Kapitel 16
Ein schriller Schrei riss Kheelan Daray unsanft aus seinem Schlaf. Innerhalb eines Augenblickes waren alle seine Sinne bis auf das Äußerste geschärft, er nahm seine Umgebung bis hin zum kleinsten Detail wahr und sortierte innerhalb eines Wimpernschlages Geräusche, Gerüche, Entfernungen und die Menschen um ihn herum. Er war in Hogwarts. In der Krankenstation der Schule, um genau zu sein. Von hier ging keine Gefahr für ihn aus. Kheelan hielt seine Augen noch für einen weiteren Moment geschlossen und konzentrierte sich darauf, wieder ruhiger zu werden. Alle Fasern seines Körpers waren angespannt und er bemühte sich, die Anspannung zu lösen. Erst dann öffnete er langsam die Augen…
…und blickte in die besorgten Gesichter von Madame Pomfrey und dem Direktor. Die Heilerin schien ihn mit ihrem Blick förmlich zu durchbohren und klang etwas hysterisch, als sie mit schriller Stimme fragte:
„Mr. Daray, was ist hier gerade passiert? Geht es Ihnen gut?"
Kheelan versuchte den Sinn ihrer Fragen zu verstehen, doch es wollte ihm nicht so recht gelingen. Er hob verwundert eine Augenbraue.
„Bitte, Madame, wovon sprechen Sie?", fragte er etwas verständnislos und erhob sich langsam vom Boden in eine sitzende Position. Die Medihexe und der Direktor machten ihm etwas Platz, doch noch immer fühlte sich Kheelan unangenehm in die Enge getrieben. Er mochte es nicht, wenn man ihm so nahe kam. Deshalb rutschte er auf dem kalten Boden einige Zentimeter nach hinten, atmete noch einmal tief durch und erhob sich schließlich mit einer eleganten, fließenden Bewegung. Aus Gewohnheit brachte er noch etwas mehr Abstand zwischen sich und die beiden Zauberer. Dann blickte er in das fassungslose Gesicht der Heilerin. Die blauen Augen des Direktors blickten ihn hingegen fragend, aber auch etwas alarmiert an. Es erschien ihm fast, als sähe er Misstrauen hinter den halbmondförmigen Brillengläsern aufblitzen. Worum ging es hier? Was hatte er verpasst?
Kheelan versuchte, auch die letzten Geräusche des Schlosses in den Hintergrund seiner Wahrnehmung zu verbannen. Er hörte das leise Klirren von Besteck, das Lachen der Schülerinnen und Schüler und das Poltern vieler Füße. In der Großen Halle des Schlosses musste wohl gerade eines der gemeinsamen Essen stattfinden. Wenn ihn seine Sinne nicht trügten, musste es sich um das Mittagessen handeln. Er hatte also einige Stunden geschlafen. Immerhin. Aber was brachte die Heilerin so um den Verstand? Und wieso musterte ihn der Direktor beinahe schon unangenehm und dazu noch voller Misstrauen?
Kheelan schüttelte leicht den Kopf und schaute der Heilerin mit festem Blick in ihre leicht panischen Augen.
„Madame Pomfrey, worum geht es? Ist etwas mit Severus Snape oder Airell Malfoy?"
Madame Pomfrey starrte Kheelan fassungslos an, blinzelte einmal und schnaubte dann. Ihre Stimme klang noch immer leicht hysterisch, doch nun mischte sich ein ungläubiger Tonfall mit dazu.
„Mit Severus und Mr. Malfoy ist alles in bester Ordnung! Was ist mit Ihnen? Wieso liegen sie auf dem Boden und atmen nicht mehr?!" Kheelan schalt sich innerlich selbst einen Narren. Er hatte es schlichtweg vergessen. Natürlich musste es für die hier lebenden Hexen und Zauberer so ausgesehen haben, als hätte seine Atmung aufgehört. Hatte sie ja im Grunde auch. Es würde schwierig werden, das zu erklären. Kheelan überlegte kurz, dann versuchte er sich an einem angedeuteten, entschuldigenden Lächeln.
