Carlisle Cullen war der Inbegriff von Kontrolle.
Man könnte meinen, es wäre seine Gabe. Seine Kraft die er besaß.
Als Mensch hatte er seine Gedanken gegenüber seines Vaters für sich behalten, als er gebissen wurde, hielt er die Schreie die aus seiner Kehle drängten zurück und blieb stumm und als er schließlich ein Vampir war, biss er keinen einzigen Menschen- egal wie sehr sein Körper vor Durst brannte.
Man könnte außerdem meinen, dass nach mehr als drei Jahrhunderten als Vampir Carlisle alles gesehen hat was es zu sehen gibt. Dass er für alles vorbereitet war, dass ihn nichts mehr überraschen konnte. Dass seine übernatürlichen Reflexe, seine geschärften Sinne und seine schiere Stärke ihn für jede nur erdenkliche Situation wappneten.
Man könnte auch meinen, dass er als Arzt, der seinen Beruf seit über 250 Jahren ausübt, eine Unzahl an Verletzungen, Wunden, Krankheiten und Tode gesehen hat, abgestumpft war. Dass ihn nichts mehr überraschte oder erschütterte, dass er sich nie hilflos und ratlos fühlte.
Zumindest könnte man meinen, dass er in all dieser Zeit zumindest gelernt hat das Unvermeidbare zu akzeptieren.
Zu einem gewissen Grad war das alles wahr.
Es traf alles zu.
Zumindest bis zu dem Moment als eines Abends die Türen zur Notaufnahme aufschwangen und eine blutende junge Frau eingeliefert wurde.
Bis zu dem Moment, als sich ihr Duft ihren Weg zu seiner Nase gebahnt hatte.
Nie hatte er etwas vergleichbares gerochen.
Der Duft vereinnahmte ihn, er drang durch jede Faser seines Seins und betäubte seine Sinne. Er folgte ihm willenlos und als er sie sah, war auf einmal alles anders. All das worauf er seine Existenz gestützt hatte, was er seiner Familie vorgelebt hatte, war verschwunden. Es gab keine Kontrolle mehr.
Er musste zu ihr.
Es war keine Entscheidung mehr, es war ein Zwang. Er hatte keine Wahl und hätte er eine gehabt, würde er genauso wieder handeln, dessen war er sich sicher.
Seit diesem Moment war alles anders.
Er war anders.
Er wusste von Rosalie, dass es einen Vampir komplett verändern konnte wenn er seinen Gefährten trifft. Er wusste wie wichtig und prägend dieses Ereignis war. Dennoch hatte ihn nichts auf sie vorbereitet.
Lily kam wie eine Naturkatastrophe in sein Leben und er hatte ihr nichts entgegen zu setzen.
Carlisle Cullen sah sich selbst als jemand, der dachte bevor er sprach, der überlegt handelte und vorsichtig war. Der die Dinge immer rational sah, sie erklären wollte. Er wollte die Wissenschaft dahinter sehen, er wollte lernen, erklären, forschen.
Doch auf einmal stand er sich etwas gegenüber was er nicht erklären oder verstehen konnte. Was er nicht kontrollieren oder bestimmen konnte.
Gedanken und Gefühle drängten hervor, überkamen ihm aus dem nichts, brüllten und flehten ihn an Dinge zu tun, die er nicht einmal aussprechen konnte.
Patienten waren für ihn Tabu, nicht, dass er je Interesse daran gehabt hätte oder auch nur daran gedacht hätte. Aber es war eine der vielen Regeln nach denen er sein Leben lebte. Und trotzdem erwischte er sich dabei wie er stundenlange einfach nur ihrem Herzschlag lauschte. Ihre Atemzüge. Das Rascheln wenn sie sich im Schlaf bewegte. Nur seinen Sinnen verdankte er, dass er nie erwischt wurde. Und er hatte nicht einmal ein schlechtes Gewissen, zumindest nicht lange.
Auf einmal erfüllte ihn seine Arbeit nicht mehr, zumindest nicht mehr so wie früher.
Da war etwas anderes, weit aus mächtigeres, verheißungsvolleres.
Wenn er bei ihr war, war er wie hypnotisiert und wenn er nicht bei ihr war, zählte er die Sekunden bis er wieder in ihre Nähe kommen konnte. Für Monate war es das einzige Ziel was er hatte. In ihrer Nähe zu sein.
