Prolog

Draußen wütete eine windige Oktobernacht, als Lily Potter das kleine Mädchen in ihren Armen stillte. Ihr Mann war unten und spielte mit ihrem erstgeborenen Sohn. Das kleine Wesen in Lilys Armen schmatze zufrieden, als es fertig war und Lily zog sich ihr Oberteil wieder zurecht. Das Mädchen schaute vergnügt aus dem Fenster. Sie liebte, wenn sie das schon konnte, den Sturm. Die Mutter nahm die Kleine wieder auf den Arm und schritt die knarzenden Treppen nach unten, um ihren älteren Sohn ins Bett zu bringen.

„James, kommst du? Es wird Zeit, dass die Kinder schlafen gehen!", wies Lily ihren Mann darauf hin, nachdem sie durch die Tür geschritten war.

„Aber natürlich Lady Potter. Zu Befehl!", sagte James mit ernster Stimme.

„James, du weißt, ich mag den Titel nicht besonders", drückte seine Frau herum. Obwohl die beiden seit mehr als einem Jahr verheiratet waren, hatte sich Lily immer noch nicht an ihren neuen Titel und an die damit verbundenen Privilegien, die ihnen spätestens seit dem Tod von Dorea und Charlus vollständig zustanden, gewöhnt.

Doch der Angesprochene lachte nur: „Okay gut. Warte kurz, ich komme." Er nahm seinen Sohn und ging die Treppen hoch.

„Stopp James, einen Moment!", meinte Lily. Ihre Tochter verdrehte und räkelte sich in ihren Armen und blickte konzentriert aus dem Fenster. Niemand wusste zu dem Zeitpunkt, dass die Kleine etwas erblickte, dass ihr nach vielen Jahren immer noch Albträume bereiten wird. Sie sah einen tiefschwarzen Schatten und starrte kurz danach in die stechend roten Augen Voldemorts.

Entgegen eben jener Erwartung blieb die Kleine ruhig und fing nicht an zu schreien. Lily trug sie aus dem Raum.

Nachdem der dunkle Lord sich versichert hatte, dass außer dem Kind ihn niemand gesehen hatte, öffnete er das Gartentor und schritt Richtung Haustür.

Lily indessen war James hinterher in das Kinderzimmer gegangen und legte die Kinder in ihre Bettchen. Sie suchte gerade nach einer Gute-Nacht-Geschichte, während James den Kindern ein Küsschen auf den Kopf gab. Als die Beiden eine Tür quietschen hörten, zuckten ihre Köper vor Anspannung zusammen. James sah nervös zu Lily: „Bleib hier und erzähl den Kindern eine Gut-Nacht Geschichte. Ich gehe nachschauen."

Lily nickte kurz und als James den Raum verlassen hatte, beschloss sie ihren Kindern, die Geschichte von den Sternen zu erzählen. Also setzte sie sich auf den leicht wackelnden Stuhl neben dem Bett:

Es war einmal ein kleines Mädchen. Dieses Mädchen war ein Waisenkind und wusste ihren Namen nicht. Sie besaß nur ihre Kleidung, die sie am Körper trug, und ein kleines stücken Brot, als sie beschloss, in die große, weite Welt hinauszugehen.

Auf ihrem Weg begegnet sie vielen unterschiedlichen Leuten. Einmal saß dort unter einem großem Baum ein alter Mann mit abgetragener Kleidung, der nichts zu essen bei sich hatte und sie darum bat ein kleines Stückchen ihres Brotes abzubekommen. Da das Mädchen wusste, wie es war, wenn man hungerte und sie in dem Moment zufrieden gesättigt war, beschloss sie, dem alten Mann das gesamte Brot zu geben. Ein anderes Mal-", Lily stoppte abrupt, als ihr Name durch das gesamte Haus dröhnte.

