XXIII.

Luke Skywalker stand vor dem Panoramafenster in Vaders Quartier auf der Executor und beobachtete den Untergang der Allianz und der letzten Hoffnung auf Freiheit …

Vor dem samtschwarzen Hintergrund des Alls glühten Lichtfunken im ganzen Spektrum der Zerstörung auf, grüne und rote, goldene und orangefarbene Funken, die aufflackerten und sofort wieder erloschen wie nachtblühende Blumen, die sich nur für einen einzigen Augenblick in ihrer ganzen vergänglichen Pracht entfalteten, um gleich darauf zu verwelken.

Es hatte eine gewisse morbide Schönheit. Es war wie ein Feuerwerk ... ein apokalyptisches Feuerwerk, bei dem jedes Aufblitzen Tod und Vernichtung bedeutete. Ja, es war auf seine Weise schön. Und es war schrecklich …

Vader, der hinter seinem Sohn stand und über seinen Kopf hinweg hinausblickte, empfand diese besondere Ästhetik ebenfalls und er wusste sie sogar noch mehr zu würdigen, denn für ihn war sie nicht das deprimierende Merkmal eines persönlichen Armageddons. Für ihn war es eher eine Götterdämmerung, das triumphale Morgenrot eines neuen Imperiums. Seines Imperiums …

Doch der Kriegsherr in ihm zählte automatisch mit klinisch-kühler Nüchternheit die großen Rebellen-Kreuzer, die systematisch vom Todesstern dezimiert wurden, einer nach dem anderen – ganz zu schweigen von all den kleineren Schiffen und X-Flüglern, die seinen TIE-Jägern zum Opfer fielen. Und der Stratege in ihm konnte nicht umhin, die Tollkühnheit der Rebellenpiloten zu bewundern, die sich auf die immer noch teilnahmslosen, aber potenziell gefährlichen Sternzerstörer stürzten, eine durchsichtige Taktik, die sie aber immerhin tatsächlich vor den Laserstrahlbündeln der imperialen Raumstation bewahrte, wenn auch nicht vor den allgegenwärtigen TIEs.

Aber der Vater in ihm, diese neue Persona, die beunruhigend schnell in den tieferen Schichten seines Wesens Wurzeln geschlagen hatte und sich immer lauter zu Wort meldete, konnte weder den Schmerz noch die Traurigkeit ignorieren, die von seinem Sohn ausgingen wie Gravitationswellen innerhalb der Macht…

Er legte seine Hand auf Lukes schmale Schulter und sagte: „Ich weiß, wie schwer das für dich ist, Junge. Ich wünschte wirklich, du würdest doch nach nebenan gehen und dort einfach warten, bis das hier vorbei ist."

„Ich kann nicht!"

Vader stöhnte innerlich auf. Gegen den klassischen Jedi-Masochismus war offenbar kein Kraut gewachsen. Er hoffte, dass sein Sohn diese spezielle Form der Selbstquälerei bald überwinden würde. Er hoffte es wirklich...

Er wollte sich gerade zu diesem Thema äußern – Vater hin oder her! – als ein melodisches Viertonsignal ertönte.

Vader zog eine Augenbraue hoch, eher erstaunt als verärgert. Er hatte angeordnet, dass er nicht gestört werden wollte, aber wenn jemand seine Wünsche ignorierte, dann musste es einen guten Grund dafür geben. Einen sehr guten Grund …

Er ging zu seiner Kom-Anlage hinüber und drückte auf einen Knopf. Der Monitor leuchtete auf und zeigte Admiral Piett, der seltsam angespannt wirkte. Er sah nicht aus wie ein imperialer Offizier, der gerade voller Genugtuung bei der Eliminierung der Erzfeinde des Imperiums zusah. Er sah besorgt aus. Vader runzelte die Stirn und aktivierte sein Mikrophon.

„Was ist denn, Piett?" fragte er ungeduldig.

„Verzeihen Sie die Störung, Mylord, aber wir haben ein Problem auf Endor."

„Was für ein Problem?"

„Die indigene Bevölkerung hat sich offenbar auf die Seite der Rebellen geschlagen und es gibt mehr Widerstand, als wir erwartet haben."

„Die Ewoks?" Vader fühlte einen Hauch von Belustigung, durchzogen mit einer Spur von Irritation. Das war ja lächerlich!