Der Gedanke an ihre Genesung machte ihn glücklich, er freute sich natürlich für sie aber es machte ihn auch unsagbar traurig. Der Gedanke, sie nicht mehr jeden Tag zu sehen, nicht mehr einfach so in ihre Nähe eindringen zu können war für ihn fast unerträglich und mit jedem verstrichenen Tag, wuchs seine Verzweiflung.
Ihre Nähe alleine hatte so viel Macht über ihn, löste Gefühle in ihm aus die er vorher nicht kannte und er stellte sich nicht nur einmal die Frage, was besser sein konnte als das. Was konnte besser sein, als ihr Duft in seiner Nase und ihr Herzschlag in seinen Ohren.
Bis zu dem Moment, als seine Selbstkontrolle im Regen komplett bröckelte.
Er fühlte ihre Lippen auf seinen und auf einmal brannte jedes seiner Nervenenden. Es erinnerte an die Verwandlung nur war es nicht schmerzhaft. Es war einfach nur intensiv. Es war vereinnahmend, es war berauschend, es war delikat, es war viel zu viel und gleichzeitig viel zu wenig.
Als wäre das alles nicht genug, spürte er ihren weichen und warmen Körper an seinen.
Jede Kurve, jede Mulde, alles war perfekt an seinen Körper angepasst. Ihr Duft, ihr Geschmack, das Gefühl ihrer Haut an seiner, ihre Wärme - das alles löste eine ganz neue Sensation in ihm aus.
Er fühlte sich vervollständigt.
Zum ersten Mal in seinem Dasein fühlte er sich komplett.
In der Sekunde wusste er, dass sich das Gefühl in sein versteinertes Fleisch gebrannt hatte. Dass er nicht nur daran denken würde, in Erinnerungen schwelgen würde, er würde es spüren. Nie würde er es vergessen, es konnten Jahrtausende vergehen und er würde immer noch genau wissen, wie sich ihr Körper angefühlt hatte. Wie ihr Duft roch.
Es schien auf einmal völlig absurd, dass er tatsächlich vorgehabt hatte sie zu verlassen. Dass er auch nur in Erwägung gezogen hatte ohne sie zu existieren.
Was hatte er sich dabei gedacht?
Wie hätte er es ertragen sollen?
All die Selbstkontrolle dieser Welt hätte ihn nicht auf Dauer von ihr abhalten können. Seine Kontrolle hielt nicht einmal einen Tag lang.
Und so starrte er auf dieses Geschöpf was für ihn ein einziges Mysterium war, wie es in zwei Decken eingewickelt war und die Tüte nach Essen durchsuchte. Es war herzzerreißend liebenswert.
"Naja. Zumindest kann ich Küssen im Regen von meiner Liste streichen."
Ihre Stimme klang leicht und schwerelos und Carlisle redete sich gerne ein, dass er der Grund dafür war.
Natürlich wusste er auch, dass er auch der Grund für ihre Verzweiflung gewesen war. Ein Gedanke der sich wie ein glühendes Eisen in seine Brust bohrte. Wie konnte er ihr nur so viel Schmerz bereiten.
Ihr.
Seinem Schicksal.
Seinem Alles.
Er schüttelte den Gedanken ab, es hatte keinen Sinn darauf herumzureiten, vor allem nicht in ihrer Nähe.
Sein Mund verzog sich zu einem Lächeln und er rückte den Stuhl näher zu ihrem Bett. Vorsichtig richtete er die Decke über ihre Schultern und bemerkte zufrieden, wie ihr Herzschlag auf einmal schneller wurde.
"Ja? Was steht noch drauf?"
Er konnte seinen Blick nicht von ihr abwenden und fragte sich, ob ihr sein Starren unangenehm war. Zwar breitete sich eine vornehme Röte über ihre Wangen aus, ein Anblick an den er sich sicherlich niemals sattsehen würde, aber sie wirkte nicht gestresst.
Sie zuckte mit den Schultern und der Berg aus Decken hob und senkte sich. Er konnte fühlen, wie ihr Körper sich wieder erwärmte.
Zum ersten Mal spürte er seine eigene Kälte und verfluchte sie. Er hasste sie. Sein unnatürliches Wesen was nicht einmal in der Lage war die eigene Gefährtin zu wärmen.
"Es ist eine ziemlich lange Liste."
