ᴅʀᴀᴄᴏ ᴍᴀʟꜰᴏʏ
I pretended I didn't care what you looked like tonight, but inside I looked at you and wondered if there was anyone more beautiful than you.
Wie von einer unsichtbaren Kraft geleitet, öffneten sich die schweren Türen und gaben den Einblick in die große Halle frei, die kaum wiederzuerkennen war.
Die Wände waren nicht mehr kalt und grau, sondern voll mit Weinachtsschmuck, magisch verzaubertem Schnee und Kristallen. Überall in der Halle standen große Skulpturen aus Eis, die so verzaubert waren, dass sie nicht schmelzen konnten.
Doch all das war mir herzlich egal. Während Daphne neben mir herlief und erstaunt die ganze Deko betrachtete, lag mein Blick vorne bei Emily, die gemeinsam mit Potter nun auf den großen Podiumstisch zusteuerte, an dem die Champions gemeinsam mit ihrer Begleitung speisen würden.
Bei Salazar, ich war so dämlich. Natürlich ging Emily mit Potter zum Ball, die beiden waren quasi schon fast ein Paar. Wenn sie mal nicht mit der Weasellette unterwegs war, dann konnte man sie nur in Begleitung von Potter, Granger und Wiesel sehen. Sie aßen zusammen, liefen gemeinsam immer herum und jetzt gingen sie auch zusammen zum Ball.
In einer Ecke konnte ich Rita Kimmkorn sitzen sehen, die mit großen Augen alle Paare anstarrte und dann ihrer Feder etwas dirigierte.
Die Champions, wobei man Potter kaum als so etwas bezeichnen konnte, nahmen Platz am Podiumstisch, womit sie uns alle überragten und wir steuerten auf einen Tisch zu, an dem etwa ein Dutzend Platz hatte. Blaise, der zu meiner Überraschung mit Pansy zum Ball ging, schenkte mir einen wissenden Blick und ließ sich dann gegenüber von mir nieder. Genervt rollte ich mit den Augen. Er war zwar mein bester Freund, doch er sollte sich gefälligst um seinen eigenen Kram kümmern und mir nicht immer so allwissende Blicke zuwerfen.
Fast hätte ich vergessen Daphne den Stuhl zurecht zu ziehen, wie es sich für mich gehörte, doch ich war so in Gedanken versunken, dass ich es erst merkte, als sie mir leicht ihren Ellenbogen in die Seite stieß und mir einen vielsagenden Blick zuwarf, der mich auf absurde Weise an Emily's Mutter erinnerte.
Nachdem alle Platz genommen hatten, erhob der alte Kauz sich und breitete seine knochigen Arme aus, als wolle er uns alle mit seinem Segen überhäufen und wünschte uns dann einen schönen Abend.
Ja danke, den werde ich ganz sicher nicht haben. Nicht wenn Narbengesicht mit Emily die ganze Zeit vor meiner Nase herumtanzte.
Stattdessen griff ich zu meiner Karte und sah mich verwirrt um. Zwar lagen vor uns blank geputzte, goldene Teller, doch während auf meinem und einigen anderen noch gähnende Leere herrschte, machten sich andere schon über ihr Essen her. „Du musst den Namen deines Gerichts laut aufsagen", sagte Daphne an sich gewandt und sagte daraufhin laut „Schweinekotellets", woraufhin diese auf ihrem Teller erschienen.
Ich tat es ihr gleich, da ich wirklich keine Lust hatte meine Zeit mit der Auswahl meines Essens zu verschwenden und stattdessen einfach nur noch zurück in die Geborgenheit meines Gemeinschaftsraumes wollte. Nicht dass ich jemals Lust auf diesen Ball hatte, so eine Veranstaltung wurde wahrlich auch nur von Mädchen gefeiert. Mit Grauen erinnerte ich mich wie Daphne mir stundenlang die Ohren voll gequatscht hatte und mich dazu gezwungen hatte mit ihr ein Kleid auszusuchen.
