Ein dezentes Klingeln erklang über der Tür des Cafés, in dem Hermine über diversen Büchern für ihre Abschlussarbeit in Zaubertränke brütete und wegen des Geräuschs kurz den Kopf hob, um zu sehen, wie ein rundlicher Mann im Anzug das Café in den nachmittäglichen Trubel der Londoner Innenstadt verließ. Sie hatte sich genau in Blickrichtung zur Tür gesetzt, um niemanden zu verpassen, der das Café betrat, bzw. vielmehr, um drei ganz bestimmte Hexen nicht zu verpassen, die in genau einer Stunde dieses Café betreten würden, in dem Ginny das erste Treffen der vier Frauen anberaumt hatte.
Kopfschüttelnd dachte sie an den gestrigen Abend zurück, an dem ihr Ginny, Draco und Harry ihre drei Kandidatinnen für diese hirnrissige Wette vorgestellt hatten. Auch wenn sie gestern beteuert hatten, keine Späße mit ihr zu treiben und es tatsächlich diese drei Frauen waren, die sich bereit erklärt hatten, mit ihr auszugehen, hegte Hermine immer noch einige Zweifel diesbezüglich.
Ihre Ursprungstheorie, dass es sich bei ihren drei Kandidatinnen keinesfalls um Minerva McGonagall sowie Narcissa und Bellatrix Black handelte und ihre Freunde sie tatsächlich zum Narren gehalten hatten, hatte sie immer noch nicht ganz verworfen und ein Teil von ihr stellte sich schon mal darauf ein, dass drei völlig andere Frauen in einer Dreiviertel Stunde hier zur Tür hereinspazieren würden.
Sollte Hermine damit falsch liegen und wirklich die drei gefragtesten Jungesellinnen der Zaubererwelt nachher hier vor ihr sitzen, griff ihre zweite Theorie, nämlich dass ihre Freunde irgendeinen Weg gefunden hatten, die Frauen zu diesem Theater zu überreden. Für beide Varianten hatte Hermine sich schon einen Plan zurechtgelegt, wie das weitere Verfahren laufen würde, auch wenn sie davon ausging, dass ihre Freunde und vor allem Ginny schon eine sehr konkrete Vorstellung davon hatten, wie die nächsten drei Wochen ablaufen würden.
Die drei hatten gestern Abend nicht allzu viel zum Ablauf dieser Dates geäußert und nur angedeutet, dass Hermine sowie die drei Frauen schon noch rechtzeitig instruiert werden würden, wie es weiterginge. So oder so, Hermine hatte ihr eigentliches Ziel, auch ohne ihren Laptop weiter an ihrer Abschlussarbeit zu schreiben, nicht aus den Augen verloren und genau nach diesem Ziel würde sie sich richten, egal welche Frauen bald an ihrem Tisch Platz nehmen würden.
Dennoch musste sie sich eingestehen, dass sie die Vorstellung, gegebenenfalls wirklich die angekündigten drei Frauen bald in unmittelbarer Nähe zu sich zu haben, unfassbar nervös machte. Alle drei schüchterten sie jede auf ihre Weise ungemein ein und sie wollte nichts weniger, als wie ein verschrecktes Mäuschen zwischen ihnen zu sitzen und schüchtern in ihre Teetasse zu starren. Daher war sie auch mehr als eine Stunde zu früh an dem von Ginny bestimmten Treffpunkt gewesen, von der jetzt nur noch eine halbe Stunde übrig war.
Sie wollte zuerst an dem für sie fremden Ort sein, um sich in Ruhe einen Platz aussuchen und den Raum in sich aufsaugen zu können, um absolute Kontrolle darüber zu haben. Bis die Frauen hier sein würden, hätte sie den Raum zu ihrem gemacht und es wären die Frauen, die zu ihr kamen, nicht andersherum. Allein die Vorstellung, einen Raum zu betreten, in dem die drei besagten Frauen sie mit ihren Blicken durchbohrten, bis sie bei ihnen am Tisch ankommen würde, war grauenhaft.
Als sie diese Version vorab in ihrem Kopf durchgespielt hatte, war sie jedes Mal gestolpert und hingefallen, weil sie den drei Paar Augen, die auf sie gerichtet waren, nicht ausweichen konnte, und die Version, in der sie auf ihren Weg geachtet hatte, um nicht hinzufallen, hatte nur dazu geführt, dass sie sich wieder wie ein kleines Mäuschen fühlte, das dem Blick dreier Katzen auswich, um ihnen geradewegs in die Krallen zu laufen.
Diese beiden Horrorvorstellungen hatte sie schon mal abgewendet und sie war überaus froh, dass sie auf diese Idee gekommen war, was erheblich zu ihrer Beruhigung beigetragen hatte. Wenn sie schon die eigentliche Situation nicht kontrollieren konnte, wollte sie wenigstens das Gefühl haben, das wie der Situation bestimmen zu können. Da sie aber auch nicht eine Stunde angespannt die Eingangstür des Cafés fixieren wollte, hatte sie sich zur Ablenkung ein paar Bücher ihrer aktuellen Fachliteratur mitgebracht und sie wie eine Mauer um sich herum auf dem Tisch verteilt, einen Papierblock direkt vor sich liegend und einen Kugelschreiber in der Hand, um sich hin und wieder wichtige Notizen zu machen. Die Zeit hatte sie damit auch gleich sinnvoll genutzt, also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
So weit, so gut, Granger. Du kontrollierst den Raum, du kontrollierst deine Abschlussarbeit und du wirst den Verlauf dieses Schmierentheaters kontrollieren. Sie atmete tief aus, als sie dies mantraartig vor sich hinsagte, als wieder das Klingeln der Eingangstür ertönte und sie erschrocken die Augen aufriss. Eine Frau mit zwei Kindern im Schlepptau betrat das Café und Hermine stieß den Atem aus, den sie offensichtlich in ihrer Panik angehalten hatte.
