Kapitel 58
Vertrauen
sichere Erwartung, fester Glauben daran, dass man sich auf jemanden, etwas verlassen kann
Draco ging mit Hermione in die Dusche und half ihr die Dessous auszuziehen, die sie für ihn getragen hatte. Er öffnete das Lederhalsband mit seinem Zauberstab und irgendwie mochte er den Gedanken, dass sie es trug. Vollkommen freiwillig, weil sie ihm gehören wollte.
„Komm, ich heile dich", bot Draco an, als er ihren geschundenen Körper im Duschwasser betrachtete. Sie hatte Bissabdrücke von seinen Zähnen an den Brüsten und am Hintern und die Striemen, die er hinterlassen hatte, sahen schmerzhaft und geschwollen aus. Auch ihre Handgelenke hatten abdrücke auf der Außenseite. Wo er sie gefesselt hatte, war die Haut etwas geschwollen.
„Geht schon", wiegelte Hermione ab und Draco runzelte irritiert die Stirn.
„Tut es nicht weh?", wollte er wissen und drückte auf den Bissabdruck auf ihrem Hintern. Sie biss sich verlegen auf die Unterlippe. Belustigt zog er ihre Lippe weg. Sie tat es dauernd. Wahrscheinlich wollte sie nur, dass er immer wieder ihren Mund anfassen musste.
„Es tut nur ein bisschen weh", sagte sie schließlich und wurde verlegen. Draco hob auffordernd eine Augenbraue. Sie zögerte noch einen Moment, dann fügte sie wie unter Zwang hinzu.
„Ich mag es, dass es ein bisschen weh tut. Es erinnert mich daran, was wir getan haben. Ich genieße das."
Er sah eindeutig, dass es ihr unangenehm war das zuzugeben und er fand es wahnsinnig niedlich und verführerisch.
„Du willst nur, dass ich die Male auf deinem Körper sehe und wider über die herfalle", knurrte er erregt und legte beide Hände auf ihren Hintern, um sie an sich zu ziehen. Ihre nackten Körper berührten sich und kurz dachte er darüber nach, sie tatsächlich nochmal zu vögeln.
„Immer", erwiderte Hermione mit einem breiten Grinsen und legte den Kopf in den Nacken, um zu ihm hochzusehen.
Zufrieden nahm er ihre Lippen in Besitz.
Nach dem Duschen wickelte Hermione sich in ein Handtuch und Draco nahm nachdenklich das Halsband wieder in die Hand, dass er zur Seite gelegt hatte.
„Dir gefällt es", stelle Hermione fest, als sie neben ihn trat.
„Ziemlich", gab Draco zu und konnte nicht verhindern, dass er grinsen musste. Irgendwie war es schon pervers, was sie miteinander taten. Sie waren heute auf eine neue Eskalationsstufe gelangt und er wusste nicht, ob er jemals wieder mit weniger zufrieden sein konnte. Wenn er versuchte, neutral und mit Abstand darüber nachdachte, war es ziemlich abartig. Und wenn er sie ansah und sie bei ihm war, fühlte es sich trotzdem gut an.
„Würdest du es diesen Zyklus für mich tragen?", wollte er wissen und sie sah eindeutig ein bisschen überrumpelt aus. „Du musst nicht", fügte er schnell hinzu. Sie hatte ihm heute so viel gegeben. Er wollte nicht zu viel fordern. Aber er war schon immer verdammt gierig gewesen.
„Würde es dir gefallen?", wollte sie wissen und Draco lachte leise.
„Natürlich würde es mir gefallen. Du kennst mich gut genug, um das zu wissen."
Einen Moment zögerte sie, dann errötete sie tatsächlich etwas, als sie nickte.
„Okay", stimmte sie zu und strich ihre nassen Haare etwas zur Seite, damit er freie Sicht auf ihren hübschen Nacken hatte. „Legst du es mir um?"
Draco legte das Halsband um ihren Hals und irgendwie fühlte er sich auch etwas verlegen als er mit seinem Stab den Gurt schloss und sie beide im Spiegel vor sich betrachtete. Er wischte über den beschlagenen Spiegel und legte von hinten beide Arme um sie. Sie war wahnsinnig hübsch und begehrenswert. Einfach wahnsinnig niedlich, wenn sie so in seinen Armen stand und sich an ihn lehnte. Draco legte sein Kinn auf ihrem Kopf ab und aus irgendwelchen Gründen, die er noch nicht bereit war, komplett zu hinterfragen, gab es ihm einen ziemlich Kick, dass sie dieses Halsband trug und sich an ihn schmiegte.
