„Kein Feuerwerk im Gemeinschaftsraum!", schreit Vertrauensschülerin Hermine durch den Raum, als ein Erstklässler soeben die bunte Verpackung von Weasleys zauberhaften Zauberscherzen öffnet.
Aus einem verzauberten Radio am Fenster erschallt laute Musik. Der Raum ist so gefüllt wie noch nie – was aber auch an der Größe von Hagrid liegt, der anfänglich Probleme hatte durch das Portrait der fetten Dame zu kommen.
„Schmeckn euch die Felsenkekse?", fragt Hagrid zwei Schüler aus dem zweiten Jahrgang und lacht.
„Selbst gebackn.", sagt Hagrid stolz und leicht beschwipst, da er zu viel Butterbier getrunken hat.
„Das Geheimns ist der Rum!", verratet er ihnen.
Ron hatte viel weniger als Hagrid getrunken, doch verträgt auch sehr viel weniger als der Halbriese. Er tanzt sich durch die Menge zu Hermine, die ihre Grenzen kennt. Ron versucht seinen Krug Butterbier nicht zu verschütten.
„Du hattest genug Ronald.", sagt Hermine erzürnt und nimmt ihm den Krug ab.
Ron lacht. Hermine liebt sein ehrliches Lachen. Sie bemerkt, dass sie den Krug nirgends abstellen konnte und überwindet sich kurzerhand das restliche Butterbier leer zu trinken, bevor Ron es tun kann.
Ron fällt ihr um den Hals. Hermine erschreckt sich und wird rot.
„Ich wollte mich noch bedankn bei dir für das Kompliment vorhin!", lallt Ron ihr leicht ins Ohr.
Ron scheint ihr Kompliment doch noch nicht vergessen zu haben, was Hermine bemerkenswert findet . Sie umklammert Ron zaghaft mit ihrem freien Arm. Sie schließt ihre Augen und ist verzaubert vom Geruch seiner Haare. Hermine öffnet die Augen, schaut Ron ins Gesicht und er tut es ihr gleich, bevor seine Augen zu ihrem Mund wandern.
„Du hast da etwas Butterbier Schaum Hermine", merkt Ron grinsend an.
Hermine ist verlegen und will sich den Schaum von ihrer Oberlippe wischen, doch hält inne, weil sie sich nicht sicher ist, ob Ron sie gerade küssen möchte.
„WILL ER MICH GERADE KÜSSEN?", fragt sich Hermine.
Plötzlich schallt es laut durch den Raum.
„WEITWUUURF!", ruft Seamus Finnigan lautstark, der auf einen Tisch gestiegen ist, um den Ball quer durch den Gemeinschaftsraum werfen zu können.
Ron dreht seinen Kopf und bekommt plump den Quaffle ab. Hermine muss so sehr lachen, dass der Butterbier Schaum sich von ihrer Lippe löst. Im gleichen Moment meldet sich ihre Vernunft.
„SEAMUS!", schreit Hermine vergeblich in die Richtung der Musik. Sie darf als Vertrauensschülerin ihm theoretisch dafür Hauspunkte abziehen, aber das ist unvorteilhaft, wenn man im gleichen Haus ist.
„Expelliarmus!", zaubert Hermine und entwaffnet den Erstklässler, den sie zu vor ermahnt und welcher eben versucht hat, Feuerwerk mit dem Zauberstab zu entzünden. Sein Zauberstab verschwindet irgendwo im Gemeinschaftsraum.
Hermine wirft ihm kurz einen bösen Blick zu und widmet sich anschließend wieder Ron, der sich die Nase reibt.
„Du blutest.", bemerkt Hermine.
„Ja, das macht ni…", antwortet Ron, doch Hermine nimmt ihn an seinem Ärmel und führt Ron hoch in ihren Schlafraum, wo er sich auf ihr Bett setzen soll.
„Seamus sollte sich bei dir entschuldigen!"
„Ach, der hat das doch nicht gewollt.", beschwichtig Ron beschwipst.
