Kapitel 10


Namenserklärungen:

Kheelan (irisch/keltisch): Kämpfer, Krieger

Daray (irisch): dunkel


Ein eisig kalter Luftzug ließ die weißen, schweren Vorhänge um das Krankenbett tanzen. Vereinzelte Schneeflocken fanden ihren Weg durch ein angelehntes Fenster in den großen, abgedunkelten Saal, schwebten einige Sekunden in der Luft und wurden schließlich zu winzigen, kaum wahrnehmbaren Wassertropfen, die den ebenso weißen Stoff der Bettwäsche kühlten. Ein leises Rascheln war zu hören, als Madame Pomfrey sich mit müden, langsamen Schritten dem nun halb offenen Fenster zuwandte und es gerade schließen wollte, doch eine dunkle Männerstimme ließ sie in der Bewegung inne halten.

„Lassen Sie es offen stehen, Madame Pomfrey. Die Kälte schadet ihm nicht, im Gegenteil. Sie beschleunigt in Maßen den Heilungsprozess und hilft uns, das Fieber schneller wieder in den Griff zu bekommen!"

Die Heilerin drehte sich um, blickte den Sprecher ein wenig zweifelnd an, doch mit einem leichten Schulterzucken entfernte sie sich wieder von dem Fenster, ließ sich stattdessen müde auf das nächstbeste Krankenbett sinken und schloss, sich einen Moment der Schwäche gönnend, kurz die Augen.

So viel war in den letzten Stunden geschehen, was sie nicht verstand und ihre letzten Kräfte gefordert hatte. Sie war mit Nichten eine zart besaitete Frau, doch die Anstrengungen forderten auch bei ihr schließlich ihren Tribut und obwohl sie einige Zeit geschlafen hatte, war es ein unruhiger Schlaf gewesen, aus dem sie nicht ausgeruht erwacht war. Ihr Kopf und ihr Körper konnten noch nicht richtig zur Ruhe kommen, sie versuchte noch immer zu verstehen, was geschehen war.

Ihr ganzer Körper stand noch immer unter enormer Anspannung, was nicht zuletzt daran lag, dass sie immer noch nicht gänzlich davon überzeugt war, dem fremden Mann, der gerade neben Severus Snape auf einem alten, abgenutzten Holzstuhl saß, trauen zu können. Er war mitten in der Nacht einfach hier aufgetaucht, hatte sie davon abgehalten, Severus die nötigen Tränke zu verabreichen und stattdessen einige seltsame, für sie unverständliche Worte und Gesten benutzt, um zumindest das schmerzerfüllte Hin- und Herwerfen des Schülers zu stoppen. Das Fieber war noch nicht gänzlich gesunken, doch seine Atmung hatte sich wieder etwas beruhigt und die dürren, schneeweißen Händen krallten sich nicht mehr schmerzverzerrt in die dicke Decke, die sie über dem mageren Körper ausgebreitet hatten.

Eine kühle Hand auf ihrem rechten Oberarm ließ Madame Pomfrey erschrocken nach oben fahren. Neben ihr stand der Fremde, mit einem kaum wahrnehmbaren Lächeln auf den Lippen und der Hand noch immer sanft, aber mit Nachdruck, auf ihrer Schulter. Es war, als würde seine Kälte die Müdigkeit, die sie in jedem Knochen spürte, für einen kurzen Moment vertreiben und es ihr gestatten, wieder etwas klarer denken zu können. Seltsam, dass ein Mann, der dicke Winterkleidung trug, so kalte Hände haben konnte. Aber was an diesem Mann war nicht seltsam?

„Sie sollten noch einige Stunden schlafen, Madame Pomfrey. Ich werde solange auf Severus Acht geben und Sie benachrichtigen, sollte sich an seinem Zustand etwas ändern!"

Leicht schüttelte sie den Kopf und wollte sich schon erheben, doch der starke Arm des Mannes hielt sie davon ab. Ergeben seufzend blieb die Heilerin auf dem Bett sitzen und ihr Blick wanderte zu dem Krankenbett, in den Severus Snape lag. Er atmete entspannt. Er schien keine Schmerzen mehr zu haben.

„Nein", murmelte sie und schüttelte noch einmal den Kopf. „Ich kann nicht gehen, er braucht mich! Ich weiß immer noch nicht, wer Sie sind und warum Sie hier sind, da wäre es unverantwortlich, Sie beide hier alleine zu lassen!"

