Minerva McGonagall, Narcissa Black, Bellatrix Black. Minerva McGonagall, Narcissa Black, Bellatrix Black. Minerva McGonagall, Narcissa Black, Bellatrix Black.

Hermine war schwindlig, obwohl sie auf dem bequemen Teppichboden ihres Wohnzimmers lag, ihre Beine auf dem Sofa vor sich abgelegt und zur weißen Zimmerdecke aufblickend.

Sie hatte keine Ahnung, wie lange sie sich schon in dieser Position befand, seit sie direkt nach ihrer Flucht aus dem Café in ihre Wohnung zurückgekehrt war, ihr Tasche achtlos im Flur auf den Boden hatte fallenlassen und direkt im Wohnzimmer zusammengebrochen war, völlig überfordert von den Ereignissen des Nachmittags.

Sie hatte die ganze Situation eindeutig unterschätzt. Sie gab zu, sie war ein wenig leichtsinnig in dieses Treffen gegangen, fast völlig überzeugt davon, dass niemals Minerva McGonagall, Narcissa Black und Bellatrix Black ihre drei Kandidatinnen sein konnten, auch wenn Ginny, Harry und Draco darauf beharrt hatten, die Wahrheit zu sagen.

Natürlich war sie nicht davon ausgegangen, dass ihre Freunde sie angelogen hatten, aber die Vorstellung, dass diese drei Frauen auch nur im Entferntesten Interesse an ihr haben könnten und zugesagt hatten, sich in den nächsten drei Wochen mit ihr zu treffen, war so vollkommen absurd und jenseits ihrer Vorstellungskraft, dass sie sich keine Sekunde damit auseinandergesetzt hatte, wie sie sich diesbezüglich eigentlich fühlte.

Ihre Gefühle waren dafür umso heftiger an dem Ort und zu der Zeit über sie hereingebrochen, zu denen sie sie am allerwenigsten erwartet und gewollt hatte, nämlich in Gegenwart der drei Frauen.

Hermine nahm einen tiefen Atemzug und spürte, wie sich ihre Bauchdecke unter ihren gefalteten Händen, die auf ihrem Bauch lagen, anhob, um die aufsteigende Panik, die sich erneut in ihr breitzumachen drohte, zu besänftigen, als sie an das Aufeinandertreffen mit den drei Frauen im Café vorhin zurückdachte.

Alle drei waren keine Unbekannten für sie, aber dennoch kannte sie keine von ihnen wirklich. Das hatte dieses erste Treffen nur allzu deutlich gezeigt.

Minerva McGonagall kannte sie zwar schon fast ihr ganzes Leben lang und sie war zu ihrer Schulzeit unheimlich verknallt in ihre Verwandlungslehrerin und spätere Schulleiterin gewesen, aber für wen hatte sie da eigentlich wirklich geschwärmt? Sie kannte die attraktive Schottin vor allem als die strenge, gerechtigkeitsliebende und integre Lehrerin, die sich zwar nicht kalt gegenüber ihren Schülern verhielt, aber großen Wert auf professionelle Distanz legte und grundsätzlich eine sehr private Person war.

Die Frau, die heute im Café aufgetaucht war, war schon rein von ihrem Aussehen her eine völlig andere gewesen. Immer noch elegant gekleidet und die Machtposition widerspiegelnd, die sie in der Zauberergesellschaft nun mal einnahm, aber so viel mehr preisgebend, als Hermine jemals zuvor von ihr gesehen hatte.

Als Schülerin hatte sie die ältere Frau mit dem strengen Dutt und den stechend grünen Augen schon in ihren weiten Umhängen ungemein anziehend gefunden. Es war ihre Haltung, ihr ganzes Gebaren und ihr starkes Selbstbewusstsein, das sie schon immer so attraktiv gefunden hatte.

Natürlich hatte sie sich oft gefragt, wie Minerva McGonagall unter den weiten Umhängen wohl aussah. Hatte sich oft in Tagträumen während des Verwandlungsunterrichts, wenn sie die Hexe schamlos beobachten konnte, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, vorgestellt, wie sie Minerva Stück für Stück von jeder Schicht der schweren Roben befreite und ihren blassen und schlanken Körper freilegte.