„Na und? Damit sollte man aber rechnen Ron."
Hermine nimmt saubere Tücher, setzt sich neben ihn, wischt das Blut aus seinem Gesicht weg und tupft seine Nase. Sie lernt zwar aktuell neben weiteren Zaubersprüchen den Zauber Tergeo, doch möchte sie diesen nicht an ihm testen, bevor sie die Grundlagen beherrscht.
Hermine richtet ihren Zauberstab auf Rons Nase. Er vertraut ihr und bewundert ihre Schönheit. Rons Mund steht leicht offen.
„Episkey!", zaubert Hermine und er kann wieder durch seine Nase atmen.
Ron grinst.
„Dein weißes Oberteil hat etwas abbekommen.", merkt Hermine an.
Sie zieht ihm vorsichtig sein Oberteil aus, wohlwissend, dass sie den Ratzeputz Zauber auch anwenden kann, wenn er es anbehält. Ron scheint dies nicht zu stören, schaut sie an und versucht ihre Mimik zu deuten.
Hermine zaubert mit Leichtigkeit sein Oberteil sauber.
„Tut es sehr weh?", fragt sie ihn und berührt ihn sanft an einem Bluterguss auf seiner linken Seite.
„Nein, es geht. Danke Hermine."
Ron rutscht näher zu ihr.
Hermine und Ron hören, wie sich Schritte nähern und Ron zieht rasch sein Oberteil wieder an. Dabei bemerkt er die Karte des Rumtreibers unter ihrem Buch, doch spricht sie nicht darauf an – und hat es vermutlich bis morgen auch schon wieder vergessen.
Sie sehen für einen kurzen Moment Ginny, wie sie an der Tür vorbeiläuft und in das Schlafgemach für die Fünftklässler geht.
„Lust zu tanzen?", fragt er Hermine selbstbewusst und reicht ihr seine Hand.
„Gerne. Lass uns wieder nach unten gehen. Ich muss sowieso noch mit Seamus reden.", sagt Hermine und lacht.
Sie fragt sich, ob das Butterbier in ihr die plötzliche Lust entfacht hat zu feiern oder ob es einfach an Ron liegt. Sie kommen unten im Gemeinschaftsraum an, in dem gerade rotes Konfetti durch die Luft gewirbelt wird und Fangesänge die Musik vom verzauberten Radio übertönen. Professor Slughorn hat sich mittlerweile der Feier angeschlossen (er verpasst natürlich keine Feier an Hogwarts) und hat sich zu Hagrid gesellt. Er schenkt ihm eine große Menge Rum in seinen Krug ein, welcher von der Zweitklässlerin mit Engorgio aus Dank für die Felsenkekse vergrößert wurde.
„…einfach in meine Haare gflogen der Schnatz!", hört Hermine Hagrid plaudern und lachen.
Ron nimmt sie an der Hand und geht mit ihr in die Menge. Hermine vergisst für die nächsten Minuten all ihre Sorgen und ist glücklich.
„HARRY MEIN GUTER! Da bist du ja endlich.", ruft Ron Harry zu, der ihn am Rand der Menge entdeckt.
Harry und Ginny holen sich Butterbier und gehen zu Hermine und Ron.
„Wo wart ihr beide so lange?", fragt Ron und lacht kurz auf.
Harry und Ginny antworten ungeschickt gleichzeitig.
„Spazieren", antwortet Ginny.
„Bibliothek", sagt Harry.
Hermine weiß es besser und muss ihr Lachen hart unterdrücken.
„Wir waren in der Bibliothek spazieren.", verbessert Harry verlegen die Aussagen und schämt sich sogleich für die dumme Antwort so sehr, dass er sich wünscht Voldemort hätte ihn damals töten können. Harry läuft sofort rot an.
„Wir waren spazieren und dann noch in der Bibliothek.", verbessert Ginny ihn, deren Haare noch immer stark nach dem Schaumbad riechen.
Hermine findet es sehr amüsant und hakt nach.
„Was habt ihr euch in der Bibliothek ausgeliehen?"
