Hallo? Wie doof kann man eigentlich sein?
25. August
Ein Tagebuch. Na klasse. Das hat mir gerade noch gefehlt. Die anderen Geschenke waren ja ganz nett, aber das hier?
»Liebe Pansy, alles Gute zum Geburtstag! Mein Tagebuch war damals mein wichtigster Begleiter durch meine Jugendzeit«, schreibt meine Großmutter und schickt mir dieses leere Buch.
Genau, Oma - damals, vor circa hundert Jahren! Selbst Mum hat gesagt, sie wusste gar nicht, dass es sowas heutzutage noch gibt. Ist doch irgendwie bedenklich, oder? Nun ja, zumindest eine Spur besser, als die kindischen Pyjamas, die sie sonst immer schenkt.
Wäre es wenigstens eine Woche früher angekommen, tja, da hätte ich glatt was zu berichten gehabt. Ich war nämlich zusammen mit den Mädchen in der Winkelgasse shoppen!
Neben dem ganzen Kram für das neue Schuljahr hat Daddy mir noch mehr gekauft: einen kuschelweichen Kaschmirpullover von Twilfitt and Tattings, Make-up von Madam Primpernelle, ein Halsband mit Schmucksteinen für Mabel (sie ist jetzt schließlich eine ausgewachsene Katzendame), einen Bonbonvorrat von Sugarplums und mein Lieblingseis von Florean Fortescue - Vanille und Orangenmarmelade mit Schokosoße.
Tracey hat ihre Mutter in diesen Quidditch-Laden geschleift und kam mit zwei Tüten von Fanartikeln sämtlicher Mannschaften wieder raus, Millicent überredete ihren Vater, ihr einen Knuddelmuff zu kaufen (abgesehen von der Halbglatze sieht sie übrigens genauso aus wie er) und Daphne und ihre Mutter waren ganz enttäuscht, dass sie die Autogrammstunde von Gilderoy Lockhart verpasst haben, die nur einen Tag zuvor bei Flourish & Blotts stattfand.
Wir hatten sieben (!) von Lockharts Büchern auf der Liste stehen, weil er unser neuer Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste ist.
Kann schon sein, dass er gut aussieht. Ziemlich gut, von mir aus - aber er ist Buchautor, geht es noch langweiliger?
Als wir nach Hause kamen, ist jedenfalls sogar Mum ausgeflippt, sobald sie meinen Bücherstapel sah. Aber nicht vor lauter Schwärmerei, sondern vor Wut. Lustige Geschichte, denn zufällig hat der gute Gilderoy schon vor Monaten bei Spellbound Couture ein Dutzend Umhänge und Maßanzüge in sämtlichen Blautönen bestellt, aber noch keinen einzigen davon bezahlt.
Irgendetwas sagt mir, dass das neue Schuljahr interessant werden wird.
2. September
Hallo, Tagebuch.
Wir sind zurück in Hogwarts! Und weil wir keine dummen, kleinen Erstklässler mehr sind, gab es nach unserer Ankunft am Bahnhof einen netten Service: Wir wurden in Kutschen zum Schloss chauffiert.
Für alle aus unserer Klasse waren die Thestrale, die die Kutschen gezogen haben, unsichtbar. Außer für Ted und mich, weil wir schon mal eine Leiche gesehen haben. Romantisch, was? Jedenfalls sehen die Viecher echt abartig aus, so wie Pferdekadaver mit Flügeln. Und Ted hat sogar eins gestreichelt, würg!
Abgesehen davon ist es, als wären wir nie weg gewesen. Dumbledore hört sich gerne selbst reden, John Bletchley und Amanda Turner zeigen den Erstklässlern, wie cool es ist, in Slytherin zu sein, Peeves geht allen auf die Nerven und die Jungs lamentieren nur über Quidditch. Außer Malfoy - der erzählt zum hundertsten Mal davon, wie sein Vater Mr Weasley in der Winkelgasse einen Kinnhaken verpasst hat, und lästert über Harry Potter, der mit einem verzauberten Auto zur Schule geflogen ist. Anscheinend war diesem Trottel der Hogwarts-Express nicht gut genug.
