Kapitel 60
Verantwortung
[mit einer bestimmten Aufgabe, einer bestimmten Stellung verbundene] Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass (innerhalb eines bestimmten Rahmens) alles einen möglichst guten Verlauf nimmt, das jeweils Notwendige und Richtige getan wird und möglichst kein Schaden entsteht
Nervös knetete Hermione ihre Hände. William war wieder bei Bewusstsein und der Arzt bei ihm im Behandlungszimmer.
Wie hatte die Situation nur so eskalieren können. Draco lehnte mit verschränken Armen an der Wand und starrte düster vor sich hin. Sie hatte ihm versprochen das sie gehen würden, sobald klar war, dass William nichts geschehen war. Sie konnte ihm kaum einen Vorwurf machen. William hatte zuerst zugeschlagen und Draco sich nur verteidigt. Sie war fast sicher das Magie mit ihm Spiel gewesen war. Ihr Heilzauber hatte mehrere gebrochene Rippen gerichtet. Das war nichts, was ein Muggel mit Dracos Statur mit einem Schlag anrichten konnte.
Grimmig leckte Draco an seiner Unterlippe, die aufgeplatzt war. Hermione trat zu ihm und legte eine Hand auf seine verschränken Arme.
„Ich heile das, sobald wir hier weg sind", versprach sie und strich sanft über seine Verletzung. Draco schnaubte nur verächtlich und schnappte nach ihren Fingern. Er biss sanft in ihren Zeigefinger und zog sie in seine Arme. Hermione legte ihren Kopf an seine Brust und ließ zu, dass er die Arme hinter ihrem Rücken verschränkte und sein Gesicht in ihren Haaren vergrub.
„Ich hätte dich nicht bitten sollen das Halsband zu tragen. Ich dachte nicht, dass das so eskalieren könnte. Ich wusste nicht das Muggel sowas erkennen würden", sagte Draco und irgendwie klang er ungewohnt reuevoll.
„Es ist nicht deine Schuld. William ist ein Idiot und ich habe keine Ahnung, warum er auf dich losgegangen ist", erwiderte Hermione ärgerlich.
„Naja, wenn das Halsband in der Muggelwelt die gleiche Bedeutung hat, wie in der Zaubererwelt… Meinst du nicht er könnte denken, dass ich dich an Ketten im Kerker aufhänge und auspeitsche?", wollte Draco zynisch wissen und Hermione konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Das tust du nicht", widersprach sie und sah hoch in sein Gesicht. Irgendwie vermochte sie Dracos grinsen nicht zu deuten. Es war irgendwie seltsam und er rieb mit seiner Nase über ihre Wange, bevor er ihr leise ins Ohr wisperte.
„Und wenn ich es gerne tun würde? Würdest du es mich tun lassen?"
Hermione spürte, wie ihr eine leichte Gänsehaut über den Rücken kroch bei dem Gedanken er könnte es tun. Entfernt erinnerte sie sich an ein Trinkspiel, dass sie vor Monaten in dieser Zeitschleife gespielt hatten. Dabei war es in Dracos perversesten Fantasien auch um einen Kerker gegangen. Kurz fragte sie sich ob seine Fantasien noch immer die gleichen waren. Ihre war es wahrscheinlich nicht. Sie glaubte sich mittlerweile verdammt viel mehr perverse Dinge vorstellen zu können die Draco mit ihr tun könnte. Und sie konnte sich ziemlich gut vorstellen, dass er sie im Kerker ankettete.
„Die Peitsche wäre neu", erwiderte Hermione und Draco lachte leise. Seine Hand fuhr zu ihrem Hintern und umfasste ihre rechte Pobacke. Nur zu gut spürte sie ihre geschundene Haut unter ihrer Hose. Etwas verlegen senkte sie den Blick.
„Ich würde es dich tun lassen", antwortete sie und stellte fest, dass sie sich wünschte das er es tatsächlich tat. Es gab viele abgeschiedene Räume in den Kerkern von Hogwarts die nur selten jemand betrat.
„Wahrscheinlich habe ich die Schläge verdient, oder?", fragte Draco mit schiefem Grinsen. „Ich bin der perverse Kerl, der seine süße, kleine, schützenswerte Cousine schlägt."