Nun saß sie glücklich neben mir und fühlte sich mächtig stolz in ihrem smaradggrünem Kleid mit den Spagettiträgern. Sie hatte ja keine Ahnung wie wenig mich ihr Kleid interessierte und ich stattdessen Emily's betrachtete, dass um Welten besser aussah. Im Allgemeinen war sie wunderschön. Als ich sie unten am Treppenabsatz stehen sah, wie sie zu mir hoch sah, da wäre ich fast gestorben. Und sie hatte natürlich nichts besseres zu tun, als mich anzupampen und mir wieder einmal unter die Nase zur reiben, wie viel besser sie als Daphne war.
Und sie wusste, dass sie toll aussah. Vorsichtig riskierte ich einen Seitenblick zum Podiumstisch und mein Herz zog sich auf schmerzhafte Weise zusammen. Dort saß sie neben Potter und Granger und amüsierte sich prächtig. Wobei Granger eher in ein Gespräch mit Krum vertieft war und dabei sogar vergaß zu essen. Na super, sogar Granger sah heute gut aus; wir konnten nicht einmal über sie herziehen und einen beleidigen Kommentar in ihre Richtung werfen, denn so wie ich die kleine Streberin kannte, würde sie nur lachen und weitergehen mit dem Wissen, dass sie sehr wohl gut aussah.
Von meinen eigenen Gedanken genervt wandte ich mich wieder meinem Essen zu und hoffte, dass es bald zu Ende gehen würde.
Nach einer gefühlten Ewigkeit war endlich auch der letzte Teller leer und ein Scharren hunderter Stühle ertönte in der Halle. Die Champions und ihre Begleiter erhoben sich und stolzierten auf die Tanzfläche, wobei mir mit Vergnügen auffiel, dass Potters Beine schlotterten. Tja.
So war ich nun eine halbe Ewigkeit, die sich furchtbar anfühlte, gezwungen, wie Potter Emily antatschte und mir ihr über die Tanzfläche schwebte (wobei Potter eher von Emily über die Tanzfläche geschleift wurde, denn er sah aus, als ob er sich bald übergeben würde).
Träge starrte ich auf die Tanzfläche. Meine Sicht verschwamm und die Farben vermischten sich vor meinen Augen. Erst als ich einen ziemlich heftigen Schlag gegen den Arm erhielt sah ich auf und erkannte Daphne's Gesicht vor mir. „Wie wäre es mit Tanzen?", fragte sie bissig.
„Nein, danke. Vielleicht später", erwiderte ich genervt und hoffte, dass sie sich einen anderen Tanzpartner suchen würde, doch sie schenkte mir nur ein ziemlich künstliches Lächeln und packte mich am Arm. „Das war keine Frage." Bei Salazar, sie war unfassbar anstrengend.
Genervt blies ich die Luft aus und ließ mich von ihr auf die Tanzfläche zerren. Warum musste sie so nervig sein und konnte nicht sehen, dass ich absolut keine Lust auf Tanzen hatte? Doch ich sagte nichts und legte ihr meine Hand auf ihre Hüfte.
Glücklicherweise beherrschte ich die Schritte im Schlaf; schon im Alter von fünf hatte Mutter mir alle Tänze beigebracht, da in den alten Reinblutfamilien oft Feste veranstaltet wurden, in denen immer getanzt wurde. Es war quasi Pflicht als Reinblut tanzen zu können. Zu meiner Überraschung konnte sogar Longbottom tanzen, wie mir auffiel, als er mit der Weasellette an uns vorbeitanzte.
Daphne, die nun ein vollkommen anderer Mensch war, grinste mich freudig an und lehnte sich nach vorne, um mich zu küssen. Ohne Widerrede ließ ich es zu und zog sie näher an mich heran. Es war komisch; jahrelang hatte ich Mutter zugehört wie sie mir abends vor dem Schlafengehen, wenn Vater es nicht mitbekam, eine Geschichte über die Liebe erzählte. Sie sprach von Schmetterlingen im Bauch, Träumereien und Feuerwerken. Doch nichts davon trat ein, wenn ich Daphne küsste, auch wenn sie wahrlich wusste was sie tat. Es fühlte sich lediglich gut an, nichts weiter.
Vielleicht lag es auch daran, dass sie nicht Emily war und diese niemals ersetzten konnte.
