Kapitel 31

Freunde

Person, die einer anderen in Freundschaft verbunden ist, ihr nahesteht

Dracos Laune war nicht die schlechteste als er zum Mittagessen in die Große Halle kam. Er hatte heute Vormittag wirklich hervorragenden Sex gehabt. Allerdings schien sein kleines Schlammblut die Begebenheiten in Paris nicht ganz so gut verkraftet zu haben. Wahrscheinlich war das brennende Dunkle Mal auf seinem Arm zu viel Realität für sie gewesen. Jetzt war sie von dem Helferkomplex beseelt ihn irgendwie retten zu müssen. Er würde es hinnehmen. Er setzte wenig Hoffnung in ihre Pläne, aber vielleicht würde er irgendwelche neuen Optionen bekommen. Es würde nicht schaden und es war immer gut, noch einen Zauberstab im Ärmel zu haben. Sie war eine begabte Hexe. Sollte sie etwas herausfinden, könnte es ihm noch nützlich sein.

Zufrieden ließ er sich an den Slytherintisch fallen. Direkt zwischen Zabini und Crabbe war noch ein Platz frei.

„Du warst nicht in Verwandlung", begrüßte ihn Zabini und warf ihm einen musternden Blick zu.

„Ist mir bewusst", antwortete Draco und tat sich Karotten auf. Das Essen in Frankreich letzten Zyklus war eine wirklich willkommene Abwechslung gewesen.

„Was ist mit Granger?", wollte Zabini wissen und musterte ihn eindringlich. Draco stockte einen Moment. Stimmt, das war ihm ganz entfallen. Es war diesen Zyklus gewesen, dass Hermione ihn vor dem Slytherin Gemeinschaftsraum abgefangen hatte. Manchmal brachte er die Zyklen durcheinander.

„Sie hat auf mich gewartet", antwortete Draco gleichmütig und schenke sich Kürbissaft ein.

„Warum?", wollte Zabini wissen und Draco konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Er mochte Zabini. Sie hatten früher zwar nicht so viel miteinander zu tun gehabt. Aber jetzt wo sie älter wurden verstanden sie sich immer besser. Zu sagen sie wären Freunde, wäre eine Übertreibung gewesen. Er hatte keine Freunde. Aber sie waren auf einer Wellenlänge und vielleicht konnten sie sowas irgendwann mal werden.

„Was, wenn ich dir sagen würde, dass ich in einer Zeitschleife feststecke in der sich Heute und Morgen immer und immer wieder wiederholt. Und unsere Schulstreberin ebenfalls mit mir feststeckt. Würdest du mir glauben?", fragte Draco und nippte an seinem Kürbissaft.

Zabini starrte ihn einen Moment Fassungslos an.

„Was hat das damit zu tun, dass du mit ihr rumknutscht?", fragte Zabini noch immer perplex.

„Wer knutscht mit wem rum?", wollte in dem Moment Pansy wissen.

„Ich mit einem Schlammblut und jetzt verschwinde", antwortete Draco und Pansy zog einen Schmollmund. Sie schien es nicht ernst zu nehmen und setzte sich zu ihrer Clique von Slytherin Mädchen.

Blaise konnte sich ein verdrucktes Lachen nicht verkneifen.

„Lass mal draußen reden", schlug Zabini vor und Draco zögerte einen Moment. Er hatte noch nicht zu Mittag gegessen. Andererseits war er neugierig was Zabini zu sagen hatte. Wie reagierte Blaise Zabini darauf, dass er mit einem Schlammblut Sex hatte? Vor allem jetzt, da er nicht high war. Das war durchaus eine Information, der er nachgehen sollte.

„Klar", entgegnete Draco und schnappte sich zwei knackige Äpfel aus dem Obstkorb.

Zusammen schlenderten sie zum großen See, wobei ihm Zabini immer wieder seltsame Blicke zuwarf.

„Du bist also mit ihr in einer Zeitschleife", wiederholte Zabini, als sie sich unter eine alte Eiche gestellt hatten und Draco genüsslich in seinen schönen grünen Apfel biss.

„Hmhm", machte Draco und nickte zustimmend.

„Seid ihr sowas wie zusammen?", wollte er wissen und Draco verschluckte sich fast an seinem Apfel. Er musste husten und schluckte dann schnell den Rest herunter.

