Eiskalt kam Hermine auf dem Boden der Realität auf. Scham durchflutete sie wie heißes Fieber, das in ihr pulsierte und sie umfing wie einen Umhang, der jedoch nicht dazu da war, sie vor der Außenwelt zu schützen, sondern all ihre Unsicherheiten und Ängste preiszugeben. Sehnsüchtig dachte sie an Harrys Umhang, der unsichtbar machte. Was hätte sie nur dafür gegeben, nun einen solchen um sich legen zu können, um nicht nur sich selbst und ihren halbnackten Körper zu verhüllen, der immer noch in ihrer alten, aber wesentlichen kürzeren Schuluniform steckte, der immer noch ohne Unterwäsche war und dessen Körpersäfte nun unangenehm kalt zwischen ihren Schenkel klebten.

Hatte sie sich Momente zuvor noch genau dadurch so unglaublich gut gefühlt, so bestätigt in ihrer Vermutung, wie talentiert Minerva McGonagall mit ihren Händen auf ihrem Körper und ihren Fingern in ihr war und so unglaublich glückselig angesichts der erderschütternden Höhepunkte, die ihr die schwarzhaarige Hexe beschert hatte, fühlte sie sich nun schmutzig und ausgenutzt.

Noch nie hatte sie sich so sehr auf ihren Körper und ihre niedersten Triebe reduziert gefühlt. Sie, die stets rational und logisch agierte, sich von ihrem Kopf leiten ließ und deren gedankliche Zahnrädchen sich unaufhörlich drehten, war durch Minervas Berührungen zu einem einzigen Haufen Lust und Verlangen geworden, dessen einziges Ziel der Zustand höchster Ekstase war. Keine Sekunde hatte sie in diesen sinnlichen Momenten auch nur einen klaren Gedanken fassen können, in denen sich selige Leichtigkeit und Dunkelheit in ihrem Gehirn ausgebreitet hatte.

Alle Sorgen, Ängste und Probleme waren in dem Moment vergessen gewesen, in dem Minerva Hand an sie gelegt hatte und mit jeder ihrer Berührungen war die Welt um sie herum immer mehr verschwunden, eingehüllt in einen Schleier von Fantasien, von denen sie niemals gedacht hätte, dass sie jemals Wirklichkeit werden würden. Doch das waren sie gewesen. Jede Berührung feingliedriger Finger, jeder Kontakt dieser weichen Lippen auf ihrer sensiblen Haut und jedes gehauchte Wort der Schulleiterin hatte sich fest in Hermines Gedächtnis gebrannt, hatte Spuren nicht nur dort, sondern auch auf ihrem Körper hinterlassen, der sich daran erinnern würde, wann immer sie sich selbst berühren oder von jemand anderem berührt werden würde, um nur umso mehr zu verblassen im Vergleich zu dem Feuer, das die hochgewachsene Schottin mit den stechend grünen Augen in ihr hinterlassen hatte.

Nie wieder würde sie für irgendjemand so brennen können, nie von irgendjemandem so von innen verbrannt werden, als würde sie verglühen und Minerva die einzige, die diese Flammen in ihr stillen konnte. Sie war das Zündholz, das das Feuer in ihr legte, der Sauerstoff, der kleine Flammen zu einem rasenden Inferno werden ließen und gleichzeitig das einzige Mittel, das die Glut in ihr wieder zur Ruhe bringen konnte.

Hermine hätte nie gedacht, dass sie jemals in diese Situation kommen würde, in der sie sich wünschte, dass sie ihre Fantasien mit der renommierten Frau vor ihr nie hätte ausleben können. Ja, die Jahre, vielmehr Jahrzehnte, in denen sie sich nach der älteren Hexe verzehrt hatte, waren lang und hart gewesen und die lediglich in ihrer Fantasie lebendige Verbindung zwischen den beiden Frauen nur ein unbefriedigendes Abbild einer Wirklichkeit, von der Hermine ausgegangen war, dass sie nie real werden würde, aber nun von dieser Frucht gekostet zu haben, die so lange ihre Gedanken, ihren Körper und ihre Seele beherrscht hatte, nur um sie dann wieder aufgeben zu müssen, war noch so viel schlimmer.

Das Feuer, das Minerva in ihr zum Leben erweckt hatte, war plötzlich nicht mehr eines der Lust, sondern ein Feuersturm, dessen dunkler Rauch sich durch ihre Eingeweide fraß, in ihr Herz eindrang und sich dort einnistete, um sie quälend langsam von innen zu ersticken. Hatte sie zuvor noch um Atem ringen müssen, weil Minervas Finger ihr Herz zum Rasen gebracht hatten, hatte sie nun das Gefühl, das sämtliche Arterien in ihrem Körper ihr die Sauerstoffzufuhr verwehrten und einen Moment lang wünschte sie sich sogar, einfach hier und jetzt in Ohnmacht zu fallen, um aus dieser Situation einfach entschwinden zu können.