„Ich bin nicht klein", widersprach Hermione und Draco sah nur mit heraufgezogener Augenbraue zu ihr hinab. Er war einen Kopf größer als sie. Im Vergleich zu ihm war sie wahrscheinlich klein. Was aber eher daran lag, dass Draco einfach ziemlich groß war. „Okay. Aber so schützenswert bin ich nicht. Ich kann gut auf mich aufpassen", erwiderte Hermione und daraufhin musste Draco leise lachen.
„Aber süß bist du", erwiderte er und Hermione gab ihm dafür einen Kuss.
Die Tür ging hinter ihnen auf und als Hermione sich umdrehte sah sie den Arzt aus dem Behandlungszimmer kommen.
„Wie geht es ihm?", wollte sie besorgt wissen.
„Wir haben ein MRT gemacht und keine Blutungen gefunden. Eine kleine Platzwunde, wo er auf die Straße aufgeschlagen ist, ist alles. Sie können jetzt zu ihm Miss Granger."
Hermione nickte und trat durch die Tür. William saß auf einer Liege und steckte gerade sein Handy weg. Draco trat hinter ihr in den Raum und schloss die Tür.
„Ich habe deine Mutter angerufen", sagte William, als er sie bemerkte und Hermione verschränkte ärgerlich die Arme vor der Brust.
„Dazu hast du kein Recht. Ich habe nichts getan, dass dich befugt auf meinen Freund loszugehen und meine Mutter aus der Arbeit hierher zu zitieren."
„Du lässt dich von einem Kerl missbrauchen", erwiderte William ungehalten und jetzt wurde sie wirklich wütend.
„Draco missbraucht mich nicht. Ich habe keine Ahnung, was du von uns denkst, aber alles zwischen uns ist absolut einvernehmlich!"
„Also willst du, dass er dich verprügelt? Willst du, dass er dich totschlägt, ist das deine neue Art Selbstmord zu begehen. Willst du es ihn tun lassen, nachdem du es selbst nicht geschafft hast!"
Draco brauchte einen Moment, um den Sinn von Williams Worten zu begreifen, während Hermione fauchend einen Schritt auf ihren Cousin zumachte.
„Du hast keine Ahnung von meinem Leben. Du hast keine Ahnung, wer ich bin. Wie kannst du es wagen über mich zu urteilen!"
„Ich war es, der den Notarzt gerufen hat. Ich weiß ganz genau, was du getan hast!"
„Du bist nur ein elender Versager, der sein eigenes Leben nicht auf die Reihe bekommt." Hermiones Stimme überschlug sich beinah vor Raserei. Er hatte sie noch nie so wütend gesehen. Er war sich nicht mal sicher, dass sie so wütend gewesen war, als sie ihn ermordet hatte. „Du fällst durch alle Prüfungen", schrie sie weiter, „treibst dich in der Weltgeschichte herum und legst jedes Mädchen flach, dessen du habhaft wirst. Glaubst du ich bin blind, nur weil ich es dir nicht dauernd vorhalte!"
„Wenn du gestorben wärst, wäre es meine Schuld gewesen. Ich hätte auf dich aufpassen sollen. Hast du dir jemals überlegt, was es für mich bedeutet hätte, wenn du gestorben wärst", erwiderte William und auch er war jetzt aufgesprungen. Draco hatte das Gefühl, dass sie ihn über ihren Streit vollkommen vergessen hatten. Er fühlte sich fast wie ein unbeteiligter Zuschauer, der hier nicht hingehörte.
„Immer geht es nur um dich. Deine ganze Welt dreht sich um dich und ich bin deine Ausrede für dein armseliges Versagen! Diesen Schuh ziehe ich mir nicht an. Du bist ein Granger. Wenn dich das aus der Bahn wirft, dann bist du ein Schwächling!"
Hermiones Worte schienen getroffen zu haben, denn William wurde blass und bevor Hermione ihn weiter beschimpfen konnte ging die Tür auf.
Draco wandte sich um und eine gut gekleidete Frau betrat den Raum. Sie hatte langes schwarzes Haar, trug einen engen Bleistiftrock mit weißer Bluse und hohe Schuhe. Draco musterte ihr Gesicht und irgendwie kam sie ihm bekannt vor. Als hätte er sie schonmal gesehen.
„Mum", sagte Hermione, die sich ebenfalls zur Tür umgewandt hatte und Draco fiel ein, wo er die Frau schonmal gesehen hatte. Es war in der Winkelgasse gewesen. Kurz vor seinem zweiten Schuljahr.