„Also das sollte nun wirklich kein Problem sein, Piett. Unsere Männer da unten werden doch wohl dazu in der Lage sein, neben einer Handvoll Rebellen auch noch eine Horde von aufmüpfigen Kobolden mit Steinschleudern in den Griff zu bekommen."

„Natürlich, Sir. Trotzdem habe ich gerade einen Anruf von Commander Jerjerrod bekommen."

Vaders kurzlebige Belustigung erlosch und hinterließ nur noch Irritation. Der derzeitige Kommandant des Todessterns war in seinen Augen ein rückgratloser Duckmäuser und noch dazu ein inkompetenter Vollpfosten – eine unerträgliche Kombination, die ziemlich bald zu einer Versetzung des Mannes führen würde. Und zwar zu einer sehr endgültigen Versetzung in das Nirwana aller inkompetenten Vollpfosten, wenn es nach Vaders Plan ging …

Aus dieser Richtung konnte also keine große Überraschung mehr kommen, jedenfalls keine angenehme.

„Was will er denn?"

„Er will, dass wir unsere Position verändern, Mylord. Die Executor soll den Orbit von Endor verlassen, damit ..." Piett schluckte unwillkürlich, jetzt sichtlich nervös. „... damit er ein freies Schussfeld hat."

Vader blinzelte, ebenso unwillkürlich. (Es war wirklich ein Glück, dass der gute Admiral dank der Privatmodus-Einstellung seines Koms sein Gesicht nicht sehen konnte. Ein Ruf als knallharter, völlig emotionsloser Boss konnte so schnell Schaden nehmen. Ein paar mimische Entgleisungen dieser Art und alle würde denken, dass der Sith auf seine alten Tage weich wurde ...)

Also doch eine Überraschung, dachte er. Und eine besonders unangenehme noch dazu. Ich hasse Überraschungen!

„Er will auf Endor schießen?" fragte er ungläubig.

Piett fuhr sich mit der Zungenspitze über seine Lippen, ein kleiner Tick von ihm, der nur zu Tage trat, wenn er hinter seiner beherrschten Fassade wirklich zutiefst bestürzt war. „Er sagt, der Befehl kommt von Seiner Majestät höchstpersönlich, Sir. Der Imperator will wohl verhindern, dass die Rebellen den Schutzschildgenerator doch noch zerstören und ungestraft damit davonkommen."

Das erste, was Vader dabei traf, war die zum Himmel schreiende Unlogik dieses irrwitzigen Befehls. Wenn Endor vernichtet wurde, dann wurde natürlich auch der Schutzschildgenerator zerstört, womit die Rebellen ironischerweise das erste Ziel ihres bereits zum Scheitern verurteilten Feldzugs erreicht hätten.

Natürlich konnte der Todesstern sich selbst verteidigen, aber immerhin war es nur sein Schutzschild, der die Flotte der Allianz bis jetzt daran gehindert hatte, die Raumstation direkt anzugreifen. Und trotz all seiner Turbolaserbatterien und seines Superlasers, der gerade mit erbarmungsloser Präzision die feindlichen Schiffe ausradierte, durfte man nicht ganz und gar vergessen, dass der Todesstern im Gegensatz zu seinem Vorgänger immer noch eine riesige fliegende Baustelle war, die unzählige Löcher, Ritzen und Winkel aufwies, durch die (rein theoretisch!) durchaus ein verzweifelter Rebellenpilot auf Selbstmordmission in die innere Struktur der Raumstation eindringen konnte, um dort unvorhersehbare Schäden anzurichten. Vielleicht sogar mehr als das …

Und was war mit der Endor-Garnison? War ein kleinlicher Racheakt gegenüber einem einsamen Kommandotrupp der Allianz – oder aber ein mentaler Schlag gegen Luke, der ihn auf die dunkle Seite der Macht hinüberkicken sollte, denn das war vermutlich der wahre Beweggrund für Palpatines unerwarteten kleinen Schachzug! –, also war es das wirklich wert, dafür einen ganzen Mond und mit ihm eine Legion loyaler imperialer Truppen in die Luft zu sprengen? Ganz bestimmt nicht.