„Ich entschuldige mich dafür, falls ich Sie beunruhigt haben sollte. Nichts lag mir ferner. Ich war etwas ermüdet von den vergangenen Stunden und dachte, ich könnte mich etwas ausruhen. Ich wollte sie nicht erschrecken, bitte verzeihen Sie!"
Er deutete eine leichte Verbeugung an und strich einige Falten auf seinem schwarzen Gewand glatt. Sollte er mehr sagen? Aber was genau? Kheelan entschied sich dazu, erst einmal zu schweigen und abzuwarten.
„Mr. Daray", begann nun der Direktor der Schule und seine Stimme klang ungewohnt leise, aber nicht unbedingt unfreundlich. „Wie meine geschätzte Kollegin versucht Ihnen mitzuteilen, hatten wir tatsächlich Angst um Sie. Als wir herein kamen lagen Sie auf dem Boden, vollkommen regungslos. Es hatte den Anschein, als wären Sie…tot?"
Die Frage am Ende hatte Professor Dumbledore kaum mehr als geflüstert, als befürchte er, Kheelan mit dieser Frage zu verschrecken. Oder zu verärgern. Aber nichts davon war der Fall. Kheelan ärgerte sich alleine über seine eigene Dummheit. Er war zu lange nicht mehr unter Menschen gewesen. Er hatte unvorsichtig gehandelt und musste jetzt die Situation erklären. Aber was sollte er sagen?
„Ich entschuldige mich noch einmal für die Unannehmlichkeiten, Direktor Dumbledore. Ich kann Ihnen versichern, dass es mir gut geht und ich zu keiner Zeit in Gefahr war. Ich habe tatsächlich nur…geschlafen."
Kheelan warf den beiden Magiern einen kurzen Blick zu und hoffte, sie würden es dabei belassen. Hier und jetzt war nicht die Zeit für weitere Erklärungen. Madame Pomfrey schien noch etwas sagen oder fragen zu wollen, doch der Direktor gab ihr mit einem leichten Kopfschütteln zu verstehen, dass sie es vorerst auf sich beruhen lassen sollte. Dafür war Kheelan ihm sehr dankbar und schenkte dem weißhaarigen Mann ein dankbares Nicken. Das Misstrauen in den blauen Augen war beinahe erloschen.
Glücklicherweise durchbrach eine leise, kratzige Stimme die unangenehme Stille zwischen ihnen.
„Airell?", fragte der junge Severus Snape und stöhnte leise in seinem Krankenbett.
Sofort kam Bewegung in die Heilerin, sie eilte auf das Bett des Schülers zu und untersuchte ihn umgehend. Ihr Gesicht war ernst und eine kleine Falte bildete sich auf ihrer Stirn.
„Mr. Snape. Es ist gut, Sie wieder bei uns zu haben. Wie fühlen Sie sich?", fragte Madame Pomfrey, während ihr Zauberstab über den Körper des Slytherins schwebte und die Untersuchung fortsetzte.
Severus hustete kurz und sofort wurde ihm ein Becher mit Wasser an die Lippen gehalten.
„Hier, trinken Sie einen Schluck", bot die Medihexe an und ganz vorsichtig, die Augen noch immer geschlossen, nahm der schwarzhaarige Slytherin einen kleinen Schluck Wasser…und begann augenblicklich noch stärker zu husten.
„Trinken Sie langsam, Mr. Snape. Sie waren einige Tage nicht bei Bewusstsein, es ist völlig natürlich, dass das Schlucken ihnen schwer fällt, " versuchte die Heilerin ihn zu beruhigen.
Mit gerunzelter Stirn schüttelte Severus den Kopf. Er versuchte die Augen zu öffnen, kniff sie jedoch sofort wieder fest zusammen und stöhnte noch einmal.
