ᴇᴍɪʟʏ ʜᴜɴᴛᴇʀ
26. Dezember 1994
An diesem Morgen wachte ich mit einem Lächeln auf den Lippen auf und musste sofort, bei den Erinnerungen an gestern Nacht, noch mehr lächeln. Die ganze halbe Nacht saßen wir auf einem Steg am schwarzen See und hatten uns unterhalten. Dabei kam auch heraus, dass George schon seit Ende des dritten Schuljahrs in mich verliebt war.
Glücklich wie selten zuvor schlug ich die Decke zurück und machte mich auf den Weg ins Bad. Nachdem ich mich frisch gemacht und angezogen hatte, lief ich direkt zu Ginnys Bett, in dem übrigens immer noch der Rotschopf lag und pennte.
„Aufwachen, Schlafmütze!", schrie ich ihr ins Ohr und sie fuhr so schnell hoch, dass ich fast glaubte, sie war schon lange wach. „Alter, ich hab fast 'nen Herzinfarkt bekommen!", schrie sie zurück und stolperte aus dem Bett. Als sie mein Gesicht und so auch mein fettes Grinsen sah, hielt sie jedoch inne und sah mich misstrauisch an. „Was grinst du so dämlich?"
Sofort plapperte ich los und erzählte ihr in einem viel zu schnellen Tempo, von dem Kuss gestern Abend und der Nacht am schwarzen See. Als ich geendet hatte, starrte Ginny mich einen Moment mit offenem Mund an und brachte dann nur ein „Wow" heraus, ehe sie im Bad verschwand. Hinter der geschlossenen Tür konnte ich noch hören, wie sie „Trotzdem hättest du mich nicht wecken müssen" rief.
„Guten Morgen", ertönte eine verschlafene Stimme hinter mir. Hermine stand dort, mit ziemlich wirren Haaren und Schlaf in den Augen und setzte sich auf mein Bett.
„Du siehst nicht gerade wach aus."
„Vielleicht hätte ich weiter geschlafen, hättest du Ginny nicht ins Ohr geschrien und dann lautstark von deinem Liebesleben erzählt", meinte sie sarkastisch und fuhr sich durch die Haare.
„Tut mir leid", sagte ich lachend und fuhr dann fort, „Wie war's mit Krum?"
„Gut, er ist sehr nett", meinte Hermine und musste lächeln, als sie in irgendwelche Erinnerungen abtauchte.
„Ouuhhh, Viktor", sagte Ginny hinter mir, die in diesem Moment aus dem Bad trat. Fassungslos starrte ich sie an und sagte: „Du warst gerade mal eine Minute im Bad, wie kannst du jetzt so frisch aussehen?"
Ginny grinste nur und meinte dann wieder ernster: „Ich hab auch jemanden kennengelernt!"
„Wen?", hakten ich und Hermine sofort nach.
„Michael Corner", sagte sie erfreut und summte dabei vor sich hin, während sie zu ihrem Bett ging und sich einen Pullover über ihr T-Shirt zog.
Wir reagierten begeistert und beglückwünschten ihr zu ihrer Wahl, denn Michael Corner war tatsächlich keine allzu schlechte Partie, dann gingen wir gemeinsam hinunter zum Gemeinschaftsraum, in dem Harry und Ron schon auf uns warteten. Ron war auf Hermine immer noch ziemlich mürrisch zu sprechen, denn sie hatte es ja gewagt, nicht mit ihm auf den Ball zu gehen, doch Hermine ignorierte Rons schlechte Laune und hakte sich stattdessen bei Ginny und mir unter.
In der großen Halle bekam ich sofort das Gefühl, dass irgendetwas im Busch war, denn fast alle Augenpaare richteten sich sofort auf uns, als wir eintraten und auf den Gryffindortisch zusteuerten.
„Was ist los?", fragte ich Neville sofort, als wir uns setzten und Neville schob uns wortlos die Hexenwoche zu.
Am liebsten hätte ich laut aufgestöhnt, denn die Titelseite wurde von einem riesigen Bild geziert, auf dem Harry und ich zusammen tanzten. Darunter stand in fetten Buchstaben: Hat der Wunderjunge schon wieder eine Neue?
Seufzend begann ich damit, den Artikel zu lesen.