„Deine Verwandlungskünste sind wirklich brillant", lobte er sie und seine Lippen nippten an ihrem Ohr. Er spürte, wie ein Schauer durch ihren Körper fuhr und war ziemlich zufrieden mit der Situation.
Hermione spielte nervös mit dem Halsband, als sie das Bad verließen. Trotzdem fühlte es sich irgendwie gut an. Es war absolut bescheuert, dass es sich gut anfühlte, aber sie wollte dieses Gefühl noch etwas genießen. Hermione verwandelte ihre Kleidung wieder zurück und sie zogen sich an, bevor sie sich auf das Sofa vor dem Kamin setzten. Draco zog sie an seine Brust und Hermione lehnte sich an ihn. Seine Arme umfassten sie und sie fühlte sich beinah lächerlich glücklich als sie sich an seinen Körper kuschelte.
„Was machen wir jetzt?", wollte Draco wissen und Hermione rieb noch einmal ihre Nase an ihm, bevor sie über die Frage nachdachte.
„Es hat sich wenig verändert, oder?", fragte sie nach. „Wir müssen noch immer herausfinden wie du dein Dunkles Mal loswerden kannst."
Sie spürte Dracos nicken als er sagte: „Dieser Riss in der Seele, diese dunkle Magie, von der ich dir erzählt habe. Es wird alles verkomplizieren. Aber ich bin trotzdem der Meinung, dass wir das Ritual mit dem Koboldsilberdolch verstehen müssen, um überhaupt herauszufinden, ob es rückgängig gemacht werden kann."
„Aber wir werden es nicht ignorieren können. Ich weiß wenig über die Dunklen Künste, aber Magie, die durch Mord die Seele beeinflusst, ist nichts, was man einfach ignorieren kann", sagte Hermione ernst und setzte sich etwas auf, um ihn anzusehen.
Draco sah alles andere als glücklich aus, doch dann seufzte er tief und nickte.
„Wahrscheinlich hast du Recht. Ich habe einen Menschen ermordet und damit meiner Seele unrettbar Schaden zugefügt."
„Wir wissen nicht, ob es unwiderruflich ist. Es gibt für alles eine Lösung. Selbst für Horkruxe!", sagte Hermione und spürte, wie sie innerlich erstarrte. Sie durfte nicht über Horkruxe reden. Schon gar nicht in der Mehrzahl. Harry hatte es ihr anvertraut und sie hatte versprochen darüber zu schweigen.
„Ich weiß nicht viel darüber wie ein Horkrux entsteht. Klar ist, dass er durch Mord geschaffen wird. Aber ein Horkrux zersplittert eine Seele endgültig in zwei Teile. Das ist nichts, was mir geschehen ist. Meine Seele ist noch immer komplett", sagte Draco nachdenklich und runzelte die Stirn. Erleichtert atmete Hermione aus. Draco schien sich nichts dabei zu denken, dass sie wusste, was ein Horkrux ist. Dabei war ihr dieser Begriff in Hogwarts noch nie begegnet und sie hatte auch nichts darüber erfahren können, als Harry ihr davon erzählt hatte. Für Draco schien dieses Wissen irgendwie normal zu sein.
„Weißt du woher wir wissen über solche Magie bekommen? Das ist nichts, was sich so einfach in der Bibliothek finden lässt", sagte Hermione und Draco runzelte nachdenklich die Stirn.
„Ich glaube wir haben bei uns zuhause ein Buch, dass sich damit beschäftigt. Leider weiß ich nicht wie es heißt. Ich müsste suchen gehen. Oder wir schauen in der Bodleian Library der magischen Künste in Oxford,"
„Man braucht eine Sondergenehmigung, um in der Bodleian Library die Werke über die Dunklen Künste zu studieren", wandte Hermione ein. Sie war ein paar Mal dort gewesen. Es war die größte und älteste Bibliothek Englands und sie war jedes Mal wieder von ihr fasziniert gewesen.
