Kapitel 19: Was wir nicht hassen, das lieben wir nicht

Das Gräberfeld war nur von mäßiger Größe, gelegen zwischen der Ostseite der kleinen Kirche und dem nahen Wald. Begrenzt nur von einer halbhohen Mauer aus verschiedenen lokalm Gestein konnte es von dem kleinen Dorf aus nicht direkt gesehen werden. Das Gras war länger nicht mehr geschnitten worden und reichte Victor bis zu den Knien. Die jeweiligen Grabstellen wurden von hölzernen Tafeln und Kreuzen gekennzeichnet. Die von ihnen ausgehende Aura machte es ihm unmöglich, sie direkt anzusehen oder gar existierende Inschriften zu lesen, wo solche vorhanden sein mochten. Er hatte sich vom Wald her genähert und die niedrige Mauer ohne Mühe überwunden, die Kreuze auf der Hauptfläche des kleinen Friedhofs instinktiv vermeidend. Nun trat er durch das hohe Gras langsam näher, den Flecken Erde noch immer voll betroffener Fassungslosigkeit betrachtend. Jetzt, wo er tatsächlich hier war, fiel es ihm nicht schwer, den Platz zu finden, den er suchte. Viel schwieriger war es gewesen, die Informationen zu bekommen, die ihn schließlich an diesen Ort geführt hatten. Viele Wochen lang hatte er die Gedanken der Menschen durchsucht und jetzt war er endlich hier. Doch es mit eigenen Augen zu sehen traf ihn bis ins Mark. Das windschiefe, heruntergekommene Symbol Gottes hatte kaum noch Kraft übrig. Die Aura war so schwach, dass er sie kaum spürte und selbst einen neu geschaffenen Vampir hätte sie nicht fernzuhalten vermocht. Victor starrte entsetzt auf Nadeschdas Grab. Das Kreuz war anscheinend nie ein besonders würdiges Exemplar seiner Gattung gewesen. Nach all der Zeit war es ein stark verwittertes, halb verfallenes Mahnmal. Dem Ruin überlassen, nur in Flüsterstimmen erwähnt und sorgsam gemieden. Im Tod war sie ebenso verkannt worden wie in ihrem viel zu kurzen Leben. Nein – sogar mehr! Ihr offenes Schlafzimmerfenster war von den Einwohnern des Dorfes als Beweis betrachtet worden, dass Nadeschda den Vampir selbst eingeladen hatte, dem sie offensichtlich zum Opfer gefallen war. Ihr Vater hatte verkündet, ihr Tod sei ihre eigene Schuld gewesen. Sie verdiene deshalb auch nur das Grab einer Selbstmörderin. Den Forderungen des Pastors gemäß, war ihr das schlimmste Schicksal zuteil geworden, das möglich war. Gepfählt, enthauptet und mit dem Mund voll Knoblauch begraben, an dem abgelegensten Zipfel des ganzen Friedhofs, wie zu alten Zeiten ganz am Rande der Umfassungsmauer. Victor kniete in einer stillen Geste des Respekts nieder und legte den Strauß aus Herbstastern, bunten Blättern und Efeuranken am Fuß der Überreste des Kreuzes nieder, gefolgt von eine einzelnen, roten Rose. Dann verharrte er für einige Minuten mit gesenktem Kopf und gefalteten Händen. Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet ein Wesen wie er hierher gekommen war, ihr die Ehre zu erweisen, die sie verdiente. Er hatte so vieles sagen wollen, sobald er sie gefunden hatte. Jetzt wurde ihm auf einmal bewusst, dass die Zeit dafür lange vorbei war.

Schließlich legte er sacht eine Hand auf die grasbewachsene Erde unter der sie begraben lag.

„Ich habe dich zu keiner Zeit genug beschützt und ich kann es nie wieder gut machen. Das einzige, was ich jetzt noch für dich tun kann, ist dafür zu sorgen, dass aus deiner letzten Ruhestätte ein würdevollerer Ort wird, als es jetzt der Fall ist. Darauf gebe ich dir mein Wort. Ich werde nicht um Verzeihung bitten, da ich sie nicht verdiene. Ruhe sanft Nadeschda. Niemand hat es mehr verdient als du."

In dieser Nacht war Victor nicht lange an ihrem Grab geblieben. Keinem von ihnen hätte es noch genützt, wenn er es getan hätte. Doch seither besuchte er es immer wieder in größeren Abständen. Sein Versprechen hatte er eingelöst. Eine Platte aus einem schweren, dunklen Gestein, die es nun bedeckte, gab ihm eine würdevollere Note. Kein Kreuz, nur ein schlichtes Relief aus Ornamenten und Blumen. Dort war ihr Name eingemeißelt und ihr Todesjahr.

Doch Nadeschda war nicht die einzige Person, über deren Ruheort ein Zeichen des Gedenkens errichtet worden war. An einer versteckten Stelle im Wald war ein kleiner Gedenkstein am Fuß einer halbhohen Pyramide aus aufgetürmten Steinen aufgetaucht. ‚Perditus Amicus', so die enigmatische Inschrift. Doch der Ort lag so abseits des Weges, dass kaum jemand davon wissen konnte.

In der Nacht, der die Arbeiten abgeschlossen waren, stand Victor zum ersten Mal an dem einzigen Grab, das sein junger Freund jemals haben würde.

„Es tut mir leid, Jean-François. Statt nach Hause zurückzukehren, endete Euer Weg hier für immer. Ich war niemals vollkommen ehrlich mit Euch und die Scharade die ich Euch vorspielte wurde uns beiden zum Verhängnis. Ob ich den verwerflichen Pfad auf dem ich wandelte ohne Euer sinnloses Ende je verlasen hätte, vermag ich nicht zu sagen. Mit dieser Schuld muss ich fortan leben. Das wird meine verdiente Strafe sein."

Er hatte die Ruhe des jungen Franzosen an diesem Abend nicht lange gestört, doch wann immer er in der Nähe war, verweilte er, um dem toten Pagen seinen Respekt zu erweisen.

Doch es blieb nicht nur bei seinen gelegentlichen Besuchen an den Gräbern derer, die er betrauerte. Häufig suchte er Orte auf, die er mit ihnen verband. Auch Elisabeth hatte er nie vergessen. Er hatte ein Duplikat von ihrem Ölportrait anfertigen lassen. Diese hing jetzt unten in der Galerie, während das Original, das zu ihren Lebzeiten entstanden war, sich nun in dem kleinen Salon befand, der das Herzstück seiner Gemächer bildete. Wenn er allein war, sprach er manchmal mit ihr, als wäre sie hier. In ihren Gemächern hatte er noch immer das Gefühl, ihr ein wenig näher zu sein, obwohl der Nachglanz ihrer Präsenz hier schon lange vergangen war. Aber es hinderte ihn nicht daran, es sich mit angezogenen Beinen in ihrem Lieblingssessel bequem zu machen, den Blick durch den so vertrauten Raum mit all seinen Andenken gleiten zu lassen und dabei seinen Erinnerungen nachzuhängen. Oft betrachtete er das Familienportrait an ihrer Wand, auf dem Herbert noch immer ein sterbliches Kind und Elisabeth selbst noch am Leben war.

Häufig streifte er auch ohne Ziel umher und sobald die Sonne versunken war, beobachtete er die Menschen. Es hatte eine Faszination für ihn, die er selbst Herbert gegenüber nicht recht beschreiben oder erklären konnte. Jeder Moment so vergänglich, so kostbar. Abbilder eines Lebens, von dem er selbst für immer ausgeschlossen bleiben würde. Es schien ihm, als sei alles so viel besser gewesen, als er noch selbst ein Mensch war. Er vertiefte sich in Bücher, deren Handlungen ihn in Darstellungen dessen eintauchen ließen, was für ihn verschiedene Facetten des sterblichen Lebens ausmachte, die ihn hinweg führten in Gefilde, in denen er sich nie selbst aufgehalten hatte. Manchmal auch in melancholischen, oder düster romantischen Publikationen.

Doch er versuchte auch den Anschluss an die Zeit, in der er und Herbert jetzt lebten, nicht zu verlieren. Er las alles, was er über die neuesten Entwicklungen bekommen konnte und versuchte so viel wie möglich für seine Arbeit umzusetzen. Getrieben von dem Gedanken, die Fehler, die er begangen hatte, durch gute Arbeit und tadellose Führung wieder gut zu machen und sich in den Augen seiner Untertanen zu rehabilitieren, war er sich selbst der strengste Kritiker.

„Du tust doch so viel du kannst", versuchte Herbert ihn oft zu beruhigen. „Das ist nicht gut genug!", hielt Victor beharrlich dagegen. „Hast du einmal gelesen, was sie im Westen Europas auf die Beine stellen? Wie kann ich mich da auf meinen Lorbeeren ausruhen? Das ist doch gar nicht vergleichbar!"