Es gab nur eine Erklärung dafür …

Jetzt hat er völlig den Verstand verloren, dachte Vader. Und er hat die Kontrolle über sich verloren. Er kann nicht einmal mehr zwischen einem strategisch sinnvollen Präventivschlag und purer Mordgier oder vielmehr purer Bösartigkeit gegenüber meinem Sohn unterscheiden. Ich muss ihn ausschalten. So schnell wie möglich …

Aber noch saß Palpatine am längeren Hebel und das machte ihn zu einem unkalkulierbaren Risikofaktor. Konnte Vader es sich wirklich erlauben, jetzt schon offenen Widerstand zu leisten und eine ausdrückliche Anweisung des Imperators zu verweigern, indem er ihre Ausführung durch einen anderen verhinderte?

Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit war Darth Vader sich unschlüssig über seinen nächsten Schritt. Was sollte er tun? Sollte er eingreifen oder sollte er den Dingen einfach ihren Lauf lassen? Sollte er die Endor-Garnison retten oder sollte er sie als Bauernopfer abschreiben und sie ihrem bereits besiegelten Schicksal überlassen?

Die Rebellen – diese unverbesserlichen Langzeit-Terroristen der Allianz und die frischgebackenen eingeborenen Möchtegern-Terroristen – waren ihm dabei ehrlich gesagt herzlich egal. Sie hatten durch ihre sinnlose Revolte längst ihr eigenes Todesurteil unterschrieben.

Und was Endor selbst anging … Zu schade, wirklich! Aber es gab so viele wunderbare und von Leben erfüllte Welten in der Galaxis … Und es gab so viel bedeutendere Dinge als einen drittklassigen kleinen Hinterwäldler-Mond, wenn man die großen Zusammenhänge sah …

„Mylord?" fragte Piett unsicher. „Was soll ich tun? Soll ich die Executor von Endor wegsteuern oder bleiben wir in Position?"

„Einen Moment noch, Admiral!" schnappte Vader. „Ich denke nach!"

„Das kannst du nicht zulassen, Vater!"

Und plötzlich stand Luke neben ihm, weiß wie ein Laken, und starrte ihn aus diesen weit aufgerissenen, wirklich enorm großen blauen Augen an.

„Manchmal müssen harte Entscheidungen getroffen werden, Junge", sagte Vader rein mechanisch, denn er überlegte immer noch. Was für ein Dilemma … Und das ausgerechnet jetzt!

„Das Wohl von vielen geht immer über das Wohl von einzelnen", dozierte er ein wenig geistesabwesend. „Und wir ..."

„Es gibt kein Wir, wenn du das zulässt!" fiel Luke ihm ins Wort. „Wie kannst du über so etwas auch nur nachdenken?! Du hast doch auch deine Leute da unten", fuhr er eindringlich fort. „Und ich habe sogar meine …" Er unterbrach sich selbst gerade noch rechtzeitig, bevor Leia ihm buchstäblich aus dem Mund rutschte. „Und ich habe sogar meinen besten Freund da unten. Han Solo. Er ist dir auf Bespin über den Weg gelaufen, soviel ich weiß."

„Als ob ich das je vergessen könnte", erwiderte Vader sardonisch.

Sein Tonfall implizierte, dass es für alle Beteiligten viel besser gewesen wäre, wenn er diese spezielle Begegnung vergessen hätte. Er konnte es generell nicht leiden, wenn auf ihn geschossen wurde, aber es gab auch noch andere Gründe, warum er ganz entschieden kein Mitglied des Han-Solo-Fanclubs war …

„Tatsächlich wäre dieser unmögliche Corellianer allein schon Grund genug, um Endor wirklich in die Luft zu jagen."

Das war eigentlich als Witz gedacht, ziemlich makaber natürlich, aber immerhin. Doch sein entnervter Sprössling war offensichtlich nicht mehr dazu in der Verfassung, seinen Sinn für Humor wenigstens ansatzweise zu schätzen.

VATER!"

„Ist ja gut! Aber du musst wirklich verstehen, Junge..."

Du bist derjenige, der nicht versteht. Meine … Leia ist auch da unten. Leia Organa", fügte Luke hastig hinzu, als ob er davon ausging, dass sein Vater Dutzende von Frauen mit demselben Vornamen kannte, so dass eine genauere Identifizierung unbedingt notwendig war.

„Oh, wirklich? Na, das nenne ich Pech", sagte Vader.

