Kapitel 90

Glückshormone

populärwissenschaftliche Bezeichnung für bestimmte Botenstoffe die Wohlbefinden oder Glücksgefühle hervorrufen können, auch als endogene Drogen bezeichnet

Eine Weile lagen sie einfach nur zusammen auf dem alten Schreibtisch. Langsam tat Hermiones Rücken weh, bis sich Draco endlich von ihr erhob und ebenfalls die Arme streckte, als er einen Schritt zurücktrat. Zufrieden grinste er sie an, ließ die Schultern kreisen und zog seinen Zauberstab, um seine Kleidung zu reinigen. Dann zog er sich wieder an und Hermione blieb einfach nur nackt auf dem Schreibtisch sitzen und sah ihm dabei zu.

Ein warmes Gefühl überkam sie, dass sie jetzt nicht hinterfragen wollte, also sagte sie einfach nur.

„Ich liebe dich." Es schien das Gefühl am besten zusammen zu fassen. Draco lächelte sie an. Dann beugte er sich vor und gab ihr einen sanften Kuss.

„Ich liebe dich auch." Einen Moment verharrten sie einfach. Die Stirn aneinander gelegt und genossen die Anwesenheit des anderen. Dann löste Draco sich als Erstes. Er wandte auch auf Hermione einen Reinigungszauber an, dann hob er sie unter den Kniekehlen und am Rücken hoch und setzte sich mit ihr zurück in den Sessel.

„Willst du hier sitzen bleiben?", fragte er sie und strich mit seinem Daumen über ihre nackte Hüfte.

„Hm", grummelte Hermione und rieb ihren Kopf an seiner Schulter. Sie war sich sicher, dass Draco das Verstehen würde und er verstand.

Draco zog seinen Zauberstab und ließ den Ordner wieder zu sich fliegen während Hermione sich auf seinem Schoß einkringelte wie eine Katze. Sie war schon besonders niedlich. Er drückte ihr einen Kuss auf die Locken, dann schlug er die Seite auf, die er gerade gelesen hatte, bevor er abgelenkt worden war.

Einen Moment stellte er sich vor, dass das hier Realität sein könnte. Wie er hier sitzen könnte und Meetingprotokolle lesen, während Hermione nackt und glücklich auf seinem Schoß saß. Es war schon ein verdammt verrückter Gedanke. Aber er fühlte sich wahnsinnig gut an.

Draco war gerade dabei Frachtlisten durchzuschauen, als Hermione sich wieder regte. Sie reckte ihren Kopf und steckte ihn in seine Unterlagen. Stellte Fragen zu einzelnen Posten und er beantwortete sie ihr. Letztendlich stand sie auf und reckte ihre Arme. Seine Beine fühlten sich schwer an, wo sie gesessen hatte. Draco schlug den Ordner zu und griff nach seinen Notizen, während Hermione sich anzog.

Beim zusammenräumen vielen ihm die kleinen Blattklammern in die Finger, die er ihr abgerissen hatte.

„Wie haben sie dir gefallen?", fragte Draco und hielt ihr eine Klammer hin. Hermione zog die Augenbrauen hoch und nahm ihm eine Klammer ab, ließ sie aufschnappen.

„Sie haben ziemlich weh getan. Mehr als du sie wieder abgenommen hast, als am Anfang", sagte sie und ließ sie um ihren Finger zuschnappen. „Wahrscheinlich habe ich mich an den Schmerz gewöhnt als sie dran waren und als du sie abgezogen hast, ist das Blut mit aller Macht in die tauben Stellen zurückgeflossen."

Draco nickte und nahm ihr die Klammer ab. Er ließ sie an ein bisschen Haut an seinem Arm zuschnappen und horte auf den Schmerz.

„Und warum hast du geweint? Vor dem Sex meine ich", wollte er wissen und bemerkte, wie sie innehielt und kurz aus dem Fenster sah. Er legte die silberne Blattklammer weg.

