Kapitel 20

herumschnüffeln

Abwertend umgangssprachlich: in fremden Sachen oder an einem bestimmten Ort etwas ausspionieren

Es war früh am Morgen als Draco aufwachte. Im ersten Moment war er irritiert, doch dann wurde ihm bewusst, dass er noch immer im Raum der Wüsche war. Es war Samstag. Neben ihm spürte er einen warmen Körper liegen und sein Arm fühlte sich unangenehm taub an. Er schlug die Augen auf und sah ein Meer aus braunen Locken. Dort in seinen Armen lag Hermione Granger und er fragte sich wie das hatte passieren können. Er hatte nicht mit ihr hier übernachten wollen. Aber er hatte ihr auch nicht von seinem Bruder erzählen wollen. Er hatte so vieles nicht gewollt und es geschah trotzdem. Kontrolle war eine Illusion.

Gestern nachdem sie von ihrer Kindheit erzählt hatte, war er erschrocken gewesen. Er hatte sich nie Gedanken darum gemacht, wie die Kindheit einer Hexe aussah, wenn keiner um sie herum von Magie wusste. Aber wenn er ehrlich war, war er zutiefst entsetzt gewesen. Er konnte sich nicht vorstellen wie es war, nicht zu wissen, wo sein Platz im Leben war. Ihm war immer klar gewesen was er zu tun hatte. Auch jetzt. Er wollte Dumbledore nicht töten. Aber er musste es tun. Damit er und seine Familie am Leben blieben. Trotzdem, er wollte sie nichtmehr hassen. Das letzte Jahr hatte viel dazu beigetragen, dass er seine Prioritäten überdacht hatte.

Plötzlich war er froh gewesen, dass seine Mutter seinen Bruder in Sicherheit gebracht hatte. Was wäre wohl mit ihm passiert, als Squib auf dem Manor, wo der Dunkle Lord residierte. Wahrscheinlich hätte Bellatrix ihn ermordet. Wahrscheinlich würden sie ihn jagen, wenn jemand wüsste das er noch lebte. Er hätte es ihr nicht sagen sollen. Aber er glaubte nicht, dass sie es gegen ihn benutzen würde. Er hatte in letzter Zeit oft an seinen Bruder gedacht, was er wohl an seiner statt machen würde. Sie hatte ihm eines ihrer Geheimnisse anvertraut. Eines, dass ihr weh tat und irgendwie hatte er auch eines mit ihr teilen wollen. Ein schmerzhaftes Geheimnis. Es fühlte sich realer an, wenn jemand wusste das er existierte. Dann war er mehr als nur ein Gedanke in seinem Kopf.

Draco wandte sich dem schlafenden Mädchen neben sich zu. Sie sah so sanft aus, wenn sie schlief. Sie hatten sich gestern Abend lange geküsst und waren dann irgendwann eingeschlafen. Es war nichts, was er so jemals vorher getan hatte. Aber sie zu küssen, fühlte sich gut an. Er fühlte sich geborgen, wenn sie bei ihm war. Sie wusste, dass er ein Todesser war und nur Merlin allein wusste, warum sie trotzdem mit ihm im Bett lag. Wie sie trotzdem neben ihm schlafen konnte. Es war reiner Wahnsinn. Er könnte sie einfach hier und jetzt ausliefern. Nichts könnte ihn aufhalten und doch wusste er, dass er es nicht tun würde. Vielleicht wusste sie das auch. Vielleicht hatte sie ihn besser durchschaut als er dachte. Ihm gefiel der Gedanke.