„Lily, nimm die Kinder und flieh! Er ist es! Flieh! Schnell! Ich halte ihn auf!", kreischte James panisch. Lily wusste, wen er meinte und auch wann es klug ist, auf James zu hören. Aber sie wusste genau: wenn sie jetzt flieht und nicht versuchen würde, James zu helfen, um damit die Kinder zu beschützen, würde sie sich hinterher nur Vorwürfe machen. Also sprang sie abrupt auf, schnappte sich ihren Zauberstab und stellte sich kampfbereit vor das Bett ihrer Kinder.

„Avada Kedavra!", kam es von unten und etwas schweres fiel auf den Boden. Lily zuckte zusammen und hörte, wie Voldemort die Treppen herauf kam. Die Tür hatte sie geschlossen um keinem Herzinfarkt erleiden zu müssen, wenn er in das Zimmer platzt.

Plötzlich durchzuckten Angst und Panik Lily wie ein Stromschlag. Was, wenn Voldemort sie tötet? Was würde mit ihren Kindern passieren? Könnten Sirius und Remus sich um sie kümmern? Was, wenn Sirius und Remus auch streben? Was, wenn ihre Kinder sterben?

Sie brauchte einen Plan! Aber gegen den dunklen Lord hatte sie keine Chance. Sie würde sich nichts vor oder gar Hoffnung machen, dass sie gegen den dunklen Lord in einem Duell gewinnen könnte. Außerdem war das viel zu gefährlich, wenn ihre Kinder hinter ihr lagen! Nein, eine andere Idee musste her!

Doch länger Zeit zum Nachdenken bekam Lily nicht mehr, denn Lord Voldemort war am Ende der Treppe angelangt und stand vor der Tür. Er hatte den Gedanken von Lady Potter amüsiert gelauscht, welche ihm gerade so entgegen geschrien und somit auf dem Silbertablett präsentiert wurden. Jedoch nun, so empfand der dunkle Lord, hatte sie lange genug Panik schieben können.

Lady Potter wurde von dem Klicken der Tür aus ihren Fluchtgedanken gerissen und ging in Verteidigungshaltung. Sie nahm das Öffnen der Tür nicht wirklich wahr, weil sie sich auf die Gestalt dahinter konzentrierte. Eine blasse Gestalt ohne Nase und mit roten Augen eingehüllt in einen schwarzen Umgang schob sich in ihr Blickfeld.

Lily griff ihren Zauberstab fester und hob ihn noch ein wenig höher, konnte dadurch aber das leichte Zittern des Stabs nicht verbergen.

„Guten Abend Lady Potter, würden Sie bitte Ihren Zauberstab herunternehmen? Das würde die Sache erheblich erleichtern", sprach der Zauberer. Er selbst hatte seinen Stab nicht angreifend erhoben, sondern nur locker in der Hand.

„Damit Sie mich leichter umbringen können? Nein danke", giftete Lily den Zauberer an.

„Wenn das so ist, Lady Potter, dann verstehen sie das völlig falsch! Ich bin nicht hier, um sie zu töten. Ich möchte nur reden", entgegnete Voldemort ausgesprochen ruhig.

„Ach ja und warum?", gerade als der Lord antworten wollte, sprach Lily weiter: „Und wissen Sie eigentlich, wie unhöflich es ist, jemanden beim Gute-Nacht Geschichten vorlesen zu unterbrechen?"

„Nein, das wusste ich nicht. Aber wie wäre es, sie würden jetzt damit fortfahren und wir sprechen danach weiter?", antwortete der Mann ruhig.

Er hob den Zauberstab, um einen Stuhl heraufzubeschwören. Anschließend setzte er sich demonstrativ etwas weiter abseits neben das Bett, um Lily nicht noch mehr zu beunruhigen.

"Ist das ein Scherz?", fragte sie.

Der Lord hob eine Augenbraue und antwortete ernst: "Nein."

Die Mutter der Kinder stand der Mund leicht offen, als sie sich wieder auf ihren Stuhl setzte und zögerlich mit der Geschichte fortfuhr. Ihren Zauberstab behielt sie währenddessen jedoch vorsichtshalber in der Hand, obwohl Voldemort wirklich den Eindruck machte, als ob er nun auf die Geschichte wartete.

