Kapitel 71
Gegenteil
etwas, was den genauen Gegensatz zu etwas darstellt, was etwas anderem völlig entgegengesetzt ist
Hermione hatte einfach nicht gewusst, wohin sie gehen sollte. Es war weit nach Sperrstunde gewesen und sie hatte mitten im Gang gestanden. Also war sie zu dem einzigen Ort gegangen, den es hier in Hogwarts für sie gab. Zurück in den Gryffindortum. Wo Ron war, den sie gerade gar nicht sehen wollte. Sie liebte Ron nicht. Kein bisschen. Sie hatten ewig nichtmehr an ihn gedacht. Sie sah ihn morgens nicht bevor sie Hogwarts verließ und sie waren nie wieder zurückgekehrt, um ihn erneut treffen zu können. Denn egal was sie einmal für ihn empfunden hatte. Es reichte nicht ansatzweise an das heran, was sie für Draco empfand.
Langsam ging sie durch die kalten Flure und hoffte einfach jemand würde sie aufhalten. Das Professor McGonagall sie erwischen würde oder sonst jemand. Aber niemand bemerkte sie und sie konnte die Tränen nicht zurückhalten, während sie durch die kalten Gänge lief.
Was tat sie hier eigentlich. Das war nichts, was sie tun wollte. Sie wollte bei Draco sein. Sie wollte in seinen Armen liegen und sich sicher geborgen und glücklich fühlen. Aber sie hatte keine Antwort für ihn. Sie konnte ihm nicht sagen, warum sie es nicht ertragen, würde demütigende Sexspiele mit Rons aussehen zu spielen. Es gab für sie selbst keinen Sinn. Aber vielleicht würde es helfen, wenn sie eine Antwort darauf finden könnte. Vielleicht würde es Dracos Eifersucht mildern und wenn sie ehrlich war, wäre sie an seiner Stelle, wahrscheinlich wäre sie auch eifersüchtig. Sie war wahnsinnig eifersüchtig auf jedes Mädchen, das ihn ansah und schnappte über, sobald Draco auf einen einzigen Jungen eifersüchtig war. Rational betrachtet war es unfair. Emotional betrachtet, empfand sie einfach nichts mehr für Ron und die Eifersucht war vollkommen unbegründet.
Orientierungslos kam sie im Gryffindor Gemeinschaftsraum an. Es war niemand mehr wach, da es schon weit nach Mitternacht war. Kurz war sie versucht einfach schlafen zu gehen, aber sie würde sowieso nicht schlafen können. Sie musste jetzt das Problem lösen und es gab nur einen Menschen, der ihr dabei helfen konnte. Derjenige der ihr immer zugehört hatte, wenn es um ihre Probleme mit Ron gegangen war.
„Harry", wisperte Hermione leise, nachdem sie sich in den Schlafsaal der Jungen geschlichen hatte. Doch außer, dass Ron laut schnarchte, geschah nichts.
„Harry", flüsterte sie energischer und rüttelte ihn an der Schulter. Einen Augenblick später schlug er endlich die Augen auf. Er sah sie verwirrt an und Hermione brauchte einen Moment um sich darüber klar zu werden, dass er sie heute kaum gesehen hatte. Es war Draco gewesen der mit Harrys Aussehen ihren Mund gefickt hatte. Nicht Harry. Ganz sicher nicht Harry und trotzdem war sie froh, dass der Junge vor ihr einen Moment brauchte um wach zu werden, damit sie ihre Verlegenheit niederkämpfen konnte.
„Hermione?", fragte Harry verschlafen.
„Psst", zischte sie. „Können wir kurz reden?", fügte sie hinzu und Harry verzog die Stirn. „Wie spät ist es?", wollte er wissen.
„Halb zwei", antwortete Hermione und Harry stöhnte auf.
„Es ist mitten in der Nacht. Kann das nicht bis morgen warten?", wollte er wissen.
„Ich kann nicht schlafen und ich weiß nicht, was ich machen soll und ich brauch deine Hilfe", sagte sie und versuchte ihre Stimme nicht zu weinerlich klingen zu lassen.
