Noch nie war Minerva ihr so nahe gewesen. Sie war so nah – zu nah.
Hermine starrte wie gebannt in die smaragdgrünen Augen vor ihr, die so lange ihre Träume und Fantasien beherrscht hatten, während ihr Herz so laut in ihren Ohren pochte, dass sie sich sicher war, dass die Schulleiterin von Hogwarts mit den Sinnen einer Katze es einfach hören musste.
Sie schluckte schwer, in dem verzweifelten Versuch ihre ausgetrocknete Kehle zu befeuchten und Worte zu formulieren, zu denen ihr benebeltes Gehirn gerade sowieso nicht fähig war.
So viele Jahre hatte sie sich diese Nähe zu Minerva gewünscht, sich geradezu danach verzehrt, dass es körperlich schmerzte, und nun in diesem Moment, in dem ihre Sehnsucht Realität zu werden schien, war sie unfähig in irgendeiner Weise zu reagieren.
Wie ein Reh im Scheinwerferlicht war sie gefangen von dem Blick, mit dem Minerva sie fixiert hatte, als wäre damit ein unsichtbares Band zwischen ihren Augen entstanden, eine Verbindung, die getrennt werden würde, wenn sie auch nur einen Moment wegsah.
Sie spürte die Energie zwischen ihnen und Minervas Wärme, die sie einhüllte wie ein schützender Kokon, vor ihr Minervas Körper, links und rechts von ihr Minervas Arme, die immer noch an der Tür abgestützt waren, an der sie lehnte.
Die Anziehungskraft, die Hermine gegenüber dieser Frau verspürte, war so groß, dass jede Faser ihres Körpers danach schrie, die letzten Zentimeter, die sie nur noch voneinander trennte, zu überbrücken und ihren Körper an den der älteren Frau zu pressen, um nie wieder von ihr getrennt zu sein.
Sie wollte sie so sehr. Sie wollte sie spüren, wollte sie festhalten, wollte sie an all den Körperstellen berühren, von denen sie so oft fantasiert hatte. Sie wollte wissen, ob die Realität mit ihrer Fantasie mithalten konnte.
Irgendetwas in dem Blick der Schulleiterin ließ Hermine jedoch ahnen, dass die renommierte Frau jegliche ihrer Fantasien bei Weitem übertreffen würde.
Der Gedanke ließ sie erschaudern, was Minerva keinesfalls entging, die zu ergründen suchte, was in Hermines Kopf vor sich ging, und dem Schmunzeln nach zu urteilen, das ihre Lippen umspielte, hatte sie eine ungefähre Ahnung, was ihre ehemalige Schülerin gerade dachte.
Sie trat noch einen kleinen Schritt näher an Hermine heran, ihre Arme immer noch zu beiden Seiten von Hermines Kopf abgelegt, aber aufgrund der Nähe nun nicht mehr abgestützt, sondern leicht angewinkelt und Hermines Atmung beschleunigte sich noch mehr.
Wenn sie tief genug ausatmete, berührten sich ihre Brüste kaum merklich. Allein diese sanfte Berührung ließ eine Hitze zwischen Hermines Beinen aufsteigen, die sie noch nie zuvor empfunden hatte – weder mit Ron noch mit sich selbst – und es kostete sie alle Willenskraft, sich auf den Beinen zu halten, die sich plötzlich anfühlten wie Gummi.
Minerva beugte sich noch weiter vor, ihre Lippen nur noch Millimeter von den ihren entfernt. Ja, oh ja bitte, lass das endlich passieren.
Hermine hob leicht den Kopf, um Minervas Lippen entgegenzukommen, den Mund leicht geöffnet, die Spannung in ihr nicht mehr auszuhalten, die sich nun einfach entladen musste oder sie würde platzen.
Doch kurz bevor ihre Lippen aufeinandertreffen konnten, drehte Minerva den Kopf zur Seite und näherte ihre Lippen stattdessen Hermines Ohr.
Sie war nun vollkommen von Minerva eingehüllt. Der vertraute Geruch der Schulleiterin nach Tinte, altem Pergament und einem Hauch Minze erfüllte Hermines Nasenflügel und sie musste sich zurückhalten, um nicht ihre Nase an Minervas Hals zu vergraben und ihre ganze Essenz zu inhalieren, als wäre es die Luft, die sie zum Atmen brauchte.
Plötzlich spürte sie den heißen Atem der Schulleiterin an ihrem Ohr und all die feinen Härchen an ihrem Körper richteten sich auf.
