Kapitel 80
Sadismus
Bezeichnung aus der Pathologie, benannt nach de Sade, dem Schriftsteller, der pornografische Inhalte, mit Gewaltfantasien mischte
Enttäuscht stand Hermione auf und ging ins Bad. Zu gerne hätte sie noch etwas in Dracos Armen gelegen. Aber die Zeit kannte kein Erbarmen. Immer und immer wieder begann der Zyklus von neuem und ließ sie allein in ihrem Schlafsaal aufwachen. Der einzige Trost war, dass sie sich bald wiedersehen würden.
Hermione hatte etwas Zeit, bevor sie sich mit Draco auf Mallorca treffen würde. Genug Zeit, um einzukaufen und die Trankliste aufzuschreiben. Es war Mittag, als sie schließlich zwischen die Johannisbrotbäume auf dem Grundstück des Ferienhauses apparierte. Sie zog sich um und begann Mittagessen vorzubereiten. In einer Boucherie hatte sie beim zwischenapparieren nach Paris eine fantastische Pastete erstanden. Draco liebte Pasteten und sie hatten sie vor ein paar Zyklen schon einmal gegessen. Sie fand, dass sie sich nach dem Erfolg des analysierten Tranks durchaus eine Feier verdient hatten.
Es war kurz nach Mittag, als es plötzlich klingelte. Irritiert sah Hermione von ihrem Buch auf. Sie hatte eines ihrer Zaubertrankbücher dabei, in der Hoffnung dort auf Hinweise zu stoßen, was die letzte ominöse Zaubertrankzutat sein konnte, die sie nicht hatten analysieren können.
Es klingelte nochmal und Hermione legte ihr Buch weg. In all den Zyklen, die sie hier Zeit verbracht hatten, hatte noch nie jemand geklingelt. Irritiert ging sie zur Tür und schaltete die Gegensprechanlage an. Ein Bild von der Überwachungskamera am Tor erschien.
Einen kurzen Moment war Hermione fassungslos. Draco stand am Tor. Er hatte eine neutrale Mine aufgesetzte und dort, direkt hinter Draco stand tatsächlich Narzissa Malfoy. Es dauerte, bis sie sich gefasst hatte, dann betätigte Hermione den Summer, was das Tor aufschwingen ließ. Hermione nutzte die Gelegenheit ihre Kleidung anzupassen. Sie hatte das kurze weiße Strandkleid an, dass Draco so liebte. Aber das war jetzt absolut unangebracht. Mit einer gemurmelten Transfigurationsformel verwandelte sie das Kleid in ein langes schickes Sommerkleid und war gerade fertig ihre Unterwäsche anzuziehen, als Draco mit seiner Mutter den Weg zur Haustür geschafft hatte.
„Willkommen im Feriendomizil der Familie Granger", sagte Hermione, als sie ihnen in der Tür entgegentrat.
Einen kurzen Moment war Draco tatsächlich beeindruckt. Er war wenig begeistert von dem Wunsch seiner Mutter gewesen ihn bei der Recherche zu begleiten. Aber sie hatte gute Argumente gehabt, dass sie eine sinnvolle Hilfe war. Als er ihr gesagt hatte, dass Hermione Granger, Potters beste Freundin ihn dabei unterstützte, war sie zwar abweisend, aber nicht minder entschlossen gewesen. Also waren die in der Bodleian Library gewesen, hatte mehrere Bücher als Lektüre eingepackt und hierher appariert.
Draco wusste nicht, was er erwartet hatte, wie Hermione reagieren würde, wenn er hier mit seiner Mutter auftauchte. Einer der Gründe, warum er sich auf das Klingeln verlegt hatte. Irgendwie war ihm das Ferienhaus fremd vorgekommen, als er an dem großen Einfahrtstor gestanden hatte und die Klingel gerückt hatte. Er hatte hier noch nie geklingelt. Er hatte auch nicht daran gedacht, dass das Tor einen elektrischen Antriebsmechanismus hatte und die Einfahrt wirkte deutlich imposanter, wenn man sie zu Fuß entlang ging, anstatt sie mit dem Auto oder Fahrrad entlang zu fahren.