„Vater, ich bitte dich! Mussten sie sich dort auch ständig gegen irgendwelche Invasoren verteidigen? Von wechselnden Oberherren einmal ganz zu schweigen…"

Aber diesem Argument war Victor nicht zugänglich. Unablässig strebte er danach, sich zu rehabilitieren und Wiedergutmachung an seinen Untertanen zu leisten. Er beschäftigte sich damit, wie Staatssysteme das Leben der gewöhnlichen Bevölkerung durch mehr Wissen und Zugang zu Bildung verbessern sollten. Er förderte die Errichtung von Schulen und konnte sich bald über die Gewissheit freuen, dass immer mehr junge Menschen einmal bessere Chancen haben würden, als ihre Eltern vor ihnen. Doch er fand es schwierig, den Fortschritt auch in die kleinen, verstreuten Orte zu tragen. Wo sich die Menschen in seinen sterblichen Tagen mit wohlwollender Nachsicht auf die von ihm eingeführten Neuerungen und Fortschritte eingelassen haben würden, in der Gewissheit, dass ihr exzentrischer Graf es nur gut meinte, kämpfte er jetzt bei allem zusätzlich mit Skepsis und Misstrauen, was seine Absichten betraf. Getrieben von der Vorstellung, dass alles einmal besser werden musste, wenn er nur beharrlich genug blieb, mühte er sich dennoch weiter. Seine Korrespondenz mit seinen überall in der Grafschaft platzierten Handlangern war umfangreicher denn je und er hatte das Gefühl, sich niemals mehr zum Wohl aller ins Zeug gelegt zu haben als jetzt.

Jahre vergingen und die eingeführten Verbesserungen zeigten Wirkung und die Entwicklungen gelangten allmählich auch immer weiter ins Hinterland. Victor sah es mit Erleichterung. Endlich ein Erfolg. Auch die Korrespondenz mit diversen Ortsvorstehern sowie Stadt – und Gemeinderäten hatte sich merklich entspannt, der Tonfall schien weniger steif und verschlossen. In all der Zeit, die seit seiner Rückkehr auf den rechten Pfad vergangen war, hatte er sich gut geführt. In den Augen des gemeinen Volkes sollte er sich mittlerweile bewiesen haben. Es war an der Zeit, zum alten Prozedere zurückzukehren. Schließlich war es ihm auch zuvor gelungen, als Vampir ein angemessenes Verhältnis zu seinen Handlangern vor Ort zu pflegen. Höchste Zeit, endlich aus dem Elfenbeinturm herauszukommen! Wenn er wieder öfter unter ihnen war, würden sie sich schon genug an ihn gewöhnen, um bestimmte Seltsamkeiten auch weiterhin geflissentlich zu übersehen. Entschlossen nahm er ein leeres Blatt Papier und seine silberne Schreibfeder zur Hand, um dem nächstgelegenen Gemeindevorsteher zu schreiben. Er würde Fieraru darüber in Kenntnis setzen, dass er ihn aufsuchen würde. Vor Ort würde er mit ihm verschiedene Verbesserungen in seinem Zuständigkeitsbereich besprechen. Wenn er ihm erst einmal gegenüber saß, würde er den Mann schon von sich überzeugen können. Fierarus Wirkungsstätte war groß genug, dass sich die Nachrichten über die Wiederaufnahme alter Arbeitsweisen in der Verwaltung rasch weiter verbreiten und sein Vorhaben durch eine positive persönliche Erfahrung aus zweiter Hand erleichtern würden.

Eine Woche später brach er auf, sobald die Sonne untergegangen war. Er reiste nur mit leichtem Gepäck, denn er beabsichtigte, nur einen Tag fort zu sein. Die Reise in den nur durchschnittlich großen Ort war ereignislos geblieben. Da der ungefähre Zeitpunkt seiner Ankunft sowohl der Wachmannschaft an den Toren, als auch dem Wirt des Gasthofes schon vorab angekündigt worden war, erregte sein Eintreffen auch keine große Aufmerksamkeit.

Er nahm sich gerade genug Zeit, sein Obdach für den Tag zu inspizieren und sich für das geplante Treffen mit dem Gemeindevorsteher herzurichten, ehe er aufbrach. Er brauchte nicht lange, um Fierarus Haus zu finden. Es war ein für diese Gegend typisches, nicht all zu großes Gebäude, aber es wirkte sehr respektabel.

Aus alter Gewohnheit war er für einen Moment in den Schatten zurückgewichen, um die Lage sorgsam einzuschätzen, bevor er auch nur daran dachte, das Haus zu betreten. Er hatte um ein Treffen unter vier Augen gebeten. Da er den Mann aber noch nie persönlich getroffen hatte, konnte er nicht genau vorhersagen, ob er sich daran halten würde. Vorsicht war also das Gebot der Stunde. Doch alles schien ruhig. Ein Fenster im Erdgeschoss war erleuchtet, die Vorhänge noch nicht zugezogen und dahinter konnte er einen Mann erkennen, der ruhelos auf und ab ging. Das konnte nur Fieraru sein, der auf ihn wartete. Soweit er sehen konnte, befand sich dort niemand außer dem Gemeindevorsteher selbst. ‚Sehr gut!' dachte er zufrieden. ‚Er hat sich an die Forderungen gehalten. Das ist vielversprechend.'

Gerade wollte er aus dem Schatten treten und auf das Haus zugehen, als er einen Mann bemerkte, der entschlossen auf Fierarus Haus zu trat. Er klopfte und wurde sofort eingelassen, als sei er erwartet worden. Kurze Zeit später wurde er offensichtlich in das Zimmer geführt, in dem der Gemeindevorsteher noch immer unruhig auf und ab ging.

„Ah, Bogdan, mein Freund, da bist du ja!", vernahm er die Stimme des Hausherrn. „Sehr gut. Ich bin erleichtert, dass du es so kurzfristig einrichten konntest. Es wäre mir sehr unangenehm gewesen, wenn ich diesen speziellen Besuch ganz alleine hätte hinter mich bringen müssen."

„Schon gut," antwortete der andere nüchtern. „Nachdem mir der alte Mihai deine Nachricht bestellt hat, konnte ich ja schlecht nein sagen. Aber ist es nicht ein wenig übertrieben?", setzte er dann plötzlich neugierig hinzu. „Hat sich doch sehr zum Vorteil verändert, nach allem was man so hört. Kann doch also gar nicht so arg werden, wenn er nur über Verbesserungen für deinen Bezirk mit dir sprechen möchte. Mein Großvater hat immer erzählt, das wäre wohl früher so bei ihm üblich gewesen – bevor… Nun ja, du weißt schon", endete er dann mit einer vielsagenden Andeutung in der Stimme.

„Ja, ja, das hört man überall", erwiderte der Gemeindevorsteher abwehrend. „Aber wenn du ich wärst, würdest du da besonders viel draufgeben? Man erzählt sich auch noch genug anderes! Schreiben kann der feine Herr ja viel – aber was ist, wenn es ihm um Verbesserungen geht, die er von mir erwartet hat und die ich nicht geleistet habe? Wäre ja nicht das erste Mal, dass jemand verschwunden ist, der mit ihm zu tun hatte!" Fieraru klang beunruhigt und seine Stimme nahm beim Sprechen einen immer schrilleren Ton an.

„Was denn, glaubst du die alte Geschichte etwa?", antwortete der Bogdan genannte Freund in ungläubigem Ton. „Das mit diesem Diener, der verschwunden ist, nachdem er mit dem Grafen aneinandergeraten ist? Den haben sie doch im Wald gefunden. Ist doch getürmt, als er ihn hinter schloss und Riegel bringen wollte! Da hat er doch selber schuld, wenn ihm dabei etwas zustößt. Zumal seine Exzellenz sich mit dem ja scheinbar eine ordentliche Laus in den Pelz gesetzt hatte!" Der Mann lachte hämisch auf.

„Ach, komm schon, Bogdan. Hieß es nicht, er war der letzte, der den Kerl lebend gesehen hat?", hielt Fieraru schroff dagegen.

„Muss nicht zwangsläufig etwas heißen. Unser alter Priester hier sieht auch viele das letzte Mal lebend und deswegen ist es trotzdem nicht seine Schuld!", widersprach sein Gesprächspartner stur.

„Aber wie war das mit diesem jungen Burschen?", ereiferte sich Fieraru schroff. „Die Geschichte kannst selbst du nicht einfach abtun. Muss jetzt zwanzig Jahre her sein. Ein Bengel, noch keine zwanzig Jahre alt, taucht eines Nachts vor dem Schloss auf – keiner kann auch nur ein Wort verstehen, was er sagt, bis auf den Grafen, der ja nicht gerade den Ruf von jemandem hat, der sich viel um andere schert! Dann, man weiß nicht wieso, nimmt er diesen dahergelaufenen Burschen bei sich auf und verhätschelt ihn wie einen verlorenen Sohn, wo sein eigener doch wohl vor ihm abgehauen sein muss! Und genau dann, als der Kerl sich anschickt abzureisen, verschwindet er. Das ist doch kein Zufall, so was!"

„Ein bisschen zu auffällig, wenn du mich fragst, wenn er ihn nur loswerden wollte, damit er nichts ausplaudern kann," warf der zweite Mann abschätzig ein.

„Wer redet denn von loswerden und ausplaudern, man!", tadelte der Gemeindevorsteher ungeduldig. „Den Bengel hat er doch verhätschelt, sag ich dir. Zumindest hat mir das meine Base erzählt, und die hat schließlich im Schloss gearbeitet, bevor das gesamte Personal mit einem Schlag ausgewechselt wurde. Der Lümmel soll ihn wohl regelrecht angeschmachtet haben, wie's die jungen Kerle normalerweise mit den Dirnen drüben in der Schenke tun! Kam ihm wohl eher ein bisschen zu nahe, wenn du mich fragst!" Sein Unterton war sehr vielsagend und deutete nur zu deutlich an, was er dachte.

„Du meinst… Aber die Kirche verbietet doch…", keuchte Bogdan entsetzt.

„Ach, schert es die Adligen denn, wenn etwas verboten ist? Sei kein Holzkopf!", mahnte Fieraru den anderen Mann. „Dieser Sohn, den er da hat, der wurde schließlich auch noch mit keiner Frau gesehen. Weder von der anständigen, noch von der anderen Sorte. So ein Verhalten hat er sicher nicht alleine gefunden!"

