respektiere das. Ein weiser Mann sagte mir einmal, Menschen mit Überzeugungen sind die gefährlichsten."
Snape bebte. „Tu es nicht", sagte er heiser. „Ich flehe dich an, denk an all das was ich für dich getan habe."
„Das tue ich." Tigris lächelte. „Ich denke jeden Tag daran. Ich weiß nicht, was ich ohne dich tun würde."
Snapes Miene gefror in einem Ausdruck der Bitterkeit. „Ich hasse dich", zischte er. „Mit jedem Jahr meines Lebens hasse ich dich mehr. Warum? Warum willst du mich am Leben halten?"
Tigris betrachtete ihn nachdenklich. Er fühlte beinahe Mitleid für ihn. „Ich brauche deinen Hass", sagte er. „Er ist das Einzige was mich daran hindert die Welt zu verschlingen."
Snape schloss seine Augen. „Immunität für meinen Sohn."
Tigris lächelte traurig. „Kein Schatten wird ihn anrühren."
Snape nickte und neigte Kopf zur Seite. „Tu es, und sei verdammt."
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Albus Dumbledore ist tot.
Der beliebte Schulleiter von Hogwarts verstarb am Mittwoch im Alter von 216 Jahren im Beisein seiner Familie. Zum Gedenken gibt das Hogwarts Kammermusikorchester am Sonntag eine Sonderaufführung mit anschließender Lesung aus Dumbledores Biographie.
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„Schulleiter von Hogwarts? Ich?" Mervyn schüttelte verwirrt den Kopf. „Warum?"
„Wer wäre besser geeignet?" Neville lächelte. „Du bist einer meiner besten Lehrer, Mervyn, und du hast Haus Gryffindor all diese Jahre hervorragend geleitet. Ich bin müde. Ich will mehr Zeit mit meiner Familie verbringen, mit meiner Urenkelin spielen. Ich weiß, die Kinder sind bei dir in guten Händen."
Mervyn sah auf die Schüler hinab und spürte einen Anflug von Nervosität, wie er ihn schon lange nicht mehr gefühlt hatte.
„Dein Vater wäre stolz auf dich."
Neville wusste immer, was er sagen musste, um Leute von seiner Sicht der Dinge zu überzeugen. Es war bewundernswert und irritierend zugleich. Mervyn lachte leise. „Wenn du dir sicher bist."
Neville grinste triumphierend. „Das bin ich."
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Wie kann Ministerin Malfoy das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückgewinnen?
Die unpopuläre Entscheidung der Ministerin gegen den Beschluss des Wizengamots Muggelgeborene nach ihrer Geburt von Zaubererfamilien adoptieren zu lassen Veto einzulegen spaltet weiterhin die Gesellschaft. Die Ministerin hatte zuvor diese Maßnahme mit Kindesentführung verglichen und behauptet, Muggel hätten ein Anrecht darauf ihre Kinder selbst großzuziehen. Eigentlich gilt die Ministerin als eine Befürworterin der besseren Integration von Muggelgeborenen in die Zaubererwelt. Umso größer war die Verwunderung über Malfoys Ablehnung des innovativen Gesetzesentwurfs - nicht nur politische Gegner zeigten sich entsetzt über ihre Entscheidung ihre persönliche Ansicht über den Mehrheitswillen zu stellen. Doch Ministerin Malfoy bleibt bei ihrer Entscheidung - und sieht wohl auch keinen Grund zur Entschuldigung. Erfahrene Mitglieder des Wizengamot waren von dem Vorgehen schockiert. Wie informierte Kreise berichten wurde der Ministerin angeraten nach ihrer kontroversen fünften Amtszeit bei der anstehenden Ministerwahl im kommenden Jahr auf eine erneute Kandidatur zu verzichten.