Harry seufzte auf, fischte allerdings seine Brille vom Nachttisch und stand ergeben auf. Sie traten hinaus auf den Flur und setzten sich auf einen Fenstersims an der Wendeltreppe die höher, zu den anderen Schlafsälen führte.
„Was ist so wichtig?", wollte Harry wissen und Hermione presste ihre Lippen zusammen. Sie wusste nicht recht, wie sie ihr Problem beschreiben sollte.
„Warum ist mir Ron so wichtig?", wollte sie von Harry wissen und dieser sah sie einfach nur bedröppelt an.
„Weil wir Freunde sind?", antwortete er irritiert und Hermione bemerkte, dass sie wahrscheinlich etwas weiter ausholen musste. Harry alles erzählen musste, damit er das Problem verstand.
„Ich habe einen Freund", begann Hermione. „Also wir lieben uns. Ich weiß, du hast davon bis jetzt nichts mitbekommen, aber das liegt daran, dass ich mich seit über zwei Jahren in einer Zeitschleife befinde. Es liegt an dem Zeitumkehrer den ich im dritten Schuljahr hatte."
„Eine Zeitschleife?", fragte er irritiert. „Sowas wie im Fernsehen?"
„Fast genauso wie im Fernsehen. Sie geht nur über zwei Tage und nicht nur über einen", sagte Hermione.
Harry sah sie einen Moment sprachlos an dann nickte er knapp. „Ich glaub ich hole mir was zum Überziehen. Das könnte länger dauern, oder?"
Hermione nickte nur und Harry verschwand in seinen Schlafsaal, um sich seinen Morgenmantel zu holen. Zusammen setzten sie sich in den Gemeinschaftsraum aufs Sofa und Hermione zog ihre Beine an.
„Du bist also in einer Zeitschleife. Und wie kommst du da wieder raus?", wollte Harry wissen und Hermione gab ihm die Kurzform, dass es an dem Zeitumkehrer lag, der für den Zauber genutzt worden war, dass es noch eine ganze Weile dauernd würde bis die Zeit von ganz alleine wieder Linear verlief und dass keiner außer ihr sich dran erinnern konnte. Außer ihr und ihrem Freund.
„Okay und dein Freund. Wer ist das?", wollte Harry wissen und Hermione zögerte einen Moment.
„Draco Malfoy", sagte sie dann nur und Harry sah sie sprachlos an.
„Und du hast recht, Harry", fuhr Hermione unbeirrt fort, bevor Harry etwas sagten konnte. „Draco hat das Dunkle Mal. Der Dunkle Lord hat seinen Großvater ermordet und ihn gezwungen es zu nehmen. Er droht damit Ihn und seine Mutter zu töten, wenn er nicht vor Ende des Schuljahres den Todessern einen Weg nach Hogwarts ebnet und Dumbledore tötet."
Harry schien noch immer nicht in der Lage etwas zu sagen, also fuhr Hermione fort.
„Draco will das nicht tun. Er will niemanden töten und er wollte auch Ron und Kathy nichts tun. Er war verzweifelt und verzweifelte tun manchmal dumme Dinge. So wie du, als du ihn mit dem Sectumsepra-Zauber fast getötet hast. Draco hatte wahnsinniges Glück. So wie Kathy und Ron wahnsinniges Glück hatten. Jetzt versuchen wir zusammen einen Weg zu finden, wie Draco das Dunkle Mal wieder loswerden kann. Damit er dem Dunklen Lord nicht dienen muss."
„Scheiße", murmelte Harry fassungslos als sie nicht weitersprach und kniff sich in den Arm. „Das ist kein Traum?", stellte er fassungslos fest.
„Nein, es ist kein Traum Harry. Es ist Real. Aber jetzt haben wir uns gestritten und ich weiß nicht, was ich tun soll. Es ist nicht unsere Art zu streiten."
„Ich kann mir nicht vorstellen, wie man mit Malfoy nicht streiten kann", sagte Harry und schien noch immer dabei zu sein die Nachricht zu verdauen.