„Kann gar nicht sein. Es heißt doch, es verschwinden eher Weibsbilder, die ihm zu nahe kommen", widersprach der andere ein wenig rechthaberisch. „Gab es da nicht diesen Skandal um die Tochter eines Pfaffen irgendwo? Ein dunkelhaariger Fremder, den keiner kennt taucht auf, und nicht lange darauf wird das Mädel mit offenem Fenster und Tod aufgefunden! Von seiner Exzellenz hat er's also scheinbar nich' – sonst gäb's keinen jungen Herrn!" Man konnte allzu deutlich hören, dass Fierarus Gesprächspartner sich allmählich für das Thema dieses alten Skandals erwärmte.

„Wer sagt, dass er sein eigener ist? Kann ihn auch angenommen haben… Oder seine Alte hat ihm den anderweitig besorgt. Der Graf soll ja vor Zeiten mal verheiratet gewesen sein!", hielt Fieraru seinerseits dagegen.

„Das glaubst du doch alles selber nicht, Mann", erwiderte Bogdan ablehnend. „Ich habe beide schon zusammen gesehen, und der junge Krolock ist dem alten förmlich aus dem Gesicht geschnitten!"

„Verdammt, Bogdan, ist es nicht egal? Wer ihm zu nahe kommt, verschwindet!", fuhr Fieraru ungeduldig auf. „Willst du mit so einem alleine sein? Ich meine, dieser ganze plötzliche Sinneswandel vor zwanzig Jahren, der kam doch nicht von ungefähr. Der versucht doch seine Weste wieder sauber zu kriegen. Als ob das bei ihm ginge! Jedermann weiß, dass da ganz vieles nicht mit rechten Dingen zu geht. Würdest du so einem trauen? Oder würdest du dir nicht auch wenigstens einen vertrauenswürdigen Freund dazu holen, um auf der sicheren Seite zu sein?"

„Wie viel würde das Nützen wenn du recht hast?", ließ sich der zweite man nun dumpf und vom Argwohn des Gemeindevorstehers angesteckt vernehmen. „Wären zwei nicht ebenso leicht zu beseitigen?"

Während er still gelauscht hatte, war Victors Plan in sich zusammengefallen. Es war nicht die Vermutung, dass Menschen, die ihm nahe kamen, verschwanden - er konnte nicht leugnen, dass es aus ihrer Sicht so wirken musste. All die von ihm geliebten Personen, die er durch den Tod verloren hatte, waren gestorben, weil er sie liebte. Er war der Grund. Es auf diese verleumderische Art und Weise zu hören, tat ihm weh, aber nicht aus dem Grund, den er vielleicht vermutet hatte. Sie waren nur ein Abklatsch seiner eigenen Gedanken, sie trafen ihn, aber sie konnten ihn nicht mehr verletzen, als sie es ohnehin schon taten. Was ihm zu schaffen machte, war die Anschuldigung, dass er nur seine Weste wieder weiß waschen wollte. Warum konnten sie nicht sehen, dass er es ernst meinte? Dass all die Veränderungen zu ihren Gunsten seine Art waren, für das zu büßen, was er getan hatte?

Nein, natürlich sahen sie das nicht. Er hätte es wissen müssen. Wie oft hatte er genau das gesehen? Wurden selbst reuevolle sterbliche Verbrecher jemals wieder in den Schoß der Gesellschaft aufgenommen? Nein, das wurden sie nicht. Sie fristeten ein Dasein am Rande der Gesellschaft - aber sie wurden nie wieder Teil von ihr. Wie konnte er, ein mutmaßlicher, aber nicht offen anerkannter Vampir, auf etwas anderes hoffen?

Er musste erkennen, dass seine großen Hoffnungen auf Erlösung und Rehabilitierung in den Augen seiner Untertanen nichts als eine weitere leere Illusion waren, der er auf den Leim gegangen war. Bei all seinem Streben nach Sühne und Fortschritt hatte er nie eine Chance gehabt. Vor hundert Jahren hatte er noch ihre misstrauische, aber nachsichtige Akzeptanz. Er hatte diese verloren, als er seinen dunklen Trieben nachgab. Was auch immer er jetzt tat, er konnte nie mehr dorthin zurückkehren, wohin er wollte. Jetzt blieb ihm nichts anderes übrig, als Machiavelli für bare Münze zu nehmen und sich mit dieser Art von Herrschaft zufrieden zu geben. Sich damit zu begnügen, gefürchtet, aber nicht gehasst zu werden.

Er fühlte sich erschüttert, nahe am Rande eines weiteren Abgrunds, der dieses Mal ihn ganz zu verschlingen bereit war.

'Nichts wird jemals einmal besser werden. Alle Hoffnung ist vergebens...' Der Gedanke hallte als hohles Echo scheinbar endlos durch seinen Kopf. Die Pläne, mit denen er an diesen Ort gekommen waren, spielten keine Rolle mehr. Undurchführbar, selbst dann schon, als er sie ersonnen hatte. Er war nur zu blind gewesen, um es zu sehen. Unwillig, sich einzugestehen, was er längst befürchtet hatte. Victor wandte sich abrupt ab und strebte dem Gasthof am Rande des Ortes zu, wo er sein Pferd zurückgelassen hatte. Er hielt sich nur lange genug dort auf, um eine Nachricht für den Gemeindevorsteher zu schreiben, in dem er diesen davon in Kenntnis setzte, das sich seine Pläne kurzfristig verändert hätten und er ihn brieflich über alles weitere informieren würde, ehe er den Ort in aller Hast wieder verließ.

Spät in dieser Nacht kehrte Victor deprimiert und ernüchtert nach Hause zurück. Ohne darüber nachzudenken, strebte er dem Feuer im Großen Salon zu, wo ihn ein angefangenes Buch erwartete. Er wollte eine Weile einfach nicht nachdenken müssen, sich in eine Wirklichkeit davon tragen lassen, die viel besser war als seine eigene. Doch als er den großen, behaglich eingerichteten Raum betrat, stellte er fest, dass er keineswegs allein war. Herbert saß am Flügel und schrieb eifrig auf bereitliegenden Notenpapier. Er sah von seiner Arbeit auf, als Victor herein kam.

„Vater, willkommen zu Hause. Du warst aber schnell zurück – hattest du mir nicht erzählt, du würdest erst morgen Nacht zurückkommen?" Herbert klang überrascht.

„Wäre es dir lieber, wenn ich wieder gehe?", fragte Victor düster und ließ sich in einem Sessel nahe dem Kaminfeuer nieder. Herbert runzelte verwirrt die Stirn.

„Nein, natürlich nicht", entgegnete er. „Ich bin lediglich überrascht, immerhin bist du mit deinen Ankündigungen üblicherweise sehr treffsicher."

„Nun, ich irre mich tatsächlich auch hin und wieder, ich bin keine große Ausnahme von der Fehlbarkeit des Menschen!", entgegnete der Graf verstimmt.

Herbert legte seine Feder beiseite und drehte sich auf dem Klavierhocker zu ihm um.

„Was ist passiert?" fragte er dann ruhig mit einem vielsagenden Blick unter erhobenen Brauen.

„Ich sagte doch, ich habe mich geirrt! Hörst du mir nicht zu?", antwortete Victor verdrießlich und wich dem forschenden Blick seines Sohnes aus.

„Habe ich wohl, aber du hast bisher nicht wirklich etwas erzählt. Ich weiß nur, dass du zu irgendeinem Ortsvorsteher gehen wolltest, um eine neue Idee mit ihm zu besprechen. Dann kommst du plötzlich mit schlechter Stimmung wieder nach Hause."

„Fieraru ist Gemeindevorsteher, Herbert," korrigierte der Alte säuerlich.

„Sei's drum", entgegnete Herbert schulterzuckend. „Du kannst nicht erwarten, dass ich mir all deine Handlanger merken kann. Aber was hat er getan, dass dich so schnell wieder nach Hause zurückbringt?", bohrte er dann noch einmal nach.

Victor rang einen Moment lang sowohl nach Worten als auch mit sich selbst. Dann schien sein aufgebrachter Unmut auf einmal wie urplötzlich hinweggefegt. Seine Körperspannung löste sich mit einem Mal auf und Herbert konnte dabei zusehen, wie sein Vater in seinem Sessel zusammensank. „Nichts", sagte er dann leise. „Oder zumindest nichts, das nicht verständlich wäre…"

Herbert stand auf, kam herüber und setzte sich vorsichtig auf die Lehne von Victors Sessel.

„Was immer es war, wird nicht besser, wenn du es für dich behältst", drängte er sanft.

