Kapitel 16

Kein Zweifel. Es war seine Stimme. Sie ging langsam weiter, auch wenn sie bei dem Versuch ihm näher zu kommen sterben würde. Sie konnte nicht mehr umkehren. Irgendetwas hinderte sie daran. Wie als sei sie gelähmt.

Wiiiiiiieeee…

Es war seltsamerweise angenehm kühl. Trotz der glühenden Hitze in der sie sich befand, war es überraschenderweise kühl. Das Feuer verblasste um sie herum und deckte sie in eine weiße Umgebung. Nichts. Es war nichts. Sie sah sich um. Die Wände und die Treppenstufen hinter ihr waren verschwunden.

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04:40 Uhr

Herr Nobuaki Kozuharu

63 Jahre alt

Bediensteter des Ichigo Anwesens

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„Ob ich bei der Explosion in der Nähe des Anwesens gewesen bin? Natürlich, aber zur Tatzeit befand ich mich am See und habe die Boote am Steg zusammengebunden.", antwortete Herr Kozuharu kopfschüttelnd.

„Am See? Was für ein See denn?", fragte der Inspektor ratlos.

„Na, wenn Sie zur Ostseite des Gartens den Hügel hinunter blicken, können Sie ihn dort drüben nicht verfehlen.", erklärte er und zeigte mit dem Finger in die Richtung des Stegs.

Stimmt ja. Hier in der Nähe müsste es auch lauter Fischerboote geben, das hatte er auch am Vortag gesehen als sie zusammen aus dem Fenster die Landschaft beobachtet haben. Conan runzelte die Stirn. Herr Kozuharu sprach also die Wahrheit.

„Können Sie bezeugen, dass Sie dort gewesen sind?", fragte Inspektor Megure.

„Leider nein. Sie müssen wissen, dass ich ein leidenschaftlicher Fischer bin und sicherlich können die anderen Bediensteten mir Recht geben.", antwortete er und wischte sich mit einem Tuch über die Stirn.

„Ja, das ist richtig.", bestätigte Kozue, die neben ihm stand.

„Könnten Sie das bitte näher erörtern, zum Thema Gewohnheiten natürlich.", fragte Takagi, der schon seinen Notizblock und Stift bereit hielt.

Conan wandte sich nach ihm um. Ihn hatte er auch seit dem Fall mit Ayumi nicht gesehen. Anscheinend war er hier schon angekommen, bevor Conan aufgewacht war.

„Meistens geht er zum See um zu Angeln, aber dass er in einer solch späten Nacht noch dorthin gehen würde, hat mich ehrlich gesagt überrascht.", fuhr Kozue fort und Inspektor runzelte nachdenklich die Stirn.

„Wie meinen Sie das?", fragte Conan neugierig.

„So viel ich weiß, war er tief entschlossen aus einem mir unbekannten Grund ausgerechnet in der Nacht Angeln zu gehen."

„Aber Fische sind doch keine nachtaktive Tiere, richtig?", fragte Kogoro und rieb sich am Kinn.

„Was für einen Grund haben Sie, dann in so einer späten Nacht noch zum Angeln zu gehen?", hackte der Inspektor nach.

„Nun… ich bin mir nicht sicher ob Sie mir glauben werden.", begann Herr Kozuharu zögernd.

„Was meinen Sie damit?"

„Ich kann mich noch daran erinnern, dass als ich zum Speisesaal gehen wollte, ich hinter mir eine Stimme gehört habe. Ich habe mich nach ihr umgedreht, doch das ganze Foyer war leer. Hier befand sich außer mir niemand."

„Niemand, sagen Sie?", fragte Kogoro verwundert.

„Natürlich habe ich gedacht, dass der Wind, der durch die Fenster gepfiffen hat, meinen Sinnen einen Streich gespielt hatte und habe mich etwas mehr umgesehen. Dort war niemand. Dann habe ich es erneut gehört, als würde es nach mir rufen."

Was? Das konnte doch nicht wahr sein? Eine Stimme, die aus dem nichts kam? Blödsinn… wahrscheinlich hat ihm jemand mit einem Lautsprecher von dort einen Streich spielen wollen.

„Und woher kam diese Stimme?", fragte Conan neugierig.

„Sie schien aus dem Eingang zu kommen, wenn ich mich richtig erinnere."

„Also haben Sie nachgesehen, richtig?", vervollständigte Kogoro seine Geschichte.