„Draco ist vielleicht kein ganz einfacher Mensch. Aber wir verstehen uns gut und wir lieben uns und es ist ein Desaster, dass wir etwas füreinander empfinden. Keiner von uns beiden wollte das und trotzdem ist es passiert. Ich weiß, dass du es nicht nachvollziehen kannst. Du hast auch keine Chance, denn für dich ist Donnerstag einfach noch gestern. Du kennst ihn nicht so wie ich ihn kenne. Für mich ist er einfach nichtmehr der Kerl, der das Inquisationskommando geleitet hat und uns dauernd verhöhnt hat. Du hast selbst gesagt, dass er anders ist dieses Schuljahr. Der Mord an seinem Großvater, die Inhaftierung seines Vaters und das Dunkle Mal, haben ihn sehr geprägt. Draco ist ein sensibler, einfühlsamer und aufmerksamer Mensch", sagte Hermione und plötzlich wurde ihr etwas klar und sie fügte hinzu. „und damit das genaue Gegenteil von Ron."
Ihr war es nie so aufgefallen, da sie einfach nicht so viel über Ron nachgedacht hatte, seit sie Draco besser kannte. Aber Ron war ein ziemlich unsensibler Trampel. Er hatte nicht mal verstanden, warum sie durch Lavender so verletzt gewesen war. Er war auch leider kein Stück einfühlsam. Seine Einfühlsamkeit bestand daraus, dass er ihr nachplapperte und ihr immer zustimmte, um sie milde zu stimmen. Zumindest seit er sich von Lavender getrennt hatte. Aber sie brauchte niemanden, der immer ihrer Meinung war, egal was sie sagte. Sie kannte ihre Meinung gut genug und musste sie nicht dauernd wiederholt bekommen. Und letztendlich gab es auch nichts zu beschönigen, Ron war nicht aufmerksam. Sonst hätte er begriffen, dass sie für ihn schwärmte.
Dafür war Ron warmherzig und irgendwie einfach. Er war wahnsinnig leicht zu durchschauen. Seine Gefühle lagen beinah offen zu Tage. Ron würde auch niemals einen Streit provozieren. Ron war nur zu Menschen garstig, die auch zu ihm garstig waren. Das war ziemlich simpel.
Draco war nicht simpel. Draco war ein Rätsel und jede seiner Handlungen so unmöglich vorherzusehen wie ein Gewittersturm bei strahlend blauem Himmel. Draco legte sich auch gerne mit Leuten an. Er genoss es einfach ihnen zu demonstrieren, die Oberhand zu haben. Er ging keinem Konflikt aus dem Weg, den er gewinnen konnte und durchschaute, welche er besser mied. Draco hatte nichts von der warmherzigen etwas naiven Art, die Ron anhaftete.
Einen Moment fragte sie sich, wie sie sich in zwei so grundverschiedene Menschen hatte verlieben können und irgendwie kannte sie die Antwort und irgendwie war es keine schöne Antwort, denn sie warf kein gutes Licht auf sie selbst.
„Du weißt, dass das ziemlich unglaubwürdig klingt. Also alles", sagte Harry und mustere Hermione misstrauisch.
„Ja, ja ich weiß. Aber ich bin ich. Ich stehe unter keinem Zauber und bin auch kein versteckter Todesser mit Vielsafttrank."
„Wenn du kein versteckter Todesser bist, warum nennst du ihn dann den Dunklen Lord?", wollte Harry wissen und Hermione bemerkte, dass er seinen Zauberstab umklammert hielt.
„Weil ich viel Zeit mit Draco verbringe. Er nennt ihn so. Ich habe in den letzten Tagen viel Erfahren. Über Horkruxe und die Dunklen Künste. Mehr, als du dir vorstellen kannst. Es wird uns helfen Du-weißt-schon-wen zu besiegen. Wenn du mir nicht glaubst, hol die Karte des Rumtreibers. Sie wird dir zeigen, dass ich, ich bin."
Doch Harry machte keine Anstalten aufzustehen. „Hast du Malfoy von den Horkruxen erzählt?", wollte er wissen und musterte sie erschrocken.
„Nein. Er weiß nichts davon. Ich habe doch gesagt, wir versuchen den Fluch des Dunklen Mals zu brechen. Dafür haben wir recherchiert", beschwichtigte sie ihn. Harry nickte erleichtert.