Wenn ihr nur einfach schwarz vor Augen werden würde, ihr Körper zur Seite kippen und sie sich in friedliche Dunkelheit ergeben könnte, um nicht hier vor der Frau knien zu müssen, die ihr vor wenigen Momenten noch den besten Sex ihres Lebens beschert hatte und von der sie soeben eiskalt zurückgewiesen worden war, als Hermine nur allzu gern den Gefallen erwidern wollte.

War das nur eine einmalige Sache für die schottische Hexe gewesen? Oder nur eine einseitige, in der die für ihre Kontrolliertheit bekannte Frau nicht berührt werden wollte? Oder hatte die Frau sich zu sehr von der Atmosphäre des Augenblicks hinreisen lassen, um dann mit Erschrecken festzustellen, dass sie gerade etwas tat, was überhaupt nicht ihren Prinzipien entsprach? Mit einer verheirateten Frau zu schlafen, die nicht nur ihre ehemalige Schülerin, sondern auch die Mutter einer ihrer aktuellen Schülerinnen war?

Hermines Gedanken überschlugen sich, als sie voller Scham und Verwirrung zu diesen grünen Augen aufblickte, die sie immer noch mit ihrem Blick durchdrangen und in denen sie nach irgendeiner Art von vernünftiger Erklärung für das ambivalente Verhalten dieser mysteriösen Frau suchte, deren Miene wie so oft keine Gefühlsregung preisgab.

Hermine konnte diesem Blick nicht länger standhalten, der ihr keinerlei Informationen offenbarte, während sie den Eindruck hatte, dass Minerva jede noch so kleine Gefühlsregung ohne jegliche Mühe aus ihren eigenen Augen ablesen konnte wie in einem offenen Buch, das vor ihr ausgebreitet dalag – wie in dem Notizbuch, in dem die Schulleiterin all ihre Fantasien schwarz auf weiß hatte nachlesen können, dachte Hermine verbittert. Welch Ironie.

Sie senkte den Blick und merkte erst in diesem Augenblick, dass sie immer noch zwischen Minervas Beinen kniete, ihre Hände immer noch auf den nackten Knien der Frau, die sie immer noch wie keine andere zufriedenstellen, der sie die soeben erlebten Höhepunkte zurückgeben und die sie ebenso in Momenten höchster Ekstase die Kontrolle verlieren sehen wollte.

Vorsichtig löste Hermine ihre Hände von der weichen Haut, deren Erforschung ihr größter Wunsch gewesen war, nur um ihn nun in einer Luftblase zerplatzen zu sehen. Ganz langsam, als hätte sie Angst, irgendeine ruckartige Bewegung zu machen und damit eine ungewollte Reaktion der Schulleiterin hervorzurufen, die immer noch wie versteinert auf ihrem Schreibtischstuhl saß und Hermine keine Sekunde aus den Augen ließ, wie ein Raubtier, das nur auf eine falsche Bewegung wartete, um ihr den Gnadenstoß zu versetzen, zog Hermine ihre Arme unter dem schwarzen Umhang der älteren Frau hervor und merkte erst jetzt, wo sie sich nicht mehr auf Minervas Knie abstützte, wie sehr ihre eigenen nackten Knie auf dem kalten Marmorfußboden schmerzten.

Ohne Minerva noch eines Blickes zu würdigen, erhob sie sich und biss die Zähne zusammen, als ihre Beine wegen der ruckartigen Bewegung merklich protestierten, nachdem sie an dem heutigen Abend unerwarteten Anstrengungen ausgesetzt gewesen waren – erst auf Minervas Schreibtisch, dann stehend an ihn gelehnt, dann zuckend auf ihrem Schoß und schließlich kniend auf dem harten Fußboden.

Hermine schüttelte den Kopf, um die auf sie einstürmenden Erinnerungen der soeben gemeinsam erlebten Momente, die noch so frisch und intensiv waren, dass sie sich fragte, ob sie überhaupt geschehen waren, aus ihrem Kopf zu verbannen. Tränen stiegen ihr in die Augen, als sie sich zum Schreibtisch umwandte, der noch genauso makellos und aufgeräumt wie zu Beginn ihrer Ankunft aussah. Keinerlei Spur davon, dass sie Minuten zuvor noch darauf gelegen und dagegen gepresst worden war.

Sie kam sich in diesem Moment so unfassbar dumm und naiv vor, wie sie da in ihrer alten Schulmädchenuniform dastand, halbnackt und entblößt und so unfassbar verletzlich. Sie wollte nicht, dass Minerva sie so sah. Das Bedürfnis, sich und ihre Emotionen zu schützen, war plötzlich das einzige sie bestimmende Gefühl.