Hermione wich einen Schritt zurück und stieß fast mit ihm zusammen. Behutsam legte er einen Arm um ihre Hüfte und ihr Blick flackerte zu ihm. Sie sah ziemlich verunsichert auf. Er griff nach ihrer Hand und drückte sie und sofort schien sich Hermione wieder etwas zu entspannen.
Es war nicht zu übersehen, dass die Situation ihr unangenehm war und es war nicht zu übersehen, dass sie überall auf der Welt jetzt lieber wäre als genau hier. Zwischen ihrer Mutter, ihrem Cousin und ihm.
„Hallo Mione", sagte ihre Mutter und trat in den Raum. Sie hatte einen aufrechten selbstbewussten Gang. Draco spürte ihren Blick einen Moment auf sich, dann auf Hermione. Er glaubte beinah zu sehen, wie ihre Augen über das Halsband huschten und sie die Stirn runzelte, bevor sie sich an William wandte.
„Ich habe mit dem Arzt gesprochen, William. Es ist nichts Ernstes du kannst wieder in die Uni gehen. Soweit ich weiß, hast du Vorlesung."
Draco bemerkte Williams Unbehagen bei dem Wort Uni. „Ich war eigentlich auf dem Weg, Barbara. Gut, dass du so schnell kommen konntest. Ich mache mir wirklich Sorgen um Mione."
„Ich kümmre mich drum", sagte sie abweisend und warf William einen auffordernden Blick zu. Draco beobachtete, wie er den Raum verlies. Nicht ohne noch einen kurzen besorgten Blick zurückzuwerfen.
„Mione, ich würde gerne mit dir allein reden", sagte Hermiones Mutter und musterte ihre Tochter eindringlich. Draco spürte, wie sich sie versteifte.
Er drückte ihre Finger, die er noch immer in der Hand hielt.
„Soll ich draußen warten?", fragte er und wusste nicht, ob es eine gute Entscheidung war zu gehen. Aber er an ihrer Stelle hätte auch allein mit seiner Mutter gesprochen.
„Ja, ich denke, das ist besser", sagte Hermione mit einem unsicheren Lächeln und er nickte ihr zu. Er drückte leicht seine Hand auf ihren Rücken, bevor er den Raum verließ und die Tür hinter ihm ins Schloss fiel.
Hermione fühlte sich unwohl, als Draco die Tür hinter sich zu zog. Am liebsten wäre sie ihm einfach hinterhergelaufen um mit ihm zusammen zu disapparieren. Aber sie würde sich schlecht fühlen ihre Mutter hier stehen zu lassen. Hermione wusste, dass ihre Mum immer viel zu tun hatte und trotzdem war sie nur für sie hierhergekommen. Wahrscheinlich hatte sie alles stehen und liegen lassen und war sofort aufgebrochen. Ihr Büro lag zwei Gebäude weiter.
„William hat angerufen und gesagt, dass du dich von deinem Freund misshandeln lässt", sagte ihre Mum ganz neutral und Hermione spürte ihren prüfenden Blick auf sich. Sie hasste diesen Blick. Ihre Mutter hatte ihn ihr immer zugeworfen, wenn sie prüfen wollte, ob sie schon wieder von Magie sprach.
„Draco misshandelt mich nicht. In keiner Form. Wir lieben uns", widersprach sie und verschränkte die Arme vor der Brust. Sie fühlte sich wieder wie ein kleines Kind, dass ihrer Mutter versuchte zu beweisen, dass es Magie gab. Sie hatte nur keinen Beweis.
„Praktiziert ihr BDSM?", fragte ihre Mutter geradeheraus und Hermione presste die Lippen zusammen, atmete zittrig ein. Keiner von ihnen hatte bis jetzt diesen Begriff auch nur ansatzweise benutzt. Sie war sich nicht mal sicher, ob Draco damit etwas anfangen konnte. Es hatte auch nie eine Rolle gespielt. Sie hatten sich einfach ausprobiert, in einer Welt, in der es keine Konsequenzen gab. Hatten getestet was ihnen gefiel, waren dabei Grenzen auszuloten. Hermione wollte das nicht definieren. Es zu definieren hieße sich mit noch mehr auseinandersetzen zu müssen als nur mit ihnen beiden.
