*Dieses Kapitel ist noch nicht vollständig. Dialoge und Ereignisse könnten sich im Laufe der Zeit leicht ändern.*
Kapitel 9
Überall wo sie hin sahen, erblühte der Garten mit der größten Farben- und Artenvielfalt an verschiedenen Pflanzen und Blumen, die die Passage zum Anwesen schmückten. Es war zwar nicht das erste Mal, dass sie so eine Pracht an Flora erblickten, aber dieser Ort war wahrlich nicht nur ein wunderbarer Augenschmaus für den ein oder anderen Floristen, nein, auch Conan, Ran und Kogoro konnten sich nach Belieben an diesem Ort erfreuen.
„Wie wunderschön es hier ist… Ich hätte nie gedacht, einen so prachtvollen Garten betreten zu dürfen!", staunte sie, als sie am großen Garten vorbeilief, der ihr vor lauter Ausmaß vorkam wie ein niemals endendes Blumenmeer.
„Jetzt warte doch, Ran, stell ja nichts falsches an!", rief Kogoro ihr besorgt nach.
„Ach komm schon Paps! So etwas wunderbares erleben wir ja nur einmal, warum nutzen wir dann nicht die Chance und sehen uns alles erst einmal an?", sagte sie und man konnte schon von weitem erkennen, dass sie schmollte. Kogoro seufzte.
„Na schön, da hast du einen guten Punkt."
Conan lachte nur schief und grinste sarkastisch. Je näher sie der Villa näherten, desto mehr kam es ihm wie ein waschechtes Schloss vor. Irgendwie hatte er das komische Bedürfnis jetzt nach dem Gesamtpreis des Grundstücks zu fragen, nur um sich ein klareres Bild davon zu machen, wie reich die Familie wirklich sei.
„Dafür reicht es also, um mit den Suzukis zu konkurrieren. Unglaublich, da kommen mir ja die einanhalb Millionen wie gar nichts vor.", antwortete Kogoro, sah sich auch um und staunte mit offenem Mund, während er und seine Familie den Kiesweg zum Eingang der Villa entlang gingen.
Bei der Tür angekommen, sahen sie schon einen Mann vor ihr stehen, der einen schwarzen Anzug, weiße Handschuhe und eine schwarze Krawatte anhatte. Seine kurzen braunen Haare wehten im Wind, während er sich zuerst verbeugte, bevor er das Wort ergriff.
„Willkommen, Herr Mori, wir haben sie sehnsüchtig erwartet.", sagte er und erhob sich wieder. Er schien in seine Jahre gekommen zu sein. Conan schätzte sein Alter zu ungefähr 40 Jahren oder sogar älter, ein.
„Ach so, sie müssen also der Herr Ichigo sein, richtig? Es freut mich, Sie kennen zu lernen.", antwortete Kogoro und pirschte förmlich auf ihn zu.
„Wie bitte? W-Warten Sie, so ist das nicht, ich…", wollte der Mann sagen, aber Kogoro unterbrach ihn.
„Ich danke ihnen sehr für die Einladung, meine überaus hervorragenden detektivischen Fähigkeiten stehen ihnen großzügig zu Verfügung.", sagte er, während er ihm wie ein Irrer aufgeregt die Hand schüttelte. Der Mann stand mit offenen Augen vollkommen verwirrt da und wusste nicht was er dazu sagen sollte.
„W-Wie schon gesagt, Sie verstehen mich falsch…", sagte er und hob abwehrend seine freie Hand in der Hoffnung, das Missverständnis aufklären zu können, aber Kogoro unterbrach ihn abermals.
„Nein, Sie müssen dazu nichts sagen. Ich weiß, dass Sie sich sehr auf meine Wenigkeit verlassen und ich verspreche Ihnen, dass ich meine Pflicht mit Bravour meistern werde, sowahr ich Kogoro Mori heiße!", sagte er und rümpfte voller Stolz und Ehrgeiz die Nase. Conan sagte dazu nichts, sondern lächelte nur stumpf. Ran im Gegenzug schlug die Handfläche vor die Stirn und lief ihrem Vater, der sich vor dem Bediensteten zum Affen machte, entgegen. Jetzt blamierte sich auch noch ihr eigener Vater bei einem reichen Konzern. Wie tief konnte man da noch sinken?
„Jetzt ist aber Schluss, Paps. Siehst du nicht, dass das nicht dein Auftraggeber ist?", sagte Ran, die hinter ihm stand und an seinem Ohr zog, wie eine Mutter, wenn ihr Sohn wieder etwas angestellt hatte. Der Mann stand währenddessen völlig verlegen vor den beiden und kratzte sich am Hinterkopf. Kogoro hielt inne und sah sie mit verwirrten Augen an.