„Es schmeckt…bitter. Und das Licht…es ist so…hell!?"
Madame Pomfrey runzelte die Stirn und warf dem Direktor und Kheelan einen fragenden Blick zu. Ohne etwas zu sagen ließ Professor Dumbledore die schweren Vorhänge mit einer kurzen Handbewegung vor die riesigen Fenster der Krankenstation gleiten und der Raum verdunkelte sich. Eine zweite Handbewegung ließ einige Dutzend Kerzen über ihnen in der Luft schweben.
„Ist es so besser, Mr. Snape?", fragte der Direktor und trat hinter die Heilerin an das Bett des Schülers. Dieser nickte langsam und öffnete vorsichtig die Augen.
„Ja, Direktor. Viel besser. Vielen Dank."
Kheelan hatte das Schauspiel vor sich bisher kommentarlos beobachtet, doch in seinem Kopf arbeitete es fieberhaft. Auch ihn hatte die Mittagssonne geblendet und unangenehm in seinen Augen gebrannt, doch er hatte es hingenommen und nichts gesagt. Zu viel Aufmerksamkeit hatte er schon durch sein Schlafen auf dem Boden auf sich gezogen. Doch jetzt begann er zu verstehen, was hier passierte. Die Puzzlestücke setzten sich langsam zusammen und er glaubte zu erahnen, warum Christian gerade an dieser Schule geblieben war. Und warum er ihn hierhin geschickt hatte. Es schien mit diesem jungen Mann zusammen zu hängen. Severus Snape.
Als Kheelan Severus am Abend zuvor berührt hatte, hatte die Ahnung einer dunklen Präsenz seinen Geist gestreift. Es hatte weniger als einen Wimpernschlag gedauert, und doch war es da gewesen. Wie ein kühler Windhauch. So bekannt, und doch seit so langer Zeit nicht mehr da gewesen. Aber Kheelan hatte dem keine weitere Beachtung schenken können, da es um das Leben des Schülers nicht gut gestanden hatte. Jede Sekunde hatte gezählt und beinahe hätten sie Severs Snape verloren. Doch jetzt war er wach und das bitter schmeckende Wasser, die Lichtempfindlichkeit… Kheelan spürte, wie sich ein Funke Hoffnung in ihm entzündete, doch es war noch viel zu früh. Er konnte noch nicht hoffen. Nicht ohne Beweise, nicht ohne sicher zu sein…
Kheelan räusperte sich leise und zog die Aufmerksamkeit aller dadurch auf sich.
„Verzeihen Sie, wenn ich Sie unterbreche. Mr. Snape?" Kheelan ging langsam auf das Bett des Schülers zu, versuchte möglichst entspannt zu wirken und wartete darauf, dass der Blick des dunkelhaarigen Slytherins den seinen traf. Dieser wendete noch immer liegend seinen Kopf in die Richtung, aus der die unbekannte Stimme kam und als sich ihre Augen trafen, ging eine Erschütterung durch Kheelans ganzen Körper die ihn erzittern ließ. Wie ein magischer Blitz. Kheelan spürte, wie sein Innerstes erzitterte.
Er konnte den Blick nicht abwenden und es war, als wäre Zeit und Raum um sie herum plötzlich stehen geblieben. Ihre Blicke waren aneinander geheftet, ineinander verschlungen, und sie sprachen miteinander ohne, dass auch nur ein Wort ihre Lippen verließ. Ihre Seelen erkannten einander. So, wie es immer gewesen war. Und so, wie es immer sein würde. Und Kheelan wusste, was Christian gefunden hatte. Er schluckte und versuchte, das Zittern seines Körpers zu verstecken. Jetzt musste er bedacht handeln. Es hing alles von ihm ab.
„Mr. Snape?", begann Kheelan noch einmal und verbeugte sich tief. „Erlauben Sie, dass ich mich vorstelle. Ich bin Kheelan Daray und wurde geschickt, um Ihnen zu helfen."
