Kapitel 34

anders

auf andere, abweichende Art und Weise, abweichend, verschieden

Noch immer mit Tränen in den Augen vor Lachen, aber jetzt wenigstens wieder komplett bekleidet, wandte sich Hermione an Ginny und Luna. Sie würde jetzt gerne etwas Logisches und Erklärendes sagen, aber es gab einfach nichts, was logisch erklärte warum Draco Malfoy sie mitten in der Bibliothek zum Orgasmus leckte.

„Ich kann es absolut nicht erklären", gab Hermione zu und sah ihre Freundinnen verlegen an.

„Du könntest ihnen sagen, dass du mich darum gebeten hast, dich zu lecken, weil du darauf stehst unanständige Dinge in der Bibliothek zu machen", schlug Draco süffisant grinsend vor und zog sie an sich, sodass sie mit dem Rücken an seiner Brust stand. Er hielt sie fest, als hätte er Sorge sie könnte flüchten. Ginnys blick huschte von Hermione zu Draco und sie öffnete den Mund, als würde sie etwas sagen wollen, doch dann schloss sie ihn wieder. Sie schien vollkommen von der Situation überfordert.

Hermione schluckte und wurde noch verlegener. Ihr Gesicht brannte und sie war sich sicher, dass sie ganz rot geworden war. Draco war ein absolutes, überhebliches Arschloch. Einmal in ihrem Leben wünschte sie sich, er würde vor Scham im Boden versinken, so wie sie es dauernd tat.

„Ich finde es gut", sagte Luna plötzlich und legte den Kopf leicht schief, als sie sie musterte. „Ich denke, du kannst ihm sicher helfen seine Vorurteile zu überwinden."

Draco schnaubte verächtlich und auch Hermione war einen Moment verblüfft.

„Komm jetzt, Ginny. Wir sollten die beiden allein lassen. Wir stören sicher gerade", fuhr Luna fort und Ginny sah sie einen Moment noch ziemlich perplex an, dann nickte sie.

„Ich will nachher alles wissen!", sagte Ginny schließlich drohend an Hermione gewandt, bevor sie Luna aus der Bibliothek folgte.

Die Stille, die sich über sie senkte war einigermaßen bedrückend und Hermione beschloss, dass Thema zu wechseln, bevor Draco zu viel darüber nachdenken konnte was Luna gesagt hatte. Manchmal sagte Luna einfach viel zu direkt, was sie dachte.

„Jetzt sollten wir uns endlich mit den Büchern beschäftigen. Dafür sind wir schließlich hier", beschloss Hermione und setzte sich wieder. Draco ließ sich ihr gegenüber auf seinen Stuhl fallen. Er schien auch nicht erpicht das Thema weiter zu verfolgen.

„Ich habe schonmal eine Vorauswahl an Büchern getroffen. Ich denke irgendwo werden wir fündig", sagte Hermione und nahm sich ein besonders dickes in Fell gebundenes Buch.

„Der Zauber soll enthüllen, wie der Zauber wirkt. Ich denke, dass wäre am sinnvollsten", sagte Draco und Hermione nickte zustimmend. Zusammen blätterten sie durch die Bücher und immer wenn einer etwas entdeckte sprachen sie kurz miteinander. Sie testen noch ein paar Zauber an dem Dunklen Mal aus, doch es widerstand jeglichen Bemühungen. Es wurde langsam spät und irgendwann bemerkte Hermione, dass Draco nichtmehr in dem Buch las, dass gerade vor ihm lag, sondern aus dem Fenster sah.

„Bist du fertig?", wollte sie wissen.

„Nein, aber ich habe schon länger über etwas nachgedacht. Es ist nur eine Theorie, aber könnte es sich viel weniger um einen Zauber als um ein Ritual handeln. Bestehend aus einem Zauber und einem Zaubertrank? Das könnte auch erklären, warum all diese Zauber nichts bringen. Zauber enthüllen Zauber. Aber ein magisches Ritual zu enthüllen ist weitaus komplexer. Zaubertränke sind weitaus komplexer", sagte Draco und blickte vom Fenster zu Hermione zurück. Sein Gesicht wirkte nachdenklich und sie sah eine feine steile Falte zwischen seinen Augenbrauen nach oben gehen. Einen Moment widerstand sie dem Drang sie zu glätten und dachte stattdessen über Draco Worte nach.