„Ähm Okay", sagte sie zögerlich und fragte sich selbst: „Wo war ich?"

„Wrjarg", machte der kleine Junge im Bett.

„ Achso stimmt, danke Harry", sagt Lily und betrachtet ihren kleinen Jungen liebevoll mit einem kleinen Lächeln im Gesicht. Dann fuhr sie mit zitternder Stimme fort. So vertieft in die Geschichte vergaß sie langsam den dunklen Zauberer:

Ein anderes Mal sagte ein kleiner Junge mit wenig Haaren zu ihr: Ich friere so schrecklich an meinem Kopf. Hast du etwas, womit ich ihn bedecken kann? Und da das Mädchen Mitleid mit dem Jungen hatte, gab es ihm ihre Mütze. Die Mütze hatte sie vor 5 Jahren von einer älteren Frau zu Weihnachten geschenkt bekommen. Immer wieder begegneten dem Mädchen andere Menschen.

Immer wieder baten sie das Mädchen um etwas und immer wieder gab sie ihnen das Gebetene. Zuerst ihr Leibchen, dann ihr Röckchen und schließlich auch ihr Hemdchen.

Spät abends kam sie auf eine Waldlichtung und fror ganz entsetzlich, da sie unterwegs alles abgegeben hatte. Erschöpft von der Reise legte sie sich in das weiche Gras der Wiese. Das Mädchen blickte zum Trost hinauf in die Sterne und begann, wie so viele Menschen vor ihr, die Sterne zu zählen. Eine Sternschnuppe huschte am Himmel vorbei, gerade als sie die Zahl der Sterne erreicht hatte. Da schloss das kleine Mädchen geschwind die Augen und wünschte sich etwas.

Dann sagte sie die Zahl der Sterne laut auf. Weil die Sterne so froh waren, dass endlich jemand sie gezählt hatte, gaben sie dem Mädchen ein neues Hemdchen aus feinstem Leinentuch und hoben sie hoch in den Sternenhimmel. Dort erfuhr das Mädchen endlich ihren Namen, denn die Sterne sahen alles und so wussten sie, wie der Name des Mädchens war. Das Mädchen blieb dann dort oben. Dort war sie glücklich und könnte den Anderen helfen. Und so blickte sie von oben herab bis zum heutigen Tag und beschützt uns alle. Und wie heißt das Mädchen?",

Fragte sie zum Schluss und schaute dann zu Voldemort, der tatsächlich die ganze Zeit still auf dem Stuhl gesessen und der Geschichte gelauscht hatte, ohne feindliche Anzeichen zu geben. „Wissen Sie es?", stocherte Lilly nach.

Der dunkle Lord dachte kurz nach und schüttelte dann ahnungslos den Kopf. Woher sollte er das auch wissen? Ihm wurde noch nie ein Märchen erzählt, immerhin war er bis zu seinem 12. Geburtstag Vollwaise. Und auch danach hatte er nie von dieser Geschichte gehört. Vielleicht war sie nicht ganz so bekannt.

„Weißt du es Harry?", fragte Lily ihren Sohn, der sich müde an den Rand des Bettes klammerte. Das Mädchen war schon eingeschlafen, während sich der Junge bemühte, wach zu bleiben, um das Ende der Geschichte hören zu können.

„Wjagriowra", murmelte der Junge schlaftrunken.

„Richtig, Kleiner. Das Mädchen hieß Kassiopeia", lächelnd nickte Lily anerkennend. „Du kannst jetzt schlafen, kleiner Harry. Die Geschichte ist fertig." Mit einem kurzen Seitenblick auf Voldemort, der dies jedoch nicht übersah, versprach sie ihm: „Wir sehen uns morgen früh!"

Kaum hatte der Junge das gehört, schlief auch er ein und fing an, ganz leise zu quabbeln und zu grummeln. Lily blickte ihren Sohn nochmal kurz an, umfasste ihren Zauberstab fester und schaute zu Voldemort.