Victor hob den Kopf und sah Herbert direkt an. An seinem Blick sah dieser deutlich, dass etwas in seinen Augen verschwunden war. „Ich habe immer geglaubt, dass alles einmal besser wird", begann Victor schließlich zögernd. „Dass es möglich wäre, meinen Ruf in den Augen der Sterblichen wiederherzustellen. Sprechen die Angehörigen der römisch katholischen Kirche nicht immer davon, dass man viele Sünden, egal ob groß oder klein, durch eine gute Tat sühnen kann? Nun, genau das habe ich versucht, seitdem du wieder zu Hause bist. Du weißt, ich habe es mir damit nicht einfach gemacht. Nach all der Zeit, die ich damit verbracht habe, die Umstände Landauf und Landab zu verbessern, wollte ich zur Arbeitsweise zurückkehren, wie ich sie vor Nadeschdas Tod gepflegt habe. Deshalb wollte ich heute Nacht zu Fieraru. Er lebt dem Schloss am nächsten. Es schien der logische erste Schritt." Er schüttelte mit einem bitteren Gesichtsausdruck den Kopf. Dann sprach er in einem düsteren Tonfall weiter, „Was für ein Narr ich gewesen bin. Ich habe ihn zu einer Unterredung unter vier Augen gebeten, stattdessen hat er sich aus Furcht einen Freund kommen lassen. Sie wussten nicht, dass ich schon in der Nähe war und jedes Wort hören konnte. Der Ruf, den ich mir erworben habe, ist alles andere als schmeichelhaft, mein Sohn. Nicht nur, dass sie der Meinung sind, dass jeder verschwindet, der mir zu nahe kommt, nein, sie halten mich für so etwas wie einen Libertin der Sitten. Jean-François hat sie da wohl auf seltsame Ideen gebracht. Sie zweifeln sogar an deiner Abstammung. Fieraru hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er glaubt, dass ich nur vorhabe, meine Weste wieder reinzuwaschen. Damit ist doch alles gesagt, oder nicht?"

Für einen Moment vergrub er die langen Finger in seinem Haar, das Gesicht angespannt. Als er schließlich weitersprach, klang er besorgt. „Wie lange noch, bis sie offen darüber reden, was wir tatsächlich sind?

Es gibt kein zurück, Herbert. Nichts wird besser werden. Im Gegenteil. Wir werden vorsichtig sein müssen, oder diese prekäre Balance wird sich zu unserem Nachteil verlagern. Von jetzt an sollten wir uns so wenig wie möglich von ihnen sehen lassen."

„Es war immer nur eine Frage der Zeit, Vater", versuchte Herbert ihn zu beruhigen. „Du hättest es selbst dann nicht verhindern können, wenn du keine Fehler gemacht hättest. Nimm es nicht so schwer. Was bedeuten schon die Meinungen von Sterblichen? Wir beide kennen die Wahrheit und was sie glauben, wird daran nichts ändern."

Der Anflug eines Lächelns umspielte Victors Lippen, während er Herbert mit nachsichtiger Zuneigung ansah.

„Unverbesserlicher Optimist", tadelte er ihn sanft. „Du bist wahrhaftig der Sohn deiner Mutter. Ich hoffe, du wirst diese Eigenschaft nicht auch irgendwann zwischen den Unwägbarkeiten unseres ewigen Lebens hinter dir zurücklassen."

Wieder einmal war es Dezember. In den Jahren, die vergangen waren, hatten die Schlossbewohner zu einer Routine gefunden. Alle Beteiligten waren zu Beginn nicht unbedingt zufrieden mit dem ausgehandelten Kompromiss. Es war ein holpriger Anfang gewesen, der ohne Herbert als Vermittler niemals funktioniert hätte. Nur für ihn hatte ein unwilliger Victor sich in den ersten Jahren zähneknirschend als letzter im Ballsaal eingefunden, seinen Unwillen mühsam beherrschend. Doch er hatte sich an ihre Vereinbarung gehalten, seinen Platz eingenommen und sich in seine Rolle gefügt. Dass er für seine unsterblichen Gäste ein viel frostigerer, zurückhaltenderer Gastgeber war, als zu seinen Lebzeiten, wusste nur sein Sohn. Doch der jüngere Vampir erkannte die Anstrengung hinter der erzwungenen Höflichkeit, mit der er jeden ansprach, und in derartigen, formalen Art, in der er Konversation betrieb. Die Tänze hatten Herbert im ersten Jahr die meisten Sorgen gemacht. Victor hatte gegen jeden Punkt angekämpft, als es beim Planen schließlich um die endgültigen Details des Festes ging und der jüngere Adlige hatte bis zuletzt gefürchtet, dass er sich aus einer Laune heraus doch noch einfach weigern könnte. Doch als es schließlich soweit war hatte sich der Graf mit einem kurzen, scharfen Blick zu Herbert hinüber beschieden, der ihm auch ohne Worte sagte, was er dachte. Da er selbst nur wenig mit der Organisation des eigentlichen Ereignisses zu tun hatte, war es Victor zugefallen, sich um die Verpflegung ihrer Gäste zu kümmern.

Seit jener ersten, noch relativ kurzen Ballnacht war der Mitternachtsball, wie Herbert ihn schließlich liebevoll getauft hatte, immer länger und üppiger geworden. Gab es zu Anfang eine überschaubare Reihe von Tänzen, die Herbert selbst auf dem Cembalo begleitete, so hatten sich mit der Zeit einige der Vampire für das Erlernen eines Instruments begeistert, so dass sie bald eine eigene Musikantengruppe hatten. Herbert jedoch war und blieb der unbestrittene König des alljährlichen Balls. Wie auch heute empfing er die Gäste im Ballsaal und trug auf dem Cembalo als Einstieg ein ausgesuchtes Arrangement an verschiedenen Stücken vor. Spätestens wenn er das letzte davon spielte, hatte sich sein Vater einzufinden. Danach begrüßte der Graf förmlich und offiziell seine Gäste und der Ball konnte wahrhaftig beginnen. Victor zog es im allgemeinen vor möglichst spät zu der versammelten Runde zu stoßen, doch es gab auch die Gelegenheiten zu denen er still und ohne Aufhebens darum zu machen einfach neben Herbert auftauchte um sich in eleganter Haltung ganz in der Nähe gegen das Instrument zu lehnen. Seinen Gästen gegenüber zeigte er eine reservierte, unverbindliche Höflichkeit. Gleichzeitig ließ er es nicht an Gelegenheiten mangeln, die allen zeigten, wie stolz er auf seinen Sohn war. Nach einer Reihe von Tänzen wurde die Verpflegung der Gäste serviert. Victor pflegte bei dieser Gelegenheit, das Fresko zu studieren, dass die entfernte Wand jenseits der großen Wendeltreppe schmückte und dem Schauspiel, das hinter ihm stattfand, den Rücken zu kehren. Sobald sie die Überreste beseitigt hatten, ging das Fest weiter – mit den Jahren allmählich bis weit in die frühen Morgenstunden hinein, ehe sich die versammelte Schar Untoter schließlich auf den Friedhof zurückzog, bevor der Morgen graute. Bei diesem Ablauf waren sie geblieben und er wiederholte sich jedes Jahr. Genau wie heute.

Doch es war nicht mehr wie früher. Die Nacht erstreckte sich nicht mehr scheinbar endlos vor ihm, wie in der ersten Zeit. Es mochte nicht sein liebstes Ereignis im Lauf des Jahres sein, aber er konnte es ruhig und gefasst über sich ergehen lassen. Mehr noch, er erkannte es unumwunden an, dass diese Innovation zum besten gewesen und Herberts Drängen darauf vollkommen richtig gewesen war. Seine vampirischen Untertanen waren darunter förmlich aufgeblüht – wenn man bei ihresgleichen denn von so etwas sprechen durfte. Doch wie sollte man es anders nennen? fragte sich Victor. Herbert hatte sie alle nach und nach so ausstaffiert, dass die Ballgesellschaft wirkte, als bestehe sie ausschließlich aus Personen der besseren Gesellschaft. Zugegeben, die Garderobe stammte aus vielen unterschiedlichen Epochen, doch das Ergebnis entbehrte nicht einen gewissen, durchaus ästhetischen Reiz. Zudem hatten die anderen Vampire sogar so etwas Ähnliches wie ein höfisches Gebaren angenommen – auch wenn ein aufmerksamer Beobachter gewisse kleine Unstimmigkeiten darin entdeckt hätte, die genügen würden, zu offenbaren, dass sie alle keineswegs adligen Geblüts waren.

Der Graf hatte sich auf die Wendeltreppe zurückgezogen und beobachtete auf halber Höhe die Versammelten unter ihm. Dies würde der letzte Tanz des Abends sein. Der Anblick, der sich ihm bot, hätte vor Jahren noch heftigen Widerwillen und Abscheu in ihm wachgerufen, die Annahme ihrer Respektsbezeugungen und die Dankbarkeit die sie ihm für die Verbesserung ihres Schicksals entgegenbrachten, hatte er nur schwer ertragen.