Heute standen auch gleich meine beiden Hassfächer auf dem Plan: Verwandlung und Kräuterkunde. McGonagall verlangte von uns, einen Käfer in einen Knopf zu verwandeln (ich erspare dir die Details unseres kläglichen Scheiterns), und bei Professor Sprout sollten wir Alraunen umtopfen. Großartige Idee.
Ich tat so, als seien meine Ohrenschützer verrutscht und täuschte einen Ohnmachtsanfall vor, woraufhin Padma mich zum Krankenflügel begleiten sollte. Dort überredete ich Madam Pomfrey noch, Padma nicht wegzuschicken, und wir haben »Zwei Lügen, eine Wahrheit« und »Wer bin ich?« gespielt. Das war viel lustiger, als sich die frisch lackierten Fingernägel dreckig zu machen.
4. September
Hallihallo.
Gestern hatten die Gryffindors Verteidigung gegen die dunklen Künste. Hogwarts größte Hohlfritte Lavender Brown behauptete, Professor Lockhart habe nach seiner Mami schreiend die Flucht ergriffen, nachdem er einen Käfig voller Wichtel auf die Klasse losgelassen hat, die er nicht mehr bändigen konnte. Am Ende soll sogar jemand am Kronleuchter gehangen haben und ein Fenster zerbrochen sein.
Heute hatten wir das Vergnügen.
Lockhart kam hereinstolziert und betrachtete voller Entzücken ein Gemälde, das ihn zeigt, wie er sich selbst porträtiert. Er sah uns erst an, als ich sagte, dass ihm der Umhang von Spellbound fantastisch steht. Da lachte er neckisch und meinte, ich hätte ein gutes Auge. Ach, was.
Danach begann der Unterricht im Fach Gilderoy-Kunde, zu dem er einen Fragebogen verteilte, der wichtige Kenntnisse wie seine liebste Jahreszeit oder tägliche Haarpflegeroutine abfragte (Daphne war die Einzige, die die Aufgabe ernst nahm).
Ich beantwortete nur die Frage nach Lockharts geheimem Wunsch: seine Schulden bei Gemma Parkinson, Mutter von Pansy und Inhaberin von Spellbound Couture, zu bezahlen.
Als er das las, guckte er ziemlich sparsam und schickte die anderen viel zu früh in die Pause. Er fing an, zu schleimen, wie sehr er Mums Umhänge liebt, besonders den Vergissmeinnicht-blauen, weil der perfekt zu seiner Augenfarbe passt. Dann meinte er, ich hätte da etwas missverstanden mit der Bezahlung. Immerhin habe er zwei der Anzüge bereits bei öffentlichen Auftritten getragen, und eine bessere Werbung könne es für eine Modemarke ja nicht geben. Aber er würde meiner Mutter natürlich noch eins seiner Bücher schicken, mit persönlicher Widmung.
Hallo? Wie doof kann man eigentlich sein?
Ich habe ihm freundlich verklickert, dass Mum weder Werbung nötig hat, noch ein Fan von ihm ist - andererseits würde die Presse bestimmt zu gerne erfahren, dass Gilderoy Lockhart ein Betrüger ist, der seine maßgefertigte Designerkleidung einfach nicht bezahlt. Wenn ich aber wüsste, dass mich auf dem Zeugnis ein Ohnegleichen in seinem Fach erwartet, würde mich das die ganze Sache wieder vergessen lassen.
Kurz dachte ich, er hätte einen Schlaganfall, so belämmert sah er mich an. Doch dann hat er genickt und was von Ratenzahlung gemurmelt.
Und schwupps, erledigt. Eine sehr effiziente Unterrichtsstunde. Mum und Dad werden garantiert stolz auf mich sein!
21. September
Ich bin's wieder.
Daphne hat sich heute auf dem Schulhof mit Lockhart über sein zweites Karrierestandbein unterhalten: eine Haarpflegeserie für junge Hexen. Sie war natürlich ganz begeistert von der Idee. Und er von ihrem Haar. Ich muss sie davor bewahren, sich ihm als Testperson anzubieten, sonst steht sie am Ende noch mit Glatze da.