„W-Wie denn jetzt bitte?", antwortete der verdutzte Stümperdetektiv, als er merkte, dass er gerade einem Butler des Anwesens die Hand zu Tode schüttelte.
„Oh entschuldigen Sie bitte. Tut mir leid, scheint so als hätte ich Sie mit jemandem verwechselt.", konnte er noch sagen, bevor Ran an ihm vorbeizog und mit errötetem Gesicht den Butler um Entschuldigung bat.
„Macht nichts, macht nichts. Schon gut, kann jedem mal passieren.", antwortete dieser mit einem verlegenen Lächeln.
„Ach ja, mögen Sie bitte eintreten, mein Herr erwartet Sie nämlich schon.", fügte er noch hinzu und öffnete ihnen die Tür zum Anwesen.
Die Eingangshalle war enorm im Vergleich zu dem vom Professor und die Drei spazierten kurz darauf durch die Halle und könnten sich nicht genug an ihr sattsehen. Überall hingen teure Gemälde deren manche Umrisse aus echtem Gold zu sein schienen. Die Wände des Hauses bestanden größtenteils aus unbearbeitetem Holz und weiß gestrichenen Betonwänden und verliehen dem Eingang ein gemischtes Aussehen von altem und modernem minimalistischen Stil. Sie konnten es nicht leugnen, die Familie wusste wie man das Geld sinnvoll ausgab. Am Ende der Eingangshalle befand sich eine breite Treppe, die zur ersten Etage führte.
„Ich fass es nicht, das ist einfach nur unglaublich.", staunte Kogoro, während er die Eingangshalle genau in die Lupe nahm und plötzlich eine uralte Vase entdeckte, die auf einem Podest in einer Glasvitrine stand. Ran folgte seinem Blick und ihre Augen verengten sich mürrisch.
„Denk nicht mal dran sie anzufassen, Paps. Wir wissen nicht wie viel die Vase da kostet und wenn du das Ding kaputt machst, dann müssen wir dafür die Zeche prellen.", antwortete sie genervt.
„Das weiß ich doch, jetzt beruhige dich, Ran. Du weißt ja wie vorsichtig ich bin.", erwiderte er mit genervter Miene und näherte sich der Vase, um sie näher zu betrachten. Dann bemerkte Ran, dass jemand an ihrem Shirt zog und sah nach unten.
„Ich will auch gucken, Ran, bitte!", sagte Conan und sah sie mit den unschuldigsten Kinderaugen an, die er aufsetzen konnte. Ran schlug die Handfläche vor die Stirn und seufzte.
„Na schön, aber mach mir ja nichts kaputt, okay?"
„Hab verstanden.", sagte er und lief hinüber zum Podest mit der Vitrine, denn etwas anderes hatte seine Aufmerksamkeit gewonnen. Irgendetwas schien von der Vase aus zu schimmern, wahrscheinlich wurde diese gewisse Stelle von den Lampen über ihnen reflektiert. Die Stelle war rund und Conan bemerkte, dass sie dort ein kleines Glasloch beherbergte. War das vielleicht eine Kamera? Wenn ja, was macht sie dann hier? Er versuchte näher an ihr zu kommen, um sich die Stelle genauer anzusehen, um sich zu vergewissern, dass er richtig lag und kletterte das Podest hoch, doch plötzlich verlor er den Kontakt zur Vitrine und wurde wieder von einem sehr mürrischen Kogoro am Kragen gepackt und hochgehoben.
„Hey, was fällt dir ein das Podest hochzuklettern, du kleiner Nervenzwerg. Hast du Ran denn nicht zugehört? Du weißt ganz genau was passiert, wenn die Vitrine zu Bruch geht.", beschwerte er sich wütend und hielt sich den kleinen Störenfried vor die Augen.
„Ja, aber guck doch selbst mal nach, Onkel. Siehst du die Stelle dort oben auf der Vase?", bemerkte Conan und zeigte mit dem Finger auf die Stelle, wo sich die Kamera befand.
„Hä, was für ne Stelle denn?", fragte Kogoro gereizt und betrachtete die obere Hälfte der Vase.
„Na, guck doch genau hin, Onkel. Siehst du da etwas schimmerndes?"
Kogoro rückte näher an die Vase und betrachtete sie noch genauer. Nach einer Weile fragte Conan: „Und? Schon was entdeckt?"
„Willst du mich etwa hier anlügen oder was? Da ist nichts!", antwortete er wütend und drehte sich um und sah ihn genervt mit gehobener Augenbraue ungläubig an.
„W-Was meinst du denn?", stockte Conan mit einem schiefen Grinsen im Gesicht.
„Na hier, sieh doch mal selber genau hin, du Dreikäsehoch! Siehst du da vielleicht irgendetwas schimmern, häh?"
„Ich guck ja schon!", sagte er und betrachtete die Vitrine erneut.