„Ja, aber das war auch nicht alles."

„Nicht?"

„Je weiter ich das Anwesen verließ, desto mehr kam es mir vor, als würde die Stimme aus meinem Kopf kommen."

„Moment mal…", hörte er hinter sich jemanden sagen. Alle wandten sich nach der Stimme um.

„Natsume?"

„Mir ist das auch passiert! Ich wollte nach dem Abendessen zum Medienzimmer gehen, doch irgendwas hat mich dazu bewegt, das Anwesen zu verlassen."

„Wie bitte?", fragten Megure, Takagi und Kogoro gleichzeitig in aller Verwunderung.

„Und das war auch eine Stimme, oder?", fragte Conan.

„Genau! Ich hatte keine Ahnung warum, aber ich wollte unbedingt zum Garten gehen und dort blieb ich dann, bis die Explosion geschah."

Conan musterte sie misstrauisch. Ihre Hände zeigten eindeutige Spuren von Erde zwischen ihren Fingernägeln. Auch sie sprach also die Wahrheit.

„Bei wem dasselbe passiert ist, der hebe bitte seine Hand.", fragte Inspektor Megure in die Runde.

Herr Yuzaki Ichigo, Natsume, Herr Kozuharu, Frau Botan, Herr Okita und Frau Ogari hoben die Hand.

„Und alle haben dieselbe eine Stimme gehört, richtig?"

„Richtig."

„Genau."

„Ja."

„Richtig."

Megure rieb sich am Kinn. Dieser Fall schien sich als komplizierter zu entpuppen, als er anfangs gedacht hatte. Conan musterte jeden der Verdächtigen gründlich. War das alles doch nur das Werk eines Lautsprechers? Wenn ja, dann war es wohl das Ziel des Täters alle vom Anwesen zu evakuieren, weil er natürlich wusste, dass die Bombe gegen Mitternacht hochgehen würde. Warum also hatte er ihn und Ran nicht miteinbezogen? Und was war mit Anya? Als sie aus dem Gebäude fliehen wollten, sind sie ja auf sie gestoßen und haben sie aus den Trümmern befreit. Warum waren sie die einzigen, die nicht von der Stimme gerufen worden waren? Conan hatte auf jeden Fall nichts gehört und er war sich sicher, dass es bei Ran gleich war, denn sonst wäre sie ja nicht mit ihm… äh, B-Baden gegangen. Eine andere logische Schlussfolgerung als jemanden der draußen nach ihnen gerufen hätte oder einen Lautsprecher benutzt wurde, konnte er sich kaum vorstellen.

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04:55 Uhr

Natsume Ichigo

12 Jahre alt

Tochter der Inhaber des Ichigo Konzerns, Yuzaki und Uzume Ichigo

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„Als ich nach draußen gehen wollte, kam mir dieses Geräusch immer näher, da habe ich Angst bekommen und wollte wieder nach Hause zurückkehren, doch die Stimme war sanft und hat mir versichert alles sei gut. Das hat mich irgendwie beruhigt und ich habe mich wieder hinaus gewagt.", erzählte Natsume.

„Und du hast wirklich die ganze Zeit über bis zur Explosion im Garten gesessen?", fragte Megure ungläubig.

„Das ist das einzige, woran ich mich noch erinnern kann, ja."

Conan runzelte die Stirn. Was für ein vertracktes Spiel wurde hier gespielt?

„Ist dir sonst noch etwas aufgefallen? Was hat die Stimme gesagt?", hackte er nach. Er musste dringend etwas mehr darüber herausfinden.

„Meinen Namen. Nur meinen Namen."

„Deinen Namen?"

„Die Stimme war nahezu unheimlich, wirklich creepy…"

„Stimmt, bei mir war das auch so.", bestätigte Frau Kozue und hob die Hand.

„Und sie alle haben die gleiche Stimme gehört, richtig?", fragte Megure erneut in die Runde. Alle außer Fumiyoka und Kogoro nickten zustimmend.

„Na, wenn das so ist… dann müssten du und Ran genauso etwas gehört haben, oder Conan?", fragte Kogoro.

„Nein."

„Nein?!", riefen die anderen gleichzeitig vor lauter Erstaunen.

„Wie, nein? Wenn fast jeder das gleiche gehört hat, dann müsstest du erst Recht einer von ihnen sein, oder etwa nicht?", stichelte Kogoro verwundert und genervt zugleich.