So viel zur Kontrolle, Granger. Sie rollte die Augen über sich selbst und ihre übertriebene Reaktion und nahm einen Schluck ihres grünen Tees, in der Hoffnung, dass das warme Getränk sie beruhigen würde. Sie hatte sich bewusst gegen Kaffee entschieden, der sie nur noch unruhiger gemacht hätte, wollte aber dennoch fokussiert bleiben, wenn sie schon Arbeit mitgebracht hatte. Ein Blick auf ihre Uhr verriet ihr, dass es nur noch 15 Minuten bis zur vereinbaren Zeit waren.
Reiß dich zusammen, Granger, du kannst jetzt nicht kurz vorher die Nerven verlieren. Sie richtete ihre ganze Konzentration auf den Absatz, den sie zuletzt gelesen hatte und zwang sich dazu, zu jedem Satz wenigstens ein paar Schlagwörter zu notieren. Auch wenn sie diesen Absatz gar nicht wirklich für ihre Abschlussarbeit gebrauchen konnte, wenigstens hatte sie so eine aktive Ablenkung.
Schreiben, Granger, einfach schreiben. Du bist wahnsinnig beschäftigt mit wahnsinnig wichtigen Dingen und wer auch immer in den nächsten Minuten zu dieser Tür hereinkommt, wird hinter dieser wahnsinnig wichtigen Arbeit anstehen müssen. Das ist immer noch mein Leben und ICH entscheide, wer oder was darin Priorität hat.
Sie zuckte erneut zusammen, als die Tür erneut klingelte und sie panisch aufblickte, nur um zu sehen, wie die Frau mit den zwei Kindern das Café wieder verließ, alle einen Plastikbecher mit Getränken zum Mitnehmen in der Hand.
Frustriert blickte Hermine wieder auf ihre Notizen und schrieb weiter, eine Hand in ihrem Nacken vergraben, wie sie es oft tat, wenn sie angespannt arbeitete, als sie die Schritte der Kellnerin auf sich zukommen hörte. Ein kurzer Blick in ihre fast leere Teetasse sagte ihr, dass sie tatsächlich ein weiteres Getränk gebrauchen könnte, doch da es laut ihrer Armbanduhr nur noch fünf Minuten waren, wollte sie nicht unhöflich erscheinen und ohne die Frauen bestellen: „Nein, danke. Ich warte noch auf jemanden."
Mit einem freundlichen Lächeln sah sie auf, um die Kellnerin damit für ihren unnötigen Weg zu ihr an den Tisch zu entschädigen, und erstarrte mitten in der Bewegung, als sie in smaragdgrüne Augen blickte, die freundlich auf sie herabblickten.
„Auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass ich nicht die einzige bin, die die Ehre hat, heute hier erscheinen zu dürfen, hoffe ich doch, dass die Entscheidung nicht schon gefallen ist, bevor ich überhaupt eine Gelegenheit hatte, mich zu beweisen?"
„Professor McGonagall…", keuchte Hermine überrascht. Wie war das möglich? Wieso hatte sie das Klingeln der Eingangstür nicht gehört? Die Hexe konnte doch unmöglich direkt hier im Raum appariert sein, das hier war schließlich die Muggelwelt? Hatte die Frau sich in ihrer Katzengestalt hier hereingeschlichen und sich erst direkt vor Hermines Tisch zurückverwandelt? Doch auch als Katze hätte sie zur Tür hereinkommen und somit die Klingel auslösen müssen, die offensichtlich kurz zuvor noch funktioniert hatte, als die Frau mit ihren Kindern das Café verlassen hatte. Die Frau mit ihren Kindern! Hermine hätte sich am liebsten die Hand vor die Stirn geschlagen, als sie ihre eigene Dummheit erkannte. Die Schulleiterin war offensichtlich in dem Moment hereingekommen, als die Tür von der kleinen Familie gerade offengehalten wurde.
Die schwarzhaarige Hexe hob eine Augenbraue angesichts der Anrede: „Ganz schön förmlich für ein erstes Date, Miss Granger, besonders da wir uns eigentlich schon sehr viele Jahre kennen."
Bei den Worten „erstes Date" begann Hermines Puls an ihrem Hals in rasendem Tempo zu pochen und ihre Kehle war plötzlich wie ausgetrocknet. Sie schluckte in der Hoffnung, ihren Stimmbändern damit genug Flüssigkeit zu liefern, um mehr als ein Krächzen aus ihrem Hals zu bekommen. Vorausgesetzt ihr Gehirn verließ sie wegen eines vorzeitigen Blackouts nicht sowieso und sie sich gar keine Sorgen darum zu machen brauchte, weil sie keinen klaren Satz im Angesicht der hochgewachsenen Schottin herausbrachte, die sie zum ersten Mal in Muggelkleidung sah.