„Du hast nichts von einem Zaubertrank erzählt, als du beschrieben hast, wie du es erhalten hast."

„Der Dolch", sagte Draco, als wäre es offensichtlich. Hermione runzelte die Stirn. „Er ist aus Koboldsilber. Koboldsilber nimmt die Eigenschaften von etwas an was ihn stärkt. Wurde der Dolch also mit einem Zaubertrank getränkt, wären, als mir der Arm damit aufgeschnitten wurde, geringe Mengen des Zaubertrankes in meine Blutbahn gelangt. Es ist natürlich nur eine Theorie", fügte Draco hinzu, aber Hermione war einen Moment verblüfft.

Es war mehr als nur eine waghalsige Theorie. Wenn der Dolch wirklich aus Koboldsilber gefertigt gewesen war und sie traute Draco zu das zu wissen, dann war das ein verdammt brillanter Gedanke. Nun, Draco Malfoy war sicher nicht dumm. Er war immer einer der besten in ihrem Jahrgang. In Zaubertränke hatte er sogar den besten ZAG des Jahrgangs. Sie hatte extra geschaut, wie die Punkteverteilung der ZAGs gewesen war. Und Malfoy hatte sie in Zaubertränke geschlagen. Damals hatte es sie geärgert. Sie vergas manchmal einfach, dass er ziemlich intelligent war. Es war nie etwas gewesen, was sie mit ihm in Verbindung gebracht hätte. Draco Malfoy definierte sich nicht darüber intelligent zu sein. Er war es einfach.

„Klingt ziemlich einleuchtend. Warum haben wir da früher nicht dran gedacht", stimmte sie zu und biss sich nachdenklich auf die Lippe. Angestrengt grübelte sie, was es für sie zu bedeuten hatte.

Sie war hübsch, wenn sie nachdachte und einen Moment fragte Draco sich, ob ihre Lippen nur deshalb so rot waren, weil sie dauernd auf ihnen herum biss. Wenn sie verlegen war, wenn sie nachdachte, wenn sie versuchte keine Geräusche zu machen, während er sie leckte. Draco musste bei dem Gedanken in sich hineingrinsen.

„Mir kam der Gedanke auch eben erst. Ich habe ehrlich gesagt nie so viel über das Dunkle Mal nachgedacht. Alle haben immer behauptet es sei unmöglich zu entfernen", erklärte er ihr, ohne den Gedanken an Hermiones herrliche feuchte Vagina ganz verdrängen zu können.

„Es gibt kein unmöglich", belehrte ihn Hermione. „Wir sind Hexe und Zauberer. Für uns gibt es sowas nicht."

„Es gibt Gamps Gesetz der elementaren Transfiguration. Also gibt es durchaus sowas wie unmöglich."

Hermione verdrehte die Augen. „Besserwisserei ist grauenvoll", tadelte sie ihn und Draco konnte nicht umhin sie spöttisch anzugrinsen. Auch Hermione musste grinsen und verdrehte die Augen.
„Okay, du hast recht. Es gibt ein paar unmögliche Dinge in der Magie. Aber so schnell würde ich nicht aufgeben."

„Lass uns die Nacht drüber schlafen. Vielleicht rede ich morgen mit Snape. Vielleicht hat er etwas herausgefunden. Sagen wir morgen in der Bibliothek gegen zehn?", wollte Draco wissen.

„Können wir machen. Du wirst Snape morgen in seinem Büro finden. Harry hat Samstags immer Nachsitzen."

„Stimmt, da war was", sagte Draco ziemlich selbstzufrieden. Ihm gefiel der Gedanke, dass Potter wegen ihm Nachsitzen hatte. Jeden Samstag bis zum Ende des Schuljahres, weil er ihn fast getötet hatte. Draco wusste, dass Potter damit noch ziemlich glimpflich davongekommen war. Wenn sein Vater nicht in Askaban sitzen würde und wenn er selbst nicht genug andere Probleme hätte, hätte er Potter dafür vor Gericht gezerrt. So musste Potter wenigstens Nachsitzen und er selbst hatte ein paar ziemlich beschissene Narben davongetragen. Wenigstens waren sie nicht groß und es waren auch nur wenige, da Snape rechtzeitig da gewesen war. Er hätte trotzdem gut und gerne darauf verzichten können.