Es wunderte ihn übrigens nicht im geringsten, dass die Prinzessin auf Endor war. Dieses Mädchen hatte ein sagenhaftes Talent dafür, immer genau dort zu sein, wo sie auf keinen Fall hingehörte.

Man könnte wirklich meinen, nach allem, was sie durchgemacht hat, hätte sie allmählich genug Selbsterhaltungstrieb entwickelt, um mit ihrem aufsässigen kleinen Hintern an einem halbwegs sicheren Ort zu bleiben, dachte Vader. Aber sie ist eindeutig suizidal veranlagt. Sie ist fast genau so unmöglich wie dieser Corellianer... Was soll man mit solchen Leuten bloß anfangen?

„Tut mir Leid, Junge, aber ..."

Und Luke begriff, dass es allerhöchste Zeit war, das letzte Familiengeheimnis zu lüften, bevor etwas Unwiderrufliches geschah.

„Aber du willst doch bestimmt nicht deine eigene Tochter in die Luft jagen, oder?"

WAAAS?!"

Luke schloss für einen Moment gepeinigt die Augen, aber es war besser, die Sache zu Ende zu bringen.

„Ja, es ist wahr. Sie ist meine Schwester", sagte er matt.

Einen Augenblick lang fragte sich Vader ernsthaft, ob sein Sohn gerade ebenfalls den Verstand verloren hatte. (Er hätte übrigens allen Grund dazu gehabt, der arme Junge!)

Dann kam ihm langsam, aber zwingend der völlig einleuchtende Gedanke, dass er selbst womöglich die einzige Person weit und breit war, die überhaupt noch bei Verstand war, denn inzwischen hatte sich zweifellos die ganze Galaxis in einen einzigen großen Narrenturm verwandelt. Nein, das ganze Universum

Doch Luke sagte die Wahrheit – Vader konnte von allen Seiten her fühlen, wie die Macht sich krümmte und aufbäumte vor dieser unglaublichen Erkenntnis, obwohl er selbst sich immer noch dagegen sträubte.

„Aber … wie kann das sein? Das ist doch unmöglich", flüsterte er vor sich hin. Die naheliegende Erklärung kam ihm erst eine Sekunde später in den Sinn. „Zwillinge!" trompetete er.

„Ja. Leia ist meine Zwillingsschwester. Und jetzt sitzt sie zusammen mit Han und all den anderen da unten in dieser Todesfalle fest. Und du …!" Luke konnte den Satz nicht einmal vollenden, seine Stimme versagte. Was zu viel war, war zu viel …

„Mylord?" sagte jemand hinter ihnen vorsichtig.

Admiral Piett, der von dem Vater-Sohn-Gespann völlig vergessen worden war, saß bereits wie auf glühenden Kohlen, zumal er soeben unfreiwillig zum Ohrenzeugen der neuesten hochdramatischen Entwicklung in der Darth-Vader-Familien-Seifenoper geworden war. Inzwischen hatte er übrigens selbst irgendwie das Gefühl, plötzlich in einem Paralleluniversum gestrandet zu sein. Und zwar in einem, das eindeutig auf dem Kopf stand ...

Vader trat umgehend in Aktion und das mit dem ganzen stürmischen Elan, den er immer an den Tag legte, sobald er einen Entschluss gefasst hatte.

„Geh mir aus dem Weg!"

Er ließ seinem Sohn gar keine Zeit, dieser schroffen Aufforderung Folge zu leisten, sondern stieß ihn einfach mit viel Schwung in den nächstbesten Sessel hinein, wo Luke seiner Meinung nach jetzt auch am besten aufgehoben war, weil er inzwischen ohnehin so aussah, als würde er jeden Moment umfallen.

„Piett, verbinden Sie mich sofort mit dem Todesstern. Und sorgen Sie dafür, dass die Executor im Orbit von Endor bleibt. Wir rühren uns nicht vom Fleck. Nicht einen Millimeter!"

„Ja, Lord Vader", sagte der Admiral ergeben und gehorchte.

Sekunden später wurde der Monitor vom Kommandanten des Todessterns ausgefüllt, dessen schon von Natur aus leicht hervorquellende Augen sofort noch mehr herausquollen, als ihm klar wurde, dass sein Gesprächspartner dieses Mal nicht Piett war.

