Kapitel 8

„Was? Heißt das ich kann wirklich bei euch schlafen?", wiederholte Ayumi verwundert, einige Zeit nachdem Conan das Gebäude verlassen hatte.

„Wenn dir das nichts ausmacht, ich hätte in dem Falle nichts dagegen. Und außerdem habe ich schon deine Mutter angerufen und ihr Bescheid gesagt, dass du hier bist.", endgegnete ihr Professor Agasa.

„Ich habe schon ein Zimmer für dich vorbereitet. Decke und Kissen liegen schon da.", sagte Ai, während sie aus dem Flur mit einer heißen Tasse Kaffee herauskam.

„Ich danke euch, aber ich denke nicht, dass so etwas überhaupt nötig…"

„Ist schon gut, wir haben ja Conan versprochen uns so gut wie möglich um dich zu kümmern. Du brauchst uns nicht zu danken.", unterbrach Ai sie, als sie die Unsicherheit in Ayumis Gesicht sah. Sie nahm sie bei der Hand und zog sie mit sich zu den jeweiligen Räumen, die sich im Flur erstreckten.

„Na komm, ich zeig dir noch schnell dein Zimmer. Mein Zimmer ist dort drüben, wenn du die Treppe da hinuntergehst und falls du etwas brauchst, lass es mich wissen, ja?", sagte sie, lächelte und versuchte sie so wieder aufzuheitern. In dem Falle war sie erfolgreich, denn Ayumis Laune änderte im Laufe der Nacht rapide und als sie ihr Gastzimmer betrat war sie überrascht, in so einem riesigen Zimmer übernachten zu dürfen, den sie noch nie zuvor gesehen hatte.

So viele von Professor Agasas Erfindungen hingen an der Decke verstreut, die ihr bisher völlig fremd waren. Bei näherem Umschauen entdeckte sie auch endlich das waschmaschinenartige Gerät, das sie beim ersten Mal im Laboratorium gesehen hatte. Sie hatte immer noch keine Ahnung wozu und für was diese Vorrichtung erbaut wurde. Für sie war es immer noch eine skurrile Art einer Waschmaschine. Sie grübelte eine Weile darüber, bis sie kurz danach aufgab und sich ins Bett legte.

„Ich werde nicht zulassen, dass du weitermachst. Bei allem was mir wichtig ist, ich kann sie dieser Gefahr nicht aussetzen."

Warum fallen ihr gerade jetzt die Worte Conan's ein? Er hatte sich so sehr für sie eingesetzt und letztenendes sie konnte ihm nie etwas dafür erkenntlich zeigen. Sie hatte sich auch nicht bei ihm dafür bedankt, wahrscheinlich hatte sie es zuvor vergessen und es war ihr erst jetzt eingefallen. Natürlich war sie auch zum Teil wütend auf ihn, weil er vor Ai laut geworden ist.

„Warum kann ich ihm nicht einmal etwas Bedeutsames zurückgeben?", sagte sie und kuschelte sich umso mehr an die Decke.

„Ich mache dann mal das Licht aus.", sagte Ai und nahm den Kaffee vom Küchentisch.

„Alles klar, gute Nacht, Ai.", ertönte die entfernte Stimme des Professors, der auch gerade dabei war, sein Labor für den heutigen Tag zu schließen.

„Gute Nacht.", rief sie zurück und ging mit ihrem Kaffee die Treppe hinunter zum Flur. Während sie die Treppe zu ihrem Zimmer nahm, nippte sie ein paar Male an ihrem Kaffee und machte sich Gedanken über Ayumi's zukünftige Tests. Obwohl sie den Kaffee nicht zu Ende getrunken hatte, stellte sie ihn trotzdem auf den Schrank neben ihrem Bett hin. Sie selbst schaltete das Licht in ihrem Zimmer aus, legte sich nach einer Weile auch zum Schlafen ins Bett und war etwas später auch kurz vor dem Einschlafen, bis etwas ihren Schlaf störte.