„Hä?"
Er starrte ungläubig mit weit geöffneten Augen auf die Vase. Tatsächlich, die Kameralinse war plötzlich verschwunden! Wie ist das möglich? Er hatte keine Geräusche oder derartiges Surren von dieser Vase entnehmen können und Kogoro und er waren die einzigen die bei der Vase gewesen sind.
„Genug geplänkelt, wir sind ja eh nicht zum Blödsinn treiben hier, sondern haben einen Auftrag zu erledigen, hast du mich verstanden?", sagte Kogoro und riss seinen Gedankengang von der Vitrine ab.
„Heeeerzlich Willkommen, Herr Mori! Wir freuen uns Sie hier bei uns begrüßen zu dürfen.", hörte er plötzlich eine Stimme von hinten rufen, fuhr dabei zusammen, und verlor das Gleichgewicht, da er Conan in der rechten Hand noch gepackt hielt.
„Wa-wa… oooaaaaah!"
„Paps, was zum…!", rief Ran, die zuvor unaufmerksam war und sich erst jetzt beim Gejaule ihres Vaters bewusst war, dass sich ihre Befürchtung bestätigt hatte, doch jemand hielt sie zurück.
„Schon gut, ich kümmer mich darum."
„Wie?", sagte sie voller Erstaunen, als sie zu ihm hinübersah. Ein Mann mittleren Alters, bei dem sie vermutete, dass er offensichtlich der Urheber der Stimme von vorhin war, stand vor ihr und lächelte sie freundlich an. Er trug eine weiße Weste unter der er ein rotes Shirt hatte. Seine Schuhe sahen im Vergleich zu seinem Oberteil und seiner Hose ziemlich altmodisch aus. Seine schwarzen Haare waren eine Mischung aus zerzaust und ordentlich, wobei sich Ran ehrlich gesagt zwischen den beiden nicht entscheiden konnte. Sie merkte, dass sie sich ablenken ließ und sah ihm zu, wie er gelassen zu den beiden Flitzpiepen ging. Kogoro währenddessen stieß in all seiner Tollpatschigkeit mit dem Ellenbogen gegen die Vase und bemerkte wie die Vitrine langsam hinter ihm nachgab und er zusammen mit ihr und dem Podest hinunterfiel.
Jemand betätigte den Knopf.
„Oh nein!", riefen er und Conan gleichzeitig, als die beiden zurücktaumelten und von der Betonwand abgefangen wurden.
Die Vase wurde von einem Roboterarm, das aus einer sich öffnenden Klappe an der Wand hervorschnellte und die Vase sicher aus dem freien Fall gefangen. Die Glasvitrine jedoch fiel auf den Boden, blieb aber wegen ihres robusten Baumaterials unversehrt. Der Roboterarm mit der Vase in der Hand schnellte rasch wieder zurück und verschwand hinter der Klappe, die sich kurz danach von selbst schloss. All das bemerkten sie aber nicht, denn ihre Aufmerksamkeit richtete sich kurzzeitig auf den Mann der vor ihnen stand und sie mit nachdenklichem Blick musterte.
„Also, wer von euch beiden ist ein gewisser Herr Mori nochmal?", fragte dieser.
„Bitte?", antwortete Kogoro verwundert, immer noch geschockt nach dem Vasenvorfall. Der Mann betrachtete sie mit einem sehr ernsten Gesichtsausdruck. Conan und Kogoro standen schon die Schweißperlen auf der Stirn. Werden sie sich jetzt auch noch nach allem was passiert ist hoch verschulden? Zu seiner Verwunderung begann der Mann vor ihnen plötzlich schallend zu lachen.
„Schon gut, ich mach nur Witze. Nett sie kennen zu lernen, Herr Mori."
Er scheint sich prächtig zu amüsieren, dachte Conan und lachte nur schief. Mann, der Typ nervt. Und außerdem könnte diese Pappnase ihn verdammt noch Mal endlich runterlassen?
„Äh… a-also wa-was die Vase angeht…", begann Kogoro stotternd und kratzte sich vor lauter Scham am Kopfrücken. Das machte er immer, wenn er versuchte sich zu rechtfertigen und doch ging das meistens nur in die Hose, dachte sich Conan und schaute genervt hoch zum Verantwortlichen, der ihn immer noch am Kragen gepackt hatte.
„Was denn für eine Vase?", fragte der Mann und sah sie mit einem strahlendem Lächeln an, als wären sie extra zu seiner Belustigung hierhergekommen.
„Aber da war doch…", begann Kogoro und bemerkte, dass die Vase nicht mehr vorhanden war. Conan bemerkte jetzt auch, dass sich dort, wo die Vase hätte einschlagen sollen, keine Spuren von Glassplittern und Keramikstücke auf dem Fußboden befanden.