Jetzt stand Hermione in der Tür und Draco hatte das Kleid, dass sie trug, noch nie an ihr gesehen. Es war weiß und reichte ihr bis über die Knie. Ihre schönen großen Brüste waren in gerafftem weißem Stoff gehalten, der im Nacken zusammengehalten wurde. Ihre wilden Locken umrahmten ihr zierliches Gesicht und Sie wirkte ungewohnt elegant, wie sie vor ihm stand.
„Guten Tag, Mrs Granger", sagte seine Mutter steif und Draco konnte sich ein Grinsen kaum verkneifen. Er hatte von ihr gefordert nett zu Hermione zu sein, wenn sie mitkommen wollte. Und sie hatte dem zugestimmt. Insgeheim freute er sich schon etwas auf den Spießrutenlauf, den seine Mutter in diesem Zyklus zu bewältigen hatte. Hermione würde ganz sicher nicht vor ihr kuschen.
„Ich bin überrascht, sie hier zu sehen, Mrs Malfoy. Kommt doch rein."
Hermione trat zur Seite und ließ sie ein. Sie warf ihm einen fragenden Blick zu, als er durch die Tür trat.
„Mutter ließ sich nicht davon überzeugen in England zu bleiben. Wir haben Bücher aus der Bodleian Library dabei. Es gibt tatsächlich ein paar Zaubertränke, die in Frage kommen. Wir müssen nur noch herausfinden, ob einer für ein entsprechendes Ritual zu gebrauchen ist."
Hermione nickte verstehend, auch wenn sie nicht sonderlich begeistert aussah.
„Habt ihr schon gegessen?", fragte sie, und Draco bemerkte, wie sie seine Mutter musterte, die gerade den Pool, die große Glasfront und den wunderbaren Ausblick Richtung strahlend blauem Meer bewunderte. Draco erinnert sich noch zu gut daran, als er das erste Mal hier gewesen war. Es war ein imposantes weitläufiges Ferienhaus. Er mochte es hier.
„Nein, hast du was besorgt?", fragte er und machte sich auf den Weg in die Küche.
„Ich habe Pastete im Backofen. Wenn du magst, kannst du ihn einschalten. 180 Grad, 30 Minuten", sagte sie und Draco öffnete begeistert den Ofen. Er liebte Pasteten und seit sie entdeckt hatten, dass es in Paris eine wunderbare Boucherie gab, in der man sie fertig kaufen konnte, war es eines ihrer liebsten Essen hier im Ferienhaus geworden. Frische Pastete und dazu ein wunderbarer Salat.
„Ausgezeichnet", sagte Draco begeistert und schaltete den Backofen an. „Salat ist im Kühlschrank?", wollte er wissen und Hermione nickte mit einem glücklichen Lächeln. Sie wusste einfach, was er mochte.
„Ist jetzt die richtige Zeit zum Essen?", fragte seine Mutter und warf ihnen einen missbilligenden Blick zu. Hermione gestattete sich ein gutmütiges Lächeln und Draco wünschte sich einen Moment zu wissen, was sie dachte.
„Draco ist unausstehlich, wenn er nichts zu essen bekommt. Ich diskutiere lieber mit ihm, wenn er satt ist", sagte sie und holte Teller und Besteck aus dem Schrank. Draco bemerkte, wie seine Mutter eine Augenbraue hob und ihn musterte. Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Habt ihr keine Hauselfen die das Essen fertig machen können, während wir uns mit wichtigeren Dingen beschäftigen?", fragte seine Mutter und Hermione zuckte nur mit den Schultern und sagte gelassen.
