Kapitel 42
ungerecht
nicht dem [allgemeinen] Empfinden von Gerechtigkeit, Wertmaßstäben entsprechend
Draco zog Hermione wieder an sich und hielt sie einfach nur fest. Sie fühlte sich in seinen Armen so unglaublich zart und zerbrechlich an. Seufzend vergrub er seine Nase in ihrem widerspenstigen lockigen Haar. Er wollte ihr wirklich nicht wehtun. Nicht so, dass sie verletzt war und vorhin hatte er kurz das Gefühl gehabt, dass sie sich unwohl fühlte.
Er versuchte sich zu erinnern, wie es in anderen Zyklen gewesen war und musste sich eingestehen, dass er es nicht wusste. Vielleicht musste er sich ein bisschen mehr zusammenreißen, wenn sie sich ihm gegenüber so fallen ließ und er wollte, dass sie sich fallen ließ. Diese demütige Hingabe verpasste ihm einen Kick, den er nicht beschreiben konnte.
Draco war noch dabei darüber nachzudenken, als Hermione unruhig wurde. Letztendlich setzte sie sich auf und ging ins Haus, um etwas zu trinken zu holen. Sie reichte ihm auch ein Glas Wasser, bevor sie sich wieder nach ihrem Bikinihöschen bückte, dass sie für ihn ausgezogen hatte.
„Lass es aus", forderte Draco und sie warf ihm einen überraschten Blick zu.
„Warum?", wollte sie wissen.
„Komm her", forderte Draco statt einer Antwort und sie setzte sich zu ihm. Er bemerkte, wie sie sich vorsichtig setzte, weil sie wohl Schmerzen hatte.
„Ich heile dich jetzt, einverstanden?", wollte er wissen und sie nickte etwas verschämt.
„Ja, danke."
„Leg dich hin", sagte er sanft und stand auf, um ihr Platz zu machen.
Als sie lag begutachtete er nochmal sein Werk und fuhr mit der Hand über ihren Hintern.
„Es tut schon deutlich weniger weh als vorhin", sagte Hermione und Draco schnaubte. Dann fuhr er mit dem Zauberstab über ihre Kehrseite und murmelte: „Episkey."
Er brauchte etwas, bis die roten Striemen geheilt waren und als er fertig war, fuhr er mit dem Zauberstab zu ihrem Bikinioberteil, dass sie unter dem dünnen Strandkleid trug. Mit einem schnippen seines Stabs ließ er es verschwinden.
„Hey, was soll das?", erboste sich Hermione und setzte sich auf.
„Ohne gefällst du mir eindeutig besser. Dann kann ich deine Nippel durch den dünnen Stoff erkennen", erklärte ihr Draco selbstzufrieden und kniff ihr zur Verdeutlichung in die Brustwarze, als er sie an sich zog.
„Aber-", begehrte sie auf, doch er erstickte ihren Protest, indem er ihr gierig die Zunge in den Mund schob. Seine Hand umfasste ihre Brust und knetete sie ziemlich genüsslich.
„Ich bin ein Lustmolch und du willst mit mir Sexspiele spielen, also trägst du nur dieses unschuldige weiße Kleid, wenn wir hier sind. Der Bikini ist nächsten Zyklus sowieso wieder zu klein."
„Du bist unverbesserlich", tadelte sie sanft und Draco war verdammt zufrieden damit unverbesserlich zu sein.
Es wurde langsam dunkel, während sie zusammen am Pool lagen und eine kühle Brise zog auf. Hermione zog eine Strickjacke über ihr Kleid und bald darauf verschwand auch Draco im Haus, um sich anzuziehen. Er kam mit einer Weinflasche und zwei Gläsern wieder heraus. Er musste sie im Keller gefunden haben.
„Muggeltechnik hat tatsächlich interessante Aspekte", stellte Draco fest, als er ihr ihr Glas reichte und Hermione stieß mit ihm an.
„Du klingst so überrascht", neckte sie ihn und musste sich ein Grinsen verkneifen.
„Es ist nicht so, dass Tante Bella mich für diese Feststellung ermorden würde", antwortete er zynisch und Hermione schnaubte missbilligend. Immer versuchte er mit solchen Bemerkungen Abstand zwischen sie zu bringen. Hermione trank einen Schluck von dem schweren Rotwein und musste feststellen, dass sie Wein immer mehr mochte.