Der junge Mann nickte und in den Tiefen seiner schwarzen Augen glaubte Kheelan, ein rotes Glimmen zu erkennen. Er war am Ziel. Nach all den Jahrzehnten der Unsicherheit, nach all den Jahrhunderten des Wartens. Aber wie war das möglich? Hier, in dieser Welt? Wieso war er hier? Und seit wann?
Jetzt galt es, vorsichtig zu handeln. Ein Irrtum war ausgeschlossen, aber Kheelan wusste nicht, wie viel der Direktor wusste. Oder was er ahnte. Und Airell? Hatte er eine Ahnung von der wahren Natur seines Adoptivsohnes?
Kheelan spürte, dass der Junge verunsichert war. Selbstverständlich war er das, immerhin stand hier ein fremder Mann vor ihm. Aber er spürte auch, dass der junge Mann ihm vertraute. Er konnte ihre Verbindung spüren. Und das gab ihnen Beiden Sicherheit.
„Mr. Snape, mir ist bewusst, dass Sie erst einmal gesund werden müssen. Ich kann warten. Ich stelle keine Gefahr für Sie oder das Schloss dar. Ich möchte nur helfen."
Severus nickte erneut und sah sich in der Krankenstation um. Sein Blick blieb an den schwebenden Kerzen hängen, deren Flammen sich in seinen dunklen Augen spiegelten. Das rote Glimmen war so deutlich. Kheelan gab sich innerlich selbst eine Ohrfeige. Wie hatte er es nicht eher spüren können? Wieso hatte Christian ihn nicht früher gerufen?
„In Ordnung, Mr. Snape", schaltete sich nun die Heilerin wieder ein, die ihre Untersuchung längst beendet hatte. „So wie es aussieht, geht es ihnen gut. Die Lichtempfindlichkeit der Augen ist ungewöhnlich. Haben Sie so etwas häufiger?"
Kheelan spürte, wie seine Nerven zum Zerreißen angespannt waren. Er brannte darauf, die Antwort auf diese Frage zu erfahren.
Severus warf ihm einen kurzen, durchdringenden Blick zu. Dann nickte er leicht. „Ja", flüsterte er beinahe. „Manchmal. Immer häufiger."
Kheelan schluckte, sagte jedoch nichts. Madame Pomfrey runzelte die Stirn. „Warum sind die deswegen nicht zu mir gekommen?"
Severus zuckte mit den Schultern und setzte sich langsam auf. Sein schulterlanges Haar fiel ihm unordentlich ins Gesicht und er strich es mit einer unsicheren Bewegung hinter sein rechtes Ohr. „Ich weiß es nicht, Madame Pomfrey. Es erschien mir nicht wichtig."
Direktor Dumbledore warf zuerst Kheelan, dann Severus einen durchdringenden Blick zu. Es machte den Anschein, als würde er das Puzzle deutlich vor sich sehen, aber sich nicht sicher sein, um welche Art von Puzzle es sich handelte.
Madame Pomfrey schnaubte leise. „Gibt es noch mehr Dinge, von denen Sie nicht wussten, ob sie wichtig sind, Mr. Snape?"
Die Stille auf diese Frage war unangenehm. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können und es wunderte Kheelan nicht, dass es anscheinend noch mehr Dinge gab, die Severus Snape nicht berichtet hatte. Er konnte sich sehr gut vorstellen, um welche Symptome es sich handeln musste. Doch er sagte nichts weiter und auch der schwarzhaarige Slytherin schwieg. Stattdessen schaute er auf die Bettdecke und es war allen im Raum bewusst, dass dieses Schweigen als Antwort absolut ausreichend war.
„Poppy?", richtete nun Professor Dumbedore das Wort an seine Medihexe. Diese blickte ihn erwartungsvoll an. „Es wäre vielleicht ganz gut, wenn wir Mr. Snape und Mr. Daray für einen kurzen Augenblick alleine lassen. Sein Zustand ist stabil, sehe ich das richtig?"
