XXVI.
Wedge Antilles fluchte laut und herzhaft, als direkt vor seiner Nase ein weiteres rotes Warnlicht aufflammte. Seine Instrumententafel sah inzwischen aus wie die aufdringlich blinkende Neonleuchtreklame eines billigen Nachtclubs. Nur Augenblicke vor seiner Flucht in den Hyperraum hatte der Schutzschild seines X-Flüglers versagt. Und in der kurzen Zeitspanne bis zu seinem Sprung hatte er so viele schwere Treffer von den ihn hartnäckig verfolgenden TIEs eingefangen, dass er immer noch verblüfft darüber war, dass sein Jäger nicht einfach in Stücke zerborsten war. Aber genau das schien der X-Flügler jetzt unbedingt nachholen zu wollen …
Er dachte mit vager Bitterkeit, was für eine Ironie des Schicksals es doch wäre, wenn er die katastrophalen letzten Stunden nur überstanden hätte, um hier und jetzt doch noch zu sterben, obwohl er entgegen aller Wahrscheinlichkeiten das schier Unmögliche geschafft und den Sammelpunkt der Allianz-Flotte erreicht hatte.
Und dabei war die Rettung so nahe … Obwohl die Freedom, die er gerade anflog, ganz so aussah, als würde sie selber gleich auseinander fallen …
Sein erster Eindruck von der alderaanischen Fregatte wurde bestätigt, als eine panische Stimme aus seinem Funk plärrte: „Abdrehen, Rot Eins, abdrehen! Steuern Sie Hangar C an."
„Ich kann nicht. Ich muss jetzt landen! Sofort!" schrie Wedge zurück.
„Negativ, Rot Eins, negativ! Wir haben ein Feuer in Hangar A und kriegen es nicht in den Griff. Und B ist schon randvoll. Fliegen Sie rüber zu Hangar C."
„ICH KANN NICHT!" Wedge geriet selber in Panik, als er plötzlich merkte, dass der Jäger nicht mehr auf seine Hand am Steuerknüppel reagierte. „Die verfluchte Steuerung hat gerade den Geist aufgegeben. Ich komme nicht mehr auf eure Backbordseite rüber … Holt mich rein, verdammt nochmal!"
„Negativ, Rot Eins! Wir können nicht ..."
Der Lotse verstummte plötzlich und Wedge atmete unwillkürlich auf, als General Rieekans gänzlich panikfreie Stimme sich zu Wort meldete.
„Ganz ruhig, Rot Eins. Schalten Sie Ihre Triebwerke ab und lassen Sie sich einfach treiben. Wir wenden jetzt und holen Sie dann mit dem Traktorstrahl rein."
„Okay. Aber ich weiß wirklich nicht, ob mein X noch so lange durchhält..."
„Im Notfall gehen Sie mit dem Schleudersitz raus, Rot Eins. Wir sammeln Sie auf jeden Fall gleich ein – mit oder ohne Ihren X", erwiderte der General.
„Okay … Sir", fügte Wedge gerade noch rechtzeitig hinzu. (Aber er wusste, dass der General es ihm nicht übel genommen hätte, wenn er das obligatorische „Sir" vergessen hätte. Rieekan war in Ordnung.)
Er würgte mit einem lieblosen Schlag auf einen Schalter seine vor Überlastung bereits wimmernden Triebwerke ab …
Wenigstens das funktioniert noch – den Sternen sei Dank! Sonst wäre ich in ungefähr acht Sekunden nur noch ein hässlicher schwarzer Fleck, den sie irgendwann von ihrer gottverdammten Steuerbordseite runterkratzen könnten!
… und dann wartete er. Die Freedom vollzog im Zeitlupentempo eine extrem schwerfällige Wende, was mehr über ihren lädierten Zustand aussagte, als Wedge wissen wollte. Aber als das große Schiff schließlich so langsam auf ihn zu gekrochen kam wie eine siderianische Weltraumschnecke, entdeckte er Schäden in einem Ausmaß, das sogar den hingebungsvollsten Ingenieur dazu gebracht hätte, die Flinte ins Korn zu werfen und einfach zu kündigen. Fristlos.