Draco schnaubte nur als Antwort, bevor er nach ihrem Gesicht fasste und ziemlich belustigt seinen Knöchel über ihre Wange fahren ließ.
„Ich bin ein Malfoy. Ich brauche keine Genehmigung, wenn ich in einer Bibliothek Bücher lesen will. Die Stiftung, der ein Großteil der Bücher dort gehört, ist in unserem Familienbesitz und meine Großtante sitzt im Verwaltungsgremium. Wir werden keine Sondererlaubnis brauchen. Wir müssen uns mehr Sorgen darüber machen, dass man dich als muggelstämmig erkennen könnte, wenn wir zusammen in England unterwegs sind."
„Die Privilegien der Unantastbaren", sagte Hermione verstehend und Draco lächeln war mehr als selbstgefällig.
„Wir können diesen Zyklus hingehen. Es ist ohnehin zu spät, um den Dolch zu stehlen und noch einen Versuch zu wagen."
„Glaubst du, dass es überhaupt möglich ist? Was wenn Bellatrix Lestrange dich nächstes Mal wieder sieht", sagte Hermione besorgt.
„Daran habe ich auch schon gedacht", sagte Draco und seine Hand fuhr zu ihrem Hals und verharrte an dem Lederhalsband. Hermione spürte, wie er mit dem Daumen über ihre Kehle strich und erschauderte leicht.
„Komm mit", sagte er, als hätte er plötzlich einen Entschluss gefasst.
„Wohin gehen wir?", wollte Hermione wissen, während sie Draco aus dem Raum der Wünsche folgte.
„Die größte Dummheit meines Lebens begehen", schnaubte Draco und schloss die Tür hinter ihnen, die augenblicklich verschwand.
„Warte hier", sagte Draco, bevor Hermione etwas sagen konnte und begann drei Mal vor der Wand auf und ab zu gehen, bevor die Tür abermals erschien. Draco legte die Hand auf den Türgriff und atmete tief durch. Er zögerte, dann wandte er sich nochmals zu ihr um und musterte sie lange und gequält. Hermione bemerkte seinen Zwiespalt, sie trat auf ihn zu und nahm seine Hand in ihre. Besorgt sah sie zu ihm hoch.
„Was ist los?", wollte sie wissen.
„Wenn wir es nicht schaffen. Wenn die Zeitschleife endet und wir haben keinen Weg gefunden, wie ich mich den Befehlen des Dunklen Lords widersetzen kann, ohne das Leben meiner Familie zu riskieren. Wenn alle unsere Pläne scheitern. Wirst du zulassen, dass ich Dumbledore töte?"
Hermione wollte ihm im ersten Moment vehement widersprechen. Ihm sagen, dass sie drei Jahre hatten, um eine Lösung zu finden. Dass es eine Lösung geben musste, aber irgendwas sagte ihr, dass es die Frage nicht beantwortete. Ein Scheitern mit einzukalkulieren war nur realistisch und Draco war immer realistisch.
„Ja", versprach sie und sie fühlte sich schlecht, als sie das sagte. Sie fühlte sich schlecht Dumbledore und Harry gegenüber, weil sie es wirklich zulassen würde. Sie würde niemals Dumbledores kurzes von Fluch und Verfall gezeichnetes Leben, gegen das von Draco eintauschen.
Draco musterte sie mit gerunzelter Stirn.
„Ich muss das tun, ich hoffe du verzeihst mir", sagte Draco und Hermione wollte schon irritiert fragen, was er meinte, als sie plötzlich eine Präsenz in ihrem Kopf spürte. Sie war sanft und zärtlich und fühlte sich so anders an als alles, was sie bis jetzt kennengelernt hatte. Sie brauche einen Moment um diese Präsenz als Draco zu identifizieren. Draco griff gerade tatsächlich ihren Geist mit Legilimentik an.
Ihr erster Reflex war ihren Geist zu verschließen, Draco auszusperren, weil er sich einfach so Zutritt zu ihren Gedanken verschaffte. Sie hatte es ihm nicht erlaubt und doch verstand sie seine Angst irgendwie. Seinen Wunsch sicher zu gehen, dass er ihr vertrauen konnte. Mit Mühe unterdrückte sie den Impuls sich zu wehren. Draco sollte sehen, dass sie ihn nicht hinterging. Dass sie es ehrlich meinte und ihn liebte. Wenn er sich besser fühlte es durch Legilimentik in ihrem Geist zu lesen, dann sollte er es tun. Sie wollte es nicht vor ihm verbergen. Sie hatte tatsächlich keine Hintergedanken.