Tipp! Tapp! Tipp! Tapp!

Was könnte das gewesen sein? Sie versuchte die Geräusche so gut wie möglich zu ignorieren, doch sie hörten nicht auf, sondern wurden lauter.

Tipp! Tapp! Tipp! Tapp!

Waren das Schritte? Ai konnte nun die Geräusche nicht mehr unterdrücken und entschied sich vom Bett aufzustehen, um nach dem Lärm zu sehen, der ihrem Zimmer immer näher zu kommen schien. Doch noch bevor sie nach dem Türknauf greifen konnte, ging sie schon von selbst auf. Vor ihr stand Ayumi, die sich vor Müdigkeit die Augen rieb und gähnte.

„A-Ayumi?"

„Ich… Ich kann nicht einschlafen.", sagte sie und schaute etwas verlegen.

„Was ist denn los?", fragte Ai besorgt.

„Weiß ich nicht…"

„Und was glaubst du soll ich da bei so einer Antwort tun?"

Das Resultat: Ayumi und Ai lagen sich beide gegenüber auf ihrem Bett, sodass sie sich gegenseitig ins Gesicht sehen konnten.

„Kannst du so besser schlafen, Ayumi?"

„Ja, ich denke schon.", sagte sie.

„Na dann ist ja gut.", antwortete Ai und drehte sich um, um besser schlafen zu können. Nach einiger Zeit legte sich auch wieder die Stille über das Zimmer, nur um von Ayumi gebrochen zu werden.

„Ai, schläfst du noch?"

Keine Antwort. Ayumi's Ausdruck zeigte ein Hauch von Besorgnis.

„Es tut mir leid. Ich bin euch allen dankbar für alles, was ihr für mich getan habt. Ich…"

Immer noch keine Antwort.

„Aber ich… ich kann euch leider nichts davon als Dank zurückgeben."

Schon wieder keine Antwort. In ihrer Stimme machte sich schon pure Verzweiflung breit. Sie zögerte diesmal etwas länger, bevor sie fortfuhr.

„Ich bin euch wahrscheinlich doch nur ein Klotz am Bein..., o-oder?"

Nach einer kurzen Pause kam doch noch eine Antwort.

„Sag doch so etwas nicht. Du bist niemals jemand, die ihre Freunde jemals im Stich lassen würde. Wir tun im Endeffekt nur das, was du für uns tun würdest. Und ehrlich gesagt, beneide ich dich sogar ein wenig."

„Was?"

Ai beneidete sie? Jemand so willensstarkes wie sie beneidete Ayumi?

„Ich wünschte sehr, ich könnte auch so ein friedvolles Leben führen wie du es kannst. Du musst dir über nichts anderes Gedanken machen als über die Schule oder über deine Freunde… im Vergleich dazu hatte ich nie irgendwelche Freunde gehabt."

Damals? Was meinte sie mit damals? War sie die ganze Zeit immerzu nur alleine? Eine weitere Pause markierte den Gesprächsabschnitt. Dann ergriff Ayumi das Wort.

„Du hast doch uns. Wir von den Detective Boys würden dir immer zur Seite stehen. Egal was passiert, du kannst doch immer noch zu uns kommen."

Ai lachte.

„Irgendwann geht doch alles zu Ende, nicht wahr?"

Ayumi war perplex. Was redete sie da für einen Blödsinn? Sie zog Ai zu sich und drehte sie so um, sodass sie sich beide gegenseitig in die Augen sahen. Ihre Gesichter waren sich jetzt so nah, dass Ai ihren Atem, ihren Puls und ihre Körperwärme spüren konnte. Ihre Augen weiteten sich vor Überraschung.

„Du bist nicht allein, Ai…", sagte sie mit so einer Zielstrebigkeit, dass Ai für eine kurze Zeit inne hielt. Diese Zeit nutzte Ayumi aus, um sie näher an sich zu drücken.