„Das Ferienhaus steht dieses Wochenende leer. Wir haben einen Hausverwalter, der normalerweise alles erledigt, wenn wir herkommen wollen. Aber da wir in einer Zeitschleife sind habe ich ihn nicht informiert. Muggel reagieren dann doch immer ganz unterschiedlich auf Magie. Wir werden ohne Bedienstete auskommen müssen. Außer sie wollen es riskieren einen Hauselfen zu rufen. Solange wir dann noch immer sicher und unentdeckt bleiben können, wäre das sicher eine Hilfe", sagte Hermione und trug die Teller zum Tisch. Draco prustete innerlich vor Lachen bei dem pikierten Gesichtsausdruck seiner Mutter. Er war sich sicher, ihr missfiel es genauso sehr wie ihm, dass sie in ihrem eigenen Haus nichtmehr sicher waren. Hermione hatte es verzichtet auf Hauselfenrechte einzugehen und ihr dafür ganz nett und unterschwellig zu verstehen gegeben, dass sie einfach in einer schlechten Position zum meckern war.
Draco beobachtete die Situation einen Moment und plötzlich fiel ihm auf, was ihm so seltsam vorkam. Hier unterhielten sich gerade seine Mutter und seine Freundin und warfen sich herablassende Blicke zu. Er hatte erlebt, wie Pansy mit seiner Mutter redete. Sie hatte kaum gewagt den Blick zu heben so sehr hatte sie versucht einen guten Eindruck zu machen. Dabei war das sonst gar nicht Pansys Art. Hermione scherte es einfach nicht. Und es gab auch keinen Grund, warum sie vor seiner Mutter Respekt haben sollte. Seine Mutter gab sich auch nicht sonderlich viel Mühe sie respektvoll zu behandeln. Es war ein trauriger Gedanke und irgendwie wünschte er sich die zwei wichtigsten Frauen in seinem Leben könnten sich vertragen.
Draco nahm sich drei Gläser aus dem Schrank und füllte eine Karaffe mit Wasser aus dem Trinkwassertank, bevor er Hermione raus auf die Terrasse folgte, wo sie den Esstisch deckte.
Er griff nach ihrer Hand und drehte sie zu sich. „Ich weiß, es ist überraschend, dass sie hier ist. Sie hat versprochen sich zu benehmen. Kannst du versuchen mit ihr auszukommen? Nur ein bisschen?", bat er. Hermione verzog störrisch die Lippen und sah zu Boden.
„Ich habe Schokoladenkuchen gekauft und Sekt und Pastete und dachte wir feiern zusammen, dass wir den Trank analysiert haben. Vielleicht bin ich einfach nur enttäuscht. Dafür kannst du nichts. Es ist wichtiger, dass wir herausfinden welches Ritual für das Dunkle Mal genutzt wurde."
Draco griff sanft nach ihrem Kinn und dirigierte es nach oben.
„Du bist süß", sagte er und sah den zarten rosa Hauch auf ihren Wangen. „Du bist wahnsinnig süß und nächsten Zyklus gehen wir zusammen Kuchen essen in der kleinen Patisserie in der Rue Chacé in dem es diese magischen Tartlets gibt, die so liebst."
Sie nickte zaghaft und Draco beugte sich vor, um sanft seine Lippen auf ihre zu legen. Er spürte augenblicklich, dass sie sich entspannte und vielleicht war der Kuchen und der Sekt und die Pastete nicht der wirkliche Grund, warum ihr die Anwesenheit seiner Mutter missfiel. Ihre zierlichen Arme legten sich um seinen Hals und er intensivierte den Kuss, schlag die Arme um sie und genoss ihre Sanftheit. Die Weichheit ihres Körpers an seinem. Verdammt er wurde wieder hart und das nur aufgrund eines so verdammt unschuldigen Kusses.
„Ich liebe dich", wisperte sie gegen seine Lippen und er lächelte unwillkürlich.
„Ich liebe dich auch", sagte er und ihr Lächeln war atemberaubend schön und sanft. Er liebte dieses Lächeln.
Narzissa Malfoy hatte keine Ahnung, was sie erwartet hatte, als sie Draco dazu gedrängt hatte sie hierher mitzunehmen. Draco hatte gesagt es sei das Ferienhaus von Hermione Granger. Narzissa wusste nicht viel über das Mädchen. Sie hatte sie ihm Sommer bei Madam Malkins getroffen. Sie war ein Schlammblut, mit Harry Potter und diesen widerlichen Weasleys befreundet und sehr zu Narzissas Leidwesen, Jahrgangsbeste Schülerin in Hogwarts. Ausgerechnet ein Schlammblut. Das ging ihr ziemlich gegen den Kesselrand.