Harry Potter, der Junge der Überlebte, erregte nicht zuletzt wegen seiner Teilnahme am Trimagischen Turnier und seiner Beziehung zu Hermine Granger viel Aufsehen. Nun wurde er erneut gesichtet, und zwar in Begleitung von Emily Hunter, der Tochter des hoch angesehenen Charles Hunter. Auf dem Weihnachtsball wurden die beiden zusammen gesehen, wie sie den Eröffnungstanz abhielten. Seit wann die beiden zusammen sind, ist noch unklar, doch laut einigen Quellen sollen die beiden schon immer eine enge Beziehung zueinander gehabt haben und sich nun endlich entschlossen haben ihre Gefühle zu offenbaren ...
Mein Blick schweifte rasch über den Rest, der nicht gerade besser war. Ein paar Beleidigungen und „Fakten" waren über uns beide darin, die nicht zuletzt von sehr seriösen Quellen wie Malfoy und Parkinson stammten. Hermine wurde auch noch beleidigt, da sie schon wieder einen Neuen hatte und Harry abgeschrieben hatte. Bla bla bla.
So einen Rotz hatte ich selten gelesen und in diesem Moment schwor ich mir, Kimmkorn zu verwünschen, egal wie lange es dauern würde.
„Das ist der größte Scheiß, den ich je gelesen hab!", rief ich aufgebracht und schleuderte die Zeitung von mir.
„Was hat dir denn den Zauberstab verknotet?", ertönte Georges Stimme hinter mir. Ohne auf meine Antwort zu warten, griff er nach der Zeitung vor mir und überflog sie rasch. Dann grinste er und reichte die Zeitung an seinen Bruder weiter.
„Denkst du was, ich denke?", sagte er dabei und warf ihm ein verschwörerisches Grinsen zu. In diesem Moment wusste ich, was auf mich zukam.
„Aber natürlich, George! Du musst etwas tun, bevor das alle glauben!", sagte Fred lautstark und deutete auf das riesige Bild, auf dem Harry und ich zusammen tanzten.
„Nein! Nicht hier!", unterbrach ich laut ihr Gespräch. Beide sahen mich mit erhobenen Augenbrauen an. Und dann, ohne jede Vorwarnung, packte George meine Hand, zog mich hoch und rief so laut, dass selbst der gesamte Lehrertisch es hörte: „Willst du meine Freundin sein?" Na super.
Es war mir zu Tode peinlich, ganz im Gegensatz zu George, der sich prächtig zu amüsieren schien. Ich riskierte einen kurzen Seitenblick. Sogar der ganze Slytherintisch hatte aufgehört zu essen und starrte nun hinüber. Dabei begegnete ich Malfoys Blick. Von wegen, nicht einmal ein Troll wollte mit mir ausgehen. Ha!
Erneut sah ich George an und flüsterte leise „ja", bevor ich ihn küsste. Mitten auf den Mund. Vor der ganzen Schule! In der Halle war es totenstill.
Als wir uns voneinander lösten, starrte ich ihn die geschockten Gesichter meiner Mitschüler. Dann, als hätte man einen Schalter umgelegt, begannen plötzlich alle miteinander zu flüstern, wahrscheinlich um jede kleinste Kleinigkeit, die sie über mich kannten, zu analysieren.
George hielt mich immer noch fest und grinste mich an. „Sei ehrlich, du liebst diesen Moment gerade."
„Sowas von", lachte ich und zog ihn wieder auf die Bank hinunter.
Das ganze Frühstück über starrten alle, wirklich alle, mich an und tuschelten leise. „Bei Merlin, wer hätte gedacht, dass hier alle kein eigenes Leben haben und Gossip brauchen", sagte ich genervt, als ein paar Drittklässlerinnen aus Hufflepuff mit dem Finger auf mich zeigten und das nicht gerade unauffällig.
„Reg dich nicht so auf", meinte George beschwichtigend und verschränkte seine Hände mit meinen, was ein sanftes Kribbeln durch meinen Körper sausen ließ.
Den ganzen restlichen Tag verbrachten George und ich zusammen. Da Ferien waren und wir den nächsten Tag heimfahren mussten, genossen wir den letzten gemeinsamen Tag dieses Jahres zusammen, indem wir eine Schneeballschlacht veranstalteten, gemeinsam Zaubererschach gegen Ron spielten und dann schließlich nach einigen wundervollen Stunden, wünschten wir uns eine gute Nacht und verschwanden in unseren Schlafsälen.