Als Hermione aufwachte war Draco schon wach und beobachtete sie aus unergründlichen Augen. Es war ungewohnt nicht allein in ihrem Bett aufzuwachen. Am liebsten hätte sie sich einfach wieder an ihn gekuschelte. Hätte noch einen Moment das Gefühl genossen, dass seine Anwesenheit ihr gab. Sie war sich nicht sicher, was es genau war. Aber sie fühlte sich seit gestern irgendwie wohl bei ihm. Er hatte sie getröstet. Er hatte sich nicht entschuldigt für das, was er gesagt hatte. Er hatte sich noch nie für irgendetwas entschuldigt. Aber irgendwie war ihr klar, dass es ihm leid tat. Ein bisschen ärgerte sie sich über sich selbst. Sie hatte nicht so die Fassung verlieren wollen. Aber irgendwas an ihm brachte sie dazu einfach alles an sich zu entblößen. So als wolle sie das er über sie urteile. Sie verdammte.

Sie dachte einen Moment darüber nach und der Gedanke war gar nicht so abwegig. Früher war das nicht so gewesen, da hatte sie gedacht, endlich ihren Platz in der Welt gefunden zu haben. Damals als sie endlich erfahren hatte, dass sie eine Hexe war, sah es einen Moment so aus, als hätten sich alle Probleme in Wohlgefallen aufgelöst. Aber jetzt wurden all ihre Gewissheiten mit Füßen getreten. Vielleicht hatte sie sich irgendwie beweisen wollen das sie doch kaputt war. Das sie krank und nicht normal war. Irgendwo ganz tief in ihr drinnen würde sie das wahrscheinlich immer fühlen.

Er hatte dieses Gefühl in ihr befriedigt dieses Gefühl abnormal zu sein. Jedes einzelne Mal wenn er sie Schlammblut nannte und hatte es gleichzeitig auch akzeptiert und verteidigt. Draco hatte sie verteidigt, dass sie das Recht hatte abnormal zu sein, an jenem Abend, nachdem sie das Wahrheitselixier getrunken hatten. Und jetzt wieder. Sie hatte ihm zugestimmt. Hatte ihm gesagt, dass er Recht hatte, dass sie nicht hierher gehörte und er hatte ihr widersprochen. Hatte sie verteidigt gegen die Stimmen in ihrem inneren. Sie hatte nichts davon erwartet. Nichts davon passte zu ihm. Er hatte sie fünf Jahre lang schikaniert und gedemütigt und sie hatte es wortlos ertragen. Hatte darübergestanden und plötzlich offenbarte er ihr das das alles nichts mehr als leere Worthülsen gewesen waren. Unwichtig im Angesicht der Wahrheit. Nicht mehr als die verletzten Worte eines kleinen Jungen der die Welt ungerecht fand. Er hatte diese Ungerechtigkeit an ihr ausgelassen. Das war nicht sehr nett. Es war absolut falsch, aber irgendwie würde sie Schlammblut nichtmehr als Beleidigung aus einem Mund sehen können. Nicht nach gestern. Nachdem er ihr gesagt hatte, dass sie als muggelstämmiges Mädchen mehr in diese Welt gehörte als sein reinblütiger Bruder. Es war ein Gedanke, der sich wahnsinnig schmerzhaft und gut anfühlte.

Hermione setzte sich auf und spürte seinen Blick auf ihr. Mit einem seufzen Schwang sie die Beine aus dem warmen Bett und sackte im nächsten Moment fluchend auf dem Boden zusammen. Ihr ganzer Unterkörper tat weh und sie konnte sich kaum auf den Beinen halten.

„Alles okay?", fragte Draco besorgt und half ihr auf. Sie setzte sich aufs Bett.

„Ja, alles okay. Ich habe mich nur erschreckt. Ich hatte nicht mit dem Schmerz gerechnet."

Draco musterte sie einen Moment dann grinste er böse.

„Du hast mich darum gebeten, du erinnerst dich? Bitte hast du gefleht", sagte er und Hermione konnte nicht verhindern, dass sie etwas errötete vor Scham. Ihm schien das kein bisschen peinlich zu sein. Der hatte echt Nerven.

„Ja, ich erinnere mich sehr genau", sagte Hermione spitz und stand auf. Sie biss die Zähne zusammen und jetzt, nachdem sie sich auf das schmerzhafte Ziehen eingestellt hatte, war es auch garnichtmehr so schlimm. Wahrscheinlich war es nichts Schlimmes. Einfach nur zu starke Penetration durch zu harten Sex und dadurch innere Hämatome.