Die Wärme, die Ayumi auf sie absonderte und Ai umgab, fühlte sich fast an wie die von Ran. Ai hatte sie immer als ältere Schwester angesehen, doch jetzt, wo Ayumi mit ihrer älteren Gestalt an ihrer Stelle lag, fühlte sie dieselbe Geborgenheit, wie sie bei Ran hatte nur diesmal viel intensiver. Sie schaute auf zu Ayumi's Gesicht und sah, wie sie trotz ihrer Probleme, die sie ihr vor kurzem geschildert hatte, ein strahlendes Lächeln aufsetzte. Fast so wie das Gesicht einer älteren Schwester. Ihrer älteren Schwester.

„Ah…", brachte sie heraus.

Ohne es zu wissen, nahm sie ihre Hände und fasste ihr an die Wange, nur um dieses Gefühl der Geborgenheit zu intensivieren. Es war ein Gefühl, nach dem sie sich so lange gesehnt hatte.

„Akemi…", flüsterte sie im Stillen.

„Aber Ai, du weinst ja… ist alles okay bei dir?", fragte Ayumi besorgt.

Ai, die gar nicht erst bemerkt hatte, dass sie weinte, fuhr hoch, drehte sich um und wischte sich die Tränen vom Gesicht.

„A-Alles gut. Mir geht's gut. Alles okay.", wiederholte sie mehrmals.

Ihr Herz klopfte wie ein Presslufthammer unaufhörlich im hohen Tempo. Sie konnte sich dieses Gefühl nicht erklären, aber es war da. Solche Worte hatte ihr schon jemand zuvor gesagt.

„Dann bin ich ja erleichtert.", flüsterte Ayumi und hielt sie ganz fest bei sich. Die ganze Nacht lang verbrachten sie in dieser Position, damit Ai sich daran gewöhnen konnte.

Als Ayumi am nächsten Morgen aufwachte, war Ai schon aufgestanden. Immer noch Schlaftrunken schlürfte sie die Treppen entlang hoch zum Flur. Sie erblickte Ai, wie sie auf einem Hocker stand und sich gähnend einen Kaffee in ein Glas schüttete.

„Guten Morgen, Ayumi. Wie ich sehe hast du heute Nacht einen guten Schlaf, nicht wahr?", sagte sie.

„Oh, dir auch einen guten Morgen, Ai. Ja, dank dir konnte ich diesmal besser einschlafen.", begrüßte sie sie.

Sie sah eine Weile zu wie Ai den Kaffee probierte.

„Danke nochmals wegen heute Nacht, dass ich bei dir schlafen konnte. Ehrlich gesagt haben mich deine Worte gestern aufgeheitert."

Ai sah sie für eine kurze Zeit innehaltend an, dann nahm sie emotionslos den Kaffeebecher vom Tisch und hüpfte vom Hocker.

„Freut mich."

Ayumi sah ihr nachdenklich zu, wie sie mit dem Kaffee in der Hand die Halle verließ und den Flur hinunter ging.

„Ach ja und Ayumi?", rief sie vom Flur aus.

„Ja, was ist?"

„Ich fang heute Mittag mit den Tests an, also bis dahin kannst du machen, was du willst. Ich bin derweil unten in meinem Zimmer, wenn du mich brauchst, ja?"

„Alles klar!"

Während Ayumi sich den Kopf zerbrach, wie sie bis zum Mittag die Zeit totschlagen könnte, las Conan in der Detektei auf dem Sofa die Zeitung, die derzeit über die neusten Geschehnisse im Falle Saitama berichtete. Er las nicht oft die Zeitung, ganz im Vergleich zu einem gewissen Stümperdetektiven, der vor seinem Schreibtisch auf dem Sessel saß und laut vor sich hin scharchte. Pah, wenn der Idiot mal keinen Auftrag bekommt, pennt und säuft der den ganzen Tag durch. Beweis dafür sind die ganzen Bierdosen, die sich auf seinem Schreibtisch stapelten. Höchstwahrscheinlich hatte er sich gestern einen zu viel vor die Latte gekippt und schlief sich jetzt seinen Rausch aus.

