Hermine steht am Fenster und trinkt ihren Tee. Ihr Unterleib schmerzt, doch ihr kleines Kirschkernkissen hilft ihr den Schmerz zu lindern, während sie die frühen Sonnenstrahlen, die durch den Nebel auf den Ländereien brechen beobachtet. Sie ist Harry gestern nur einmal kurz begegnet, als sie mit Ron in den Gemeinschaftssaal ist, doch seither nicht mehr. Er war den ganzen Morgen nicht aufzufinden und nachmittags ging er mit den anderen Kapitänen das östliche Quidditch Tor reparieren, da tatsächlich ein Blitz einschlug und den höchsten Ring in dutzende Teile zerfetzte. Hermine dreht sich um, stellt ihren Tee ab, wirft zwei Holzstücke auf das Feuer und setzt sich vor die Couch.

Die Temperaturen sind zurzeit morgens recht frisch, doch von den Mittagsstunden bis in den späten Abend hinein ist es sehr angenehm. Plötzlich öffnet sich das Portrait und Hermine dreht ihren Kopf. Zwei Briefe fliegen durch den Eingang – einer fliegt direkt in den Schlafsaal von Harry und der andere bleibt vor Hermine stehen. Der Brief ist versiegelt mit dem Zeichen von Dumbledore. Hermines Herz bleibt kurz stehen, weil sie Schlimmes befürchtet.

„Bitte lass es kein Schulverweis sein." fleht Hermine innerlich und wird blass.

Sie hat Obliviate an Harry ausprobiert, was absolut verboten ist – und eventuell Harry auch an ihr, was Hermine aber noch nicht sicher weiß.

„Das wars." denkt sich Hermine, ihr Mund wird trocken und ihr Unterleib schmerzt mehr als zuvor.

Sie nimmt den Brief entgegen und zittert während sie ihn vorsichtig aufmacht. Hermine beginnt zu lesen.

Guten Morgen Hermine,

bitte informiere deine Mitschüler, dass alle Gryffindors sich in der großen Halle um 12 Uhr für eine wichtige Bekanntgabe versammeln sollen – es herrscht Anwesenheitspflicht.

- Albus Dumbledore

Hermine wirft den Zettel auf den Tisch und lässt sich wieder zurück auf die Couch fallen.

„Falscher Alarm." denkt sich Hermine, während das Pergament sich mit Flüssigkeit aufsaugt und unbemerkt ein weiterer Satz entsteht.

Ps: Ist das etwa Pfefferminz?

Ron kommt die Treppe herunter. Er trägt nur eine blaue Shorts und ein sauberes ärmelloses Oberteil.

„Guten Morgen Hermine." sagt er und winkt ihr mit dem Brief zu.

Sie dreht sich um und macht Ron neben ihr Platz, damit er sich setzen kann.

„Guten Morgen Ron." sagt sie und setzt ein leichtes Lächeln auf.

Ron setzt sich neben sie und bemerkt, dass Hermines Brief im Tee liegt.

„Wie ich sehe, hast du auch den Brief bekommen." sagt er, entfernt das Pergament und überreicht ihr den Tee.

„Danke." sagt Hermine, nimmt den Tee an und legt ihren Kopf auf seine Schulter.

„Hat er dich geweckt?" fragt sie.

„Ja leider." sagt Ron, ist schüchtern doch legt vorsichtig einen Arm um sie.

„Wie hast du geschlafen?"

„Eigentlich ganz okay." sagt Hermine.

„Ich denke mal, dass die Ankündigung etwas mit der großen Bühne zu tun hat. Mein Vater wollte mir gestern tatsächlich nichts verraten."

„Was denkst du wird passieren?" führt er fort.

Hermine zuckt mit den Schultern und schließt ihre Augen. Ron wollte gerade mit einer weiteren Frage ansetzen, doch er lehnt seinen Kopf ebenfalls an sie an und genießt den Moment. Sie nimmt einen Schluck vom Tee, bevor sie ihn wieder auf den Tisch stellt und sich an Ron kuschelt.

„Hast du die neue Ausgabe von Loony Nonby durch?" fragt sie ihn nach einiger Zeit der Stille.

„Zwei Mal schon. Ich glaube ich werde nie zu alt für diesen Comic sein." sagt Ron und lacht.

Hermine grinst.

„Entschuldige mich für einen kurzen Moment bitte." sagt Ron, streichelt ihr über die Schulter und verschwindet im Bad.

Hermine stellt sich ans Fenster und summt eine Melodie, bevor sie leise und zaghaft beginnt ein Lied zu singen. Sie hört das Geräusch von fließendem Wasser aus dem Bad und stellt sich in den Türrahmen.