Hermione intensivierte den Augenkontakt den Draco für seine Legilimentik brauchte und öffnete ihren Geist. Hieß ihn willkommen in ihrer Gefühlswelt. Draco durchstöberte ihren Verstand nicht nach Informationen. Er versuchte nicht sie zu brechen oder auszuspionieren. Er verfolgte lediglich, dass Gefühl zurück, dass sie für ihn empfand, und es fühlte sich wahnsinnig intensiv an. Als würde sie gerade all ihre Emotionen noch einmal selbst durchleben.
Ihr Atem wurde immer schwerer und sie machte einen Schritt vor, um sich an Draco festzuhalten, während er noch immer zärtlich ihren Geist durchstreifte. Er griff eine Erinnerung. Wie sie auf der Karte des Rumtreibers dabei zusah, wie er sich mit Padma Patil traf und vor Eifersucht und Schmerz weinte. Er konnte es wissen. Sie hatte ihm mehr offenbart als das.
Draco hatte sich auf einen Kampf eingestellt, als er ohne zu fragen in ihren Geist eingedrungen war. Es war nichts, was er vorher mit ihr getan hatte. Sie war eine Okklumens. Sie musste es spüren und plötzlich geschah etwas, womit er nicht gerechnet hatte. Anstatt es nicht zu bemerken, wie es ungeübte Zauberer und Muggel taten oder sich ihm zu verschließen, wie es Okklumenten tun sollten, öffnete sie ihren Geist nur noch weiter und er musste nicht mal in ihren Verstand einbrechen. Sie gab sich seinem Bedürfnis nach Absicherung einfach hin. Er hatte nicht gewusst, wie sich sowas anfühlte. Sich frei im Geist eines anderen Menschen bewegen zu können und dabei begleitet zu werden. Er sichtete ihre Emotionen für ihn und da war keine Falschheit in ihr. Sie liebte ihn mit einer Hingabe die Draco beinah unheimlich war. Diese Art, wie sie sich seiner Legilimentik hingab, wie sie sich ihm immer hingab. Vielleicht würden es manche als Schwäche verstehen, anderen Menschen zu vertrauen. Aber er, der er nie gelernt hatte zu vertrauen verstand was für eine Stärke dahinterstand.
Sanft beendete er die Erkundung ihres Geistes und konzentrierte sich wieder mehr auf ihr Gesicht vor sich. Sie hatte ihre Hände sanft auf seine Brust gelegt und Draco wusste nicht, seit wann er sie an der Hüfte hielt, aber sie war ihm unglaublich nah. Näher als er sich jemals einem Menschen gefühlt hatte. Sie vertraute ihm. Sie vertraute ihm, sodass sie ihn sogar in ihren brillanten Verstand eindringen ließ. Ganz ohne Gegenwehr. Nur voller Hingabe. Die Erkenntnis sorgte dafür, dass er eine Gänsehaut bekam. Er selbst konnte niemandem vertrauen, hatte er nie und jetzt in ihrem Geist zu sein durchdrang ihn vollkommen. Machte ihm klar wie unendlich kostbar sie war.
„Es liegt nicht in meiner Natur zu vertrauen", sagte Draco fast entschuldigend und Hermione lächelte gutmütig zu ihm auf. Er spürte ihre liebevollen Emotionen und es war wie Balsam auf seiner geschundenen Seele. Sanft löste er die Legilimentik.
„Ich habe nie einem Menschen vertraut, so wie du Potter vertraust. Ich bin es gewohnt, überall Hintergedanken und Verrat zu erwarten", fügte er hinzu und Draco spürte, wie sie ihre Hand sanft auf seiner Brust bewegte. Kleine Kreise in den dünnen Stoff malte, während sie zu ihm hinaufsah.
„Ich dachte du vertraust deiner Mutter", sagte Hermione und Draco schlaubte verächtlich. „Würdest du deinen Eltern blind vertrauen? Ich glaube sie will das Beste für mich, aber ich bin mir nicht sicher, ob wir uns einig sind, was das Beste für mich ist."
