Kapitel 82

manipulieren

durch bewusste Beeinflussung in eine bestimmte Richtung lenken, drängen

Ein lautes Schrillen riss Draco am nächsten Morgen aus dem Schlaf. Er war einen Moment vollkommen desorientiert. Erst als Hermione neben ihm aus dem Bett sprang und sich einen Bademantel überwarf, realisierte er, dass das Schrillen kein Traum war.

Draco stand ebenfalls auf und folgte Hermione hinunter ins Wohnzimmer. Er brauchte einen Moment, um die Situation zu realisieren. Seine Mutter hatte wohl versucht Tee zu kochen. Dafür hatte sie einen Kessel auf dem Esszimmertisch aufgesetzt und ein Feuer angezündet. Natürlich hatte sie Feuerabwehrzauber benutzt, um die Tischplatte nicht zu verbrennen, aber all das hinderte den Feuermelder nicht daran anzuspringen und alle in helle Panik zu versetzen. Leise schimpfend belegte Hermione den kleinen Sender mit einem Erstarrungszauber. Draco selbst hatte auch schon Bekanntschaft mit diesem kleinen Unruhstifter gehabt, als sie auf der Terrasse gegrillt hatten und dabei zu viel Rauch ins Haus gezogen war.

Trotzdem war die Situation einfach nur herrlich. Seine Mutter war vollkommen aufgelöst, da sie nicht verstand was geschah und Hermione komplett entrüstet, wie sie Feuer auf dem Tisch hatte machen können.

Draco konnte einfach nicht anders und musste lachen. Er lehnte an der Tür und lachte Tränen bei dem fassungslosen Gesicht seiner Mutter. Vielleicht hätten sie ihr erklären sollen, was ein Induktionsherd war.

„Draco!", sagte seine Mutter mit aufgebrachtem Ton, doch es half wenig seinen Lachanfall in den Griff zu bekommen. Er schnappte nach Luft und wusste nicht, wann er das letzte Mal so herzlich gelacht hatte. Es war Jahre her und es tat wahnsinnig gut.

Als er sich wieder einigermaßen gefasst hatte, war Hermione breit grinsend hinter den Kuchentresen verschwunden, um die Kaffeemaschine anzuschalten.

„Das ist ein Muggelhaus Mutter", sagte Draco belehrend, als er sich nur im Bademantel an den Tresen setzte. Er konnte sein breites Grinsen noch immer nicht verdrängen. „Hier lauert überall Muggeltechnik und die meisten von den Dingern stoßen Geräusche aus, wenn man sie falsch bedient."

Seine Mutter schenkte ihm einen missbilligenden Blick und verschränkte die Arme vor der Brust. Sie warf Hermione missbilligende Blicke zu, die sich unwohl zu fühlen schien in ihrem dünnen Bademantel.

„Geh hoch, dich umziehen, Myonie. Ich mache Kaffee", sagte Draco der bemerkte, wie sie die Arme um sich schlang, während sie darauf wartete, dass die Maschine startete.

„Ja", stimmte sie zu und raffte ihren Bademantel etwas enger, bevor sie hoch ins Obergeschoss lief.

„Du schläfst mit dem Mädchen", sagte seine Mutter vorwurfsvoll und Draco verdrehte genervt die Augen.

„Das ist offensichtlich", antwortete er und stelle eine Tasse unter die Maschine.

„Draco ich-", begann seine Mutter, doch er erstickte ihre Worte im Keim.

„Wir hatten diese Unterhaltung schon. Und ich weiß, dass du es zutiefst missbilligst und ich habe dir gesagt, dass es nichts ändern wird."

Er musterte seine Mutter eindringlich, doch sie schien nicht überzeugt. Eher im Gegenteil.

„Ich liebe sie", fuhr Draco fort und er hätte niemals gedacht, dass er das gegenüber seiner Mutter so einfach zugeben würde. Aber es zu leugnen wäre zwecklos. „Wir wissen beide, dass es kein gutes Ende nehmen wird. Aber gerade ist sie alles, was meine Welt zusammenhält. Mit dem Mord und dem Dunklen Mal und der schwarzen Magie, die ein Teil von mir ist, ist sie alles an dem ich mich festhalten kann, um nicht komplett wahnsinnig zu werden."