„Ich glaube dir, dass du Hermione bist. Sonst wüsstest du nicht von den Horkruxen. Aber trau Malfoy nicht. Du kannst nicht wissen, was er ausheckt."
„Ich vertraue Draco aber. Er lügt mich nicht an. Er behauptet nicht, dass er dem Dunklen Lord nicht folge Leisten wird, wenn sonst er und seine Mutter sterben. Er behauptet nicht, dass er sich dem Orden des Phönix anschließen will oder sonst irgendwas in der Art. Er versucht nur einen Ausweg zu finden dem Dunklen Lord nicht dienen zu müssen und ich will ihm dabei helfen. Weil ich ihm glaube, dass er niemanden ermorden will."
„Hermione", sagte Harry zweifelnd, doch sie stand entschlossen auf.
„Denk darüber nach Harry. Du hast mir selbst erzählt, dass Draco etwas ausheckt, dass Snape einen Unbrechbaren Schwur geleistet hat, Draco zu beschützen. Du warst es der mir erzählt hat, dass Draco gesagt hat jemand würde ihn töten, wenn er nicht etwas für ihn tun würde. Du hast mir alle Anhaltspunkte selbst geliefert die ich brauchte, um dahinter zu kommen, was um Draco herum geschieht. Jetzt versetz dich einmal in seine Situation. Tu einen Moment so, als würde deine Mutter noch leben und du hättest die Chance sie zu retten. Was würdest du tun, um deine Eltern vor Voldemort zu retten?"
Hermione wandte sich zum Gehen, doch Harry hielt sie auf.
„Wohin willst du?", fragte er überrascht.
„Ich gehe Draco suchen. Wir haben uns gestritten, aber ich will nicht mit ihm streiten. Ich fühlte mich schlecht, dass wir gestritten haben und ich muss das grade biegen."
Hermione bemerkte noch, wie Harry ihr perplex hinterherstarrte als sie um zwei Uhr nachts aus dem Gryffindor Gemeinschaftsraum marschierte, um Draco Malfoy zu suchen.
Überrascht blieb Hermione im Porträtloch stehen.
„Myonie", sagte Draco und stieß sich ab, wo er an der Wand gelehnt hatte. „Ich war oben in deinem Schlafsaal, am Fenster, aber da warst du nicht. Ich dachte du bist irgendwo im Schloss unterwegs und würdest bestimmt hierher kommen."
Draco blieb vor ihr stehen, direkt vor dem Porträtloch, damit sie nicht an ihm vorbeikonnte.
„Draco ich-", begann sie, doch Draco unterbrach sie.
„Lass mich zuerst reden", sagte er und atmete tief durch. „Es tut mir leid. Ich hätte das nicht sagen dürfen. Ich wusste das es dich verletzt und ich habe mich ziemlich schlecht gefühlt, nachdem ich das gesagt habe. Ich will nicht, dass wir wegen sowas streiten. Du brauchst nicht zu begründen, warum ich irgendwas unterlassen soll. Mir ist es wichtiger, dass du es mir sagst, dass wir ehrlich miteinander sind und deshalb war meine Reaktion unangebracht."
Hermione wusste einen Moment nicht, was sie sagen sollte. Draco hatte sich noch nie. Noch niemals in der ganzen Zeit, die sie ihn kannte für irgendwas entschuldigt. Er hatte schon eingestanden Fehler gemacht zu haben. Ja, dass schon, aber eine Entschuldigung war es bis jetzt nie gewesen und es war das erste Mal und das er es jetzt tat, zeigte wahrscheinlich am meisten, dass er es wirklich bereute.
Mit einem Schritt hatte sie den Abstand überwunden und klammerte sich an sein Hemd. Vergrub ihre Nase an seiner Brust und aus irgendwelchen Gründen konnte sie nicht verhindern, dass ihr die Tränen in die Augen stiegen.
„Ich liebe dich", schniefte sie und musste schlucken, um gegen die Tränen anzukämpfen. Sie sah zu ihm hoch, um seinem Blick zu begegnen.