Denn auch wenn Hermine sie noch niemals in anderer Kleidung oder gar nackt gesehen hatte, konnte sie von dem, was Minerva McGonagall bereit war zu zeigen, logische Schlussfolgerungen auf den Rest ihres Körpers ziehen. Ein schmales, blasses Gesicht mit hohen Wangenknochen, ein langer, schwanengleicher Hals und schmale Schultern ließen darauf schließen, dass ihre schmale Physiognomie ebenso wie ihre porzellanweiße Haut auch den Rest ihres Körpers auszeichnete.

Was Hermine aber den eindeutigsten Hinweis geliefert hatte, waren Minerva McGonagalls Hände. Gott, diese Hände. Hermine war geradezu besessen von den schlanken, feingliedrigen Händen ihrer Verwandlungslehrerin gewesen.

Die Geschicklichkeit, Eleganz und Effizienz, mit denen Minerva McGonagall die noch so komplexesten Zauber ausführte, waren legendär. Oft, so oft hatte sich Hermine gefragt, wie talentiert diese Hände in anderen Bereichen sein mochten. Hatte sich vorgestellt, wie diese Hände, die sowohl sanfte und leichte Bewegungen als auch starke und feste exakt beherrschten, sich auf ihrem Körper anfühlen würden. Hände, die genau wussten, was sie taten, weil sie den Befehlen einer Frau folgten, die für ihre Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit bekannt war.

Hermine konnte sich nur allzu gut ausmalen, dass Minerva McGonagall im Bett eine vergleichbare Ausdauer und Hartnäckigkeit wie in ihrem täglichen Arbeitsleben aufbringen würde, wenn sie ihre talentierten Finger bis zum Anschlag in Hermine hineinstieß, mit dem festen Ziel, sie so oft zum Höhepunkt zu bringen, bis die junge Frau ihren eigenen Namen vergaß.

Hermines Herzschlag beschleunigte sich und sie musste sich wieder auf ihren Atem konzentrieren, um sich zu beruhigen, als sie plötzlich realisierte, dass diese Fantasie, die sie als pubertierende Schülerin so oft gehabt hatte, gar nicht mehr außerhalb des Bereichs aller Möglichkeiten lag. Sie hatte diese Hände, ihre Hände, heute bereits auf sich gespürt. Sie hatten ihre Schulter berührt, auf ihrer eigenen Hand gelegen, ihr über die Wange gestrichen.

Sie berührte die Stelle an ihrer Wange mit ihrer eigenen Hand, in der Hoffnung, das Gefühl dieser sanften Finger auf ihrer Haut zurückzuholen und noch einmal nachempfinden zu können. Doch ihre eigene Hand war nur ein ferner Abklatsch von Minervas Fingern.

Minerva. Die ältere Frau hatte darauf bestanden, dass sie sie nicht bei ihrem Titel nannte. Wollte, dass sie sie bei ihrem richtigen Namen nannte. „Minerva", flüsterte Hermine in die Stille ihres Wohnzimmers, als wäre es ein Wort in einer fremden Sprache, dessen Aussprache sie erst noch üben musste. „Minerva", wiederholte sie, immer noch fremd auf ihrer Zunge, ungewohnt und dennoch irgendwie vertraut. Es war ein berauschendes Gefühl, ihren Vornamen auszusprechen.

Nicht, dass Hermine ihn nicht schon unzählige Male vor sich hingeflüstert hätte. In einsamen Nächten in ihrem eigenen Zimmer in Hogwarts, das ihr als Vertrauensschülerin zustand. Wenn sie ihre Hände unter die Bettdecke und über ihren Körper wandern ließ, die Augen schloss und sich Minervas Hände vorstellte, die sie streichelten, neckten und ihrer Kehle Laute entlockten, die sie von sich selbst nicht kannte.

Wenn sie sich ihren schlanken Körper auf ihrem vorstellte, wie er sich an sie presste und sich an ihrem rieb. In diesen Momenten der höchsten Ekstase hatte Hermine es gewagt, Minervas Namen wie ein Geheimnis in die Dunkelheit ihres Zimmers zu flüstern, wenn sie ihre Finger immer schneller in sich hineinstieß, wie wild mit der anderen Hand in schnellen Bewegungen ihren Kitzler massierte, bis der ersehnte Orgasmus ihren Körper schüttelte und sie Minervas Namen ein letztes Mal stöhnend ausrief, bevor sie sich erschöpft und heftig atmend unter ihrer Decke zusammenrollte, ihre eigenen Arme um sich schlang und sich vorstellte, von Minervas starken Armen gehalten zu werden, die sie schützend umfingen.

