ᴇᴍɪʟʏ ʜᴜɴᴛᴇʀ
1. September 1991
Total aufgeregt lief ich neben meinen Eltern durch den Bahnhof Kings Cross. Heute war es soweit! In wenigen Stunden würde ich endlich in Hogwarts sein und nicht ständig den dämlichen Forderungen meiner Eltern gerecht werden müssen. Eine Tatsache, die auch mein Bruder wusste, denn er sah ziemlich finster drein.
Ich hüpfte neben meiner Familie her und summte ein Lied. „Emily, hör auf so herumzuhampeln! Die Leute gucken schon!" Mein Vater warf mir einen strengen Blick zu, doch das war mir herzlich egal.
Ich zuckte nur mit den Schulter, nahm meinen Gepäckwagen und rannte auf die Absperrung zwischen Gleis neun und zehn zu. Einen kurzen Moment war alles schwarz, dann stand ich endlich vor der scharlachroten Lok. Total aufgeregt hüpfte ich auf und ab. Hinten sah ich Ginny Weasley bei ihrer Mutter stehen und total aufgeregt in den Zug zu schauen. Ich mochte die Weasleys. Im Gegensatz zu den Malfoys waren sie nicht so arrogant aufgrund ihres Reinblutstatus und nahmen mich immer mit offene Armen auf.
Ginnys Bruder Ron, sollte heute auch in die erste Klasse gehen. Wir haben uns vor ein paar Wochen getroffen, als meine Eltern wieder einmal eine Woche weg waren, und total aufgeregt über die Schule gesprochen.
Molly Weasley schimpfte Fred und George gerade und sagte irgendwas, von wegen sie sollen keine Kloschüsseln in die Luft jagen.
Ich begrüßte sie fröhlich. Dann verabschiedete ich mich noch schnell von meinen Eltern und vor allem meinem Bruder. Der Arme durfte jetzt zwei Jahre alleine Zuhause verbringen, bis er nach Hogwarts konnte. Ich sagte ihm, er solle mir schreiben wenn was los sei. Er nickte nur traurig und warf der Lok einen sehnsüchtigen Blick zu.
Dann stieg ich mit Ron gemeinsam ein und wir setzten und zu seinen Brüdern Fred und George ins Abteil. Es dauerte auch nicht lange und die Lok fuhr los. Bald schon waren die Häuser und Straßen verschwunden und wir fuhren durch Felder und Wiesen. Irgendwann kamen Rons Brüder auf die glorreiche Idee, Ron rauszuschmeißen und ich folgte ihm.
Er hielt an einem fast leeren Abteil halt, nur ein Junge saß darin. Ich erkannte ihn. Es war der Junge aus der Winkelgasse. Ron fragte ihn ob wir uns setzten dürfen. Der Junge sah uns an, bei mir blieb sein Blick hängen. Er nickte. Wir setzten uns und schauten eine Weile aus dem Fenster.
Irgendwann ergriff Ron das Wort, danke, ich hasste Stille, und stellte sich vor: „Ich bin Ron. Ron Weasley."
„Und ich bin Emily Hunter", stellte ich mich vor.
„Ich bin Harry. Harry Potter." Uns beiden stockte für einen kurzen Moment der Atem. DER Harry Potter?! Der Junge der Überlebte?
„Hast du dann auch die Narbe?", platzte Ron taktloser denn je heraus. Harry schob seine Haare hoch und offenbarte die legendäre Blitznarbe. Ehrfürchtig sah ich sie an. Dieser winzige Schnitt war buchstäblich der Beweis dafür, dass der mächtigste schwarze Magier aller Zeiten untergegangen war. Das war unglaublich.
Als ich meinen Blick abwandte, bemerkte ich wie Ron immer noch die Narbe anglotzte und stupste ihn an. Harry Potter wird wahrscheinlich schon genug beglotzt. „Krass", murmelte Ron vor sich hin und Harry Potter und ich mussten lachen. Wahnsinn, hätte man mir heute Morgen erzählt, dass ich mir ein Abteil mit Harry Potter teilen und dann auch noch mit ihm lachen würde, hätte ich ihn für wahnsinnig erklärt. Doch Harry schien ungewöhnlich normal, wie ein ganz normales Kind, nicht wie jemand dessen Namen jeder mit magischen Wurzeln kannte.