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„Leben und Tod sind ein Kreis", sagte Jitendra. „Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Menschen wollen immer nur die angenehmen Dinge, die schönen, makellosen Dinge. Sie denken, Glück kann ohne Opfer existieren. Glück wird aus Opfer geboren. Es ist unsere Dankbarkeit für das, was übrig bleibt. Weil wir wissen, was Verlust bedeutet. Verstehst du das?"
„Ja. Ja, ich verstehe das sehr gut."
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Zyklon in Indien
Ein tropischer Wirbelsturm traf am Sonntag die indische Westküste und führte zu Sturmfluten, die bis zu zehn Meter Höhe erreichten. Nach ersten Schätzungen sind etwa sechs Millionen Menschen direkt von den Auswirkungen des Sturmes betroffen. Die exakte Zahl an Todesopfern ist bislang noch nicht bekannt.
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Korbinian fiel mit einer geschmeidigen Bewegung die Tigris nur zu bekannt vorkam auf die Knie und legte Lucius' Spazierstock neben sich auf die Erde.
„Es ist mir eine Freude, euch zu Diensten zu sein, mein Lord."
Tigris wand sich um seine Achse und starrte auf den jungen Mann hinunter, erfüllt von einer Mischung aus Entsetzen und Erleichterung.
„Lucius, was hast du getan? Draco wird dir das niemals vergeben."
Der Blonde lächelte. „Es gibt viele Dinge die mein Vater nicht versteht. Es war mein eigener Wunsch, mein Lord. Ich wollte euch dienen, wie mein Großvater es getan hat. Er hätte ohnehin nicht mehr lange gelebt. Auf diese Weise hatte sein Tod einen Sinn. Mein Tod hatte einen Sinn."
Tigris senkte den Kopf und sah in die Augen seines Neffen-Vaters. „Was hast du mit der Leiche gemacht?"
Korbinian zuckte mit den Schultern. „Wie Ihr wisst gewinnt das Ritual seine Macht aus dem Blut, Knochen und Fleisch des Opfers. Es gibt nicht wirklich mehr etwas, das man in einem Sarg ausstellen würde. Dennoch, die Ministerin hat sich in den letzten Jahren so viel Mühe gegeben, Lucius Malfoy zu finden, ich dachte mir, ich tue ihr einen Gefallen. Ich habe ihr die Reste geschickt."
Tigris wiegte seinen Kopf zur Seite. „Willst du, dass dein Vater dich hasst?"
Korbinian grinste. „Draco hat mich schon öfter gehasst. Er wird darüber hinwegkommen. Er hat es überwunden dass ich ihn gefoltert und sein Bein ruiniert habe. Er wird es nicht persönlich nehmen." Sein Gesichtsausdruck veränderte sich. „Abgesehen davon, ich habe es genossen. Ich meine, ich habe Großvater geliebt, wir waren uns ähnlicher als ich und mein Vater es je sein werden, aber er hat es schließlich gewollt. Es war ein großartiges Gefühl, ich weiß jetzt warum er es immer so genossen hat."
Tigris schloss einen Moment lang die Augen und erlaubte sich für das, was gestorben war, Trauer zu empfinden. Als er sie wieder öffnete, sah er auf das, was überlebt hatte, und lächelte.
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Spannungen mit Europa auf neuem Höhepunkt
Nach dem Anschluss von Ostgeorgien haben die Europäische Union und die USA erneut ihre Teilnahme an dem geplanten Gipfeltreffen in Minsk abgesagt. Die Russische Föderation und China erklärten übereinstimmend, dass die bevorstehenden Verhandlungen davon nicht beeinflusst sein werden. Das G4 Treffen in Peking verläuft wie geplant.
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„Sie haben die richtige Entscheidung getroffen, Minister."
Der französische Zaubereiminister strich sich nervös mit seinen Händen über die Taschen seiner Robe. „Ich hoffe wirklich, dass Sie damit Recht haben."