Seine Mutter sah besorgt aus und er wünschte sich, sie sähe grundlos besorgt aus. Aber seine Situation war einfach generell nicht sonderlich rosig.

„Lass uns über Myonie streiten, wenn wir diesen Krieg überlebt haben und die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, dass wir nie über sie streiten werden. Da du nie von ihr erfahren wirst."

„Draco", sagte seine Mutter und kam zu ihm. Sie umarmte ihn und er drückte sie an sich. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass seine Mutter jemals so klein gewesen war. Aber mittlerweile war er mehr als einen Kopf größer als sie.

„Ich bekomme das hin, Mutter. Versprochen", sagte er und sie nickte.

„Ich bin immer für dich da mein Junge. Du wirst immer mein kleiner Junge sein", sagte sie und sah zu ihm auf. Draco bemerkte, wie sie nur mit Mühe die Tränen zurückhielt. Die Situation machte wohl auch ihr zu schaffen.

Er nickte. Ein leises Piepsen der Kaffeemaschine ertönte, als der Kaffee durchgelaufen war. Er löste sich von seiner Mutter und reichte ihr die Tasse.

„Ich gehe auch duschen. Wir sind gerade erst aufgestanden", sagte Draco, um der Situation zu entkommen und folgte Hermione nach oben.

Hermione stand am Fenster und blickte Richtung Horizont. Die Sonne ging gerade Blutrot über dem Meer auf und es war ein atemberaubendes Naturschauspiel. Draco war nach Palma appariert, um Ensaimadas und Früchte zum Frühstück zu kaufen. Mrs Malfoy hatte den Kessel weggeräumt und auf dem Tisch lagen nur noch die ganzen Bücher und Pergamente von der Recherche letzte Nacht. Sie waren weitergekommen. Es war ein geringer Trost und obwohl Hermione gestern versucht hatte positiv zu sein, so gab es jedoch wenig zu beschönigen. Einhornblut war eine Katastrophe.

„Miss Granger", holte sie eine Stimme aus ihren Gedanken und Hermione bemerkte Dracos Mutter, die zu ihr in den Raum trat.

„Ich hoffe der Kaffee schmeckt, Mrs Malfoy", sagte sie und wandte sich wieder dem Fenster zu. Sie erwartete kein Gespräch mit Dracos Mutter zu führen, doch zu ihrer Überraschung trat Narzissa Malfoy neben sie.

„Ein atemberaubender Ausblick", sagte Mrs Malfoy und Hermione hätte am liebsten die Augen verdreht.

„Wir brauchen keinen Smalltalk halten. Draco ist nicht hier und wir wissen beide gut genug, was sie von mir halten. Also sagen sie gerade heraus, was sie wollen und verschwenden nicht meine Zeit."

Die Frau musterte sie einen Moment und Hermione begegnete ihrem kalten Blick. Dann glaubte sie fast so etwas wie ein Lächeln auf Narzissa Malfoys Lippen zu sehen.

„Wie sie wollen, Miss Granger", sagte sie kühl. „Ich will ihnen nur sagen, dass sie sich keine falschen Hoffnungen wegen meines Sohnes machen sollten. Draco hat eine Verantwortung gegenüber der Familie. Die wird er nicht wegen ihnen ablehnen."

Hermiones Mundwinkel hoben sich spöttisch. Die Verantwortung die reinblütige Blutlinie fortzusetzen? Am liebsten hätte sie laut geschnaubt.

„Welche Verantwortung?", fragte sie stattdessen.

„Draco ist der letzte Erbe mit dem Namen Malfoy. Entscheidet er sich gegen die Familie wird der Name untergehen. Tausend Jahre Familiengeschichte werden aussterben und der Besitz, die Ländereien und alles, was seine Blutlinie ausmacht, wird an die Flints fallen. Die Flints sind nicht sonderlich intelligent. Viel Inzucht, kein gutes Blut. Aber Abraxas Schwester ist die nächstgelegene Blutlinie. Draco hat Verantwortung gegenüber den Menschen, die für uns arbeiten und auf unseren Ländereien leben. Er wurde dazu erzogen sie zu führen und darf sich dieser Verantwortung nicht entziehen."