„Spinnst du?", wollte er fassungslos wissen. Wie konnte Zabini sowas nur in Betracht ziehen. „Wir haben Sex das ist alles."

Zabini feixte und ließ sich neben Draco ins Gras fallen. Einen Moment später setzte sich Draco neben ihn.

„Ausgerechnet Granger", sagte Zabini, als könnte er es irgendwie nicht fassen.

„Sie ist heiß. Also wirklich heiß. Nicht nur so ein bisschen heiß, sondern das wahrscheinlich heißeste Ding auf Hogwarts. Glaub mir, ich hab genug gehabt in dieser Zeitschleife um das behaupten zu können."

Zabini lachte und sah ihn dann ganz seltsam an.

„Du bist anders als sonst. Es ist auffällig."

„Warum anders?", wollte Draco wissen und zog eine Augenbraue hoch.

„Normal redest du nicht so offen. Schon gar nicht über Dinge die nicht Ideologiekonform sind. Sonst bist du immer ein Paradebeispiel für….", Zabini stockte als würde er nach dem richtigen Wort suchen.

„Ein Paradebeispiel für ein reinblütigen Spießer, einen der Unantastbaren?", wollte Draco mit einem bitteren Lächeln wissen. Er wusste das Zabini keiner von ihnen war. Zabinis Familie war reich. Aber er gehörte keiner der alten Zaubererfamilien an, deren Stammbaum sich über Jahrhunderte zurückverfolgen ließ. Die Zabinis waren neureich. Sie wollten gerne dazugehören. Aber es war schwer in einen geschlossenen Kreis einzubrechen, egal wie sehr es Zabinis Mutter auch versuchte.

„Ja", stimmte Zabini schließlich zu. Draco musterte ihn. Zabini sprach wie all die anderen in seiner Umgebung. Er sprach von Blutsverrätern und Schlammblütern. Weil es alle um ihn herum taten. Aber er schlief auch mit Nott und Homosexualität war nichts, was in ihren Kreisen geduldet wurde.

„Ich kann es mir nicht leisten offen zu reden", gab Draco zu. „Vertrauen ist eine Schwäche. Das habe ich von klein auf gelernt."

Draco blickte auf den See und sah, wie der Krake einen Arm an die Oberfläche streckte. Noch heute erinnerte er sich an diese Lektion, die sein Vater ihm beigebracht hatte. Es hatte in seinem Leben immer Geheimnisse gegeben, die keiner erfahren durfte. Oder Aussagen die nur in bestimmten Kreisen getroffen werden durften. Er hatte das früh gelernt. Er hatte über die Existenz seines Bruders schweigen müssen. Er hatte über die Ansichten seiner Familie zu dem Dunklen Lord schweigen müssen. Er hatte zu vielem schweigen müssen und dann hatte er lernen müssen zu unterschieden bei welchen Menschen er die richtigen Worte zu nutzen hatte. Seine Eltern hatte ihm beigebracht Menschen zu lesen, sie zu manipulieren und zu lenken. Es war ernüchternd gewesen.

„Klingt ziemlich traurig. Ich dachte immer du seist absolut angepasst. Klar du hast manchmal einen etwas gemeinen Humor. Aber du hast nie wirklich rebelliert." Zabini musterte ihn einen Moment, dann begann er zu grinsen. „Ich glaub der Malfoy der offen redet und Schlammblutmädchen fickt ist mir deutlich sympathischer."

Draco konnte sich ein Schnauben nicht verkneifen.

„Was hältst du von dem ganzen Reinblutzeug Zabini. Hier hast du die Chance das mit mir einfach mal offen zu thematisieren."

„Ich war wohl nicht sehr überzeugend, wenn du das fragst", sagte Zabini und sah etwas unsicher drein.

„Nein, nicht wirklich", stimmte Draco ihm zu.

Zabini zuckte die Schultern und warf einen Stein in den See. Mit einem plopp durchschlug er die Wasseroberfläche.

„Meine Mutter möchte unbedingt dazugehörten. Zu eurem Klüngel. Also nicht gerade zum Dunklen Lord aber zu der Gesellschaft der Reichen und Schönen. Da ist man einfach nicht nett zu Schlammblütern." Zabini hielt inne und Draco wartete, bis Zabini weitersprach. „An sich ist es mir scheißegal, Malfoy. Egal wer die Eltern sind oder aus welcher Gesellschaftsschicht jemand kommt. Klar ich mag Geld. Ich mag schöne Dinge. Ich mag den Luxus und Annehmlichkeiten genießen. Aber ich leg keinen Wert auf euren Reinblutscheiss."