Mit einem kurzen geflüsterten „Tergeo" reinigte sie sich vom Schweiß und sämtlichen Körperflüssigkeiten, die auf ihrem Körper hafteten, und musste sich einen Moment fokussieren, um trotz der Gefühle, die sie zu überwältigen drohten, die Kleidung zu visualisieren, mit der sie nach Hogwarts gekommen war. Schon spürte sie, wie sich die lange Stoffhose wieder um ihre Beine schmiegte und die zugeknüpfte blaue Bluse den Blick auf ihr Dekolleté verbarg. Wie eine Rüstung begrüßte sie ihre Kleidung zurück, unter der sie nicht nur ihren Körper vor Minerva verbergen konnte, sondern auch die Scham und die Verletzlichkeit angesichts der soeben erlittenen Zurückweisung, um sich selbst einen letzten Rest an Würde zu bewahren.

„Schönen Abend noch, Schulleiterin", krächzte sie, ihre Stimme voll angestauter Emotionen, die aus ihr auszubrechen drohten. Doch nicht hier, nicht jetzt. Sie musste es wenigstens bis zur Bürotür schaffen, ohne zusammenzubrechen. Sie würde keine Schwäche vor der mächtigen Hexe zeigen, die ihr soeben mal wieder das Herz gebrochen hatte.

Doch noch bevor sie auch nur einen Fuß in Richtung Bürotür unternehmen konnte, fühlte sie, wie sich zierliche, aber starke Finger um ihr Handgelenk schlossen und sie von ihrer Flucht abhielten. Erschrocken wandte sie sich um und blickte in Minervas stechend grüne Augen, die sich von ihrem Stuhl erhoben zu haben schien, ohne auch nur einen Laut von sich gegeben zu haben.

Diese Frau hört und sieht nicht nur wie ihr verfluchter Katzen-Animagus, sondern kann auch noch genauso lautlos umherschleichen. Lass mich doch bitte einfach gehen, wieso musst du diesen Moment nur noch weiter in die Länge ziehen? Reicht die Schmach der Zurückweisung nicht aus, musst du nun noch Salz in die Wunde streuen, die du nach so vielen Jahren wieder aufgerissen hast?

Hermines Schmerz musste klar und deutlich in ihren Augen lesbar sein, denn schon wurden Minervas Augen weich und warm und füllten sich mit Mitgefühl.

„Hermine, Liebes, …", begann sie, doch wurde direkt von Hermine unterbrochen: „Ich brauche dein Mitleid nicht."

„Das ist kein Mitleid, ich…"

„Wieso kannst du mich nicht einfach gehen lassen? Lass mich los!"

Doch je heftiger Hermine versuchte, sich aus dem eisernen Griff der größeren und offensichtlich auch stärkeren Frau zu lösen, desto fester schienen sich die Finger um ihr Handgelenk zu schließen wie die Teufelsschlinge, in der sie, Ron und Harry in ihrem ersten Jahr in Hogwarts auf der Suche nach dem Stein der Weisen gefangen gewesen waren.

Unglücklicherweise schien Hermines Gehirn in Momenten der Gefahr weitaus besser zu funktionieren als in diesem Moment der Verletzlichkeit und aufgewühlter Emotionen, denn sie kam nicht darauf, wie damals ruhig zu werden und sich so aus der festen Umklammerung zu befreien, sondern wand sich nur noch mehr, in dem verzweifelten Wunsch freizukommen und so weit wie möglich vor der schwarzhaarigen Frau wegzukommen, deren Worte sie nicht hören, deren Hände auf sich sie nicht spüren und deren mitleidigen Blick sie nie wieder sehen wollte.

Aber schon schoss Minervas andere Hand hervor, umgriff das Handgelenk ihrer bis eben noch frei gewesen Hand und hielt die jüngere Hexe an Ort und Stelle fest. Vor Frust angesichts ihrer aussichtslosen Lage spürte Hermine erneut Tränen in ihren Augenwinkeln und schaute verzweifelt nach oben zur Decke, um dem Blick dieser grünen Augen ausweichen zu können und einer letzten Hoffnung, die aufsteigenden Tränen damit zurückhalten zu können. „Hermine, so hör mir doch zu." Minervas Stimme klang fast flehend.

„Ich will es nicht hören, bitte hör auf."

„Nein, ich werde nicht aufhören. Nicht, bis du mich nicht angehört hast."

Hermine blickte immer noch nach oben und wagte es nicht, in diese grünen Augen zu blicken, voller Angst davor, was sie darin entdecken würde.

„Sieh mich an."