Heute nahm er es einfach hin. Abscheu und Wut hatten sich von selbst verzehrt. Aber genauso wenig empfand er die Form von Anteilnahme oder Verpflichtung, die er früher seinen Untertanen gegenüber empfand. Eine Leere breitete sich in seinem Inneren aus, die ihn manchmal selbst erschreckte, eine Müdigkeit für dieses Dasein, in dem er unwiderruflich gefangen war. Seine Augen fielen auf seinen Sohn. Herbert strahlte vor Begeisterung und hatte bisher keinen einzigen Tanz ausgelassen. Ein schmales Lächeln umspielte Victors Lippen und sein ernster Gesichtsausdruck hellte sich auf. ‚Ein Sonnenstrahl in der Nacht,' dachte er mit einem verhaltenen Kopfschütteln. Doch dieser Tage war auch die Zuneigung zu Herbert nicht frei von einer Schwere, die sich wie ein bleierner Mantel auf ihn herab gesenkt hatte. Wenn er ihn, so wie jetzt, in der untoten Menge sah, nagte ein Gefühl von Schuld an ihm. ‚Du hast ihn zu einem von ihnen gemacht! Du hast deinen Fluch ohne Bedenken an ihn weitergegeben, weil du den Gedanken an seinen Verlust nicht ertragen konntest und jetzt bist du es, der feststellen muss, dass du vielleicht nicht die Ausdauer für die Ewigkeit hast! Doch du hast dein Wort gegeben, ihn in der Dunkelheit nicht allein zu lassen!' wies ihneine innere Stimme streng zurecht. Victor seufzte und fühlte sich, wenn möglich, noch ein wenig unbehaglicher. ‚Ja, das habe ich. Dabei hätte er so viel mehr verdient, als das hier. Mehr als einen blassen Abglanz eines Lebens, mehr als einen Gefährten, der beginnt, seines eigenen Daseins überdrüssig zu werden…'

Als hätte er seinen Blick gespürt, sah Herbert in seine Richtung und bemerkte seinen Vater auf der Treppe. Der Junge lächelte immer noch, aber er hob in einer stummen Frage die Brauen. Victor schüttelte den Kopf und machte eine kaum merkliche Abwehrgeste mit einer Hand zum Zeichen, dass er für heute Nacht genug hatte. So langsam und verhalten, dass selbst Herbert es nur sehen konnte, weil er ihn direkt ansah. Wenn immer sie beide den anderen Vampiren so nahe waren, verzichteten die beiden Adligen aus Vorsicht darauf, telepathisch miteinander zu kommunizieren. Doch er wusste, dass Herbert intuitiv verstand. Die Hände kaum von dem Handlauf erhoben, auf denen sie Momente zuvor noch geruht hatten, machte der Graf eine flatternde Bewegung mit den Fingern, um seinem Sohn zu bedeuten, dass er einfach weiter machen sollte. Herbert antwortete ihm mit einem etwas schiefen Lächeln und nickte kaum merklich zum Zeichen, dass er verstanden hatte, ehe er sich wieder seinem gegenwärtigen Tanzpartner widmete. Victor lehnte sich wieder in nonchalanter Haltung gegen das Geländer aus filigranem Maßwerk.

Zumindest der Junge amüsierte sich und er missgönnte es ihm nicht. Im Gegenteil. Wehmütig erinnerte er sich daran, dass Bälle noch einen Reiz gehabt hatten, so lange Elisabeth noch lebte. „Was hättest du wohl gesagt, wenn du das hier sehen könntest?", fragte Victor sehr leise. „Wenn du wüsstest, wie viel er gekämpft hat, um diesen Ball zu inszenieren und was er alles geleistet hat, bis das hier draus geworden ist. Du hattest recht. Er ist mir ähnlicher, als es mir manchmal lieb ist. Er ist ebenso eigensinnig und stur wie ich und zuweilen unbeherrscht wie sein Großvater. Aber er hat dein Herz. Auch ohne Enkelkinder wärst du stolz auf ihn gewesen."

Unter ihm endete die Musik mit einer letzten langgezogenen Note und Victor richtete sich mit einem Seufzen ob der Unterbrechung des einseitigen Zwiegesprächs auf und nahm Haltung an.

Er gab ihnen keine Zeit, die eintretende Stille zu durchbrechen, ehe er sprach. „Eine weitere Ballnacht liegt hinter uns meine Brüder und Schwestern. Gehet nun hin und sucht Eure Ruhestätten auf, denn der Morgen ist nicht mehr fern. Erfreut Euch der Aussicht, dass wir uns schon in einem Jahr wieder hier versammeln werden. Angenehme Tagruhe!" Er beugte in einer huldvollen Geste leicht den Kopf, was die Anwesenden mit einer passablen Referenz quittierten. Herbert klatschte auffordernd zwei Mal in die Hände und schon verließen die Vampire unter Geraschel von Stoff und den Klängen vieler Schritte den Saal. Doch auch Victor hielt es nicht länger hier. Darauf bedacht, einen anderen Weg zu wählen, als jenen, den sein Vampirischer Hofstaat nehmen würde, stieg er die Wendeltreppe hinauf und erreichte den Innenhof durch eine Seitentür und einen Kreuzgang. Er erreichte den Eingang zur Gruft, ohne einem der anderen zu begegnen und ging leise hinunter. Es wäre noch genügend Zeit geblieben, sich vor Sonnenaufgang seiner aufwendigen Ballgarderobe zu entledigen und noch eine Weile über Boccaccios Decamerone zu verbringen. Doch seine Gedanken waren zu Elisabeth zurückgekehrt, sobald er die Gesellschaft verabschiedet hatte. Jetzt trat er ohne Hast an den Sarkophag, in dem sie nun seit mehr als zwei Jahrhunderten ruhte. Seine Hände legten sich fast zärtlich auf die schwere Steinplatte, die den Sarg verschloss.

„Keine Blumen dieses mal, fürchte ich, mein Liebling. Die längste Nacht des Jahres ist fast vorbei. Wir haben viel Schnee in diesem Jahr, es würde dir gefallen." Er lächelte traurig zu dem Sargdeckel hinunter, während er sich daran erinnerte, wie sehr Elisabeth den Winter hier geliebt hatte. Die Ausblicke auf schneebedeckte Wälder und unberührten Schnee der sich rings um sie ausbreitete und selten gestörte, ruhige Abende. „Ich wünschte du wärst hier," sagte er leise und knüpfte an seine unterbrochenen Gedanken an. „Es ist nicht dasselbe hier nur mit Herbert, so sehr er mich auch an dich erinnert. In manchen Dingen wird er dir immer ähnlicher, scheint mir. Ich kann kaum mehr vor ihm verbergen als vor dir. Manchmal habe ich Angst davor, was er sagen wird, wenn er begreift, das mir die Jahre allmählich lang werden. Aber ich bin ihm verpflichtet. Ich gab ihm mein Wort, ihn nicht allein zu lassen und für diesen dummen Streit und alles was folgte bin ich ihm einiges schuldig, gleichgültig wie er das sieht. Nur weil ich ihn nicht gehen lassen konnte, ist er in derselben Existenz als Vampir gefangen wie ich selbst. Zumindest ihm hätte es erspart bleiben können, wenn ich stärker gewesen wäre. Bist du mir böse, weil du ihn schon lange bei dir haben könntest? Weil ich euch beide nicht besser beschützt habe, wie es meine Aufgabe gewesen wäre?" Er seufzte tief, stützte sich auf beide Arme und ließ einige Herzschläge lang den Kopf hängen. Dann richtete er sich auf und schüttelte mit einem traurigen Lächeln das Haupt. „Nein, wahrscheinlich nicht. Du warst immer nachsichtiger mit meinen Unzulänglichkeiten, als ich selbst. Es wäre dir gleich gewesen, was ich bin, nicht wahr?" Victor seufzte tief. „Aber es hätte nichts geändert. Das Ende wäre dasselbe gewesen. Wir waren es nie gewohnt uns voneinander fernzuhalten und genau das wäre dein einziger Schutz vor mir gewesen. Vielleicht wäre es heute möglich, die Katastrophe von damals zu verhindern. Aber nach all der Zeit frage ich mich, ob auch die Hoffnung, du würdest zurückkommen, nur eine weitere, närrische Illusion ist."

Eine Weile länger verharrte er in der gleichen Haltung, die Hände noch immer flach auf den Deckel ihres Sarkophags gepresst. Dann ließ er die Finger sanft über den Stein gleiten. „Ich wünschte, ich wäre bei dir, friedlich vereint unter der steinernen Decke dieses Sarges. Da mir das verwehrt bleibt, lass mich wenigstens ein wenig Zeit in deiner Nähe verbringen. Es stört dich gewiss nicht, wenn ich dir Gesellschaft leiste. Es ist noch Zeit, ehe es zu dämmern beginnt." Er ließ sich neben ihrem Sarkophag nieder und lehnte sich mit dem Rücken dagegen. Dann schloss Victor die Augen und überließ sich seinen Erinnerungen. Trotz aller Schwierigkeiten, war sein menschliches Leben bis zu seinem unnatürlichen Tod ein gutes gewesen. So viel einfacher, unbelastet von dem Wissen um eine Welt, die viel düsterer und harscher war, als er es sich hätte träumen lassen. Was hatten alle seine Philosophen hiervon geahnt? Nichts! Stattdessen hatten sich die Ammenmärchen als zumindest in Teilen wahr erwiesen, und die Ideen berühmter Gelehrter als unzutreffend. Wie viel angenehmer war es gewesen, an scheinbar goldene Ideale zu glauben und den Rest nicht besser zu wissen? Die guten Zeiten zu genießen und die schwierigen zu meistern, in dem Glauben, dass es für alles eine Lösung gab? Wahrlich, die Menschen begriffen nicht, wie gut sie es, aller Gefahren, die auf sie lauerten zum Trotz, doch hatten! Sie hielten den Gedanken niemals sterben zu müssen für erstrebenswert, ohne zu ahnen, dass diese Vergänglichkeit womöglich das größte Geschenk von allen war, und jeder Moment davor eine unglaubliche Kostbarkeit. Er konnte einfach nicht anders als diese wenigen, glücklichen Jahrzehnte, mit dem Dasein zu vergleichen, das danach begonnen hatte und zu dem Schluss zu kommen das als Mensch alles besser gewesen war. Es dauerte nicht lange und er versank in Erinnerungen an sein sterbliches Leben. Eine Erinnerung führte ihn zur nächsten und immer so weiter.