Minervas Namen auszusprechen hatte sich in diesen Momenten wie ein schmutziges Geheiminis angefühlt, von dem niemals jemand erfahren durfte. Nun die Erlaubnis dazu zu haben, ja sogar, von der älteren Frau dazu aufgefordert worden zu sein, war…überwältigend.

Es war ein Zugang zu der Frau, der ihr bislang immer verwehrt gewesen war und der plötzlich weit offenstand. Sie musste die Chance nur ergreifen, musste nur durch die Tür hindurchgehen, die ihr geöffnet worden war. Doch wer würde sie da auf der anderen Seite erwarten?

Die Frau, die dort heute neben ihr Platz genommen hatte, war immer noch dieselbe, war immer noch Minerva McGonagall, aber sie hatte sich ihr gegenüber so anders verhalten, als sie es von ihr kannte. Nicht nur das strenge Aussehen, sondern auch das strenge Gebaren waren verschwunden.

Sie war immer noch beherrscht und gerade gegenüber den Black-Schwestern eher abweisend und distanziert gewesen. Aber nicht so gegenüber Hermine. Sie war warm, herzlich, offen, ja geradezu charmant gewesen. Sie hatte sie „Hermine" genannt, hatte sie „Liebes" genannt, hatte sie berührt, sogar mit ihr geflirtet.

Himmel, ich fürchte, da sind noch so viele Schichten und Facetten, die es in der Komplexität dieser Frau zu enthüllen gibt. Die Frage war nur, ob Hermines Gefühle für Professor McGonagall dieselben waren wie die für Minerva McGonagall, eine Frau, die sie offensichtlich kaum kannte.

Noch schwieriger war es mit den anderen beiden Frauen, mit denen sie keine derart lange Vorgeschichte verband, auch wenn sich ihre Wege in der Vergangenheit durchaus schon gekreuzt hatten.

Gut, Draco kannte sie schon genauso lange wie Minerva, aber sie waren zu Schulzeiten erbitterte Feinde gewesen und ihre Freundschaft hatte sich erst nach dem Krieg entwickelt. Und auch wenn er mittlerweile zu ihren besten und engsten Freunden zählte, bedeutete das noch lange nicht, dass sie seine Mutter kannte. Seine Mutter…Narcissa Black.

Eine Gänsehaut breitete sich auf ihrem ganzen Körper aus bei dem Gedanken an die langen Beine, den selbstbewussten Gang, die langen platinblonden Haare und vor allem die stechend blauen Augen, die sie mit einem einzigen Blick in der einen Sekunde mit ihrer Kälte festnageln konnten, als hätten sie die Macht, alles in ihrer Umgebung einzufrieren, nur um in der nächsten Sekunde so hell zu funkeln, dass sie einem das Gefühl gaben, in die Weiten des karibischen Meers zu blicken. In Wasser, das so klar war, dass man bis auf den Grund sehen konnte, und nichts lieber wollte, als darin vollkommen zu versinken.

Doch Hermine machte sich keine Illusionen. In den Tiefen jedes noch so schönen Meeres lauerten auch Gefahren. Unbekanntes Terrain, das ebenso faszinierend wie gefährlich war, und dass diese Frau gefährlich war, stand außer Frage. Nun, seit dem Krieg nicht mehr in der Art, wie man vermuten mochte.

Narcissa, zu der Zeit noch Malfoy, hatte damals einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass sie den Krieg gewonnen hatten, indem sie Voldemort angelogen und Harry und damit vielen anderen das Leben gerettet hatte. Mit der Tatsache, dass die Frau schon von Anfang an auf ihrer Seite gestanden und wie Snape als Doppelagentin fungiert hatte, mussten viele, auch Hermine, erst mal klarkommen.

Doch spätestens nach der Scheidung von Lucius Malfoy, der wirklich ein treuer Anhänger Voldemorts gewesen war, und ihrer eigenen sowie Dracos öffentlichen Distanzierung von ihm und seinen Ansichten, hatte sich das Bild von ihr in der Öffentlichkeit geändert. Und in der Öffentlichkeit blieb sie.