Fuck, wieso habe ich mich darauf nicht vorbereitet?! schimpfte Hermine mit sich selbst, als sie ihren Blick über den Körper ihrer ehemaligen Lehrerin für Verwandlung gleiten ließ. Schwarze Stiefeletten lugten unter einer eleganten schwarzen Stoffhose hervor, die die langen schlanken Beine der älteren Frau zur Geltung brachten. Eine locker sitzende grüne Bluse bedeckte ihren Oberkörper und auch wenn Minerva McGonagall keinesfalls hautenge Kleidung für dieses Treffen gewählt hatte, kannte Hermine sie bislang nur in weiten Roben und Umhängen und dieses Outfit zeigte ihr wesentlich mehr, als sie jemals vom Körper der Schulleiterin gesehen hatte. Und verflucht, ihr gefiel, was sie sah.
Die grüne Bluse hatte dieselbe Farbe wie ihre Augen und brachten diese nur noch mehr zum Funkeln, besonders da sie nicht hinter ihren üblichen Brillengläsern verborgen waren. Das einzige an ihr, was typisch McGonagall war, war ihr für sie charakteristischer Dutt, mit dem sie ihre schwarzen Haare üblicherweise bändigte, doch auch dieser schien heute wesentlich lockerer zu sitzen, als Hermine es von ihr kannte. Einige leicht gewellte Strähnen hatten sich sogar daraus gelöst und umrahmten das Gesicht der älteren Frau, die Hermine mit einem wissenden Lächeln bedachte, nachdem diese mit ihrer offensichtlichen Inspektion der älteren Frau fertig war.
Sie lief hochrot an, als sie erkannte, dass sie beim Starren erwischt worden war, doch bevor sie die richtigen Worte finden konnte, um von ihrem Fauxpas abzulenken, kam Minerva ihr lächelnd zuvor und drückte beruhigend ihre Schulter: „Kein Grund, sich zu schämen, Hermine. Wenigstens weiß ich jetzt, dass ich noch im Rennen bin. Darf ich mich zu dir und deinen Büchern setzen?"
Die konkrete Frage riss Hermine endlich aus ihrer Trance und sie begann hektisch, die Bücher um sich herum zu schließen und die Tischfläche auf Minervas Seite freizuräumen: „Ja, natürlich, Professor, tut mir leid, ich war zu versunken in meine Arbeit und…"
Minerva unterbrach sie, während sie zur Linken ihrer ehemaligen Schülerin Platz nahm: „Ich sehe schon, alte Gewohnheiten sind schwer abzulegen. Dennoch hoffe ich doch, dass du es im Laufe dieser drei Wochen schaffst, mich bei meinem Vornamen anzusprechen, sonst muss ich davon ausgehen, dass du aus den falschen Gründen an mir interessiert bist."
Als Hermine fragend die Augenbrauen zusammenzog, fügte sie hinzu: „Wenn es dir nur um das Ausleben einer Schulmädchenfantasie geht, …"
Hermine stieß vor Schreck beinahe ihre Teetasse um, als sie Minerva panisch unterbrach: „Himmel Herrgott, nein, so war das nicht gemeint, Professor…"
Beim erneuten Klang ihres Titels hob Minerva vielsagend die Augenbrauen, doch Hermine wischte ihre nonverbalen Einwände beiseite: „Bevor wir diese Treffen beginnen, möchte ich Ihnen allen einen Vorschlag unterbreiten, zumindest sobald wir vollzählig…"
Der Rest des Satzes blieb Hermine im Halse stecken, als die Eingangstür plötzlich klingelte und ihre ganze Aufmerksamkeit auf den neuen Gast lenkte. Da ihre ursprüngliche Theorie, dass es sich bei den Kandidatinnen nicht um die drei Frauen handelte, die ihre Freunde angekündigt hatten, mit dem Erscheinen von Minerva McGonagall wie eine Seifenblase zerplatzt war, musste sie nun damit rechnen, auch den Black Schwestern gegenübertreten zu müssen, was sie erneut in einen Panikmodus versetzte.
Ihr Herz setzte eine Sekunde aus, um nur umso schneller weiterzuschlagen, als Narcissa Black das Café betrat und mit einem Selbstbewusstsein, als gehöre ihr der ganze Laden, auf den Tisch zukam, an dem sie die beiden Frauen entdeckt hatte. Die Frau sah aus, als wäre sie soeben direkt von einer Modenschau hierhergekommen und so, wie sie sich bewegte, hätte sie sich durchaus auch auf einem Catwalk befinden können.
Hermine schluckte, in der Hoffnung, den dicken Kloß loszuwerden, der sich dort gebildet hatte, als die elegante Blondine, die ihre langen Haare in einem lockeren Pferdeschwanz trug, geradewegs auf sie zusteuerte. Der enganliegende hellgraue Bleistiftrock, der bis zu ihren Knien reichte, schien geradezu an ihren Beinen festzukleben, denn er verrutschte bei keinem perfekt platzierten Schritt, den die ältere Hexe mit ihren schwarzen Pumps machte.