„Du gehörst hierher. Ich meine, ich gehörte nirgendwo hin und dich zu sehen, wie du an diesem Schreibtisch gesessen hast, hat mir klar gemacht, dass… dass es nun mal so ist." Ihre Stimme klang fast ein bisschen erstickt, als sie dies sagte.

Draco nickte und musterte ihr trauriges Gesicht. Er wusste nicht, wie es war keinen Ort zu haben an den man sich zuhause fühlte. Von dem man wusste, dass man dorthin gehörte. Aber war es nicht auch eine Chance auf Freiheit? Er würde diese Freiheit nie haben. Nur die Illusion davon hier in dieser Zeitschleife. Sein Leben war vorgezeichnet und auch wenn vielleicht nicht alles davon schlecht war, war es doch nicht so, als hätte er eine Wahl. Oder nein, das war nicht ganz korrekt. Er hatte eine Wahl, aber es erschien ihm nicht als Option sich anders zu entscheiden als irgendwann diese Ländereien zu verwalten und die Familie weiterzuführen. Alles andere würde ihm wie Verrat an sich selbst vorkommen. Entweder er würde hier enden oder sterben. Alles andere konnte er nicht mit sich vereinbaren. Es war eine Gewissheit, die irgendwie beruhigend war.

„Du könntest mir zeigen wo wohnst. Also wenn du Ferien hast. Ich kann dir mein Zuhause nicht zeigen, dass ist zu gefährlich. Aber wir können zu dir. Dein Cousin meinte, dein Großvater feiert Samstags Geburtstag", sagte Draco irgendwann in die Stille.

Hermione sah nicht sonderlich begeistert von dem Vorschlag aus.

„Ich weiß nicht ob das so eine gute Idee ist", gab sie zu.

„Ist die Geburtstagsfeier so schlimm?", wollte er wissen und grinste sie an, doch sie zuckte nur die Schultern und sah ihn nicht an. Sie sah aus dem Fenster, als würde sie dort etwas sehen, dass er nicht erkennen konnte.

„Ich weiß es nicht, ich war nie dort", sagte sie und Draco war einen Moment fassungslos.

„Wir sind in einer Zeitschleife. Du hattest hunderte Zyklen Zeit hinzugehen und du warst kein einziges Mal dort? Nicht einmal?", fragte er und sie presste die Lippen zusammen.

„Myonie", mahnte er und drehte sie zu sich. Er legte den Knöchel seines Zeigefinders unter ihr Kinn und zwang sie ihn anzusehen. „Warum?", wollte er wissen und sie zuckte nur die Schultern.

„Was soll ich ihnen sagen, was nicht sowieso eine Lüge ist", sagte sie und Draco nahm seine Hand weg. Sie sah so wahnsinnig ängstlich und verzweifelt aus, dass sich sein Herz verkrampfte. Er zog sie an seine Brust und sie drückte ihr Gesicht an ihn. Er vergrub seine Finger in ihren wilden Locken und barg sie in seinen Armen. Es war eine ziemlich gute Frage. Er hatte keine Ahnung. Es hatte nur diesen einen kurzen Zusammenstoß mit ihrer Familie gegeben und das war bereits viele Zyklen her. Wenn er ehrlich war, hatte er einfach keine Ahnung von ihrer Muggelfamilie. Er verstand zwar heute deutlich mehr von Muggeln als noch vor der Zeitschleife. Aber er hatte keine Ahnung von der Dynamik ihrer Familie.

„Du hast jetzt die einmalige Möglichkeit die Antwort auf diese Frage zu finden, ohne dass sie irgendwas von dir erwarten werden. Du kannst ihnen alles sagen und sie alles fragen, ohne dass sie sich daran erinnern werden. Du kannst ihnen sagen, dass du eine Hexe bist und sehen, wie sie reagieren."