„Oh Mann! Dagegen sieht ja sogar die Falcon aus wie frisch aus der Werft und auf dem Weg zu ihrem Jungfernflug ...", murmelte Wedge vor sich hin.
„Das haben wir gehört, Rot Eins! Bitte kein Gemecker mehr oder dieses arme alte Mädchen stirbt uns gleich vor lauter Frust unter dem Hintern weg", sagte Rieekan trocken.
Irgendjemand im Hintergrund lachte kurz auf. Es war kein fröhliches Lachen, eher ein höhnisches …
Wedge überlegte, dass man nicht gerade viel Fantasie brauchte, um sich vorstellen zu können, was für eine Stimmung jetzt auf der Freedom herrschen musste … Und nicht nur auf ihr, sondern auf allen Schiffen der Allianz … Das heißt, den wenigen Schiffen, die dem Feuersturm bei Endor entkommen waren …
Aber wie schlimm die allgemeine Gemütsverfassung wirklich war, erkannte er erst, als er zehn nervenzermürbende Minuten später in Hangar C steifbeinig aus seinem völlig demolierten X-Flügler kletterte.
„Nicht einsatzbereit? Und was war das da draußen? Eine große beschissene Lichtorgel?!"
Der junge Pilot, der das herausjohlte – ein relativ neues Mitglied der Gold-Staffel, dessen Name Wedge gerade nicht einfallen wollte –, stand sichtlich kurz vor einem hysterischen Ausbruch.
„Und wieso hat es da nur so gewimmelt von Sternzerstörern? Haben die uns nicht erzählt, die Imps wären wo ganz anders?"
Sein Blick fiel auf einen bothanischen Mechaniker, der gerade mit einem Scanner in seiner krallenbewehrten Pfote unter dem Bauch eines Y-Flüglers verschwinden wollte.
„He, du! Ja, du da drüben, Raffzahn! Sag mal, waren es nicht deine Leute, die uns diesen ganzen Bockmist verzapft haben?"
Der Mechaniker, der absolut nichts mit dem Spionagenetz der Bothaner und den verhängnisvoll falschen Informationen aus dieser Quelle zu tun hatte, starrte betreten zu Boden, was seinen wütenden Ankläger aber nicht gerade friedlicher stimmte.
„Was guckst du so blöd aus der Wäsche? Haben deine haarigen Freunde uns nun lauter Müll aufgetischt oder nicht?"
„Die wirklich interessante Frage hier ist doch: Warum haben unsere bothanischen Freunde uns diesen Müll aufgetischt? Wurden sie auch getäuscht oder nur wir?" sagte eine metallisch klingende Tenorstimme im Hintergrund.
Alle drehten sich gleichzeitig um und starrten den Sprecher an, einen schmalgesichtigen schwarzhaarigen Mann in einem taillierten mitternachtsblauen Ledermantel, dessen modischer Chic in dieser Umgebung ungefähr ebenso fehl am Platz war wie es einer der plumpen orangefarbenen Fliegeroveralls in einem eleganten Restaurant mitten in Imperial City gewesen wäre.
Wedge hatte sofort ein ungutes Gefühl in der Magengrube, obwohl er nur zwei Dinge über den Neuankömmling wusste: Dass sein Name Averill Sorkin war und dass sowohl Prinzessin Leia als auch General Rieekan diesen Mann nicht ausstehen konnten, was angesichts ihrer gemeinsamen alderaanischen Herkunft immerhin bemerkenswert war. Und ziemlich verdächtig noch dazu ...
„Ich meine, angesichts unserer desolaten Situation wäre es schon wichtig für uns zu wissen, wer für dieses Desaster wirklich verantwortlich ist, oder nicht?" sagte Sorkin.
Seine weit auseinander stehenden Augen, die so dunkel waren, dass seine Pupillen sich kaum von der Iris abhoben, huschten von einem finsteren Gesicht zum nächsten, forschten und sondierten und zogen Schlussfolgerungen, bevor er den entscheidenden Giftpfeil auf sein Publikum abschoss.