Außerdem hat Millicent ihren Knuddelmuff an Hannah Abbott verkauft. Es hat nicht mehr funktioniert, weil Wilma zu gerne Lady und Mabel geärgert hat und sich dann alle drei ständig quer durch den Schlafsaal gejagt haben.
10. Oktober
Gestern war der Abend, an dem ich Malfoy beinahe umgebracht hätte.
Es war kurz vor der Sperrstunde, als wir alle im Gemeinschaftsraum zusammensaßen und er plötzlich auf die beknackte Idee kam, mit den neuen Nimbus irgendwas eine Runde über dem See zu drehen (die Jungs reden praktisch von nichts anderem mehr, als dass Draco jetzt in der Mannschaft mitspielt und sein Vater irgendwelche teuren Besen, die bisher nur in Amerika erschienen sind, für das ganze Team gekauft hat).
Eigentlich hatte ich keine Lust, mitzukommen, aber ich wollte auch nicht alleine rumsitzen. Also stahlen wir uns in den Umkleideraum der Slytherins, wo die Spitzenmodelle erstmal ausgiebig bewundert wurden und Blaise beschloss, sich auch einen zu Weihnachten zu wünschen.
Als sich alle wieder eingekriegt hatten, nahm jeder einen Besen, sogar Tracey. Millicent stieg bei ihr mit auf, Daphne bei Ted.
Ich bestand darauf, bei Draco mitzufliegen, und nein, ich weiß nicht, wie ich so blöd sein konnte. Ich dachte mir, als ein Mitglied der Quidditch-Mannschaft wird er sicher nicht abzustürzen. Tat er auch nicht. Außerdem hatte ich ihn schwören lassen, nicht schnell zu fliegen. Tat er ebenfalls nicht. Allerdings fand er es wahnsinnig witzig, im Flug Schrauben und Loopings zu drehen, obwohl ich dabei so laut schrie, dass jede Alraune vor Neid erblasst wäre!
Als wir gelandet waren, rannte er lachend vor mir weg. Sein Glück, dass er schneller war als ich.
31. Oktober
Du ahnst nicht, was hier eben los war. Ja, sicher, die Halloween-Feier mit den tanzenden Skeletten war 'ne ziemlich coole Show (und der Applaus für Dumbledore zum ersten Mal verdient), aber davon redet schon jetzt kein Mensch mehr.
Nach dem Festessen gab es nämlich einen klitzekleinen Zwischenfall, bei dem wir draußen im Korridor Filchs Katze Mrs Norris vorfanden, die steif wie ein Brett von einem Fackelhalter herabhing (Amanda meinte aber, sie würde nicht tot, sondern nur versteinert aussehen). An die Wand darüber hatte jemand mit Blut geschrieben: Die Kammer des Schreckens wurde geöffnet. Feinde des Erben, nehmt euch in Acht.
Keine Ahnung, was eine Kammer des Schreckens sein soll, oder wer was geerbt hat, aber wenn sie denjenigen erwischen, stecken sie ihn wahrscheinlich direkt ins St. Mungo Krankenhaus.
Malfoy nutzte gleich die Gelegenheit, sich bei einigen zum Hauptverdächtigen zu machen, weil er wieder einmal seine Klappe nicht halten konnte und die »Schlammblüter« noch an Ort und Stelle davor warnte, dass sie die Nächsten seien. Aber er kann nichts dafür, er ist eben ein Blödmann. Mal abgesehen davon, dass er den ganzen Abend in der Großen Halle war und seine Familie nie in derartigen Verruf bringen würde.
Außerdem war das gar nicht seine Schrift. Die sah eher weiblich aus, wenn man mich fragt. Aber tut natürlich niemand.
7. November
Während sich alle anderen immer noch den Kopf zerbrechen und Bücher über geheime Kammern in Hogwarts wälzen, habe ich beschlossen, dass es Zeit ist, uns für die anstrengenden letzten Wochen einmal richtig zu belohnen.
Darum habe ich meine Hauselfe Tessy vor zwei Tagen beauftragt, mir eine große Packung Pralinen und eine Auswahl der neuesten Pflege- und Make-up-Produkte zu schicken, um einen Wellness-Abend organisieren zu können. Nett von mir, oder?
