Kapitel 6
Lucius Malfoy kochte vor Wut, während er in einem leeren, verlassenen Raum in den Tiefen der Kerker von Hogwarts zusammen mit seinen Kameraden aus Slytherin verschiedene Zauber gegen die Wand schleuderte. Sie hatten diesen Raum schalldicht gezaubert, ihn für Nicht-Eingeweihte unsichtbar gemacht und dafür gesorgt, dass die Wände jeden Zauber sozusagen aufnahmen und man, einfach ausgedrückt, seine Wut rauslassen konnte. Fluch um Fluch, Zauber um Zauber schleuderte Lucius in alle Richtungen, verschieden farbige Lichter zogen durch den Raum und nicht selten mussten die Slytherins auf die Seite springen, wenn ein Fluch sie beinahe traf.
„Malfoy, wenn du nicht aufpasst verhext du noch einen von uns!", beschwerte sich Jonathan Black mit einem wütenden Funkeln in den Augen. „Ich habe keine Lust, die Nacht auf der Krankenstation zu verbringen!"
Lucius schleuderte einen weiteren Fluch aus seinem Zauberstab, dieses Mal bewusst auf seinen Mitschüler zielend, der dem Fluch geschickt auswich und in eine defensive Stellung wechselte.
„Was soll das, Malfoy? Willst du dich jetzt duellieren?!", zischte Black und erhob seinen eigenen Zauberstab.
„Jungs, jetzt reicht es aber!", ging Aurelia Blackwood dazwischen, eine schwarzhaarige, reinblütige Hexe mit dunkelblauen Augen. Black nickte, doch noch immer war sein Zauberstab erhoben und er starrte Lucius Malfoy misstrauisch an. Wenn Lucius verärgert war, war mit ihm nicht zu spaßen und er sah rot. Dann war es egal auf welcher Seite man stand, einem wütenden Lucius Malfoy sollte man nicht in den Weg kommen.
„Lucius!?", ermahnte Aurelia noch einmal und endlich schien der blonde Zauberer ein wenig zur Besinnung zu finden. Er atmete einmal tief durch, jagte noch einen Fluch gegen die verzauberte Wand und ließ seinen Zauberstab dann sinken. Noch einige Sekunden verstrichen, in denen er sich durch das lange, weißblonde Haar fuhr und schließlich seinen Freund, Jonathan Black, ansah.
„Tut mir Leid, Jo, war keine Absicht!"
Jonathan Black nickte und ließ den eigenen Zauberstab sinken. „Ich verstehe dich, Lucius. Aber dein Temperament wird noch einmal dein Untergang sein."
Lucius nickte leicht. „Mag sein. Vielleicht hast du Recht. Wahrscheinlich hast du Recht. Aber Airell…wie konnte er nur?!" Während er sprach wurde Lucius' Stimme immer hysterischer und seine Wut flammte erneut auf. Seine Freunde gingen in Deckung. Aber er ließ keine weiteren Flüche los, stattdessen knirschte Lucius mit den Zähnen und ließ sich gegen einen alten Tisch sinken, den sie irgendwo in der Schule gefunden hatten und der ihnen in ihrem privaten Raum zum Erledigen von Hausaufgaben oder anderen Dingen diente. Das dunkle Holz des Tisches sah schäbig aus, aber er erfüllte seinen Zweck.
„Lucius, du weißt genauso gut wie wir, dass Airell der Vormund von Severus ist", erklärte Aurelia mit fester Stimme und warf einen etwas mitleidigen Blick auf Lucius, der entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten auf dem steinernen Boden saß. So etwas würde Lucius Malfoy normaler Weise niemals tun, aber heute Abend wusste er nicht wo ihm der Kopf stand.
Wieder knirschte er mit den Zähnen. Eine alte Angewohnheit, die er sich eigentlich abgewöhnt hatte, die aber immer wieder zum Vorschein kam, wenn er sich über etwas maßlos ärgerte oder aufregte. So wie heute Abend.
„Ich weiß!", bellte er und fluchte. „Wie konnte er nur?! Severus Snape, dieser schmierige Außenseiter!"
„Naja, schmierig ist jetzt wohl nicht mehr das richtige Wort", entkam es Alexander Rosier und noch im gleichen Augenblick musste er sich ducken, um nicht von einem orangenen Blitz getroffen zu werden. Lucius hatte einen Fluch auf ihn losgelassen.
