Kapitel 87

Peerage

bezeichnet vererbbares Adelssystem im Vereinten Königreich

Hermione saß zusammen mit Draco in Snapes Büro. Sie fühlte sich unwohl unter Snapes bohrendem Blick, doch hielt sie den Kopf aufrecht und die Schultern durchgestreckt. Draco hatte gerade von der Zeitschleife berichtet und erzählt, dass sie versuchten herauszufinden, wie das Dunkle Mal geschaffen wurde.

„Das größte Problem ist das Einhornblut. Es ist in unserem Blutkreislauf und vergiftet unsere Seele", sagte Draco und lehnte sich in dem Stuhl zurück, auf dem er saß.

„Das ist…", Snape zögerte kurz, „beunruhigend", schloss er und Hermione glaubte tatsächlich Unbehagen bei ihm zu entdecken. Das war nichts, das Snape gewusst hatte.

„Aber eure Theorie klingt schlüssig", fuhr Snape fort und rieb sich einmal über das Gesicht. Eine unerwartete Geste der Besorgnis wie Hermione feststellte. „Einhornblut schützt das Leben und die Existenz vor den Dunklen Künsten und dem Tod auf eine übermächtige Art. Es ist ein mächtiges Heilungselixier und doch zersetzt es dabei die Seele. Wenn der Zauber unsere Seele vor dem Verfall rettet, kann es gut sein, dass es uns tötet, würden wir diesen Zauber lösen."

„Wir könnten es versuchen. Wir sind in einer Zeitschleife. Wenn das Lösen der schwarzen Magie aus meiner Seele mich tötet, dann wird mich der nächste Zyklus zurückbringen. Wir können gerade nicht sterben", wandte Draco ein. Es war eine bescheuerte Idee, wie Hermione fand und einer der Gründe warum sie bei Snape waren um eine dritte Meinung einzuholen. Aber Draco wollte um jeden Preis verhindern, dass sie sich ihrem Plan mit Dumbledore und Voldemort zuwandten.

„Es ist ein beunruhigender Gedanke", wandte auch Snape ein. „Doch wahrscheinlich macht es Sinn in Anbetracht der überschaubaren Risiken den Versuch zu machen."

Snape stand auf und sein schwarzer Umhang wirbelte umher als er sich umwandte. Er blickte auf eines seiner Bücherregale und seine Finger fuhren über die Buchtitel.

„Es gibt soweit ich weiß, keinen Weg Einhornblut aus dem Körper zu entfernen. Einmal im Blutkreislauf bleibt es dort. Aber es gibt die Quelle des Lebens. Wenn es eine Möglichkeit gibt, Einhornblut und die Dunkle Magie gleichermaßen zu entfernen dann ist sie es", sagte Snape und zog jetzt ein Buch aus dem Regal. Er blätterte eine Weile und schien dann die gesuchte Seite gefunden zu haben. „Die Quelle des Lebens reinigt die Seele von jeglicher Art von Magie."

Snape hielt Draco das Buch hin und dieser Blickte nachdenklich auf eine Zeichnung von einer Grotte mit einem großen See darin.

„Die Muggel kennen auch Legenden über sowas. Sie nennen es den Jungbrunnen", sagte Hermione, während sie über Dracos Schulter mitlas. Sie hatte die Hände auf dem Rücken verschränkt als Angewohnheit um nicht nach dem Buch zu greifen. Doch dies hier war keine schwarzmagische Lektüre und die Vorsicht eigentlich unangebracht.

„Lassen sie sich gesagt sein, Miss Granger", schnaubte Snape verächtlich. „Das diese Quelle keinesfalls eine Legende ist. Und sie verjüngt auch nicht. Aber sie ist der stärkste Reinigungszauber gegen die Dunklen Künste. Ich habe ein paar Tropfen ihrer Essenz hier bei mir. Ich brauche sie für Tränke, die ich braue. Aber es wird bei weitem nicht genug sein, um eine solch schwerwiegende Verseuchung zu kurieren."