Ein schmales Lächeln stahl sich auf das Gesicht des dunkelhaarigen Mannes und er nickte verstehend.

„Sie sind eine exzellente Heilerin!", meinte er anerkennend und ließ ihre Schulter los. Er drehte sich leicht zum Fenster und schaute hinaus.

„Sie haben natürlich Recht. Verzeihen Sie meine unzureichenden Manieren, es ging alles so schnell. Mein Name ist Kheelan Daray und ich bin ein Freund von…"

Zum Ende des Satzes hin hatte er gestockt und schließlich gänzlich abgebrochen. Madame Pomfrey runzelte, nun leicht misstrauisch, die Stirn, doch hielt sie es für das Beste, erst einmal abzuwarten und zu schweigen. Und außerdem hatte sie bereits eine Ahnung, wie der Satz beendet werden würde. Die Ähnlichkeiten waren verblüffend. Nicht nur äußerlich, sondern auch das Verhalten der beiden Männer glich sich auf unerklärliche Weise. Als wären sie Brüder gewesen.

Für einige kurze Augenblicke schwiegen sie beide. Der Fremde starrte mit leerem Blick nach draußen, schien die unzähligen Schneeflocken bei ihrem winterlichen Tanz zu beobachten und beendete den zuvor begonnenen Satz mit leiser, rauer Stimme:

„…von Christian Keriann."

Madame Pomfrey schloss ergeben die Augen und hielt unbewusst kurz die Luft an. Also hatte sie Recht gehabt. Ihr erster Eindruck hatte sie nicht getrübt, der ehemalige Professor für Verteidigung gegen die Dunklen Künste und dieser dunkelhaarige Mann vor ihr, Kheelan, hatten sich gekannt. Erinnerungen durchzogen ihren Geist, Gesprächsfetzen längst vergangener Tage, Gerüche, Geräusche und gemeinsam geteilte Erlebnisse.

Sie sah ihren nun toten Kollegen, wie er bei einer der vielen Lehrerversammlungen am Ende des Tisches gesessen und sich leise mit ihr unterhalten hatte. Sie sah ihn mit langen, eleganten Schritten die Halle durchqueren auf dem Weg zu Lehrertisch oder aber, wie er mit Severus Snape auf den Armen in die Krankenstation gekommen war, nachdem er ihn irgendwo gefunden hatte, wieder einmal halb tot. Sie hatte ihn niemals gefragt, wo er Severus an diesem Morgen gefunden hatte, doch an ihre Unterhaltung konnte sie sich noch heute erinnern, als hätte sie erst gestern stattgefunden.

„Christian… was weißt du von Severus Snape?"

Nicht viel, fürchte ich. Deutlich weniger, als ich gerne wissen würde."

Niemand von ihnen wusste bis heute mit Sicherheit, was es war, was diese beiden Menschen miteinander verbunden hatte, doch nicht selten kursierten noch immer Gerüchte darüber durch die Klassenzimmer und Flure, wurden in der Großen Halle immer mehr Dinge hinzu gereimt und am Ende als einzig mögliche, wahre Begebenheit dargeboten. Natürlich landeten diese Geschichten früher oder später auch immer am Lehrertisch und wenn es etwas gab, gegen das man nicht das Geringste unternehmen konnte, war es Klatsch und Tratsch. In Hogwarts kursierten Gerüchte schneller durch die Räume und Gänge als so mancher Fluch und es konnte Jahre dauern, bis ein Thema so weit ausgereizt war, dass man sich darüber nicht mehr ganz so häufig unterhielt, bis es schließlich ganz verschwand.

Doch die Sache mit Professor Keriann und Severus Snape war äußerst…pikant und die Heilerin von Hogwarts wäre jede Wette eingegangen, dass diese beiden Menschen noch lange Thema hinter vorgehaltenen Händen sein würden. Es gab einfach zu viel Ungewisses, zu viele Fragezeichen, als dass die Schülerschaft und auch die Lehrerschaft von Hogwarts es endlich hätten auf sich beruhen lassen können.