Nein.

„Bitte."

Minerva wartete geduldig, die Finger immer noch um Hermines Handgelenke geschlungen, mittlerweile jedoch ganz locker, ja fast sanft. Ihre Daumen strichen leicht und beruhigend über Hermines Haut und die jüngere Hexe konnte sich nicht gegen die Ruhe wehren, die diese Berührung in ihr auslöste. Langsam senkte sie den Blick, bis haselnussbraune Augen auf grüne trafen und sie darin nichts als Wärme erblickte. Sie konnte geradezu fühlen, wie ihre inneren Barrieren Stück für Stück durch diesen warmen Blick dahinschmolzen.

„Du hast mich missverstanden, meine Liebe", sagte Minerva sanft.

„Oh wirklich? Was kann man denn an einem Nein bitte so missverstehen?" Hermine legte den Kopf schief und schaute sie herausfordernd an.

„Das war kein Nein."

„Ach nein?"

„Nein."

Verwirrung schlich sich in Hermines Stimme: „Aber du sagtes doch…"

„Ich weiß, was ich gesagt habe", unterbrach Minerva sie ruhig, „aber hättest du mich weiterreden lassen, anstatt deine eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen und Hals über Kopf die Flucht zu ergreifen, hättest du uns, aber besonders dir einigen Schmerz erspart."

Als Hermine nichts erwiderte und die Schulleiterin nur verblüfft ansah, fuhr Minerva schmunzelnd fort: „Meine Liebe, ich muss keine Legilimentik anwenden, um zu sehen, wie sich die Rädchen in deinem hübschen Köpfchen drehen und vor allem mit welcher Geschwindigkeit. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was alles im Bruchteil einer Sekunde alles in deinem Kopf passiert. So viel Brillanz und du verschwendest sie dafür, dir all die Gründe auszudenken, weshalb ich dich abweisen könnte. Dabei sollten meine vorigen…Handlungen eigentlich Beweis genug dafür sein, dass ich dir alles andere als abgeneigt bin."

„Aber warum hast du mich dann unterbrochen?" Hermine verstand immer noch nicht.

Minerva löste eine ihrer Hände um Hermines Handgelenke und strich ihr mit dem Handrücken sanft über die Wange. Die Berührung war so zart, dass Hermine am liebsten die Augen geschlossen hätte, um sie ganz zu fühlen, statt sich von visuellen Sinnen ablenken zu lassen, doch ihre Neugier dafür, was die schwarzhaarige Schottin zu ihren Beweggründen zu sagen hatte, war größer.

„Ach Liebes, so sehr ich das auch genossen habe und so sehr ich auch bereit dazu bin, dir all deine schmutzigen Schulmädchenfantasien zu erfüllen", Hermine erschauderte bei dem Gedanken daran, was das alles implizierte, „möchte ich mit dir schlafen."

Minerva schaute sie eindringlich an, während Hermine stirnrunzelnd die Augenbrauen zusammenzog. Hatten sie das nicht eben getan?

Minerva schien die unausgesprochene Frage in den Augen der jüngeren Frau zu lesen, also führte sie weiter aus: „Ich will dich, Hermine. Nicht Miss Granger, nicht die Schülerin, die du so lange warst, und auch nicht die Fantasie, in der du sie immer noch bist, festgehalten in deinem kleinen Büchlein." Hermine errötete bei der Erwähnung ihres Notizbuches und schaute beschämt zu Boden, doch ein schlanker Zeigefinger legte sich unter ihr Kinn und führte ihren Kopf vorsichtig wieder auf Augenhöhe mit der Frau, die so vorbehaltlos einige ihrer Fantasien bereits in die Tat umgesetzt hatte.

„Kein Grund, sich zu schämen, Liebes. Wir haben alle unsere Fantasien, auch ich", gab sie offen zu, jedoch nicht, ohne dass sich eine leichte Röte auf ihren Wangen ausbreitete und Hermine neugierig den Kopf zur Seite legte und eine Augenbraue hob. „Später vielleicht", wich Minerva ein wenig peinlich berührt aus. „Für die Fantasien bleibt noch genügend Zeit, jetzt will ich die Realität mit dir, so du sie auch willst. Kein Schulmädchen, keine Professorin, keine Uniformen oder förmliche Roben, nur wir beide."

Minerva schaute sie hoffnungsvoll an, doch statt ihr eine Antwort zu geben, löste sich Hermine aus ihrem Griff, umfasste die schlanke Schottin um ihre Taille und zog sie an sich, bis sich ihre Lippen in einem sanften Kuss ganz sacht berührten.

„Bring mich ins Bett, Minerva", hauchte sie gegen ihre Lippen und Minerva kam der Aufforderung ohne zu zögern nach.