„Was zum…? Was hatte das zu bedeuten?", antwortete er, als er sich dem Podest zuwandte. Er ließ Conan runter, der sich sofort auf die Suche nach einer Öffnung machte, wo die Vase verschwunden sein könnte. Nichts. Keine Spur einer Klappe. Und nun war auch er vollkommen sprachlos. Das kann doch nicht sein oder? Wie kann eine Vase so verschwinden? Vielleicht ist es ja unter dem Teppich? Er wollte den Teppich hochheben, doch plötzlich…
„Jetzt reicht es aber, Conan. Du und Paps habt genug Ärger angerichtet. Komm jetzt mit, wir gehen zum Wohnzimmer.", sagte Ran und zog ihn an seiner Hand zu sich und vom Teppich weg.
„Aber Ran, es wird doch gerade…"
„Kein aber, euretwegen haben wir der Familie einiges zu erklären. Ich denke, ihr habt schon genug angestellt.", unterbrach sie und schleifte ihn mit sich mit.
„Ihre Tochter hat recht, macht es euch zuerst etwas gemütlich hier, denn wie ihr schon wisst, haben wir heute etwas Besonderes mit ihnen zu besprechen.", sagte er und sein Gesicht veränderte sich zu einem hämischen Grinsen.
„Also doch!", riefen Kogoro und Conan gleichzeitig angsterfüllt.
„Wie bitte? Ein Drohbrief?", riefen alle drei zusammen. Sie befanden sich gerade im Wohnzimmer und machten es sich gegenüber des Mannes auf dem Sofa gemütlich. Das Wohnzimmer wurde von einscheinenden Sonne stark beleuchtet, sodass es nicht nötig gewesen wäre das Licht einzuschalten. Der Mann fuhr fort.
„Richtig, jedoch wurde nicht adressiert auf wen es der Autor abgesehen hatte.", sagte er im ernsten Ton.
„Ja, aber woher kommt der Drohbrief dann?", fragte Kogoro erstaunt.
„Alles was ich weiß ist, dass der Brief vorgestern in der Post angekommen ist und uns vorbeigebracht wurde. Das ist alles."
„Aber das heißt dann, dass es dem Autor gleich ist, wer sein Opfer ist, richtig?", antwortete Conan neugierig.
„Wenn du das so sagst, ja da könntest du Recht haben."
Er runzelte die Stirn und lehnte sich seufzend zurück. Während Kogoro und der Mann über den Fall weiterredeten, starrte Conan ihn mit nachdenklicher Miene an. Wenn das der Fall ist, dann müsste es der Täter auf die gesamte Familie abgesehen haben, kombinierte er in Gedanken und schaute an dem Sofa vorbei zur Tür, die zur Eingangshalle führte. Zusätzlich musste er auf jeden Fall herausfinden was es mit der Vase auf sich hatte. Wie konnte sie nur so plötzlich verschwinden? Ist sie vielleicht unbemerkt unter dem Teppich verschwunden? Das kann nicht sein, er hatte sie definitiv nicht aus den Augen gelassen, als es passiert ist, oder? Er dachte noch einmal nach. Das Podest stand neben dem Teppich, so viel war sicher. Und auf dem Podest stand die Vase mit der Glasvitrine. Als Kogoro gegen die Vase stieß, war die Vase nach hinten gefallen und aus irgendeinem Grund im Boden oder in der Wand verschwunden.
Aber warum wurde die Vitrine über ihr nicht gesichert? Normalerweise sollte sie dafür sorgen, dass die Vase nicht umgestoßen, geschweige denn beschädigt wird. Ihm schoss ein weiterer Gedanke durch den Kopf. Und wenn das ganze absichtlich wäre? Beobachtet sie gerade jemand in diesem Moment? Er stand vom Sofa auf und sah sich nach irgendwelchen Kameras im Zimmer um, doch vergeblich. Seltsam, wirklich seltsam.
„Wir möchten uns entschuldigen für das, was mit der Vase passiert ist. Womöglich war sie ziemlich teuer, richtig?", erkundigte sich Ran und verbeugte sich vor ihm, doch der Mann sah sie nur fragend an.
„Was denn für eine Vase?", fragte er nachdenklich und Kogoro und Ran hielten vor lauter Verwirrung inne.
„Warten Sie, haben Sie die Vase nicht auf dem Podest stehen sehen, als Sie uns begrüßt haben?", fragten sie beide gleichzeitig.
„Nein. Als ich in die Eingangshalle gekommen bin, habe ich sie nicht gesehen. Warum fragen Sie?"
„Aber sie war doch direkt neben uns, Sie hatten sie locker sehen können.", bestätigte Ran.
„So ist das nicht, ich habe nur das Podest gesehen, auf dem sich die Vase anscheinend befinden sollte."