„Ich denke für diesen Zyklus gibt es keinen Sex mehr", sagte sie und ging Richtung Dusche. Sie drehte die Dusche auf und warmes Wasser prasselte auf ihren geschundenen Körper. Ihr viel ein Bluterguss an ihrem rechten Handgelenk auf. Dort hatte Draco sie gestern gepackt und sie hatte sich gegen ihn gewehrt. Sie hatte nicht gedacht, dass es so fest war. Sein Handabdruck war ziemlich gut zu sehen. Einen Moment betrachtete sie ihn und ein kleiner erregender Schauer lief ihr über den Rücken. Der Gedanke, dass sie ihm irgendwie ausgeliefert gewesen war sollte ihr nicht gefallen. Das war nicht gut.

Letztendlich konnte sie ihm nicht vertrauen und es war ein wahnsinnig gefährliches Spiel, dass sie hier trieb. Im Zweifelsfall konnte sie nichts gegen ihn ausrichten, nie. Nur mit ihrem Zauberstab konnte sie sich verteidigen und der lag meistens nicht in Griffreichweite. Sie atmete einmal tief durch. Ihre einzige Verteidigung gegen ihn war die Zeitschleife. Sie hatte alle ihre Erinnerungen die Wichtig waren aus ihrem Kopf gezogen und nichts, was er ihr antun konnte würde die Zeitschleife überdauern. Es war ihr einziger Schutz.

Trotzdem war sie hier. Trotzdem ging sie das Risiko ein. Es war reiner Wahnsinn, aber sie konnte dem nicht widerstehen. Hermione spürte, wie Draco neben ihr unter den Wasserstrahl trat und sah ihn an, seine Schultern, seine Arme, seine Brust, seine Größe. Seine Präsenz war nicht zu ignorieren. Er trat nah an sie heran und sah auf sie runter. Er lächelte nicht. Sein Gesicht war kalt. Keine Gefühlsregung war zu erkennen. Sie konnte nichts von dem leugnen, was seine Gegenwart in ihr auslöste. Seine Anwesenheit kroch bis unter ihre Haut. Weckte das Bedürfnis ihn anzufassen.

Ohne wirklich darüber nachzudenken, ließ sie ihre Finger sanft über sein Schlüsselbein streichen, bevor sie den Arm um ihn schlag und ihre Lippen auf seine drückte. Sofort waren da seine Arme, die sie an ihn zogen. Es war, als würden sie dort weitermachen, wo sie gestern aufgehört hatten.

Hermione löste den Kuss und lehnte ihren Kopf an seine Brust. Was tat sie hier. Das war verrückt.

„Wenn du so weitermachst, kann ich dir nicht versprechen, dich heute nicht nochmal zu haben", sagte Draco und klang ziemlich belustigt. Sie spürte, wie sein Glied langsam dicker wurde und trat einen Schritt von ihm zurück.

„Du und dein unersättlicher Sexualtrieb", warf sie ihm vor. „Aber mir tut tatsächlich alles weh. Du hast es übertrieben."

Draco zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Es wird dich nicht umbringen oder willst du plötzlich nurnoch sanften Sex?"

Hermione verzog missbilligend die Lippen. Sie mochte den Sex so wie er war und dazu gehörte leider auch, dass Draco nicht wirklich sanft war. Meistens zumindest.

Draco musterte sie mit hochgezogener Augenbraue und irgendwie wurde sie nervös unter diesem Blick. Verlegen wandte sie sich der Duschbrause zu.

„Du musst nicht sanft sein", sagte sie und war froh, dass sie ihn dabei nicht ansehen musste. Es war einfacher es zuzugeben, wenn sie unter hemmungssenkenden Drogen stand.