Zabini klang, als würde er das schon eine Weile loswerden wollen. Als hätte es ihm unter den Nägeln gebrannt ihm endlich die Meinung zu sagen und jetzt hatte er es hinter sich gebracht. Zabini sah ihn herausfordernd an, als würde er von ihm erwarten ihn zu maßregeln.

„Ist vielleicht nicht die schlechteste Einstellung", sagte Draco und biss erneut in seinen Apfel. Langsam kaute er, während Zabini ihn noch immer ungläubig anstarrte.

„Sicher, dass du Draco Malfoy bist? Und nicht Harry Potter mit Vielsafttrank oder so?", wollte er wissen. Draco lachte.

„Weißt du Zabini. Ich habe mir immer gewünscht, dass wir Freunde werden. Wir haben durchaus ein paar Gemeinsamkeiten. Aber irgendwie ist nie wirklich was draus geworden."

„Jetzt aber mal halb lang Malfoy. Du bist derjenige der absolut unnahbar ist. Keiner auf diesem verdammten Planeten kann auch nur halbwegs zu dir durchdringen um dich irgendwie ansatzweise besser kennen zu lernen", entrüstete sich Zabini und Draco sah ihn einen Moment nachdenklich an.

Wirkte er tatsächlich so auf andere? Er hatte sich immer Freunde gewünscht. Echte Freunde. Nicht Crabbe und Goyle die immer taten, was er wollte. Er mochte sie. Er fühlte sich ihnen gegenüber verpflichtet. Aber mehr wie ein Lehnsherr seinen Untergebenen als wie wirklichen Freunden. Er hatte Potter immer beneidet um seine Freundschaft zu Granger und Weasley. Sie wirkten so unzertrennlich. Sich das einzugestehen, tat weh. Aber es war die Wahrheit. Hatte Zabini recht und er war selbst dran schuld, dass er keine Freunde hatte. Weil er immer auf der Hut war. Immer Geheimnisse hatte. Keinem vertraute. Nicht Zabini, nicht Snape nicht mal seinen Eltern. Es war eine bittere Lektion gewesen, aber er konnte niemandem vertrauen. Denn alle wollten etwas von ihm und keinen interessierte, was er wollte.

„Weißt du, was das Beschissene daran ist, einer der Unantastbaren zu sein, Zabini?", wollte Draco wissen und warf die Reste seines Apfels in den See. Sofort war der Krake zur Stelle und zog sie unter Wasser.

„Hm?"

„Dauernd will jemand was von dir. Du gehörst nie ganz dir selbst. Erst ist es die Familie, die wollen das du ein perfekter Nachfolger, für die ach so heilige bescheuerte Blutlinie wirst. Die nicht zulassen, dass du anders denkst, anders handelst, als sie es sich vorstellen. Und dann ist es der Dunkle Lord. Der Dinge verlangt die ich nie zu geben bereit war."

„Also verlangt er wirklich was von dir. Das am Anfang des Schuljahres war nicht nur Angeberei?", wollte Zabini wissen.

Draco lachte hohl auf und öffnete den Manschettenknopf an seinem linken Ärmel. Ohne zu zögern, zog er den Ärmel hoch und Zabini erbleichte.

„Oh Scheiße", wisperte er als er das Dunkle Mal erblickte.

„Ziemlich scheiße. Er hat meinen Großvater ermordet und tötet meine Mutter auch noch, wenn ich nicht gehorche. Vielleicht wird dir jetzt klar, warum ich keinen an mich heranlasse."

„Ich werde das hier tatsächlich wieder alles vergessen, richtig? Du bist echt in einer Zeitschleife. Sonst würdest du mir das niemals zeigen", stellte Zabini erschrocken fest.

„Korrekt", stimmte Draco zu und holte seinen zweiten Apfel heraus. Genüsslich biss er hinein und das Knacken war überdeutlich zu hören.

„Wie kommt es, dass du in einer Zeitschleife, in der du praktisch alles tun könntest, ausgerechnet Granger vögelst. Ich meine du könntest jede haben", sagte Zabini und Draco dachte einen Moment darüber nach. Ja, er konnte jede haben. Aber er hatte sich dafür entschieden das er sie wollte. Weil sie die Beste war, die er haben konnte.