„Trotzdem muss ich zugeben, dass ich heute viele interessante Dinge gelernt habe", fuhr Draco fort und klappte den Laptop auf, mit dem er heute herumgespielt hatte. Hermione konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen als sie Draco beobachtete der sich durch Musikvideos auf Youtube klickte.
„Muggel haben wirklich ziemlich viel, ganz unterschiedliche, Musik", erzählte er mit einem begeisterten Lächeln, während die Musik von Rap zu Metal wechselte.
„Es gibt ziemlich viele Bands und du findest nicht nur Musik aus England, sondern von überall auf der Welt", erklärte Hermione und legte ihr Buch weg. Es wurde langsam zu Dunkel zum Lesen. Der Sonnenuntergang färbte den Himmel bereits in vielen verschiedenen Rottönen.
„Ja. Sogar Musik die ich auch kenne. Das ist ganz eindeutig ein dreiviertel Tackt", antwortete Draco und machte ein Lied an das Hermione nicht kannte.
„Darf ich bitten?", fragte er und reichte ihr die Hand. Hermione war einen Moment irritiert.
„Was-?", wollte sie fragen.
„Das ist Walzertackt. Ich dachte du kannst tanzen", sagte er und schien jetzt etwas unsicher zu sein. Hermione erhob sich ungläubig.
„Natürlich habe ich es als Kind gelernt, aber ich habe das letzte Mal am Weihnachtsball des Trimagischen Turnieres getanzt", gab sie zu.
„Dann lass dich führen", erwiderte Draco nur und hielt ihr auffordernd die Hand hin.
Hermione ergriff sie unsicher und er platzierte seine Hand an ihre Taille. Hermione fühlte sich seltsam als sie ihre Hand auf seine Schulter legte und als Draco sich in Bewegung setzte wusste Hermione nicht so recht, wie sie die Situation einordnen sollte. Sie waren noch immer barfuß und die Platten unter ihren Füßen waren warm von der Mittagssonne. Die Musik war etwas blechern aus den Laptoplautsprechern und es brauchte einen Moment, um sich an die Schritte zu gewöhnen. Doch Draco schien das keine Probleme zu bereiten. Ihr straucheln brachte ihn nicht aus dem Takt und er führte sie ziemlich selbstsicher über die Terrasse. Bei der zweiten Drehung spürte sie deutlich seine Verlagerung als er mit seinem Körper die Richtung andeutete. Sie hatte erwartet, dass es schwierig sein würde sich wieder an die Schritte zu erinnern doch mit Draco war es beinah lächerlich einfach. Sie brauchte nur die Grundschritte zu tanzen und auf seine Bewegungen zu reagieren und es fühlte sich wunderbar leicht und einfach an.
„Ich wusste nicht, dass du so gut tanzen kannst", sagte Hermione als das Lied geendet hatte. Draco schien bester Laune zu sein.
„Meine Mutter hat Wert darauf gelegt. Als Kind fand ich es nervig", erklärte Draco wehmütig.
„Und jetzt magst du es", stellte Hermione fest und ein trauriges Lächeln glitt über Dracos Züge.
„Nostalgie", erwiderte er nur und als das nächste Lied begann setzte er sich wieder in Bewegung. Sie fühlte sich wahnsinnig gut in seinen Armen dem Takt der Musik zu folgen.
Hermione hatte keine Ahnung wie lange sie getanzt hatten. Die Sonne ging über ihnen unter und Draco führte sie mit geschmeidigen Bewegungen über die Terrasse. Sie tanzten am Pool und der frische Wind spielte mit ihren Haaren, als er sie zur Musik bewegte. Es hatte fast schon etwas Surreales.
Leider war es irgendwann der Youtube Algorithmus, der sie unterbrach, da er begann ziemlich laute unpassende Hip-Hop Musik zu spielen.
„Irgendwie verstehe ich das Prinzip nicht nach dem das nächste Lied ausgesucht wird", sagte Draco als er zum Laptop ging, um das Tab zu schließen.
„Ich glaube das kann dir keiner beantworten. Es gibt auch Muggel Mysterien", antwortete Hermione schmunzelnd.
„Ich denke wir sollten langsam reingehen, es wird kühl. Ist noch was zu essen da?", wollte Draco wissen und Hermione hob irritiert die Augenbrauen.