Hermione sah zu ihm auf. „Du meinst ich kann sie so unter Druck setzten, wie du deine Mutter."

„Ja", stimmte Draco zu und sah ihre gerunzelte Stirn.

„Sie ist komplett zusammengebrochen", gab Hermione zu bedenken und Draco nickte zustimmend.

„Ich hätte das niemals gesagt und getan, wenn wir in der linearen Zeit wären. Ich hätte diesen Zusammenbruch niemals riskiert. Aber ich bereue es nicht. Ich weiß jetzt was los ist. Ich weiß, auf was ich aufpassen muss, um sie beschützen zu können und das war es wert."

„Trotzdem hat sie dich verletzt mit ihren Worten. Und das ist nicht egal", sagte Hermione und Draco erlaubte sich ein schwaches Lächeln. Natürlich hatte Hermione das durchschaut.

„Ja", gab er zu. „Aber es gibt Dinge die wichtiger sind. Ich werde es überleben zu wissen, dass meine Mutter mich für meine Neigungen fürchtet und verachtet. Es wird mich nicht umbringen. Jetzt weiß ich vor welchen Seiten an mir ich sie beschützen muss. Was sie niemals erfahren darf."

Er legte eine Hand an Hermiones Wange.

„Wir beide lernen, entwickeln uns weiter, aber die Menschen um uns herum bleiben die gleichen. Wenn du die Angst vor deiner Familie überwinden willst, musst du das nutzen."

„Ich habe keine Angst vor meiner Familie", widersprach Hermione fast automatisch, doch Draco lächelte sie nur gutmütig an.

„Doch. Du hast Angst vor ihnen. Ganz tief in dir, fürchtest du sie, weil sie dich beinah zerstört haben und du hast Angst, dass sie es wieder tun. Du hast Angst vor der Macht, die sie über dich haben, weil sie deine verletzliche schwache Seite gesehen haben."

Hermione sah zu Draco auf und berührte sanft sein Gesicht. Er kannte sie mittlerweile einfach zu gut. Sie hatte sich ihm geöffnet, weil sie ihm hatte helfen wollen und er hatte sie durchschaut. Mehr als jeder andere vor ihm. Aber ihr war auch noch niemals vorher ein Mensch so nah gewesen wie er.

Draco hatte einfach so in ihr gelesen und er hatte mehr Recht mit seiner Einschätzung als ihr lieb war. Sie fürchtete den Schmerz und das Unverständnis, wenn sie ihrer Familie gegenübertrat. Weil auch wenn sie wusste, dass es ungerecht war, es sie auf eine Art emotional verletzte, gegen die sie sich nicht wehren konnte. Sich nicht selbst schützen konnte.

„Ich will von dir beschützt werden", sagte sie und drückte ihr Gesicht an Dracos Brust, spürte seine Arme und konnte nicht verhindern, dass sie vor Unsicherheit etwas zitterte. Sie hätte niemals gedacht, dass sie das jemals zu einem Meschen sagen würde. Sich so offen, so verletzlich zeigen. Es war, als würde sie ihren geheimsten dunkelsten Abgründigsten Wunsch aussprechen, dabei hörte es sich so simpel an. Aber sie, die sich immer selbst hatte beschützen müssen tat sich schwer damit ihn um Schutz zu bitten. Nicht körperlich, nicht magisch, sondern auf einer sehr emotionalen Ebene auf der sie sich ihm nah fühlte.

„Ich beschütze dich. So gut ich kann. Versprochen", sagte er und sie nickte an seiner Brust. „Aber wir müssen die Gelegenheiten ergreifen, die die Zeit uns bietet. Nicht nur ich. Auch du. Du hast mir das Beigebracht. Nutze die Chance und ich werde bei dir sein. So wie du immer bei mir warst. Dafür haben wir uns."