„Bist du bescheuert!?", keifte Rosier und schnaubte. „Du hast doch nicht mehr alle Tassen im Schrank, Malfoy! Ich hau ab, das muss ich mir nicht geben!" Mit diesen Worten drehte er sich um und ging Richtung Tür. Dort angekommen zögerte er kurz, wandte sein Gesicht noch einmal seinen Freunden zu und meinte eisig: „Wir haben es doch alle gesehen und wir wissen, was es bedeutet. Airell hat Severus adoptiert und damit steht der Tränkemischer jetzt offiziell über uns. Egal, ob es uns passt oder nicht, Severus Snape gehört jetzt zur Malfoy-Familie." Mit diesen Worten verschwand er schneller als Lucius den nächsten Fluch in seine Richtung schicken konnte, doch nichts dergleichen geschah.
Lucius saß auf dem Boden und hatte auf einmal eine niedergeschlagene Miene aufgesetzt. „Dieser widerliche Verlierer, ein Malfoy! Wie konnte Airell nur? Wieso?"
Aurelia schüttelte leicht den Kopf und meinte leise: „Der Grund geht uns nichts an, Lucius. Dein Onkel ist das Familienoberhaupt und wenn es etwas gibt, was in unseren Familien unangefochten gilt, so ist es die Hierarchie innerhalb der Familie. Das weißt du genauso gut wie ich und wie wir alle. Ob es Dir passt oder nicht, Severus ist dir gleichgestellt und du hast nicht das Recht, die Entscheidung deines Onkels zu hinterfragen."
Lucius schnaubte und schien tatsächlich zu schmollen. „Glaubst du, dass wüsste ich nicht!? Mein Vater hat mir in den vergangenen Monaten nichts anderes gesagt! Aber es war so einfach sich einzureden, dass alles nur ein böser Alptraum ist, dass Severus gar nicht zu meiner Familie gehört, weil er ja immer noch aussah wie das Stück Dreck was er immer gewesen ist. Und heute? Da kommt er in die Große Halle zum Frühstück und sieht SO aus! Das kann doch alles nicht wahr sein! Seit wann sieht der schmierige Snivellus so aus?!"
Wütend über die Ungerechtigkeiten dieser Welt schlug er mit der Faust auf den Steinboden. „Und dann kommt mein Onkel auch noch zum Abendessen in die Große Halle und für jeden ist ersichtlich, WEN er von uns beiden bevorzugt! So eine Demütigung vor allen Augen! Wie konnte er nur!?"
Seine Freunde schienen verstanden zu haben, dass an diesem Abend mit Lucius nichts mehr anzufangen war. Aurelia sah sich Hilfe suchend um. Wieder war es Jonathan, der das Wort ergriff und seufzend versuchte zu vermitteln: „Lass uns in den Gemeinschaftsraum gehen, Lucius. Es ist spät und morgen ist Unterricht." Wie um seinen Worten Nachdruck zu verleihen machte er einige Schritte auf die Tür zu, durch die Alexander Rosier kurz zuvor verschwunden war. Die anderen taten es ihm gleich. An der Tür warteten sie auf Lucius.
Dieser blieb noch einige Sekunden sitzen, dann erhob er sich mit einem Seufzen und in seinen grauen Augen tobte ein Gewitter. „Das wird ein Nachspiel haben, das sage ich euch! Ich lasse mich von einem dahergelaufenen Stück Dreck nicht in meiner eigenen Familie lächerlich machen. Severus wird schon noch sehen, wer von uns beiden der bessere Malfoy ist!"
Mit diesen Worten ging er zur Tür, seine Freunde ließen ihn automatisch vortreten und als erstes durch die Tür gehen. Nachdem sie alle ihren geheimen Raum verlassen hatten zeugten nur noch ein paar schwarze Brandflecken auf den alten Steinen von dem Wutanfall, der unbemerkt in seinem Inneren stattgefunden hatte.
Schweigend ging die Gruppe Richtung Gemeinschaftsraum. Sie alle wussten, dass der Kampf um den Titel des Malfoy-Erben gerade erst begonnen hatte.