Hermione sah nach unten und nickte, als würde sie verstehen. „Und dein Vater?", wollte sie wissen.
„Das ist schwierig", sagte er und wusste nicht, wie er sein Verhältnis zu seinem Vater am besten beschreiben sollte. Er respektierte seinen Vater. Hatte er immer getan. Er war ihr Familienoberhaupt, aber ihm fehlte die emotionale Nähe zu ihm. Sein Vater war es gewesen, der entschieden hatte seinen Bruder wegzuschicken und es war nur dem Eingreifen seiner Mutter zu verdanken, dass er seine Erinnerungen an ihn hatte behalten dürfen. Seiner Mutter und seinem Gehorsam.
„Was ist mit Crabbe und Goyle", fuhr sie fort und Draco hob ihr Gesicht an, damit sie ihn wieder ansah.
„Sie sind nicht was ich als Freunde empfinde. Sie gehorchen mir. Auf eine Art wie ein Mensch einem anderen gehorcht zu dem er aufsieht. Ich fühle mich ihnen eher verpflichtet, als dass ich ihnen vertrauen würde."
Crabbe und Goyle hatten immer führungssuchend zu ihm aufgeschaut und er hatte es einfach als normal empfunden, dass sie alles taten, was er wollte. Es hatte ihn aber auch gelehrt, dass er sich immer genau überlegen musste, was er von ihnen forderte. Macht über andere zu haben, hieß auch immer Verantwortung für sie zu tragen.
„Zabini? Nott?", fuhr Hermione fort und jetzt musste Draco tatsächlich grinsen.
„Wir verstehen uns. Mit Zabini besser als mit Nott. Aber ich würde für keinen von Beiden meine Hand ins Feuer legen. Die einzige Person, die mir vielleicht noch irgendwie nahe steht, ist Pansy. Aber Pansy ist sich immer selbst die Nächste. Es liegt nicht in ihrer Natur etwas für irgendjemanden zu tun außer für sich selbst. Pansy bedeutet nur Pansy selbst etwas."
„Ich dachte ihr wart mal zusammen", sagte Hermione und irgendwie wirkte sie verblüfft.
„Nicht, dass ich jemals etwas für sie empfunden habe. So wie ich etwas für dich empfinde. Sie wollte mit mir zusammen sein, weil ich nun mal ich bin. Ich hatte nichts dagegen, weil es einfach war. Aber wir… Sagen wir, wir haben nicht zusammengepasst."
Draco sagte das alles so neutral. So als würde es nichts bedeuten, dass es niemanden um ihn herum gab, dem er vertraute. Wie hatte er mit Pansy Parkinson zusammen sein können, wenn er sie nicht geliebt hatte. Hermione war es unerklärlich.
Hermione dachte an ihre eigenen Freunde. Sie vertraute Harry. Harry mehr als Ron und sie vertraute Ginny und Fred. George auch. Hermione dachte an Neville und Luna und wie sie im Ministerium zusammengehalten hatten. Sie würde ihnen ihr Leben anvertrauen. Sie hatte es bereits getan. Plötzlich wurde ihr bewusst wie anders ihr Leben als Dracos war. Ja, sie haderte mit ihrem Leben. Nicht alles war immer einfach. Aber sie war nicht allein. Außerhalb dieser Zeitschleife hatte sie Freunde, die immer für sie da waren.
„Du kannst mir vertrauen", sagte Hermione und legte ihre Hand in seinen Nacken. Streichelte sanft die dünnen feinen Haare seines Haaransatzes.
„Ich weiß nicht, ob ich jemals jemandem vollkommen vertrauen kann. Ich wurde dazu konditioniert niemals einem Menschen zu trauen", sagte Draco und irgendwie fand Hermione den Gedanken unendlich traurig.
„Du darfst mit Legilimentik in meine Gedanken eindringen, wenn es dir dabei hilft. Ich bitte dich nur von allem Abstand zu nehmen was mit Informationen über Harry und den Krieg zu tun hat. Kannst du diese Grenze akzeptieren?"
„Du willst mich einfach jederzeit mit Legilimentik in deinen Verstand einbrechen lassen?", fragte Draco fassungslos.