Natürlich kam die Überraschung bei den Mädchen super an. So super, dass wir einen solchen Abend jetzt öfter machen wollen.
Übrigens haben wir den heutigen Vormittag draußen im strömenden Regen verbracht (wir haben gegen Gryffindor gespielt und verloren). Warum gibt es eigentlich kein Hallen-Quidditch?
8. November
Es gab einen zweiten Versteinerungs-Angriff, diesmal gegen »Creepy Creevey«, einen Erstklässler, der Harry Potter wie ein besessener Fan folgt und ständig fotografiert.
Es geht das Gerücht um, dass wir alle nach Hause geschickt werden und sie die Schule sogar komplett schließen!
Eins steht fest: Wenn es soweit kommt, gehe ich nach Ilvermorny. Keine zehn Einhörner kriegen mich nach Beauxbatons, wo meine ehemalige Freundin - jetzt Feindin - Brienne Duval zur Schule geht. Außerdem soll es dort von geistigen Hohlfritten nur so wimmeln.
Und Durmstrang ist kaum besser, es sei denn, man will im Unterricht Dinge lernen, für deren Wissen allein man in Askaban landen könnte.
Ist vielleicht eine Spur übertrieben, aber mit wahrem Kern.
28. November
Heute standen Crabbe und Goyle fast zwei Stunden draußen vor dem Gemeinschaftsraum rum. Aber nicht, weil sie das Passwort vergessen hatten (zu zweit kommen sie meistens doch drauf), sondern weil sie nicht in der Lage waren, Toujours pur französisch auszusprechen.
Tja, das war tatsächlich das Aufregendste, was in den letzten Wochen passiert ist. Abgesehen davon, dass Hogwarts nicht schließt, natürlich.
19. Dezember
Vor zwei Tagen waren wir alle gespannt auf einen kurzfristig angekündigten Duellierclub. Wir spekulierten, wer den Club leiten und eigene Kampfzauber vorführen würde. Die meisten tippten auf Flitwick, McGonagall oder Snape, ein paar Wenige sogar auf Dumbledore.
Doch dann tänzelte Mister Selbstüberschätzung persönlich um die Ecke und schwafelte eine Weile herum, bevor Snape ihn mit einem energischen Entwaffnungszauber in Richtung gegenüberliegende Wand beförderte.
Leider überlebte Lockhart, wenn auch leicht zerzaust, und schlug vor, diesmal uns Schüler zu Duellpaaren zusammenzustellen. Unter anderem wurden Malfoy gegen Potter (wie klischeehaft) und Millicent gegen Hermine ausgewählt.
Um Millicent anzustacheln, flüsterte ich ihr zu, Hermine habe sie neulich als fett bezeichnet. Das war gelogen, aber dafür bekamen wir einen tollen Kampf zu sehen, bei dem Millicent Hermine so fest in den Schwitzkasten nahm, dass es aussah, als wolle sie sie enthaupten.
Draco entschied sich irgendwann - warum auch immer - eine Schlange heraufzubeschwören, die ziemlich aggressiv wurde, als Lockhart sie - warum auch immer - durch die Luft schleuderte. Und danach wurde es richtig verrückt, weil Potter plötzlich mit der Schlange redete und sie auf Justin Finch-Fletchley aus Hufflepuff hetzte! Zum Glück hat Snape das Tier rechtzeitig entfernt.
Harry Potter, ein Parselmund. Dem Jungen fällt aber auch immer was Neues ein, um aufzufallen.
Ach ja, und gestern wurden zufällig derselbe Finch-Fletchley und ein Geist angegriffen. Keine Ahnung, was man anstellen muss, um einen Geist außer Gefecht zu setzen, aber er war ganz schwarz und reglos. Ernie Macmillan hat ihn dann mit einem großen Fächer die Treppen zum Krankenflügel hochgeweht, was so witzig aussah, dass ich mir fast in die Hose gemacht hätte.
Ganz schön viel los zurzeit, was? Aber hey, in zwei Tagen sind Ferien und ich bin sooo gespannt auf meine Weihnachtsgeschenke!