Was? Der Täter in Schwarz blickte verwirrt um sich. Da-das konnte nicht sein! Unmöglich! Wie war es ihm gelungen…? Normalerweise sollte doch jeder…

Conan blickte sich erneut scharf bei den Verdächtigen um.

„Und was ist mit Anya?", fragte Fumiyoka besorgt.

„Das bedeutet also, dass die einzigen die noch im Gebäude geblieben sind, nicht von der Stimme beeinflusst wurden, sprich: der kleine Conan hier müsste dann, genauso wie Ran und Anya in diesem Falle geschlafen und somit nichts gehört haben.", schlussfolgerte Takagi.

Jetzt bloß nicht negativ auffallen… Seine linke Hand zitterte leicht.

„Und ihr beide habt auch nichts davon mitbekommen, da ihr euch ja aus dem Anwesen entfernt hattet.", beendete Megure gezielt den Gedankengang und blickte wieder auf das Anwesen auf dem Hügel.

„So wie es aussieht, müsste die Spurensuche schon mit ihrer Arbeit fertig sein. Dann fahren wir Mal fort. Wie steht es mit ihnen, Frau Ogari?", fuhr er fort und wandte sich wieder der Zeugenbefragung zu.

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05:00 Uhr

Frau Asakura Ogari

28 Jahre alt

Bedienstete des Ichigo Anwesens

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„Frau Ogari?", wiederholte der Inspektor und sah sie verwundert an.

Sie antwortete nicht.

„Oh, entschuldigen Sie sie bitte, Herr Inspektor. Sie ist sehr schüchtern und bringt es nicht über sich vor so vielen Leuten zu sprechen. Ich hoffe Sie verstehen.", antwortete Herr Okita und sprang für sie ein.

Überrascht und verlegen von der Aktion trat der Inspektor ein Schritt zurück und hielt sich die Hände schützend vor sich.

„Tut mir schrecklich leid, ich wollte Sie nicht drängen. Ich wusste leider davon nichts, entschuldigung vielmals.", sagte Megure und rieb sich peinlich berührt am Kinn.

„Sch… s-schon g-gut…", stotterte die Frau verlegen.

„Wie wär's stattdessen, wenn sie mich befragen?", bot Herr Okita ihm an.

„A-Aber natürlich… fahren Sie fort."

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5:02 Uhr

Herr Masaharu Okita

34 Jahre alt

Bediensteter des Ichigo Anwesens

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„Was ich um 22 Uhr getan habe? Nun, so weit ich weiß, habe ich das Eingangstor abgeschlossen."

„Dann warst du es also, der uns den Eingang versperrt hat. Deinetwegen haben wir so lange darauf warten müssen, bis ich einen Weg rein gefunden hatte.", antwortete Fumiyoka wütend.

„Würde es dann nicht in Ihrer Schuld liegen, dass Sie so lange gebraucht haben?", erwiderte Herr Okita.

„Sie wagen es…", fauchte Fumiyoka zurück.

„Jetzt beruhigen Sie sich alle beide. Wenn hier ein Streit ausbricht, kommen wir doch hier nicht mehr zum Punkt.", antwortete Yuzaki und trat zwischen die beiden zur Stelle.

„Vielen Dank auch, Herr…"

„Yuzaki Ichigo mein Name, sehr erfreut, Herr Inspektor.", stellte er sich vor und schüttelte Megure die Hand.

„Ah, freut mich Sie auch kennen zu lernen, Herr Ichigo. Wie dem auch sei… Sie, Herr Okita, haben das Eingangstor verschlossen, obwohl Sie möglicherweise von der Verabredung mit Herrn Mori und Herrn Ichigo gewusst hätten. Dürfte ich denn fragen warum?", fragte Megure und wandte sich wieder Herr Okita zu.

„Das ist routinebedingt. Jeden Abend um ungefähr halb zehn bis Mitternacht schließe ich meistens das Eingangstor ab, um potentielle Einbrecher zu vermeiden."

„Meistens? Sie meinen wohl, dass sonst außer Ihnen noch jemand dafür zuständig ist?"

„Genau, denn außer mir ist der Herr Kozuharu dafür tätig, aber da er um diese Uhrzeit drüben beim Angeln war, habe ich selbst entschlossen, das Tor abzuschließen."