„Ich erlaube es dir. Du wirst spüren, wenn du an meine Grenzen stößt, und ich würde dich bitten das zu akzeptieren. Das ist das Vertrauen, das ich dir entgegenbringe."
Draco schien noch immer vollkommen fassungslos über ihr Angebot. Es erschien ihr nicht weiter schlimm. Sie hatte ihm mehr von sich offenbart als sie selbst von sich gewusst hatte. Sie war wirklich der Meinung, dass Draco es nicht ausnutzen würde. Vielleicht war der Gedanke naiv. Aber sie glaubte ihn mittlerweile gut genug zu kennen.
„Ich weiß nicht, ob ich das kann", sagte Draco überfordert und Hermione runzelte nachdenklich die Stirn.
„Warum nicht?", wollte sie wissen.
„Also, deine Grenzen kann ich akzeptieren. Aber ich weiß nicht, ob ich das überhaupt will. Ich weiß nicht, ob es mir nicht zu extrem ist."
Hermione legte belustigt den Kopf schief. Eben gerade noch hatte er es getan ohne sie um Erlaubnis zu bitten und jetzt, wo sie es ihm anbot, wollte er nicht.
„Du musst es nicht tun. Es ist nur ein Angebot, das du es darfst." Sie sah zu ihm auf und irgendwie schien er wahnsinnig verunsichert.
„Ich vertraue dir, Draco", fügte sie hinzu.
„Das ist Wahnsinn", murmelte Draco und legte seine Stirn gegen ihre. Vertrauensvoll schloss Hermione die Augen. Sie vertraute ihm wirklich. Das war ziemlich verrückt. Aber Draco hatte bis jetzt nichts getan, um ihr Vertrauen zu missbrauchen und er hatte wahrhaft genug Möglichkeiten gehabt.
„Aber aus irgendwelchen Gründen, die mir vollkommen unklar sind, will ich dir auch vertrauen. Es ist nur nicht so leicht. Ich hätte nicht einfach Legilimentik gegen dich anwenden dürfen, aber ich konnte nicht anders", sagte Draco und zog sie eng an sich. Sie spürte seinen Herzschlag an ihrem Ohr, als er ihren Kopf an seine Brust drückte und sein Puls raste. Ihr war es gar nicht so bewusst gewesen, aber Draco schien tatsächlich ziemlich Angst zu haben.
„Komm mit", sagte er schließlich und löste sich von ihr. Er legte seine Hand auf die Türklinke zum Raum der Wünsche und als er sie öffnete erkannte Hermione den Raum mit den versteckten Gegenständen in den er sie geführt hatte, als sie noch dachte, sie wäre allein in der Zeitschleife.
„Was ist hier?", wollte sie wissen, als sie Draco durch die labyrinthartigen Gänge aus kaputten oder verbotenen Gegenständen folgte. Er hielt sie bei der Hand und sie spürte, dass sie schweißnass war.
„Ein Weg aus Hogwarts hinaus", sagte Draco erklärend und blieb stehen. Einen Moment zögerte er und fügte hinzu. „Und auch wider hinein."
„Ein Weg nach Hogwarts?", wiederholte Hermione erschrocken und Draco nickte. Er deutete nach vorne auf einen großen dreieckigen Schrank und Hermione versuchte zu erraten, was es war.
„Das Verschwindekabinett", sagte Draco erklärend. „Die Weasley Zwillinge haben Montague letztes Jahr darin eingeschlossen und er hat mir erzählt, dass er manchmal gedacht hat er würde Menschen sprechen hören. Erwachsene, keine Schüler. Es stellt eine Verbindung zwischen Hogwarts und seinem Gegenstück her. In der Nokturngasse bei Borgin & Burkes."
„So kannst du Hogwarts verlassen, ohne deinen Besen benutzen zu müssen", sagte Hermione verstehend und Draco nickte.
„Momentan ist es noch kaputt. Ich brauchte Zeit, um herauszufinden wie ich es reparieren kann. Dafür die Zeitschleife. Aber jetzt kenne ich die richtigen Zauber und kann es in Gang setzen. Es soll mir ermöglichen Todesser nach Hogwarts einzuschleusen, wie der Dunkle Lord es mir befohlen hat. Und dann, mit ihrer Hilfe, Dumbledore zu töten."