„Das Buch ü…", setzt Harry an, doch Ginny stoppt ihn.
„Wir haben uns nur umgeschaut, stimmts Harry?", antwortet Ginny, die nicht genau weiß, ob Hermine Verdacht schöpft, aber sich sicher war, dass ihr Bruder alles glauben würde, was man ihm sagt.
„Ja genau.", stimmt Harry ihr zu.
„HARRY mein Musterschüler! Kommen Sie nur her Mister Potter, nehmen Sie Platz", ruft Slughorn durch den Raum und beendet die peinliche Situation.
Harry nickt Ron und Hermine zu und ergreift die Flucht. Ginny zieht ihre Augenbrauen kurz hoch und schaut unsicher zur Seite.
„Entschuldigt mich für einen Moment.", sagt Hermine und geht den direkten Weg zu Seamus.
Ron und seine Schwester stehen sich gegenüber.
„Hast du ein Brief von Mom oder Fred und George bekommen?", fragt Ginny Ron.
„Nein, leider nicht.", sagt er und vermisst seine Familie.
„Habe im Tagespropheten gehört, dass der Scherzartikelladen echt gut läuft."
„Spinnst du? Du untertreibst vollkommen."
„Weißt du jetzt langsam was du nach Hogwarts machen möchtest?", fragt Ginny Ron.
„Ich weiß nicht mal was ich morgen mache.", gibt Ron beschämt zu.
„Denk' mal ich werde die Chancen ergreifen, die sich mir ergeben.", führt er fort.
Ginny muss innerlich den Kopf schütteln, da sie und Hermine für gewöhnlich viel miteinander sprechen.
„Vielleicht wird' ich ja mal Profi-Torhüter bei den Chudley Cannons!", schwärmt er begeistert.
Ginny rollt ihre Augen und grinst. Als sie sieht, dass Hermine wieder zurückkommt, entschließt sie sich zu Harry zu begeben.
„Ergreife die Chancen, großer Bruder. Viel Erfolg!"
Ginny sieht Harry mit Slughorn und Hagrid anstoßen.
„Auf unseren neusten Sucher HAGRID!", johlt Slughorn laut auf.
Harry verzieht sein Gesicht stark, nachdem er den Rum von Slughorn testet.
„Da is auch schon die beste Jägerin vom Gryffindor Quidditch Team!", posaunt Hagrid als Ginny sich an Harry Arm klammert.
„Sag's dir Horace, die spielt mal bei den ganz Großn mit!",
Ginny fühlt sich geschmeichelt und grinst mit offenem Mund.
„Arrrrhhhh!", erschallt es plötzlich neben Harry laut.
Parvati Patil wollte sich gerade Butterbier nachfüllen, da hat sie sich vor Sir Nicholas erschrocken, welcher aus dem Tisch hervorflog.
„Oh nicht doch meine Werteste. Das war nicht meine Absicht, entschuldigen Sie.", sagt Nicholas besagt.
„Sir Nicholas, schön, dass Sie uns beehren!", ruft Slughorn ihm zu.
„Wie in alten Zeiten Horace, wie in alten Zeiten."
Slughorn redet zur Gruppe.
„Der gute Nick war häufig im Slug-Klub dabei müsst ihr wissen. Seine Geschichten sind einfach zauberhaft!"
„Oh nicht doch Horace, ich fühle mich geschmeichelt. Aber wenn man aus 500 Jahren Geschichte auswählen kann, dann kommen da schon die spannendsten Erzählungen zusammen."
„…und die spannendste Geschichte sitzt gerade unter uns!", führt Sir Nicholas fort und weist auf Harry, was ihm sichtlich unangenehm ist.
Harrys Narbe beginnt zu kribbeln.
„Sir Nicholas, erzählen Sie doch mal eine Geschichte aus der Schulzeit von Professor Dumbledore!", fordert Ginny interessiert und um das Thema von Harry abzulenken.