Ich hatte keine Ahnung wie lange wir dort standen und uns küssten, bis wir von einer mir vertrauten Stimme unterbrochen wurden: „Guck mal, die fressen sich gegenseitig ihre Gesichter auf!"
Die Stimme gehörte natürlich Emily, die mit Potter an uns vorbei tanzte und uns einen belustigten Blick zuwarf. Auch Potter sah höchst amüsiert drein als er uns erblickte und sagte dann zu Emily etwas was sie stark nach: „Malfoy sieht aus wie ein Priester" anhörte.
Wütend wollte ich etwas zurückschleudern, doch die beiden waren schon weg und Daphne starrte mich nun an und zog an meiner Hand. „Ich hab Durst."
Das hieß sie wollte jetzt, dass ich wie der absolute Volltrottel zur Bar eilte und der feinen Dame etwas zum Trinken holen sollte. Ich war kurz davor mit einem „Na und? Da hinten ist eine Bar" zu antworten, doch ich konnte mich noch davon abhalten und sagte stattdessen in einem schmeichelndem Tonfall: „Was darf ich meiner Herzensdame denn bringen?"
Emily hätte das mit Sicherheit absolut kitschig und furchtbar gefunden und hätte mir einen sarkastischen Spruch an den Kopf geschleudert, doch sie war nun mal nicht Daphne, die nach diesen Worten ein mädchenhaftes Kichern ausstieß und ein „Such dir etwas aus" murmelte.
Bei Salazar, jetzt sollte ich aufgrund von nichts wissen, was ihr Lieblingsgetränk war. Würde ich ihr etwas falsches bringen wäre der Aufruhr groß. Nachdem ich ihr ganz der Gentleman auf die Hand geküsst hatte, machte ich mich auf zur Bar. Nach einem mehr oder weniger erfolgreichen Studieren der Karte beschloss ich einfach ein schlichtes Wasser zu nehmen. Daphne beschwerte sich sowieso ständig, dass sie viel zu dick war, dabei gehörte sie zu jener Gruppe, die so viel essen konnten wie sie wollten und dabei keinen Gramm zunahmen.
Mit meinen Glas Wasser machte ich mich wieder auf die Suche nach Daphne, die, als sie das Wasser sah, sofort einen Schmollmund machte und meinte: „Ein Wasser?"
„Wärst du halt mit zu Bar gekommen anstatt mich wie dein Diener herumzuschicken, dann hättest du jetzt dein Lieblingsgetränk, von dem ich übrigens überhaupt nichts weiß!", sagte ich sauer und drückte ihr das weihnachtlich verzierte Glas in die Hand. So langsam hatte ich es satt von ihr herumgeschleift zu werden.
„Aber warum denn ausgerechnet Wasser?", meckerte sie weiter.
„Was hättest du denn sonst trinken wollen?", fragte ich sie mit zuckersüßer Stimme, damit sie endlich den Schnabel hielt und sich zufriedengestellt fühlte.
Leise murmelte sie ein Getränk bei dessen Erwähnung ich fast zu kotzen anfing. „Bitte was? Das ist doch viel zu süß und klebrig!"
Nun starrte sie mich mit offenem Mund an und rief dann mit gefährlich hoher Stimme: „Willst du damit sagen, dass ich fett bin?"
„Nein, das hab ich nicht ges-", setzte ich an, doch sie war schneller. Mit einem Schwung kippte sie mir das Wasser ins Gesicht und eilte mit einem „Du Arschloch" davon. Fassungslos starrte ich ihr hinterher. Sie benahm sich wie ein kleines Kind. Bestimmt dachte sie jetzt, dass ich nachrennen würde und ihr beteuern würde, wie sehr ich sie liebte und sie gar nicht fett war, doch das konnte sie vergessen.
Wie ein nasser Pudel stand ich nun abseits der Tanzfläche auf dem ach so strahlenden Ball. Um mich herum tanzten überall Paare, lachten und verschwanden gemeinsam nach draußen um sich einen ungestörten Ort zu suchen und ich- ich stand mittendrin. Meine Freundin hatte mir ein Glas Wasser ins Gesicht gekippt, das Mädchen, dass ich mochte vergnügte sich mit meinem Erzfeind und sogar mein bester Freund war unaufspürbar. Da brauchte man ihn einmal und schon war er mit Parkinson verschwunden.