Wir unterhielten uns noch eine Weile über die Zauberwelt, aus irgendeinem Grund hatte Harry wirklich keine Ahnung davon. „Bei welcher Familie hast du eigentlich gewohnt?", fragte ich ihn während ich einen Schluck Wasser trank.
„Bei den Dursleys, du wirst sie nicht kennen, sie sind Muggel." Bei diesen Worten verschluckte ich mich an meinem Wasser. Harry Potter- der Held der Zauberwelt, lebt bei Muggeln!
„Was?", schrie ich entsetzt.
„Ich weiß auch nicht wieso ich in keiner Zaubererfamilie aufgewachsen bin", meinte er und zuckte mit den Schultern. Für ihn war das Thema offenbar beendet, doch ich sah ihn immer noch fassungslos an.
„Du hattest 11 Jahre lang keine Ahnung, dass es Zauberer und Hexen gibt?", fragte ich erneut, in der Hoffnung dass das nur ein Scherz war. Denn dann war nur sein Sinn für Humor schräg.
„Ja?"
Fassungslos schüttelte ich den Kopf und sah aus dem Fenster. Als dann endlich der Servierwagen vorbei fuhr, kramte ich schnell mein Geld aus meiner Jackentasche, denn ich verspürte schon seit einiger Zeit den anbahnenden Hunger. Ron murmelte was von wegen er habe Stullen, der Arme, und ich kaufte mir ein paar Schokofrösche und eine Pastete. Auf einmal kramte Harry richtig viel Geld aus seinen Hosentaschen und kaufte den halben Wagen leer. Ich sah ihn mit großen Augen an. War das sein Ernst? Wer sollte das alles Essen? Harry war aber, wie sich herausstellte, sehr großzügig und wir futterten uns durch die Süßigkeiten.
Die Abteiltür glitt auf und ein Mädchen mit buschigen braunen Haaren stand dort und fragte, ob jemand Neville's Kröte gesehen hat. Sie meint bestimmt Neville Longbottom, dachte ich. Ich habe das mit seinen Eltern gelesen, der Arme.
Wir schüttelten nur den Kopf, aber sie setzte sich zu uns und begann ohne Punkt und Komma und in einem atemberaubenden Tempo, wortwörtlich, über die Häuser zu sprechen. Wir schauten sie nur perplex an. „Ich bin Hermine Granger, und ihr?", stellte sie sich vor.
„Emily Hunter, freut mich." Ihre Augen blitzen kurz auf, sie kannte meinen Namen.
„Ron Weasley." Dieser Name war ihr unbekannt.
„Harry Potter."
„Meine Güte- Harry Potter!", sie schnappte nach Luft und begann dann alle Bücher aufzuzählen, in denen Harry stand. Ich musste grinsen, sie war mir irgendwie sympathisch.
Als sie das Abteil verließ, war Ron echt froh wie ich bemerkte. „Emily, warum sitzt du eigentlich nicht bei dem blonden Jungen?", fragte Harry mich.
Meine Laune sank sofort. „Meinst du Malfoy?"
„Ja."
„Nun ja, er ist ein Arschloch. Ich musste nur mit ihm dahin, da meine Eltern keine Zeit hatten", versuchte ich ihm zu erklären, damit er nicht dachte, dass ich mit so einem Arschloch befreundet war. Harry nickte verständnisvoll, doch Ron sagte: „Wenn man vom Teufel spricht, guckt mal wer da kommt."
Wir schauten raus und ich musste unwillkürlich die Augen verdrehen. Draco und seine, nun ja, Schränke liefen direkt auf unser Abteil zu und blieben davor stehen. Die Abteiltür glitt auf und Draco musterte uns kühl. „Was?" fragte ich barsch. Das letzte was ich wollte ist ein nervender Malfoy.
„Solltest du nicht bei den reichen Reinblütern sitzen, Hunter?" Er betonte vor allem das „reich" und sah mich kühl an. Ron wurde puterrot.
„Hau ab!", zischte ich ihm zu. Er verdrehte die Augen und wandte sich Harry zu. Dann versuchte er mit einer Mischung aus Arroganz und Geschleime, Harry dazu zu bringen sein Freund zu werden, nebenbei beleidigte er noch Ron, was jetzt wirklich keine gute Idee war. Harry verneinte natürlich, was Draco wütend machte. Das ganze artete irgendwie aus und endete damit das Rons fette Ratte Goyle in den Finger biss.