„Weil ich sie ohne die Zeitschleife niemals haben könnte", antwortete Draco und dieses Eingeständnis war verdammt bitter. Einen Moment wünschte er sich er hätte gelogen. Aber ihm war grad nicht nach Lügen zumute. Er musste niemandem etwas beweisen und es fühlte sich gerade so an, als würde er ein Gespräch mit einem Freund führen. Irgendwie fühlte sich das gut an.

„Dir ist noch immer klar, dass sie Muggelstämmig ist", erinnerte ihn Zabini und Draco verdrehte genervt die Augen.

„Es ist mir egal. Es ist mir scheiß egal. Wenn ich sie habe, denke ich nicht dran, wer ihre Eltern sind. Dann ist sie…" Er hielt einen Moment inne und dachte an Paris zurück. „Dann ist sie einfach nur Myonie und sie ist wundervoll." Und das war die Wahrheit. Das war die verdammte scheiß Wahrheit. Immer wenn sie nicht gerade irgendwelche perversen Spiele spielten, in denen er sich daran aufgeilte, dass sie ein Schlammblut war, dann war es einfach nur egal. Er sollte so nicht denken. Es war falsch so zu denken, aber leider war es die verdammte Wahrheit. Entweder es machte ihn an, dass sie ein Schlammblut war, weil er damit ein verdammtes Tabu brach oder aber es war ihm egal, weil sie hinreißend war. Nur anwidern, dass, was es eigentlich tun sollte, dass tat es ihn nicht. Und wenn er ehrlich zu sich war, war das nicht gut.

„Ich bin ein ziemlich beschissener Todesser", seufzte Draco geschlagen und zog seinen Ärmel wieder über das Dunkle Mal. Geschickt setzte er den Manschettenknopf mit dem silbernen M wieder ein und richtete den Bund.

„Du magst sie", stellte Zabini überrascht fest.

Draco schnaubte verächtlich. „Es ist schwer sie nicht zu mögen. Ich mag intelligente Menschen und sie ist verdammt intelligent. Außerdem mag ich schöne Frauen und sie ist wirklich sehr schön. Wir sind zusammen nach Paris durchgebrannt und es war wahrscheinlich das Verrückteste, was ich jemals gemacht habe. Aber ich würde viel dafür geben es nochmal zu tun."

„Bei Merlin, Malfoy sag mir nicht, dass du dich in sie verliebt hast."

Draco biss nochmal von seinem Apfel ab und kaute gemächlich.

„Ich hoffe nicht. Wie gesagt. Wir vögeln nur. Mehr kann es niemals sein. Wenn die Zeitschleife endet, bin ich ein Todesser in den höchsten Kreisen um den Dunklen Lord und sie ist Potters beste Schlammblutfreundin."

Zabini warf ihm einen schwer zu interpretierenden Blick zu und schmetterte einen weiteren Stein ins Wasser. Draco aß seinen Apfel und eine Weile schwiegen sie. Was sollte man dazu auch sagen. So sah die Realität aus.

„Ich sollte wieder ins Schloss. Sie wartet auf mich, wollte irgendwas in der Bibliothek besprechen", sagte Draco und sah zu wie der Krake die Reste seines zweiten Apfels einsammelte.

„Malfoy, wenn du willst, dass wir Freunde werden. Also mit dem Kerl mit dem ich heute hier am See gesessen hab, wäre ich gern befreundet", sagte Zabini, als Draco sich bereits erhoben hatte.

„Mein Freund zu sein, kann gerade lebensgefährlich sein", erwiderte Draco nur.

„Ich bin kein Idiot. Ich weiß durchaus, wann ich den Mund halten muss. Aber wenn die Zeitschleife vorbei ist und du noch immer willst, dass wir Freunde werden. Ich wäre dabei."

„Ich erinnre dich dran, Zabini", sagte Draco und hob die Hand zum Abschied, bevor er sich auf den Weg Richtung Schloss machte. Vielleicht war das wirklich etwas, worüber er nachdenken würde. Und vielleicht hätte er in dieser Zeitschleife noch die Chance herauszufinden, ob Zabini bei dem Angebot Hintergedanken hatte oder ob er es tatsächlich ehrlich meinte. Er war nicht gut darin zu vertrauen. Einem Slytherin schon gar nicht. Vielleicht hatte er deshalb keine Freunde.