Hermione seufzte. Sie wusste nur zu gut was Mrs Malfoy meinte. In ihrer Erinnerung gab es eine Flut an abgebrochenen Urlauben. Verpassten Elternabenden und geplatzten Familienfesten, weil irgendwas dazwischen gekommen war. Alle Kinder ihres Großvaters hatten ein Teil der Aktien geerbt und sie alle waren für die Geschicke der Krankenhauskette verantwortlich. Ihre persönlichen Wünsche hatten zurückstecken müssen. Sie erinnerte sich noch heute, wie enttäuscht sie gewesen war, dass ihr Vater nicht auf ihrer Einschulung hatte sein können, weil an dem Tag das Gesundheitsamt in der Dentalklinik gewesen war. Trotzdem waren sie auch stolz gewesen. Stolz darauf, dass die Kliniken gut liefen. Dass sie ihre Mitarbeiter gut bezahlen konnten und sie eine führende Rolle in der britischen Gesundheitsversorgung innehatten. Keiner sah, was es kostete für andere zu Sorgen. Sie bekamen schließlich viel Geld dafür, also erschien es allen normal, dass sie dafür sorgten, dass alles am Laufen blieb. Keiner hatte jemals gefragt, ob sie das wollten.

„Ich will Draco nicht davon abhalten seine Pflicht zu erfüllen, Mrs Malfoy", sagte Hermione ehrlich. „Nichts läge mir ferner. Aber wenn sie mich als Problem dabei sehen, dann liegt es einzig und allein an ihnen. Wenn ein muggelstämmiges Mädchen als Freundin ein Problem für Draco ist, die Familiengeschäfte zu führen liegt das nicht an Draco. Ich halte ihn nicht auf."

„Eine Beziehung zu ihnen ist in unseren Kreisen nicht geduldet. Lucius würde es niemals zulassen. Sie würden einen Keil in unsere Familie treiben. Zwietracht zähen. Es würde Draco nur verletzen"

Hermione musterte das verbissene Gesicht der Frau und es tat fast weh es zu sehen. War sie so verbohrt, was ihre Beziehung zu Draco anging? Gab es nur reinblütig oder nicht? Es tat weh. Es tat wahnsinnig weh.

„Ich möchte ihn retten", sagte Hermione und blickte wieder aus dem Fenster. „Draco und ich haben darüber gesprochen, dass unsere Beziehung diese Zeitschleife nicht überstehen wird. Wir gehen damit ehrlich um. Sie werden also niemals davon erfahren. Trotzdem können sie uns nicht verweigern, was wir füreinander empfinden."

Hermione spürte einen Klos in ihrer Brust und sie wünschte, er würde sich nicht so schmerzhaft anfühlen.

„Alles was ich möchte, Mrs Malfoy und ich hoffe sie wollen das genauso, ist das Draco diesen Krieg überlebt. Selbst wenn wir beide keine Zukunft haben, weiß ich nicht, ob ich es ertragen würde, wenn er stirbt."

Sie sah wieder zu Narzissa Malfoy und konnte nicht verhindern, dass ein bitterer Zug auf ihre Lippen trat. Sie wollte dieser Frau keine Schwäche offenbaren, aber sie konnten nicht verhindern, dass der Klos immer größer und erdrückender wurde.

„Draco glaubt nicht, dass er diesen Krieg überlebt", fuhr sie leise fort und musste schlucken. „Es ist nicht offensichtlich. Er formuliert es nicht so. Aber manchmal, wenn er etwas sagt, ist es unterschwellig zu spüren, dass er glaubt, dass er sterben wird. Wenn nicht bei dem Versuch Dumbledore zu töten dann unter dem Dunklen Lord oder falls wir gewinnen, dass er lebenslang nach Askaban muss oder von Dementoren geküsst wird. Draco sagt es nicht offen. Aber er hat wahnsinnige Angst vor der Zukunft und deshalb versucht er hier in dieser Zeitschleife alles zu tun, was er nie wird tun können. Weil es die letzten Jahre seines Lebens sind."

Sie holte zittrig Luft und der Knoten in ihrer Brust fühlte sich fast übermächtig an.

„Ich will nicht das er stirbt. Ich will das er lebt. Das ist alles. Egal ob mit mir, oder ohne mich."