„Miss Granger…", flüsterte Minerva in ihr Ohr, die Stimme weich und sinnlich, und Hermine hatte das Gefühl, jeden Augenblick in Ohnmacht zu fallen.
Sie konnte nicht glauben, welche Wirkung ihr Mädchenname aus dem Mund der Schulleiterin auf sie hatte.
Oh ja, sie wollte so sehr wieder Miss Granger für sie sein, ihre Musterschülerin, die nach der Anerkennung der schwarzhaarigen Schottin gierte und die alles dafür tun würde, um die anspruchsvolle ältere Frau zufriedenzustellen.
Der Wunsch, dieser Frau zu gefallen, war so überwältigend, dass Hermine am liebsten hier an Ort und Stelle vor ihr auf die Knie gesunken wäre, darum bettelnd ihr zu sagen, was sie tun könne, um sie zu befriedigen. Alles, ich tue alles. Bitte sagen Sie mir, was ich tun soll.
„…ich fürchte", Minervas Stimme war wie Samt an ihrem Ohr und Hermine war kurz davor sich an sie zu schmiegen wie eine rollige Katze, „Ihre kleinen literarischen Ergüsse zwingen mich dazu, Maßnahmen zu ergreifen."
Was? Was soll das heißen? Sie wird doch nicht…?
„Ich fürchte, Miss Granger, dass ich Sie dafür bestrafen muss."
Oh. Mein. Gott. Hermine sog scharf die Luft ein, ihr Puls raste, ebenso wie ihre Gedanken, die sämtliche Szenarien, die sie sich jemals im Zusammenhang mit einer Bestrafung durch die Hexe, die vor ihr aufragte, ausgemalt hatte, wie im Schnelldurchlauf vor ihrem inneren Auge abspielten und Hermine fürchtete, allein durch die Gedanken daran hier und jetzt zu kommen, noch bevor Minerva sie überhaupt berührt hatte.
Minerva lehnte ihren Kopf wieder zurück, um Hermine in die Augen zu blicken, offensichtlich in dem Versuch, einschätzen zu können, was die jüngere Frau dachte.
Sie hob ihre Hand und ließ ihre Finger sanft an ihrem Kiefer entlanggleiten. Feingliedrige aber starke Finger umfassten Hermines Kinn und hielten ihren Kopf in einem eisernen Griff, keine Möglichkeit den Kopf wegzudrehen, selbst wenn Hermine gewollte hätte.
Mit ihrem Daumen strich Minerva leicht über Hermines Unterlippe und diese zögerte nicht eine Sekunde, öffnete ihren Mund, ließ ihre Zunge herausgleiten, umschloss den Finger mit ihren Lippen, saugte daran, um ihn noch weiter in ihre Mundhöhle hineinzuziehen und massierte seine Unterseite mit ihrer Zunge.
Minervas Augen, die der Bewegung ihres Fingers gefolgt waren, weiteten sich und schossen nach oben, grüne Augen trafen auf haselnussbraune und ihre Pupillen weiteten sich vor Lust.
Ein leises Seufzen entfuhr der sonst so beherrschten Schulleiterin, als sie ihren Daumen mit einem leisen Plopp aus Hermines warmem Mund zog und mit dem nun feuchten Finger erneut über ihre Unterlippe strich, diesmal jedoch eindeutig mit ihrer Selbstbeherrschung kämpfend.
Sie schluckte hörbar und suchte wieder Hermines Blick. Obwohl ihr Blick immer noch vor Lust loderte, konnte Hermine nun aber auch eine Ernsthaftigkeit darin erkennen, die ihr Sorgen bereitete.
Wo eben noch ein Feuer gebrannt hatte, so intensiv, dass Hermine allein beim Blick in diese unfassbar grünen Augen das Gefühl gehabt hatte zu verbrennen, war dieses nun getrübt. Wie Wolken, die sich vor die Sonne schoben, einen Unheil bringenden Sturm ankündigend.
Ihre Stimme war ebenfalls ernst und gefasst, als sie sprach, wenn auch immer noch leicht heiser aufgrund des intimen Moments, den sie soeben geteilt hatten: „Das heißt…nur wenn du das immer noch willst."
Hermine erkannte nun diese dunklen Gedanken, die im Kopf der schottischen Frau umherschwirrten, als das, was sie waren: Unsicherheit. Vorsicht. Zurückhaltung.