„Crabbe, Goyle wir gehen, die sind es nicht wert" er wandte sich mir zu: „Komm mit!"
„Bitte! Du bist nicht mein Vater! Ich bleibe hier bei meinen Freunden!" Mit einem arroganten Kopfnicken, wandte er sich um und stolzierte weg, er lief wie ein Model, nur das es einfach nur dumm aussah.
„Was war das denn?!" Ron glotzte raus und sah Draco und seine „Freunde" weglaufen. Harry und ich zuckten nur mit den Schultern und ich wandte mich Ron zu.
„Ron, es ist nicht schlimm arm zu sein. Guck dir Malfoy an, viel Geld Scheiß Charakter. Der ist nicht einen Deut besser nur weil sein Vater Geld hat."
Ron guckte mich erleichtert an. „Meinst du?" Ich nickte.
Die Abteiltür glitt ein drittes Mal auf, es war wieder dieses Mädchen, Hermine Granger, glaubte ich. Mit einem Stirnrunzeln sah sie das Chaos an, und sah uns fragend an: „Was ist denn hier passiert?" Harry und Ron nuschelten irgendwas unverständliches. Hermine seufzte und meinte nur: „Wir sind fast da, zieht schon einmal eure Umhänge an." Dann verließ sie hochnäsig das Abteil, aber erst nachdem sie Ron darauf aufmerksam gemacht hat, dass er Dreck an der Nase hatte. Ich musste grinsen, sie war mir mit ihrer etwas seltsamen Art irgendwie sympathisch.
Wir zogen uns schnell um, als auch schon der Zug in Hogsmeade ankam. Nachdem wir aus dem Zug gesprungen waren, liefen wir dem Mann aus der Winkelgasse hinterher, den Draco beleidigt hatte. „Wie heißt der Mann?", raunte ich Harry zu. Er erzählte mir von seiner Begegnung mit Hagrid und ich musste grinsen. So hätte ich auch gerne meinen Brief bekommen. Mit schön viel Drama.
Bei den Booten angekommen, sah ich Draco mit ein paar anderen Reinblütern stehen. Ich setzte mich zu Harry, Ron und Hermine in ein Boot. Als wir das erste Mal Hogwarts sahen, verschlug es uns allen den Atem. Ich hatte schon viele Bücher über Hogwarts gelesen und auch viele Bilder gesehen, aber jetzt das Schloss in echt zu sehen, es war wunderschön. Kein Bild, dass ich je gesehen hatte, konnte die perfekte Eleganz und den Glanz einfangen, den das Schloss versprühte. Die Art wie es dort oben auf dem Berg thronte und uns alle mit seiner glitzernden Fassade überragte, hatte mich jetzt schon vollkommen eingenommen, bevor ich überhaupt einen Fuß dort hineingesetzt hatte.
Nachdem wir die Boote verlassen hatten liefen wir einen steilen Weg hoch. Hinter uns konnte ich Draco motzen hören, dass der Schlamm seine teuren Schuhe ruinierte. Ich verdrehte die Augen. Wir waren fast in Hogwarts und der motzte wegen seinen Schuhen. Wahrscheinlich um Hagrid zu nerven und um mit seinem Geld zu prahlen.
Am Ende der großen Treppe, erwartete uns eine streng aussehende Lehrerin, die sich als Professor McGonagall herausstellte. Sie erzählte den Schülern die nicht viel über die Häuser wussten, ein bisschen etwas. Dann ließ sie uns in einem Zimmer stehen und ging davon. Ich hörte wie Ron zu Harry sagte, dass man eine Art Prüfung bestehen musste. Harrys Gesichtsausdruck war unbezahlbar.
Ich wusste, dass man nur einen Hut aufgesetzt bekommt, das hatten mir meine Eltern erzählt, doch ich machte mir nicht die Mühe die beiden darauf hinzuweisen, sie würden es sowieso gleich erfahren. Hinter mir hörte ich Hermine hektisch Zaubersprüche flüstern.
McGonagall kam wieder herein mit einem alten Hut und einem dreibeinigen Stuhl. Sie führte uns die große Halle, die einfach nur atemberaubend war. Neben mir sagte Hermine gerade, dass die Decke verzaubert sei und ich musste lächeln. Endlich war ich in Hogwarts.