Zudem war sie einer der Gründe, warum Lucius gerade in Askaban saß und es gab unendlich viele Gründe dieses Mädchen zu hassen. Trotzdem stand sie jetzt hier, in diesem großen schönen Ferienhaus, dass geradezu nach Reichtum schrie und beobachtete ihren eigenen Sohn dabei, wie er seine Feindin küsste.
Am liebsten würde sie jetzt über diese Stühle hechten und die beiden auseinanderreißen. Draco anschreien, was er sich dabei dachte sie zu küssen. Sie auch nur anzufassen oder anzusehen. Wut pulsierte durch ihre Adern. Wie konnte es dieses niederträchtige wertlose Biest wagen, sich an ihrem Sohn zu vergreifen.
Trotzdem blieb sie hier stehen. Sie war nicht Teil der Zeitschleife und jetzt ausfallend und beleidigend zu werden, würde nur dafür sorgen, dass Draco sie nichtmehr mit einbeziehen würden. Aber sie würde es verhindern, dass dieses kleine Biest seine Krallen immer tiefer in das arme Herz ihres Jungen schlug. Um jeden Preis. Draco würde nicht den gleichen Fehler begehen wie ihre Schwester und sich von ihr abwenden. Draco war kein Blutsverräter und sie würde ihn daran erinnern und ihm dieses Mädchen verderben. Sie würde diesem Bist klar machen, dass sie ihre gierigen dreckigen Schlammblutfinger von ihrem Jungen nehmen sollte.
Es wurde ein recht schweigsames Essen. Hermione fühlte sich unwohl unter dem Blick von Narzissa Malfoy. Was sie nur noch mehr dazu trieb den Rücken gerade zu halten und ihrem Blick erhobenen Haupts zu begegnen. Sie würde sich dieser Frau gegenüber, keine Schwäche leisten. Niemals. Diese Frau kannte sie nicht. Sie wusste nichts über sie und sie verurteile sie nur aufgrund der Tatsache, dass ihre Eltern keine Hexe und kein Zauberer waren. Sie stand über diesen erbärmlichen vorsintflutlichen Vorurteilen.
Nach dem Essen begutachteten sie die Bücher die Draco und seine Mutter mitgebracht hatten und Hermione verglich ihre Zutatenliste mit Dracos. Es gab wenig Abweichungen und sie war sich verdammt sicher, dass sie sechs Einhornhaare geschätzt hatten und nicht drei. Es waren eindeutig mehr als drei Schläge gewesen!
Draco diskutierte mit seiner Mutter gerade über die Zutaten, während Hermione in den Büchern las, die Draco mitgebracht hatte. An der Vorderseite prangte nun ein kleines Siegel, was es ihr erlaubte das Buch zu lesen. Sie hatte nicht gewusst, dass es sowas gab. Es waren seltene Artefakte, die die schwarze Magie vorübergehend unterdrücken konnten, sodass auch Menschen in ihnen lesen konnten die sich nicht exzessiv den Dunklen Künsten hingaben. Draco hatte erzählt, dass diese seiner Mutter gehörten. Das würde zwar die Problematik im nächsten Zyklus nicht lösen. Aber jetzt konnte sie in aller Seelenruhe darin lesen. Das war ihr deutlich lieber, als sich mit dem herablassenden Blick von Dracos Mutter zu beschäftigen. Trotzdem mochte sie die Bücher nicht. Normalerweise mochte sie alle Bücher, aber diesen waren ihr irgendwie unangenehm. Aber allein nur die Seiten anzufassen, fühlte sich widerlich an. So als würde etwas Düsteres daran kleben. Eigentlich mochte sie Bücher. Aber Bücher der Dunklen Künste waren ihr einfach zuwider.