„Du gehst nicht nochmal schlafen?" fragt Hermine und sieht Ron ohne Shirt, wie er gerade Rasierschaum auf seinen Dreitagebart am Waschbecken aufträgt, um sich frisch zu machen.

„Lohnt sich nicht mehr wirklich. Nach dem Frühstück ist bereits Quidditch Training. Du wirst nie erraten, wer heute beim Training dabei ist!"

Hermine lacht auf, da sich Ron ziemlich schusselig anstellt beim Rasieren.

„Okay wie viele Versuche hab ich?" fragt Hermine, nähert sich ihm dabei und nimmt ihm das Rasiermesser ab.

Ron läuft rot an, doch man sieht es vor Schaum nicht.

„Ähm?! Drei? Weiß nicht." sagt Ron verlegen und fragt sich was sie vor hat.

„Okay na gut." sagt Hermine, stützt sich mit einer Hand an seinem Kinn, um mit der anderen Hand an seiner Wange anzusetzen.

„Kommt Oliver Wood zu Besuch?" fragt sie und rasiert vorsichtig an seiner Wangenkontur entlang.

Ron schaut ihr in die Augen.

„Nein, aber guter Versuch."

„Hmm."

Hermine überlegt, während sie seitlich am Hals entlangfährt und eine Hand auf seiner Schulter ablegt.

„Rolanda Hooch?" sagt Hermine fast schon im Scherz und macht ihren zweiten Versuch.

„Auch nicht. Die ist, wenn überhaupt nur bei den Spielen dabei. Glaub mir, du kommst nie drauf!" sagt Ron und legt eine Haarsträhne von Hermine hinter ihr Ohr.

„Okay. Gib mir ein Hinweis." sagt sie und wischt mit einem Handtuch Haare und Schaum von seiner rechten Gesichtshälfte weg.

„Klein… Noch nie auf einem Besen geflogen…"

Hermine zieht das Rasiermesser zurück und eine Augenbraue hoch.

„Noch nie auf einem Besen geflogen?" fragt sie verwirrt und setzt wieder an.

„Ich lüg dich nicht an." sagt Ron und grinst.

„Solltest du gerade auch lieber nicht tun Ronald." antwortet Hermine frech während sie an seinem Hals die Haare entfernt.

„Ich denke gerade an Flitwick, aber das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Außerdem denke ich, dass er irgendwann in seinem Leben mal auf einem Besen saß."

„Gibst du auf?" fragt Ron.

Hermine denkt nochmal scharf nach, während sie die letzten Haare von Ron abrasiert.

„Dobby?" fragt Hermine und schüttelt dabei den Kopf.

„Nicht schlecht!" gesteht Ron in hoher Stimme.

„Dobby will Besen fliegen?" fragt Hermine und kann es kaum fassen.

„Nein, Dobby ist heute nicht beim Training dabei."

„Wer dann?" sagt Hermine enttäuscht und wischt ihm mit einem Handtuch die andere Hälfte seines Gesichts sauber.

„Winky."

„Nicht wirklich." sagt sie und lacht.

„Ich geh vielleicht mit, um mir das anzuschauen. Ich habe sowieso heute nichts zu tun."

Ron schaut in den Spiegel und ist beeindruckt.

„Nicht schlecht. Danke Hermine!".

„Ich lass mir einfach ein Bart wachsen und dann kannst du dich ja revanchieren." scherzt Hermine, während er sein Shirt anzieht.

„Obwohl… ich hätte da eine andere Idee. Kommst du mit?"

„Wo geht's denn hin?" fragt Ron.

„Zieh dich an, dann zeig ich's dir." sagt sie und lächelt.

Hermine und Ron laufen durch das Schloss. Frühaufsteher aus allen Häusern machen sich auf den Weg zur großen Halle, um zu frühstücken. Sie kommen im Korridor des fünften Stockwerks an einer Doppeltür an.

„Was ist das für ein Raum?" fragt Ron.

Hermine lächelt und macht die Tür auf. Ron blickt in den großen gemütlichen Raum hinein, der durch eine Menge Wandteppiche farbenfroh dekoriert ist. Überall im Raum verteilt befinden sich Instrumente wie Gitarren, Trompeten, Klarinetten, ein Schlagzeug und ein Klavier.

„Oh hier ist also der Musik Klassenraum."

„Der Chor ist die meiste Zeit hier, doch jeder darf hier spielen. Ich ziehe mich hier hin und wieder zurück, um einen freien Kopf zu bekommen." sagt sie.

„Schnapp dir ein Instrument Ron."

„Hermine, ich muss dich warnen. Ich kann nur Trompete spielen und selbst da bin ich mir nicht mehr so sicher."

„Das macht nichts. Spiel einfach vor dich hin und probiere es aus, vertrau mir."