Conan seufzte und schreckte gleich danach sofort auf, als das Telefon auf den Tisch anfing zu klingeln. Er war wenigstens nicht der einzige, denn auch der schlafende „Meisterdetektiv" fuhr bei der Lautstärke zusammen („Wasisn… oh… ooh… ooooaaahhh!") und fiel mit einem Karacho vom Drehstuhl. Er musste sich zwingen nicht zu lachen, sonst würde er wie immer eine von ihm gewischt kriegen. Ran, da tust du mir irgendwie leid, dachte er sich, während er mit einem leichten Grinsen zusah, wie der Tölpel immer noch im schlaftrunkenen Zustand förmlich auf den Tisch kletterte und den Hörer abnahm.

„Ha-Hallo, Detektei Mori… Ja… Der bin ich…"

Seine Augen begannen plötzlich voller Ergeiz zu funkeln.

„Ja! Ganz richtig… WAS?! EINANDHALB MILLIONEN?", rief er urplötzlich so laut, das Conan voller Schreck zusammenfuhr.

Jetzt war er in seinem Element. Ab da konnte ihn nichts mehr aufhalten. Conan starrte ihn mit ungläubigen Augen an. Hat er allen Ernstes jetzt einen neuen Fall bekommen? Naja, das war ja auch nicht wirklich verwunderlich, denn er hat sich ja dank ihm einen Namen als der „schlafende Kogoro" gemacht.

„Wie...? U-Und wo ist das…? Verstanden… Ich werde mich sofort dorthin begeben! Auf Wiederhören.", sagte er und legte den Hörer auf.

„Endlich, es geht loohos!", rief er aufgeregt und wollte schon loslaufen, als er über seinen eigenen Hosen stolperte und mit dem Gesicht gegen die Wand krachte. Er hatte sie wohl in aller Eile vergessen wieder nach seinem Alkoholrausch anzuziehen. Conan konnte nicht mehr, er prustete und lachte was das Zeug hielt.

„Du kleiner Rotzbengel, ich geb dir gleich… Komm her!", schnaubte Kogoro und sah wütend zu ihm rüber.

„Oh nein."

Conan, der realisiert hatte, was jetzt gleich auf ihn zukommen wird, machte sich so schnell wie möglich davon, doch diesmal war Kogoro schneller und packte ihn am Kragen, bevor er es schaffte sich irgendwo zu verschanzen, wo er nicht heran kam, um ihm eine Abreibung zu verpassen, die sich gewaschen hatte.

„Ahh, es tut mir leid, es tut mir leid, es tut mir leid!", schrie Conan wiederholt, als er spürte, wie er den Boden unter den Füßen verlor und von Kogoro hochgehoben wurde.

„Verdammt noch mal, bin ich die einzige Intelligente hier im Haus, oder was?", seufzte sie.

Ran, die sich währenddessen im Oberen Stock befand und gerade das Mittagessen kochte, merkte, was für einen Lärm die beiden da unten verursachten und stellte die Temperatur des Herds ab, um den Topf abkühlen zu lassen, da sie ohnehin schon fertig war. Tagein, Tagaus immer derselbe Mist mit den beiden, dachte sie.

„Langsam sollten diese zwei endlich lernen miteinander auszukommen, sonst wird das nie was.", sagte sie und seufzte wieder, während sie die Treppe hinunterging zu dem Raum, von wo die gedämpften Stimmen herkamen.

„Hör a-auf damit, Conan… Aua!"

„Lass mich endlich runter, Onkel!"

„Halt die Klappe, du Wicht hast hier gar nichts zu melden! Auahh… mein Finger, das war mein Finger…! Na warte, ich geb dir gleich eine!"

„Auaaahh! Fass mich nicht an! Lass mich runtaaaahhh...!"