Hermine schmolz dahin angesichts der Erkenntnis, dass Minerva, immer noch stets die Perfektionistin und alle Eventualitäten bedenkend, absolut sichergehen wollte, dass die Frau, die da vor ihr an ihre Bürotür gepresst stand, wenn auch um einige Jahre älter, innerlich immer noch das junge Mädchen war, das sich nach ihrer Professorin verzehrte. Dass sie, Hermine, auch nach all den Jahren, in denen sie aus ihrer Schülerrolle geschlüpft und eine erwachsene Frau geworden war, immer noch die Frau vor sich begehrte, auch wenn diese längst nicht mehr ihre Lehrerin war. Sie wollte ein letztes Mal prüfen, ob ihre Fantasien von damals immer noch die heutigen waren und nicht nur Miss Granger Professor McGonagall wollte, sondern auch Hermine sie wollte – Minerva, die Frau hinter der Verwandlungslehrerin und Schulleiterin von Hogwarts und damit eine der mächtigsten und einflussreichsten Hexen ihrer Zeit.
Hermine war unfähig, auch nur ein klares Wort über ihre Lippen zu bringen und konnte nur stumm nickend ihre Zustimmung äußern, immer noch völlig verblüfft von der Wendung der Ereignisse.
Minerva schien ein wenig erleichtert zu sein, doch immer noch konnte Hermine Zweifel in ihren Augen erkennen. Sie legte den Kopf ein wenig schräg in einer stummen Frage, was die schwarzhaarige Frau noch beschäftigte.
„Und Ronald?", fragte Minerva leise mit einem Hauch Verletzlichkeit in der Stimme.
Wut stieg in Hermine auf. Natürlich, wie konnte es auch anders sein? Als reichte es nicht, dass Ron ihr das Lebensglück geraubt hatte, indem er ihr die Chance auf eine Karriere verbaut und ihre sogenannte „Ehe" hatte verkommen lassen wie eine Pflanze, die jämmerlich vertrocknet war – nein, nun musste er auch noch eine Barriere zwischen sie und der Frau errichten, die für Hermine das größte Glück überhaupt bedeutete, und dass ohne überhaupt anwesend zu sein.
Hermine kochte angesichts der Tatsache, dass sie ihr Glück gerade direkt vor sich hatte in Form leuchtend grüner Augen, die sie erwartungsvoll und vorsichtig zugleich betrachteten, und es ihr wieder verwehrt werden sollte.
Nein, diesmal nicht. Nicht schon wieder. Sie würde nicht zulassen, dass sich erneut eine Mauer zwischen ihr und Minerva aufbauen würde, nicht nach all der Zeit. Die Mauer ihrer Beziehung als Lehrerin und Schülerin war in der Vergangenheit unüberwindlich gewesen und Hermine hätte nie etwas getan, um die Reputation oder gar das Leben der Frau zu gefährden, die ihr so viel bedeutete.
Doch die Mauer ihrer Ehe, die nur noch auf dem Papier bestand, schien ihr gerade überhaupt nicht unüberwindlich und sie sprach eine Wahrheit aus, die sie in den Jahren zuvor nur gewagt zu denken hatte: „Nur noch eine reine Zweckehe. Für die Kinder. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis…"
Sie ließ den Rest des Satzes unausgesprochen. Das letzte, was sie jetzt wollte, war jetzt und hier über ihre gescheiterte Ehe zu sprechen, wenn die Frau, die sie über alles begehrte, und damit ihr Glück direkt in Griffweite vor ihrer Nase war.
Doch Minerva McGonagall wäre nicht Minerva McGonagall, das Sinnbild von Integrität und Rechtschaffenheit, wenn sie die dennoch noch offiziell bestehende Ehe zwischen Hermine und Ron einfach ignorieren würde.
Die ältere Frau hatte feste Prinzipien, das war schon immer so und das würde immer so sein, was genau einer der Gründe war, warum Hermine sie so schätzte. Doch nun war es ebendiese Prinzipien, die Minerva zögern und ein kurzes Stück zurückweichen ließen, auch wenn sie Hermines Worte durchaus gehört hatte.
Nein! Jahrelang aufgestautes Verlangen nach dieser Frau und ebenso aufgestaute Wut darüber, wie ihr Leben verlaufen war, ließen Hermine endlich aus ihrer Schockstarre ausbrechen und nach vorne preschen. Sie würde nicht noch einmal die Gelegenheit verpassen, dieser Frau endlich nahe sein zu können, und so presste sie verzweifelt die Lippen auf Minervas, umfasste ihren Nacken mit der einen und ihre Taille mit der anderen Hand und zog sie fest an sich.