In dem Rock steckte eine cremefarbene Bluse, die wahrscheinlich teurer war als alle Kleidungsstücke in Hermines Kleiderschrank zusammen, aber definitiv teurer als die Jeans und die einfache blaue Bluse, die Hermine in diesem Moment trug. Die Frau machte ihrem Titel der „Eiskönigin" mit diesem Outfit wirklich alle Ehre und Hermine musste sich zwingen, den Blick von den langen Beinen der Blondine wegzureißen, die direkt vor ihr Halt gemacht hatten, und in ihre stechend blauen Augen zu blicken, mit denen die ältere Frau sie fixierte. „Hermine", hauchte sie, als sie sich vorbeugte, um die braunhaarige Hexe einmal auf die linke und anschließend auf die rechte Wange zu küssen und ihr anschließend nur eine Handbreit von ihr entfernt zu sagen: „Schön, dich zu sehen."
Der Auftritt der jüngsten Black-Schwester sowie die Tatsache, wie nah sie Hermine in diesem Augenblick war – so nah, dass die jüngere Hexe ihr teures Parfum riechen konnte und den Impuls unterdrücken musste, ihre Nase am Hals der blonden Frau zu vergraben – hatte zu einem erneuten Blackout in Hermines Gehirn geführt. Der einzige Satz, der in diesem Moment in Hermines Kopf wie in einer leeren Kirche widerzuhallen schien, war: Gott, sie riecht so gut. Sie riecht so gut. Sie riecht so gut. Narcissa schmunzelte angesichts von Hermines Sprachlosigkeit: „Ist der Platz neben dir noch frei?"
Wieder half ihr die konkrete Frage endlich aus ihrer Schockstarre: „Ja, natürlich, Miss Black, bitte setzen Sie sich, entschuldigen Sie, ich war in Gedanken, …"
Die Blondine schnalzte missbilligend mit der Zunge: „Obwohl ich die jüngste deiner drei Verehrerinnen bin, schaffst du es dennoch gekonnt, dass ich mich alt fühle, Hermine, vielen Dank auch." Ihre Stimme war einen Hauch kühler geworden, als sie rechts von Hermine Platz nahm und Minerva mit einem kurzen Kopfnicken begrüßte: „Minerva." Die Schottin lächelte höflich und erwiderte ebenso knapp: „Narcissa."
Hermine war dankbar dafür, dass die blauen Augen, die ihr plötzlich wesentlicher kühler erschienen, einen kurzen Moment nicht auf sie gerichtet waren, sodass sie sich sammeln konnte, um Narcissa entsprechend antworten zu können, auch wenn ihr Gehirn immer noch um das Wort „Verehrerinnen" kreiste, das sie hatte erschaudern lassen.
Sie räusperte sich, richtete sich auf und erwiderte den Blick aus eiskalten blauen Augen: „Ich versichere Ihnen, Miss Black, das hat nichts mit Ihrem Alter zu tun. Ich habe bereits Professor McGonagall gegenüber angedeutet, dass ich Sie durchaus absichtlich so ansprechen möchte, bevor unsere Treffen beginnen, weil ich Ihnen einen Vorschlag zu unterbreiten habe, den ich aber erst erklären möchte, wenn wir vollzählig sind."
Narcissa sah sie ungläubig an und blickte fragend zu Minerva, als könne sie ihr das Verhalten der jüngeren Hexe erklären. Die schwarzhaarige Frau zuckte lediglich mit den Achseln und lächelte mit einem kurzen Blick auf die braunhaarige Frau zwischen ihnen: „Hermine hat immer einen Plan, Narcissa, und was auch immer sie uns vorschlagen wird, hat sie vorab gründlich durchdacht, sei gewiss."
Erleichtert und dankbar blickte Hermine in die warmen Augen der Schulleiterin und spürte, wie ein wenig Anspannung von ihr abfiel angesichts des Vertrauens, das die ältere Frau in sie hatte. Narcissa schien wenigstens für den Moment ein wenig besänftigt zu sein, als sie sich zurücklehnte und der Kellnerin mit einem Wink bedeutete, dass sie bestellen wollte. „Sollten wir nicht mit dem Bestellen warten, bis wir vollzählig sind?" warf Hermine ein.
„Ach Liebling, die erste Lektion in Sachen Bellatrix Black, die du lernen musst, ist, dass meine älteste Schwester immer zu spät kommt", erklärte Narcissa augenrollend, womit sie ganz klar ihre Missbilligung angesichts des Verhaltens ihrer Schwester zum Ausdruck brachte. Hermine wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte, besonders weil ihre Gedanken bei dem Kosenamen „Liebling", mit dem die Blondine sie angesprochen hatte, eine abrupte Vollbremsung hingelegt hatten und sie nun verzweifelt versuchte, die Horde Schmetterlinge, die gerade in wilder Panik in ihrem Bauch herumflatterten, zu besänftigen. Narcissa schien genau zu wissen, was sie in der jüngeren Hexe ausgelöst hatte, als sie sie schmunzelnd mit ihren blauen Augen fixierte.
„Zu Schulzeiten hatte sie diese schlechte Angewohnheit aber noch nicht", warf Minerva ein und runzelte die Stirn angesichts dieser Information.