Ein leises Räuspern riss Madame Pomfrey aus ihren Gedanken und sie zuckte leicht zusammen. Der Mann, der sich ihr gerade eben als Kheelan vorgestellt hatte, musterte sie durchdringend und schien auf irgendetwas zu warten, doch sie wusste beim besten Willen nicht, was sie in diesem Moment hätte sagen sollen. Also schwieg sie, starrte auf die sich langsam bewegende Bettdecke, unter der Severus Snape lag und spürte erneut, wie die Müdigkeit von Tagen ihre kühlen Finger nach ihr ausstreckte und ihre Augenlider immer schwerer wurden.

Aus den Augenwinkeln bemerkte Madame Pomfrey eine Bewegung und wandte ihren Blick nach rechts. Mr. Daray hatte sich an die steinerne Wand zwischen zwei Fenstern gelehnt, die Augen geschlossen und ließ sich nun, ganz langsam, an ihr nach unten sinken. Auf dem Boden angekommen streckte er die Beine von sich, verschränkte die Arme vor der Brust und machte nicht den Eindruck, als würde er sich in der nächsten Zeit aus dieser sicherlich äußerst unbequemen Position erheben.

Verwundert über diese Tat runzelte Madame Pomfrey die Stirn.

„Mr. Daray, was…tun Sie da?"

Erneut bildete sich ein leichtes Lächeln auf seinen bleichen Lippen und braune Augen schienen geradewegs durch Madame Pomfrey hindurch zu sehen. Sie fühlte sich unter diesem Blick sichtlich unwohl und rutschte leicht nach rechts und links, während sie unbewusst die Lippen leicht zusammenpresste.

„Es ist nichts weiter, Madame Pomfrey. Ich überlege nur gerade, wo ich am besten anfange, um ihr Misstrauen ein wenig zu beseitigen. Ich kann verstehen, dass es ihnen…seltsam vorkommen muss, dass ich mitten in der Nacht auf einmal hier aufgetaucht bin, Sie scheinbar darin belehre, wie Sie ihre Patienten zu behandeln haben und dann auch noch offenbare, ein Freund von Christian Keriann zu sein. Ich bin mir meiner heiklen Lage durchaus bewusst, doch muss ich zu meinem Leidwesen gestehen, nicht sonderlich…nun ja, sagen wir geübt im Umgang mit anderen Menschen zu sein und deshalb nicht so genau zu wissen, wie ich es ihnen am besten erkläre."

Nun war es an Madame Pomfrey, leicht zu lächeln, denn mit dieser kleinen Rede hatte er ihr im Grunde mehr gesagt, als die meisten Erklärungen es gekonnt hätten. Alleine durch seine Art sich auszudrücken, seinen Bewegungen und der Tatsache, dass er sich einfach so auf den kalten Boden gesetzt hatte, zeigte dieser Mann ihr, ob nun bewusst oder unbewusst, dass er nur ein Freund des verstorbenen Professors sein konnte. Es erschien ihr fast, als würde Christian selbst vor ihr sitzen, denn mehr als einmal hatte sie einen ähnlichen Satz auch aus seinem Mund gehört. Er war auch immer der Meinung gewesen, nicht geübt im Umgang mit Menschen zu sein, doch das hatte nie wirklich der Wahrheit entsprochen. Es war eine Sache, wenn man sich immer etwas zurück zog, nicht gerne unter Menschen war und eher ein Einzelgänger war, aber eine völlig andere, wenn man nicht mit Menschen umgehen konnte. Denn das hatte Christian Keriann gekonnt. Alle Kollegen hatten häufig seinen Rat und seine Gesellschaft gesucht und sie wusste von einigen weiblichen Kolleginnen, dass sie einer näheren Bekanntschaft mit dem Professor nicht gerade abgeneigt gewesen wären. Und nun war dieser Mann hier, offensichtlich ein alter Freund Christians und ähnelte ihm in Aussehen und Benehmen wie nur zwei Brüder es konnten. Was also verband diese beiden Männer? Waren sie wirklich miteinander verwandt? Oder gab es eine andere Verbindung? Würde er länger in Hogwarts bleiben?

Aber die Antworten auf all diese Fragen würden sie wohl kaum hier und jetzt beantworten können. Viel war geschehen, viel musste verarbeitet werden. Und sie hatten Zeit, so schien es. Das Leben von Severus Snape schien nicht mehr unmittelbar in Gefahr zu sein, jedenfalls für diesen Moment nicht. Also konnten sie die Ruhe vor dem Sturm doch endlich einmal nutzen, um auch selbst etwas zur Ruhe zu kommen. Oder nicht?!