Hermione musterte Dracos Gesicht im Seitenprofiel, wie er mit zusammengebissenen Zähnen das Verschwindekabinett musterte. Dies war es also. Der Grund für die Zeitschleife. Sein Plan Dumbledore zu töten und auch der Grund warum er ihr gedroht hatte sie an ihn auszuliefern. Hermione wusste, er würde sie nicht ausliefern. Denn er hatte sie getötet, um sie vor ihm-dessen-name-nicht-genannt-werden-durfte zu retten.
„Ich habe nicht gewusst, dass das Verschwindekabinett einen Weg nach draußen herstellt", sagte Hermione und Draco lachte zynisch.
„Niemand weiß es. Deshalb wird es auch funktionieren. Einzig Potter glaubt, dass ich etwas im Schilde führe. Aber er kommt nicht hier rein, solange er nicht weiß, wo ich bin."
„Ja", stimmte Hermione zu und musterte das Verschwindekabinett. „Ich habe den zweiten Teil des Verschwindekabinetts bei Burgin & Burkes gesehen. Wir sind dir im Sommer von der Winkelgasse aus gefolgt. Aber ich habe nicht verstanden, was es ist."
Draco warf ihr einen undeutbaren Blick zu, bevor er abfällig schnaubte. „Potter war schon immer viel zu neugierig. Aber er hat keine Ahnung von meinem Auftrag, oder?", fragte er und musterte sie eindringlich. Hermione fühlte sich unbehaglich unter seinem Blick.
„Nein. Er ahnt nichts. Harry glaubt, du bist ein Todesser und dass du irgendwas für du-weißt-schon-wen tun sollst. Er hat belauscht, dass Snape einen Unbrechbaren Schwur geleistet hat dich zu beschützen, aber mehr weiß er nicht. Mehr ahnt er nicht und keiner glaubt ihm", sagte Hermione und irgendwie fühlte es sich ein kleines Bisschen wie Verrat an, Draco all dies zu erzählen.
„Dann weiß er doch mehr als ich vermutet hatte."
„Harry scheint es zu spüren, wenn komische Dinge vor sich gehen", stimmte Hermione zu.
„Es ist meine Schuld, dass Bell und Weasley verletzt wurden. Potter hatte auch damit recht", fügte Draco hinzu und Hermione hätte zu gerne gewusst, was in ihm vorging. Sie spürte, wie seine Hand ihre fester umfasste, als würde er befürchten, dass sie sich jeden Moment losreißen würde.
„Warum… Warum hast du das riskiert?", wollte Hermione wissen und trat jetzt vor ihn, damit sie ihn ansehen konnte. Sie legte ihre freie Hand auf seine Brust und spürte seinen schnellen Herzschlag.
„Angst", gab Draco zu und sie bemerkte sein Unbehagen. „Ich dachte, dass ich es nicht schaffen würde, das Verschwindekabinett zu reparieren. Auch jetzt noch habe ich Angst. An diesem Plan kann so viel schief gehen. Ich habe meinen Vater in Askaban besucht und er riet mir es anders zu versuchen. Das der Dunkle Lord zufrieden sein würde, wenn Dumbledore nur Tod wäre, egal wie ich es schaffen würde. Ich wollte nicht, dass jemand verletzt wird. Weder Bell noch Weasley oder sonst jemand. Ich will auch nicht das Dumbledore verletzt wird."
Draco wusste nicht, warum er weitersprach. Warum er ihr alles offenbarte. Sein Herz raste vor Panik, aber irgendwie fühlte es sich gut an ihr alles zu erzählen. Ihr einfach alles anzuvertrauen was ihn quälte. Vielleicht war das Vertrauen. Dieses wahnsinnig beängstigende und gleichzeitig warme Gefühl.
Aber war das Vertrauen? Wenn er sich vorher vergewissert hatte, dass sie ihm nichts vorspielte, ihn nicht betrog? Er wusste es nicht. Aber er wusste, dass sie ihn nicht verraten würde. Das war alles was zählte.