Severus mochte vieles sein, aber er war nicht dumm und auch nicht blind. Natürlich waren ihm die Blicke, das Getuschel und die Kommentare den ganzen Tag über aufgefallen. Manches war nicht zu überhören, anderes konnte er ignorieren. Es war abzusehen gewesen, dass seine Veränderungen Aufsehen erregen würden. Aber er konnte nicht länger in der Vergangenheit leben. Es wurde Zeit, nach vorne zu blicken. Irgendwie. Er war es Airell schuldig. Und Professor Keriann.
Also ertrug er den Spießrutenlauf am Tag, schaffte sogar den Besuch bei Madame Pomfrey einigermaßen unbeschadet und saß nichts ahnend beim Abendessen in der Großen Halle, als Airell mit dem Direktor hereinkam. Die Szene, die sich dann abspielte, war imposant und erschreckend zugleich. Die gesamte Halle verstummte in wenigen Augenblicken, alle Blicke wandten sich den eintretenden Zauberern zu und Airell hatte die Aufmerksamkeit von ganz Hogwarts auf sich gelenkt. Ohne etwas zu sagen oder zu tun. Allein seine Gegenwart und Präsenz reichten aus, um den angehaltenen Atem der gesamten Schüler- und Lehrerschaft herbeizuführen.
Airell hatte eine unglaubliche Wirkung auf die Menschen. Er strahlte die Stärke und das Selbstbewusstsein eines Malfoys aus, doch zugleich war er den Menschen zugewandt und höflich. Er interessierte sich für so vieles und war stets unvoreingenommen. Natürlich hatte er, bedingt durch seine Geburt und Erziehung, auch das typische Denken der reinblütigen Zaubererfamilien indoktriniert bekommen, aber er war darüber hinausgewachsen und hatte von beiden Seiten das Beste in sich vereint. Severus schaute zu Airell auf. Er vertraute ihm. Und er war ihm unendlich dankbar für die Chancen, die er ihm gab. Und das wollte Severus endlich zeigen.
Gerade heute war Airell also auch noch zu Besuch in Hogwarts und Severus dankte allen ihm bekannten Mächten, dass er gerade heute mit seinen guten Vorsätzen begonnen hatte. Es wäre ihm unendlich peinlich gewesen, hätte Airell ihn in seinen alten und abgetragenen Kleidern gesehen!
Natürlich waren ihm die Blicke der Slytherins nicht verborgen geblieben und Lucius' Zorn war fast greifbar, doch Severus hatte gelernt mit der Ablehnung und der Wut anderer umzugehen. Er wusste, dass der blonde Slytherin es nicht auf bösen Blicken beruhen lassen würde und deshalb musste er noch mehr auf der Hut sein in den kommenden Tagen und Wochen wie sonst schon. Lucius würde explodieren. Früher oder später. Er duldete keinen anderen Malfoy neben sich und jetzt, da Severus durchaus äußerlich als solcher durchgehen konnte, schrillten bei Lucius sicher sämtliche Alarmglocken.
Und dann war da auch noch die Begrüßung von Airell seinem Neffen gegenüber.
Severus war klar gewesen, dass Airell sich Lucius gegenüber nicht anders verhielt als sonst auch, doch Lucius hatte sicherlich mehr erwartet, sich mehr erhofft. Und die doch eher kühle Begrüßung seines Onkels hatte seine Wut nur weiter angeschürt.
Dennoch freute Severus sich über alle Maßen, Airell so unerwartet zu sehen und nach dem Abendessen hatten sie noch kurz miteinander gesprochen. Severus war als einer der Letzten vom Slytherintisch aufgestanden, kurz nachdem sein Onkel die Große Halle verlassen hatte. Als er am Slytherintisch vorbei kam, waren die noch übrigen Schüler erneut aufgestanden und hatten respektvoll ihre Köpfe geneigt. Airell hatte den seinen ebenfalls höflich zu einem Nicken gesenkt und Severus dann mit seinen Augen zu verstehen gegeben, dass er ihm folgen sollte. Und das tat er natürlich.
Sie gingen die letzten Meter vor dem Portal der Großen Halle schweigend nebeneinander, selbstverständlich ließ Severus Airell den Vortritt und gemeinsam gingen sie in Richtung des Ausganges. Severus merkte, dass Airells' Blick dann und wann zur Seite huschte und er wusste, dass Airell nach potentiellen Lauschern Ausschau hielt. Er selbst tat es ihm gleich und erst, als sie vor der riesigen Flügeltür standen, die nach draußen führte, blieben sie beide stehen.