„Obwohl natürlich kein Zweifel daran bestehen kann, dass das Oberkommando eine strategische Fehlentscheidung von geradezu epochaler Tragweite getroffen hat!"
Unter den versammelten Piloten erhob sich ein unwilliges Gemurmel. Es drückte nicht gerade Vertrauen in die Entscheidungen des Oberkommandos aus – eher das genaue Gegenteil!
Sorkin lächelte schmerzlich und strich sein kinnlanges Haar hinter Ohren zurück, die mit je einer saphirblauen tropfenförmige Perle an einem hauchdünnen Silberfaden geschmückt waren.
„Aber wer bin ich, dass ich es wagen könnte, die Weisheit unserer erlauchten Anführerin und ihrer tapferen Stabsoffiziere zu kritisieren?"
Und schon war allen Anwesenden vollkommen klar, dass er genau das gerade getan hatte...
Das allgemeine Gebrummel verstärkte sich und gewann an Intensität, bis es sich anhörte wie das Summen eines aufgescheuchten Hornissenschwarms.
„Doch was auch immer wir von Mon Mothma und ihren Beratern und ihrer fatalen Kurzsichtigkeit halten mögen: Es versteht sich ja wohl von selbst, dass man diesen bothanischen Spionen immerhin eines vorwerfen kann und muss – ihre unverzeihliche Leichtgläubigkeit, die so viele von unseren armen Kameraden heute das Leben gekostet hat!"
Und schon wandten sich die Piloten wie ein Mann wieder dem unglückseligen Mechaniker zu – und dieses Mal lag eindeutig so etwas wie Lynch-Stimmung in der Luft!
„Schnappen wir uns diesen Bothaner! Verpassen wir ihm eine Abreibung!" schrie der Junge aus der Gold-Staffel, der plötzlich irgendwie zum Anführer eines nach Rache dürstenden Mobs geworden war.
Die aufgebrachten Männer rückten sofort vorwärts und umzingelten den Mechaniker, dessen gesamte Körperbehaarung sich inzwischen vor Entsetzen gesträubt hatte, so dass er aussah wie eine Flaschenbürste auf Beinen. Er quiekte vor Angst, als der Gold-Junge ihm den ersten Fausthieb verpasste …
Wedge warf sich in den aggressiven Pulk hinein und pflügte sich rücksichtslos nach vorne durch, wobei er alle wegdrängte, indem er ziemlich großzügig von seinen eigenen Fäusten Gebrauch machte. (Und von seinen Füßen auch.) Er ignorierte die empörten Reaktionen seiner aufmüpfigen Mitstreiter und packte den jungen Piloten, der weiter auf den Bothaner einschlug, von hinten an seinem Overall. Er riss ihn mit aller Kraft zurück, wirbelte ihn herum und ohrfeigte ihn links und rechts, dann schleuderte er den jungen Mann so heftig von sich weg, dass dieser unwillkürlich das Gleichgewicht verlor und zu Boden ging.
Wedge baute sich vor dem zitternden Bothaner auf wie ein Ein-Mann-Schutzwall in Neonorange und brüllte: „Schluss mit diesem Blödsinn, aber sofort! Oder ihr lernt mich alle von meiner Sonntagsseite kennen!"
„Wir sind die einzigen, die es zurück geschafft haben! Die anderen sind alle hinüber!" schrie einer der Männer.
„Ich weiß. Ich war dabei", sagte Wedge hart. „Drehe ich deshalb jetzt völlig durch?"
„Commander Antilles ..." jammerte der Gold-Junge.
„Du hältst jetzt den Rand, Großmaul! Du hast gerade selber genug Bockmist verzapft! ... Und ihr anderen: Was soll das hier eigentlich werden, wenn es fertig ist? Schämt ihr euch denn gar nicht? Ist es vielleicht das, wofür unsere Leute heute gestorben sind?"
„Sie wären gar nicht gestorben, wenn diese miesen Bothaner uns nicht auf ein Himmelfahrtskommando geschickt hätten!" röhrte ein anderer Pilot.