„Dann macht das natürlich Sinn.", antwortete der Inspektor und rieb sich wieder nachdenklich am Kinn.

„Haben Sie ein Alibi dafür?", fragte Takagi nach.

„Ich denke nicht, da ich niemanden um diese Uhrzeit gesehen habe, der das bestätigen kann. Dazu möchte ich noch hinzufügen…"

Er sah rüber zu Fumiyoka und Kogoro.

„…, dass ich von der Verabredung nichts gewusst hatte und somit verwirrt war, als ich die Schlüssel auf der Komode beim Foyer gefunden habe. Natürlich wollte ich sofort Fumiyoka anrufen und ihm bescheid sagen, aber er ging nicht ran. Also habe ich mir gedacht, ich sollte ihn besser nicht stören und habe doch lieber darauf bestanden, dass ich auf seinen Anruf warten würde."

Megure hob nachdenklich die Augenbraue.

„Ist Ihnen sonst noch etwas Merkwürdiges aufgefallen?", fragte er.

„Nun ja, ich bin mir sicher, dass irgendetwas mich dazu gebracht hat das Gebäude zu verlassen. An den Rest kann ich mich leider nicht mehr erinnern."

„Lassen Sie mich raten, war es wieder eine Stimme aus dem nichts?"

„So etwas in der Art, ja.", bestätigte Herr Okita und wurde von einem Polizisten der Spurensuche unterbrochen, der sich kurzerhand dem Inspektor anschloss.

„Inspektor, ich habe Neuigkeiten."

„Entschuldigen Sie bitte. Klar, was gibt's?"

„Wir haben dieses Foto in den Trümmern gefunden. Anscheinend hat es den Brand heil überstanden."

Ein Foto? Doch nicht etwa…

„Zeigen Sie mal her."

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05:10 Uhr

Herr Yuzaki Ichigo

Leiter und Gründer des Ichigo Konzerns

46 Jahre alt

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Er nahm das Foto und sah es sich genau an. Dann wandte er sich der Gruppe zu.

„Erkennt einer von ihnen hier dieses Bild?"

„Könnte ich es mir ansehen?", fragte Yuzaki und trat hervor.

„Das Foto an sich ist ziemlich alt. Wir haben das Bild oftmals restaurieren müssen, damit es nicht an Farbe verliert.", meinte er und gab das Bild an Fumiyoka weiter.

„Das bist du doch, oder?", fragte er und blickte seinen Vater fragend an.

„Nein, auch wenn wir uns ähnlich sehen, ist das dein Großvater Kentaro Ichigo.", antwortete Yuzaki.

„Kentaro… Ken… Sie meinen doch wohl nicht den Mann, der dafür bekannt war, seine Häuser im alten Stil zu bauen, nicht wahr?", fragte Megure und rieb sich nachdenklich am Kinn.

„Ja, jetzt erinnere ich mich auch. Damals war er überall in den Zeitungen und man konnte nicht umhin, ohne eines seiner Häuser irgendwo sonst noch zu sehen.", antwortete Kogoro.

„Mein Vater damals war ein begnadeter Ingenieur, der unter anderem auch die Architektur der Vergangenheit liebte. Als Kind habe ich in vielen seiner Häuser gespielt in die er mich mitgenommen hatte. Nun, solange bis… Sie wissen schon.", erwiderte Yuzaki und lachte schwer.

„Natürlich, sein Tod war ohne jeden Zweifel tragisch, jedoch ergibt sich dann die Frage, ob das nicht doch ein Mord gewesen ist.", fragte Inspektor Megure.

„Da kann ich ihre Frage beantworten, denn der Fall wurde erfolgreich von meiner Ehefrau gelöst."

„Ach so. Gut, dann… widmen wir uns der Person neben ihm zu. Kennen Sie ihn vielleicht?"

Der Inspektor zeigte mit dem Finger auf die Person neben ihm im Foto.

„Das ist sein Freund und Geschäftspartner Herr Wakuta, wenn mich nicht alles täuscht. Seit er mit ihm die architektonische Seite seiner Werke besprach, empfanden sie eine tiefe Freundschaft in Sachen Handel und finanzielle Unterstützung."

„Hat Ihr Vater dieses Anwesen hinter ihnen im Bild auch finanziert?", fragte Kogoro.