Hermine zieht an einer Schnur an der Wand um Licht in den Raum zu lassen. Die Vorhänge an den kleinen Fenstern an der Decke ziehen sich zurück und Sonnenstrahlen rücken den Klavierflügel ins Rampenlicht. Sie setzt sich auf den Hocker und klappt die Tastenbedeckung hoch. Ron nimmt sich zwei Schlagzeugstöcke und setzt sich zu Hermines Überraschung hinter die Trommeln.

Hermine wärmt ihre Finger auf und beginnt langsam eine Melodie mit der rechten Hand zu spielen und zu wiederholen. Ron tastet sich vorsichtig an die Klänge der Trommeln heran und versucht sich an einem einfachen Rhythmus, der zu Hermines Melodie passt – und findet einen.

Hermine geht über in eine kleine Variation, schaut zu Ron rüber und lächelt. Er nimmt die Schlagzeugstöcke in die Hand und versucht sie gekonnt in den Fingern zu drehen, doch sie fliegen zu Boden.

„Okay von vorne." sagt Hermine und grinst.

Es vergehen fast zehn Minuten. Ron findet Gefallen daran und summt zu Hermines Melodie. Sie fühlt sich durch Rons Summen bestärkt und unterstützt ihre Melodie mit der linken Hand. Er drückt die Hi-Hat im 4⁄4 Takt nach unten und schlägt immer nach zwei Wiederholungen das Becken vorsichtig an, während er sich immer mehr traut und mit dem Bass-, sowie der Snare Drum spielt. Hermine ist beeindruckt, dass Ron nicht aus dem Rhythmus kommt und fängt plötzlich an mit einer hohen Stimme und mit ganzer Stärke den Refrain zu singen.

Ich frage…

Gibst du mir deine Hand und entführst mich in deine Zauberwelt?

Zeigst du mir das Land, die See und die Sterne vom Himmelszelt?

Bist du bereit?

Lass uns gehn zu zweit.

Hermine schaut lächelnd zu Ron rüber und sieht, wie sein Mund breit grinsend offensteht.

„Ich weiß, es könnte noch ein wenig besser…" setzt Hermine an.

„Bist du irre? Du singst verdammt gut!"

Hermine fühlt sich geschmeichelt.

„Willst du etwas Verrücktes sehen?" fragt sie ihn.

„Ich glaube du kannst mich nicht noch mehr überraschen."

„Lass deine Schlagzeugstöcke los." sagt Hermine und zieht die Augenbrauen hoch.

Ron lässt sie los, doch sie haben sich den Rhythmus und die Kombination gemerkt. Sie schweben magisch in der Luft und spielen einfach weiter. Ron fängt an zu lachen. Es erinnert ihn an den Fuchsbau, in dem die Küchengeräte einem helfen oder sogar den Abwasch in der Spüle vornehmen.

„Sie helfen dir besser zu spielen, sobald sie sich auf dich und das Lied eingestimmt haben."

Eine kleine gelb-grüne Meise fliegt an das gekippte Dachfenster und hört interessiert zu. Hermine schließt ihre Augen und beginnt mit der ersten Strophe, in einer tieferen Tonlage.

Sie haben gesagt, vergiss den Jung'n, den einen Jung'n,

und doch sitz ich hier und schreib auf Papier, was ich füüühl.

Sie haben gesagt, du findest einen Andern, du wirst dich wundern,

und doch sitz ich hier und schreib auf Papier, was ich füüühl.

Ron nimmt die Trompete und begleitet sie geschickt, während er albern vor ihr herumtanzt.

Und ich fraage euch kühl – seht ihr denn nicht, wie er so zauberhaft ist?

Oder habt ihr vergessen, ja das würd' ich gern wissen, was waaahre Lieeebe ist?

Doch jetzt sitz ich hier, bin ganz bei dir, sing am Klavier,

Oh, sie werden sich wundern - mit dem einen Jung'n!

Hermine pfeift die Melodie der Strophe unbeschwert über ihre Lippen, sodass sogar die Maise ihren Kopf neigt.

Ich frage…

Gibst du mir deine Hand und entführst mich in deine Zauberwelt?

Zeigst du mir das Land, die See und die Sterne vom Himmelszelt?

Bist du bereit?

Lass uns gehn zu zweit.

Ich sage…

Ich geb' dir meine Hand und entführe dich in meine Zauberwelt.

Ich zeig dir das Land, die See und die Sterne vom Himmelszelt.

Ich bin so weit.

Wird es Wirklichkeit?

Es wird Wirklichkeit.

Hermine lässt die Tasten los, doch sie spielen die Melodie der zweiten Strophe weiter. Sie schaut zu Ron und ist glücklich.