„Hast du etwa schon wieder Hunger?", fragte sie überrascht. Sie hatten zum Mittag Pizza gehabt und als sie Satt gewesen war hatte Draco noch den Rest von ihr gegessen. Aber wahrscheinlich war es nichts, was sie überraschen sollte. Harry und Ron verputzten auch Berge von Essen und waren zum Abendessen wieder hungrig.
„Ich wachse", tat Draco ihre Frage ab. „Ich glaube nicht, dass unsere Körper verstehen können, dass es vergebene Liebesmüh ist zu wachsen."
Daraufhin musste Hermione kichern. Wahrscheinlich hatte er Recht.
In der Küche fand sie noch eine große Sammlung an Chips, Erdnüssen und anderen Knabbereien. Das war zwar kein gesundes Abendessen aber in einer Zeitschleife auf gute Ernährung zu achten war wahrscheinlich auch vergebene Liebesmüh.
Sie zogen sich etwas Bequemes an, wobei Draco die Jogginghose von ihrem Cousin, die sie ihm gab, ziemlich misstrauisch beäugte, bevor er sie anzog. Danach setzten sie sich vor den Fernseher und Draco beklagte sich nicht, als Hermione durch die Kanäle zappte und irgendwann bei einer Quizshow hängen blieb. Sie mochte Quizshows. Dabei erfuhr man immer die witzigsten Dinge.
Nach der Quizshow blieben sie auf dem Sofa liegen und das Programm lief einfach weiter. Irgendeine uninteressante Tierdokumentation. Aber Draco war gerade dabei ihren Rücken zu kraulen und Hermione hatte absolut keine Lust sich jetzt zu bewegen, um die Fernbedienung zu holen. Es war einfach zu schön.
Sie wir wirklich niedlich. Draco wusste nicht, ob es ihr bewusst war, aber Hermione schnurrte leise, während er ihren Rücken kraulte und drückte sich ihm entgegen. Sie trug eine Muggelhose und einen ziemlich großen Pullover, wahrscheinlich auch von einem ihrer Verwandten.
Draco lehnte in einer halb liegenden Position an der Sofalehne in ein großes Kissen gekuschelt und sie lag direkt zwischen seinen aufgestellten Beinen und ließ sich streicheln wie eine Katze. Draco mochte Katzen. Goyle hatte einen riesigen schwarzen Kater und immer, wenn er gekrault werden wollte, kam er zu Draco.
Irgendwie, dachte Draco, konnte er sich daran gewöhnen mit ihr auf dem Sofa zu liegen und sie im Arm zu halten. Es war nichts, was er jemals gemacht hatte. Mit niemandem. Es jetzt zu tun, erschien ihm seltsam. Aber vielleicht gehörte das irgendwie zu den Intimitäten dazu, die sie teilten. Er mochte es mit ihr zu kuscheln, nachdem sie Sex gehabt hatten. Aber er mochte es auch mit ihr zu kuscheln, wenn sie keinen Sex gehabt hatten. Eigentlich fasste er sie einfach nur ziemlich gerne an.
Ob sowas in Hermiones Leben normal war? In Hogwarts sicher nicht aber außerhalb von Hogwarts. Es war komisch sich Hermione Granger außerhalb von Hogwarts vorzustellen. Aber hier lag sie. In seinen Armen und schnurrte wie eine zufriedene glückliche Katze mit weichen lockigen braunen Haaren und wahnsinnig weicher Haut.
Draco spürte, wie er langsam wieder hart wurde. Aber irgendwie war er viel zu faul für Sex. Er war einfach nur träge. Wahrscheinlich lag das an der Meeresluft oder der Tatsache, dass er sich den ganzen Tag mit diesen Muggelerfindungen beschäftigt hatte. Er ließ seine Hände unter Hermiones großen Pullover wandern und streichelte ihre warme Haut.
„Mir gefällt euer Ferienhaus", sagte Draco irgendwann. Es gefiel ihm hier tatsächlich. Er hätte nicht erwartet, das Muggelhäuser so angenehm waren. Hermione grummelte leise, da er aufgehört hatte sie zu streicheln.
„Bist du oft hier?", wollte Draco wissen.
Hermione seufzte und drehte sich etwas, um ihn ansehen zu können. Ihr Kinn ruhte auf seiner Brust und Draco strich ihr zärtlich eine Locker hinter das Ohr.
„Früher, als ich klein gewesen bin. Die letzten Jahre nur noch selten."
„Warum?", fragte Draco und sah, wie sie traurig den Blick senkte.