„Wie haben Sie dann…?", begann Kogoro und wurde von Conan unterbrochen.
„Na, denk doch mal nach. Wie du weißt, standen wir beide vor der Vase und haben sie betrachtet, als er dich erschreckt hatte. Es ist einfach nur eine Frage der Perspektive, nicht wahr Onkel?", erklärte Conan mit einem kindischen Lächeln. Der Mann war erstaunt.
„Wow, so jung und schon so erfahren. Dieser Junge ist wirklich unglaublich, finden Sie nicht?", antwortete der Mann, als er aufstand und zu ihm ging und sich zu ihm hockte.
„Und wie heißt du, mein Junge?", fragte er ihn freundlich lächelnd.
„Ich heiße Conan, Conan Edogawa.", antwortete er und grinste zurück.
„Conan also. Hmmm… für einen kleinen Jungen weißt du wirklich viel, nicht wahr?"
Conan lachte verlegen und kratzte sich am Hinterkopf.
„Naja… also das... da-davon habe ich ja von Onkel Kogoro gelernt, genau!", antwortete Conan voller gespielter Begeisterung und drehte sich zum Stümperdetektiven.
„Stimmt doch, oder Onkel?", rief er ihm zu und zwang sich widerwillig zum breitesten Lächeln, das er aufbringen konnte. Kogoro, vollkommen überrascht wegen der Wendung, zögerte bis er endlich aufstand und frech die Nase rümpfte.
„A-Aber natürlich, das hat er alles von mir gehört. Sie verstehen ja, der kleine kann durchaus manchmal eine Nervensäge sein, aber er hilft mir hier und da ein wenig aus, hehehe.", protzte er und grinste, wie eine Hyäne verlegen über das ganze Gesicht.
„Gott, bitte töte mich.", murmelte Conan leise, sodass ihn niemand hören konnte und versuchte so gut wie möglich nicht vor ihm die Beherrschung zu verlieren.
„Ach ja, entschuldigen Sie. Ich merke gerade, dass wir vom Thema abgekommen sind.", fiel dem Mann auf nachdem er ihn eine Weile betrachtete.
„Aber nicht doch. Wenigstens konnten Sie uns dadurch ein wenig näher kennen lernen.", antwortete Kogoro schüchtern, als sie alle sich wieder hinsetzen. Der Mann nickte und legte einen bereits geöffneten Umschlag auf dem Tisch in der Mitte hin. Kogoro holte den Zettel im Umschlag mit einem Stirnrunzeln heraus und las den Inhalt laut vor.
„Meine letzte Warnung geht an die Familie, die mich und meine Anmerkungen ignoriert und ins Lächerliche geschändet haben. Möget ihr bis ins letzte Jahrhundert zu eurem wohlverdienten Ende kommen."
Er beendete den Text.
„Das ist alles? Was ist den eigentlich mit 'ins letzte Jahrhundert zum Ende kommen' gemeint, wenn ich so spontan fragen darf?", fragte er neugierig. Der Blick des Mannes wurde wieder ernst.
„Nun, so weit ich es vermuten kann, müsste dies auf einen Brandvorfall vor 30 Jahren anspielen.", sagte er nach einer kurzen Pause.
„Einen Brandvorfall?", wiederholten die Drei schockiert. Der Mann hatte jetzt ihr volles Interesse.
„Genau, in diesem Vorfall kamen eine Großzahl der Bediensteten wie auch mein Großvater ums Leben. Jedoch hat das Ereignis an sich nicht hier stattgefunden, sondern in der Nähe von der Stadt Hokkaido. Dort befand sich der alte Wohnsitz meiner Familie.", beantwortete er.
„Oh, das tut mir ja schrecklich leid für Sie.", antwortete Ran, doch er winkte ab und beruhigte sie.
„Schon gut, danke."
„Haben Sie denn den Vorfall selbst erlebt?", fragte Kogoro.
„Wie meinen Sie das?"
„Nun, ich vermute mal Sie müssten in diesem Falle noch ein kleines Kind gewesen sein, als das passiert ist."
„Nein, so ist das nicht. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht geboren worden.", antwortete er und lachte.
„Ach so, entschuldigen Sie bitte meine aufdringliche Frage."
„Kein Problem, wo wir schon dabei sind können wir uns gegenseitig ja besser kennenlernen. Oh und was das angeht… Tut mir leid, ich habe mich noch nicht richtig vorgestellt. Ich entschuldige mich vielmals.", sagte der Mann und verbeugte sich von den Drei ihm gegenüber sitzenden.
„Nicht doch, nicht doch, der Herr. Wir haben auch vergessen uns vorzustellen, hehehe…", sagte Kogoro und rieb sich verlegen am Hinterkopf. Der Mann reichte ihm die Hand und er erwiderte ihm mit einem festen Händedruck.