Die einstige Vorzeigeehefrau und -mutter nutzte ihre neu gewonnene Freiheit, holte ihren Abschluss in Zaubertränke nach und zeigte ihr Talent als Geschäftsfrau, indem sie ein galleonenschweres Zaubertränke-Imperium von Grund auf errichtete und innerhalb von kürzester Zeit den englischen Markt dominierte. Dieses Geld nutzte sie, den Klatschmagazinen zufolge, die nur zu gerne über sie berichteten, nicht nur für ihr liebstes Hobby, die Mode, sondern auch für wohltätige Zwecke.

Hermine wusste nicht, von wie vielen Bällen sie schon gehört hatte, die Narcissa Black organisiert hatte, um Spenden für Kriegsopfer und ihre Familien, Kinder, die sich die Ausbildung nicht leisten konnten, oder junge innovative Geister, denen das Startkapital für die Umsetzung ihrer Ideen fehlte, zu sammeln.

Sie musste zugeben, dass sie extrem beeindruckt von dem Werdegang der Frau war und wie sie es geschafft hatte, sich ihren Platz an der Spitze der Zauberergesellschaft zu erarbeiten. Ganz zu schweigen davon, dass sie eine Expertin im Bereich der Zaubertränke war, worin Hermine gerade selbst ihren Abschluss machte. Allein aus akademischen Gründen fand sie Narcissa daher ungemein faszinierend.

Doch sie hatte auch gehört, dass die Frau eine eiskalte Geschäftsfrau war, wenn es hart auf hart kam, und sie dabei mit berechnendem Kalkül vorging. Das konnte sich Hermine von dem kurzen Zusammentreffen vorhin nur allzu gut vorstellen.

Ihr Puls beschleunigte sich, als sie daran dachte, wie offensichtlich Narcissa Black mit ihr geflirtet und ihr sehr eindeutig zu verstehen gegeben hatte, dass sie an ihr interessiert war. Gleichzeitig breitete sich eine angenehme Wärme in ihrer Brust aus, als ihr einfiel, dass sie sie „Liebling" genannt hatte. Dieser Kosename hatte sie eindeutig nicht unberührt gelassen.

Aber ebenso wie bei Minerva zuvor hatte Hermine auch im Fall von Narcissa das Gefühl, die Frau überhaupt nicht zu kennen, sondern nur die öffentliche Fassade von ihr. Was, wenn Hermine nur eins ihrer nächsten Förderprojekte war, in das es sich zu investieren lohnte? Eine von vielen…

Dieselbe Unsicherheit hegte sie in Bezug auf die älteste Black-Schwester, die für ihre zahlreichen und ständig wechselnden Eroberungen berühmt berüchtigt war. Bei Bellatrix hegte sie die größten Befürchtungen, dass sie nur auf das nächste Abenteuer, die nächste Eroberung, die nächste Herausforderung aus war.

Hermine hatte noch nie von einer ernsthaften Beziehung der Frau gehört, seitdem sie sich wie ihre Schwester schon vor ihr als Doppelagentin offenbart und sich in der letzten Schlacht plötzlich gegen Voldemort selbst gestellt hatte. Ein eiskaltes Schaudern durchlief Hermines ganzen Körper bei der Erinnerung an diesen Moment.

Sie hatte selbst gerade gegen die älteste Black-Schwester gekämpft, mit Ginny und Luna an ihrer Seite, und selbst zu dritt waren sie der dunklen Hexe kaum gewachsen gewesen. Unermüdlich hatten sie Zauber und Flüche auf die irre lachende Frau abgefeuert, die all ihren Angriffen mit einer tänzelnden Leichtigkeit ausgewichen und ihre Bemühungen mit einem fast schon gelangweilten und lässigen Schwenk ihres Zauberstabs zunichte gemacht hatte.

Der helle Wahnsinn hatte in ihren schwarzen Augen geleuchtet, als sie nach längerem Hin und Her langsam ungeduldig geworden ihren Zauberstab wie eine Peitsche gegen die drei jüngeren Hexen schnappen ließ und alle drei mitten in der Bewegung mit dem Ganzkörperklammerfluch zum Erstarren brachte.