„Meine Großeltern wissen nicht, dass ich eine Hexe bin. Nur meine Eltern und mein Onkel wissen es. Aber der Rest der Familie hält mich für ein Problemkind. Meine Großeltern hatten Sorge mich allein irgendwohin mitzunehmen."
Draco runzelte die Stirn.
„Ist etwas vorgefallen?", wollte er wissen. Irgendwie hatte er ein ungutes Gefühl in der Magengegend.
Hermione setzte sich auf und lehnte sich an die Sofalehne schräg neben ihm. Sie zog ihre Beine an und bettete ihren Kopf auf ihre Knie. Aus müden traurigen Augen sah sie ihn an.
„Ich habe unser Haus abgebrannt", gestand sie leise und presste die Lippen zusammen „Damals war ich zehn. Ich weiß garnichtmehr, wie es passiert ist. Ich habe mich mit meiner Mutter gestritten, am Telefon. Ich hatte meine Therapie geschwänzt bei meinem Psychologen. Ich sollte dorthin, weil ich notorisch Lügen erzählte. Ich sah es nicht ein, da ich nicht einsah das ich log. Plötzlich stand das Wohnzimmer in Flammen. Das Feuer war überall. Ich bin rausgelaufen und außer mir war keiner im Haus. Es wurde keiner verletzt, aber das Haus brannte komplett aus."
Draco legte den Arm um sie und sie rutschte näher an ihn. Ließ zu, dass er sie in den Arm nahm.
„Konnte keiner das Feuer löschen?", wollte Draco wissen. Er hatte bestimmt mehr als ein Mal etwas zum Explodieren gebracht, wenn er wütend gewesen war als Kind. Aber es war nie etwas passiert. Kindermagie war in der Regel mit einem einfachen Zauber zu reparieren.
Hermione jedoch schüttelte den Kopf.
„Die Polizei entschied das es Brandstiftung war und alle kamen zu dem Schluss, dass ich es gewesen sein musste. Das ich das Feuer absichtlich gelegt hatte. Danach war es keine freiwillige Therapie mehr bei einem einfachen Psychologen. Danach kam ich zur Behandlung in die Psychatrie. Ich war nur ein paar Tage stationär, bis ich wieder rauskam. Mein Onkel hat sich darum gekümmert. Ich war schließlich Familie und sie wollten alle nur das Beste für mich... Das ich zugab, dass ich log, das ich zugab, das Feuer gelegt zu haben… Sie wollten mich heilen bevor ich größere Straftaten beging als ein leeres Haus anzuzünden. Zu erfahren, dass ich eine Hexe bin, hat mich erlöst. Mein Onkel durfte davon erfahren, da er mit meiner Behandlung beauftragt war, aber sonst niemand. Für den Rest meiner Familie bin ich eine verrückte aufmerksamkeitsheischende lügende Brandstifterin."
„Scheiße", flüsterte Draco leise. Er mochte sich nicht vorstellen, was das für eine Zeit das für sie gewesen war. Beschützend zog er sie näher. Kein Wunder, dass sie ihrer Familie nicht so nah stand. Dass sie sich in der Muggelwelt nicht wohl fühlte. Sie hatte niemand beschützt, niemand hatte ihr geglaubt, dass sie das Feuer nicht absichtlich gelegt hatte. Zu Gelegenheiten wie diesen wurde ihm nochmal wirklich bewusst, was für Glück er gehabt hatte als Kind von Zaubereltern geboren worden zu sein.
„Ja sehr", sagte Hermione. „Aber weißt du, jetzt wollen alle, dass ich die Zauberwelt hinter mir lasse. Meine Eltern haben an meinen siebzehnten Geburtstag einen Brief vom Ministerium erhalten. Ein Informationsschreiben zur Orientierung Muggelstämmiger in der magischen Gesellschaft."
„So etwas gibt es?", fragte Draco überrascht. Er hatte noch nie von sowas gehört.
„Ja, sowas gibt es", antwortete Hermione und klang alles andere als erfreut. „Es wird von einer Unterabteilung für magische Strafverfolgung im Ministerium herausgegeben. Diese Hexen und Zauberer sorgen dafür, dass wir Muggelstämmigen nicht zu vielen Menschen von Magie erzählen. Wenn wir volljährig werden, bekommen wir einmalig die Möglichkeit die magische Welt hinter uns zu lassen. Sie bieten uns an alles magische, was in unserem Leben passiert ist aus den Gedächtnissen der Muggel zu löschen. Nach dem Hogwartsabschluss bekommen wir einen Studienplatz an einer Universität unserer Wahl und alles, was wir tun müssen ist unseren Zauberstab abgeben und für mindestens zehn Jahre der Magie den Rücken zuzukehren."