„Warum sollte ich ihnen das Glauben", fragte Dracos Mutter und Hermione presste die Lippen zusammen, sah aus dem Fenster.

„Warum sollte ich sonst hier sein. Ich habe kein Interesse an den Reichtümern der Familie Malfoy. Wir sind reich genug. Ich brauche kein Geld. Wenn der Dunkle Lord diesen Krieg gewinnt, wird Draco mich nicht beschützen können, denn den Dunklen Lord schert es nicht, was seine Todesser wollen. Welchen Vorteil sollte ich daraus ziehen, Draco zu helfen?", wollte sie wissen.

„Für Informationen", wandte Mrs Malfoy sofort ein.

„Dumbledore wird sterben", antwortete Hermione und sie hatte diese Tatsache so sehr verinnerlicht, dass es sich schon fast so anfühlte, als wäre er tot. „Auf ihm liegt ein Fluch. Wenn Draco ihn nicht tötet oder Snape es nicht schafft, wird er ohnehin sterben. Ich will nicht, dass Draco ihn tötet, weil ich nicht weiß, was es mit ihm anstellt, noch einen Menschen zu töten. Aber wenn es sein muss, werde ich Dracos Leben nicht riskieren."

Hermione atmete tief durch und sah Narzissa Malfoy ruhig an. „Draco hat keine Informationen, die ich nicht schon hätte. Es gibt nur eine einzige Frage, die sie sich beantworten müssen, Mrs Malfoy. Können sie es über sich bringen mit mir zusammen zu arbeiten, um Draco zu retten. Wir werden wahrscheinlich niemals Freunde sein. Aber wir müssen keine Feinde sein, denn ich hoffe, sie haben die gleichen Ziele wie ich."

Sie wusste nicht, welche Antwort sie sich erhoffte. Draco liebte seine Mutter. Sie musste doch auch irgendwas für ihren Sohn empfinden. War es genug, als dass sie mit einem Schlammblut zusammenarbeiten würde?

Narzissa Malfoy wollte gerade etwas sagen, als Draco über die Terrasse auf sie zukam. Er hatte zwei große Plastiktüten in der Hand.

Sie verbrachten den Tag über die Zauberbücher gebeugt, doch umso mehr Draco über das Ritual las, umso frustrierter wurde er. Würde er die Dunkle Magie aus sich lösen, bestand eine realistische Chance, dass ihn das Einhornblut töten würde. Würde er die Dunkle Magie lassen, wo sie war, wäre er davor geschützt, aber seine Seele würde weiterhin von Dunkler Magie durchdrungen bleiben. Ganz davon abgesehen das er nicht mal wusste, ob es möglich war, die Dunkle Magie aus ihm zu lösen. Es war ein Dilemma.

Eines zumindest war positiv. Eine einzige Sache. Das Dunkle Mal war nicht untrennbar mit dem Seelenriss verbunden. Es könnte also möglich sein, das Mal zu entfernen, ohne die dunkle Magie aus ihm zu lösen. Es würde ihn von dem Dunklen Lord befreien, auch wenn er für immer ein dunkler Zauberer bleiben würde. Es war einfach eine einleuchtende Tatsache. Ein Mord war nicht rückgängig zu machen.

Draco fand es keine gute Option. Er würde lieber die ganze dunkle Magie los werden, aber vielleicht war es eine Option, mit der er leben konnte. Er hatte schon immer die dunklen Künste praktiziert. Es war nichts, was ihm Angst einjagte oder das er verachtete. Er hatte immer gewusst, dass es viel Dunkelheit in ihm gab und sich dem nie verschlossen. Vielleicht war es eine Option damit seinen Frieden zu schließen und das zu bekämpfen, dass ihn von außerhalb bedrohte, anstatt sich selbst als Feind zu sehen.

Er wünschte sich nur, er würde eine Antwort darauf bekommen, ob ihn die Dunkle Magie verändert hatte. Vielleicht könnte er damit leben, wenn es so war. Aber er wollte es wissen.

Draco drehte den Gedanken im Kopf herum, während er das Buch studierte.

„Mutter", sagte er schließlich und sah, wie sie erschrocken aufsah. Hermione blickte ebenfalls auf. Er wusste nicht, ob es eine gute Idee war diese Frage zu stellen. Aber er musste es wissen.