In Gedanken verloren, mit dem Rücken an den Sarkophag gelehnt, Knie dicht vor die Brust gezogen und diese mit den Armen umfassend, fand ihn Herbert schließlich nicht lange, bevor die Sonne aufging. Der erstaunte Ausruf seines Sohnes brachte ihn ins Hier und Jetzt zurück. „Vater! Was um alles in der Welt tust du da? Du hast dich noch nicht einmal anders angezogen!" Victor zuckte im ersten Moment zusammen und sah dann ernst zu seinem Sohn auf. Herberts Augen glitten vielsagend an ihm hinauf und hinunter und musterten ungläubig die elegante, in schwarz weiß gehaltene Abendgarderobe, mit der er ihn noch nie in der Gruft gesehen hatte. Doch Victor ignorierte es..„Ich habe nachgedacht, das ist alles", antwortete er schlicht.

„Ist das nicht ein seltsamer Ort dafür? Wieso ausgerechnet in der Gruft, wenn du ein ganzes Schloss zur Verfügung hast, voller Orte, die dazu sicher angenehmer gewesen wären?" Herbert klang vollkommen entgeistert. Sein Vater warf ihm nur einen tadelnden Blick zu. „Mir war danach, in der Nähe deiner Mutter zu sein. Wieso sollte ich ihr also nicht auch die Ehre erweisen, korrekt gekleidet zu sein?" Herbert zögerte und antwortete dann vorsichtig. „Nun, so habe ich das noch nie betrachtet, aber du würdest ihr mit nichts, was du gewöhnlich trägst, Schande machen, mein Lieber." Dann ließ er sich vorsichtig neben seinen Vater auf den Boden gleiten. „Das ist nicht alles, hab ich recht?", bohrte er dann sanft.

Victor schüttelte den Kopf. „Ich vermisse sie, Herbert. Ist das nicht genug? Dieser Ball lässt mich ihre Abwesenheit mehr fühlen als gewöhnlich."

Herbert nickte verständnisvoll und legte ihm tröstend eine Hand auf die Schulter. „Sie fehlt mir auch, aber wir haben immer noch einander."

Herbert zuliebe setzte Victor ein schmales Lächeln auf und berührte die Hand, die noch immer auf seiner Schulter lag. „Natürlich. Du hast recht. Verzeih mir, wenn ich heute Nacht spüre, wie alt ich wirklich bin." „Nun, dem kann Abhilfe geschaffen werden. Die Sonne geht in ein paar Minuten auf, es ist Zeit für uns zu ruhen. Du wirst sehen, heute Abend sieht alles schon viel besser aus!" Victor stand auf und nickte zustimmend. Das schmale Lächeln trug er noch immer zur Schau, dass es halbherzig und traurig war, schien seinem Sohn glücklicherweise nicht aufzufallen.

Einige Tage später war Victor am frühen Abend mit der vagen Absicht, jagen zu gehen, aufgebrochen. Doch die rechte Stimmung wollte sich nicht einstellen und er hatte es auf später aufgeschoben.

Wie er geraume Zeit später in das abgelegene, kleine Tal gekommen war, hätte er bewusst kaum sagen können. Trotz der herrschenden Dunkelheit war der Abend noch nicht weit fortgeschritten. Vor ihm lag ein kleiner Weiler, in den meisten Häusern brannten noch Lichter und auch Geräusche menschlicher Arbeit waren zu hören. Unweit einer kleinen Werkstatt trat er zwischen den Bäumen hervor und erkannte einige halboffene Schuppen, die ein Holzlager zu sein schienen. Eine gebückte Gestalt kam aus einem davon hervor, schwer beladen mit Holzstücken, wackelig, viel zu hoch aufgetürmt. Das schien den Träger allerdings nicht zu kümmern. So schnell er konnte, ging er mit unsteten Schritten über den Hof und verschwand hinter einer offenen Tür. Etwas in den Bewegungen des Menschen machte Victor stutzig. Es war mehr als der von schwerer Last behinderte Gang. Victor hatte nicht lange Zeit sich zu wundern. Drinnen erklang das Poltern von fallendem Holz. „Kannst du nicht aufpassen, du verdammter Tölpel! Geh gefälligst ordentlich mit dem Material um, sonst lass ich dich die Rute spüren!" Die Stimme klang, harsch und kalt. Neugierig pirschte sich der Vampir in den Schatten näher heran bis er eine Stelle erreichte, wo er aus dem Halbschatten heraus beobachten konnte, ohne gesehen zu werden. Es war eine kleine Schreinerei, zwei Personen arbeiteten an Werkbänken tiefer im Inneren des Raumes – beides kräftige junge Männer. Die Gestalt, die das Holz geschleppt hatte, kauerte unsicher weiter vorne im Raum, während ein weiterer, grauhaariger Mann das heruntergefallene Holz begutachtete. „Was ist das? Wo sind die feinen Eichenbretter, die du mitbringen solltest? Hast du wohl vergessen, was? Beweg deinen faulen Arsch und geh sie holen, du Unnütz!"

Die Gestalt erhob sich und wandte sich rasch zum Gehen. Diesmal konnte Victor ihn genauer betrachten. Ein junger Bursche, sicher nicht mehr als 15 Jahre alt. Aber verwachsen, wie selbst er es niemals zuvor gesehen hatte. Die ungleich langen Beine schienen der Grund zu sein, der ihm diesen unsteten Gang aufzwang und der Buckel, der auf einer Seite des Rückens aufragte, verhinderte eine aufrechte Haltung. Als wäre das nicht Bürde genug, war sein kantiges Gesicht gezeichnet von großen, erhabenen Muttermalen. Er konnte kaum darauf hoffen, ein einfaches Leben vor sich zu haben.

„Vater, sag dem Krüppel, er soll noch mehr von den Aststücken in Buche mitbringen!", erklang es aus den Tiefen der Werkstatt.

„Koukol! Bring noch mehr von den Aststücken in Buche mit – aber schnell!", blaffte der Alte, offenbar der Meister, hinter dem sich eilig entfernenden Buckligen her. Er gab keine Antwort, doch in erstaunlich kurzer Zeit war der Bursche zurück. Diesmal trug er etwas weniger und achtete darauf, alles sorgfältig abzulegen. Aber es half ihm auch nichts. Einer der beiden jungen Männer war zu der Werkbank getreten, wo er das Material abgelegt hatte. „Was soll dass, du Narr! Du weißt dass die Stühle fertig werden müssen!", herrschte er den Jüngeren an und verpasste ihm eine heftige Ohrfeige. „Ich brauche Aststücke so dick wie mein Arm, nicht das hier! Es sind die gleichen, die du schon den halben Tag immer wieder bringen solltest. Die hier sind viel zu dünn! Kannst du überhaupt was richtig machen? Scher' dich fort und geh die richtigen hohlen! Diese Stühle müssen heute noch fertig werden. Der Wirt sagte, es ist eilig!"

Koukol nahm das verschmähte Holz auf und hinkte wieder fort. Kurze Zeit später kehrte er zurück und dieses Mal wurde das Gebrachte mit einem abfälligen Knurren angenommen.

„Mach dich zurück an die Arbeit!", ließ sich sofort die raue Stimme des Meisters vernehmen. „Die Bretter für morgen schleifen sich nicht von allein! Wer Abendessen will, muss auch zusehen, dass er sein Tagewerk vollendet, also tummle dich!"

Und so ging es weiter. Alles was in irgendeiner Form schiefging, war am Ende Koukols Schuld, ob er beteiligt gewesen war, oder nicht. Dinge lagen nicht am rechten Platz. „Natürlich, Koukol hat es weggeräumt. Er ist nicht nur hässlich, sondern auch dumm!" Der Meister fand etwas an der Arbeit seines Gesellen auszusetzen? „Aber Vater, das ist nicht meine Schuld! Koukol hat seinen Teil der Arbeit nicht ordentlich gemacht! Ich tat das Beste damit, was ich konnte! Soll doch der Krüppel sehen, wie er seinen Pfusch wieder wett macht!"

Dazwischen, in Unterhaltungen eingestreut, immer wieder abfällige Bemerkungen oder Beleidigungen. Was auch immer der unglückselige Bursche tat, nie wurde es auch nur mit einem einzigen freundlichen Wort vergolten. Es gab kaum eine unliebsame Arbeit, die ihm nicht aufgebürdet wurde. Alles, wofür sich die anderen zu gut zu sein schienen, fiel ihm zu. „Hohle Holz aus dem Lager" ,„Schleife mir dieses Werkstück ab, es ist nicht genau gerade", „Räume die Meißel fort, siehst du nicht, dass ich sie nicht mehr brauche?" Der Strom der Befehle schien endlos. Dazwischen verrichtete er die Arbeit, die er selbst zu leisten hatte, ungeachtet dessen, dass er andauernd dabei unterbrochen wurde. Victor konnte nicht umhin zu bemerken, dass der arme Kerl eine schnelle Auffassungsgabe und ein paar flinker, geschickter Hände besaß. Aber das schien den anderen Männern kaum aufzufallen. Dennoch widersprach der bucklige Junge niemals. Tatsächlich hatte der Graf ihn bislang noch kein einziges Mal sprechen hören. Stoisch tat er seine Arbeit und unterbrach sie für die Verrichtungen, zu deren Erledigung er ein ums andere Mal herbeigerufen wurde, ohne jemals ein freundliches Wort als Dank zu erhalten. Nein, Koukol war kein schöner Anblick, dennoch hatte Victor Männer gekannt, die auch ohne offensichtliche körperliche Mängel wenig besser aussahen und dennoch anständig behandelt wurden. Es war selbst für ihn als Laien offensichtlich, dass er Geschick hatte – dennoch behandelten sie ihn, als wäre er ein Stück Abfall.