Draco starrte sie fassungslos an. Er hatte nicht gewusst, dass es sowas gab.
„Sie könnten auch nur die Erinnerungen an den Hausbrand löschen. Ich meine das wäre nur fair. Sie tun das dauernd. Das ist ihr Job", wandte Draco ein uns wusste, dass das ein utopischer Gedanke war.
„Vielleicht tun sie es nicht, weil sie damit ihr Angebot schmackhafter machen wollen. Es ist kein Geheimnis, dass Muggelstämmige noch immer mehr geduldet als gewünscht sind in der magischen Welt. Sie wollen uns den Ausstieg möglichst einfach machen und das zurückkommen möglichst schwer. Ich meine, das ist nur der Gipfel an Schikane, die das Ministerium für uns bereithält."
Hermione war immer wütender geworden und hatte sich jetzt aufgesetzt. Ihre Augen funkelten vor Zorn.
„Wenn ich mich entscheide eine Hexe zu bleiben. Wenn ich meinen Zauberstab behalten will, muss ich nach Hogwarts jedes Jahr. Jedes verdammte Jahr an einer Auffrischungsveranstaltung zur Geheimhaltung der Magie teilnehmen. Niemand muss das. Nur Muggelstämmige. Sie nennen es eine Integrationsmaßnahme, aber selbst Zauberer die halbblütig sind müssen es nicht, selbst wenn sie unter Muggeln leben. Das ist reine Schikane!" Hermione hatte sich immer mehr in ihre Wut hineingesteigert.
„Gibt es keine Möglichkeit das zu umgehen?", fragte Draco und Hermione schien nur noch wütender zu werden und sprang auf.
„Oh, natürlich gibt es das. Wenn ich jemanden Heirate der Zauberervorfahren hat. Dann werde ich davon entbunden, weil durch die Familie gewährleitet ist, dass ich in die magische Gesellschaft integriert bin. Als wäre ich nicht Teil der magischen Gesellschaft nur weil meine Eltern Muggel sind!"
Hermione hatte sich immer mehr in ihre Wut hineingesteigert und Draco entschied, dass es besser war ihr nicht zu sagen, dass er das eigentlich für ziemlich sinnvoll hielt. Sie war eben unter Muggeln aufgewachsen. Sie hatte nicht von klein auf gelernt was es bedeutete unter dem Geheimhaltungsabkommen zu leben, dass ihrer aller Leben beschränkte. Die Gefahr war bei ihr eben größer, dass sie es brach. Mal ganz davon abgesehen, dass Draco es am liebsten wäre dieses Abkommen würden gar nicht existieren. Er hasste es sich vor den Muggeln verstecken zu müssen.
„Du könntest einfach irgendwann Weasley oder Potter heiraten und schon hat sich das Problem erledigt", sagte Draco und merkte noch im gleichen Augenblick, dass das wohl ein Fehler gewesen war. Denn sie funkelte ihn ziemlich wütend an.
„Darum geht es nicht. Es geht darum, dass sie mir aufgrund meiner Geburt andere Auflagen geben. Ich verabscheue diese Ungleichbehandlung! Es ist ungerecht. Harry ist auch unter Muggeln aufgewachsen und nur weil er Zauberer als Eltern hat und ich Muggel, muss ich jedes Jahr wie eine Bittstellerin im Ministerium auftauchen, damit sie mir ein Muggelvorschriftenformular unterschreiben!"
Nachdenklich musterte Draco Hermione und plötzlich wurde ihm etwas klar und er war sich nicht sicher, ob ihm der Gedanke gefiel.
„Du denkst darüber nach, das Angebot anzunehmen", stellte Draco überrascht fest und sie presste missbilligend die Lippen zusammen. Umständlich setzte sie sich wieder aufs Sofa und schlang ihre Arme um die Beine.
„Meine Eltern wollen es", sagte Hermione und klang ziemlich unglücklich.
„Deine Eltern wollen, dass du die Magie aufgibst?", hackte Draco fassungslos nach. Der Gedanke seinen Zauberstab abzugeben war, als würde er sich eine Hand abhacken oder beide. Sie war so sehr Teil seiner ganzen Existenz, dass er sich nicht vorstellen konnte, ohne sie zu leben.