BAMM! WOMM!

Beide staunten nicht schlecht mit welcher Wucht die Tür aufgetreten wurde und wunderten sich gleich darauf, wie zur Hölle sie nach diesem Tritt immer noch heil blieb. Und vor dieser Tür stand eine sehr wütende Ran, die aus der Sicht der beiden sich zoffenden aussah wie ein Dämon, der sie nach Belieben kurzerhand mühelos ins Totenreich schicken könnte.

„Und was soll das werden, wenn's fertig ist?", schnaubte sie im bedrohlichem Ton.

Conan und Kogoro, die sich vor einem Augenblick noch in den Haaren lagen, erstarrten plötzlich wie auf Befehl sofort zu Stein. Ein letztes Mal noch sahen sie wie Ran schon ihre Faust drohend hob und wollten sich rechtfertigen in der Hoffnung, noch mit dem Schrecken davon zu kommen.

„Oh ha-hallo R-Ran, w-wie geht es dir denn...?"

„G-Guten Tag, M-Mausebein, ist a-auch alles o-okay...?"

Sie sahen sich gegenseitig an, als sie merkten, dass das ihr Ende nur hinauszögern würde und zeigten auf den jeweils anderen mit einem „Er war's!".

Das Ergebnis: Beide saßen am Esstisch eingeschüchtert und mit jeweils einer großen Beule auf ihrem Schädel und aßen still die Suppe, die Ran für sie zu Mittag gekocht hatte.

„Was habt ihr zu eurer Verteidigung zu sagen?"

„Es tut uns leid, Ran.", sagten beide im Chor auf, als hätten sie den Text für diesen Auftritt extra geprobt. Sie seufzte.

„Meine Güte, Paps, bei Conan kann ich das ganze noch verstehen, er ist noch ein Kleinkind, aber dass du dich da auch noch einlässt…", beschwerte sie sich.

„Schatz, ich kann das alles erklären, aber…"

„Du hast einen Auftrag bekommen, richtig?", sagte sie.

„J-Ja…, wie hast du das erraten?", antwortete er verwundert. Sie hob die Augenbraue.

„Wenn du hier anfängst herumzubrüllen, was soll ich alles sonst vermuten, als entweder das oder eine neue Livevorstellung deiner Lieblingsidol im Fernsehen. Da braucht es keinen detektivischen Scharfsinn, um dahinter zu kommen."

Da hat sie Recht, dachte Conan, der mit leichtem Grinsen einen Blick auf das verwirrte Gesicht des Stümperdetektivs warf.

„Yoko hat hiermit nichts zu tun. Ich habe nur per Anruf einen Einandhalb Millionen Yen Auftrag angenommen.", sagte er zufrieden mit stolzgeschwellter Brust.

„Oh wirklich?", antwortete sie, ohne mit der Wimper zu zucken.

„W-Warum so das Desinteresse, Ran?", fragte dieser, sichtlich enttäuscht von ihrer unerwarteten Reaktion.

„Weil jedes Mal, wenn wir solche Fälle lösen, es meistens den Auftraggeber trifft und wir stattdessen nur mit Verlusten zurückkommen."

Da hat sie nicht unrecht, aber…, dachte Conan.

„Woah Ran, jetzt warte doch einen Moment. Wir können doch nicht einfach zusehen wie jemand stirbt und danach einfach von den Personen, die es seelisch betrifft, das Geld verlangen. Das wäre sonst unmoralisch.", erwiderte er, der seine Hand vor Ran hielt, um sie so aufzuhalten.

„Oh, das… Tut… Tut mir leid, das habe ich nicht bemerkt. Das war schrecklich von mir.", sagte sie sichtlich erschrocken und hielt sich die Hand vor dem Mund.