„Mein Name ist Kogoro Mori, aber Sie kennen mich ja schon."
„Wir haben uns natürlich gründlich um Sie erkundigt. Übrigens bin ich Fumiyoka Ichigo, der Sohn meines Vaters Yuzaki Ichigo und stellvertretender Leiter des Ichigo Konzerns. Nett, Sie erneut kennen zu lernen."
„Dann möchte ich Ihnen zu guter Letzt meine Begleitung vorstellen. Das ist meine Tochter Ran und der Dreikäsehoch neben ihr heißt Conan."
Dreikäsehoch. Bleh… Conan hasste es, wenn er ihn so nannte. Aber so wollte er nicht die Stimmung zu ruinieren und entschied sich die lächerliche Verhöhnung des Stümperdetektivs zu ignorieren.
„Sehr erfreut euch alle kennenzulernen.", sagte Fumiyoka und reichte Ran die Hand zur Begrüßung.
„Die Freude ist ganz meinerseits.", sagte sie und schüttelte ihm seine Hand. Sie wurde jedoch von einer unerwarteten Reaktion überrascht, die niemand in diesem Raum von ihm erwartet hätte. Er zog plötzlich an ihrer Hand und setzte sich zugleich auf die Knie, so als würde er ihr einen Heiratsantrag machen, um ihre Handfläche zu KÜSSEN?
„Wa-?", kam es aus ihr hervor.
Conan's Gesichtsausdruck blieb vorerst Erstaunt, wechselte jedoch augenblicklich zu Wutentbrannt. Wa-was zur Hölle fällt ihm ein? Ist das sein Ernst? EINFACH NUR UNERHÖRT!
„Ich bin zutiefst gerührt von Ihrem Erscheinen, sehr geehrte Ran. Worte können nicht beschreiben, wie sehr mich Ihr Aussehen umgeworfen hat.", sagte er zu ihr in einem schmalzigen Ton und sah sie mit seinen „prinzgleichen" Augen an, so als hätte er so eine Art der Annäherung schon mehrmals an anderen Mädchen geübt. Er hatte Conan schon vorher nicht gefallen und jetzt war er für ihn nur der letzte Müll. Aber wenigstens war nicht nur er derselben Meinung.
„Wa-was erlauben Sie sich denn mit meiner Tochter?", rief Kogoro wütend. Gut so, zeig's ihm, dachte Conan und ballte die Fäuste.
„Aber nicht doch, Herr Mori. Ihre Tochter kann mit ihrem bezaubernden Auftreten nichts dafür. Ich bin einfach nur unter ihrer bloßen Erscheinung einfach nur überwältigt.", antwortete der Mann, der offensichtlich keine Anzeichen von Schamgefühl zeigte. Ran währendessen stand mit leicht geschmeicheltem Gesicht auf der Stelle und wusste nicht was sie dazu sagen sollte. Verständlich, bei so einem Freak, dachte sich Conan. Fumiyoka ignorierte sie aber und wandte sich wieder Ran zu.
„Ich freue mich sehr Sie bei uns übernachten zu lassen, ehrenwerte Ran Mori. Auf dass wir auf ewig zusam-"
„Jetzt reicht es aber!"
Weiter kam er nicht, denn schon ertönte ein Geräusch hinter ihm, worauf ein weiteres Metallenes DONK! ertönte und der Mann mit entstelltem Gesicht K.O. zu Boden kippte. Hinter ihm befand sich ein kleines Mädchen, dass in der rechten Hand einen Metallbaseballschläger hielt und außer Atem auf ihm stützte. Das Mädchen hatte lange blonde Haare, die ihr zur Schulter herunterhingen und trug ein weiß-braun gestreiftes Shirt. Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn, dann räusperte sie sich und ging zu Kogoro, der die Situation verwirrt beobachtet hatte und verbeugte sich.
„Es tut mir zutiefst leid, dass ich nicht früher kommen konnte, um diese Situation zu verhindern. Er hat hier und da mal seine 'Phasen'.", entschuldigte sie sich vor den Dreien.
„U-und was ist mit ihm?", fragte Ran und zeigte auf den auf dem Boden liegenden Fumiyoka, der am Kopf schon blutete. Das Mädchen erhob sich.
„Dem geht's gut, mein älterer Bruder überlebt sowas.", sagte sie und rollte genervt mit den Augen.
„Dein älterer Bruder?", riefen alle Drei gleichzeitig. Das Mädchen hob dazu nur desinteressiert die Augenbraue.
„Ehrlich gesagt bin ich-", kam es gedämpft von unten aus ihm heraus. Er lag immer noch auf dem Boden wie ein Sandsack.
„Du hältst die Klappe!", schrie sie ihn an, worauf er gleich angsterfüllt anfing wie ein kleines Mädchen zu kreischen. Conan konnte bei dem Anblick nur noch schief lachen, während Ran und Kogoro immer noch verwirrt den beiden zusahen.