Narcissa lächelte wissend, als sie ihre Aufmerksamkeit auf Minerva richtete. „Die Unpünktlichkeit meiner Schwester ist keine Angewohnheit, Minerva, sie richtet sich vielmehr nach dem Anlass, zu dem sie zu erscheinen hat. In dieser Situation wird sie sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, einen Auftritt hinzulegen, um auch sicherzugehen, das Zentrum aller Aufmerksamkeit zu sein. Auch ihrer." Sie nickte in Richtung der Kellnerin, die soeben an ihren Tisch getreten war, um ihre Bestellung aufzunehmen.
Nachdem Hermine eine weitere Tasse grünen Tee, Minerva einen schwarzen Tee und Narcissa einen Cappuccino sowie ein Glas stilles Wasser bestellt und die Kellnerin sich wieder auf den Weg zum Tresen gemacht hatte, begann Hermine, ihre restlichen Bücher, die immer noch auf dem Tisch verstreut lagen, aufzuräumen, um für die bestellten Getränke Platz zu schaffen.
Narcissa beobachtete sie aufmerksam und legte plötzlich eine überraschend warme Hand auf Hermines, als diese gerade das letzte Buch zu sich ziehen wollte. Verwundert starrte sie die jüngste Black-Schwester an. „Ich würde dir da gerne noch ein paar bessere Einblicke gewähren, wenn du mich lässt."
Die Augen der Blondine leuchteten aufgeregt und auch wenn Hermine überhaupt nicht verstand, wie sie den Kommentar in ihre bisherige Unterhaltung einzuordnen hatte, wanderte ihr Blick automatisch zu Narcissas Ausschnitt, während ihre Gedanken eine äußerst unpassende Richtung nahmen.
Ein Schnauben zu ihrer Linken sowie herzliches Gelächter zu ihrer Rechten rissen sie jedoch schnell wieder zurück in die Realität, als sie dem keinesfalls erfreuten Blick von Minerva begegnete und Narcissa ihr immer noch lachend erklärte: „In Zaubertränke, Liebling. Ich habe eine ausführlichere Ausgabe dieses Buchs in meiner Privatbibliothek, in die du gerne mal einen Blick werfen darfst." Sie tippte mit dem Zeigefinger der Hand, die immer noch auf Hermines lag, auf das Buch darunter und sah die jüngere Hexe vielsagend an.
Hermine wusste nicht, ob man an Schamesröte sterben konnte, aber in diesem Moment fühlte sich ihr Kopf so unnatürlich heiß an, dass sie Angst hatte, sämtliche Gehirnflüssigkeit würde in diesem Moment verdampfen. Sie saß noch keine zwanzig Minuten hier mit nur zwei der drei Kandidatinnen zusammen und schon fühlte sie sich wie ein unbedarftes Schulmädchen, das beim kleinsten Anblick einer attraktiven Frau in Ohnmacht fällt. Wahrscheinlich würde sie das sogar, wenn sie es mit allen dreien aufnehmen musste.
Hermine hatte sich noch nie so sehr die oberflächlichen Frauen zurückgewünscht, mit denen sie in ihrer Vergangenheit ausgegangen war. In deren Gegenwart hatte Hermine wenigstens noch Zugriff zu ihrem Gehirn gehabt. Mit Mühe brachte sie hervor: „Oh ähm, danke Miss Black, das ist sehr nett von Ihnen. Vielleicht komme ich darauf zurück."
Bevor Narcissa zu einer weiteren zweideutigen Antwort ansetzen konnte, zumindest nach dem spitzbübischen Funkeln in ihren Augen zu urteilen, lenkte eine andere warme Hand Hermines Aufmerksamkeit auf sich, die sich auf Hermines noch freie Hand gelegt hatte. Sie sah zu Minerva auf, die sie warmherzig anlächelte: „Hermine, Liebes, es steht dir natürlich auch stets frei, die Hogwarts-Bibliothek für deine Studien zu nutzen, auch die verbotene Abteilung. Meine Türen stehen dir jederzeit offen und vielen Menschen in Hogwarts wäre es bestimmt eine große Freude, dich mal wieder zu sehen."
Was passierte hier gerade? Konkurrierten die beiden Hexen gerade darum, wer Hermine die größere Bibliothek für ihre Abschlussarbeit zur Verfügung stellen konnte? Wäre die Situation nicht so absurd gewesen, hätte Hermine laut losgelacht. Wenigstens fiel es ihr gegenüber Minerva leichter, eine Antwort zu formulieren und der Gedanke, Hagrid und ihre alten Professoren wiederzusehen, erfüllte sie mit ehrlicher Freude: „Danke Professor, das ist sehr großzügig. Ich werde es mir durch den Kopf gehen lassen."
Unsicher darüber, was sie nun mit ihren Händen anfangen sollte, die immer noch unter jeweils einer der Hände der beiden älteren Hexen lagen, war Hermine fast erleichtert über das Klingeln der Eingangstür. Fast erleichtert. Während Minervas Erscheinen sie durchaus nervös gemacht und Narcissas Ankunft ihr das Wasser im Mund hatte zusammenlaufen lassen, war das nichts im Vergleich zu dem Auftritt der ältesten Schwester aus dem vornehmen und alten Haus der Blacks.