„Ja. In einigen Fällen hatte er sogar einen seiner Söhne, unter anderem auch mich, mitgebracht. Ich weiß noch wie ich mit ihnen im Haus verstecken gespielt hatte und aus purem Zufall einen seiner Geheimwege entdeckte."

Er baute Geheimwege?

„Geheimwege, sagen Sie? Interessant.", murmelte Megure und warf erneut einen Blick auf das Anwesen.

„Ich kann mich noch daran erinnern, wo er mich ermahnt hatte, ich solle sie nicht achtlos benutzen, sonst würde ich mich noch im Labyrinth verlaufen. Jedenfalls habe ich einige Zeit nach seinem tragischen Abschied von uns, seine Firma übernommen und es zu dem Konzern umgebaut, das es heute ist."

„Und was ist mit dem Anwesen hier?"

Der Inspektor zeigte auf die Trümmer auf dem Hügel.

„Das habe ich zwar erbaut, aber der Entwurf dazu stammt von meinem Vater."

„Dann könnte es sein, dass…"

„Nein, Sie irren sich Herr Inspektor.", schritt Fumiyoka ein.

„Nicht?"

„Mein Vater bestand darauf keine der Geheimgänge in den Entwürfen einzubauen. Zu Sicherheitsgründen natürlich."

Das hieß also, dass es wohl oder übel keinen anderen Weg für den Täter gab, diesen Raum zu verlassen, mit Ausnahme, dass er entweder die Treppe nach oben oder durch den Eingang wieder hinaus zum Garten genommen hätte. Eine Frage stellte sich aber noch: Was war der Zünder für den Auslöser der Bombe, wenn sich in diesem Raum nichts außer Gasrohre und den Sicherheits-, beziehungsweise Stromkasten befand?

Moment mal… als würde ein Geistesblitz durch seine Gedanken schießen, erinnerte er sich plötzlich an die Worte Fumiyoka's.

„Alles was ich gehört habe, war ein Quietschen, ähnlich wie Lederstiefel, die über einen nassen Boden laufen."

Konnte es sein, dass…? Conan lächelte. Endlich gab es eine deutlich erkennbare Spur. So also hat der Täter die Bombe ausgelöst ohne selbst dabei zu sein. Wirklich klever. Jetzt war ihm alles klar. Eine Sache fehlte ihm jedoch.

„Entschuldigung, äh… Herr Ichigo?", fragte er und zog an Yuzaki's Hose.

„Ja, was ist denn, Kleiner?"

„Woher wussten die Angestellten von unserem Ankommen hier?"

Yuzaki lächelte.

„Ich habe Ihnen die Nachricht auf dem Handy per SMS zugeteilt. Aber warum fragst du?"

„Nur so, ehehehe…", antwortete Conan und rieb sich verlegen am Hinterkopf. Das war's also. Endlich fügten sich erneut die Puzzleteile zusammen. Jetzt war es ein Kinderspiel, den Täter zu entlarven. Jetzt fehlten ihm nur noch die Beweise des Täters.

„Nun gut, wenn niemand etwas dagegen hat, schätze ich mal, dass wir uns das jetzt in Trümmern liegende Anwesen ansehen.", schlug der Inspektor vor.

„Natürlich.", antwortete Herr Okita und ging voran.

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Beim Anwesen angekommen, betrat Inspektor Megure das Foyer, oder besser gesagt das was vom Eingang noch übrig geblieben war, denn die Vorderwand wurde zuvor erfolgreich von der Explosion in alle Richtungen weggeschleudert.

„Meine Güte, das ist als hätte ein Orkan hier gewütet.", bemerkte er, als er durch das Eingangstor schritt und sich das Ausmaß der Zerstörung ansah.

„Und die Feuerwehr hat auch gute Arbeit geleistet…", kommentierte Takagi, der ihm durch das Foyer folgte.

„Herr Takagi!", rief Conan ihnen nach.

„Was ist, Conan?", antwortete er und wandte sich nach ihm um.

„Können wir uns bitte zuerst den Sicherheitsraum ansehen?"

„Ja, aber warum?"

„Ich bin mir sicher, dass die Explosion von da gekommen ist."

„Tja, alsoooo… Herr Inspektor, wie wär's…?", fragte er.

Der Inspektor dachte kurz nach, dann nickte er.

„Also gut, dann sehen wir uns das erstmal an. Wenn der Kleine schon recht hat."