Commander Jerjerrod!" donnerte Vader. „Wagen Sie es nicht, auf Endor zu schießen, oder ich sorge eigenhändig dafür, dass Sie den Tag Ihrer Geburt verfluchen, lange bevor ich mit Ihnen fertig bin. Ich werde jeden einzelnen Knochen in diesem miserablen Fleischsack, den Sie Ihren Körper nennen, brechen. Zweimal! Und dann werde ich Ihr Innerstes nach außen kehren … und dann werde ich den schäbigen Rest von Ihnen einfach zerquetschen wie eine Made …"

Er verlieh diesem grausigen Szenario noch ein wenig mehr Nachdruck, in dem er die Macht nutzte, um Jerjerrods Luftröhre ein wenig zusammenzupressen. Er wollte dem Mann einen kleinen Vorgeschmack von dem verschaffen, was ihm im Fall der Fälle bevorstand.

„... und das alles werde ich mit Freuden tun und vor allem gaaanz laaangsam!"

Der Commander sackte über seiner eigenen Kom-Konsole zusammen und gab eine Art Blubbern von sich, aus dem nur die Worte Majestät und ausdrücklicher Befehl klar herauszuhören waren.

„Ich werde das persönlich mit Seiner Majestät abklären", sagte Vader kalt. „Mir liegen inzwischen neue Informationen vor, die der Imperator noch nicht kennt. Er wird froh sein, dass Sie nicht dumm genug waren, seinen Befehl auszuführen ..."

Tatsächlich war es sehr zweifelhaft, dass Palpatine darüber froh sein würde – von seinen Gefühlen angesichts des unerwarteten Zuwachses in Vaders Stammbaum ganz zu schweigen … Der Imperator verabscheute es, wenn man seinen Wünschen nicht prompt nachkam und er hatte im Lauf der Jahre eine persönliche Abneigung gegen alle Organas entwickelt. Aber das brauchte dieser Idiot da drüben auf seiner fliegenden Laserkanone nicht zu wissen …

„Habe ich mich klar ausgedrückt?" fragte Darth Vader in seinem unheilschwangersten Sithlord-Ton.

Jerjerrod winselte. Vader wertete das als Zustimmung.

„Gut!" sagte er frostig und unterbrach die Verbindung. „Und jetzt, Piett, stellen Sie mich nach Endor durch...

Commander Tyrell!" dröhnte er einen Augenblick später. „Irgendwo da unten treibt sich Prinzessin Leia herum. Ich will sie haben. Lebend und unversehrt. Sofort! Also finden Sie sie und finden Sie sie schnell!"

Luke überlegte, ob sein Vater in der Erregung des Augenblicks völlig vergessen hatte, dass er Tyrell diese Order heute schon einmal erteilt hatte. Nun ja, jedenfalls eine ganz ähnliche Order …

Tyrell stellte sich gerade dieselbe Frage, aber er war intelligent genug, den offensichtlich erzürnten Chef nicht darauf hinzuweisen. Lord Vader machte normalerweise keinen Fehler, aber falls er doch einmal einen machen sollte (so unwahrscheinlich das auch war!), dann war es bestimmt sehr viel klüger, ihm das nicht auch noch auf die Nase zu binden. Man spielte nicht den neunmalklugen Besserwisser, wenn man es mit einem Mann mit dem Temperament Seiner Lordschaft zu tun hatte. Niemals!

„Ja, Mylord", erwiderte er und betete gleichzeitig darum, dass der Chef nie erfahren würde, dass die Prinzessin sich bereits in seinem Gewahrsam befunden hatte, ihm aber wieder entwischt war.

Angesichts der hier herrschenden Situation war Tyrell sich übrigens gar nicht so sicher, dass es ihm noch einmal gelingen würde, sie einzufangen. Und schon gar nicht lebend und unversehrt ...

„Es kann nicht so schwer sein, sie aufzustöbern", fuhr Vader fort – ganz so, als hätte sich Organa nur in einem städtischen Einkaufszentrum verlaufen, statt in einer Gefechtszone mitten in der Wildnis. „Halten Sie einfach Ausschau nach einem winzig kleinen Mädchen mit Zöpfen. Und Tyrell, wenn irgendjemand auch nur ein Haar in einem dieser Zöpfe krümmt, dann wird etwas Furchtbares mit ihm geschehen. Verstanden?"

„Uuuh … ja, Mylord", sagte Tyrell und seine leicht verstörte Miene bestätigte, wie gründlich er verstanden hatte. Jetzt betete er wirklich...