1. Januar
Frohes neues Jahr, Tagebuch!
Weihnachten war super, ich habe einen süßen Satin-Kimono, eine Handtasche aus pinkem Drachenleder und das neue Parfum von Cécile Caron bekommen. Das beste Geschenk war aber eine wunderschöne, glitzernde Uhr, die Daddy für mich hat gravieren lassen: Für Pancake. Ein bisschen kindisch ist der Spitzname schon, aber dafür kennt ihn ja keiner.
Und dann war da natürlich wieder Mums Party. Alle waren da! Okay, fast alle; Draco und seine beiden Anhängsel sind über die Ferien in Hogwarts geblieben. Nicht, dass ich sie vermisst hätte.
Diesmal konnte ich auch Padma überreden, vorbeizukommen. Sie brachte ihre Mutter mit, die sehr nett ist, weshalb ich, abgesehen von der Optik, keine Gemeinsamkeit mit Parvati feststellen konnte. Selbst Ted war da, allerdings ohne seinen Vater. Der ist nicht für Partys zu haben.
Und Gemma war total von Daphne entzückt. Sie liebt schöne Menschen (wenn sie ihr nicht gerade Geld schulden), und bestimmt kann sie es kaum erwarten, bis Daphne die Schule beendet und sie sie als Model engagieren kann.
Ich bin vor den Schmeicheleien geflüchtet und wurde dabei von den funkelnden, bunten Armreifen angezogen, die an Poppy Greens Handgelenken klimperten. Poppy ist hübsch, jung und seit einem Jahr Chefredakteurin der Hexenwoche.
Sie erzählte, dass sie gerade von den Malediven zurückgekehrt sei und nächste Woche nach Nizza reisen würde. Zum Einkaufen. Das alles seien großzügige Geschenke von ihrem guten Freund Gilderoy Lockhart.
Hat man da Töne? Dieser Schaumschläger stottert die Schulden bei meiner Mutter ab, während er anderen ein Luxusleben finanziert?!
Ich schluckte meinen Ärger und meinen Wein hinunter und meinte, dass er sie wirklich gern haben müsse. Dann grinste sie komisch und flüsterte mir zu, dass die beiden eine sogenannte Freundschaft Plus pflegen, aber das würde ich erst verstehen, wenn ich älter bin.
Keine Ahnung, warum Poppy so geheimnisvoll tat. Wahrscheinlich, weil Lockhart einfach blöde ist. Ich schenke Padma ja auch keine teuren Sachen, nur weil wir befreundet sind. Ich bezweifle immer mehr, dass er früher in Ravenclaw war.
Übrigens bin ich irgendwann noch mit Padma und den anderen nach oben gegangen und hab ihnen Mums Kleiderschrank gezeigt. Natürlich sind sie ausgeflippt und wollten Modenschau spielen.
Blaise war die Jury und hat Ted gewinnen lassen. Er hatte aber auch schon ein paar Gläser Feuerwhiskey intus. Er kann nur trinken, wenn seine Mutter es nicht sieht, weil sie es ihm eigentlich noch nicht erlaubt. Süß, oder?
5. Januar
Die Ferien sind vorbei, und laut Draco gab es in Hogwarts keine besonderen Vorkommnisse. Nur Crabbe und Goyle sollen sich noch dümmer angestellt haben als sonst, was ehrlich gesagt meine Vorstellung sprengt.
Im Moment liegt auch Hermine im Krankenflügel, sie soll sich aber nur mit irgendwas angesteckt haben. Millicent meinte vorhin, sie hätte einen Blick auf sie erhascht, und sie würde genau so aussehen, wie ihre Katze Lady. Gut für Hermine, denn falls das wahr ist, wäre sie endlich hübsch geworden.
23. Januar
Gestern Abend muss Blaise und den anderen wahnsinnig langweilig gewesen sein. Um sie zu ärgern, hatten wir Mädels den ganzen Tag über angedeutet, dass am Abend geheime Dinge in unserem Schlafsaal passieren werden. Gemeint war natürlich unser Wellness-Abend.