Es wurde spät und langsam ging die Sonne unter. Im Licht der Lampen studierten sie weiter die alten Bücher und Hermione versank ganz in den Worten. Die Bücher waren widerlich und beschrieben abartige Handlungen und Rituale. Aber Hermione konnte sich der Faszination der Magie dahinter einfach nicht ganz entziehen. Es war eine Magie, die so in Hogwarts nicht unterrichtet wurde und ihr wurde bewusst, dass sie bis jetzt nur an der Oberfläche der Zaubererwelt gekratzt hatte. Es gab noch eine andere Schicht eine dunklere und Draco war zumindest zu einem Teil in ihr gefangen.
„Ich denke dieses Ritual ist es", sagte Hermione schließlich und deutete auf eine Seite aus altem, schwerem Pergament.
„Sicher?", fragte Draco und stand auf, um hinter sie zu treten.
Er las aufmerksam und Hermione schob das Buch etwas zur Seite, damit auch Mrs Malfoy mitlesen konnte.
„Ich glaube schon", sagte sie und sah auf ihre Notizen.
„Ihr habt keine Misteln in eurer Liste. Sie sind eigentlich recht einfach zu identifizieren", wandte Mrs Malfoy nach einiger Zeit ein und Hermione spitze missbilligend die Lippen.
„Das Acromantula-Gift. Ich habe schon länger darüber nachgedacht. Acromantula-Gift erwirkt Kreuzreaktionen bei manchen Zaubertrankzutaten und löscht sie restlos aus. Die Misteln und auch das Nieskraut kommen ganz am Anfang in den Trank. Sie dienen als Katalysator um die hohe Siedetemperatur zu erreichen, damit sich das Einhornhaar zersetzt. Danach kommt erst das Acromantula-Gift hinzu und sie werden zersetzt, da ihre Wirkung nichtmehr benötigt wird. Deshalb konnten wir es in der Analyse auch nicht feststellen."
Draco nickte nachdenklich.
„Gut mitgedacht", lobte er nachdenklich und blätterte auf die nächste Seite. „Acromantula-Gift kommt sogar mehrmals in den Trank. Ich habe mich schon gefragt, woher die hohe Konzentration kommt, die wir bei unserer Analyse festgestellt haben."
„Der spiralförmige Dampf, den wir nicht einordnen konnten, muss das Einhornblut gewesen sein", sagte Hermione und deutete auf eine Zutat ganz am Ende des Trankes. „Ich weiß nicht, wie Einhornblut in einer Analyse aussieht. Das geht tief in die Dunklen Künste. Aber ich weiß, dass der Dunkle Lord bereits vor seiner Rückkehr Einhornblut getrunken hat, um sich zu stärken und daraus Elixiere gebraut hat. Dieses Buch hat eine Vielzahl von Tränken die Einhornblut beinhalten. Er könnte es durchaus studiert haben."
„Der Dunkle Lord hat Einhornblut benutzt?", fragte Narzissa Malfoy und Hermione hatte fast das Gefühl, sie sei etwas blasser geworden.
„Ja. Harry hat davon erzählt. Einhornblut verflucht das Leben und die Seele. Ich denke, um genau diesen Aspekt abzuschwächen ist das Opfer notwendig", fuhr Hermione fort und deutete auf die Stelle im Ritual, in dem von dem Blutopfer die Rede war. Hermione beobachtete Draco, als sie dies sagte. Doch dieser Blickte starr auf das Buch und sie spürte beinah die Anspannung in seinem Körper.
„Welches Opfer?", fragte Narzissa Malfoy und Hermione wurde in dem Moment klar, dass sie es nicht wusste. Sie wusste nichts von Florean Fortescue.
Hermione spürte, wie Draco sich neben ihr noch mehr anspannte, bevor er einmal tief einatmete. Hermione bemerkte, wie er sich aufrichtete und griff nach seiner Hand. Sie war schweißnass. Aber er war deutlich gefasster als damals, als sie ihn damit konfrontiert hatte.