Victor konnte sich nicht von den Ereignissen abwenden,die sich vor seinen Augen abspielten. Noch lange kauerte er in den Schatten und beobachtete. Doch er tat es nicht aus plumper, schaulustiger Neugier. Er hatte genug Lebenserfahrung, um zu begreifen, dass Koukol an diesem Ort lediglich geduldet wurde. Aber er gehörte nicht dazu. Er war ein Außenseiter. Nein - eher so etwas wie ein Ausgestoßener und die Tatsache berührte einen wunden Punkt. Noch dazu war er schrecklich jung. So etwas wie ein väterlicher Instinkt meldete sich angesichts der Grausamkeit, die sich gegen jemanden so jungen und verletzlichen richtete. Er mochte in seinen schlimmsten Tagen ebenfalls ein Monster gewesen sein, aber er schmeichelte sich mit dem Gedanken, dass er nie so tief gesunken war, wie dieses Schauspiel, das sich hier seinen Augen darbot.
Wie er es für den armen Teufel befürchtet hatte, wurde er viel zu viel herumkommandiert, um sein eigenes Arbeitspensum zu erledigen. Als die Männer ihre Arbeiten beendeten, war er mit den Brettern für den nächsten Tag noch nicht fertig.
„Du elender Taugenichts, du Faulpelz! Kannst du nicht einmal deinen kleinen Anteil an der Arbeit hier erledigen? Ich dachte, ich hätte dir gesagt, dass derjenige, der zu Abend essen will, auch sein Tagewerk erledigen muss! Nun, wer nicht hören kann, muss eben fühlen! Dann gehst du eben heute leer aus!"

Scheinbar versuchte Koukol das erste Mal aufzubegehren. Er erhob die gefalteten Hände zu einer bittenden Geste. Die Worte waren verwaschen und verzerrt, aber der Vampir glaubte ein heiseres. „Nein, bitte nicht, Meister!", zu hören. Der grauhaarige Mann ging aber nicht darauf ein. „Ach, hol's der Teufel! Nicht mal sprechen kannst du Unnütz!" Er schlug dem Buckligen so hart ins Gesicht, dass er das Gleichgewicht verlor und zu Boden fiel. Der Meister spuckte angewidert aus.

„Worauf habe ich mich nur eingelassen, als ich dich deiner nutzlosen Familie abgekauft habe! Von wegen billige Arbeitskraft, die mir viel für mein Geld einbringen wird! Da sieht man mal wieder, was einem zu viel Freundlichkeit einbringt!", höhnte der Mann hämisch.

Victor hielt es nicht länger aus. Es war an der Zeit, dass jemand etwas unternahm. Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf und trat in den Halbschatten nahe der Werkstatttür. Die Menschen würden ihn sehen können – aber nicht deutlich. Das würde vorerst genügen.

„Genug!", unterbrach er herrisch die Tirade des Meisters. „Wenn Ihr seine Arbeit so gering schätzt, wird sich bestimmt jemand finden lassen, der anderer Meinung ist! Weshalb an einer Situation festhalten, die für beide Seiten so wenig Befriedigung verspricht?"

„Das geht dich gar nichts an, Fremder! Scher' dich zum Teufel, bevor ich die Hunde auf dich loslasse!", entgegnete der Schreiner barsch. „Wem wollt Ihr drohen? Es wären schlechte Hunde, die bisher nicht gebellt hätten, wenn Ihr welche hättet!", entgegnete Victor mit beißender Häme. „Außerdem werde ich nicht ohne den Burschen gehen", beharrte er dann entschieden.

„Er ist nicht zu haben, Mann! Er ist eine Wertvolle Hilfe die uns zuarbeitet!" Der Meister verschränkte in einer ablehnenden Geste die arme vor der Brust und starrte ärgerlich in die Richtung des unwillkommenen Besuchers.

„Versucht nicht, mich zum Narren zu halten", knurrte Victor ungehalten. „Weil er so eine große Hilfe ist, prügelt und beschimpft Ihr ihn und verweigert ihm das Abendmahl, das er sich redlich verdient zu haben scheint? Erzählt dieses Märchen jemand anderem!"

„Was geht dich das an, du dahergelaufener Lump!", fuhr der Handwerker polternd auf. „Ich kann mit meinem Handlanger tun und lassen, was ich will! Ich habe schließlich gutes Geld für ihn gezahlt!"

Victor trat energisch ins Licht und hob seine rechte Hand. Der Schein der Öllampen ließ den Siegelring und die Facetten mehrerer Edelsteine aufblitzen, während er den korpulenten Handwerker finster anfunkelte.

„Ihr seid verpflichtet, mir Rechenschaft abzulegen, wenn ich sie von Euch fordere, kennt Euren Platz! Wenn ich es möchte, werfen sie Euch morgen für Eure Unverschämtheit in den Kerker!"

„Herr Graf!", keuchte der Mann entsetzt auf und sank auf ein Knie. Victor fixierte ihn kalt unter zusammengezogenen Brauen hervor. „Ich sehe, dass Ihr Euch allmählich Eurer Manieren entsinnt," bemerkte er grimmig. „Gut so. Ich habe heute Abend genug gesehen, um mir ein eigenes Urteil zu bilden. Ihr habt zwei Gesellen, wie ich sehe…"

„Einen, Herr! Avram ist lediglich mein Lehrling", unterbrach der Handwerker barsch, verstummte aber, als ihn der Graf aus verengten Augen finster anstarrte. „Noch eine solche Dreistigkeit und ihr werdet weder das eine noch das andere haben", knurrte Victor drohend. „Mir scheint, als hättet ihr genug Personal zur Verfügung, das Euch zuarbeiten kann!" Demonstrativ wandte er sich mit deutlich freundlicheren Miene an den jungen Buckligen. „Dein Name ist Koukol, nicht wahr?" Ein paar kleiner, dunkler Augen trafen seine. Ein unsicheres Lächeln enthüllte eine missgestaltete Reihe schiefer, vorstehender Zähne, aber er nickte lebhaft.

„Wohl an, Koukol. Ich könnte einen neuen Diener brauchen, der, wie du, sowohl eine rasche Auffassungsgabe als auch geschickte Hände hat. Möchtest du mit mir kommen?", bot der Graf freundlich an. Doch noch bevor der angesprochene Gelegenheit hatte zu antworten, kam sein Meister auf die Beine und hob protestierend die Arme. „Mit Verlaub, Exzellenz, aber der Kerl bleibt hier! Ich habe seiner Familie gutes Geld für seine Arbeitskraft gezahlt!"

Victor fuhr zornig auf. „Was zum Teufel glaubt Ihr, was er ist? Ein Stück Vieh oder eine Sache? Wenn er gehen will, wird ihn niemand aufhalten!"

„Vergebung, Herr, aber er war ein unbrauchbares Maul zum stopfen, bevor er zu mir kam. Die Familie hat mir seine Arbeitskraft verkauft, um ihn loszuwerden. Die Angelegenheit wurde geregelt, wie es hier in der Gegend seit Alters her Brauch ist. Ich habe nicht geknausert, als ich den armen Leuten diese Last abnahm. Ich habe also ein Recht darauf, auch etwas für mein Geld zu bekommen!"

Victor holte tief Luft. Er war so aufgebracht über das, was er da hörte, dass es ihm schwer fiel, sich zu beherrschen.

„Wollt Ihr mir allen Ernstes erzählen, ihr habt ihn gekauft, als ob er ein räudiger Hund wäre?", grollte er finster.

„Hab ich das nicht gesagt, Exzellenz?", murrte der Schreiner verstimmt. „Passiert doch andauernd mit solchen wie ihm! Er kann noch froh sein, dass er es hier gut hat! Er hätte auch in einem Käfig bei einer Ausstellung landen können. Es heißt, die reichen Städter zahlen gut dafür, dass man ihnen solche Missgeburten wie den da zeigt. Da ist es wohl nur recht und billig, wenn der verdammte Kerl für das Brot auch ordentlich schuftet, dass er zu beißen kriegt. Er sollte besser mindestens wieder einbringen, was er mich gekostet hat!"

Mit einem unwilligen Fauchen zog der Graf einen Ring vom vierten Finger seiner Hand, in den ein Topas eingefasst war, und warf ihn dem Tischler angewidert vor die Füße.

„Genug!", herrschte er ihn dann an. „Ich will nichts mehr von Euren törichten Reden hören! Nehmt das für Eure Ausgaben für ihn und erzählt mir nicht, dass es nicht genügt. Ich weiß sehr genau, was dieses Stück wert ist, und die armen Narren können kaum einen Bruchteil dessen dafür bekommen haben, dass sie ihn euch überließen. Nehmt den Ring und schätzt Euch glücklich über die Früchte, die Euch dieser unredliche Brauch eingebracht hat. Seid versichert, dass ich dafür sorgen werde, dass es für dahin unter harter Strafe verboten wird! Koukol – du kommst mit mir!" Er musste es nicht zweimal sagen. Koukol humpelte eilig auf ihn zu, während der Handwerker ihn in einer Mischung aus mürrischer Wut und Unglauben anstarrte.

„Meinen Dank, Exzellenz, obwohl ich nicht begreife, was ihr mit so einem wie dem wollt! Er versteht sich auf die Mähre und den Karren, das ist wahr, aber selbst zum Ausliefern von Waren ist er nicht gescheit genug! Ihr habt ihn ja selbst gehört, sprechen kann man das ja wohl nicht nennen, was soll so einer schon in einem Schloss."