Draco stand auf und streckte kurz den Rücken durch. Sein Nacken war steif vom vielen lesen.

Hermione legte sich zwei Bücher zur Seite, die sie mit in dem Gryffindorturm nehmen würde, um als Nachtlektüre darin zu lesen, als sie das Knacken von Dracos Rückenmuskulatur hörte. Sie konnte es ihm nachfühlen. Immer wenn sie zu viel gelesen hatte, spürte sie nur zu gut die Verspannungen. Heute war es jedoch besser. Dracos Massage heute Morgen hatte Wunder gewirkt. Er musste sie dringend öfter so massieren. Hermione war noch dabei an seine starken Hände auf ihrem verspannten Rücken zu denken, als Draco sich plötzlich zu ihr hinunterbeugte. Er drückte ihr einen Kuss auf die Lippen und verabschiedete sich, bevor er mit einem Buch in der Hand zur Ausleihe ging.

Perplex sah sie ihm nach. Sie brauchte einen Moment, um zu begreifen, was sie so irritierte. Der Kuss war so simpel, so einfach, so selbstverständlich, gewesen. Er hatte sich so normal angefühlt. Als wäre es das normalste der Welt, dass Draco Malfoy sich von ihr mit seinem Kuss verabschiedete.

Noch immer in Gedanken machte sich Hermione auf den Weg in den Gryffindorturm. Sie sagte der Fetten Dame das Passwort und als sie einen Moment später in den Gemeinschaftsraum kam, wäre sie am liebsten wieder umgedreht. Dort saß Ginny, direkt neben Harry und als würde sie ahnen, dass Hermione sie meiden wollte, sprang sie sofort auf. Hermione erwartete schon Harry und Rons vorwurfsvolle oder entsetzte Gesichter zu sehen. Doch sie wirkten ziemlich normal. Ginny hatte ihnen wohl nichts erzählt.

„Hermione, ich muss mal mit dir reden!", sagte Ginny und bedeutete ihr, mit hoch zu den Mädchenschlafsälen zu kommen.

Innerlich seufzte Hermione genervt auf, folgte jedoch Ginny folgsam hoch in den Schlafsaal. Ginny dirigierte sie zielgerichtet zu ihrem Schlafsaal und warf Romilda Vane raus, die dies mit einem Schnauben kommentierte. Die Wand hinter Ginnys Bett war mit Quidditchpostern tapeziert und ziemlich unordentlich. Sie ließ sich auf ihr Bett fallen und Hermione setzte sich neben sie.

„Also?", begann Ginny und sah sie mit hochgezogenen vorwurfsvollen Augen an.

„Was?", fragte Hermione gereizt und wusste genau, was Ginny wissen wollte.

„Du kannst nicht einfach so tun, als wäre nichts passiert. Luna hat ein paar Mädchen im Ravenclawturm darüber reden gehört, dass zwei Vertrauensschüler in der Bibliothek rummachen würden. Natürlich hätte sie dem nicht weiter Beachtung geschenkt, aber als sie mir erzählt hat, dass du das angeblich warst, da konnte ich ihr nicht glauben. Was soll ich sagen. Ich lag falsch. Ich meine was bitte schön habt ihr da gemacht?"

Hermione konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Also machte es gerade die Runde, dass die Vertrauensschülerin von Gryffindor und der Vertrauensschüler von Slytherin in der Bibliothek unanständige Dinge taten. Bei Merlin war sie froh, dass das hier eine Zeitschleife war.

„Ich meine das war doch offensichtlich, was wir gemacht haben", sagte Hermione und fügte, nach einem Moment der Überwindung, hinzu „Draco hat mich geleckt."

Hermione fühlte sich wahnsinnig pervers, das einfach so auszusprechen. Noch vor Beginn der Zeitschleife wäre es ihr nicht mal über die Lippen gekommen. Draco hatte eindeutig einen schlechten Einfluss auf sie.