Draco schnaubte nur belustigt. Er duschte sich fertig ab und verschwand, um sich anzuziehen. Auch Hermione wusch sich ab. Sie klebte überall von der letzten Nacht. Sie kam gerade aus der Dusche als Draco mit den Worten er würde zum Mittagessen gehen verschwand.

Erschrocken sah sie auf die Uhr. Es war tatsächlich schon fast Zeit fürs Mittagessen. Verdammt sie hatte mit Snape ausgemacht heute vormittag Okklumentik zu lernen.

Schnell zog sie sich an und hastete in den dritten Stock zu seinem Büro.

„Entschuldigen sie, Sir. Es ist etwas dazwischen gekommen", sagte sie und er begrüßte sie grimmig.

„Ich sollte ihnen dafür Nachsitzen geben. Aber das scheint in ihrem Fall zwecklos zu sein", kommentierte er ihre Verspätung mit einem herablassenden Blick.

„Es wird nicht wieder vorkommen", versprach sie und er verzog keine Miene.

„Dann machen wir weiter, wo wir gestern aufgehört haben. Ziehen sie ihren Zauberstab Miss Granger."

Hermione nickte entschlossen und zog ihren Zauberstab. Sein Blick blieb an ihrem Handgelenk haften und sie versuchte den Ärmel darüber zu ziehen, doch sie war sich sicher, dass er es gesehen hatte. Sie hätte das heilen sollen. Leider war sie so erschrocken gewesen über die Uhrzeit, dass sie es schlicht vergessen hatte.

„Was haben sie mit ihrem Handgelenk gemacht", fragte Snape und musterte sie eindringlich.

„Nichts, Sir. Ich habe es mir nur unglücklich angeschlagen gestern Abend."

Er hob die Augenbrauen und musterte sie aus kalten Augen. Einen Moment war Hermione an Draco erinnert. Er sah sie manchmal genauso an. Genauso kalt und distanziert.

„Sie glauben also, dass ich einen Handbadruck nicht erkennen kann?", fragte er herablassend und bevor sie reagieren konnte sagte er:

„Legilimens."

Hermione spürte, wie er in ihren Geist eindrang und zielsicher nach gestern Abend suchte. Panisch versuchte sie die Erinnerungen zu unterdrücken. Aber sie war zu unkoordiniert. Er brauchte nicht lange, um zu finden, was er suchte und plötzlich waren da sie und Malfoy. Wie sich küssten wie sie sich zärtlich liebten. Wie sie sich stritten. Wie sie ihn beleidigte und klar wurde das dies nicht das erste Mal gewesen war und es sonst anders war. Dann stand sie verletzt auf uns er zwang sie zu bleiben. Sie musste sich konzentrieren. Sie musste… Hermione versuchte die Kontrolle über sich zurückzuerhalten. Snape durfte nicht sehen was danach geschehen war. Es war etwas zwischen ihr und Draco. Es ging niemanden etwas an. Nur er durfte das wissen. Nur Draco durfte das sehen. Denn er verurteile sie nicht dafür.

Sie sah sich selbst in Dracos Armen weinen und plötzlich tauchte Snapes Gesicht wieder vor ihr auf. Sie konzentrierte sich und er wurde klarer und ihr weinendes Selbst wurde blasser. Plötzlich lies der Druck nach. Snape hatte aufgehört sie mit Legilimentik anzugreifen. Er sah sie an und sie konnte deutlich seine Überraschung erkennen. Es waren selten Gefühle bei ihm zu erkennen, aber jetzt war er eindeutig überrascht.

„Das war nicht sehr angebracht, Professor Snape", sagte sie bissig und starrte ihn wütend an. Er hatte kein Recht gezielt nach Erinnerungen zu suchen.

Er musterte sie und sie sah, wie sich seine Miene wieder verschloss.

„Sie überraschen mich, Miss Granger. Sie haben mir doch selbst erklärt, wie wichtig es ist, dass sie Okklumentik lernen, damit sie vor Mr Malfoy sicher sind", sagte er jovial.