„Sie brauchen es für die Tränke, um Professor Dumbledore zu behandeln", stellte Hermione verstehend fest und Snape hob überrascht eine Augenbraue.

„Wissen sie genau welcher Fluch auf ihm liegt? Wir müssen dringend mit ihm reden. Mit einem Nachverfolgungszauber des Fluchs könnten wir ihn orten", sagte Hermione hoffend. Sie musste einfach Dumbledore um Rat fragen.

Snape sah sie eine Weile mit steinernem Gesichtsausdruck an und auch Draco sah auf. Dann setzte Snape sich wieder hinter seinen Schreibtisch und antwortete mit steinerner Miene.

„Ich weiß nicht genau welcher Fluch auf Professor Dumbledore liegt, Miss Granger. Mit mehr Informationen wäre es möglich ein besseres Gegenmittel zu brauen."

„Schade. Aber wenn diese Quelle des Lebens dunkle Magie vertreibt, warum kann sich dann Professor Dumbledore nicht damit heilen?", fragte Hermione weiter und ein Huschen zuckte über Snapes Gesicht.

„Es ist nun mal eine Tatsache, dass Professor Dumbledore kein Malfoy ist. Er mag zwar über viel Ansehen und viele Kontakte verfügen. Aber die Quelle des Lebens aufzusuchen ist nichts, was uns Normalsterblichen vergönnt ist."

Hermione verzog überrascht die Stirn, doch Draco schien zu verstehen.

„Wir importieren das Wasser der Quelle. Deshalb denkst du, dass ich sie aufsuchen kann."

„So war mein Gedanke", gab Snape zu und jetzt war es an Draco nachdenklich das Buch zuzuschlagen. Hermione wusste nicht viel über die Familiengeschäfte der Malfoys. Sie wusste von Draco, dass sie Wein anbauten und aus den paar Malen, die sie in der Winkelgasse Zaubertrankzutaten gekauft hatte, wusste sie, dass sie ein großes Apothekarium besaßen und Großhändler für Zaubertrankzutaten waren.

„Glaubst du es ist möglich?", fragte sie an Draco gewandt und dieser seufzte.

„Es ist nicht so einfach. Ich war ein paar Mal im Himalaja. Aber die Höhlen sind gut versteckt. Nur wer den Weg kennt wird ihn finden und es ist wirklich schon Jahre her."

„Himalaja?", fragte Hermione aufgeregt. Sie hatte Lektüre über die Bergkette gelesen und die eigentümliche Magie lange ausgestorbener Zivilisationen die noch immer in verborgenen Bergtälern schlummerte. Mächtige natürliche Barrieren verhinderten das Apparieren in dieser Gegend. Es hieß das Metall, dass in den Bergen selbst eingelagert war unterdrückte Magie, weshalb die Meisten Hexen und Zauberer niemals einen Fuß dorthin setzten.

Draco musterte Hermione einen Augenblick, dann schlich sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Hermione war wahnsinnig niedlich, wie sie ihn so begeistert ansah.

„Wir können hinreisen, der Eingang zu dem Höhlensystem liegt in einem abgeschiedenen Bergtal. Ich weiß nicht genau, wo es ist, aber wir haben einen Portschlüssel der dorthin führt. Ich hoffe das Henry weiß, wo er ist."

Eigentlich hatte er wenig Lust in den Himalaja zu reisen. Seine letzten Besuche waren alle anstrengend gewesen. Keine Reise die er gerne unternahm. Aber Snape hatte Recht. Es war zwar eine beinah irrwitzige Hoffnung, aber es gab die winzige Möglichkeit, dass es gelingen konnte. Die Chance, dass er sich von der dunklen Magie in sich befreien konnte. Die Quelle des Lebens war mächtig. Es gab eine reelle Chance.

Außerdem konnte er Hermione etwas Neues zeigen. Er wollte es gerne für sie tun. Sie war immer wahnsinnig begeistert neue Dinge kennen zu lernen und hatte ihm schließlich auch die Muggelstädte gezeigt. Vielleicht konnte er ihr so eine Freude machen, selbst wenn Snape unrecht hatte. Der letzte Zyklus war anstrengend gewesen und er war ihr unendlich dankbar für ihre Unterstützung.