Das schien auch Ginny so zu sehen, denn sie grinste Hermione ziemlich verwegen an. „Ja okay, also ich meine das habe ich gesehen. Aber warum?"

Kurz war Hermione versucht ihr alles mit der Zeitschleife nochmal zu erklären, aber irgendwie hatte sie wenig Lust dazu und Ginny wirkte irgendwie nicht verärgert. Sie reagierte jedes Mal ganz anders auf ihr Verhältnis zu Draco. Mal wütend, mal neugierig mal fast verständnisvoll nur um wieder vorwurfsvoll zu sein. Wahrscheinlich lag es an der Art wie sie es herausfand. Ginny hasste es angelogen zu werden.

„Würdest du mir glauben, wenn ich dir sage, dass Draco Malfoy mein heimlicher Liebhaber ist?", fragte sie und es klang in ihren Ohren nichtmehr so seltsam wie es sollte.

„Vor heute hätte ich es niemals geglaubt. Aber Hermione…" Ginny zog die Augenbrauen hoch. „Malfoy? Also ich meine warum er? Wie kam es dazu?"

Ginny sah wahnsinnig neugierig aus und Hermione musste irgendwie grinsen bei dem Anblick.

„Weil er ein wahnsinnig guter Liebhaber ist", sagte sie und konnte nicht umhin etwas verlegen zu werden. Sie rutschte an die Rückenlehne von Ginnys Bett und schlang ihre Arme um ihre Knie. „Ich fühle mich gut bei ihm. So gewollt, begehrt. Bei ihm fühlte ich mich wie die begehrenswerteste Frau auf der Welt. Ich hätte niemals gedacht, dass dies möglich wäre, aber es ist so."

Sie seufzte und legte ihr Gesicht auf die Knie. Sie verstand es selbst nicht mal vollkommen. Unsicher sah sie wieder zu Ginny, die sie nachdenklich musterte.

„Wenn ich bei ihm bin. Dann fühlt es sich so gut an und wie der reine Wahnsinn. Alles an der Beziehung zwischen Draco und mir ist reiner Wahnsinn. Es kann nicht gut gehen, Ginny nichts von dem. Aber… aber ich brauche ihn."

„Du bist verliebt", stellte Ginny gutmütig fest und Hermione lächelte bitter.

„Ja. Eine ziemlich verrückte, ungesunde Verliebtheit. Weil ich weiß, dass nichts, was zwischen uns ist jemals eine Chance hat. Es wird nur so lange halten, wie wir in der Sicherheit von Hogwarts sind. Draußen wo der Krieg tobt, würde man uns dafür töten."

„Ich wünschte ich könnte dir wiedersprechen", sagte Ginny bedrückt und Hermione legte ihr Kinn auf ihren Knien ab.

„Ich wünschte auch, ich wäre nur melodramatisch."

Eine Weile schwiegen sie beide, bis Hermione wieder das Wort ergriff. „Warum bist du eigentlich nicht wütend auf mich? Ich meine ich habe das vor dir verheimlicht und dann von allen Jungen auf Hogwarts ausgerechnet Draco."

„Keine Ahnung. Ich glaube, ich war in erster Linie nur überrascht. Ich meine ich hätte das niemals gedacht…", sagte Ginny und schien selbst etwas unsicher darüber wie sie den Satz zu Ende bringen wollte.

„Das ich etwas mit ihm anfangen würde?", wollte Hermione wissen.

„Ja, das auch nicht. Aber ich meine das Malfoy sich wirklich vor dir hinknien würde um dir was Gutes zu tun. Ich meine er hat nichts davon dich zu lecken", sagte Ginny etwas verlegen, aber nicht minder breit grinsend. Ginny war sonst nie auf den Mund gefallen, aber in solchen Momenten wurde Hermione ziemlich bewusst, dass Ginny auch erst fünfzehn war. Ihre Gespräche über Sex waren nie ohne Hemmungen gewesen, obwohl sie sich immer alles erzählt hatten. Hier fühlte es sich nicht seltsam an verlegen zu werden. Im Gegensatz zu Draco, der einfach Hemmungslos alles aussprach was er wollte, fühlte es sich ziemlich normal an das Ginny verlegen wurde.