Jedenfalls hatte ich gerade meine Erdbeer-Gesichtsmaske aufgelegt, als es draußen im Flur laut wurde - die Jungs haben doch tatsächlich versucht, in unseren Schlafsaal zu kommen! Aber auf der Treppe wurden sie von einer Wasserfontäne überrascht und waren komplett durchnässt. Hat ihnen wohl keiner gesagt, dass man als Junge die jeweils ersten und letzten beiden Stufen überspringen muss.
Peinliche Sache, denn wegen dem Lärm sind sie nicht nur von uns, sondern auch von vielen Mädchen der anderen Jahrgänge erwischt worden, bevor sie abgehauen sind. Und Amanda hat ihnen auch noch hinterhergeschimpft. Obwohl ich hier unten schon den ein oder anderen Jungen hinter einer Tür habe verschwinden sehen.
14. Februar
Bei Salazar, der heutige Tag ist beinahe unbeschreiblich. Nur so viel: Ich habe selbst beim duschen noch Konfetti an mir gefunden, und wenn ich die Augen schließe, ist nach wie vor alles, was ich sehe, rosa.
Lockhart hat den Valentinstag zum Anlass genommen, die Große Halle ultra-kitschig zu dekorieren und Zwerge mit goldenen Flügeln zu beauftragen, Liebesbotschaften zwischen den Schülern zu überbringen. Es war ein Alptraum. Sogar der Blutige Baron hat sich den ganzen Tag versteckt.
Zum Glück haben viele bei dieser Peinlichkeit gar nicht erst mitgemacht. Es hat mir gereicht, das schnulzige Gedicht einer Ravenclaw-Drittklässlerin für den Siebtklässler Alex Sykes mit anhören zu müssen.
Dafür hat Marcus Flint Valentinskarten an alle männlichen Mitschüler von Oliver Wood in dessen Namen verschickt, das war dann doch ganz witzig.
3. März
Daphne nervt. Der blöde Schulchor, den sie und Lisa Turpin gegründet haben, soll nun zweimal pro Schuljahr auftreten, jeweils zum Beginn und Ende. Und dafür macht sie jetzt ein Fass auf.
Neuerdings trifft man sie nicht mehr ohne Schal oder Halstuch an, sie ernährt sich praktisch nur noch von Hustenbonbons und Zitronentee, und im Unterricht meldet sie sich auch kaum noch. Heute hat sie sogar Professor Binns darum gebeten, ihr Referat nächste Woche nicht selbst vortragen zu müssen, denn sie wolle ja ihre Stimme schonen. Für den Chorauftritt. Im Juni!
Affiger geht's echt nicht. Wenigstens hat sich Binns nicht auf diesen Unfug eingelassen.
26. März
Sorry, keine Zeit - Hausaufgaben, Alltag, du weißt schon.
13. April
Okay, jetzt wird es ernst: Wir müssen unsere beiden Zusatzfächer für das kommende Schuljahr auswählen. Oder besser gesagt eins, denn natürlich wählen wir alle auf jeden Fall Pflege magischer Geschöpfe (es ist allgemein bekannt, dass Professor Kesselbrand selten Hausaufgaben und noch seltener schlechte Noten erteilt).
Bleiben also noch Wahrsagen, Arithmantik und Alte Runen. Naja, es gibt auch noch Muggelkunde, aber die Einzige, die das überhaupt in Erwägung zieht, ist Daphne.
Millicent und ich tendieren zu Wahrsagen, Tracey und Ted schwanken zwischen Arithmantik und Runen, und Blaise und Draco haben sich sofort für Arithmantik eingetragen. Dasselbe hatten auch Crabbe und Goyle im Sinn, aber Snape hat ihnen nahegelegt, Wahrsagen zu wählen, wegen des geringeren Lernaufwandes.
Recht hat er. Wir werden noch unser ganzes Leben Zeit haben, intellektuell zu sein, warum es uns jetzt schon schwer machen?
17. April
Ich habe Tessy beauftragt, die Pralinen für den Wellness-Abend mit Likör zu füllen. Das war ein voller Erfolg! Ich weiß gar nicht mehr genau, weswegen, aber die Mädchen und ich haben irgendwann nur noch gelacht, und zwar so sehr, dass mir fast schlecht wurde. Warum hatte ich die Idee nicht schon früher?