Hermione wusste, aus was für einer Szene das Zeichen kam, das sie um den Hals trug. Selbst für Muggel. Es war der Grund, warum sie es für Draco angelegt hatte. Aber sie trug es nicht offen, weil sie in diese Schublade gehören wollte. Sie trug es, weil es Draco geil machte sie so zu sehen. Weil er es immer anstarren musste und sie bemerkte, dass es ihm wahnsinnig gefiel. Das er am liebsten wider ein Seil hindurchspannen und sie an sich binden wollte. Sie wollte das, unbedingt.
„Ich weiß es nicht. Sowas in der Art vielleicht", antwortete Hermione so wahrheitsgemäß wie möglich. Was sollte sie es verleugnen. Es würde die Situation nicht besser machen.
Ihre Mutter musterte sie Sorgenvoll und seufzte tief. „Ich will dir nichts wegnehmen, Mione und ich will dir auch keine Vorschriften machen, was du mit deinem Freund tust. Wir wissen beide, dass du nach eurer Gesetzgebung erwachsen bist. Aber für mich bist du noch mein kleines Mädchen. Also sag mir bitte ehrlich, wie es dir geht."
„Mir geht es gut", antwortete sie sofort und es war die Wahrheit.
„Ich würde dich gerne untersuchen lassen und wenn alles gut ist, dürft ihr gehen, okay?", sagte ihre Mutter und in Hermiones Magen bildete sich ein großer Eisklumpen.
„Draco tut nichts gegen meinen Willen. Alles zwischen uns ist einvernehmlich", erwiderte sie und hörte ganz deutlich, wie ihre Stimme vor Panik etwas höher wurde. Nur zu gut wurde sie sich bewusst, wie ihr Körper auf andere wirken könnte. Es war noch keine vier Stunden her, dass sie im Raum der Wünsche zusammen gewesen waren.
„Das habe ich auch nie behauptet", sagte ihre Mutter einfühlsam und Hermione war sich nicht sicher, was sie von der Situation halten sollte. Ihre Mutter wirkte aufrichtig besorgt. „Ich möchte nur sicher gehen, dass du nicht verletzt bist."
Hermione fasste unwillkürlich nach ihren geröteten Handgelenken und wünschte sich sie würde etwas Langärmliges tragen, damit man es nicht sah.
„Ich bin nicht verletzt", erwiderte sie störrisch.
„Dann gibt es keinen Grund eine Untersuchung abzulehnen. Ich mache mir nur Sorgen um dich. Ich werde nicht darüber urteilen, was du mit deinem Freund tust, mit keiner Silbe, versprochen. Ich will lediglich sicher gehen, dass du unversehrt bist."
Hermione presste die Lippen zusammen. Es klang viel zu vernünftig. Sich dagegen aufzulehnen, sorgte dafür, dass sie sich wie ein störrisches kleines Kind fühlte. Sie hasste es sich so zu fühlen.
„Wenn es dir gut geht, wird auch nichts sein. Tu mir den Gefallen, wenn ich schon extra hergekommen bin. Du weißt, dass ich immer viel zu besorgt wegen dir bin."
Geschlagen seufzte Hermione auf.
„Okay", stimmte sie zu.
Draco saß auf einer Stuhlreihe gegenüber der Tür, hinter der er Hermione und ihre Mutter zurückgelassen hatte. Am liebsten hätte er an der Tür gelauscht, aber hier in einem Muggelkrankenhaus zu zaubern konnte gefährlich sein. Also hatte er keine Ahnung, was sie besprachen. Es dauerte für seinen Geschmack viel zu lange. Er wusste nicht so recht, was er von der ganzen Situation halten sollte. Er wusste von den Unstimmigkeiten und Problemen zwischen Hermione und ihrer Familie. Aber von einem versuchten Selbstmord hatte er nichts gewusst. Er konnte es sich irgendwie kaum vorstellen. Sie wirkte nicht wie jemand der sterben wollte. Im Gegenteil. Sie war neugierig, lebenslustig, interessierte sich für alles und hatte viel zu viel Energie. Nichts an ihr wollte sterben. Aber es musste wohl auch einmal andere Zeiten gegeben haben.
Die Tür vor ihm ging auf und Hermiones Mutter kam raus. Draco beobachtete ihren Gang, die wiegenden Schritte und stellte fest, dass Hermione ihre Figur von ihrer Mutter geerbt hatte. Sie hatten die gleiche Statur, die breite Hüfte und die große Oberweite. Nur das Mrs Granger nichtmehr so zierlich wirkte wie ihre Tochter. Sie kam direkt auf ihn zu und musterte ihn ernst. Draco stand auf. Bereit zu verteidigen, was immer sie ihm vorwerfen würde.