Sie sah immer noch auf das Sandwich was Rosalie gebracht hatte und biss herzhaft ab. Sein Blick folgte ihr und sein Lächeln wurde nur noch breiter. Ihr Appetit beruhigte ihn und faszinierte ihn zu gleich. Zugegeben das Essen hatte nicht verlockendes an sich, im Gegenteil, dafür aber die Person die es gerade verschlang.
"Wir haben viel Zeit."
Er sah wie sich ihre Augen kurz weiteten aber sie schien es nicht zu kommentieren. Sofort legte er seine Stirn in Falten.
Zweifelte sie ihn an? Wie konnte sie? Wie konnte sie nicht bemerken was sie mit ihm tat? Wie konnte sie nicht spüren was ihre Nähe mit ihm anstellte?
Automatisch griff er auf einen Zipfel der Decke und spielte damit. Es war zwar kein Kontakt aber es musste reichen. Es gab ihm einen Grund noch näher zu kommen und er spürte wie sich seine Augen verdunkelten. Er wandte seinen Blick ab und sammelte sich kurz.
Er wollte nichts überstürzen- egal was gerade vor der Tür passiert war. Er konnte nicht noch einmal die Kontrolle verlieren, egal wie sehr es wollte.
"Also."
Sofort wanderten seine Augen nach oben. Ihre blauen Augen funkelten ihn neugierig an. Es war so leicht sich in ihnen zu verlieren. Zu leicht.
Er räusperte sich.
"Also?"
"Vampir hm?"
Sie sprach es so belanglos aus, dass er kichern musste. Er kicherte. Er wusste nicht, wann er das letzte mal gekichert hatte. Oder wann er das letzte Mal so zufrieden war. Vermutlich niemals.
Ihr Blick veränderte sich leicht und sie musterte ihn. Er legte seinen Kopf schief, auch wenn er es kaum Erwarten konnte mahnte er sich geduldig zu sein.
"Wie alt bist du eigentlich?"
Erneut spielte er mit dem Zipfel der Decke.
Hätte sie Angst vor ihm wenn sie sein Alter erfuhr? Würde sie anders von ihm denken? Sie war so.. jung. So wild, so energetisch. Sie hatte noch so viel vor sich. Carlisle dachte immer, dass er alles hinter sich hätte, sogar den Tod. Er war ein abgeschlossener Fall. Aber auf einmal fühlte es sich nicht mehr so an. Im Gegenteil. Wenn er bei ihr war, vergaß er für einen Moment was er war. Er vergaß das Monster in seinem Spiegelbild. Er vergaß die fast 400 Jahre Existenz und fühlte sich wie ein 23 jähriger Junger Mann der sich Hals über Kopf in ein Mädchen verliebt hatte.
"Ich schätze so.. 375 Jahre alt."
Ihr Blick war fast komisch und Carlisle schnaufte sein Lachen. Sie hatte ihre Augen weit aufgerissen und starrte ihn entsetzt an. Aber sie wich nicht weg und das wertete er als gutes Zeichen.
Er wusste natürlich was sie eigentlich meinte und setzte gelassen fort.
"Ich wurde verwandelt als ich etwa 23 Jahre alt war."
Sie nickte, als hätte er ein Rätsel für sie gelöst und aß weiter. Ein weiteres gutes Zeichen, befand Carlisle. Er konnte auf einmal ihre Anspannung fühlen und war gespannt auf ihre nächste Frage. Sie war so faszinierend, so voller Überraschungen.
"Und ich bin deine... Gefährtin?"
Sie sprach das Wort vorsichtig aus, als würde sie ihm noch die Möglichkeit geben seine Meinung zu ändern.
Als ob er das wollte.
Als ob er das überhaupt konnte.
Er nickte und beobachtete sie.
Es war unfassbar, dass sie so gelassen reagierte aber er wusste von Edward, dass Bella ebenfalls keine Spur von Angst zeigte. Vielleicht war es ihre Verbindung, vielleicht wusste ihr Körper, dass er keine Gefahr darstellte obwohl er die größte Gefahr von allen war.
"Wie.. passiert das?"
Er überlegte. Es war eine Frage auf die er selbst kaum eine zufriedenstellende Antwort hatte.
"Auf den ersten Blick."
Sie zog eine delikate Braue hoch und er spürte seinen Magen, wie er sich zusammenzog. Ein Gefühl was natürlich unmöglich war, aber er fühlte vieles bei ihr was eigentlich unmöglich war.
"Wir wissen nicht wie es genau funktioniert. Manche sagen es sei Schicksal."
"Liebe auf den ersten Blick?"