Mr. Daray hatte Recht, sie würde in den nächsten Stunden wenigstens etwas Schlaf finden müssen, der Direktor musste endlich von dem unterrichtet werden was hier in den vergangenen Stunden stattgefunden hatte und doch konnte sie sich nicht nur mit einem Namen zufrieden geben. Sie musste sicher gehen, dass von diesem Mann keine Gefahr für Severus Snape oder die Schule ausging.

Sie blickte den dunkelhaarigen Fremden offen an. Dieser saß immer noch gegen die Wand gelehnt auf dem eisigen Boden, den dunklen Umhang hatte er fest um den Körper geschlungen und mit seinen Gedanken schien er weit weg zu sein, denn seine Augen starrten leer auf irgendeinen Punkt auf dem Boden.

Ein wenig verlegen räusperte sich Madame Pomfrey und zog somit die ungeteilte Aufmerksamkeit des düsteren Mannes auf sich. Ein entschuldigendes Lächeln lag auf seinen Lippen, welches ihn auf irgendeine Weise sympathisch erscheinen ließ und für einen kurzen Moment darüber hinweg täuschte, dass er eigentlich ziemlich…finster und bedrohlich wirkte. Etwas Besseres wollte ihr momentan einfach nicht einfallen, um die seltsame, kühle Aura zu beschreiben, die ihn umgab wie der dunkle Stoff seines Umhanges.

Hätte er ihr seinen Namen nicht genannt, so wäre sie wahrscheinlich immer noch davon überzeugt gewesen, den Bruder ihres verstorbenen Kollegen vor sich zu haben, doch diese Möglichkeit hatte sie nun ausgeschlossen. Anhand der Namen war keine familiäre Verbindung zu erkennen.

Leicht runzelte Madame Pomfrey die Stirn. Wieso eigentlich? Es bestand immer noch die Möglichkeit, dass die beiden düsteren Männer miteinander verwandt waren und bei so vielen alleine schon äußeren Gemeinsamkeiten konnte es eigentlich nur diese Lösung geben. Aber etwas in ihr zweifelte immer noch an dieser Vermutung und es gab nur einen Weg, etwas Klarheit in ihre Gedanken zu bringen.

„Verzeihen Sie", begann Madame Pomfrey mit leiser und etwas unsicherer Stimme, da ihr die Frage, die sie nun stellen wollte, doch etwas indiskret erschien und sie nichts mehr hasste als Leute, die die Privatsphäre von anderen nicht akzeptieren. Aber sie wollte Antworten, also war kein Platz für Diskretion und Zurückhaltung.

„Sind Sie mit Professor Keriann verwandt? Sie beide sehen sich so…ähnlich. Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, bitte verzeihen Sie meine Neugierde." Die Heilerin versuchte sich an einem kleinen, entschuldigenden Lächeln.

Ein leises Lachen ließ Madame Pomfrey leicht zusammen zucken. Fragend sah sie den Mann auf dem Boden an.

„Bitte verzeihen Sie mir, Madame Pomfrey, ich möchte Sie nicht in Verlegenheit bringen. Aber Ihre Gedanken stehen Ihnen so deutlich ins Gesicht geschrieben, dass es mir schier unmöglich ist, sie nicht zu erraten."

Madame Pomfrey errötete leicht, doch spürte sie auch einen Anflug von Ungeduld in sich aufkeimen. Sie wollte jetzt endlich wissen, was Christian und Kheelan verband und nicht weiter um den heißen Brei herum reden!

Leicht schüttelte Kheelan Daray den Kopf, beinahe in einer traurigen Geste. Warum war er traurig?

„Nein, wir sind nicht miteinander verwandt – jedenfalls nicht direkt."

Der fragende Blick Madame Pomfreys ließ nicht lange auf sich warten und mit einem leisen Seufzen fuhr Mr. Daray fort, wobei er die Arme noch etwas enger um seinen Oberkörper schlang, jedoch keine Anstalten machte, sich vom Boden zu erheben.

„Ich nehme an, bei uns ist jeder über irgendwelche Ecken mit dem anderen verwandt, aber ich bin kein verschollener Bruder oder dergleichen, falls Sie das gemeint haben."