„Ich habe alle wichtigen Erinnerungen weggesperrt und was ich sonst tue, geht sie nichts an. Nichts von dem, was wir tun", sagte sie und versuchte Fassung zu bewahren.

Snape musterte sie von oben bis unten.

„Unterschätzen sie ihn nicht, Miss Granger. Im Gegensatz zu ihnen ist er ein begnadeter Okklumens. Bellatrix Lestrange hat es ihm in nur ein paar Wochen gelehrt und er hat sich als außerordentlich begabt erwiesen. Er ist geradezu brillant in Okklumentik sowie Legilimentik. Ich kenne ihn gut und es wundert mich nicht. Er ist ausgezeichnet darin seine Gefühle zu verbergen, einen Teil seiner Persönlichkeit zu verleugnen und andere Menschen zu analysieren und zu manipulieren. Das sollte ihnen zu denken geben. Lassen sie sich nicht leichtfertig auf ihn ein."

Hermione hielt Snapes unnachgiebigem Blick stand.

„Danke für die Warnung, Sir. Aber wir führen keine Liebesbeziehung, wenn sie das aus dieser Nacht herausinterpretieren wollen. Nichts läge dem ferner", sagte sie und es war die Wahrheit. Nichts von dem, was sie taten, hatte mit Liebe zu tun.

Snape zog eine Augenbraue nach oben.

„Was für eine Beziehung führen sie dann mit Mr Malfoy, Miss Granger?", wollte er wissen.

„Sir, auch wenn sie alles, was ich ihnen heute erzähle, morgen wieder vergessen haben. Es geht sie schlicht und ergreifend nichts an. Woher kommt ihr Interesse an unserem Liebesleben. Ich hätte sie nicht als jemanden eingeschätzt, der in den Angelegenheiten seiner Schüler schnüffelt."

Einen Moment sahen sie sich an, dann kräuselte sich Snapes Mund zu einem abwertenden Lächeln.

„Fünfzig Punkte von Gryffindor für ihr unzüchtiges Verhalten hier in Hogwarts, Miss Granger. Unser Unterricht ist für heute beendet. Leider steht es nicht in meiner Macht ihn dauerhaft zu beenden. Jetzt verschwinden sie."

Wütend verließ Hermione das Büro. Sie hatte kein Interesse sich mit Snape zu streiten. Es brachte nichts. Im nächsten Zyklus konnte sie mit ihrem Unterricht fortfahren als wäre nie etwas gewesen. Trotzdem. Irgendwas an Snapes verhalten war komisch gewesen. Warum war er so erstaunt, fast schon schockiert gewesen, als er von ihrem Verhältnis erfahren hatte.

Vielleicht sollte sie Versuchen ihn etwas auszuhorchen. Er musste wissen, was Malfoys Aufgabe war. Harry hatte sie belauscht und Snape hatte einen unbrechbaren Schwur geleistet Draco zu beschützen. Sie musste vorsichtig sein, was ihn betraf. Aber sie brauchte ihn, um Okklumentik zu lernen.

Nachdenklich ging Hermione in die Bibliothek. Wahrscheinlich war das keine so schlechte Idee.

Draco war gerade auf dem Weg zum Abendessen als Snape ihn abpasste. Er hatte es Anfang des Jahres mehrmals versucht. Hatte versucht herauszufinden, was er tun wollte, aber eigentlich hatte Draco erwartet, dass er mittlerweile aufgegeben hatte. Snape hatte ihn in dieser Zeitschleife noch nie abgepasst. Bis jetzt war es immer Draco gewesen, der das Gespräch gesucht hatte.

Ziemlich brüsk bugsierte er Draco ins Lehrerzimmer, in dem heute, am Samstag, niemand war.

„Was läuft zwischen dir und Hermione Granger?", verlange er mit düsterer Mine zu wissen und Draco war tatsächlich perplex. Wie hatte Snape das herausgefunden.

„Wie kommst du darauf?", fragte er überrumpelt.

„Ich hatte heute einen kleinen Zusammenstoß mit Miss Granger. Sie hat einen ziemlich großen hässlichen Abdruck am Handgelenk, wo du sie gepackt hast."