Dieser hatte all dem Interessierten zugehört und blickte Lily nun ganz gelassen an: „Vielleicht sollten wir kurz rausgehen?", fragte er schließlich ruhig.

Lily schluckte, sah ihre Kinder nochmal kurz an und nickte schließlich. Beide standen auf und Voldemort gab Lily den Vortritt. Diese nahm das nur sehr widerwillig, aber ohne Wiederworte an und ging durch den Flur die Treppen runter in die Küche.

„Das war eine schöne Geschichte", sagte Voldemort.

Aber Lily ging gar nicht erst darauf ein: „Was wollen Sie von uns? Warum haben Sie mich nicht direkt umgebracht?"

„Wäre es Ihnen lieber gewesen, ich hätte Sie getötet, Lady Potter?", fragte er gelassen.

„Nein, natürlich nicht", verneinte Lily schnell, bevor er es sich noch anders überlegte und sie jetzt tötete, „aber warum?"

„Weil ich mit Ihnen reden und Sie auf meiner Seite wissen möchte. Ich bin niemals hergekommen, um Sie gleich zu ermorden", erklärte der Zauberer.

„Aber James mussten Sie gleich töten, oder?! Ich werde niemals zum Bösen wechseln! Ich werde nicht zulassen, dass sie alle magischen Wesen töten, die Welt übernehmen und alle Muggels unterdrücken! Ich werde nicht zulassen, dass sie alles zerstören!", schrie Lily laut und empört und zuckte im nächsten Moment zusammen , da sie für einen kurzen Moment wirklich vergessen hatte, wer vor ihr stand.

Voldemort musste gegen seinen Willen leicht lächeln. Wie ironisch diese Situation doch war.

„Lily", er sprach Sie bewusst mit Ihrem Vornamen an, um sie zu beruhigen. „Ich bin nicht gegen die magischen Wesen. Ich versuche sie zu schützen. Dumbledore ist der Böse. Ich weiß, Sie werden mir das nicht glauben, aber es ist so. Er täuscht Sie. Er ist gegen die magischen Wesen! Die Meisten in seinem Hühnersuppenorden wissen das auch und sind seiner Meinung, dass man alle magischen Wesen abschlachten oder versklaven sollte.

Außerdem möchte Dumbledore die schwarze Magie auslöschen, damit nur er selbst diese mächtigste Magie beherrschen kann und unbesiegbar wird. Aber ohne die schwarze Magie würde auch die weiße aussterben und damit alle magischen Wesen. Die meisten Wesen brauchen schwarze Magie, um zu überleben. Es liegt in ihrer Natur. Ich weiß, Sie sind für die magischen Wesen, also bitte: Kommen Sie auf meine Seite!

Ich werde Ihnen alles erklären und alle Fragen beantworten. Ich habe ihrem Mann dasselbe Angebot unterbreitet, doch er wollte mir nicht zuhören. Er war keinesfalls gegen die magischen Wesen, aber Dumbledore hat ihm alle seine Lügen aufgetischt.

Ihr Mann war niemals böse, jedoch hatte er nur im Sinn, dass er seine Familie verteidigen muss. Dumbledore hat Ihnen erzählt, dass ich Sie töten will, weil er nicht wollte, dass sie die Seiten wechseln. Er wusste, dass Sie ihn niemals unterstützen würden, wenn Sie die Wahrheit kennen. Er wusste, dass Sie für die magischen Wesen kämpfen. Ich bitte Sie: Kommen Sie auf meine Seite! Und wenn nur um das Leben ihrer Kinder Willen."

"Das soll doch wohl ein Scherz sein?! Sie glauben doch nicht wirklich, dass ich Ihnen diesen Mist abkaufe?!", sagte sie entschlossen, aber etwas Verunsicherung schwang in ihrer Stimme mit.