Die Temperatur im ganzen Raum schien gerade um einige Grad Celsius gestiegen zu sein und Hermine wand sich unangenehm auf ihrem Stuhl, als sie versuchte, die Hitze, die plötzlich von ihrem ganzen Körper beim Anblick der dunklen Hexe Besitz ergriffen hatte, zu vertreiben. Bellatrix Black war von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet. Wieso überrascht mich das nicht?
Schwarze Bikerboots, eine schwarze enganliegende Lederhose, ein schwarzes Tank-Top, das ihre vollen Brüste betonte, und eine schwarze Lederjacke bedeckten ihren Körper und gaben dennoch alles preis, was die ältere Hexe damit ausdrücken wollte. Alles an ihr strahlte Macht und Dominanz aus. Von ihr ging eine Energie aus, die wie Schallwellen durch den Raum bis hin zu Hermines Körper und in sie hineinzupulsieren schien.
Im Gegensatz zu ihrer jüngeren Schwester kam Bellatrix aber nicht direkt auf ihren Tisch zu, sondern schien den dramatischen Auftritt noch ein wenig in die Länge zu ziehen und zu genießen, als sie in der Tür stehenblieb und langsam die schwarze Sonnenbrille abnahm, die ihre fast genauso schwarzen Augen bislang verborgen hatten.
Geradezu gemächlich faltete sie die Sonnenbrille zusammen und steckte sie sich an den Ausschnitt ihres Tanktops. Hermine konnte nicht anders, als der Bewegung zu folgen, was genau das war, was die dunkle Hexe gewollt hatte, als Hermine das diabolische Grinsen sah, das sich auf ihrem Gesicht ausbreitete. Ihre langen dunklen Locken, die offen und wild über ihre Schultern fielen, hüpften leicht, als Bellatrix sich in Bewegung setzte und die braunhaarige Hexe dabei keine Sekunde aus den Augen ließ.
Wie ein Raubtier, das seine Beute fixierte, kam Bellatrix auf sie zu, bis sie vor dem Stuhl, der Hermine genau gegenüberstand, stehen blieb und grinsend auf die Hände der beiden älteren Frauen blickte, die immer noch besitzergreifend auf Hermines lagen. „Na na, habt ihr mit dem Vorspiel etwa schon ohne mich angefangen?"
Hermine wagte es nicht, auch nur einen Seitenblick auf die beiden Frauen links und rechts von sich zu werfen, so eingenommen war sie von der dunklen Hexe vor ihr. Sie spürte lediglich, wie die Griffe beider Frauen sich etwas fester um ihre Hände schlossen, was Bellatrix nur noch mehr zu amüsieren schien.
Mit einer lockeren Bewegung ihres Oberkörpers ließ sie die Arme nach hinten fallen und die Lederjacke damit von ihren Schultern gleiten, um den Blick auf schlanke, aber muskulöse Arme freizugeben, über die Hermine nur allzu gerne ihre Finger gleiten lassen würde. Bellatrix warf die Lederjacke achtlos über die Stuhllehne, doch statt sich hinzusetzen, stellte Hermine erschrocken fest, dass sie an Narcissa vorbei geradewegs auf sie zukam.
Hermines Puls raste, als die dunkle Hexe immer näherkam und direkt vor ihr stehenblieb. Sie sah zu ihr auf und begegnete dem Blick aus schwarzen Augen, die bis in ihre Seele zu blicken schienen. Sie konnte sich immer noch nicht rühren, ihre Hände immer noch gefangen im Griff der beiden anderen Frauen.
Bellatrix schmunzelte, als sie sich zu Hermine hinunterbeugte, ihren Arm auf Hermines Rückenlehne abstützte und ihr damit einen sehr tiefen Einblick in ihr Dekolleté gewährte. Hermine konnte den Ansatz von schwarzer Spitze erkennen, der sich um die vollen Brüste der älteren Frau schmiegte, und sie konnte den Gang ihrer Gedanken nicht mehr aufhalten, als sie sich fragte, ob das Höschen der Frau auch schwarz war und sich darin gerade dieselbe warme Feuchtigkeit sammelte, die sich mittlerweile zwischen Hermines Beinen bemerkbar machte.
Die älteste Black-Schwester beugte sich noch weiter nach vorne, bis ihre Lippen Hermines Ohr streiften und der warme Atem der Hexe ihr einen wohligen Schauer über den Rücken laufen ließ: „Hallo, kleine Hexe. Mmmh, gefällt mir eigentlich, dass du deine Hände gerade nicht bewegen kannst."
„Bella!"
„Ganz ruhig, Cissy, ich bin ja schon brav", lachte Bellatrix, als sie sich wieder aufrichtete, Hermine sanft über die Haare strich, zu ihrem Stuhl zurückkehrte und sich wenig elegant darauf fallen ließ, immer noch ein Schmunzeln in den dunklen Augen. Sie lächelte ihre kleine Schwester mit einer Warmherzigkeit an, die Hermine ihr gar nicht zugetraut hätte, bevor sie sich der Schulleiterin von Hogwarts zuwandte und fast schon provozierend mit dem Kopf in ihre Richtung zuckte. „McGonagall."
„Bellatrix", begrüßte die grünäugige Schottin sie kühl.