„Sie halten nicht viel von Zauberei. Sie finden sie zu gefährlich. Was ich ihnen nicht verübeln kann. Wenn jemand im Haus gewesen wäre, als es abgebrannt ist, hätte er sterben können." Hermione kauerte sich, wenn möglich, noch kleiner zusammen und sah ziemlich schuldbewusst aus. „Außerdem machen sie sich Sorgen wegen des Kriegs. Naja, ich habe ihnen nicht alles erzählt was los ist. Aber ein bisschen musste ich ihnen sagen. Ich musste sie vor den Dementoren warnen und ihnen sagen das Schokolade hilft. Und ich musste sie warnen, dass sie die Stadt für eine Weile meiden sollten. Sie wissen das etwas passiert. Aber sie ahnen nicht wie schlimm es wirklich ist."
Draco starrte sie verblüfft an. Er hatte gewusst, dass ihre Eltern Muggel waren, aber er hatte sich nie klar gemacht, was das wirklich bedeutete. Das es mehr bedeutete, als dass sie einfach ohne Geheimhaltungsabkommen aufgewachsen war. Ihre Eltern hatten keine Ahnung von dieser Welt. Sie hatten keine Ahnung vom Krieg. Sie konnten Hermione nicht beschützen. Sie war auf sich allein gestellt in der Zaubererwelt.
„Und was willst du?", fragte Draco und hatte sich jetzt ebenfalls aufgerichtet. Er hatte nie geahnt was es wirklich bedeutete Muggelstämmig zu sein. Was für Probleme auf einen zukamen, wenn man plötzlich in die Zaubererwelt geworfen wurde.
„Ich…" Hermione zuckte mit den Schultern. „Ich habe gesehen, was ich für die Muggel bin. Ich bin eine Verrückte. Eine psychisch gestörte kranke Frau. Ich will diese Person nicht sein. Aber immer, wenn ich unter ihnen bin, muss ich daran denken. Ich habe verstanden, dass sie mich nie akzeptieren können, weil ich nicht so bin wie sie. Unter Muggeln zu leben heißt eine Lüge zu leben."
Hermione sah auf und Draco glaubte das ihre Augen etwas glasig aussahen. So als würde sie versuchen die Tränen zurückzuhalten.
„Ich kann kein Muggel sein und in der Zaubererwelt werden Muggelstämmige systematisch ausgegrenzt und unterdrückt. Ich habe dir mal gesagt ich weiß nicht, wohin ich gehöre. Das war die Wahrheit."
Ihre Unterlippe begann zu zittern und sie senkte den Blick. Wie aus einem Reflex heraus zog Draco sie an seine Brust. Er drückte sie an sich und spürte, wie ihre Schultern zu beben begannen, als sie weinte. Es war nicht fair, dass sie so leiden musste, nur weil ihre Eltern Muggel waren. Sie war immer stark und selbstbewusst. Aber Draco wusste nur zu gut, das selbstbewusste Menschen tief in sich verborgen Abgründe hatten, die sie an sich selbst und der Welt verzweifeln ließen.
„Ich habe auch keine Antwort, Myonie", flüsterte Draco sanft an ihrem Scheitel, bevor er ihn küsste.
„Ich könnte mir ein Leben ohne Magie nicht vorstellen. Immer zu wissen das da mehr ist und dass ich es nicht haben kann. Das könnte ich nicht. Aber wenn du die Magie aufgibst, hast du die Möglichkeit aus diesem Krieg zu entkommen. Wenn der Dunkle Lord jemals an die Macht kommt und die Zeichen stehen schlecht, dann werden Muggelstämmige gejagt werden. Nein, dann wird es keine Muggelstämmigen mehr geben, sondern nur noch Schlammblüter und ihr werdet Freiwild sein."
Er fühlte sich schlecht ihr das so schonungslos zu sagen. Aber es war auch keine Option sie anzulügen. Es gab einfach keine positive Seite daran ein Schlammblut zu sein.
Hermione sah zu ihm auf und zog die Nase hoch. Tränen liefen ihr über die Wange.
„Ich habe Angst", wisperte sie ganz leise und Draco drückte sie an sich.