Draco zog eine Augenbraue nach oben. Von einem blauen Fleck konnte er niemals darauf schließen, dass er es gewesen war und Hermione hätte ihm sicher nicht davon erzählt.

„Wie hast du es herausgefunden?", fragte er lauernd und musterte Snape eindringlich.

„Das tut nichts zur Sache", sagte Snape abweisend. „Wichtig ist nur, dass ich es weiß, Draco."

„Oh, ich glaube es tut viel zur Sache, dass du es herausgefunden hast. Was hast du mit Hermione zu schaffen?", fragte er.

„Hermione?", fragte Snape und Draco hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Wie konnte er nur so unvorsichtig sein. Die Zeitschleife ließ ihn eindeutig leichtsinnig werden.

„Es ist nichts. Vergiss es einfach. Es geht dich nichts an", sagte er abweisend. Er wollte sich keine Standpauke von seinem Patenonkel anhören, weil er etwas mit einem Schlammblut hatte.

„Liebst du sie?", wollte Snape wissen.

„Es ist nichts dergleichen", wiegelte Draco mürrisch ab.

Doch Snape ließ nicht locker. Er packte Draco schmerzhaft am Arm und zwang ihn, ihn anzusehen.

„Liebst du sie, Draco?", wollte er eindringlich wissen und da war etwas in Snapes Gesicht, dass er noch nie gesehen hatte. Irgendwelche Gefühle, die er nicht interpretieren konnte. Wenn er es nicht besser gewusst hätte, hätte er gesagt, es war fast etwas wie Schmerz.

„Was wenn ich es tun würde", fauchte er und riss sich los. Die ganze Situation war seltsam. Snape verhielt sich seltsam.

„Dann pass auf sie auf, Draco", riet Snape eindringlich und Draco wusste einen Moment nicht, was er sagen sollte.

„Das Mädchen ist in Gefahr. Durch Potter durch den Krieg durch alles. Wenn du sie liebst, dann pass auf, dass ihr nichts geschieht und vergiss deinen Stolz, sonst ist sie weg, bevor du es dich versiehst."

Draco hatte alles erwartet, aber nicht das. Er hatte Drohungen erwartet, dass er ihm verraten sollte was er gegen Dumbledore plante. Er hatte Vorwürfe erwartet sich mit einem Schlammblut abzugeben, aber er hatte nicht erwartet, dass er ihm Ratschläge geben würde. Draco sah Snape an und hatte irgendwie das subtile Gefühl, dass dort mehr dahinter steckte. Aber was hatte er zu verlieren? Snape würde sich in ein paar Stunden an nichts mehr erinnern.

Er lehnte sich mit verschränkten Armen gegen den Tisch des Lehrerzimmers und atmete tief ein. Es fühlte sich falsch an so viel von sich zu offenbaren.

„Ich bin ein Todesser. Es ist nicht so, dass irgendwas zwischen uns jemals eine Chance haben könnte. Ich kann sie jetzt haben. Aber es ist nur ein kurzer Traum und wenn uns die Realität wieder einholt, dann wird alles zu Asche verbrannt werden. Besser sich erst gar nicht darauf einzulassen. Es ist nur ein Spiel und es ist besser für uns beide, wenn es nur ein Spiel bleibt."

Draco war selbst überrascht, wie bitter seine Stimme klang. Er mochte sie. Sie war stark, stur eigensinnig und einzigartig. Sie war schon immer etwas Besonderes gewesen. Aber jetzt in dieser Zeitschleife hatte er erst begriffen, wie besonders sie war… Ihre Sanftheit ihre Verletzlichkeit... Er war dabei die Kontrolle zu verlieren wurde ihm bewusst.

„Verbiete dir nicht glücklich zu sein Draco. Sie ist jetzt bei dir. Wenn du sie behalten willst, wirst du um sie kämpfen müssen, ich kann dir nicht sagen, wie schwer es wird. Aber ich kann dir helfen, wenn du es zulässt."