Ginny wartete schon auf ihrem Bett und hopste sofort auf mich zu. „Oh mein Gott, ihr seid so ein Traumpaar!", kreischte sie und wirbelte mich im Kreis herum. Lachend wirbelten wir so durch den halben Raum und bekamen uns nicht wieder ein, bis ich irgendwann mit dem Bein ziemlich unsanft gegen Hermines Bettpfosten knallte und aufhören musste.
Das hinderte uns jedoch nicht daran, den letzten gemeinsamen Abend dieses Jahres zu genießen, denn Ginny hatte sich schon ihr Kissen geschnappt und mir direkt ins Gesicht geschleudert. „Na warte", rief ich lachend, schnappte mir Hermines Kissen und warf es direkt auf Ginny. Die jedoch duckte sich rechtzeitig und das Kissen flog direkt über ihr an die Tür, die in diesem Moment aufging und das Kissen traf Hermine direkt im Gesicht.
Für einen kurzen Moment stand sie reglos da, dann funkelte sie mich belustigt an und schmiss mit einem „Das gibt Rache" mein Kissen direkt in meine Richtung. Lachend fing ich es auf und schmiss es direkt nach Ginny, die dies nicht erwartet hatte und direkt von ihrem Bett flog.
Im Nu war eine ausartende Kissenschlacht im Gange, bei der wir erst aufhörten uns zu beschießen, als der Raum mit weißen Federn bedeckt war und wir keine Luft mehr bekamen. „Mann, so viel Spaß hatte ich lange nicht mehr. Das sollten wir öfters machen", sagte Ginny munter und schnappte sich ein Kissen. Wir wussten sowieso nicht mehr, welches Kissen jetzt genau wem gehörte, also schnappte ich mir auch irgendeins und klopfte es halbwegs ab, damit ich jetzt nicht den gesamten Dreck vom Boden heute Nacht in meinem Gesicht hatte.
Gemeinsam gingen wir ins Bad und putzen unsere Zähne, während wir ein Lied der Schicksalsschwestern summten. „Ach, was mach ich bloß die restlichen Ferien ohne euch", seufzte ich und spülte meine Zahnbürste unter dem klaren Wasser aus.
„Sieh's mal positiv. Du kannst auf den Ministeriumsball gehen", meinte Ginny aufmunternd, der meine negative Miene nicht entgangen war.
„Ja genau. Mit Malfoy. Wie reizend", schnaubte ich und stellte meine Zahnbürste zurück in den Becher.
„Wir werden dir schreiben", sagte Hermine und kämmte ihre Haare durch, „Außerdem geht die Zeit schnell um. Du wirst ganz schnell wieder in Hogwarts sein."
Ihre positiven Worte halfen mir zwar nicht, doch ich brachte ein gezwungenes Lächeln zustande und ging zu meinem Schrank, um meinen Pyjama anzuziehen. Ganze zwei Wochen mit meiner Familie zu verbringen war absolut nicht mein Wunsch und dann noch auf den ach so tollen Ball zu gehen, an dem ich mit absoluter Sicherheit auf die Malfoys treffen werde. Nein danke.
Seufzend legte ich mich in mein Bett und schlief schon nach wenigen Minuten voller Grübeleien ein.
Am nächsten Morgen klingelte mein Wecker ziemlich früh, denn ich musste noch meine ganzen Sachen zusammen packen und mich gebührend von allen verabschieden. Nachdem ich mich gerichtete hatte und mir ein passables Outfit für die Zugfahrt und die Begegnung mit meinen Eltern ausgesucht hatte, legte ich die restlichen Klamotten zusammen und packte sie in meinen großen Koffer. Gerade, als ich meine Kulturtasche einpacken wollte, spürte ich wie sich eine Hand auf meine Schulter legte und Hermine mich ansah. „Schöne Ferien dir noch, Emily."
„Danke, dir auch", meinte ich und stand auf.
Sie zog mich in eine Umarmung, genauso wie Ginny, die nun im Schlafanzug hinter ihr stand und mich ebenso fest an sich drückte. „Schreib uns, so oft du kannst. Hier wird's sonst langweilig ohne dich", nuschelte sie in meine Haare.
„Na klar", meinte ich traurig und löste mich von ihr. „Machts gut." Langsam nahm ich meinen riesigen Koffer und schleppte ihn die Treppe hinunter.