„Schon gut, Mausebein. Lasst uns erst einmal zum Auftraggeber fahren. Wenn er uns schon so eine riesige Summe vorgegeben hat, muss es was wirklich wichtiges sein.", antwortete Kogoro, um das Thema zu wechseln, da er ganz genau wusste, das sie auf solche sensitive Sachen empfindlich reagierte.

„Was ist es eigentlich für ein Auftrag?", fragte Conan neugierig.

„Ich muss auf eine Person acht geben."

Ach so, also so etwas wie ein waschechter Babysitterdetektiv, dachte sich Conan und grinste erneut.

„Weitere Details stehen noch aus und wir werden über Näheres noch reden, wenn wir da sind."

„Und wer ist der Auftraggeber?", fragte Ran.

„Ein gewisser Herr Yuzaki Ichigo. Der Name sagt mir leider nichts, was das angeht.", antwortete Kogoro und rieb sich nachdenklich seinen Schnauzbart.

„Warte, echt jetzt, Paps?!", rief Ran aufgeregt und auch Conan's Augen weiteten sich vor Aufregung.

„Wie, was seht ihr mich denn an? Hab ich was verpasst?", sagte Kogoro überrascht über deren plötzliche Reaktion.

„Wie, du kennst sie wirklich nicht?", fragte ihn Ran.

„Natürlich kenne ich ihn nicht! Ich bin ja auch niemand, der seine Zeit mit Sozialem Krimskrams, oder Twitter oder wie auch immer ihr sie nennt, verschwendet. Ich bleibe beim realen Leben, nein danke.", antwortete er genervt und verschränkte beleidigt seine Arme.

„Also, der Mann, mit dem du letztens gesprochen hast, war niemand anderes als der Leiter des Ichigo Konzerns. Sie selbst leiten mehrere ganz bekannte Firmen und konkurrieren seit kurzem stark mit dem Suzuki Konzern.", erklärte Ran aufgeregt.

„Warte, du meinst doch nicht wohl damit den Konzern, den Sonokos Großvater betreibt?", fragte er mit offenen Augen. Da hat er es endlich geschnallt, dachte Conan.

„Unfassbar, dass dich heute jemand so unglaubliches angerufen hat.", rief Ran und klatschte voller Freude in die Hände, während Kogoro ungläubig mit offenem Mund und Augen an die Decke starrte.

„Ich hatte nicht gedacht, dass jemand so wichtiges mich jemals brauchen würde.", murmelte er, während sie die Autobahn entlang eines Bergpasses fuhren.

„Ich bin mir sicher, heute essen wir wie die Könige, oder Conan?", sagte Ran und wandte sich an Conan, der hinter ihr im Rücksitz saß.

„Jap!", antwortete Conan voller Vorfreude.

„Haach, ich kann es kaum schon erwarten, zu erfahren, wie deren Haus aussehen würde. Wahrscheinlich ist es auch kein normales Haus, sondern eine riesige Villa mit wunderschönem Ausblick auf die Berge!", schwärmte sie, während sie aufgeregt aus dem Fenster schaute.

„Du freust dich wohl sehr auf den Aufenthalt, oder Ran?", bemerkte Conan.

„Natürlich, warum nicht. Jedes Mädchen wünscht sich doch mal wenigstens einen Tag wie eine Reiche zu leben.", erwiderte sie mit genervter Miene.

Nicht nur Mädchen, Ran, dachte Conan und lachte verlegen. Aber irgendwie ist es schon merkwürdig, dass ausgerechnet jemand von so hohen Kreisen Kogoro's Hilfe braucht. Conan runzelte die Stirn. Bei einem normalen Konzern wäre es weniger auffällig, aber der Fakt, dass sie sogar dem Suzuki Konzern Konkurrenz machten, war schon ein guter Grund, um ein paar Gedanken darüber zu verlieren. So ein Konzern müsste schon Millionen, wenn nicht Milliarden jeden Tag machen. Und dass ausgerechnet der Leiter selbst anruft und nicht irgendein Sekretär oder jemand, der für private Anrufe zuständig ist, ist allein an sich auch schon merkwürdig genug. Warum also gehen sie so förmlich damit um?