Airell drehte sich um und seine sturmgrauen Augen beobachteten jede Regung in Severus genau. Aber dieser fühlte sich nicht unwohl, er wusste, Airell suchte nach Anhaltspunkten, wie es ihm ging. Und natürlich fand er welche.
„Du siehst müde aus, Severus."
Severus nickte und schaute ein wenig verlegen zu Boden. „Die letzte Nacht war…schwieirg."
„Möchtest du es mir erklären?", fragte Airell mit so sanfter, ruhiger Stimme, dass Severus sich am liebsten sofort in seine Arme geworfen und ihm alles erzählt hätte. Womit hatte er nur einen so wunderbaren Menschen verdient, der sich um ihn sorgte? Wie konnte es sein, dass er gleich zwei Männer traf, die sich als Retter in der Not heraus stellten und so unfassbar selbstlos waren? Er verstand es bis heute nicht, aber wer war er schon, solch ein Glück in Frage zu stellen?!
„Ich würde gerne, aber nicht hier. Die Wände haben Ohren", antwortete Severus ebenso leise und wusste, dass er Airell zwar enttäuschte, dieser aber absolutes Verständnis hatte. Und so war es auch.
„Ich verstehe. Wann ist das nächste Hogsmead-Wochenende?", fragte Airell und ließ seinen Blick wieder durch den weitläufigen Gang hinter Severus wandern. Er war immer achtsam, immer darauf bedacht, jede potentielle Gefahr sofort als solche zu erkennen. Jahrelanges Todessertraining.
Severus überlegte. „Soweit ich weiß, das zweite Wochenende im September."
Airell nickte. „Ich werde dort sein, wenn du möchtest?"
Severus spürte, wie ein warmes Gefühl sich in seinem Innersten ausbreitete. Er lächelte leicht. „Sehr gerne. Es würde mich freuen."
Nun war es an Airell leicht zu lächeln und er bedachte seinen Adoptivsohn mit einem durchdringenden Blick, als er fragte: „Lucius wird dir Probleme bereiten, oder?"
Severus seufzte und konnte ein Augenrollen nicht ganz verbergen. „Natürlich wird er das. Er duldet keinen Rangkampf und sieht in mir seinen absoluten Feind."
Airell schnaubte. „Rangkampf? Du stehst über ihm, da sollte es keinen Rangkampf geben!"
Severus nickte leicht und schüttelte zugleich den Kopf: „Du kennst Lucius. Ich werde in seinem Weltbild niemals über ihm stehen und deine Begrüßung eben hat ihn schwer getroffen." Severus meinte diese Anmerkung weder als Vorwurf, noch missbilligte er Airells' Verhalten. Das stand ihm überhaupt nicht zu. Außerdem hatte er sich unendlich gefreut seinen Adoptivvater zu sehen und hatte aus seinen netten Worten und seinem Besuch Kraft gewonnen, von der er nicht wusste wie dringend er sie benötigt hatte. Und dabei hatte das Schuljahr gerade erst begonnen!
„Aber es ist belanglos. Lucius ist belanglos", ergänzte Severus und hoffte, seine Stimme klang so selbstsicher und stark wie er es sich wünschte.
Airell bedachte ihn erneut mit einem durchdringenden Blick. Er nickte leicht. „Ja, dass ist er, aber er ist leider auch gefährlich. Ich möchte, dass du besonders gut auf dich achtest und sollte Lucius sich nicht beherrschen können, hast du meine Erlaubnis alles zu tun was nötig ist um dich zu verteidigen, hast du verstanden?"
Severus schluckte trocken und nickte dann. Selbstverständlich hatte er nicht vor, jemanden zu verletzten, aber er wusste, was Airell meinte. Lucius hatte keine Skrupel und wenn es nötig war, ging er über Leichen um seinen Willen zu bekommen. Nicht selten hatte er das im Todessertraining unter Beweis gestellt. Severus wusste um die Stärken von Lucius Malfoy. Und um seine Schwächen. Aber das galt auch für Lucius selbst in Bezug auf Severus.