Korbinian nickte enthusiastisch und Tigris verbarg ein Lächeln. Sein Vater/Neffe war wie immer brillant. „Ein vereinigtes Europa ist unsere beste Chance diesen Muggelkrieg unter Kontrolle zu bringen. Sie werden es nicht bereuen. Wir müssen mit einer Stimme sprechen. Ein europäischer Zaubereiminister wird diese Stimme sein."
„Und wer wird dieser Mann sein?", fragte der griechische Minister herausfordernd. „Sie?"
Korbinian lachte. „Nein, ich bin mit England schon genug beschäftigt. Ich werde mich nicht zur Wahl stellen. Ich bin zuversichtlich, es wird genug ausreichend qualifizierte Kandidaten geben und wir werden alle zusammen eine weise Wahl treffen."
Die vereinigten Minister sahen sich an und nickten. Der Gedanke gefiel ihnen. Vielleicht erhofften einige von ihnen sich, dass sie selbst den neuen Posten ausfüllen würden.
Das spielte keine Rolle. Tigris wusste bereits, wer der neue Minister sein würde, und er wusste, welche Entscheidungen er treffen würde.
Gute Arbeit, flüsterte er.
Korbinian lächelte.
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„Kommt Korbinian uns heute besuchen?"
„Vielleicht. Ich weiß es nicht." Draco dirigierte seinen Stuhl zu ihr hinüber. Seine Beine machten nicht mehr so mit wie es früher mal gewesen war. Es war eine Folge der Fluchwunde, dass Magie dabei nicht viel helfen konnte. Als er als Arzt in der Muggelwelt gearbeitet hatte, waren die Muggel gerade dabei gewesen, Prothesen zu entwickeln, mit denen er vielleicht wieder hätte laufen können, aber das war Vergangenheit. Nach allem, was geschehen war, war nicht mehr viel von diesem Wissen übrig.
Korbinian war seit Jahren nicht mehr hier gewesen, aber sie wusste das natürlich nicht. Die Zeit, die Draco seine Beine gekostet hatte, hatte ihr nach und nach den brillanten Geist genommen. Draco nahm ihre Hand. Manchmal fragte er sich, ob es seine Schuld war, ob er dazu beigetragen hatte. „Ich war ein Feigling", flüsterte er. „Ich wollte dich nie verlieren."
Trotzdem hatte er sie am Ende doch verloren. Sie hatte sich davongestohlen, langsam und schleichend. Am Anfang hatten sie alle gedacht, es wäre nur das Alter. Eine 180 Jahre alte Hexe durfte schließlich ab und zu mal etwas vergessen, und niemand konnte erwarten, dass sie alles noch so schnell verstand wie früher. Als sie das Haus nicht mehr verlassen wollte, und jede noch so kleine Veränderung zu einem Wutanfall führte, hatten sie noch immer gedacht, dass sie im Alter langsam wunderlich wurde. Als sie sich selbst in der Sonne des Teezimmers nicht mehr erinnerte, hatte er gedacht, etwas sei mit der Magie des Hauses nicht in Ordnung. Es war einfacher gewesen, das zu glauben. Zu glauben, dass es etwas gab, dass er tun konnte. Einfacher, als die Wahrheit.
Es war schwierig gewesen, als er es noch nicht verstanden hatte. Er hatte Tigris die Schuld gegeben. Er hatte den Fluchbrechern die Schuld gegeben, die keinen Fehler in den alten Zaubern finden konnten. Er hatte den Heilern die Schuld gegeben, die nichts finden konnten, was sie hätten heilen können. Er hatte ihr die Schuld gegeben, hatte gedacht, es wäre ihre alte Sturheit. Er hatte mehr als alles andere sich selbst die Schuld gegeben, für alle seine Fehler. Hatte geglaubt, dass sie ihn bestrafen wollte. Er war ein törichter alter Narr.