„Ich würde wahnsinnig gerne mal zum Himalaja reisen", sagte Hermione und strahlte ihn an. Draco musste in sich hineinlächeln. Da war sie wieder. Das süße neugierige Muggelmädchen, dass man so spielend einfach mit Magie begeistern konnte. Draco widerstand der Versuchung ihr einen Kuss zu geben. Snape sah sie ohnehin schon argwöhnisch an.

Draco erhob sich und steckte das Buch ein, dass Snape ihm gegeben hatte.

„Das steht nächsten Zyklus sowieso wieder in deinem Regal. Wir werden Hogwarts verlassen. Ich glaube nicht, dass wir uns diesen Zyklus nochmal sehen."

Hermione stand ebenfalls auf.

„Danke für deine Hilfe", sagte Draco an Snape gewandt und auch Hermione bedanke sich. Snape musterte ihn aus unergründlichen Augen und Draco wollte schon gehen, als Snape ihn aufhielt.

„Wenn du einen Weg findest. Sag ihn mir", forderte Snape und Draco maß ihn einen Augenblick. Wollte Snape dem Dunklen Lord ebenfalls ungehorsam sein? Oder wollte er nur einen Plan B haben, falls der Dunkle Lord verlor oder war es noch etwas ganz anderes? Wenn er Snape in der linearen Zeit offenbaren würde, dass es einen Weg gab das Mal zu entfernen, würde er sich dann nicht selbst des Verrats bezichtigen?

„Wenn es einen Weg gibt", erwiderte Draco und nickte seinem Patenonkel zu. Er wusste nicht, ob er sich daran halten würde. Aber er wusste auch noch nicht, ob es einen Weg gab.

„Wohin gehen wir?", wollte Hermione wissen, während sie Draco durch Hogwarts folgte. Es war Freitagmittag und alle beim Essen in der Großen Halle.

„Henry Gilmore verwaltet den In- und Export von Waren für unser Apothekarium. Er wird mir sagen können, wo der Portschlüssel in das Bergtal liegt. Das heißt aber auch, wir müssen ins Verwaltungsgebäude der Familienholding. Dort wimmelt es zwar nicht vor Todessern, aber es ist trotzdem nicht ungefährlich. Ich hoffe einfach, dass wir direkt den Portschlüssel nehmen können um von dort weiter in den Himalaja zu reisen."

Hermione nickte und musste sich beeilen, um mit Draco Schritt zu halten. Als er es bemerkte lief er etwas langsamer.

„Vorher hatte ich dir Tartlets aus Paris versprochen", fuhr er fort und Hermione musste grinsen.

„Was hältst du davon, wenn wir also nicht in Hogwarts zu Mittag essen?", schlug sie vor und Draco nahm sie an der Hand als er erwiderte.

„Sehr viel."

Sie verließen Hogwarts durch das Verschwindekabinett und apparierten nach Paris. Hermione liebte die französische Patisserie und genoss das süße Mittagessen. Anschließend nahm Draco sie mit seit-an-seit apparieren mit und sie apparierten auf einem saftigen grünen Hügel. Sie standen am Rand eines Hanges, auf dem Rebstöcke wuchsen. Überall schwebten leuchtende Punkte herum und Hermione brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass es Feen waren.

„Hier befindet sich der Verwaltungssitz?", wollte sie überrascht wissen. Sie wusste nicht, was sie erwartet hatte. Aber das hier sah alles ziemlich idyllisch aus.

„Nicht ganz", widersprach Draco grinsend. „Wir sind hier kurz vor Lacock. Eine kleine Ortschaft in Wiltshire nicht weit von unserem Herrenhaus entfernt. Bevor England eine konstitutionelle Monarchie wurde, hatte meine Familie die Verwaltungsgewalt über diese Ortschaft, die Abtei und die umliegenden Felder. Heute befindet sich hier das Anbaugebiet für unser Apothekarium und ein Teil unserer Weinberge." Draco machte eine ausladende Geste mit der Hand über die Landschaft vor ihnen. „Sie sind verzaubert, sodass Muggel sie nicht sehen können. Der Verwaltungssitz ist verborgen in der alten Abtei von Lacock."