„Ich weiß", sagte Hermione sanft und schmiegte ihr Gesicht an seine Brust. Draco vergrub seine Nase in ihrem wunderbar lockigen Haar und egal ob es Vertrauen war oder nicht. Es fühlte sich an, als hätte ihm jemand eine Last von den Schultern genommen. Auch wenn sich nichts verändert hatte. Die Welt war noch immer die Gleiche.
„Du solltest dich irgendwann entschuldigen", sagte Hermione irgendwann und Draco tat so, als hätte er es überhört. Er hatte wenig Lust sich zu entschuldigen. Es hieße einzugestehen, dafür verantwortlich zu sein. Es hieße einzugestehen einen Fehler gemacht zu haben.
„Draco", hörte er Hermiones tadelnden Tonfall und sie löste sich von ihm, um ihn anzusehen. Sie sah mehr als vorwurfsvoll aus. „Es war reines Glück, dass niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist. Du kannst nicht so tun, als wäre es egal."
„Potter hat sich auch nie entschuldigt, dass er versucht hat mich zu ermorden. Und weil er Dumbledores Auserwählter ist, zieht keiner ihn wirklich zur Rechenschaft. Er braucht es nicht mal verheimlichen, was er getan hat. Sie lassen ihm alles durchgehen", wandte Draco ein und Hermione spitzte missbilligend die Lippen.
„Ich weiß und ich finde es nicht richtig. Das weißt du. Trotzdem kannst du das nicht vergleichen. Ron wäre Tod, wenn Harry nicht zufällig einen Bezoar gehabt hätte."
„Ich wäre auch Tod, wenn Potter nicht versucht hätte mich mit einem von Snapes eigenen Flüchen zu ermorden. Ich hatte verdammtes Glück, dass die einzige Person, die mich retten konnte, zufällig die Erste war, die aufgetaucht ist."
Draco bemerkte wie Hermione augenblicklich blass wurde. Sie hatte es nicht gewusst wurde ihm klar. Sie hatte nicht gewusst, wie knapp es wirklich gewesen war.
„Snapes eigener Fluch", wisperte Hermione entsetzt und sah ihn erschrocken an.
„Snape hat viele Zaubersprüche erfunden. Er ist ein brillanter Zauberer und sehr bewandert in den Dunklen Künsten. Sectumsempra ist nur einer davon", sagte Draco erklärend.
Hermione sah so aus, als würde ihr Verstand rasen, dann sah sie ihn mit durchdringendem Blick an.
„Wer ist der Halbblutprinz?", fragte sie, als würde es wichtig sein, doch Draco wusste nicht, was sie meinte. Sie hatte schonmal vom Buch des Halbblutprinzen gesprochen. Potter gegenüber. Schon damals hatte er es nicht verstanden.
„Ich weiß es nicht. Wer sollte das sein?"
„Harry hatte ein Buch, ein altes Zaubertrankbuch. Daraus hat er den Zauberspruch Sectumsempra. Er stand auf einer Seite. Draufgekritzelt als kleine Notiz."
„Potter hat einen Zauber angewendet, von dem er nicht wusste, was er tut?", fragte Draco entsetzt und er musste hart schucken als ihm Bewusst wurde, wie verdammt viel Glück er gehabt hatte.
„Ja und das Buch gehörte dem Halbblutprinzen", sagte Hermione und sah ziemlich verärgert aus. „Ich habe versucht herauszufinden, wer das ist. Aber alles, was ich gefunden habe ich eine Eileen Prince die einmal ihr Hogwarts gewesen war. Lange vor unserer Zeit."
„Ich weiß nicht wer der Halbblutprinz ist oder wer Eileen Prince ist. Aber ich weiß, dass Snape diesen Zauber erfunden hat, als er selbst noch Schüler hier auf Hogwarts gewesen ist. Du kannst ihn fragen, wenn du willst. Vielleicht weiß er, wer das ist. Du bist schließlich gut darin ihn auszuquetschen. Todesser manipulieren ist eindeutig etwas, was dir liegt."
Draco bemerkte wie Hermione etwas verlegen nach unten sah und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Mein süßes, verführerisches Schlammblutmädchen", wisperte er ihr dunkel ins Ohr und sie biss sich tatsächlich verlegen auf die Unterlippe. Sie war zu niedlich.
Draco konnte nicht widerstehen ihre Lippen von ihren Zähnen zu befreien und sie stattdessen hingebungsvoll zu küssen.