Madame Pomfrey nickte leicht, entschied sich jedoch dazu, erst einmal nichts zu sagen, denn er hatte seinen letzten Satz so betont, als wäre er noch nicht fertig gewesen. Für einen Augenblick schwiegen beide, während ihr Blick erneut prüfend über die nun scheinbar ruhiger schlafende Gestalt von Severus Snape huschte. Langsam löste sich die Anspannung aus ihrem Körper, denn auch, wenn die schneeweiße Stirn des Jungen zuvor noch geglüht hatte, schien die kühle Winterluft ihm wirklich gut zu tun. Seine Atmung ging noch immer gleichmäßig, der Brustkorb hob und senkte sich nicht mehr ganz so verkrampft und das heftige Zittern schien, so wie sie das aus der Entfernung mit geschultem Blick erkennen konnte, verschwunden zu sein. Nichts desto trotz mussten sie ein Augen auf den Jungen haben, denn wer wusste schon, ob sein Zustand sich nicht binnen eines Augenschlages wieder verschlechtern konnte? Bei Severus Snape hatte sie schon so einiges erlebt, was ihr den Atem hatte stocken lassen und im Laufe der Jahre hatte sie gelernt, bei ihm auf alles gefasst zu sein.

Ein leises Knacken war zu hören, doch es kam nicht aus der Richtung des schwarzhaarigen Slytherins, sonders vom Boden der Krankenstation. Madame Pomfrey wandte ihren Blick nach rechts unten und konnte ein leichtes Lächeln nicht unterdrücken. Ihr zweiter „Gast" war gerade dabei, seine offensichtlich doch etwas unbequeme Position auf dem Boden etwas zu verändern, scheinbar jedoch ohne Erfolg. Seine Knochen und Gelenke knackten leise und ein leicht frustriertes Schnauben war die Antwort darauf.

„Sie sollten vielleicht in Erwägung ziehen, vom Boden aufzustehen, Mr. Daray. Entgegen eventueller Gerüchte, die sie vielleicht gehört haben mögen, sind die Betten hier ziemlich bequem, will ich meinen. Und besser als der nackte Steinboden sind sie allemal!", schlug die Heilerin vor und schüttelte leicht den Kopf über das seltsame Verhalten des düsteren Mannes. Warum saß er auf dem Boden?

Dieser schenkte ihr ein entschuldigendes Lächeln und zuckte leicht mit den Schultern.

„Ich werde eben auch nicht jünger. Ich danke Ihnen für das Angebot, doch ich werde mich mit dem Boden schon zu arrangieren wissen…"

Das schien seine gesamte Antwort zu sein, denn bis auf die Tatsache, dass er nun kerzengerade gegen die Wand gelehnt saß und die Arme erneut leicht vor der Brust verschränkte, änderte er an seiner Position wirklich nichts, was ein verwundertes Stirnrunzeln Madame Pomfreys zur Folge hatte.

„Wieso, in Merlins Namen, sitzen Sie auf dem Boden? Es ist unbequem und kalt und außerdem…"

Sie hatte den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, als die Tür zur Krankenstation mit einem lauten Knall aufflog, Holzsplitter durch die Luft flogen und ein greller Blitz an ihr vorbei zischte. Mit einem erschrockenen Aufschrei war sie aufgesprungen, hatte die Hände vor Entsetzen auf ihren Mund gepresst und bemerkte aus den Augenwinkeln einen dunklen Schatten, der an ihr vorbei stürmte und Kheelan Daray hochzog und gegen die Wand presste. Dieser gab einen überraschten Schmerzenslaut von sich.

Eine ihr gut bekannte Stimme zischte mit eisigem Unterton: „Wagt es ja nicht, Euch auch nur einen Millimeter zu bewegen!" und dem schwarzen Schatten folgte nun eine in dunkles Rot gekleidete Gestalt mit langem, weißem Bart in die Krankenstation.

„Direktor!", keuchte die Heilerin und riss erstaunt die Augen auf, als ihr Verstand langsam realisierte, was sich hier gerade vor ihr abspielte.

Kheelan Daray gab einen gurgelnden Laut von sich und versuchte, sich aus dem schraubstockartigen Griff des Angreifers zu befreien, doch sturmgraue Augen blitzten ihn wütend an und ein dunkler, fast schwarzer Zauberstab zeigte genau auf sein Herz.

„Rührt ihn noch ein einziges Mal an und ich schwöre Euch, Ihr werdet den nächsten Morgen nicht mehr erleben!"


To be continued...