„Ich liebe dich mehr als ich Ron jemals geliebt habe und ich will nicht mit dir streiten. Nicht wegen sowas und nächstes Mal, wenn wir uns streiten, dann darfst du mich nicht gehen lassen, hörst du. Du musst mich festhalten, so wie beim ersten Mal und dann müssen wir miteinander reden und uns vertragen, ohne dass wir nachts allein durch Hogwarts irren. Denn ich will nachts nicht allein sein. Ich will bei dir sein und in deinen Armen einschlafen und mich dabei zufrieden und glücklich fühlen."
Draco drückte sie an sich und vergrub sein Gesicht in ihren wunderschönen wilden braunen Locken. Er atmete tief ihren Geruch ein und Irgendwie beruhigte es ihn, dass sie es genauso sah. Dass sie nicht mit ihm streiten wollte. Er hätte nicht gewusst, was er tun sollte, wenn sie hätte streiten wollen. Aber sie wollte nicht streiten. Sie wollte das er sie aufhielt, sie festhielt und sie bei sich behielt.
„Versprochen", murmelte er und er war sich verdammt sicher, dass er nicht zulassen würde, dass sie nochmal weglief, nur weil er mal wieder vergas, dass sie ihm wichtig war und er ihr nicht wehtun wollte.
Draco drückte sie fest an sich, als er plötzlich eine Bewegung vor sich wahrnahm. Ihm wurde bewusst, dass sie noch immer genau vor dem Gryffindor Gemeinschaftsraum standen und im offenen Porträtloch stand Potter und starrte sie ziemlich entgeistert an. Vielleicht, wenn er noch der alte gewesen wäre, hätte er sicher irgendetwas unpassendes zu Potter gesagt. Aber gerade hatte er andere Prioritäten. Gerade war Potter einfach nur verdammt unwichtig und die Tatsache, dass es so war, fühlte sich gut an.
Draco verstrickte seine Hand einfach in Hermiones Haaren und ihre Locken wickelten sich besitzergreifend um seine Finger. Als wollten sie ihn einfangen und festhalten und der Gedanke gefiel ihm. Draco hätte ewig hier stehen und sie einfach nur festhalten können, doch ein Miauen ließ ihn aufschrecken. Hermione realisierte schneller, was es war und löste sich von ihm.
„Mrs Norris!", fluchte sie und Draco glaubte schon fast Filchs schlurfende Schritte hinter sich zu hören, als Hermione ihn mitzog. „Los hier rein", sagte sie und dirigierte ihn durch das Porträtloch. Ehe Draco es sich versah, stand er im Gemeinschaftsraum der Gryffindors, in dem alles Rot und Gold um die Wette leuchtete.
Er war bis jetzt noch nie hier gewesen und kurz gönnte er sich einen Moment den Raum zu mustern. Gemütlich sah er aus. Überall standen große rote Sessel und die Fenster zeigen den wolkenlosen nachtschwarzen Himmel draußen vor Hogwarts. Die Glut im Kamin war heruntergebrannt und der Raum wurde nur von ein paar wenigen gedimmten Lampen beleuchtet.
„Willkommen im Gryffindor Gemeinschaftsraum", sagte Hermione und irgendwie klang sie ziemlich belustigt.
„Gib es zu, es war nur dein Plan mich hier drinnen einzusperren meine kleine durchtriebene Hexe", neckte er sie und Hermione schlang kichernd die Arme um seinen Hals um ihn zu küssen. Ihre Lippen legten sich zärtlich auf seine und er konnte einfach nicht widerstehen seine Hand in ihrem Haar zu versenken. Er hielt ihren Kopf fest, damit sie nicht flüchten konnte und küsste sie. Küsste sie so, dass sie niemals vergessen würde, dass sie nicht einfach vor ihm flüchten konnte. Er würde kommen und sie holen egal wo sie sich vor ihm versteckte.
Schwer atmend lösten sie sich voneinander und sahen sich an. Hermione hatte gerötete Wangen und ihre Lippen sahen wahnsinnig verführerisch aus, so wund und feucht.
„Ich liebe dich. Vergiss das nicht", sagte er und sie nickte mit einem seligen Lächeln.