Er kann doch nicht wirklich davon ausgehen, dass sie ihm einfach so vertraute, dass er nicht log! Es musste ein Witz sein! Er war Lord Voldemort, natürlich log er sie an, um sie auf seine Seite zu ziehen!

"Das ist kein Scherz!", meinte er mit so viel Ernst, dass Lily wirklich nicht mehr daran zweifelte, ob es gespielt sein kann.

Die Mutter formte ihren Mund zu einem O und runzelte die Stirn. „Aber warum dann Ihre ganzen Angriffe auf Muggel Kinder?", fragte sie misstrauisch.

„Oh das war ich nicht. Das war Dumbledore und hat es dann den Todessern in den Zauberstab geschoben. Wir waren eigentlich da, um die Kinder verteidigen zu können, aber Dumbledore hat es so aussehen lassen, als ob die Todesser das waren."

„Und was ist mit Remus? Er ist ein Werwolf und wenn Dumbledore wirklich gegen alle magischen Wesen ist, warum hat er Remus nicht getötet?", wollte Lily wissen.

„Remus war nie auf der Seite des Suppenhuhns. Er hat für uns spioniert. Und nun möchte ich Ihnen eine Frage stellen, Lady Potter: Was glauben Sie, warum es so wenige Treffen gab, wo Sie teilgenommen haben?", fragte er.

„Wir waren bei jedem Treffen dabei! Okay, vielleicht gab es ein zwei Treffen, wo ich wegen der Schwangerschaft nicht dabei sein konnte, aber mehr bestimmt auch nicht", meinte Lily verwirrt. Was wollte der dunkle Zauberer damit bezwecken?

„Falsch! Es gab noch viel mehr Treffen, bei denen über die wirklichen Ziele des Suppenhuhns geredet wurde. Er hat Ihnen nur etwas vorgemacht. Ich bitte Sie, Lady Potter: Kommen Sie auf meine Seite! Auf die richtige Seite. Ihre Kinder brauchen Sie", erwiderte der vermeintlich Böse.

Lily wusste, was das für sie bedeutete: Entweder sie würde die Seiten wechseln oder er wird sie töten. Sie konnte ihre Kinder nicht alleine lassen und wenn es wirklich stimmte, was er sagte, dann würde sie die Seiten nicht wirklich wechseln. Sie würde auf die richtige Seite gehen, die endlich dieselben Ziele wie sie verfolgte hat.

Trotzdem blieb sie misstrauisch: "Woher weiß ich, dass sie nicht lügen und mich im nächsten Moment töten?"

"Das können Sie nicht wissen, Lady Potter. Entweder sie folgen mir in eine für Sie ungewisse Zukunft oder ich werde sie nun töten", stellte er sie vor die Wahl. "Außerdem, wenn ich sie wirklich töten wollte, hätte ich das auch schon tun können."

Lily zuckte mit den Schultern: Mal abgesehen davon, dass sie nicht kampflos aufgibt, aber gegen ihn eh keine Chance hatte, klang es doch viel besser zusammen mit ihren Kindern für das Richtige zu kämpfen. Wenn es stimmte, was der dunkle Lord sagte, hatte sie immer noch Remus als Gesellschaft.

Also tat sie das einzig Richtige und nickte kraftlos: „Also gut", dann kam ihr jedoch noch eine Frage auf: „Aber was ist mit der Prophezeiung? Dann müsste sie doch-"

Der Zauberer unterbrach sie: „-nur erstunken und erlogen sein?" Lily nickte. „Das ist sie, Lady Potter. Das Suppenhuhn möchte, dass Ihr Sohn gegen mich kämpfen wird."

Lily fing leicht an zu zittern. Alles woran sie geglaubt hatte, war eine Lüge von Dumbledore.

„Nun gut, dann werden Sie nun Ihre Sachen packen, damit wir hier verschwinden können und ich werde diese schreckliche Illusion von Aussehen ablegen", meinte Voldemort.