„Ihr habt Landbesitz?", fragte Hermione überrascht und musterte die Umgebung.

„Wir waren nicht immer muggelhassende, engstirnige Todesser", erwiderte Draco schnaubend und Hermione musste grinsen. Sie gingen zusammen den schmalen Weg hinunter.

„Wir müssen ein Stück laufen. Ich bin heute am Rand des Geländes appariert, da das Herrenhaus so nah ist. Das ist kein Ort, dem wir zu nah kommen sollten", erklärte Draco.

Hermione nickte und plötzlich flogen ihr ein paar Feen in den Weg. Zuerst war sie erschrocken, doch dann bemerkte sie, dass sie Draco umkreisten. Er hielt inne und gab ein paar helle hohe Laute von sich. Die Feen erwiderten die Töne und Hermione wurde klar, dass sie miteinander sprachen. Fasziniert beobachtete sie Draco, wie er mit den kleinen Feen sprach und sie hatte sich selten mehr wie ein Muggel gefühlt, der einem absolut magischen Moment beiwohnte wie jetzt.

Eine hellblaue Fee drehte ein paar Kreise um Draco, dann flog sie mit einem lauten Trällern davon. Die meisten anderen folgten ihr. Fasziniert blickte Hermione ihnen nach.

„Sie haben gefragt, ob der Feenstein geholfen hat, den sie mir gegeben haben", sagte Draco erklärend, als er Hermiones faszinierten Blick sah.

„Was kann ein Feenstein?", wollte sie wissen.

„Ich habe ihn für die Zeitschleife gebraucht", erklärte Draco und nahm sie bei der Hand. Zusammen gingen sie weiter. „Du kennst doch sicher das Phänomen, dass man sich in einen Feenhügel verirrt und das Gefühl hat Stunden und Tage dort zu verbringen, aber in Wirklichkeit ist keine Zeit vergangen. Es gibt diesen Effekt in beiden Richtungen. Manche sind Jahre weg, haben aber das Gefühl es wären nur ein paar Stunden. Feen sind brillant darin die Zeit zu manipulieren. Deutlich besser als wir Zauberer. Ich habe mir von ihnen Hilfe geholt, als ich den Zauber für diese Zeitschleife geschaffen habe."

„Und sie haben dir geholfen?", fragte Hermione verblüfft. Feen waren normalerweise nicht dafür bekannt ihre Geheimnisse zu teilen. Sie waren sehr geheimniskrämerisch und verspielt. Es gab kaum Wissen über ihre Magie.

„Natürlich. Die Kolonie, die hier diesen Weinhügel bewohnt und von dem wir Elfenwein keltern, lebt seit Jahrhunderten unter dem Schutz meiner Familie", sagte Draco und deutete auf einen kleinen mit Weinranken umwucherten Hügel inmitten der akkuraten Weinreben. „Ich habe dir doch gesagt, dass wir diese Berge magisch vor den Muggeln versteckt haben. Es ist jetzt knapp vierhundert Jahre her, damals haben die Muggel immer wieder ärger gemacht. Feen getötet, versucht sie zu fangen und zu verkaufen. So wie Muggel versuchen aus allem Profit zu schlagen. Die Feen von Lacock verdanken uns viel und wenn ich Hilfe brauche, helfen sie gerne. Sie wissen, wie es anderorts für sie aussieht, wo sie nicht hinter magischen Schutzwällen leben. Wo sie nur nachts herauskommen können ohne das Sonnenlicht, dass sie so lieben."

„Also habt ihr sie gerettet?", wollte Hermione neugierig wissen und Draco grinste sie an. Es war nicht unbedingt ein nettes Grinsen.