Plötzlich stand Airell direkt vor ihm und umarmte Severus. Dieser seufzte leise und ließ sich leicht in die Umarmung fallen.
„Pass auf dich auf, Severus!", flüsterte Airell und drückte seinen Adoptivsohn kurz. Dieser erwiderte die Umarmung und nahm tief Luft. Airell roch immer so gut. Eine Mischung aus kaltem Wind, Zimt und Kaminfeuer. Wie Severus diesen Duft liebte, bedeutete er doch mittlerweile Zuhause und Geborgenheit für ihn. Etwas, was er nie zuvor gekannt hatte. Er hatte es kurz kennen gelernt, für einen winzig kleinen Augenblick, doch dann war es ihm gewaltsam wieder entrissen worden und erst mit Airell hatte er gelernt, dass ein Zuhause und eine Familie Bestand haben konnten.
Severus wollte die Umarmung nicht lösen, doch er wusste, dass er Airell nicht die ganze Nacht hier in Hogwarts festhalten konnte. Dass er überhaupt so lange geblieben war grenzte schon an ein Wunder, für das Severus sehr, sehr dankbar war. Widerwillig ging er einen kleinen Schritt zurück und hoffte, Airell konnte in seinen Augen die Dankbarkeit erkennen, die er viel zu selten zeigte.
„Danke", sagte Severus leise, „für alles."
Airell lächelte wieder leicht. „Gern geschehen, mein Sohn."
Severus spürte, wie seine Augen begannen zu brennen. Er wollte sich abwenden, doch er wusste, dass er das vor Airell nicht musste. Er wollte, dass Airell sah, wie viel ihm seine Worte bedeuteten.
Airell legte seine bleiche, feingliedrige Hand kurz auf Severus' Wange. „Wir sehen uns dann im September. Melde dich, wenn du etwas brauchst. Oder wenn etwas sein sollte!"
Severus nickte und ließ seinen Kopf kurz zur Seite sinken, in Airells Hand. Dieser lächelte noch einmal kurz, dann war die Berührung verschwunden und Airell zwei Schritte zurückgegangen.
„Lebe wohl, Severus. Bis bald!"
„Lebe wohl, Airell. Ich danke dir!"
Nun drehte Airell sich um, wartete einige Sekunden, bis das große Portal sich auf magische Weise geöffnet hatte und ging nach draußen. Es war fast Mitternacht und der Nachthimmel war schwarz und voller Sterne. Eine wunderschöne Spätsommernacht.
Severus wartete noch kurz, bis Airell die steinernen Stufen hinunter schritt und nicht mehr zu sehen war. Er schluckte einmal trocken. Mit Airell schien auch das letzte Bisschen Wärme aus seinem Körper verschwunden zu sein. Es fröstelte ihn leicht, obwohl von draußen ein lauer Wind in die Halle wehte.
Schließlich drehte auch er sich um und machte sich auf den Weg zurück in Richtung der Kerker, wo die Slytherinschüler ihr Refugium hatten. Es war ein sehr langer, nervenaufreibender Tag gewesen und Severus befürchtete, dass das weitere Schuljahr nicht unbedingt ruhiger verlaufen würde. Aber für heute war es genug. Seine Hand, die er sich am Abend zuvor gebrochen hatte, pochte leicht und er wusste, dass es zum Heilungsprozess dazu gehörte. Er würde am Morgen bei Madame Pomfrey vorbei schauen und hoffte, dass alles zu ihrer Zufriedenheit verheilt war.
Mit einem Seufzen stieg Severus die Stufen zu den Kerkern hinunter und freute sich auf ein paar Stunden Schlaf. Sein Körper war mit einem Mal unendlich müde, sein Kopf begann leicht zu pochen und er konnte die Augen nur noch schwer offen halten. Die Müdigkeit der vergangenen Nacht und viel zu vieler Nächte zuvor forderten ihren Tribut und es wurde Zeit, dass er die dringend benötigte Ruhe nachholte.
Im Gemeinschaftsraum angekommen brannte nur noch eine schwache Glut im offenen Kamin, kein anderer Schüler war mehr zu sehen und wäre Severus nicht so unendlich müde gewesen, hätte er das Paar sturmgrauer Augen gesehen, die ihn aus dem Schatten heraus hinterher blickten, während er die Stufen zu seinem Schlafsaal hinauf ging.
To be continued...