9. Mai
Seit gestern ist hier wieder jeeede Menge los. Es gab einen vierten Angriff, mit dem niemand mehr gerechnet hätte - diesmal hat es Penelope Clearwater aus Ravenclaw und Hermine erwischt - und noch am selben Tag wurde Dumbledore von Dracos Vater und den Schulräten suspendiert! Obwohl seine Vertretung, Professor McGonagall, nur von einer kurzzeitigen Beurlaubung spricht; sie hat wohl auch keine Lust auf den Schulleiterposten. Oh, und Hagrid sollen sie sogar nach Askaban gebracht haben, aber keine Ahnung, warum.
Draco ist die Schadenfreude in Person, und das, obwohl alle Quidditch-Spiele abgesagt wurden (was einige wiederum mehr mitnimmt, als Dumbledores Abwesenheit). Daphne dagegen ist ziemlich verzweifelt, weil ja nun die Sache mit dem Schulchor, den Dumbledore abgesegnet hatte, unklar ist.
Ich für meinen Teil bleibe ganz ruhig und warte ab.
Welche Farben wohl die Schulumhänge in Ilvermorny haben?
8. Juni
Dumbledore und Hagrid sind wieder da. Juhu. Dafür wurde Mr Malfoy als Schulratsvorsitzender entlassen. Und irgendwas war mit ihrem Hauself, aber ich hab nicht richtig zugehört. Jedenfalls ist Draco echt sauer.
Außerdem sind nun alle versteinerten Schüler, Geister und Katzen wieder unter uns. Nur einer fehlt: Gilderoy ist wegen eines Unfalls mit einem Vergessenszauber in Behandlung und kommt nicht wieder als Lehrer zurück. Merlin. sei. Dank.
Ich weiß nicht, ob er Mum inzwischen noch Geld schuldet, aber immerhin hat er sich an seinen Teil unserer Abmachung gehalten; das Ohnegleichen steht meinem Zeugnis wirklich gut. Prüfungen gab es allerdings keine, die sind komplett ausgefallen. Also haben wir in den meisten Fächern die gleichen Noten wie letztes Jahr.
Gryffindor hat mal wieder den Hauspokal gewonnen, weil Dumbledore lächerlich viele Punkte an Potter und seine Freunde vergeben hat, die in irgendeine geheime Mission verwickelt waren. Vielleicht lässt er sich nächstes Jahr endlich mal was Neues einfallen.
Zumindest Daphne war glücklich, dass sie mit ihrem Chor und einem komischen Lied über Nixen und Wassermenschen auftreten konnte, und die Abschlussparty im Gemeinschaftsraum war auch ziemlich cool.
Wir haben unter anderem John und Amanda verabschiedet, die später noch heftig miteinander geknutscht haben. Bäh! Millicent und Daphne haben zusammen getanzt, oder besser gesagt, herumgezappelt, die Jungs haben sich Trickzauber von ein paar Viertklässlern zeigen lassen und Tracey hatte nach zwei Butterbieren mit Schuss einen erhöhten Redebedarf. Irgendwann bin ich weggegangen, weil sie ständig wiederholt hat, dass sie den Sommer bei Verwandten in Barcelona verbringen wird. Ich glaube, mittlerweile weiß es sogar der Blutige Baron. Tracey verträgt Alkohol nicht wirklich.
20. Juni
Liebes Tagebuch, heute schreibe ich dir, während ich auf meinem Bett in London sitze.
Mal sehen, was der Sommer bringt. Mum und Dad scheinen wegen irgendwas schlechte Laune zu haben, aber vielleicht darf mich Padma für ein paar Tage besuchen.
Und da wäre noch eine Sache … Das Schuljahr ist vorbei, und somit bald auch meine Zeit als zwölfjährige Hexe. Mit dreizehn bin ich ein Teenager, also quasi fast erwachsen. Da schreibt man nicht mehr Tagebuch. Ich hoffe, du verstehst das. Aber sei nicht traurig, du darfst in meiner Nachttischschublade wohnen, da ist es schön gemütlich.
Mach's gut!
Pansy