All die Frustration, Gier und Anspannung, die sich in ihr aufgestaut hatten, entluden sich in einem einzigen stürmischen Kuss, als wollte sie die Schulleiterin verschlingen. Sie saugte, biss und leckte an Minervas Lippen und drehte ihren Kopf von einer Seite zur anderen, um auch wirklich jede Stelle dieser weichen Lippen zu fühlen, zu schmecken und für immer in ihr Gedächtnis einzubrennen.
Minerva war im ersten Moment völlig überrumpelt und hatte zwar ihre Hände instinktiv auf Hermines Hüften abgelegt, aber brauchte einen Moment, um ihre Lippen in Bewegung zu setzen und Hermines wilden Kuss zu erwidern.
Doch der Animagus der älteren Frau war nicht ohne Grund der einer Katze und so kehrten ihre Reflexe innerhalb von Sekunden zurück und sie antwortete auf Hermines Gier mit einem ebensolchen Hunger.
Im Kampf um Dominanz löste sie Hermines Hände von ihrem Nacken und ihrer Taille, packte ihre Handgelenke und drängte Hermine mit dem Einsatz ihres Körpergewichts erneut zurück gegen dir Bürotür.
Hermine stöhnte auf, als ihr Rücken gegen das Holz knallte und ihre Handgelenke wie im Schraubstock über ihr festgehalten wurden, mit einer Kraft, die sie der schlanken Schwarzhaarigen gar nicht zugetraut hätte.
So eingesperrt zwischen der Tür und Minervas warmem Körper, der sich an sie presste, und der Gewissheit, dass sie ihre Arme nicht bewegen konnte, überkam Hermine eine neue Welle der Lust und ihr Becken presste sich ohne ihr Zutun verzweifelt gegen den Körper der älteren Frau, auf der Suche nach Reibung, um das pochende Verlangen in ihrem Unterleib zu stillen.
Minerva rückte ein wenig von Hermine ab, jedoch ohne ihren Griff um ihre Handgelenkte zu lockern und grinste. „Ts, ts, ts, Miss Granger. Ich glaube, Ihre Strafe hat sich soeben nochmal erhöht."
Hermine stöhnte, ihre Lust so groß, dass sie es kaum noch aushielt und der Frust, dass Minerva ihr nicht das gab, was sie so dringend wollte, was sie so dringend brauchte, machte sie wahnsinnig. „Oh bitte…", bettelte Hermine.
„Wie war das?" Minerva hob spielerisch eine Augenbraue, ein Schmunzeln um ihre Lippen.
„Bitte…ich halte das nicht aus." Hermine konnte die Verzweiflung in ihrer Stimme hören, doch es war ihr egal. Wenn sie betteln musste, um von der Frau das zu bekommen, was sie wollte, würde sie es tun. Sie würde alles tun.
Minerva, die die Verzweiflung in Hermines Stimme kaum überhört haben konnte, runzelte kurz die Stirn und legte den Kopf schief, als müsse sie angestrengt über etwas nachdenken. „Hmmm, was stelle ich nur mit Ihnen an?"
Ihr Blick wanderte auf den Boden, wo das grüne Notizbuch immer noch dort lag, wo sie es vorhin fallen gelassen hatte. Sie blickte es konzentriert an, als hätte es die Antwort auf ihre Frage.
Sie schaute erneut zu Hermine auf und Hermine wusste, dass die überaus intelligente Frau lediglich mit ihr spielte und sie noch länger quälte, obwohl sie bereits längst einen Plan hatte. Minerva hatte immer einen Plan.
Hermine stieß frustriert die Luft zwischen den Lippen aus, doch Minerva ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und spielte weiterhin die Unschuldige, während sie zu grübeln vorgab und ihren Blick suchend hinter sich in ihr Büro gleiten ließ, als müsste sie nur die richtige Inspiration für eine passende Strafe finden.
Hermine zappelte ungeduldig und fühlte ihre Frustration nur noch größer werden. Dieses Spielchen würde sie nicht mehr lange aushalten.
Doch als Minervas Blick an ihrem Schreibtisch hängen blieb und sie langsam den Kopf zurück zu Hermine drehte, die Augen bedrohlich glänzend, hörte Hermine schlagartig auf zu zappeln und riss die Augen auf, als sie mit einem Schlag begriff, worauf Minerva anspielte.
„Nun gut, Miss Granger. Sie werden Ihre Strafe hier verbüßen. In meinem Büro. An meinem Schreibtisch." Das Feuer in ihren Augen loderte und Hermine hätte schwören können, dass ihr Höschen in diesem Moment komplett durchgeweicht war, als Minerva ihr Schicksal mit einem einzigen Wort besiegelte: „Vornübergebeugt."