Ein paar Minuten später saßen sie alle wieder im Wohnzimmer und Fumiyoka hatte sich endlich wieder beruhigt. Das Mädchen neben ihm ergriff das Wort.
„Es freut mich herzlich sie alle bei uns willkommen zu heißen. Mein Name ist Natsume und ich bin die jüngere Schwester von diesem Nichtsnutz hier.", sagte sie und verbeugte sich erneut.
„Aber N-Natsume…", begann der Mann neben ihr.
„Was…?", sagte sie wieder im genervten Ton.
„N-Nichts…", brachte dieser kleinlaut hervor.
„Wie dem auch sei, wir haben uns kurzerhand entschieden euch bei uns übernachten zu lassen.", setzte sie das Gespräch fort.
„Warum denn das?", fragte Kogoro.
„Na warum wohl, erinnerst du dich nicht mehr an den Auftrag den der Vater der beiden per Telefon gegeben hatte?", erinnerte ihn Conan. Dieser dachte für eine Weile nach, bis er zustimmend mit dem Finger schnippte.
„Stimmt, ich glaube wir mussten auf irgendjemanden acht geben, richtig?"
„So ist es. Ihre Aufgabe ist vorerst auf meine Schwester aufzupassen. Bei dem Drohbrief, den ich Ihnen gezeigt hatte, betrifft es wie sie schon wissen, meine gesamte Familie, deswegen kann ich mir nicht sicher sein.", erklärte Fumiyoka, während er sich wieder aufrappelte.
„Aber warum sollten wir dann nur auf Ihre Schwester aufpassen?", fragte Conan neugierig.
„Weil meine Schwe-"
„Weil seine kleine Schwester ihm wichtiger ist, als sein eigenes Leben, wenn Sie verstehen.", unterbrach sie ihn.
„G-Genau.", antwortete er.
„Und nicht nur das, wir hoffen auch dadurch denjenigen zu überführen, der diesen Drohbrief geschrieben hat.", fügte sie hinzu.
„Ach so, das macht natürlich mehr Sinn…", erwiderte Kogoro nachdenklich.
„Aber vorerst werden Sie wie schon gesagt bei uns übernachten, wenn Sie nichts dagegen hätten, versteht sich.", sagte Fumiyoka und er und seine Schwester verbeugten sich vor ihm.
Conan sah mit angewiderter Miene zu, wie sich Kogoros Gesicht zu einem hämischen Grinsen verzog. Ohne zu Zögern antwortete er: „Aber natürlich, Herr Ichigo. Ich freue mich sehr auf den Aufenthalt hier bei eurem bescheidenen Hause."
Er schüttelte beiden so energisch die Hand, dass Fumiyoka vor Schmerz das Gesicht verzog. Conan wandte sich Ran zu und sah das aufgeregte Funkeln in ihren Augen. So wie es aussah, hat sie sich schon genauso darauf gefreut wie Kogoro. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht war so außergewöhnlich, dass er dazu nur noch lachen konnte.
Zehn Minuten später gingen die fünf wieder zurück zur Eingangshalle. Zwei Butler und eine Maid standen vor der Wohnzimmertür und begrüßten sie, während sie sich verbeugten.
„Das hier ist die Eingangshalle, wo wir uns zum ersten Mal getroffen haben. Von dort aus zeigen wir Ihnen natürlich unser Anwesen, damit Sie weniger Probleme haben sich hier zurechtzufinden.", antwortete Fumiyoka und richtete seinen Arm auf die Treppe, die sich am anderen Ende der Halle befand.
„Wie schön!", sagte Ran und sah sich erneut um.
„Oh… Sie schmeicheln mir, verehrte Ran.", erwiderte er und strich sich elegant über das Haar. Conan fühlte, wie er das Kotzen bekam. Was für ein Kotzbrocken! Der hatte auch noch die Dreistigkeit sich an seine Freundin ranzumachen. Er konnte diese lächerliche Theateraufführung nicht länger dulden. Aber was konnte er schon ausrichten, mit seinem derzeitigen Körper. Verdammt, hätte er jetzt doch nur das Gegenmittel dabei. Na vielen dank auch, Haibara.
„Lasst uns erst einmal die Treppe hochlaufen, dann können wir uns ja erst einmal euer Zimmer ansehen, nicht wahr?", schlug Fumiyoka vor und geleitete sie zum ersten Stock des Anwesens.
„Natürlich.", antwortete Kogoro und zusammen öffneten sie die erste Tür, die sich rechts von der Treppe an der Seite befand.