„Hast du sowas schonmal gemacht? Mit Harry oder Dean?", wollte Hermione wissen.

„Nein, also wir waren zusammen im Bett, das weißt du. Aber so viel haben wir noch nicht ausprobiert. Man hat auch nicht wirklich Privatsphäre hier in Hogwarts."

„Oh, im Raum der Wünsche hat man viel Privatsphäre", sagte Hermione und Ginny grinste ziemlich verlegen. Sie setzte sich Hermione gegenüber und grinste sie breit an.

„Und du und Malfoy? Irgendwie kommt es mir komisch vor, so von Malfoy zu sprechen. Ich glaube ich muss erst ein oder zwei Nächte darüber schlafen, bis ich wirklich realisiert habe, dass es kein verrückter Traum ist", sagte Ginny und jetzt war es an Hermione zu lachen.

„Ich weiß, was du meinst. Aber was willst du denn wissen?"

„Schläfst du mit ihm?", wollte Ginny neugierig wissen und Hermione hätte an liebsten laut aufgelacht. Mit ihm zu schlafen, klang viel harmloser als das, was sie wirklich taten.

„Wir haben Sex. Ja. Es ist ziemlich anders. Also anders als mit anderen Jungs."

„Wie meinst du anders?", wollte Ginny irritiert wissen und schnappte sich eine Packung Schokofrösche von ihrer Nachttischschublade. Ginny wusste als Einzige, von Hermiones kurzer Eskapade mit Fred und auch von der Liebelei mit Viktor Krum. Sie hatten sich in einer langen Nacht die Hermione und Ginny zusammen im Fuchsbau gewesen waren darüber unterhalten und Bertie Botts Bohnen gegessen. Ginny bot auch Hermione einen Schokofrosch an, die ihn dankend annahm. Sie fischte den Frosch aus seiner Packung und biss ein Bein ab.

„Naja. Draco ist anders. Hemmungsloser würde ich sagen. Ich glaube ich habe Draco noch nie wirklich verlegen erlebt. Vielleicht ein Mal. Aber das war es schon. Er tut und sagt immer ziemlich direkt was er will und das ist einfach anders. Seine Art Sex zu haben ist anders. So wie sein ganzes Verhalten anders ist." Hermione suchte nach den richtigen Worten, aber es gab keine Worte, um Draco zu beschreiben.

„Ist das gut?", fragte Ginny unsicher.

Hermione lächelte leicht. „Ich mag es an ihm. Vielleicht mögen manche Menschen das als arrogant und unfreundlich empfinden, aber ich mag das an ihm. Ich hätte es niemals gedacht, aber es macht es einfach mit ihm zu reden. Es macht seinen Charm aus."

„Malfoy hat Charm?", fragte Ginny und zog belustigt eine Augenbraue hoch. Jetzt musste auch Hermione lachen. Es war etwas, was sie noch vor der Zeitschleife niemals gedacht hätte.

„Er sieht schon gut aus. Es gibt viele Mädchen, die von ihm schwärmen", gestand Ginny zu. „Aber zu behaupten, dass er Charm hat, das musst du mir erst noch beweisen. Zudem macht er sich ziemlich rar dieses Jahr und zieht eine düstere Mine."

„Draco hat viele Probleme", gestand Hermione ein und seufzte als sie daran dachte.

„Hat er? Also hat Harry Recht? Hat er mit du-weißt-schon-wem zu tun?"

„Er ist nicht unser Feind, wenn du das Wissen willst. Ich habe versprochen über seine Geheimnisse zu schweigen. Es ist dein bedrückendes Thema und ich will mit dir lieber über schönere Dinge reden."

„Aber ihr redet darüber", stellte Ginny überrascht fest.

„Ja, schon", stimmte Hermione zu und fragte sich einen Moment, warum sie das überhaupt taten. Warum erzählte ihr Draco so viel. Natürlich, viel hatte sie auch von Snape erfahren. Aber trotzdem, er offenbarte ihr mehr als nur ein Geheimnis. „Ich glaube er braucht einfach jemanden zum Reden. Jemand der für ihn da ist. Ihn liebt."