„Oh, nun Sie müssen wissen, dass jeder die bekannten Geschichten über Dumbledore kennt. Der Barnabus-Finkley-Preis für außergewöhnliche Zauberei, die Ernennung zum Vertrauensschüler im fünften Schuljahr, die…"
„Wie Ron und Hermine!", merkt Ginny an.
„…die Goldmedaille für seinen Beitrag zur internationalen Alchemie-Konferenz in Kairo - aber was viele nicht über Dumbledore wissen ist, dass er in seinem ersten Jahr an Hogwarts große Probleme hatte, da ihm üble Gerüchte nachgesagt wurden."
„Üble Gerüchte?", fragt Harry interessiert und Sir Nicholas schafft es die Aufmerksamkeit von allen zu gewinnen.
„Sie hören richtig, Mister Potter. Der Vater von Dumbledore, Percival Dumbledore, war zur Einschulung von Albus in Askaban inhaftiert."
„Dumbledores Vater war in Askaban?", fragt Hagrid ungläubig.
„Dem ist so Rubeus. Ich erinnere mich nicht mehr so genau daran, aber es war glaube ich so, dass er drei Muggelkinder angegriffen haben soll. Warum er das tat gab er nie zu."
Hagrid macht einen bestürzten Ausdruck.
„Jemand wie Dumbledore entspringt doch nicht von nem Muggelhasser!", sagt Hagrid.
„Jedenfalls, hatte Albus Probleme dabei Freunde in Hogwarts zu finden. Richtige Freunde. Außer mit einem Jungen, den Sie schon kennengelernt haben Mister Potter."
Harry denkt nach, doch kommt nicht drauf.
„Elphias Doge."
Der Name sagt ihm wieder etwas. Elphias war Teil der Leibgarde die Harry zum Hauptquartier gebracht haben letztes Jahr.
„Elphias hatte es nicht weniger schwer an seinem ersten Jahr in Hogwarts. Niemand wagte sich auch nur in die Nähe von ihm!"
„War er gefährlich?", fragt Ginny und konnte sich keinen Reim darauf machen.
„Oh nicht doch meine Teuerste. Elphias litt an den Drachenpocken. Grüne Haut mit Flecken. Grässlich. Dass er sie überlebte, war seinem gesunden und jungen Körper zu verdanken – und der Vorarbeit einer wundervollen Hexe namens Gunhilda von Gorsemoor."
„Die einäugige, bucklige Hexe!", ertönt es unbedacht aus dem Mund der Zweitklässlerin, die der Geschichte lauschte, bevor sie ihren Mund aus Scham mit einer Hand verschlossen hält.
„Unerhört! So buckelig war Gunhilda nicht. Zumindest nicht während ich sie kennengelernt habe… wann war das… 1567?"
„Nun gut. Als sie älter wurde - dann natürlich schon.", berichtigt Sir Nicholas.
„Die Statue von der buckeligen Hexe in Hogwarts ist Gunhilda Gorsemoor? Wieso?", fragt Harry, der den Geheimeingang bei der buckeligen Hexe schon des Öfteren genommen hat, um nach Hogsmeade zu kommen und offensichtlich in Geschichte der Zauberei schlechter aufgepasst hat als die Zweitklässlerin.
„Gunhilda war eine brillante Hexe, Mister Potter. Sie hat eine Methode zur Heilung der Drachenpocken entwickelt. Bei älteren Leuten ist die Krankheit leider dennoch heimtückisch. Ihr Mitschüler… wie heißt er noch gleich? Mal… Malf…"
„Malfoy. Draco Malfoy.", hilft Harry ihm auf die Sprünge.
„Richtig. Draco Malfoys Großvater beispielsweise, Abraxas Malfoy, starb im hohen Alter daran. Albus besitzt aber seit je her diese bemerkenswerte und ungewöhnliche Freundlichkeit und hat sich Zeit für Elphias genommen, was sich sonst keiner getraut hatte."
„Auf Dumbledore!", ruft Hagrid, dessen Mund vor Sprachlosigkeit schon wieder ganz trocken war.