„So, hier kommen Ihre Getränke", unterbrach die Kellnerin die Begrüßungsrunde und richtete ihre Aufmerksamkeit auf Bellatrix, nachdem sie die anderen Frauen mit ihren Getränken versorgt hatte, „und was darf ich Ihnen bringen?" Sie strich sich verlegen eine Haarsträhne hinter das Ohr und lächelte die dunkle Hexe strahlend an. Bellatrix schien jedoch nicht mitzubekommen, welche Wirkung sie auf die Kellnerin hatte und rasselte ihre Bestellung herunter: „Eine Tasse Kaffee, schwarz, eine Coke Zero, mit Eis, und ein Wasser, Medium. Danke Schätzchen." Die Kellnerin notierte sich alles eifrig und verschwand wieder Richtung Tresen.
„Ernsthaft, Bella? Drei Getränke?"
„Langsam solltest du mich eigentlich kennen, Schwesterherz."
Narcissa rollte nur mit den Augen und nahm einen Schluck von ihrem Wasser, während ihre andere Hand immer noch auf Hermines ruhte, die den Schlagabtausch der beiden Schwestern fasziniert beobachtet hatte. Die beiden waren so unterschiedlich, dass man kaum glauben konnte, dass sie Schwestern waren. Bellatrix dunkel, wild und ungezähmt, Narcissa blond, beherrscht und gefasst. Die beiden waren wie Feuer und Wasser und dennoch strahlten beide eine Dominanz aus, die in Hermine das Bedürfnis auslöste, sich beiden vollkommen unterordnen zu wollen, sie zufriedenzustellen und ihnen zu Diensten zu sein. Moment mal, wo kommt das denn jetzt bitte her? Hermine schüttelte den Kopf und schloss für einen Moment die Augen, um sich von den äußeren Reizen, die auf sie einprasselten, abzuschirmen. Das klingt fast schon wie der Anfang eines schlechten Witzes: Kommen drei heiße Hexen in ein Café…und schon wird Hermine Granger, das Gehirn des Goldenen Trios und die brillanteste Hexe ihrer Zeit zu einem Nervenbündel aus Hormonen. Ginny hat Recht, ich muss dringend ordentlich…
„Hermine?" Minervas sanfte Stimme und eine warme Hand an ihrer Wange rissen sie aus ihren Gedanken. Sie öffnete ihre Augen und begegnete dem besorgten Blick der schottischen Hexe.
„Alles in Ordnung, meine Liebe?" Minervas Sorge um sie wärmte ihr das Herz.
„Alles in Ordnung", bekräftigte sie nickend, „nur ein wenig überwältigt."
Minerva nickte verständnisvoll, strich ihr sanft mit dem Daumen über die Wange und zog ihre Hand wieder zurück. Schon schob sich ein Glas Wasser in Hermines Sichtfeld und ihr Blick wanderte zu Narcissa, die ihr ihr Wasserglas reichte: „Hier Liebling, trink einen Schluck Wasser."
Dankbar nahm sie das Glas entgegen, trank einen Schluck der kühlen Flüssigkeit und spürte, wie sie langsam ruhiger wurde. Sie räusperte sich, hob ihren Blick und begegnete Bellatrix' dunklen Augen. Die Hexe lutschte an einem Eiswürfel ihrer Cola und ließ die Brünette dabei keine Sekunde aus den Augen. Die Kellnerin musste ihr ihre Getränke gebracht haben, als Hermine für einen Moment ihre Augen geschlossen hatte.
Wie gebannt starrte Hermine auf die sinnlichen Lippen der dunklen Hexe, die den Eiswürfel gekonnt von den Cola-Resten befreite, die an ihm klebten. Mit einem leisen Plopp nahm Bellatrix den Eiswürfel aus ihrem Mund und ließ ihn, nachdem sie einen kurzen Blick in das fast leere Café geworfen und sichergestellt hatte, dass niemand zu ihnen sah, zu Hermine schweben, bis er vor ihrem Gesicht Halt machte.
Hermine sah verwirrt auf den Eiswürfel vor ihr und dann zu Bellatrix, die sie ernst anblickte und flüsterte: „Vertraust du mir, kleine Hexe?" Hermine nickte lediglich und Bellatrix lächelte zufrieden, drehte ihre Finger in einem eleganten Halbkreis und der Eiswürfel folgte ihrer Bewegung, als er um Hermine herumschwebte und sich an ihrem Nacken festklebte. Hermine sog erschrocken die Luft ein, als die Kälte des Eiswürfels auf ihre überhitzte Haut traf.
„Bella, was soll das?"
„Feng Fu", flüsterte Bellatrix, den Blick immer noch auf Hermine gerichtet.
„Wie bitte?", fragte Narcissa erneut.
Bellatrix rollte mit den Augen, als sie kurz zu ihrer Schwester blickte, um gleich darauf wieder Blickkontakt mit Hermine aufzunehmen und erklärte: „Der Feng-Fu-Punkt sitzt im Nacken. Wenn man ihn mit einem Eiswürfel stimuliert, hilft das bei der Entspannung, trägt zur Stärkung des Nervensystems bei und lindert viele andere Beschwerden. Wir müssen nur ein Weilchen warten und gegebenenfalls ein paar Eiswürfel nachliefern, aber hier in meiner Cola schwimmen noch genügend herum, die sollten reichen. Wie geht es dir, kleine Hexe?"