„Du kanntest Vater, bevor er das Dunkle Mal bekommen hat. Hat er sich dadurch verändert?", wollte Draco wissen und sah, wie seine Mutter irritiert die Augenbrauen zusammenzog.

„Wie meinst du das, Draco?", wollte sie wissen.

„Ob er sich dadurch charakterlich verändert hat. Ob er anders zu dir war?", präzisierte er.

„Nein, dein Vater hat sich nicht verändert. Worauf willst du hinaus? Hast du das Gefühl, dass das Dunkle Mal dich verändert hat?", wollte sie besorgt wissen.

Draco schluckte und sein Blick huschte zu Hermione. Er musste diese Frage stellen. Seine Mutter war eine der Wenigen die sie beantworten konnte.

„Ich weiß nicht ob mich das Dunkle Mal verändert hat, oder ob ich schon immer so war", sagte er und wie immer er es jetzt formulierte es war ein unangenehmes Geständnis seiner Mutter gegenüber. Er glaubte, dass er es in der linearen Zeit niemals gewagt hätte diese Frage zu stellen.

„Hat Vater Spaß dabei empfunden anderen Menschen Schmerz zuzufügen?"

Draco wusste nicht, was seine Mutter dachte, als er das so formulierte. Aber er fand einfach keine bessere Formulierung. Die genaueste Formulierung wäre gewesen ob sein Vater sexuelle Lust dabei empfunden hatte andere Menschen zu demütigen und in zweiter Instanz auch Schmerzen zuzufügen. Aber diese Frage hatte er nicht über sich gebracht zu stellen.

„Ich weiß nicht, was du denkst, Draco. Dein Vater ist kein grausamer Mensch. Das weißt du doch. Warum stellst du so komische Fragen", fragte sie und ihre Stimme war ungewöhnlich hoch.

„Beantworte die Frage", sagte er unerbittlich.

„Du hast keine Freude daran anderen Menschen Schmerz zuzufügen, Draco", sagte seine Mutter und irgendwie schienen ihre Worte ungewöhnlich nachdrücklich. So als würde sie ihm das einreden wollen.

„Mrs Malfoy, beantworten sie Dracos Frage", mischte sich Hermione ein und hatte die Schultern gestrafft. „Hat das Dunkle Mal in Lucius Malfoy sadistische Charakterzüge hervorgebracht oder nicht. Ich spreche nicht davon, dass er ein soziopathischer Massenmörder wurde, sondern lediglich, ob die dunkle Magie in ihm, seinen Charakter verändert hat."

Der Blick seiner Mutter huschte unsicher zu Hermione, um dann wieder Draco anzusehen. Er hatte sie noch nie so verunsichert gesehen.

„Dein Vater ist kein schlechter Mensch. Auch wenn er oft kalt und abweisend zu dir war. Ich weiß, dass er dich sehr verletzt hat. Aber für ihn war es auch schwer. Du musst mir glauben. Er ist nie brutal gewesen. Er hat nie Gewalt gegen mich angewendet und wenn er dich ab und zu geschlagen hat, hat es ihm keine Freude bereitet."

Draco wusste nicht, ob er ihr glauben konnte. Er traute es seinem Vater zu, sadistische Züge zu haben. Er hatte ihn nie als warm und liebevoll empfunden. Aber hatte das eine mit dem anderen zu tun? Tat er ihm nicht unrecht, dass er es miteinander vergleich.

Draco stand auf und atmete tief durch.

„Also hatte die dunkle Magie keinen Einfluss auf seinen Charakter?", vergewisserte er sich und musterte seine Mutter eindringlich.

„Nein. Nicht das ich wüsste", sagte seine Mutter und klang jetzt etwas gefasster. „Erst als Magnus uns verlassen hat und dein Vater den ganzen Stress und den Druck hatte, seine Nachfolge antreten zu müssen wurde er so anders. Ich weiß, dass du dich nichtmehr daran erinnern kannst, wie er früher war, aber nicht das Dunkle Mal hat deinen Vater verändert. Es war Magnus Verrat."

Draco atmete erleichtert auf. Also war er immer noch er selbst. Nichts manipulierte, wie er war und vielleicht wäre es eine schöne Ausrede gewesen, aber ihm war lieber, dass er einfach nur er selbst war.