Madame Pomfrey nickte leicht. „Ja, etwas Bettruhe, eine ordentliche Mahlzeit und genügend Flüssigkeit, dann sollte Mr. Snape in ein bis zwei Tagen wieder wohlauf sein."
Der Direktor nickte. „Wunderbar. Und Mr. Malfoy?"
Bei der Erwähnung des Namens Malfoy schoss Severus' Blick fragend zwischen der Heilerin und dem Direktor hin und her. „Mr. Malfoy? Lucius?"
Madame Pomfrey schüttelte den Kopf. „Nein, Mr. Snape. Ihr Adoptiv-Vater kam, sobald er von ihrem Zustand erfuhr und hatte selbst einen…Zusammenbruch. Er liegt seit gestern hier auf der Krankenstation."
Panik erschien in den Augen des Slytherin. „Airell? Airell ist hier? Was hat er?" Severus machte Anstalten sich aus dem Bett zu erheben, doch sofort waren Direktor Dumbledore, Madame Pomfrey und Kheelan an seiner Seite.
„Es geht ihm soweit gut, Mr. Snape. Bitte bleiben Sie liegen!", ermahnte ihn die Medihexe und hob beschwichtigend die Arme. „Er liegt direkt neben Ihnen, sehen Sie!"
Sie gaben den Blick auf das Krankenbett zu Severus' Rechten frei, wo Airell Malfoy noch immer ruhig schlief. Severus blickte für einige Sekunden in das entspannte, schlafende Gesicht seines Mentors.
„Er ist meinetwegen gekommen?", flüsterte er und schüttelte leicht den Kopf, als könnte er es selbst nicht glauben.
„Ja, Severus. Er kam sofort, " bestätigte der Direktor und lächelte leicht. Severus nickte. Dann wurde sein Blick hart und er musterte Madame Pomfrey durchdringend. „Er hatte einen Zusammenbruch? Wieso? Was ist geschehen?"
Falls Madame Pomfrey seinen durchdringenden Blick als unangenehm empfand, ließ sie es sich nicht anmerken. Sie lächelte aufmunternd. „Es geht ihm besser, Mr. Snape. Wir wissen nicht genau, was seinen Zusammenbruch verursacht hat, aber wir rechnen in den nächsten Stunden damit, dass er aufwacht."
Severus nickte langsam, bedachte Airell Malfoy noch mit einem letzten Blick und seufzte schließlich.
„Wie lange bin ich hier?", fragte er und fuhr sich mit der rechten Hand durch das schwarze Haar. Es war klar, dass er so schnell wie möglich aus der Krankenstation entlassen werden wollte, aber ohne Airell würde er diese wohl kaum verlassen wollen. Die Beiden schien ein festes Band zu verbinden, wie Kheelan erstaunt, aber auch beruhigt, feststellte. Es war gut, wenn Severus in Airell einen Menschen gefunden hatte, dem er vertraute. Und Airell, so hatte Kheelan in den vergangenen Stunden gelernt, war ein ehrenhafter und ehrlicher Mensch. Wertvolle Eigenschaften.
„Sie sind heute den vierten Tag hier, Mr. Snape", antwortete Direktor Dumbledore und bedachte seinen Schüler mit einem durchdringenden Blick über seine halbmondförmigen Brillengläser hinweg. „Nachdem ich Sie auf der Jungentoilette gefunden habe, sind Sie dort zusammen gebrochen und ich habe Sie auf die Krankenstation gebracht. Ihr Zustand war nicht gut, überhaupt nicht gut. Wir befürchteten schon, wir würden Sie verlieren, als Mr. Daray hier erschien und uns half Sie zurück zu holen."
„Zurück?", fragte der Slytherin und bedachte Kheelan mit einer hochgezogenen Augenbraue. „Zurück von wo?"