„Ich auch", gab er zu, als er sie festhielt. So fest, als könnte sie ihm jemand entreißen. Beschützend barg er sie in seinen Armen und vergrub sein Gesicht in ihrem lockigen, weichen Haar. Er hatte Angst um sie, wahnsinnigen Angst und das erste Mal in seinem Leben fühlte er sich tatsächlich wie ein Blutsverräter.
Nachwort:
So viel zu Hermiones größtem Problem. Ich greife mit diesem Nachwort auch auf ein paar Sachen zurück die sie in Kapitel 38 (unvollkommen) besprochen haben. Hermione ist muggelstämmig. Sie ist Teil einer unterdrücken Minderheit. In vielen Dramione FF's wird das Thema damit abgehackt, dass Draco als Rassist das Problem ist. Überwindet er seinen Rassismus ist das Problem gelöst. Ich finde das viel zu simpel gedacht.
Aber was empfindet Hermione dabei in eine ihr fremde Welt geworfen zu werden. Sich, in einer ihr unbekannten Kultur, zurechtfinden zu müssen? Ohne ihre Eltern, die sie unterstützen können und immer mit der Tür im Rücken die Exit heißt. Mit der Möglichkeit zurückzukehren, in eine Welt die nichtmehr die ihre ist. In der sie genauso unverstanden ist.
Sie mag keine Probleme haben in ihrem Freundeskreis, der tolerant und offen ist. Aber die Welt ist mehr als ein Freundeskreis. Das zeigt sich ganz eindeutig im siebten Band. Denn überall, wo Instrumente entstehen, um andere zu diskriminieren muss der Grundstein schon gelegt sein.
Es ist Hermiones Last. Denn sie ist das türkischstämmige Mädchen in einer deutschen Schulklasse und ersetzt türkisch und deutsch durch unterschiedliche Länder eurer Wahl. Wir haben genug Auswahl. Egal was sie tut und selbst wenn sie alles Blut in ihren Adern austauschen würde, sie kann niemand anders sein. Und selbst wenn sie Klassenbeste ist. Wenn sie perfekt alles beherrscht, was gefordert wird und absolut intrigiert ist. Der kulturelle Unterschied ist einfach nicht wegzudiskutieren. Es wird in Deutschland immer einfacher sein Emma, anstatt Ayleen zu heißen. Oder um es in Hermiones eigenen Worten zu sagen, die sie an Ron gerichtet hat, nachdem er ihr erzählt hat, dass die Märchen von Beedle dem Barden Kindergeschichten sind.
(HP7) Harry und ich sind bei Muggeln aufgewachsen. Wir haben keine von diesen Geschichten gehört als wir klein waren, sondern Schneewittchen und die sieben Zwerge und Aschenputtel.
Es ist halt einfach eine Tatsache, dass sie nicht als Hexe aufgewachsen ist. Selbst ohne es zu bewerten und jede Argumentation, diesen Unterschied wegzudiskutieren, ist eine Schmälerung der Hürden die Menschen jeden Tag wieder überwinden müssen, um sich zu integrieren. Es schmälert das Verständnis, was es bedeutet, einfach in einer anderen Kultur aufgewachsen zu sein.
Nehmt die Schikanen, die ich mir für Hermione ausgedacht habe und setzte sie in diese Gleichung ein. Wir können ein verlängern der Aufenthaltsgenehmigung als Vergleich heranziehen und die Ehe ist der Weg dort raus. Er führt zur Staatsbürgerschaft. (Ich hatte tatsächlich keine Ehegesetz FF im Kopf!) Selbst der Vergleich mit Harry passt sehr gut. Denn er hat die Staatsbürgerschaft, auch wenn er im Ausland aufgewachsen ist. Es passt viel zu gut.
Und das Verständnis davon. Das Verstehen, der Probleme aus Hermiones Sicht. Das Sehen des Lebens mit den Problemen, was es heißt, kein reinblütiger Zauberer zu sein. Das ist es, was Draco dazu bringt sich als Blutsverräter zu fühlen. Vorher waren es einfach keine Probleme, die für ihn relevant gewesen wären.
Ein Schlammblut/Muggelstämmig zu sein ist mehr als nur die Problematik damit zu Voldemorts Feindbild zu werden. Es gibt auch den Kampf mit der Sache selbst.
Aber keine Sorge, hier in der FF wird es nicht im Integration gehen. Es ist lediglich Hintergrundinformation, die in den Nebensetzen und Unterhaltungen mitschwingt.
LG
Salarial