"So ähnlich. Ich weiß, dass es für Menschen nicht üblich ist, aber für Vampire ist es eigentlich normal. Meistens wissen Vampire sofort, dass sie für einander bestimmt sind. Vielleicht ist es ein Geschenk Gottes, dass wir nicht für alle Ewigkeit alleine sind."
"Alleine? Aber du hast eine Familie?"
"Ich war lange alleine, es hatte lange gebraucht bis ich mich mit meinem ... Dasein abgefunden hatte. Und es hatte noch länger gebraucht bis Edward dazu kam."
Er ließ aus wie Edward genau zu ihm kam. Es war ein Thema welches er mit Sicherheit einmal mit ihr teilen würde, aber er wollte sein Glück nicht testen.
Ihr Gesicht wurde traurig und Carlisle wollte ihr die Trauer sofort nehmen. Auch wenn ihre Trauer für ihn war, wollte er wieder das glückliche Funkeln sehen. Seine Hand fand ihr Knie und die Berührung knisterte förmlich. Seine Fingerspitzen brannten und zuckten aber das Gefühl war zu gut um es aufzugeben.
"Ich mein.. nimm mir das bitte nicht übel aber.. warum gerade ich? Ich bin kein Vampir, ich bin nur ein Mensch. Schlimmer noch. Beschädigte Ware."
Sie lachte ein freudloses Lachen und es brach ihm das Herz. Wie konnte sie nur eine Sekunde annehmen, dass sie etwas anderes für ihn war als vollkommen?
"Du bist perfekt."
"Ha. Sicher nicht."
"Für mich schon."
Er starrte sie an als sie seinen Blick mied. War es für sie so schwer vorzustellen, dass sie perfekt für ihn war?
"Es hat mich viel Kraft gekostet mich von dir fernzuhalten. Ich habe es versucht so gut ich konnte aber im Endeffekt habe ich es nicht geschafft."
Es brauchte ein paar Sekunden bis sie verstand, dass er nicht die erfundene Stelle in Boston meinte.
"Wie meinst du das?"
Er ließ seinen Blick durch den Raum schweifen.
Er war unschlüssig. Würde er sie anwidern? Würde sie Angst haben? Würde sie wütend werden?
"Ich habe dich beobachtet. Ziemlich oft. Sehr oft."
Sie verengte ihre Augen und dachte nach.
"Als du geschlafen hast."
"Als ich geschlafen habe? Warum?"
"Wie gesagt, es war schwer dir nicht nahe zu sein. Sehr schwer."
Sein Daumen malte Kreise auf ihrem Knie und er hörte ihren Herzschlag zucken. Ihr Duft veränderte sich leicht und er schloss genüsslich die Augen. Es war himmlisch.
"Du musst verstehen,"
Er brach ab und schluckte das Gift welches sich in seinem Mund gesammelt hatte herunter. Er sah ihr direkt in die Augen und wusste, dass seine Augen dunkel waren.
"Du musst verstehen, dass ich das noch nie erlebt habe. Als ich deinen Duft gerochen habe, war ich wie vom Blitz getroffen. Nichts hatte je so gut für mich gerochen und als ich dich das erste mal ansah.. wusste ich es. Ich wusste du bist meine Gefährtin."
"Du hattest noch nie einen Gefährten?"
Er spürte wie sich sein Gesicht zu einer verdutzten Maske verzog.
Noch nie einen Gefährten? Verstand sie nicht wie absolut einzigartig sie war? Plötzlich wünschte er sich nicht mehr Edwards Gabe, er wünscht sich, dass sie diese besaß. Vielleicht würde sie dann verstehen, was ihre Existenz für ihn bedeutete.
Sofort schüttelte er den Kopf und sah sie ernst an.
"So etwas passiert nur einmal in unserer Existenz."
Lily keuchte und Carlisle fürchtete, sie damit endgültig verschreckt zu haben aber zu seiner Überraschung blieb sie still sitzen.
"Einmal? Aber was, wenn ich..."
sterbe
Allein der Gedanke zerriss ihn. Er zerfetzte sein versteinertes Herz und schnürte seinen Hals zu. Er presste seine Augen zu und öffnete sie erst, als er eine warme Hand an seiner Wange spürte.
Zaghaft öffnete er seine Augen und blickte in zwei Ozeane.
Er ertrank darin und tauchte wieder auf. Automatisch lehnte er sich in die Hand und drehte seinen Kopf leicht, so dass seine Lippen ihre Handflächen berührten. Sie seufzte und er sah, wie sie erneut ihre Augen schloss.