Kheelan räusperte sich. „Das wäre vielleicht ein Thema für einen späteren Zeitpunkt. Kommen Sie erst einmal etwas zu Kräften, Mr. Snape. Dann werde ich Ihnen erzählen, was ich weiß. Madame Pomfrey?"
Die Heilerin bedachte Kheelan mit einem fragenden Blick. „Ja?"
„Bitte lassen Sie dem jungen Mr. Snape eine leichte, klare Suppe bringen. Kein Wasser. Am besten einen sehr süßen Saft, Traube vielleicht. Wäre das möglich?"
Madame Pomfrey warf dem Direktor einen fragenden Blick zu, doch dieser nickte nur leicht und hörte Kheelans Anweisungen aufmerksam zu.
„Selbstverständlich, Mr. Daray. Und Sie?"
„Ich werde mit dem Direktor, sofern es in Ordnung ist, in sein Büro gehen und einiges besprechen. Wenn Mr. Snape etwas gegessen und getrunken hat und Sie ihn für körperlich genesen erklären, kann er uns gerne im Büro des Direktors antreffen. Wäre das in Ihrem Sinne, Direktor Dumbledore?"
Kheelan blickte abwechselnd zu Severus, dann zu Madame Pomfrey und schließlich zu Professor Dumbeldore. Dieser nickte. „Natürlich, Mr. Daray. Severus, Madame Pomfrey passt auf dich und Airell auf und sobald du wieder etwas bei Kräften bist sehen wir dich in meinem Büro, in Ordnung?"
Severus nickte und schien noch etwas sagen oder fragen zu wollen, behielt es dann jedoch für sich.
„Natürlich, Herr Direktor. Ich werde dann nachkommen."
Professor Dumbledore nickte kurz, lächelte seinen Schüler leicht an und bedachte dann die geschlossenen Vorhänge und die über ihnen schwebenden Kerzen. „Wir lassen die Krankenstation vorerst abgedunkelt. In Ordnung, Poppy?" Die Heilerin nickte und fragte nichts weiter dazu. Stattdessen ging sie hinüber zu Airell Malfoy und untersuchte diesen kurz mit ihrem Zauberstab.
„Mr. Malfoy geht es gut. Er sollte bald aufwachen."
Severus nickte dankbar und ließ sich dann mit einem leisen Seufzen in die Kissen fallen. Er hatte verstanden, dass er noch nicht aus der Krankenstation entlassen werden würde und ergab sich seinem Schicksal.
Direktor Dumbledore ging hinüber zur Tür und bat Kheelan, ihn zu begleiten.
„Wir sehen uns später, Severus", verabschiedete er sich von seinem Schüler und öffnete die Tür nach draußen. Kheelan verbeugte sich leicht vor der Medihexe und Severus Snape.
„Ich bedanke mich für Ihre Hilfe, Madame Pomfrey. Mr. Snape, wir sehen uns später."
Professor Dumbeldore und Kheelan Daray verließen die Krankenstation und Madame Pomfrey entschuldigte sich für einen kurzen Moment in ihren privaten Bereich, um bei den Hauselfen des Schlosses das Essen für ihren Patienten zu ordern.
Währenddessen betrachtete Severus die schwebenden Kerzen über sich, die ihn an die Große Halle erinnerten und genoss die Stille für diesen kurzen Moment. Wer war dieser Mann, Kheelan Daray? Warum kam er ihm so bekannt vor? Und was war das für ein Gefühl gewesen, welches ihn durchzogen hatte, als sich ihre Blicke das erste Mal trafen? Es war wie ein magischer Blitz gewesen, der durch seinen ganzen Körper gefahren war und jede Faser seines Seins schien ihm zuzurufen, dass er Kheelan vertrauen konnte. Sie kannten einander. Aber woher?
Er hatte Geräusche gehört, Gerüche wahrgenommen. Er hatte Wind im Gesicht gespürt und das Knistern von Feuer gehört. Was hatte es mit diesen Eindrücken auf sich? Und was geschah mit ihm?