„Und der Generalstab auch", trompetete Sorkin aus dem Hintergrund.
„Ja, genau. Die haben uns alle auf ein Himmelfahrtskommando geschickt!" schrie irgendjemand in der Menge.
Wedge achtete nicht auf die Zwischenrufe, sondern knöpfte sich den Unruhestifter selbst vor.
„Ich habe keine Ahnung, was für eine Funktion Sie eigentlich an Bord dieses Schiffes haben, Mister Sorkin", fauchte er. „Aber hier haben Sie jedenfalls nichts verloren, gar nichts! Also sehen Sie zu, dass Sie jetzt verschwinden, bevor ich Sie wegen Aufwiegelung einbuchten lasse. Oder bevor ich auf die Idee komme, Sie einfach aus der nächstbesten Luftschleuse rauszukicken, wozu ich gerade wirklich große Lust habe."
„Ich weiche der rohen Gewalt", erwiderte Sorkin hoheitsvoll und wandte sich zum Gehen.
„Ja, genau, Mister. Tun Sie das, bevor ich mit einem gewaltigen Tritt in Ihren Hintern nachhelfe!
Und ihr anderen haut jetzt auch ab. Los! Verschwindet! Raus hier, bevor ich euch Beine mache. Geht in eure Quartiere oder wo auch immer ihr jetzt auf diesem Kahn ein halbwegs ruhiges Plätzchen findet, um eure Querköpfe auszuruhen, damit ihr wieder zu Verstand kommt. Und wenn ich jetzt noch ein Wort von irgendeinem Schlauberger höre, dann werdet ihr alle euer blaues Wunder erleben, das schwöre ich euch. Ich werde euch so was von …!"
Wedge kam nie dazu, seine Drohung zu vollenden, denn in diesem Augenblick erschütterte eine Detonation die Freedom und eine zweite gleich hinterher ...
Und sofort – als wäre ein böser Zauberbann gelöst – waren alle Feindseligkeiten vergessen, denn nichts schweißt eine Gruppe mehr zusammen als eine gemeinsame Gefahr …
Der Gold-Junge, der sich vom Boden aufgerappelt hatte, umklammerte ausgerechnet den pelzigen Arm seines Kontrahenten wie einen Rettungsanker und schrie: „Was war das?!"
Und alle anderen im Chor:
„Werden wir wieder angegriffen?"
„Oh mein Gott, die Imps haben uns gefunden ..."
„... und jetzt geben sie uns den Rest!"
Doch dann dröhnte Rieekan aus den Lautsprechern wie ein allgegenwärtiger Schutzengel: „Achtung, Crew! Kein Grund zur Panik! Wir haben nur ein Loch in die Hülle gesprengt, um das Feuer in Hangar A zu löschen. Es hat funktioniert."
Erleichterung machte sich in einem kollektiven Aufstöhnen breit … Es war nicht zu übersehen, dass die Männer mit ihren Nerven am Ende waren …
Aber Wedge sagte sich, dass es für die Stabilität der ohnehin schon stark in Mitleidenschaft gezogenen Hülle der Freedom nicht gerade gut sein konnte, wenn man auch noch Löcher in sie hinein sprengte, damit das Vakuum des Weltraums erledigte, wozu die automatischen Löschanlagen offenbar nicht mehr fähig gewesen waren.
Doch ihm leuchtete ein, dass diese drastische Maßnahme notwendig gewesen war, um dem scheinbar völlig außer Kontrolle geratenen Brand den Sauerstoff zu entziehen. Hätte das Feuer die im Hangar gelagerten Treibstofftanks erreicht, hätte die Freedom die daraus resultierende Explosion vermutlich nicht überstanden …
Ihm wurde gerade bewusst, dass das eine höchst beunruhigende Allegorie zu der Situation in seinem Hangar war, als einer der Piloten auf ihn zukam und beinahe schüchtern fragte: „Ist es wirklich okay, wenn wir uns jetzt verdrücken, Sir? Wir sind alle ziemlich fertig, wenn ich ehrlich bin..."