Draco fragte sich einen Moment, ob er diesen Mann kannte. Snape wirkte so anders, als er ihn jemals gesehen hatte. Er wirkte so emotional. So zerrissen. So als würde der Gedanke er und Hermione würden sich lieben etwas mit ihm zu tun haben.

„Ich glaube nicht, dass es unter deinen Schwur fällt mich mit einem Schlammblut zu verkuppeln", schnappte Draco und über Snapes Mine zuckte Ärger.

„Das hat nichts mit dem Schwur zu tun. Ich wollte dir nur einen Rat geben. Aber du hast dich schon immer schwer damit getan über deinen verfluchten Stolz zu springen", fuhr Snape ihn an.

„Gut, wenn du meinst. Was ist dein Rat, Patenonkel?", fragte er bissig und warf abwehrend die Hände in die Luft. Es geschah selten, dass er Snape tatsächlich als seinen Patenonkel bezeichnete. Aber gerade war er nichts anderes.

„Liefere sie nicht dem Dunklen Lord aus."

„Als hätte ich das vor", wiegelte Draco ab. „Es war nur eine leere Drohung, damit sie sich aus meinen Angelegenheiten heraushält."

„Sie glaubt es und es macht ihr Angst. Sie hat mich gebeten sie in Okklumentik zu unterrichten.

Jetzt endlich verstand Draco wie es zu dieser Konversation kam. Snape musste etwas in Hermiones Erinnerungen gesehen haben. Es machte Sinn. Kluges kleines Schlammblut. Sie wehrte sich. Sie gab niemals auf. Er mochte das an ihr.

„Wie schlägt sie sich?", wollte Draco wissen.

„Sie hat nicht dein Talent. Aber sie wird es meistern", sagte Snape und Draco nickte. Das war gut.

„Ich werde bald fertig sein, mit dem, was ich zu tun habe. Wenn sie Okklumentik lernt, habe ich so lange meine Ruhe und danach wird es keine Rolle mehr spielen. Sie war schon immer ein ziemlich cleveres kleines Schlammblut."

„Du solltest sie nicht Schlammblut nennen", sagte Snape ärgerlich und verschränkte die Arme vor der Brust.

Draco zuckte mit den Schultern und musste ironisch Grinsen.

„Sie hat gesagt, dass sie es aus meinem Mund wahrscheinlich nie wieder als Schimpfwort sehen kann", sagte er belustigt. Snape zog überrascht eine Augenbraue nach oben, dann schnaubte auch er belustigt.

„Das war ein Scherz", stellte er trocken fest und Draco verneinte.

„Nein, das waren tatsächlich ihre Worte. Du wärst überrascht. Sie ist außergewöhnlich." Draco hielt einen Moment inne und erinnerte sich an den Moment. Ihr Lächeln war wunderschön gewesen.

„Manche Dinge sind es wert, um sie zu kämpfen", sagte Snape auf einmal und Draco spürte das er ihm eine Hand auf die Schulter legte. „Lass es nur keinen Wissen, sonst bringst du sie in Gefahr."

Draco sah in Snapes Gesicht und einen Moment war er versucht zu fragen, wer sie gewesen war. Die Frau um die Snape nicht gekämpft hatte. Aber irgendwas hielt ihn davon ab.

„Danke", sagte er nur und wusste gar nicht wofür er sich bedanke. Doch, vielleicht wusste er es. Er bedanke sich, dass Snape ihn nicht dafür verachtete, dass er etwas von ihr wollte. Das er ihm sagte das es okay war, dass er sie mochte. Dass er das durfte.

Draco verscheuchte den Gedanken schnell wieder. Er war weit davon entfernt sich einzugestehen, dass er etwas für sie empfand. Sie hatten Sex, das war alles. Sie teilten ein paar verdorbene Fantasien und gaben sich dem hin. Das war alles.

Mit dem Gedanken verabschiedete er sich von Snape und ging zum Abendessen.