„Ich würde es eine Symbiose nennen. Elfenwein ist viel Wert und dafür, dass sie für uns arbeiten, bekommen sie Schutz und eine Heimat. Nichts ist umsonst. Aber wir brauchen einander. Sie uns mehr, als wir sie."

„Ihr bezahlt sie nicht", stellte Hermione missbilligend fest.

„Womit auch", sagte Draco gleichgültig und zuckte die Schultern. „Feen machen sich nichts aus Galleonen und ist eine Heimat nicht auch eine Art Bezahlung. Ich komme gut aus mit den Feen. Als Kind habe ich hier viel Zeit in den Weinbergen verbracht, habe ihre Sprache gelernt und mich in Feenhügeln versteckt, wenn mein Vater mich gesucht hat."

Hermione musste lächeln. Irgendwie sah das Bild des kleinen Draco inmitten von Feen wahnsinnig lebendig vor ihrem geistigen Auge aus. So wuchsen also Zauberkinder auf. Es war ganz anders als Muggel und doch irgendwie ähnlich. Auch sie hatte sich versteckt, wenn sie nicht gefunden werden wollte. In einem alten Baumhaus im Garten, dass sie mit ihrer Tante gebaut hatte. Es war zwar kein Feenhügel, aber ihr eigener ganz magischer Ort.

Sie verließen den Weinberg und kamen durch ein kleines Waldstück. Hermione erkannte Bowtruckle in den Bäumen sitzen und blieb überrascht stehen. Das mussten Zauberstabbäume sein. Sie standen hier einfach so rum und man konnte an ihnen vorbeigehen. Hermione drehte sich im Kreis und tatsächlich. Überall um sie herum standen unterschiedliche alte Bäume und wenn sie jetzt darauf achtete, konnte sie die kleinen rindenartigen Baumwächter in ihnen erkennen die sie argwöhnisch beobachten.

„Alles okay?", fragte Draco, da sie stehengeblieben war.

„Das sind Zauberstabbäume", sagte Hermione überrascht. Sie hatte sich nie überlegt, wo sie wuchsen. Es wirkte so wenig spektakulär.

„Ja. Viele der Bäume sind sehr alt und sie zehren von der Magie der magischen Tierwesen, die hier vor den Muggeln verborgen leben. Ollivander hat früher viele Hölzer hier gekauft. Ebenholz, Walnuss, Birke, Apfel, Kastanie, Buche, Fichte, Kirsche, Weinrebe-", begann Draco aufzuzählen und Hermione unterbrach ihn.

„Weinrebe? Ollivander hat hier Weinrebe gekauft?", wollte sie fassungslos wissen.

Draco schien irritiert über ihre Überraschung. „Ja, natürlich. Alte Reben sind selten und die Feen die hier leben verleihen dem Holz eine besondere magische Kraft die viele Zauberstabmacher schätzen."

Hermione zog ihren Zauberstab. Er war hell und mit kleinen geschnitzten Weinreben verziert. Erinnerte an das Holz, aus dem er gefertigt war. Ollivander hatte gesagt, Weinrebe sei ein seltenes und ganz besonderes Holz, da es schwer zu verarbeiten war. Der Weinrebenstab suche sich Persönlichkeiten mit verborgenen Tiefen, die sich oft selbst überwinden müssen, um über sich selbst hinaus zu wachsen. Ihr hatte diese Bedeutung immer gefallen. Sie war der Meinung, dass Weinrebe sehr gut zu ihr passte.

„Also kann es sein, dass das Holz für meinen Zauberstab von hier kommt?", wollte sie wissen und Draco lächelte sie an.

„Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch. Du müsstest Ollivander fragen. Er behauptet doch immer sich an jeden Zauberstab zu erinnern, den er jemals verkauft hat."

Hermione musterte einen Moment ihren Zauberstab und irgendwie überwältigte sie der Gedanke, dass ihr Zauberstab einst hier gewachsen war. Sie musste unbedingt Ollivander danach fragen. Doch gerade hatte sie diesen Gedanken gefasst, fiel ihr etwas anderes ein.