Hermione hatte es ausgesprochen, bevor sie darüber nachgedacht hatte.

„Und du bist das für ihn? Empfindet er auch so für dich?"

„Ich weiß es nicht Ginny. Es ist nicht so, dass ich ihn jemals gefragt hätte. Ich weiß nicht mal, ob er es sich selbst eingestehen würde, wenn es so wäre."

„Aber ihr habt Sex", stellte Ginny fest.

„Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun", verteidigte sich Hermione vehement.

„Naja, normalerweise hat es schon etwas miteinander zu tun", berichtigte sie Ginny und Hermione wusste nicht, wie sie widersprechen konnte. Eigentlich hatte Ginny Recht. Es sollte etwas miteinander zu tun haben. Sie wusste selbst, dass sie es nicht wirklich trennen konnte.

„Wir sind nicht normal, was das angeht. Vielleicht ist nichts an uns normal. Deshalb kann auch unsere Beziehung nicht normal sein", sagte Hermione und klang dabei unsicherer als sie gewollt hatte.

„Du bist normal. Lass dir da nicht reinreden", widersprach Ginny sofort.

„Aber ich fühlte mich nicht normal", gestand Hermione ein und stand auf. Sie wusste, Ginny ging es gerade nur um Sex und Beziehungen. Aber diese Aussage ging tiefer. Ginny würde es nicht verstehen. Keiner verstand es. Denn Ginny war eine Hexe. Sie war als Hexe aufgewachsen. Für sie war Magie normal. Aber sie selbst war unter Muggeln groß geworden und Magie fühlte sich selbst nach all den Jahren noch immer wie etwas aufregendes an.

„Redet Malfoy dir das ein?", fragte Ginny alarmiert und Hermione winkte ab.

„Ich glaube nicht, dass Draco normal auch nur versuchen würde zu definieren. Es spielt für ihn keine Rolle. Für ihn scheint beim Sex alles erlaubt. Ohne Grenzen und ohne Tabus. Wenn ich mich auf ihn einlasse, erscheint es mir so einfach und so natürlich. Es fühlt sich einfach absolut verrückt, wahnsinnig und gut an", sagte sie und musste an die Geburtstagsfeier im Schlafsaal der Slytherinjungen denken. Nervös setzte sie sich wieder aufs Bett und schob sich den Rest ihres Schokofroschs in den Mund.

„Klingt komisch", stellte Ginny fest.

„Ich weiß nicht warum, aber irgendwie versteht er mich. Und er akzeptiert mich. So wie ich bin. Das fühlt sich gut an."

„Wir reden noch immer vom gleichen Malfoy, oder?", fragte Ginny zweifelnd. Genervt verdrehte Hermione die Augen.

„Oh, natürlich. Ich habe nichts vergessen, was er getan hat. Nicht letztes Jahr mit Umbridge und nicht Seidenschnabel. Auch nicht das sein Vater in Askaban sitzt und uns töten wollte. Ich weiß sehr gut, dass er ein beleidigendes, herablassendes Ekel sein kann. Aber er kann eben auch anders. Er ist mehr als nur das, was wir bis jetzt gesehen haben. Ich glaube er ist mehr, als er überhaupt jemandem zeigt. Das heißt aber nicht, dass mir nicht bewusst ist, zu was er fähig ist. Draco ist nicht nett. Also nicht das, was normale Menschen als nett und freundlich bezeichnen würden."

Hermione zuckte mit den Schultern. „Als ich mir ein Codewort überlegt habe, habe ich Seidenschnabel genommen. Damit ich nicht vergesse, was er damals gemacht hat. Das er Seidenschnabel töten lassen wollte. Ich bin mir durchaus seiner Unzulänglichkeiten bewusst."

„Ist das so ein Codewort dafür, das ihr euch trefft? Ist das nicht etwas gemein?", wollte Ginny wissen und Hermione sah sie einen Moment irritiert an. Dann begriff sie, dass Ginny das wohl vollkommen falsch verstanden hatte.