Sie griff nach seiner Hand, und einen Augenblick lang schien es, als blicke die alte Hermione aus ihren Augen. Es gab solche Momente der Klarheit, in denen es plötzlich schien, als sei die Krankheit nur eine Illusion gewesen. Draco sehnte sie zugleich herbei und fürchtete sie. Sie brachten sie zurück zu ihm, und zeigten ihm zugleich, was er verloren hatte.
„Du bist ein guter Mann, Draco Malfoy", sagte sie. „Zweifle niemals daran. Ich kenne dich lang genug, um dein Herz zu kennen. Ich weiß, ich habe viele Dinge vergessen, aber das weiß ich."
Sie küsste ihn, als er nicht antwortete.
„Ich weiß, dass du mich anlügst", sagte sie plötzlich. „Ich habe es vor langer Zeit herausgefunden. Es war zu spät. Zu spät, die Dinge zu ändern. Ich war zu müde, wütend zu sein. Was hätten Worte geändert? Ich habe diesen Krieg verloren. Am Ende war ich froh, dass unsere Kinder eine Zukunft haben. Ich würde gerne noch einmal mit Korbinian reden. Ich möchte ihm sagen, dass ich ihm keine Vorwürfe mache. Das ich ihn immer lieben werde. Egal was er getan hat, er wird immer mein Sohn sein."
„Hermione…", sagte er, keine Worte findend.
Ihre Hand griff seine fester. „Ich weiß, dass ich bald sterben werde. Ich bin nicht traurig, und du solltest es auch nicht sein. Ich hatte ein gutes Leben. Wir hatten ein gutes Leben. Es ist Zeit für das nächste große Abenteuer."
Draco blinzelte die Tränen aus seinen Augen und lächelte. „Lauf nicht zu schnell, meine Liebste. Ich werde dich bald einholen."
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„An diesem Tage sind wir zusammengekommen um einen Mann zu ehren dessen Beiträge zu unserer Gemeinschaft das Leben unzähliger Menschen verbessert haben. Er wird uns in Erinnerung bleiben als ein herausragender Heiler, ein Visionär, ein Geschäftsmann der bei seinen Investitionen nie das Wohl der Gesamtheit aus den Augen verlor, ein weiser Politiker und unermüdlicher Philanthrop, und nicht zuletzt ein liebender Ehemann und hingebungsvoller Vater, Großvater, und Urgroßvater. Mit Lord Draco Malfoy verliert unsere Welt einen wahrhaft großen Mann. In seinem Vermächtnis wird er unsterblich sein."
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„Es ist Zeit, es zu beenden", sagte Tigris. „Du solltest nun deine Leute zusammenrufen."
Scorpius sah überrascht aus. „Du willst, dass wir offen gegen die Abtrünnigen vorgehen? Ich dachte, du wolltest keinen Krieg in der Zaubererwelt."
„Du hast mir oft genug gesagt, dass du nur die Kompetenzen ausnutzen willst, die das Ministerium dir verliehen hat, und dass wir niemals uneingeschränkt herrschen werden, solange diese Terroristen gegen uns arbeiten. Ich habe niemals gesagt, dass ich dir nicht zustimme."
„Trotzdem hast du mir nie erlaubt, zu handeln. Was hat sich verändert?"
Tigris richtete sich auf und starrte in das Licht der Sonne, die über ihnen stand und zwischen den Felsen hindurch auf sie herunter schien, dann sah er auf den blonden Mann hinunter. Der Mann sah regungslos zu ihm hoch, ohne seinem Blick auszuweichen.
Er hatte den Unterschied noch nie zuvor mit solcher Klarheit gesehen. Lucius war nie in der Lage gewesen, ihm in dieser Form in die Augen zu sehen. Korbinian hatte ihn angesehen, aber es war immer eine Herausforderung in seinen Augen gewesen, eine wilde Waghalsigkeit. Scorpius hatte ihn niemals gefürchtet.
„Ich habe ein Versprechen gegeben", sagte er. „Nun ist es erfüllt."