„Ollivander wurde verschleppt", stellte sie fest.

„Stimmt", stimmte Draco zu und seine Mine verdüsterte sich. „Dann wirst du ihn nach dem Krieg fragen müssen. Falls es ein danach für uns alle gibt."

Hermione nickte und wünschte sich, es würde einfach keinen Krieg geben.

„Wir sollten weiter", sagte sie und Draco nickte. Er nahm sie an der Hand und ging voran. Hermione konnte nicht verhindern, dass sie trotzdem neugierig die Nase reckte, um zu sehen, was es noch alles zu entdecken gab. Als sie einen kleinen Blick in eine andere Abzweigung erhaschte, entdeckte sie riesige Gewächshäuser und ordentliche Beete. Sie glaubte eine Hexe mit Spitzhut gesehen zu haben, die mit dem Zauberstab Pflanzen wässerte.

„Sind hier die Plantagen für die Apotheke?", wollte sie wissen und Draco folgte ihrem Blick.

„Ja, überall hier. Wir gehen mitten durch. Es ist der unauffälligste Weg nach Lacock Abby."

„Wie kommt es das ihr eine Abtei auf eurem Grundstück habt?", wollte sie neugierig wissen. Sie war wahnsinnig neugierig, wie das alles hier zusammenhing. Sie war noch nie auf einer Plantage für Zaubertrankzutaten gewesen.

„Meine Familie ist alter Kirchenadel. Meine Linie kam vor ca. 1000 Jahren nach England. Mein Vorfahr war der uneheliche Sohn irgendeines Kardinals und glaubte, hier sei einfach mehr zu holen als in Frankreich. Auch wenn wir noch immer gute Kontakte dorthin haben." Draco grinste und Hermione erwiderte das Lächeln. Draco liebte Frankreich und sprach die Sprache so fließend wie Englisch.

„Von Wilhelm dem Eroberer, einem Muggelkönig, bekamen wir diese Ländereien für unsere Dienste bei seinen Eroberungen. Meine Vorfahren bekamen die Peerswürde im Rang des Earls, dem damals höchsten Adelstitels, nach dem König. Seit damals verwalten wir dieses Land. Als die konstitutionelle Monarchie in England eingeführt wurde und die Peerage die Veraltungsmacht über ihre Ländereien verlor waren die Geheimhaltungsabkommen schon lange in Kraft getreten und wir hatten unseren Besitz schon lange mit Zauberbannen umgeben und vor den Muggeln verborgen."

Hermione nickte und langsam wurde das, was Mrs Malfoy versucht hatte ihr klar zu machen immer deutlicher. Sie hatte geglaubt es verstanden zu haben, aber es zu sehen war etwas anderes. Dies hier war Dracos Erbe. Seine Verantwortung. Die Feen, die Bowtruckle und all die anderen magischen Wesen, die hier lebten, verließen sich darauf, dass die Schutzzauber gegen die Muggel hielten und sie hier ungestört leben konnten. Es waren mehr als die Hexen und Zauberer, die für die Malfoys arbeiteten. Dies war ein gewachsener Mikrokosmus aus dem Dracos Familie Profit schlug. Trotzdem war es nicht selbstverständlich, dass es immer so sein würde. Es war eine fragile Welt, die von den Entscheidungen der Malfoy Familie abhängig war. Die davon abhängig, dass die Malfoys sinnvolle Entscheidungen trafen und sich der Verantwortung für ihr Land bewusst waren.

Zusammen traten sie aus dem Waldstück und vor ihnen erhob sich die Rückseite der alten steinernen Abtei. Sie sah schmucklos und einfach aus. Viele der Fenster und Türen waren zugemauert worden.

„Die Abtei lässt sich nicht gut verstecken", sagte Draco erklärend. „Sie ist zu nah am Dorf. Deshalb haben wir vor dreihundert Jahren, als die Geheimhaltungsabkommen in Kraft traten den Eingang nach hier hinten verlegt." Er deutete auf die schmucklose Fassade und zückte seinen Zauberstab. Sachte klopfte er auf etwas, das wie eine zugemauerte Tür aussah und eine prunkvolle Eichentür erschien. Darüber prangte das Malfoy Wappen und der Schriftzug Sanctimonia Vincent Semper, Heiligkeit siegt immer.