„Oh, nein. Das ist…" Hermione stockte. Sie wusste nicht, wie sie es sagen sollte, ohne ein schlechtes Licht auf Draco zu werfen „Es ist damit er aufhört mit was immer er gerade tut. Also es ist das Wort, wenn er eine rote Linie überschreitet und etwas macht, was ich nicht will. Eher eine Art Sicherheitswort." Bei Merlin was musste Ginny denken, was sie taten!

Hermione war sich selbst nicht ganz sicher, warum sie auf ein Sicherheitswort bestanden hatte. Nach den Geschehnissen im Vertrauensschülerbad und dem Imperius Fluch hatte sie einfach nicht gewusst, wie sie ihm sonst verständlich machen sollte, wenn sie das Spiel auf, das sie sich freiwillig mit ihm einließ, abbrechen wollte. Denn Draco hatte Nein und Aufhören nie ernst genommen. Es hatte sie erregt, dass er sich über sie hinweggesetzt hatte und somit hatte sie ihren eigenen Worten die Macht genommen. Ihre Worte hatten versagt und sie hatte eine neue Sicherheit gebraucht, damit ihm auch vollkommen klar war, das Aufhören auch Aufhören bedeutete. Es gab für ihn jetzt keine Ausreden mehr, wenn er sich darüber hinwegsetzte. Er konnte nicht sagen, dass sie es gewollt hatte und es Teil ihres Spiels war, wenn er sich nicht an die Abmachung hielt. Außerdem gab es ihr die Freiheit Draco darum anzubetteln aufzuhören, obwohl sie doch wollte, dass er weitermachte. Sie wusste, dass sie das durchaus erregte. Trotzdem fühlte es sich einfach nicht normal an, dass es so war.

Hermione konnte nicht umhin bei dem Gedanken verlegen auf ihre Unterlippe zu beißen. Ginny durfte nie erfahren, was sie taten. Doch diese sah sie nur einen Moment irritiert an, dann nahm sie sich noch einen Schokofrosch.

„Ein Sicherheitswort?", erkundigte sie sich ungläubig.

„Es klingt schlimmer als es ist", versicherte Hermione schnell. „Es ist einfach nur eine Sicherheit damit keiner etwas tut, was der andere nicht will."

„Wovon sprechen wir hier?", wollte Ginny wissen und Hermione sucht nach möglichst unverfänglichen Worten.

„Von Sex. Wenn er Dinge beim Sex macht die ich nicht möchte", sagte Hermione und hoffte das Ginny naiv genug war nicht zu verstehen, wie weit sie bei ihren Spielen gingen.

„Und das ist nötig?", fragte Ginny mit hochgezogener Augenbraue.

„Ich sage manchmal gerne aufhören, obwohl ich will das er weitermacht. Das ist alles", sagte Hermione und wusste, dass sie dabei verlegen wurde. „Ich meine es hat schon Gründe, warum ich sowas mit Draco mache und mit keinem anderen", fügte sie hinzu.

„Und du glaubst er würde aufhören, wenn du etwas nicht willst?", erkundigte sich Ginny noch immer ungläubig. Ginny schien sich nicht daran aufzuhängen. Erleichtert atmete Hermione auf.

„Ja, ziemlich sicher", stimmte sie zu. „Er will nichts gegen meinen Willen machen. Außerdem genießt er dieses Spiel so sehr wie ich. Ich habe ihm gedroht, dass es zu Ende ist sollte er es jemals ignorieren."

Einen Moment war Hermione selbst überrascht, dass sie sich dessen so sicher war. Am Anfang hatte sie die Zeitschleife als einzige Sicherheit empfunden und das Sicherheitswort war die Grenze, die sie sich selbst und ihm gezogen hatte, um das alles zu beenden, sollte er zu weit gehen. Aber mittlerweile glaubte sie tatsächlich, dass er aufhören würde, wenn sie es benutzte. Sie war sich selbst nicht ganz sicher, woher dieser Gedanke kam. Vielleicht aus Paris, als er sie nicht ausgeliefert und gewarnt hatte, damit sie flüchten konnte. Draco wollte ihr nicht schaden.

„Du hast tatsächlich eine ziemlich hohe Meinung von ihm", sagte Ginny überrascht.

„Vielleicht sehe ich ihn auch einfach nur als Menschen", erwiderte Hermione und zuckte die Schultern.