„Wie können Sie sich da so sicher sein?"

„Oh, ich bitte Sie, Herr Takagi, der Kleine hat mich öfter überrascht, als ich zählen kann.", sagte er und lächelte leicht.

„Ach so…"

Takagi blickte Conan nachdenklich nach, wie er die Stufen zur Eingangstür verließ und sich zum besagten Ort begab.

„Das verrate ich Ihnen… im Jenseits."

Seitdem Conan diese Worte damals im Tokyo Tower von sich gegeben hatte, war er selbst gezwungen, sich hin und wieder Gedanken darüber zu machen. Wer war nur dieser Junge? War er doch nur neugierig, oder steckte da mehr dahinter?

„Frau Botan, könnten wir uns vielleicht auf dem Weg in Ruhe unterhalten? Nur eine routinebedigte Zeugenbefragung, nichts weiter.", fragte der Inspektor und Frau Botan nickte.

„Dürfte ich Sie fragen, wo Sie sich um 21 Uhr befanden?"

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05:25 Uhr

Frau Kozue Botan

32 Jahre alt

Bedienstete des Ichigo Anwesens

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„Natürlich. Ich habe das verdorbene Essen von letzter Woche in den Restmüll entsorgt.", antwortete sie.

„Und als die Stimme Sie gerufen hat…, was ist danach passiert?"

„Ich bin der Stimme gefolgt, wie alle anderen. Draußen habe ich mich dann im Garten vorgefunden."

„Ach und da haben Sie also Natsume entdeckt, richtig?"

„Nein, gefunden habe ich sie nicht, denn die Stimme schien aus dem Springbrunnen weiter entfernt vom Gebäude zu kommen, also habe ich dort nachgesehen. Als ich ins Wasser geschaut habe, verlor ich aus einem mir unbekannten Grund das Bewusstsein. Aufgewacht bin ich als ich den Rauch gerochen und die Geräusche der fallenden Trümmer aus dem Anwesen gehört habe."

„Wie haben Sie denn bitte Ihr Bewusstsein verloren?", fragte Takagi neugierig.

„Alles was ich noch weiß, war, dass ich irgendein mir unbekanntes Piepsen im Ohr gehört habe, das stetig lauter wurde. Ich habe versucht, mir die Ohren zu zuhalten, aber das Piepsen hörte nicht auf. Dann habe ich irgendwie Panik bekommen und…"

Sie seufzte.

„Ein Piepsen… haben Sie dieses Piepsen im Kopf gehabt? Also, so etwas Ähnliches wie Tinnitus?", hackte Megure weiter nach.

„Ich denke schon, ich kann es aber nicht mit Sicherheit sagen. Aber für eine Weile konnte ich mich nicht bewegen, ich war wie gelähmt, verstehen Sie?"

„Gelähmt durch ein Piepsen…, wie ist das nur möglich?", murmelte Takagi vor sich hin.

„Ich weiß es nicht und das machte mir zuvor Angst. Ich wusste nicht mehr was mit mir geschah, als es passierte. So wie, als würde die Umgebung um mich herum verschwinden."

„Wenn Ihnen so etwas passiert ist, dann müssten erst Recht alle anderen davon betroffen gewesen sein, oder etwa nicht?", schlussfolgerte Kogoro, der sich ihnen zuwandte, während sie, dem Kiesweg entlang folgend, die Runde um die Wiese machten.

„Da besteht schon die Möglichkeit, Herr Mori, jedoch lässt mich etwas in diesem Fall nicht los.", stimmte ihm der Inspektor zu.

„Inspektor?", murmelte Kogoro und blickte ihm nachdenklich hinterher.

Die Wand, die sonst die Sicht in den Sicherheitsraum versperrte, wurde durch die Explosion aus ihrem Platz hinaus in den Garten geschleudert, wo jetzt auch ihre Brocken lagen und die Pflanzen unter ihrem Gewicht zerdrückten. Die anderen Wände, die noch heil waren, wurden zwar durch die Durchschlagskraft in ein komplettes schwarz eingehüllt, waren aber immer noch ein wenig warm und kühlten nur langsam ab. Die Rohre an der Decke des Raumes waren in der Mitte komplett zerstört. Nichts in diesem Raum hat überlebt, so wie Conan Sekunden später feststellen musste. Das heißt der Täter hatte erfolgreich die offensichtlichsten Beweise vernichtet. Trotzdem gab er nicht auf. Es könnte stimmen, dass es der Täter darauf ankommen ließ, diesen Fall hier für seinen eigenen Sinn und Zweck zu nutzen, doch eines hatte er übersehen…

„Dürfte ich bitte das Foto noch einmal sehen?", fragte Conan.