Ganz in Gedanken versunken bemerkte ich nicht, dass George schon im Gemeinschaftsraum auf einem Sessel saß und mich ansah. „Ich würde dir ja meine Hilfe anbieten, aber auf eine Rutsche kann ich verzichten."
Überrascht sah ich auf und meinte: „Hast du extra auf mich gewartet?"
„Na klar, ich muss doch meiner Freundin noch schöne Ferien wünschen."
„Glaub mir, die Ferien werden alles andere als schön", seufzte ich, auch wenn sich bei den Worten meine Freundin ein kaum sichtbares Lächeln auf meine Lippen schlich.
Kaum war ich unten angekommen, lief er auf mich zu und legte seine Lippen auf meine. Sofort spürte ich wieder dieses angenehme Kribbeln in meinem Bauch und musste leicht lächeln. „Siehst du, jetzt lächelst du wieder", sagte George schmunzelnd und packte meinen Koffer und hob ihn mühelos hoch.
„Danke", meinte ich verblüfft und lief hinter ihm her. Ohne Probleme, und mein Koffer war wirklich schwer, schleppte er ihn den ganzen Weg zur großen Halle. Dort stellte er ihn mit einem dumpfen Rums ab und zog mich nochmal in eine Umarmung. „Schreib uns, so oft es geht", sagte er ebenso in mein Haar. Die Parallelen zu seiner Schwester waren wirklich gewaltig.
„Das hab ich schon deiner Schwester versprochen, also ja. Mir bleibt keine andere Möglichkeit", meinte ich leise lachend, nahm sein Gesicht in meine Hände und küsste ihn erneut.
George reagierte sofort, zog mich näher an sich heran und erwiderte den Kuss sanft.
„Bah, führt euren Sabberaustausch woanders aus!", ertönte eine schnarrende Stimme, die Brechreiz hervorrief, hinter mir. Malfoy stand dort und sah uns an, als seien wir ekelerregende Tiere. „Ach Malfoy, nur weil du einsam bist, heißt das nicht, dass wir es sind!", zischte ich ihm zu und sah aus den Augenwinkeln, wie George ein Lachen unterdrücken musste.
Zurecht auch, denn Malfoy wurde sofort rot vor Wut und trat näher auf mich zu. Ich jedoch blieb standhaft stehen und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an, während ich den Malfoy-Blick nachmachte. Als er jedoch noch einen Schritt auf mich zutrat, meinte George: „Das reicht jetzt auch, Malfoy. Mach die Fliege" und zog ihn von mir weg.
Malfoy schenkte uns beiden noch einmal einen giftigen Blick und rauschte dann an uns vorbei in die große Halle. „Mein Gott, er ist so ein Charmeur", meinte ich sarkastisch und verdrehte die Augen.
Wir küssten uns noch ein letztes Mal, und diesmal ohne Unterbrechungen, bis George sich von mir löste und mit einem letzten bedauerndem Blick zurück in den Gemeinschaftsraum ging.
Seufzend nahm ich meinen Koffer und ging auf den Gryffindortisch zu, an dem nur sehr wenige saßen, die ebenfalls heimfuhren. Als ich jedoch am Hufflepufftisch Ernie MacMillan ebenso alleine sitzen sah, machte ich kehrt und setzte mich ihm gegenüber. Ernie war froh über Gesellschaft und wir unterhielten uns über die neusten Gerüchte; eines davon war, dass Snape am Weihnachtsabend zu viel Met getrunken hatte und daraufhin eine gemeinsame Nacht mit Sprout verbracht hatte.
Alles klar.
Auch nach dem Frühstück und der Zugfahrt blieben ich und Ernie zusammen, da alle seine Freunde ebenso in Hogwarts blieben. Ernie war ein angenehmer Mensch; er hatte einen guten Humor, gute Manieren und man konnte sich super mit ihm unterhalten. Im Allgemeinen mochte ich Hufflepuffs sehr gerne, da sie oft unkompliziert und deutlich klüger waren, als man dachte.
Wir verabschiedeten wir uns erst an Kings Cross, als ich meinen schweren Koffer aus dem Zug hievte und auf meine Eltern zusteuerte, die schon ungeduldig auf mich warteten. Kaum war ich bei ihnen angekommen, packten sie mich am Arm und apparierten mit mir nach Hunter Manor. Na, das konnten ja heitere Ferien werden.