Betrunken von einem Mut dessen Herkunft er nicht kannte, lehnte er sich zu ihr.
Sie saßen so nah, dass es kein weiter Weg war bis er mit seiner Nasenspitze ihre Wange berührte. Vorsichtig rieb er sie an ihrer Wange und schloss erneut seine Augen. Jede Berührun überfüllte ihn und doch wollte er immer mehr. Es war nie genug. Schließlich atmete sie tief ein und er spürte ihren warmen Atem an seiner Wange.
"Also dann."
Er lehnte sich ein wenig zurück um sie anzusehen und bemerkte wie ihr Körper seinem folgte. Grinsens stupste er sie erneut mit seiner Nase an.
"Also dann?"
Fragend sah er sie an. Was kam jetzt? Wie konnte sie ihn noch überraschen?
Beiläufig zuckte sie mit den Schultern.
"Ich hatte schon immer etwas für ältere Männer über."
Das Lächeln was sich auf seinen Lippen ausbreite war unaufhaltsam. Er spürte ein Glück in seinem Körper, was er nicht für möglich gehalten hatte. Sie akzeptierte ihn. Sie wusste was er war und akzeptierte ihn trotzdem. Er spürte das Gift in seinen Augen und blinzelte. Es war als ob ihm eine schwere Last von den Schultern gefallen wäre und er atmete auf. Ihr Duft hüllte ihn ein und er konnte nicht anders, als mit seinen Lippen vorsichtig ihre berühren. Ihr Stöhnen elektrisierte ihn und als sie gierig ihre weichen Lippen auf seine presste, spürte er ein tiefes Grollen aus seiner Kehle.
Das Monster in ihm frohlockte.
Er hatte es geschafft. Sein Gefährte war bei ihm, sie erkannte ihn an als das was er war.
Viel zu früh löste sie sich von ihm und er verteilte unzählige Küsse auf ihrer Wange.
Die Stimmung änderte sich und er hielt ein. Er sah zu ihr und bemerkte ihren nachdenklichen Gesichtsausdruck.
"Was ist los?"
Selbst er konnte die Angst in seiner Stimme hören und seine Augen waren auf einmal so fokussiert, als wäre er in Alarmbereitschaft.
"Weißt du noch, wie Cho Chang Harry geküsst hat?"
Er starrte sie fassungslos an und nahm einen tiefen Atemzug.
"Ja. Zu meinem Entsetzen weiß ich genau was du meinst."
Sie amüsierte sich kurz über seine resignierte Stimme und wurde sofort wieder ernst.
"Ich... ich weiß was ich fühle wenn du bei mir bist und ich weiß.. ich weiß definitiv wie ich mich fühle wenn du das nicht bist."
Kurz spürte er das schlechte Gewissen, zweifelsfrei meinte sie die Zeit, die er sich von ihr fernhielt. Trotzdem war er sofort erleichtert, doch ihr Gesichtsausdruck hatte sich nicht verändert.
"Aber?"
Sie wandte ihren Blick ab und auf einmal war sie so fern. Als wäre sie unerreichbar für ihn. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und es brach ihm sein versteinertes Herz. Sie schluckte und er berührte ihre Wange. Er hoffte ihr zumindest ein klein wenig Trost spenden zu können ohne dabei die Grenzen zu überschreiten.
"Alex."
Der Name war wie ein Kübel eiskaltes Wasser was über ihn gekippt wurde. Es war unmöglich für Vampire aber er hatte ihn tatsächlich für einen Moment vergessen.
Der Gedanke, dass das Herz seiner Gefährtin noch immer jemand anderem gehörte, war schlimmer als jeden Schmerz den er je gefühlt hatte. Er fühlte sich auf einmal machtlos. Wie konnte er dagegen ankommen? Wie konnte er gegen einen Toten gewinnen, einen Menschen?
"Ich verstehe."
Und das tat er.
Carlisle verstand vollkommen.
Die Hilflosigkeit drohte ihn zu übermannen aber auf einmal fand er neue Stärke. Sie gab ihm diese Stärke. In dieser Sekunde beschloss er zwei Dinge- er würde nie wieder von ihrer Seite wichen und er würde es schaffen, dass sie sich in ihn verliebte.
Er musste es.
Er musste auf das Schicksal vertrauen.
Sie war seine einzige Chance.