„Ich träume", sagte in dem Moment Potter und Draco musste sich eingestehen, dass er ihn tatsächlich vergessen hatte. Er sah zu Potter der in einen roten Morgenmantel gewickelt vor ihnen stand und sie ziemlich fassungslos anstarrte. Auch Hermione wandte sich ihm jetzt zu.
„Harry", begann sie, doch Potter unterbrach sie.
„Nein, ich bin ziemlich sicher jemand spielt mir gerade einen Streich. Sie haben mir sicher was in den Kürbissaft gemischt. Ron war gestern Abend irgendwie komisch. Deshalb halluziniere ich und sollte ziemlich sicher einfach zurück ins Bett gehen, bevor ich mich zum Affen mache."
Er nickte und schien sich zu sammeln.
„Das ist eindeutig die Beste Erklärung für diese Situation und die die ihr da gerade in einer Ecke steht und euch eins ins Fäustchen lacht, sobald die Wirkung von dem Gebräu, das ihr mir untergejubelt habt aufhört, werdet ihr was erleben, das schwöre ich euch!"
Damit drehte sich Potter um und verschwand eine Treppe hinauf. Wahrscheinlich führte sie zu den Jungenschlafsälen.
„Ich glaube das war zu viel für ihn", sagte Hermione und irgendwie musste Draco zufrieden lachen. Er fand, dass das eindeutig eine Verbesserung in seiner Kommunikation mit Potter gewesen war. Sie hatten sich wenigstens weder verflucht noch angeschrien.
„Was machen wir jetzt? Wir können schlecht dort raus, wenn Filch den Gryffindorturm belagert und in deinen Schlafsaal komm ich nicht hoch. Von dieser Seite hindern mich die Keuschheitszauber daran", sagte Draco und musterte verstimmt den zweiten Treppenaufgang der sicher zu den Mädchenschlafsälen hinaufführte.
„Das sind keine Keuschheitszauber. Das sind Schutzzauber!", erwiderte Hermione belehrend und Draco schnaubte nur verächtlich.
„Ist doch das gleiche."
„Ich denke wir können hier warten und in einer Stunde oder so in den Raum der Wünsche gehen", schlug Hermione vor und seufzend ließ er sich auf einem dieser großen bequemen roten Sofas nieder. Draco zog Hermione in seine Arme und ganz kurz dachte er noch darüber nach, dass es ziemlich kalt auf den Gängen im Schloss war, als er auch schon eingeschlafen war.
Nachwort:
Ich habe mit Absicht keine Rechtfertigung von Hermione Draco gegenüber geschrieben. Denn Gefühle brauchen keine Erklärung. Keiner muss wissen, warum er etwas nicht mag. Man darf es auch einfach nicht wollen. Das muss akzeptiert werden.
Natürlich kann man um eine Erklärung bitten. Aber zu sagen man will es nicht sagen oder man weiß es nicht, weil man nie darüber nachgedacht oder zu keinem Ergebnis gekommen ist, ist ebenfalls eine adäquate Antwort.
Kein Mensch kann sich selbst immer vollkommen verstehen, denn Emotionen sind von viel zu vielen Faktoren abhängig. Manchmal auch nur von dem Idioten der einen in der U-Bahn falsch angeraunzt hat oder dem netten LKW-Fahrer der einen mit dem Auto reinlässt, obwohl man die Ausfahrt fast verpasst hat und sich reindrängen muss. Daran kann niemand etwas ändern und das Verständnis dafür ist zwar nie leicht aber es gehört dazu.
Hier ein Geständnis: Ich kann keine Streitereien schreiben. Weil ich selbst nicht so streiten kann wie ich es manchmal lese. So hirnverbrannt übernational nur auf sein eigenes Recht beharrend und komplett an den eigenen Gefühlen vorbei. Dafür sind wir viel zu reflektiert. Natürlich streite ich mich mit meinem Mann, viel und leidenschaftlich. Läuft fast so ab wie hier. Einer baut Mist. Beide sind sauer. Emotionen kochen hoch. Man beruhigt sich. Denkt wie idiotisch das ist zu streiten und löst das Problem. Irgendwie schaffen wir es jeden Tag schlafen zu gehen und uns wieder lieb zu haben. Wurde mit den Jahren irgendwie leichter.
LG
Salarial