„Wie jetzt? Warum müssen wir jetzt weg?", fragte Lily, obwohl sie die Antwort eigentlich schon kannte. Der Lord antwortete: „Das wissen Sie, Lily. Weil Dumbledore weiß, wo Sie wohnen und er misstrauisch werden würde, wenn er sieht, dass nur ihr Mann tot ist."

Er zückte seinen Zauberstab und Lily zuckte kurz zusammen, weil sie immer noch Angst hatte, dass er sie töten würde. Dies nahm er mit einem leichten Lächeln zur Kenntnis und murmelte leise einen Zauber.

Lily konnte sehen, wie die Illusion verschwand und Voldemorts wirklichen Aussehen Platz machte. Vor ihr stand nun ein Mann um die 30 Jahre mit braunen, leicht welligen Haaren, smaragdgrünen Augen und markanteren Gesichtszügen. Und einer Nase…

„Hallo Lady Potter, wenn ich mich vorstellen darf, ich bin Tom, auch bekannt als Lord Voldemort. Aber du kannst mich gerne Tom nennen", stellte er sich vor.

„Dann nenn mich auch Lily. Das ganze Lady Potter Gehabe nervt", sprach Lily. Als sie daraufhin jedoch registrierte, dass Lord Potter, ihr Mann tot war, flossen die Tränen und sie setzte sich aufs Bett.

Jetzt war Tom leicht überfordert und wusste nicht wirklich was er machen sollte. Er war noch nie in einer Situation, in der er eine Frau trösten musste. Also setzte er sich kurzerhand neben sie auf das Bett, legte einen Arm um ihre Schulter und streichelte beruhigend ihren Rücken.

Hoffentlich bringt das was, dachte er sich. Aber immerhin wusste er warum sie weinte und vielleicht war es im Nachhinein nicht sonderlich klug gewesen, ihren Mann zu töten. Aber er hatte sich partout geweigert, ihm zuzuhören.

Nachdem Lily sich beruhigt hatte, nahm sie sich eine Tasche aus dem Schrank und begann, ihre Kleidung hineinzuwerfen. Danach folgten ein paar Bücher und die Sachen aus dem angrenzenden Badezimmer. Schließlich ging sie mit Tom an ihrer Seite in das Zimmer ihrer Kinder und stockte.

Ihre Kinder waren weg. Einfach weg. Lily stellte sich auf den Stuhl und sah auf den Schränken nach. Vielleicht war das nur ein kleiner Magieausbruch ihres Sohnes. Aber nein! Nirgendwo waren ihre Kinder.

Gerade als Lily zu dieser Erkenntnis gekommen ist, hörte sie von draußen das Knattern eines Motorrads. Sie stürmte an das Fenster und sah gerade noch, wie sich Sirius Blacks Motorrad entfernte, jedoch mit einem ziemlich großen Mann darauf. Das konnte nur Hagrid sein. Er hatte ihre Kinder mitgenommen und das Schlimmste war, sie wusste nicht wohin, wahrscheinlich aber jedoch zu Dumbledore.

Dann fing sie an richtig zu weinen und wollte sich nicht mehr beruhigen. Tom kam zu ihr und nahm sie in den Arm. Immerhin wusste er jetzt, wie er sie trösten konnte und Lily lehnte sich an ihn. Nachdem Lily sich nach einer Weile wieder etwas beruhigt hatte, apparierte Tom mit ihr. Doch Lily bekam das gar nicht richtig mit, da ihre Gedanken sich nur noch um die Entführung ihrer Kinder drehten.

Eins war sicher, dachte sich Tom. So schnell würde sie sich nicht beruhigen und wenn sie noch die Leiche ihres Mannes sehen würde, würde das wahrscheinlich noch Wochen dauern.

Tom brachte Lily in das Gästezimmer neben seins und legte sie hinein. Da sie sich dann aber still weigerte, ihn loszulassen, legte er sich neben sie. Lily kuschelte sich an ihn und ab morgen würden sie gemeinsam nach ihren Kindern suchen, aber erst nachdem Lily sich beruhigt haben wird.