Unwirsch hielt sie ihm einen braunen Hefter entgegen.
„Das ist für dich, dass du dir darüber klar wirst, was du für eine Verantwortung meiner Tochter gegenüber hast", sagte sie und Draco war vollkommen verdutzt. Er wollte gerade etwas erwidern, als sie in unwirschem Ton fortfuhr. „Ihr körperliches Wohl liegt in deinen Händen und ich hoffe du bist dir dessen bewusst."
Sie drückte Draco den Hefter in die Hand und er schlug ihn perplex auf. Auf der ersten Seite waren Stichpunkte in einer ziemlich schnellen Handschrift festgehalten worden.
Er überflog die Stichpunkte und auch wenn er nicht alles verstand sorgte es dafür, dass er sich ziemlich unwohl fühlte. Läsion 1, Mamille, dexter, lateral stand dort und Draco hatte genug Anatomie in Verwandlung gehabt, um zu verstehen, was damit gemeint war. Er wusste nur zu genau, wo er Hermione heute Morgen beim Sex gebissen hatte, sodass sie Abdrücke davon zurückbehalten haben musste. Draco las weiter und sein Gehirn ordnete den aufzählten Verletzungen ziemlich präzise Handlungen zu. Mit einem schlechten Gefühl im Magen ließ er sich zurück auf den Stuhl sinken und blätterte weiter. Hinter dem Bericht waren Fotos. Es waren keine schönen Fotos und das war wahrscheinlich auch nicht der Zweck des Ganzen. Sie waren in einem klinischen weißen Licht gemacht worden. Ein Maßband war zu sehen und dokumentierte ziemlich präzise jede einzelne Schädigung, die er Hermione zugefügt hatte. Dokumentierte zu jedem Stichpunkt was sich dahinter verbarg. Draco schloss kurz die Augen. Einen Moment fühlte er sich wie ein Verbrecher. Wie ein perverser Vergewaltiger, der ein hübsches unschuldiges Mädchen misshandelt hatte. Er war gar nicht so sicher, dass sie nicht weniger schlimm ausgesehen hatte, nachdem er sie beim ersten Mal tatsächlich vergewaltigt hatte. Der Gedanke sorgte dafür, dass er sich einen Moment vor sich selbst ekelte.
Dann riss er sich zusammen und straffte die Schulter. Er hatte sie nicht vergewaltigt. Hermione hatte es gewollt und er hatte es gewollt und er sollte sich verdammt nochmal nicht schlecht fühlen, nur weil sie ihren Gelüsten nachgegeben hatten. Keiner hatte ernsthaft Schaden davongetragen.
Draco sah auf und begegnete dem strafenden Blick von Barbara Granger. Er klappte den Hefter zu und fasste ihn fester. Entschlossen stand er auf. Er überragte sie um fast einen Kopf, ebenso wie Hermione und sah auf sie herab.
„Ich habe ihr nichts getan, was ihr dauerhaft schaden würde. Egal wie es aussehen mag", erwiderte er so gefasst wie möglich. Er wusste, dass er etwas verteidigend klang, versuchte den Ton aus seiner Stimme zu verbannen.
„Hermione hat Schmerzen. Hämatome im Vaginal und Analbereich. Abschürfungen, Bisspuren", sagte Mrs Granger anklagend und Draco begegnete ihrem Blick.
„Ich bin ein Zauberer, Mrs Granger", sagte er seidenweich. „Ich könnte diese Verletzungen im Handumdrehen heilen. Hermione könnte es selbst tun. Sie tut es nicht, weil wir es möchten, weil Hermione es möchte und egal was sie sagen. Jeder hatte schonmal hemmungslosen Sex. Wir sind jung und es ist keiner zu Schaden gekommen. Ich sehe das Problem nicht."
„Dieses Mal", erwiderte Mrs Granger und funkelte ihn wütend an.
„Ich passe auf sie auf. Sie bedeutet mir zu viel, als das ich zulassen würde das ihr wirklich etwas schwerwiegendes geschieht", sagte er ruhig. Er meinte es auch so. Er wollte nicht, dass ihr etwas geschah.