„Wir sind bald da. Und da ist es, das Ichigo Anwesen.", antwortete Kogoro und tatsächlich: Hinter einem der Berge erschien doch noch ein enorm geräumiges Gebäude umrandet von lauter Bäumen und doch sah es aus, als verspräche es eine unglaubliche Aussicht auf die Wälder gegenüber des Berges. Sieht eher nach einer dreistöckigen Villa aus, dachte Conan und lehnte sich umso mehr an die Glasscheibe.

„Wow, einfach wunderschön. Ich frag mich wie die Aussicht dort so ist.", hörte er Ran staunen.

„Jetzt wartet erst einmal bis wir da angekommen sind, ja?"

„Ja, Paps."

Während sie die Anhöhe hochfuhren, entdeckten sie eine Stadt nahe des Anwesens. Anscheinend haben die sich's hier einigermaßen gut eingerichtet, denn nach einer knappen Viertelstunde kamen sie auch bei der Villa an. Von näherem Betrachtet, sah das Gebäude umso prunkvoller aus und das war auch bei Weitem nicht zu übersehen. Sie parkten das Mietauto an einem Parkplatz und liefen den Asphaltweg entlang, bis sie zu einem riesigen grauen Tor ankamen, das mit einem Sensor, einer goldenen Klingel und einer Sprechanlage ausgestattet war.

„Hmm… für ein so großes Unternehmen, sind sie schon ziemlich neumodisch.", murmelte Kogoro, während er die Klingelvorrichtung gründlich in Augenschein nahm. Bevor er überhaupt klingeln konnte, ertönte schon eine Stimme aus dem Lautsprecher über der Klingel.

„Hallihallohallöchen, Leute! Wir haben euch schooon erwartet. Ich habe einiges für euch vorbereitet und kann es kaum erwarten mit euc- Au… lass das!"

Aus dem Lautsprecher mischte sich jetzt eine andere Stimme mit ein und diesmal war es ein Mädchen.

„Jetzt… lass mich doch mal ran, verdammt!"

„Hör auf mit dem Blödsinn…!"

Conan und Ran sahen sich gegenseitig verwirrt an und fragten sich gegenseitig, was da passiert sein könnte. Kogoro stand völlig perplex vor der Klingel und kratzte sich nachdenklich am Kopf.

„Ähmm… Endschuldigung, ist alles okay bei Ihnen da drüben?"

„Ja, alles in Ordnung, hehe… Uwaaah!", antwortete die männliche Stimme der Beiden. Anscheinend stritten sie sich gegenseitig um den Hörer.

„Hallo? Ist alles in Ordnung bei Ihnen?", rief Kogoro besorgt ins Mikrofon.

„Nein Natsume, lass das! Leg das Ding wieder runter. Vater hat dir schon gestern gesagt, dass du es nicht benutzen darfst! Leg das Zeug weg, sonst… ahhh…"

Donk! Irgendetwas Metallenes schlug auf hartem Grund ein. Kogoro, Ran und Conan fuhren gleichzeitig zusammen. Danach war es still für ein paar Sekunden, bis die weibliche Stimme wieder den Hörer ergriff.

„Verzeihen Sie bitte meinen Bruder, er weiß manchmal leider nicht, wie man sich zu verhalten hat. Ich bin wirklich untröstlich."

„Vollidiot.", murmelte sie zusätzlich und man konnte ein weiteres DONK vernehmen, bevor der Buzzer ertönte und die Tore sich automatisch öffneten.

„Was war das denn für eine Zirkusvorstellung?", fragte Kogoro nachdenklich und verwirrt zugleich.

Naja, bei irgendwem mussten sie es ja abgeguckt haben, hehe, dachte sich Conan und lächelte schwer. So betraten sie letztenendes das Anwesen, das für Conan eine völlig neue Wendung einschlug.

– Kapitel 8 ENDE –