Und Wedge, der gerade damit anfing, sich für seinen eigenen Ausbruch ein wenig zu schämen …
Es war nicht nötig, die Leute so runter zu bügeln. Nicht nach allem, was sie heute durchgemacht haben ...
… sagte sehr viel milder als zuvor: „Ja, klar. Ab mit euch!"
Die Piloten strömten sofort aus dem Hangar hinaus, ohne auch nur einen Mucks von sich zu geben. (Der Gold-Junge war der Erste, der durch die Tür verschwand.)
Die Krise war vorbei – vorläufig.
Aber Wedge Antilles wusste, dass er diesen Vorfall nicht einfach auf sich beruhen lassen konnte, so gerne er das auch getan hätte. Rieekan musste unbedingt darüber informiert werden, was sich hier abgespielt hatte, und das so schnell wie möglich.
Wedge seufzte. Er war selber völlig erledigt und hätte sich jetzt nur zu gerne auch ein wenig ausgeruht. Aber das hier war wichtiger …
Er ging zu dem Mechaniker hinüber, der immer noch ziemlich mitgenommen aussah, und gab ihm einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter.
„Alles in Ordnung, Kumpel?"
Der Bothaner nickte und zupfte mechanisch seinen immer noch gesträubten Bart ein wenig zurecht.
„Es tut mir wahnsinnig Leid, was da gerade passiert ist. Die Kerle sind nur deshalb so ausgeflippt, weil sie da draußen wirklich die Hölle erlebt haben. Mir ist klar, dass das keine Entschuldigung für ihr Verhalten ist, aber … Nimm es ihnen nicht allzu übel, okay?"
Der Mechaniker nickte erneut, wortlos. Doch als Wedge sich zum Gehen wandte, sagte er gedämpft: „Commander Antilles? Sir?"
„Ja?"
Der Bothaner sah einen Moment lang auf den Scanner in seiner Tatze hinunter, dann hob er seinen Blick zu Wedge auf.
„Es tut mir auch Leid. Sehr, sehr Leid. Ich weiß nicht, warum das alles passiert ist. Aber ich wäre heute auch mit diesen Männern da draußen gewesen, wenn ich fliegen könnte. Doch man hat mich nicht einmal zum Training zugelassen, weil ich nachtblind bin. Ich könnte die Anzeigen im Cockpit nicht lesen … oder jedenfalls nicht schnell genug, um rechtzeitig darauf zu reagieren. Sonst wäre ich auch Pilot geworden – ganz bestimmt. Die Männer können das nicht wissen. Aber Sie wissen es jetzt."
Und Wedge hatte plötzlich einen Kloß in der Kehle … Es war alles ein bisschen zu viel auf einmal …
„Ich werde das den Männern sagen, Kumpel", erwiderte er ein wenig rau. „Und dir will ich auch etwas sagen: Du bist genauso wichtig wie jeder Pilot, denn du hältst unsere Mühlen in Schuss und sorgst dafür, dass wir fliegen können. Und gerade jetzt bist du wahrscheinlich einer der wichtigsten Männer überhaupt auf diesem ganzen verdammten Schiff."
„Ja", sagte der Bothaner schlicht und kroch unter den reparaturbedürftigen Y-Flügler.
Und Wedge verließ Hangar C, der mit mehr oder weniger reparaturbedürftigen Jägern übersät war und alles in allem wie ein Schrottplatz aussah.
Die ganze Freedom ist ein einziger Schrottplatz, dachte er trübsinnig. Nein, die ganze Allianz!
Draußen vor der Tür blieb er für einen Moment stehen, unschlüssig, wohin genau er sich jetzt wenden sollte. Überall wimmelten Leute in cremefarbenen Rebellen-Uniformen herum und sie alle machten einen ebenso konfusen wie verzweifelten Eindruck. Sie sahen aus wie die Überlebenden eines Bombenanschlags, die völlig traumatisiert aus einem zerstörten Gebäude heraus taumelten, alle gleichermaßen erschüttert von demselben Erlebnis, aber doch jeder eingesponnen in seine eigene kleine Tragödie …
Dann erspähte er Lando Calrissian, der gerade um eine Ecke gebogen war und jetzt den Korridor heraufkam. Sein dunkles Gesicht war grau vor Erschöpfung und er ging mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern – ein Mann, der jede Hoffnung verloren hatte.