„Ich habe einen Menschen ermordet, Mutter", sagte er gefasst. „Mit den Todesfluch", fügte er hinzu und Narzissa Malfoy schien wie erstarrt. „Deshalb habe ich einen Riss in meiner Seele. Einen Riss der durch schwarze Magie und das Dunkle Mal zusammengehalten wird. Wenn ich das Ritual richtig verstanden habe, dann habe ich durch den Trank Einhornblut in mir, dass mich verflucht. Es verflucht die Seele und sorgt dafür, dass sie zerfällt. Durch den Mord, den ich begangen habe, war es möglich ein aus schwarzer Magie bestehendes Netz in die Instabilität während des Mordes einzuschleusen das alles zusammenhält und nicht zulässt, dass das Einhornblut mir schadet. Das Ritual öffnet die Seele für die dunklen Künste und durchdringt das ganze Wesen eines Menschen. Die Verbindung der Todessermale zueinander ist nur ein Auswuchs der ganzen Veränderung. Der Dunkle Lord wollte mit den Todessern eine Gruppe an skrupellosen gewissenlosen Monstern schaffen und es hat ihm nicht gereicht uns zu versklaven. Er hat uns bis in die Grundfeste unseres Seins manipuliert. Hat uns zu gewalttätigen Sadisten gemacht und -", Dracos stimme brach und sie spürte, wie er ihre Hand fester drückte. Sie festhielt, als würde sie weglaufen. Plötzlich wurde Hermione klar, woran Draco dachte.
„Nein", sagte sie bestimmt. „Das hat überhaupt Garnichts damit zu tun", sagte sie vehement.
„Woher willst du das wissen. Wir wissen beide das ich es genieße. Ich bin ein Sadist. Daran gibt es wenig zu beschönigen."
„Lass uns jetzt keine voreiligen Schlüsse ziehen."
„Aber es passt alles zusammen", sagte er verzweifelt.
„Oh bitte Draco", brauste Hermione auf und schlug ihre Faust gegen seine Brust. „Du warst schon früher, schon vor dem Dunklen Mal ein sadistisches Arschloch. Das wissen wir beide. Dir hat es immer Spaß gemacht andere zu schikanieren. Stehle dich jetzt bloß nicht aus der Verantwortung. Nur weil du seit einem Jahr eine angeknackste Seele hast. Du hast nicht das Recht alles, was du tust, damit zu rechtfertigen. Jeder von uns ist für seine Taten selbst verantwortlich!"
Draco starrte sie fassungslos an und irgendwie sorgten ihre Worte dafür, dass er sich besser fühlte. Ja, es hatte ihm immer Spaß gemacht Potter zu schikanieren. Auch die Fantasien, Mädchen unter den Imperius Fluch zu stellen und sie zu befehligen, zu fesseln und gefügig zu machen. Das waren auch keine allzu neuen Fantasien. Nur, dass er sie jetzt auslebte. Das war neu. Aber war es der Zeitschleife geschuldet, dass er sie auslebte oder seiner verfluchten Seele? Er war sich nicht sicher. Er dachte an den Vorfall mit Pansy zurück. Waren es nur die Drogen und der Alkohol gewesen? Er wusste es nicht und wahrscheinlich würde er die Antwort erst bekommen, wenn er wieder in der linearen Zeit war. Trotzdem war es ein beruhigender Gedanke.
„Für dich bin ich gerne ein sadistisches Arschloch", sagte er und konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. Auch Hermione grinste ihn an. Verdammt er würde nicht zulassen das ihr etwas geschah. Besitzergreifend schlag Draco die Arme um sie und drückte sie an seine Brust. Sie fiepte überrascht, doch es kümmerte ihn nicht. Es war ihm verdammt egal, dass seine Mutter überrascht nach Luft schnappte.
Fest drückte er ihren zierlichen Körper an seine Brust und atmete ihren betörenden Geruch ein. Nur er durfte ihr weh tun und der Gedanke brachte ihn fast dazu zynisch zu lachen. Verflucht er war echt ein ziemlich krankes Schwein.