„Ich nehme dich beim Wort. Es ist alles dokumentiert, was du mit ihr getan hast. Das ist nur eine Kopie, die du in der Hand hast. Es wurde deine Samenflüssigkeit in ihrem Körper sichergestellt. Solltest du irgendetwas tun, was meiner Tochter wirklich schadet, zerre ich dich vor Gericht und sorge dafür, dass du deines Lebtags nichtmehr froh wirst. Haben wir uns verstanden?"
Die Frau funkelte ihn wütend an und Draco konnte nicht anders, als belustigt die Mundwinkel zu verziehen.
„Ihre Sorge in allen Ehren, Mrs Granger", sagte Draco und blickte auf sie hinab. „Aber ihre Worte werden nicht umsetzbar sein. Sie können keinen Zauberer, vor ein Muggelgericht stellen. Alle Beweise, die sich gegen mich gedenken zu haben lösen sich mit einem Wink meines Zauberstabs in Luft auf. Muggel sind wahnsinnig einfach zu manipulieren, ihr seid uns als Rasse viel zu unterlegen. Zu versuchen mich für irgendwas zu belangen könnte dafür sorgen, dass sie ihr eigenes Wohl und das ihrer Familie ziemlich schnell in Gefahr bringen."
„Drohst du mir etwa", fragte sie scharf und Draco bemerkte, wie sie die Schultern straffte. Ihr Blick war dem Hermiones so ähnlich. Sie war bereit jede Herausforderung anzunehmen, die er ihr stellen würde.
„Es ist lediglich eine Warnung. Ich bin niemand der sich von ein paar Muggeln in seine Schranken weisen lässt."
Sie funkelte ihn an und Draco hielt ihrem Blick gelassen stand. Es gab nichts, was sie gegen ihn tun konnte. Egal ob sie ihm drohte oder nicht. Nicht einmal in der linearen Zeit könnte sie etwas ausrichten. Sie war ein Muggel und er war ein Malfoy und in der linearen Zeit, in diesem Krieg, würde jeder Versuch ihn wegen der Vergewaltigung eines Muggelmädchens zu belangen dazu führen, dass sie ermordet wurde.
Draco glaubte schon sie würde ihm widersprechen. Ihn anfauchen, wie Hermione es tat, doch sie senkte den Blick und es war ein unerwartetes Geständnis ihrer Niederlage. Es irritierte ihn.
„Ich will lediglich, dass du dir der Folgen für Hermione bewusst bist, wenn du mit ihr spielst. Die letzte Session mag ihr nicht geschadet haben, aber du hast selbst gesagt ihr seid jung. Ich will dich nur warnen, dass du keine Grenzen überschreitest, die ihr wirklich schaden. Es liegt in deiner Verantwortung ihre Grenzen zu erkennen und danach zu handeln."
„Ich passe auf sie auf", versprach er und das tat er wirklich. Er wollte nicht, dass ihr etwas geschah und wahrscheinlich hatte er noch nie so wirklich über die Konsequenzen nachgedacht, da sie sich in einer Zeitschleife befanden. Körperlicher Schaden war nichts um das er sich Sorgen machen musste. Er könnte sie umbringen und es würde ihr nicht schaden. Aber was würde es mit dem Vertrauen anrichten, dass sie in ihn hatte, wenn sie sich ihm hingab und er zulassen würde, dass sie schwere Verletzungen davontrug. Es würde zwar keine physischen aber ziemlich wohl psychische Folgen haben. Nicht nur für sie, sondern auch für ihn selbst.
Vielleicht musste er sich eingestehen, musste er etwas mehr darüber nachdenken, wie weit er ihre Spiele gehen ließ. Er kannte sich selbst gut genug, um zu wissen, dass die Abgründe seiner Fantasien gerade erst begannen sich aufzutun. Hatte er vor ein paar Monaten ganz abstrakt mit dem Gedanken gespielt sie im Kerker anketten zu können, war er sich jetzt ziemlich sicher, dass er es tun wollte. Und er war sich ziemlich sicher, dass es ihm Spaß machen würde.
„Hermione verlässt sich darauf", sagte Mrs Granger und wandte sich von ihm ab. Dracos Blick folgte ihr, wie sie mit energischen Schritten durch den Korridor schritt, um hinter der nächsten Stationstür zu verschwinden.
Gedankenverloren fiel sein Blick auf die Mappe in seiner Hand und er schob sie in seine Tasche. Er würde auf sie aufpassen. Auf sie beide.