„Eigentlich schade, dass ihr eurer eigenes Haus nicht von vorne betreten könnt, nur weil es zu auffällig ist", sagte Hermione und musterte die zugemauerten Spitzbogenfenster.

Ihr war nie bewusst gewesen, wie ungerecht es vielen Hexen und Zauberern vorkommen musste sich so zu verstecken. Nie den Haupteingang nehmen zu können, immer in dunklen Gassen umherschleichen zu müssen. Es war nicht nur hier so, sondern überall. Ein altes Schaufenster diente als Eingang in das größte Krankenhaus, eine Telefonzelle führte ins Zaubereiministerium. Ein kleiner versteckter Seiteneingang in die älteste Bibliothek Englands. Und auch jetzt standen sie auf der Rückseite einer gewaltigen imposanten Abtei. Sie waren Hexen und Zauberer und sie mussten sich wegen der Muggel und der Geheimhaltungsabkommen vor dem Angesicht der Welt verbergen. Am Anfang, hatte Hermione es spannend und abenteuerlich gefunden. Aber wenn man so aufwuchs, war es wohl eher spannend den Haupteingang nehmen zu können.

„Ich kann die Abtei schon durch den Vordereingang betreten, aber dann bin ich nichtmehr Draco Malfoy. Dann bin ich der Earl of Lacock", sagte Draco und klang dabei nicht sonderlich begeistert.

Nachwort:

Lacock, man könnte es tatsächlich für ein kleines perverses Wortspiel meinerseits halten. Es würde ziemlich gut zu Draco passen. Tatsächlich gibt es Lacock und Lacock Abby wirklich. Ein Teil der Harry Potter Filme wurde dort gedreht. Das Dorf geht zurück auf das Jahr 1000 und steht in Verbindung mit normannischen Eroberungen. Passt also sehr gut zur offiziellen Malfoy Familiengeschichte. Ich habe es schonmal in meiner FF „Die Seuche" benutzt und dort im Nachwort ausführlicher erklärt. (Kapitel 13)

Ich will hier einmal meine Interpretation von Sanctimonia Vincent Semper, dem Familiencredo der Malfoys vorstellen. (Ähnlich wie Toujours Pur für die Blacks.) Meine Überlegungen dazu habe ich ebenfalls mal in einem Nachwort zu der FF „Das Heilmittel" aufgeschrieben (Kapitel 6 Mr & Mrs Malfoy). Ich weiß nicht wie viel davon noch den Weg in diese FF findet, aber es gab ein paar Andeutungen und ich möchte sie erläutern.

Für alle die den Malfoy Artikel auf Pottermore nicht kennen. Kann ich nur empfehlen. Da steht sowas drinnen wie mit Wilhelm der Eroberer, der den Malfoys die Ländereien übergab und der Gründung des englischen Ablegers der Malfoy Linie durch Armand Malfoy und auch ein kleines Detail, das ich sehr interessant fand und einer der Gründe für den Reichtum der Granger Familie ist. Die Malfoys konnten früher gut mit Muggeln. Aber nur mit reichen Muggeln. Deshalb passte mir die gängige Übersetzung des Familiencredos, Reinheit siegt immer, nicht ganz in ihre Familiengeschichte, da sie früher (vor den Geheimhaltungsgesetzen) einfach nicht gepasst hätte. Deshalb bin ich auf die Ursprungsversion des Wortes Sanctimonia zurückgegangen. Heiligkeit.

Kommen wir an dem Punkt auch schon zu meiner ersten Interpretation. Die Sprache. Latein war im Mittelalter die Sprache des aus Rom geprägten gehobenen Klerus. Weshalb ich die Malfoys mit dem französisch anmutenden Namen als französischen Kirchenadel interpretiert habe. Anders als die Blacks, die wahrscheinlich nicht aus Frankreich, sondern aus England stammen, da die Sprache des Adels schlicht und ergreifend immer französisch war. Egal ob in England oder in Frankreich, alle Adligen sprachen französisch. Da passt dann natürlich auch das Wort Heiligkeit deutlich besser zu den Malfoys.