„Das geht Euch nichts an!," entgegnete Victor kalt. Dann sprach er demonstrativ den Buckligen an. „Komm Koukol, der Weg ist weit!" Damit wandte er sich ab und ging bewusst in Richtung des Ortes davon, wo er den nächsten Fahrweg vermutete. Von einer Straße konnte an so einem winzigen Ort wohl kaum die Rede sein. Hinter ihm folgte Koukol, so rasch er es vermochte. Victor konnte fühlen, dass der Handwerker und die seinen ihnen noch so lange nach starrten, bis sie ihren Blicken entschwunden waren. Victor führte seinen neuen Diener eine Weile langsam den schmalen Weg entlang. Trotz seines unsteten Bewegungsablaufs hielt er gut Schritt, auch als Victor begann schneller zu gehen. Als er das Gefühl hatte, weit genug von dem Ort entfernt zu sein, an dem er ihn gefunden hatte, blieb der Adlige stehen und wandte sich zu Koukol um. Er sprach mit einem bestimmten, aber freundlichen Ton.

„Nun, Junge. Hier ist niemand außer uns beiden. Ich habe dich nicht gekauft, wenn es also nach mir geht, bist du frei zu tun, was immer du möchtest." Koukol sah ihn mit einer verwirrten Grimasse an und legte den Kopf schief. Der Graf wusste, der Mensch konnte ihn in der Dunkelheit kaum sehen, dennoch schenkte er seinem Gegenüber einen abschätzigen Blick.

„Du, anders als Meister", sagte er dann mit kehliger und deutlicher Stimme. Victor wusste instinktiv, dass die meisten Menschen kaum einige Brocken verstanden hätten, doch er lachte.

„Das will ich meinen!", schnaubte er und entblößte in einem etwas spöttischen Lächeln seine Fangzähne. „Sogar viel mehr als du es vielleicht glaubst." Er sah den jungen Sterblichen fest an. „Ich will ehrlich mit dir sein. Ich bin kein Mensch. Unnötig zu fragen, ob du die alten Geschichten kennst – das tust du. Nun, ich bin ein Vampir. Ich töte Menschen, um zu leben. Ganz gleich, was mein Rang ist, ich stehe ebenso außerhalb der Gesellschaft wie du, denn nach hunderten von Jahren wissen alle hier, was ihr Graf ist, nicht wahr? Sie sprechen es nicht aus, alles was jemals gesagt wird ist „Bei ihm geht es nicht mit rechten Dingen zu!" Ich weiß das sehr wohl. Du bist sterblich wie sie, aber weil du anders bist, wirst auch du niemals zu ihnen gehören. Sie werden dich nicht als Teil ihrer Gesellschaft dulden."

Der Bursche senkte den Kopf. Die Worte des Grafen hatten ihn getroffen, obwohl er es seit Jahren ahnen musste. Mitleid überkam ihn, und Victor legte eine Hand auf seine Schulter.

„Ich sage das nicht, um dich zu verletzen, Koukol. Aber unter ihnen wird es dir nirgends besser ergehen. Entweder bist du ganz allein auf dich gestellt, und wie willst du hier in den Bergen alleine überleben? Oder du wirst vertrieben, wo auch immer ich dich mit einer einträglichen Beschäftigung unterzubringen versuche.

Aber ich habe keinen Grund dich davon zu jagen. Nur meinem Stand verdanke ich meine eigene Sicherheit und ich weiß, dass der Grad auf dem ich wandle schmal ist. Ich denke, ich werde jemanden brauchen, der meinen Schutz bei Tage garantiert. Jemand dem ich vertrauen kann. Jemand, der nicht versuchen wird, mich und meinen Sohn zu pfählen, wenn der Tag kommt und wir hilflos in unseren Särgen liegen. Wer weiß, wie lange es dauert, ehe sie beginnen, uns nach dem Leben zu trachten.

Du, Koukol, hast keinen Grund dazu. Meinem Hunger ist es gleichgültig wie der Sterbliche aussieht, von dem das Blut stammt, das ich trinke und meinesgleichen ebenfalls. Wenn ich dein Blut haben wollte, hätte ich es mir längst genommen. Wenn du mit mir kommst, hast du mein Ehrenwort, dass dich kein Vampir in dieser Grafschaft jemals anrühren wird. Sie schulden mir Gehorsam. Auf Schloss Krolock wird dich niemand schlecht behandeln. Ich werde es nicht dulden. Du kannst dort ein gutes Leben führen. Ordentliche Kleidung, genug zu Essen, ein angemessener Lohn, den du ausgeben kannst, wie es dir beliebt und du würdest in einem Schloss leben. Im Austausch dafür, wäre es deine Aufgabe dafür zu sorgen, dass kein Mensch an den Ort herankommt, an dem wir beide bei Tage ruhen und Befehle auszuführen. Bedienung bei Nacht, wenn ich dich brauche, und es würde dir zufallen, am Tag Aufgaben zu erfüllen, die ich nicht selbst verrichten kann. Dafür sorgen, dass Briefe weitergeleitet werden, Besorgungen machen – und dergleichen." Koukol zog die beinahe zusammengewachsenen Brauen in einem zweifelnden Stirnrunzeln zusammen und kratzte seinen buschigen, braunen Haarschopf.

„Mich schlagen, wenn ich zu nahe komme?", war seine Antwort. Victor schüttelte bestimmt den Kopf. „Nein, sie werden es nicht wagen. Ich sorge dafür, dass jedermann weiß, wer du bist und in wessen Auftrag du zu ihnen kommst. Du wirst sehen, bald bist du ebenso berüchtigt wie ich. Doch sei gewarnt: sie werden dich ebenso wenig mögen wie mich, aber sie werden dir nichts mehr zu leide tun. Mehr noch, Koukol, mehr noch", setzte er dann mit einem boshaften Lächeln hinzu. ,,Sie werden sich dem beugen, was du sagst. Von Zeit zu Zeit hast du sicher auch die Gelegenheit den Spieß einmal umzudrehen." Als Antwort breitete sich ein hämisches Lächeln über Koukols Lippen.

„Sind wir uns einig, Koukol? " fragte Victor auffordernd.

„Du jetzt Meister?" wollte der Bucklige interessiert wissen.

„Nein," antwortete der adlige ernst. „Ich bin dein Graf. Dein Herr. Nicht mehr und nicht weniger. Beides wird als Anrede genügen. Allerdings würde ich dich darum bitten, die vertrauliche Anrede zu unterlassen. ‚Ihr' und ‚Euch' von nun an, wenn du mit mir sprichst, Koukol. Nimmst du meine Bedingungen an?" Victor hielt ihm seine ausgestreckte Hand entgegen, um ihren Handel zu besiegeln. Eine Geste, die auch Koukol zumindest vom Sehen her kennen und die eine Bedeutung für ihn haben würde. Der Bucklige zögerte nicht lange. Eine kräftige, schwielige Hand ergriff die des Grafen und drückte sie in einem festen Griff, den dieser ebenso erwiderte. Doch bevor er sich von seinem neuen Diener lösen konnte, tat der etwas für Victor vollkommen unerwartetes. Er führte die Hand, die er noch immer in seiner hielt, an seine Wange und presste sie kurz dagegen, ehe er sie losließ. Victor konnte Koukols aufgewühlte Emotionen spüren und erkannte, dass niemand zuvor je freundlich zu ihm gewesen war. In einer ebenso spontanen Reaktion hob er die Hand, legte sie ihm auf den Kopf und zerwühlte mit seinen langen Fingern das struppige Haar. Dann spürte er, wie Koukol sich wie ein junger Hund in die Berührung lehnte.

Autor's Note:

perditus amicus - latein, Übersetzung „dem verlorenen Freund"

Avram - Rumänische Variante von Abraham

Bogdan – Bedeutung „Von Gott gegeben", stammt aus dem slawischen

Tut mir leid, dass es diesmal sehr lange gedauert hat. Private Probleme haben mich in Atem gehalten und unter Stress ist bei mir kreativ nichts zu wollen. Da helfen leider auch die detaillierten Stichpunkte nicht.

Mein persönliches Highlight in diesem Kapitel ist Koukols Hintergrundgeschichte. Ich habe lange darüber nachgedacht, wo er ihn aufgelesen haben kann und mich am Ende gegen das „Freak-Show"-Klischee entschieden, auch wenn es mit anklingt. Da wir im Film sehen, dass sich Koukol auf das Schreinern versteht, habe ich das als Ausgangspunkt genutzt.

Was Koukols Aussehen betrifft, habe ich sehr viele Details aus dem Film übernommen. Ich mag Koukol sehr, aber ich denke, die Darstellung im Film, in der er erheblich gepflegter wirkt, ist viel wahrscheinlicher. Dort scheint er auch um einiges jünger zu sein als in der Bühnenfassung.

Was sein Sprachproblem betrifft, ich gehe davon aus, dass der arme Kerl eine Gaumenspalte hat.

Des Weiteren konnte ich mir einen Seitenhieb in diesem Kapitel nicht verkneifen. Nach meinem letzten TDV Besuch hatte ich in der Straßenbahn ein Gespräch, ausgelöst durch einen sehr hünenhaften Herbert, das mich seither sehr den Kopf schütteln lässt. Auf meine Bemerkung, dass man nicht wissen kann, wohin Herbert da zurückschlägt, meinte meine Gesprächspartnerin, er muss ja nicht zwangsläufig sein „richtiger" Sohn sein und das Fandom wäre sich da ja selbst nicht einig. Nun ja, ich bleibe bei meiner Vorstellung, aber jedem das seine. Diese Bemerkung kam mir sofort in den Sinn, als ich das Gespräch geschrieben habe, das Victor belauscht und mir unliebsamen Klatsch ausdenken musste.