Uns, Hermione wiederholte das Wort in ihrem Kopf und es fühlte sich so wahnsinnig verboten gut an, dass zu denken. Sie nickte wortlos und presste ihre Lippen auf Dracos Mund. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Es gab kein Wort, dass ihre Gefühle beschreiben konnte. Es war, als würde das, was sie für ihn empfand ihr die Luft zum Atmen rauben. Es fühlte sich so schwer und groß und übermächtig an, dass es in ihrer Brust drückte. Sie schlang die Arme um seinen Hals und Draco hob sie hoch, setzte sich mit ihr zusammen auf den Schreibtisch und küsste sie so verzehrend zurück, dass sie sich nurnoch an ihm festklammern konnte.

Ein plötzliches Klopfen riss sie aus dem Kuss und Draco brauchte einen Moment, um zu Atem zu kommen. Hermione sprang von seinem Schoß und zog die Kapuze ihres Umhangs über, während er zur Tür ging.

„Ja?", fragte er ungehalten, als er die Tür öffnete. Gerade fühlte er sich wirklich gestört.

„Mr Gilmore hat Tanny angewiesen Mr Malfoy, Sir zu fragen, ob er mit Mr Gilmore speisen möchte", piepste eine kleine Hauselfe und Draco seufzte genervt auf. Unter normalen Umständen hätte er das getan. Aber heute brachte es nichts, sich gut mit seinen Angestellten zu stellen.

„Sag Henry, dass ich leider andere Verpflichtungen habe und bring ihm das zurück. Ich werde nichtmehr lange auf Lacock Abby verweilen", wies Draco die Hauselfe an und ließ den Ordner mit den Reiseberichten zu sich fliegen, um ihn der Hauselfe zu geben.

„Das wäre alles", sagte er und die Hauselfe verbeugte sich tief. „Wie Mr Malfoy, Sir, wünschen", sagte sie und Draco schloss die Tür wieder.

„Du könntest netter zu ihr sein", tadelte Hermione und Draco kommentierte es nicht. Er war nett gewesen. Wie nett sollte er denn noch sein und er würde nicht nochmal mit ihr über Hauselfen diskutieren. Das Thema hatten sie gehabt.

„Wir sollten gehen", sagte er stattdessen. „Nicht dass es bis zum Herrenhaus durchdringt, dass ich hier bin. Ich denke wir sollten nach Hogwarts zurück für die Nacht. Dort sind wir sicher."

„Brauchen wir nicht noch den Portschlüssel?", wollte Hermione wissen und Draco warf ihr einen frustrierten Blick zu.

„Das wird nicht so einfach. Ich kenne den Code für den Tresor nicht. Den kennt nur mein Vater. Das heißt ich muss morgen nach Askaban und ihn fragen."

„Nach Askaban?", fragte Hermione überrascht und Draco nickte, während er das Pergament mit seinen Aufzeichnungen einsteckte.

„Ja. Ich habe für Samstags eine Besuchsgenehmigung. Die habe ich mir ausstellen lassen, als ich alles für die Zeitschleife vorbereitet habe. Nur für den Fall, dass ich mit ihm reden muss. Aber Askaban ist kein angenehmer Ort. Selbst ohne die Dementoren ist er grauenvoll. Ihre Präsenz ist zu stark in dem Gemäuer verwurzelt und jene, die In den Katakomben eingeschlossen sind, beeinflussen die Gefangenen noch immer."

Draco warf noch einen Blick durch das Arbeitszimmer.

„Komm", sagte er dann zu Hermione und sie nickte. Zusammen verließen sie Lacock Abby.

Sie apparierten für ein Mittagessen nach Muggelondon, und während Draco Suppe und Dumplings von der Selbstbedienungstheke abholte sah Hermione nach draußen in das neblige London. Es war Sommer und trotzdem war es kalt und regnerisch wegen der Dementoren. Sie wollte gar nicht wissen wie Askaban war. Draco hatte erzählt, dass er schon öfter dort gewesen war. Das es jetzt, wo die meisten Dementoren weg waren, deutlich besser war als früher und sie hatte ihn irritiert angesehen und gefragt, wann er denn früher schonmal in Askaban gewesen war. Darauf hatte er die Augenbrauen hochgezogen und gemeint: „Dir ist schon klar, dass Bellatrix Lestrange meine Tante ist, oder? Meine Mutter hat die letzten fünfzehn Jahre ihr Vermögen verwaltet. Natürlich war ich schon in Askaban."