„Das ist euer Schlafzimmer. Leider haben wir nur zwei Betten hier, deswegen haben wir ein weiteres Zimmer für Sie vorbereitet.", sagte er, als sie sich in diesem Zimmer umsahen. Das Zimmer was sehr geräumig und hatte zwei breite Fenster vorne und rechts an der Seite. Es hatte zwar nur ein Doppelbett, dieses war aber so groß, das höchstens zwei Personen darin schlafen könnten, ohne das einer von beiden vom Bett fällt. Ran war die allererste, die sich auf dem Bett breit machte.
„Haaach, da könnte ich ewig schlafen und nie wieder aufwachen.", seufzte sie erleichtert.
Sie sollte wirklich darauf aufpassen, was sie sagte, dachte Conan und lächelte. In solchen Momenten fühlte er hin und wieder, dass sie immer noch die kleine Ran war, wie er sie sonst auch von damals kannte. Trotz allem war er glücklich, sie so zu erleben, auch wenn er damals zu seinem kleinen Körper verdammt wurde. Natürlich wünschte er sich sehnlichst, wieder zurück zu seinem ursprünglichen Körper wiederzufinden, jedoch schien für ihn der Weg zum permanenten Gegenmittel des Gifts weiter entfernt zu sein wie je zuvor.
„Wie Sie sehen, sind die Bezüge vom weichsten Material, das wir aufbringen konnten und das nur für den größten Komfort."
„A-aber das wäre doch nicht nötig gewesen. Mir scheint als übertreiben Sie da ein wenig.", sagte Kogoro und rieb sich verlegen am Hinterkopf.
„Das ist das Mindeste, was ich noch für Sie tun könnte, wer weiß wie viele Fälle Sie in der Vergangenheit gelöst und wie viele Morde und Tode Sie verhindert haben.", antwortete Fumiyoka händeabweisend.
„Onkel, schau mal aus dem Fenster. Der Ausblick ist wirklich astrein!", rief Conan, der schon vor dem Fenster und das Fenster öffnete. Kogoro und Ran folgten ihm und zusammen sahen sie erstaunt aus dem Fenster.
„Tatsächlich. Einfach unglaublich.", staunte Kogoro. Ran sagte im Gegenzug nichts, so als hätte ihr die Landschaft die Sprache verschlagen. Der Ausblick, der sich ihnen bot, war atemberaubend. Die Mittagssonne schien hoch über dem Himmel und erleuchtete das gesamte Blumenmeer unter ihnen und in ihrer Mitte befand sich ein großer marmorner Springbrunnen. Erst hier zeigte sich das Ausmaß des Gartens, durch das sie zuvor gelaufen sind. Etwas weiter weg sahen sie einen See mit mehreren Fischerbooten und den Stegen, an denen sie gebunden waren. Die Luft schien frischer den je und die kühle Herbstbrise wehte ihnen ins Gesicht und ließ ihre Haare durch den Wind flattern. Alle Drei stießen einen erleichterten Seufzer aus. Mann, das fühlte sich gut an, dachte Conan, während er die Sicht genoss und erschrak plötzlich, als Natsume direkt neben ihm stand, ohne dass er es gemerkt hatte.
„Schön, dass dir unser Vorgarten gefällt. Meine Familie hat diesen Garten vor 10 Jahren begonnen und hat so einiges an Arbeit darin hineingesteckt.", antwortete Natsume, die sich den dreien anschloss.
„Dann müsste der Garten ungefähr so alt sein wie du, oder?", fragte Conan und lächelte neugierig. Als Antwort sah sie ihn kurz an, dann lächelte sie kurz zurück, ohne irgendetwas zu sagen. Conan sah verwirrt zurück, bis sie von Fumiyoka unterbrochen wurden.
„Na gut. Lasst uns zuerst die anderen Zimmer ansehen, bevor wir mit dem Fall selbst weitermachen. Sie haben doch nichts dagegen, oder Herr Mori?", fragte er.
„Aber latürnich, der Herr! Ich bin schon sehr gespannt.", rief Kogoro begeistert und er, Ran und Conan entfernten sich vom Fenster.
„Natsume? Kommst du mit?", fragte ihr Bruder, nachdem alle außer ihr wieder bei der Zimmertür standen. Natsume schüttelte den Kopf, blieb noch eine Weile hier und ließ die anderen außer Conan zurück. Er sah ihr nach, näherte etwas sich dem Fenster vor dem sie stand und bemerkte, dass sie sich fest an den Fensterrahmen klammerte. Waren das gerade Tränen, die ihre Wangen hinunterfloßen, oder bildete er sich das alles nur ein? Irgendetwas kam ihm komisch vor, das spürte er tief in seiner Brust. Aber was? Was hat ihn dazu bewegt, so zu denken?
„Natsume?", fragte er besorgt.
Sie sagte nichts. Sie rührte sich nicht vom Fleck.
– Kapitel 9 ENDE –