Sie lösten sich wieder voneinander und allein sie anzusehen sorgte dafür, dass er sich besser fühlte. Das diese bodenlose Verzweiflung verschwand, die er verspürt hatte, als er von dem Einhornblut erfahren hatte.
„Wir sind weit gekommen, oder? Weiter als jeder vor uns", sagte Hermione aufmunternd. „Vielleicht gibt es einen Weg den Fluch des Einhornbluts zu brechen. Jetzt wissen wir wenigstens, womit wir es zu tun haben."
Draco nickte. Sie hatte recht. Es würde jetzt nichts bringen in Selbstmitleid zu versinken. Er hatte sich dazu entschieden das Dunkle Mal zu nehmen, um zu überleben und er wusste, er würde sich wieder genauso entscheiden. Er wollte niemanden töten, aber er wollte leben. Was für ein verdammt vermessener Wunsch.
Dracos Blick flackerte zu seiner Mutter, die sie schreckensbleich anstarrte.
„Es hat sich nie die Gelegenheit ergeben, es dir zu sagen", sagte Draco entschuldigend. „Dieser Mord, ich meine keiner spricht davon. Nicht Vater, nicht Tante Bella, nicht Snape und auch sonst niemand der das Dunkle Mal hat. Hermione hat es durch Zufall erfahren und ich habe ihr erzählt, wen ich getötet habe."
Draco bemerkte wie seine Mutter gequält die Augen schloss.
„Ich hatte keine Ahnung", sagte sie und es klang vorwurfsvoll. Vorwurfsvoll gegenüber sich selbst. Sie stand auf und sah ihn verzweifelt an. Ihre Hände zuckten zaghaft in seine Richtung. Als würde sie ihn in den Arm nehmen wollen. Doch etwas hielt sie davon ab und Draco wusste genau, was es war.
In seinen Armen hielt er noch immer Hermione und er wollte sie jetzt nicht loslassen. Es tat unendlich gut sie zu halten und er war nicht bereit Hermione loszulassen, nur damit seine Mutter ihn in den Arm nehmen konnte.
„Es ist nichtmehr zu ändern. Ich werde damit leben müssen. Solange ich lebe", sagte er und wünschte sich, er würde nicht so bitter klingen.
Schweigen breitete sich aus.
„Vielleicht sollten wir schlafen gehen", sagte Hermione leise in die Stille hinein. „Eine Nacht über alles schlafen und morgen nochmal drüber nachdenken, wenn die Informationen verdaut sind."
„Gute Idee", sagte Draco und drückte sie fester an sich. Er musste sie jetzt festhalten. Sich jetzt einfach mit ihr ins Bett zu legen und sie festzuhalten, erschien ihm ein guter Plan.
Einen Moment wirkte seine Mutter, als würde sie widersprechen wollen, doch dann nickte sie mit verbissenem Gesichtsausdruck. Draco hatte jetzt keine Kraft, sich damit auseinander zu setzen.
Nachwort:
Ich habe mich heute absichtlich beim Titel nicht für eine Definition entschieden. Sondern lieber die Wortherkunft beschrieben. Denn nichts beschreibt das Wort Sadismus besser als sein entstehen als medizinischer Befund und der Mann, nach dem es benannt ist. Heute wird Sadismus nichtmehr unbedingt sexuell gefärbt gesehen. Sadisten werden als Menschen bezeichnet die generelle Freude am Leid anderer empfinden. Aber die sexuelle Komponente, der Lustgewinn daran, ist untrennbar mit dem Wort verbunden.
Falls es euch noch nicht aufgefallen ist, heute ist der 5.6 und die größeren Harry Potter Nerds unter euch wissen, dass das Dracos Geburtstag ist. Somit sind heute und morgen die zwei Tage unserer Zeitschleife, in der diese FF sich befindet. Passend dazu gibt es Kapitel 80. Eigentlich wäre Kapitel 100 schön gewesen. Aber dieser Zyklus ist der Beginn eines neuen Handlungsstrangs. Sie haben endlich den Trank analysiert und zumindest geht es im Plot einen winzigen Schritt voran.
LG
Salarial