Für Draco schien es fast normal zu sein, Verwandte im Gefängnis zu haben. Sie hatte ihn angesehen, ihn gemustert und versucht diese Selbstverständlichkeit zu verstehen, mit der er das sagte und dann war es ihr eingefallen. Etwas, worüber sie nie nachgedacht hatte. Draco war ein Nachkriegskind. Er war aufgewachsen in einer Zeit nach dem Fall des Dunklen Lords. Sein Vater hatte vor Gericht gestanden, seine Verwandten waren verurteilt worden. Er und seine Familie waren Kriegsverlierer nach der ersten Herrschaft des Dunklen Lords. Das war die Realität, in der er aufgewachsen war. Doch für ihn und seine Familie war der Krieg nie vorbei gewesen war. Zuzugeben, dass der Krieg vorbei gewesen wäre, wäre für seine Familie gewesen, als würde man die Verwandten in Askaban zu Grabe tragen. Draco hatte es ihr einmal gesagt und sie hatte es damals nicht verstanden. Weil sie nicht verstanden hatte, wer er war. Er hatte gesagt, sein ganzes Leben steckt in diesem Krieg und jetzt endlich verstand sie das wahre Ausmaß dieser Worte.

Hermione war noch dabei darüber nachzudenken, als Draco zurückkam. Er stellte ihr ihre Thai-Suppe hin und Hermione dankte ihm, als er sich neben sie setzte. Sie saßen auf Barhockern an einem Stehtresen und die Fensterscheiben nach Draußen waren etwas beschlagen.

„Kann ich mitkommen nach Askaban?", wollte Hermione wissen und Draco runzelte die Stirn.

„Ich halte das für keine gute Idee. Vater könnte das Missverstehen und ich weiß nicht, wie ich es ihm erklären sollte, ohne dass er eine Szene macht."

„Ich hatte nicht vor ihm zu sagen, was zwischen uns ist. Ich kann vor dem Besucherraum warten, falls es sowas gibt."

Draco grinste sie an und steckte sich einen Dumpling in den Mund. Langsam begann er zu kauen. Er musterte sie von der Seite und schluckte sein Essen herunter.

„Das solltest du nicht. Du bist viel zu hübsch und verlockend, um allein irgendwo in Askaban herumzustehen. Die Wachen sind raue Kerle, die verdammt schlechte Laune haben, dass die Dementoren abgehauen sind. Sie sind den Dienst in Askaban nicht gewöhnt."

„Du meinst sie würden mir etwas tun?", fragte Hermione erschrocken. Draco schien das ziemlich zu amüsieren.

„Keiner könnte es ihnen verübeln. Du bist ein sehr verlockendes Gegenmittel für Dementoren, meine Süße."

Jetzt war es an Hermione irritiert zu sein. Sie verstand nicht, worauf Draco hinauswollte.

„Was meinst du? Ich meine was für ein Gegenmittel?", wollte sie wissen und Draco begann noch breiter zu grinsen.

„Manchmal bist du schon süß naiv. Glaubst du wirklich Schokolade hilft gegen Dementoren? Natürlich nicht. Willst du selbst darauf kommen? Ich gebe dir einen Tipp. Für was sorgt Schokolade im Gehirn?", wollte Draco wissen.

Angestrengt dachte Hermione nach. „Schokolade regt das Belohnungszentrum an", sagte sie nachdenklich und plötzlich begriff sie. „Natürlich Dopamin. Schokolade regt den Neurotransmitter Dopamin an. Glückshormone. Das Hilft gegen Dementoren."