Hermine konnte nicht glauben, was sie eben gehört hatte, und noch viel weniger, was der Eiswürfel tatsächlich bei ihr bewirkte. Ungläubig starrte sie Bellatrix and und wisperte nur: „Besser."
Bellatrix lächelte ehrlich erfreut, klatschte in die Hände und blickte in die Runde: „Sehr schön. Also, wie soll der ganze Spaß hier die nächsten drei Wochen ablaufen? Weasley hat nicht allzu viel durchblicken lassen, als sie mir von dieser Wette erzählt hat."
Das Wort „Wette" schien genau Hermines Stichwort zu sein, das sie an die hirnrissige Idee ihrer Freunde und die Pläne, die sie diesbezüglich geschmiedet hatte, erinnerte und ihr ein Gefühl der Kontrolle zurückgab, besonders weil der Eiswürfel in ihrem Nacken tatsächlich Wunder wirkte und ihr eine Klarheit verlieh, die sie während des ganzen Nachmittags nicht verspürt hatte.
Sie richtete sich gerade auf, räusperte sich und sah von einer Hexe zur anderen, die sie nun alle erwartungsvoll anblickten. „Professor McGonagall, Miss Black und Miss Black", begann sie, wurde jedoch von Bellatrix unterbrochen.
„Woah Kleines, sind wir hier vor Gericht oder warum so förmlich?"
„Hermine will es so, Bellatrix, also würde ich vorschlagen, du hältst deinen Mund und lässt sie ausreden", kam Minerva zu Hermines Verteidigung.
Bellatrix hob beschwichtigend die Hände und grinste lasziv in Hermines Richtung: „Ich bin flexibel, kleine Hexe. Wenn du klare Hierarchien magst, bin ich gerne Miss Black für dich – oder Mistress Black, wenn dir das lieber ist."
„Bella…", kam der genervte Einwand ihrer blonden Schwester, doch Bellatrix lächelte nur provokant in ihre Richtung, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder Hermine zuwandte, die zu ignorieren versuchte, was der Ausdruck „Mistress Black" und alles, was er implizierte, in ihrem Unterleib auslöste, und fortfuhr: „Ich habe Ihnen allen einen Vorschlag zu unterbreiten. Nachdem meine Freunde die irrtümliche Überzeugung entwickelt haben, dass ich zu viel Zeit in meine aktuelle Abschlussarbeit und zu wenig Zeit in private Vergnügungen investiere, habe sie eine Wette geschlossen, laut der ich in drei Wochen mehrere Verabredungen mit drei Hexen ihrer Wahl", sie blickte vielsagend in die Runde, „haben werde, um mich am Ende für eine zu entscheiden.
Ich fühle mich geschmeichelt, dass Sie drei sich dazu bereit erklärt haben, die drei bei dieser hirnrissigen Idee zu unterstützen, aber ich möchte Ihre wertvolle Zeit auch nicht über die Maßen beanspruchen. Das soll heißen, dass, egal womit meine Freunde Sie gelockt, bestochen oder überredet haben, sich hierauf einzulassen, Sie müssen das nicht tun. Wir können entweder die Verabredungen so kurz wie möglich halten oder sie überhaupt nicht stattfinden lassen, wovon die drei aus meiner Sicht nichts erfahren müssen. Weder Ihre noch meine Zeit muss unnötig darunter leiden, dass wir den Vorgaben von Ginny, Harry und Draco auf den Punkt genau folgen. Damit wäre uns allen geholfen."
Die drei Frauen hatten schweigend zugehört, was Hermine zu sagen hatte.
Bellatrix ergriff als erste das Wort: „Wir könnten auch direkt zum Ende vorspulen, bei dem du dich für mich entscheidest, Kleines, das wäre noch viel einfacher." Sie grinste selbstsicher und lutschte an einem weiteren Eiswürfel.
„Sei dir da mal nicht so sicher, Bella", zischte Narcissa, die ihrer Schwester einen vernichtenden Blick zuwarf.
„Wirklich Cissy?" gab Bellatrix fast schon gelangweilt zurück. „Wann hast du jemals gegen mich gewonnen?"
„Es geht hier nicht um Gewinnen oder Verlieren, Bellatrix", maßregelte Minerva sie drohend. „Wenn Hermines Zuneigung lediglich ein Spiel für dich ist, solltest du besser jetzt aussteigen und denjenigen das Feld überlassen, die es tatsächlich ernst mit ihr meinen."
Bellatrix richtete sich auf, ihre dunklen Augen funkelten. „Ach, und du meinst es ernst mit ihr, alte Katze? Kannst du überhaupt mit ihr mithalten?"
„Du wärst überrascht", erwiderte die Schulleiterin kühl und beherrscht, doch die Magie, die um sie herum pulsierte, machte nur allzu deutlich, wie kurz die Schottin davor war, die Beherrschung zu verlieren.
Das Scharren eines Stuhls, der zurückgeschoben wurde, ließ die drei streitenden Frauen aufhorchen und alle Augen richteten sich auf Hermine, die sich erhoben hatte, verwirrt den Blick von einer Hexe zu anderen schweifen ließ, den Kopf schüttelte und ohne ein weiteres Wort einen Geldschein auf den Tisch warf, sich ihre Tasche schnappte und aus dem Café verschwand, bevor eine der drei Frauen überhaupt reagieren konnte.