Dieser ganze Ball zehrte an meinen Nerven und in mir stieg der dringende Wunsch auf, in mein Bett zurückzukehren und alle Erinnerungen an diesen ihn auszulöschen.
Langsam ließ ich mich auf die Bank neben mir plumpsen und sah mich im Raum umher. Viktor Krum stand an der Bar und betörte Granger mit seinen Blicken; Diggory tanzte mit Chang um sein Leben und Wiesel's Begleitung hatte sich davon gemacht und tanzte nun mit einem Franzosen.
Mein Blick blieb an Emily hängen die mit ihrer Mutter bei Potter stand und aussah, als ob sie sich höchst unwohl fühlen würde. Dass ihre Eltern anwesend waren wunderte mich nicht sonderlich. Zu so einer Veranstaltung wurden auch gerne mal hohe Ministeriumsangehörige eingeladen, die dann mit ihren Kindern angeben konnten. Sicher war Vater hier auch irgendwo und zeigte den ärmeren Kindern, wie viel wert sie eigentlich waren.
Emily sah höchst genervt drein als ihre Mutter ein Lachen ausstieß, dass ich sogar aus 20 Metern Entfernung hören konnte, doch dann änderte sich ihr Gesichtsausdruck, als sie mich erblickte. Kaum hatte sie meinen Blick gestreift blitzte etwas in ihren wunderschönen Augen auf und sie steuerte auf mich zu.
Mein Herz begann auf einmal wie verrückt zu rasen, als ich sah wie sie auf mich zukam und mir dabei ihren Blick schenkte. Was zum Teufel hatte sie vor? Meine Frage wurde beantwortete, als sie nur ein emotionsloses „Malfoy" sagte und sich ganz ans anderes Ende der Bank setzte.
„Was zur Hölle willst du, Hunter?"
„Weißt du, meine Mutter belästigt gerade auch noch meine Freunde und ich wollte schnell verschwinden bevor sie irgendwas sagt, für das ich mich noch für immer schämen werde", sagte sie munter und ich konnte nicht anders als sie überrascht anzustarren. Das war nicht die Emily, die ich kannte. Denn diese hätte mir sofort einen beleidigenden Kommentar an den Kopf geschleudert und wäre dann weiter spaziert.
Wie als hätte sie meine Gedanken gelesen veränderte sich auf einmal ihre ganze Mimik und sie sah mich mit eiskalten Augen an: „Nun, aber das ist sowieso nicht wichtig; du verehrst ja deine Eltern. Schau mal, da hinten ist auch schon dein toller Vater. Ich geh mal bevor er mich mit seinem Schlangenstock erschlägt." Und schon war sie aufgestanden und in Richtung Bar marschiert.
Kaum hatte ich meinen Blick von ihr abgewandt, stellte sich auch schon Vater in mein Blickfeld. „Sohn, lange nicht gesehen! War das deine Begleitung?", sagte er ohne jegliche Wärme in seiner Stimme und musterte dabei Emily, die sich nun an der Bar mit einem der Weasley-Zwillinge unterhielt.
„Nein", entgegnete ich rasch, „Das war nur ein kurzes Gespräch. Meine Begleitung ist nur kurz auf die Toilette. Ich werde sie mal suchen." Ohne auf eine Antwort zu warten, stand ich auf und lief an ihm vorbei, obwohl ich wusste, dass er das absolut nicht gutheißen würde.
Doch ich war schon an ihm vorbei und lief nun auf den Ausgang der Halle zu, die mir heute schon so viel Leid erbracht hatte. Ich würde wirklich Daphne suchen und mich entschuldigen; vielleicht konnte ich so wenigstens eine Sache an diesem Abend wieder richten.
Ich fand Daphne in einem Korridor, nicht weit von der Halle entfernt, wie sie sich die Tränen vom Gesicht wischte. Mit dem Gefühl gerade in meine eigene, persönliche Hölle zu laufen steuerte ich auf sie zu.