Scorpius betrachtete ihn einen Moment lang regungslos, dann nickte er. Er verstand mehr, als er sagte, dachte Tigris. Er schätzte das an ihm. Sowohl das Verständnis, als auch sein Schweigen.
„Ich habe auf diesen Moment gewartet", sagte er dann. „Meine Leute werden keine Zeit zur Vorbereitung brauchen. Ich verspreche dir, wenn der Gang der Sonne sich das nächste Mal wendet, wird die Welt uns gehören, und niemand wird daran zweifeln."
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„Ich bin gekommen, um mich zu verabschieden."
Tigris blinzelte, überrascht von der Enttäuschung die er fühlte. Er hatte seine Gespräche mit dem anderen Mann immer sehr genossen, und viel aus ihnen gelernt. „Kannst du nicht noch etwas bleiben? Wir haben gerade erst begonnen. Ich könnte deinen Rat gut gebrauchen."
Ephorus Binns lächelte. „Mein Werk hier ist vollendet. Mein Buch fertig geschrieben. Es gibt nichts, was mich noch länger hier hält. Nun, da mein Buch in der Bücherei von Hogwarts steht, und die nächste Generation von Zauberern und Hexen mit der Wahrheit über meinen Meister aufwächst, kann ich ihm endlich nachfolgen."
Seine Stimme wurde schwächer, während er sprach, und sein Körper begann zu verblassen, bis nur noch ein schimmernder Umriss sichtbar war, der schließlich auch verschwand. Nur ein leises Echo blieb zurück und verklang.
„Danke."
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„Manchmal wünschte ich mir, er könnte die Welt sehen, die wir geschaffen haben", sagte Tigris.
Severus schnaubte verächtlich. „Draco würde dies nicht sehen wollen. Er hat ein langes Leben gelebt. Ein glückliches Leben. Das war alles, was er jemals wollte. Wenn du ihm das nicht gelassen hättest, wärst du wirklich unrettbar verloren."
„Ich habe nie in Erwägung gezogen, ihm das wegzunehmen", sagte Tigris ärgerlich. So viele Jahre, und Severus konnte ihn noch immer wütend machen wie kein anderer es konnte. Es gab Tage, da glaubte er, er hätte sämtliche Gefühle überwunden. Dann machte Severus seinen Mund auf und er fühlte sich wieder, als wäre er sechzehn.
„Niemals?", fragte Severus mit ehrlicher Neugier.
„Nein, niemals." Tigris wusste, warum er fragte. Ja, er hatte Draco geliebt, wie niemanden sonst in seinem Leben. Ja, er hätte sich gewünscht, nichts würde sie jemals trennen. Das alles war am Ende unwichtig. „Ich wollte, dass er glücklich ist."
„Ich verstehe." Severus musterte ihn als wäre er ein besonders faszinierender Käfer dessen Nutzen er noch nicht herausgefunden hatte. „Ich frage mich, wie lange es dauern wird, bis dieser Rest von Menschlichkeit auch verschwunden ist."
„Dafür habe ich dich. Um ihn am Leben zu halten." Tigris wurde die Unterhaltung müde, und glitt in das kühle Wasser der Cenote. „Sag ihnen, ich meditiere."
„Natürlich, mein Lord. Wie lange, wenn ich fragen darf? Das letzte Mal warst du zwei Jahre verschwunden."
„Ich weiß noch nicht. Ich bin sicher, ihr kommt zurecht." Ihr kommt immer zurecht.
Tigris tauchte unter und schwamm in die Tiefe. Er fühlte das sanfte Vibrieren der Stalagmiten und Stalagtiten, und wand sich zwischen ihnen hindurch. Es war still. Die Welt war, wie sie sein sollte.
Alles war gut.
Vielen Dank für alle eure Reviews und dass ihr dieser Geschichte über all diese Jahre treu geblieben seid!