„Gut", sagte er und setzte sich wieder an den Tisch. Er schenkte sich Wasser aus der Karaffe nach und trank sein Glas leer. Jetzt fühlte er sich ungemein besser. Er wusste nicht, wie sein Vater früher gewesen war. Er war noch zu klein gewesen. Aber irgendwo in seinem Hinterkopf war das Bild seines Vaters der aufrichtig lachte. Einem Vater der ihn geliebt hatte. Vielleicht hatte sich dieses Bild damals eingebrannt. Als er schon ein Todesser gewesen war, aber bevor Magnus sie verlassen hatte. Es war ein beruhigender Gedanke.

„Du glaubst, dass das Dunkle Mal dich verändert hat?", fragte seine Mutter besorgt und Draco zuckte die Schultern.

„Was stellt es mit einem Menschen an, einen Riss in der Seele zu haben der mit dunkler Magie durchdrungen ist. Natürlich hinterfrage ich alles", sagte Draco, doch seine Mutter schien das nicht zu beruhigen. „Doch wenn du sagst, dass es Vater nicht beeinflusst hat, dann muss ich dir das glauben, oder? Dann wird es auch mich nicht beeinflussen."

Sie nickte und Draco wollte sich schon wieder seinem Buch zuwenden als sie sagte.

„Du bist kein Sadist." Sie sagte es mit einer fast trotzigen Stimme und irgendwie irritierte ihn das Verhalten seiner Mutter. Irgendwas daran kam ihn komisch vor. Sie war sonst nie so. Niemals. Sie war immer kontrolliert, selbstsicher, erhaben. Gerade eben wirkte sie wie ein kleines Mädchen, dass ihn anbettelte, dass er kein böser Junge war.

Kurz war er versucht es einfach auf sich beruhen zu lassen, ihr zuzustimmen. Aber das hier war eine Zeitschleife. Er könnte herausfinden was sie so beängstigte. Er wusste, wie er es konnte. Er war gut genug darin Menschen zu lesen, zu manipulieren und wenn es sein musste auch zu brechen. Auch seine eigene Mutter.

Draco musterte sie, lehnte sich etwas in seinem Stuhl zurück und legte seine Hände auf den Tisch. Tippte langsam die Fingerkuppen aneinander.

„Ich empfinde Lust dabei Frauen zu schlagen, sie zu demütigen und sie zu quälen", sagte er und wusste, dass er es extra hart formulierte. Hermione war bis jetzt die einzige Frau, mit der er das ausgelebt hatte und er wusste nicht, inwieweit er bei anderen Frauen genauso reagieren würde. Ihre Reaktion auf seine Handlung war Teil seiner Lust. Aber gerade war es nicht das, was er seiner Mutter sagen wollte. Gerade wollte er herausfinden, was sie ängstigte.

„Das ist nicht wahr", sagte sie und er sah, wie sie zitterte. Draco stand auf, ging näher auf sie zu und lächelte als er ihre Angst fast körperlich spüren konnte. Sie hatte Angst vor ihm. Wirkliche Angst.

„Doch es ist wahr. Du kannst Hermione fragen. Sie ist diejenige die es erträgt."

Er machte Anstalten nach ihr zu greifen und plötzlich fuhr sie hoch, wich vor ihm zurück.

„Mein Sohn ist kein Vergewaltiger", sagte sie und es war die Art wie sie es sagt die Draco klar machte was geschehen sein musste und kalte Wut kroch in ihm hoch.

„Wer?", wollte er wissen, doch sie presste die Lippen zusammen und wich einen weiteren Schritt zurück. Sie wirkte nichtmehr, wie die Mutter, die er kannte, mehr wie ein in die Ecke gedrängtes Tier.

„Draco, geh in die Küche und mach uns einen Tee, einverstanden", sagte Hermione sanft und legte ihm eine Hand auf den Unterarm. Er begegnete ihrem Blick und sie deutete mit ihrem Kopf auffordernd richtig Tresen. Am liebsten hätte er weiter auf seine Mutter eingeredet, aber er war gerade viel zu wütend, um die Situation zu entschärfen. Seine Wut vernebelte seinen Verstand.

Draco musterte Hermiones auffordernden Gesichtsausdruck, dann fügte er sich. Wütend stapfte er in die Küche.