Wie hatte sie nicht selbst darauf kommen können. Das war ziemlich naheliegend. Dementoren entzogen Glück und indem der Körper selbst Glück in Form von Hormonen produzierte, konnte er sich gegen Dementoren schützen.

„Sehr gut und jetzt denk mal drüber nach. Schokolade mag zwar eine angenehme Menge Dopamin ausschütten, aber es gibt noch etwas, was den Dopaminspiegel deutlich stärker hebt. Ihn geradezu explosionsartig steigen lässt."

Hermione starrte Draco einen Moment überrascht an. Der Gedanke war ihr noch nie gekommen.

„Sex", sagte sie schließlich und Draco nickte selbstzufrieden.

„Sex oder ein Orgasmus sogen für einen ordentlichen Überschuss an Dopamin, weshalb ich dich niemals allein in den Gängen von Askaban stehen lassen würde zwischen lauter grobschlächtigen Wärtern auf Dopaminentzug."

Hermione nickte verstehend. Sie hatte nie weiter darüber nachgedacht, aber natürlich war es nicht Schokolade, die gegen Dementoren half, sondern das, was Schokolade in einem Auslöste und Sex war eindeutig besser als Schokolade. Als sie darüber nachdachte ging ihr noch etwas auf.

„Du meintest dein Vater könnte meine Anwesenheit missverstehen. Du meinst er könnte denken, dass du mich mitgebracht hast, um mit ihm Sex zu haben?"

„Ja", gab Draco unumwunden zu und tauchte seinen Dumpling in die Sojasoße.

„Ich habe ihm bis jetzt immer eine Hure mitgebracht, wenn ich ihn besucht habe. Es lässt sich dann deutlich besser mit ihm reden und er ist geistig nicht so abwesend. Askaban tut ihm nicht gut."

Fassungslos starrte Hermione Draco an. „Du hast ihm eine Prostituierte mitgebracht?", fragte sie nach und Draco zuckte mit den Schultern als er kaute. Es schien ihm keine große Sache zu sein.

„Natürlich. Sie bekommt gutes Geld dafür. Ich wollte morgen wieder eine mitnehmen. Keine Sorgen, ich werde sie nicht anrühren, schließlich habe ich dich, um meinen Dopaminhaushalt zu stabilisieren."

Hermione wusste nicht so wirklich, was sie dazu sagen sollte. Irgendwie fühlte sie sich vollkommen überrumpelt. Sie hatte nie darüber nachgedacht, ob Draco jemals Sex mit einer Prostituierten gehabt hatte.

Hermione war sich nicht sicher, was sie von Prostitution halten sollte. Auf der einen Seite war sie der Meinung, dass jeder Mensch das Recht hatte Frei zu entscheiden was er mit seinem Körper und seinem Leben tun wollte. Keiner hatte das Recht darüber zu entscheiden was erlaubt war und was nicht solange dabei niemand zweites zu Schaden kam. In diesem Sinne sah sie keinen Grund etwas gegen Prostitution zu haben. Andererseits konnte man nie wissen wie viel Freiwilligkeit wirklich dahinter steckte. Man sah einem Menschen nicht an, ob er gezwungen wurde oder nicht. Es hinterließ einen bitteren Nachgeschmack.

„Hattest du oft Sex mit Prostituierten?", fragte sie und dachte daran, was Draco über Quinton Malone erzählt hatte, dass er ihn in einer Bar kennen gelernt hatte, bevor dieser in ein Bordell ging. Sie hatte nie darüber nachgedacht, was Draco getan hatte.

„Ein paar Mal", gab Draco zu. „Aber ich stehe nicht so drauf. Einerseits kenne ich die Menschen lieber mit denen ich Sex habe und andererseits denke ich, dass ich niemanden bezahlen muss, um mit mir ins Bett zu gehen. Jemanden zu verführen es zu wollen, macht mir deutlich mehr Spaß. Ich habe jedenfalls irgendwann damit aufgehört und beschlossen, dass ich es nicht unbedingt brauche."