Er sollte übrigens nie erfahren, dass er zusammen mit seiner kämpfenden Truppe nur um Haaresbreite einem alderaanmäßigen Kataklysmus entkommen war, was immerhin bewies, dass irgendeine höhere Macht ihn wohlwollend im Auge behielt.

„Gut!" schnappte Vader und legte auf. (Auf seine Weise war er auch so etwas wie eine höhere Macht, aber im Moment fühlte er sich nicht besonders wohlwollend, egal um wen es ging.)

Der Fokus seiner Aufmerksamkeit schwenkte wieder auf Luke um. „Und jetzt zu dir, junger Mann!"

Er kam auf seinen Sohn zu und er schien mit jedem Schritt noch größer und noch bedrohlicher zu werden.

„Wie konntest du mir das verschweigen? Ist dir klar, dass deine Schwester da unten sterben könnte?"

„Ob du es glaubst oder nicht, der Gedanke ist mir gelegentlich schon mal durch den Kopf gegangen – vor allem in den letzten zwei Minuten", erwiderte Luke scharf.

Vader erwog kurz, seinen Sohn am Hals zu packen und ihn zwei Minuten lang zwei Meter hoch in die Luft zu stemmen, so wie er es gelegentlich tat, wenn jemand ihn besonders reizte, aber er beherrschte sich. Mühsam.

Eine kurze spannungsgeladene Pause trat ein. Dann sagte er resigniert: „Du vertraust mir nicht."

„Wie könnte ich dir vertrauen?" sagte Luke leise.

Und Vader sah ein, dass sein Sohn hier einen Punkt hatte. Noch war ihre sehr kurze Beziehung zu fragil und viel zu ambivalent, um schon eine Vertrauensbasis zu erlauben. Aber trotzdem …

„Du hättest mir das früher sagen müssen, Junge."

Sein Sohn war immerhin vernünftig genug, diesen Punkt nicht abzustreiten.

Vader seufzte. Geschehen war geschehen, es hatte wohl keinen Sinn, sich weiter darüber aufzuhalten.

„Dann sag mir wenigstens jetzt die Wahrheit. Ist Leia nun wirklich der letzte Skywalker außer uns beiden oder wandert irgendwo da draußen noch ein verlorener Drilling von euch herum ... oder ein Klon … oder sonst was?"

„Nicht dass ich wüsste", murmelte Luke. Denn mit letzter Gewissheit konnte er das wirklich nicht sagen, oder?

Vader setzte gerade dazu an ihn zu fragen, was er damit meinte, als das Kom erneut diskret klingelte.

„Großer Sith, was ist jetzt wieder?!"

Doch es war nur Tyrell, der halb erleichtert, halb verängstigt aussah.

„Wir haben sie, Lord Vader. Wir haben die Prinzessin."

„Oh...", sagte Vader, für dieses eine Mal positiv überrascht. Es gab offenbar doch noch halbwegs fähige Leute unter seinem Kommando. Nicht viele, aber immerhin. „Gut!"

„Aber es gibt da ein kleines Problem, Mylord."

Vader konnte förmlich fühlen, wie seine Körpertemperatur schlagartig um ungefähr fünfundsiebzig Grad anstieg. Mindestens fünfundsiebzig Grad!

„WAS FÜR EIN PROBLEM?!"

„Sie ist verletzt, Mylord. Nicht schwer ... sie wird es überleben. Einer unserer Sanitäter versorgt sie gerade …"

Commander Tyrell!"

„Ich konnte es nicht verhindern, Mylord, wirklich nicht." Tyrell entschied hastig, dass er seinen Kopf dieses Mal nicht für seinen Vorgesetzten hinhalten würde. Nicht unter diesen Umständen. „Es … es war Captain Mavric, der die Prinzessin angeschossen hat. Er fühlte sich wohl irgendwie … bedroht von ihr."

„Er wird gleich herausfinden, wie es sich anfühlt, von mir bedroht zu werden!" fauchte Vader.

„Was ist mit Han und Chewie? Was ist mit den anderen?" zischte Luke, der plötzlich wieder neben ihm stand.

Vader, vorübergehend von Mavrics bevorstehender Bestrafung abgelenkt, rollte mit den Augen, aber er wollte nicht kleinlich sein.