Aber was bedeutet Heiligkeit eigentlich. Ich habe das Wort mit ein bisschen Basic wissen über Kirchengeschichte, einer ordentlichen Portion Zynismus für die Rolle der Kirche im Mittelalter und dem Wissen, dass ich über den Charakter der Malfoy Familie habe, gemischt und schon sind wir bei meiner Interpretation.

Heiligkeit stand im Mittelalter über allem. Auch der weltlichen Macht und wurde von jeder Schuld freigesprochen. Nicht umsonst sind die anderen Übersetzungen von Sanctimonia auch Unschuld oder Reinheit. Heilig zu sein, macht dich unschuldig, rein und lässt dich über der weltlichen Macht stehen oder um es in ein Malfoy Familiencredo zu verpacken: „Über dem Gesetz zu stehen (Heiligkeit), siegt immer". Ich finde es passt zu den Malfoys. Auch, dass sie es als die Geheimhaltungsabkommen in Kraft traten und sie sich vor dreihundert Jahren vor den Muggeln verbargen einfach anpassten und zu Reinheit umdeuteten. Heiligkeit ist nicht umsonst ein schwammiger, wandelbarer und nicht greifbarer Begriff. Ein Credo so wandelbar wie die Loyalität der Malfoys selbst.

Nicht umsonst heißt es auf Pottermore. „It is often said of the Malfoy family that you will never find one at the scene of the crime, though their fingerprints might be all over the guilty wand. Independently wealthy, with no need to work for a living, they have generally preferred the role of power behind the throne, happy for others to do the donkey work and to take the responsibility for failure."

Ich wollte diese Gedanken irgendwie mal erläutern, weil sie viel von Dracos Selbstverständnis widerspiegeln. Sie finden sich im ersten Gespräch mit Harry in den Büchern, als Draco einen Besen mit nach Hogwarts mitnehmen will, weil er meint die Regeln würden für ihn nicht gelten. Es ist begründet in Dracos widerholender Aussage in dieser FF, die so absolut zu ihm passt. Regeln sind etwas für Looser. Diese Aussage ist eine modern verpackte Quintessenz des Familiencredos. Draco ist immer ein Malfoy mit all der Geschichte und ihrem Dünkel, das dahintersteht. Er ist nie weniger gewesen, selbst jetzt nicht. Denn der Reinblutgedanke ist nichts, was die Malfoy Familie ausmacht. Es ist nur einer der Wege zur Macht. In späteren Kapiteln mehr dazu.

Achja, wem es bis jetzt noch nicht klar war. In dem Titel Earl of Lacock liegt auch die Begründung warum Draco „Sir" als eine Herabstufung im Rang ansieht (Kapitel dominant). „Sir" ist die Bezeichnung für jemanden aus dem niederen Adel wie einem Ritter.

Sir Draco: Ansprache eines Ritters niederer Adel

Sir: Höflichkeitsfloskel in Britischen allgemein genutzt für Herr X die nicht direkt angesprochen werden. Kann ich etwas für die tun, Sir? Wäre übersetzt: Kann ich etwas für sie tun der Herr?

Als Earl sind wir eher schon beim Hochadel mit der Ansprache Lord. Also Earl of Lacock oder Lord Malfoy. Der genaue Titel geht nicht mit dem Familiennamen einher bei der Peerswürde, sondern mit dem Namen der Ländereien. Wegen diesen Ansprachen habe ich mich für das französische antiquierte „Sire" entschieden. Es entspricht deutlich mehr seinem Ego. Sonst wäre nur noch Lord gegangen. Aber da war ich mir dann wieder zu nah bei Lord Voldemort dran.

Ja, so viele Gedanken zu so einem kleinen Wort.

LG

Salarial