„Wie? Aber klar doch, hier…", antwortete Yuzaki und reichte ihm das Bild.

„Dankeschön."

Nun gut… Er musterte das Bild erneut. Zwei Männer, die vor einem Gebäude standen und sich gegenseitig die Hand gaben. Herr Ichigo und Herr Wakuta. Beide waren Liebhaber der altmodischen Architektur. Wenn es dem Täter um die Familie gehen würde, dann müsste der Drohbrief…

„Meine letzte Warnung geht an die Familie, die mich und meine Anmerkungen ignoriert und ins Lächerliche geschändet haben. Möget ihr bis ins letzte Jahrhundert zu eurem wohlverdienten Ende kommen."

So war das also. Conan lächelte. Damit war das wohlverdiente Ende gemeint. Jetzt fehlten ihm nur noch die Beweise mit denen er diesen Fall abschließen konnte. Der Täter müsste dennoch einen Komplizen haben, der ihm bei der Vollstreckung seines Plans geholfen hatte. Er blickte sich erneut bei den hier anwesenden Personen um. Wer könnte der Komplize in diesem Falle gewesen sein?

„Und? Was jetzt, du Nervensäge? Ich dachte, du hattest etwas was du uns zeigen wolltest, oder etwa nicht?", maulte der Stümperdetektiv schon wieder.

„Ich hab's gleich…", antwortete Conan.

„Was soll das ganze 'ich hab's gleich'? Du störst mich hier unnötig bei einem wichtigen Fall, verdammt! Für das ganze Zeug habe ich sowieso keine Zeit und wegen einer deiner Aktionen hat Ran schwere Verletzungen erlitten."

„Moment, was?"

„Du hast mich richtig gehört, Kleiner!"

„Was hast du eben gesagt?"

„Wegen dir hat…"

„Nein, das davor!"

Kogoro blickte ihn zuerst verwundert an, dann wurde er wieder wütend.

„Wie gesagt, ich habe keine Zeit für deinen Blödsinn!", schnauzte er ihn an.

„Keine Zeit…?", wiederholte Conan murmelnd.

Plötzlich durchschoss es ihn mit einem Geistesblitz. Das war es. Das war der Beweis, den er gesucht hatte. Jetzt machte alles einen Sinn! Wie der Täter es geschafft hatte, die Explosion zu zünden und die Bewohner, so wie die Bediensteten vor der Zündung rechtzeitig vom Anwesen zu evakuieren.

„Hey, sieh mich an, wenn ich mit dir rede!"

Conan blickte immer noch auf das Foto in seiner Hand.

„Heh… hehe…"

„Was lachst du so blöd? Machst du dich hier über mich lustig oder was?", antwortete Kogoro.

„Nein, schon gut… hehehe…"

„Hast du sonst noch was zu deiner Verteidigung zu sagen, häh?"

Keine Reaktion. Kogoro blickte ihn immer noch wütend an, dann hob Conan seinen Kopf und grinste ihn hämisch an.

„Tut mir leid."

„Was?"

„Herr Mori, sind Sie mit Ihren Schlussfolgerungen schon zu einem Punkt gekommen?", fragte Inspektor Megure neugierig. Kogoro wandte sich um und kratzte sich verlegen am Kopf.

„Aber natürlich, ich bin gleich ba- ba… ba…"

„Gute Nacht, Onkel.", murmelte Conan.

Weiter kam er nicht, denn zu diesem Zeitpunkt hatte Conan seinen Narkosechronometer schon gezückt, auf ihn gerichtet und auf den Abzug gedrückt. Der Pfeil landete direkt auf seinem Nacken.

„Bababa? Was sollte das heißen, Herr… oh? Herr Mori, was ist denn mit Ihnen los?", fragte Yuzaki.

Natsume lächelte erwartungsvoll über beide Ohren. Auf diesen Moment hatte sie Monate, wenn nicht sogar Jahre gewartet. Endlich konnte Conan sich ihr in voller Aktion zeigen. Jetzt konnte die Show endlich beginnen!

– Kapitel 16 ENDE –