„Lando!"
Calrissian hob ruckartig den Kopf und seine Augen leuchteten auf, als er Wedge entdeckte.
„Wedge Antilles!"
Er rannte auf den Anführer der roten Staffel zu und umarmte ihn so stürmisch, dass er ihn fast umwarf.
„Gott sei Dank! Ich dachte schon …"
Er brachte den Satz nicht zu Ende, aber Wedge wusste auch so, was er sagen wollte.
„Hast du denn keinen von den anderen gesehen? Ist keiner von meinen Leuten zurückgekommen?" fragte er heiser.
Lando schüttelte nur den Kopf. Eine Minute verging, ohne dass einer der beiden ein Wort herausbrachte.
Dann sagte Calrissian leise: „Sie könnten natürlich auch auf einem anderen Schiff gelandet sein. Vielleicht auf der Bestine Drei oder auf der Star of Calamar oder … Es wird Tage dauern, bis wir die kompletten Verlustlisten … Ich meine, bis wir genau wissen, wer wo abgeblieben ist."
Aber was er wirklich meinte, war natürlich, dass sie erst in ein paar Tagen genau wissen würden, wie viele von ihnen tatsächlich tot waren oder nur vermisst …
„Und Luke? Hat irgendjemand von Luke gehört?"
„Nein", antwortete Lando. „Wir wissen gar nichts über den Kommandotrupp. Aber wir gehen davon aus, dass ..." Er ließ auch diesen Satz in der Luft hängen.
„Ist schon seltsam irgendwie …", murmelte Wedge. „Ich dachte immer, wenn überhaupt, dann würde wenigstens Luke durchkommen. Genau wie damals bei Yavin. Er war immer so etwas wie unser Talisman, oder nicht? Das waren sie alle vier: Luke und die Prinzessin und Han und der Wook … Wie ein Kleeblatt. Ein Glücksklee. Und unverwüstlich. Einfach nicht kaputt zu kriegen. Ich dachte irgendwie wirklich, dass sie unzerstörbar sind."
„Das dachten wir alle", sagte Lando traurig.
Wieder trat eine kurze Pause ein.
Dann sagte Wedge: „Ich muss kurz zu Rieekan, bevor ich mir irgendwo in diesem Chaos eine Ecke suche, in der ich mich für eine Weile aufs Ohr hauen kann. Es gab da eben ein bisschen Ärger mit ein paar Piloten … und ich fürchte, wir kriegen bald noch mehr Ärger. Ist der General immer noch auf der Brücke?"
„Ja. Aber ich würde jetzt nicht zu ihm gehen, Wedge. Der Mann hat schon genug um die Ohren, oder nicht?"
„Und Mon Mothma?"
„Sie ist in ihrem Büro, soviel ich weiß. Und ich würde an deiner Stelle jetzt auch nicht zu ihr gehen. Sie hat auch genug um die Ohren, würde ich sagen. Warum kommst du nicht einfach zu mir? Ich habe eine Doppelkabine. Du könntest bei mir übernachten und wir könnten noch ein bisschen reden, bevor dir die Augen zufallen."
„Du hast eine Doppelkabine?"
„Sie ist winzig, nicht mal so groß wie mein Kleiderschrank auf Bespin. Aber sie hat immerhin zwei Kojen."
„Zwei Kojen – ist das zu fassen? He, warum bin ich noch kein General?" erwiderte Wedge in dem müden Versuch, einen kleinen Scherz zu machen.
„Sei froh, dass du keiner bist", sagte Lando ernst. „Und bete darum, dass du nie einer wirst. Sonst wirst du wahrscheinlich kein Auge mehr zumachen. Nie wieder ..."