Hermione nickte nachdenklich und schlürfte ihre Suppe.

„Deshalb hast du die Mädchen in Hogwarts verführt", stellte Hermione fest und Draco nickte.

„Ja. Aber dann habe ich dich getroffen. Gegen dich sind sie alle langweilig." Draco schnappte eine ihrer Haarsträhnen und wickelte die Locke um seinen Finger. „Gegen dich ist jede Frau langweilig Myonie."

„Das hoffe ich doch", sagte sie und lächelte ihn an.

Dracos grinsen wurde etwas breiter, dann rutschte er etwas näher, sodass sich ihre Gesichter ganz nah waren und er fuhr mit dem Knöchel über ihren Wangenknochen. „Ich hätte niemals gedacht, dass das möglich ist. Aber mit jedem Tag faszinierst du mich mehr. Es ist als würdest du dich verändern während ich sich ansehe und jede Fassette die ich entdeckte macht dich noch spannender und interessanter", sagte er versonnen. Sie spürte seinen Atem in ihrem Gesicht und wie er sie musterte, mit einem Blick der ihr bis unter die Haut kroch. „Ich hätte niemals von mir erwartet, dass ich so eine Besessenheit für eine einzige Person empfinden kann und ich bin eindeutig von dir besessen, Myonie. Ich will das du mir gehörst, ganz mir und manchmal ist dieses Gefühl so stark, dass es mir selbst Angst macht."

Etwas an Draco war anders. Es war in seinem Blick. Er war so durchdringend, dass er sie gefangen nahm. Fast so, als würde er darauf warten, dass sie flüchten würde, damit er ihr nachjagen und sie stellen konnte. Es sorgte dafür, dass sie eine Gänsehaut bekam.

Die Geräusche um sie herum erschienen seltsam Dumpf. Nur Draco war klar zu hören. Sein leises Atmen, das rascheln seiner Kleidung. Irgendwo weinte ein Kind, doch Hermione nahm es kaum wahr. Es wirkte viel zu weit entfernt. Sie schluckte und vielleicht hätte sie bei dieser Aussage ebenfalls Angst haben sollen. Ihr rationaler Verstand sagte ihr, dass sie Angst haben sollte. Draco war jemand vor dem es weise war Angst zu haben. Aber sie wollte ihm gehören. Alles an ihr wollte ihm gehören und vielleicht war das der wirkliche Grund, warum sie Angst haben sollte.

„Ich bin deins und du kannst mit mir tun, was du willst. Du brauchst niemanden dafür bezahlen, dich nach Askaban zu begleiten, wenn du mich hast. Ich werde tun was immer du verlangst ", sagte sie und spürte das Kribbeln der Nervosität in ihrem ganzen Körper. Den Schauer der perversen, abartigen Erregung der sie zum Erschaudern brachte. Draco lächelte. Es war ein ziemlich düsteres Lächeln. Er beugte sich etwas weiter vor, bis zu ihrem Ohr. Hermione spürte seinen heißen Atem auf ihrer Haut.

„Ich hatte gehofft, dass du das sagst."

Nachwort:

Ich glaube nicht, dass Draco jemals aktiv danach gefragt hätte, ob Hermione ihn nach Askaban begleitet. Aber ihr Angebot ausschlagen tut er auch nicht.

Nur so als Hinweis. Die nächsten drei Kapitel werden Grenzwertig. Sie werden mehr als Grenzwertig. Ich gebe sonst nie Warnungen für Kapitel aus. Evtl. empfinde auch nur ich das so und andere sehen den Unterschied nicht. Aber man kann die nächsten 3 Kapitel auch überspringen, ohne zu viel zu verpassen. Ab Kapitel 94 wird es wieder moderater.

LG

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