„Tyrell, was ist mit den Begleitern meiner T … der Prinzessin?"

„Wir haben Solo. Und den Wookie auch. Sie haben ein paar kleine Blessuren ... nichts Ernstes. Aber ich fürchte, die anderen Rebellen sind tot, Mylord."

„Gut!" sagte Vader und er meinte es auch so. „Schicken Sie die drei so schnell wie möglich hoch auf die Executor, Tyrell."

„Ich kümmere mich sofort darum, Mylord."

Tyrells Gesicht verschwand bemerkenswert hastig vom Bildschirm.

„Zufrieden?" sagte Vader zu seinem Sohn.

Luke war gerade alles Mögliche, aber auf keinen Fall zufrieden. Doch er wusste, dass es undankbar gewesen wäre, das Ausmaß seiner Unzufriedenheit zu zeigen.

„Kann ich sie sehen, wenn sie ankommen?" fragte er stattdessen.

„Du kannst deine Schwester sehen, wenn du willst. Aber dieser Schmuggler und sein wandelnder Bettvorleger landen in einer Zelle, Junge, dass das gleich klar ist. Auch meine Großzügigkeit hat Grenzen!"

„Also darauf wäre ich nie gekommen", sagte Luke bitter.

Vader hielt es für besser, das nicht zu kommentieren...

Natürlich musste sich das Kom genau jetzt schon wieder melden. Und natürlich war es jetzt wieder Piett, aber dieses Mal mit einer Meldung, auf die sie alle schon gewartet hatten …

„Mylord, es ist vorbei." Der Admiral war sichtlich bewegt. „Die letzten Rebellenschiffe sind gerade in den Hyperraum gesprungen. Es waren nur noch wenige, ein halbes Dutzend Fregatten, zwei Blockadebrecher und verschiedene kleinere Einheiten – darunter auch wieder diese Fähre von gestern. Sollen wir ihnen folgen?"

Aber Vader hatte nicht die Absicht, seine Zeit an die traurigen Überbleibsel der Rebellenflotte zu verschwenden. Die Allianz hatte eine verheerende Niederlage erlitten, von der sie sich nie wieder erholen würde. Es war wirklich vorbei...

Was für ein Tag! dachte er.

Er sah seinen Sohn an, der schwankte wie ein Schilfrohr im Wind.

„Nein, Piett, wir folgen ihnen nicht. Ich komme gleich auf die Brücke, dann besprechen wir alles Weitere", sagte er. Und zu seinem Sohn gewandt: „Ich muss jetzt gehen, ich habe zu tun. Und du solltest dich in der Zwischenzeit wirklich ein wenig ausruhen, Junge. Wenn du durch die Tür da drüben gehst, findest du ein Bett und alles, was du sonst noch brauchst. Versuch ein bisschen zu schlafen. Versuch es wenigstens! Wir sehen uns heute Abend."

Er drehte sich auf dem Absatz um und verschwand seinerseits bemerkenswert schnell...

Luke Skywalker, alleine und buchstäblich von aller Welt verlassen, rieb sich seine Augen, die inzwischen brannten wie Feuer und das nicht nur vor Müdigkeit …

Schweren Schrittes – ihm war, als wären seine Knochen mit Blei gefüllt – ging er zu der Tür hinüber und spähte in den Raum hinein, der offenbar als sein persönliches Quartier vorgesehen war. (Zumindest vorübergehend.)

Genau wie das Frühstücksbüfett übertraf auch das Schlafzimmer, das er nun entdeckte, seine kühnsten Erwartungen, aber Luke kümmerte das nicht mehr. Er war viel zu erschöpft, um Interesse für luxuriöse Einrichtungen oder ähnliche Banalitäten aufzubringen. Er fühlte sich völlig ausgebrannt, geistig und körperlich …

Er zog seine Stiefel und Socken aus, tappte über den hochflorigen Teppich, der sich unter seinen nackten Füßen anfühlte wie Moos, und ließ sich auf das Bett fallen, das breit genug war, um drei Leuten Platz zu bieten. Die sanft federnde Matratze fing ihn auf wie eine mit erstklassigem Styroschaum gepolsterte Wolke …

Er zog die Decke über sich, rollte sich darunter zusammen wie ein Igel und vergrub sein Gesicht in einem der seidenweichen Kissen.

Er fühlte sich sterbenselend ...