Als wäre es erst gestern gewesen, konnte Hermine die Panik spüren, die in diesem Moment von ihr Besitz ergriffen hatte, als sie der treuesten Anhängerin des dunklen Lords hilflos ausgeliefert gewesen war. Zur sprichwörtlichen Salzsäure erstarrt konnte sich nichts dagegen unternehmen, als Bellatrix Lestrange ihren Zauberstab auf sie richtete, den Kopf schieflegte und diesen Moment sichtlich genoss.

Dieser Moment, in dem Hermine sich sicher war, dass das ihr letzter sein würde, als sich Bellatrix' Mund öffnete, um die tödlichen Worte auszusprechen, die ihr Leben ein für allemal beenden würden. Doch sie kamen nie.

Als Hermine in diesem Moment, in dem sie dort eingefroren stand und hilflos und verzweifelt in die Tiefen dieser dunklen Augen starrte, unfähig den Blick abzuwenden, selbst wenn sie dazu in der Lage gewesen wäre, passierte etwas völlig Unerwartetes.

Als hätte jemand einen Schalter umgelegt, änderte sich das ganze Gebaren der gefährlichsten Hexe der Welt. Sie richtete sich auf und ließ ihren Kopf von einer Seite zur anderen kreisen, bis ihre Wirbel knackten, als hätte sie zu lange in ein- und derselben konzentrierten Position vornübergebeugt am Schreibtisch verbracht und wäre soeben aufgestanden, um sich nach den vielen langen Stunden der mühsamen Arbeit zu strecken.

Das irre Grinsen war von einem auf den anderen Moment von ihrem Gesicht gewischt und machte einem immer noch arroganten Schmunzeln Platz, bevor sie ihre Lippen entschieden zusammenpresste, als hätte sie soeben einen Entschluss gefasst.

Mit einer lässigen Handbewegung fuhr sie sich durch die Haare, um die lockigen Strähnen, die ihr sonst immer ins Gesicht fielen und ihrer Gesamterscheinung dadurch einen zusätzlichen Hauch von Wahnsinn verliehen, zurück in ihre wallende schwarze Haarmähne zu verbannen, womit sie ungehindert den Blick auf ihre onyxfarbenen Augen freigab.

Augen, die Hermines Atem stocken ließen, als sie sie mit einer Intensität anblickten, die einerseits perfekt zu Bellatrix Lestrange passte und andererseits so überhaupt nicht der Hexe entsprachen, die eben noch vor ihr gestanden hatte. Weg war der irre Blick, verschwunden war der Wahnsinn aus den dunklen Augen, fort das gehetzte Zucken der unruhigen Pupillen.

Was Hermine stattdessen erblickte, als sich Bellatrix' Augen in ihre eigenen bohrten, waren Klarheit, Entschlossenheit und…Wut? Ungläubig blinzelte Hermine und versuchte eine Erklärung für diese Verwandlung, die direkt vor ihren Augen stattgefunden hatte, die nicht mal den Bruchteil einer Sekunde gedauert haben konnte und von der Hermine sich in diesem Moment auch nicht mehr ganz sicher war, ob sie es sich nicht nur eingebildet hatte, zu finden.

Doch noch bevor Hermine auch nur einen klaren Gedanken hatte fassen können, hörte sie die Worte „Protego maxima" aus dem Mund der schwarzhaarigen Hexe und beobachtete voll überraschtem Erstaunen, wie sich ein Schildzauber um sie selbst und ihre beiden Freundinnen legte, an dem die wie wild durch die Große Halle fliegenden Zauber und Flüche wie Fliegen abprallten.

Keine Sekunde später spürte sie, wie der Ganzkörperklammerfluch aufgehoben wurde und ihre Beine unter ihr nachgaben, die eben noch von dem Fluch aufrecht gehalten worden waren. Doch noch bevor sie auf dem harten Marmorboden aufschlagen konnte, erfasste sie eine unsichtbare Kraft und hielt sie einen kurzen Moment schwebend in der Luft, bevor sie sanft zu Boden glitt.

Als sie den Kopf hob, blickte sie in die belustigten Augen von Bellatrix Lestrange, die den Zauberstab noch auf sie gerichtet hielt und ganz offensichtlich den Schwebezauber ausgeführt hatte. „Tu dir nicht weh, kleine Hexe", flüsterte sie süffisant, bevor ihre Miene wieder ernst und entschlossen wurde, sie sich mit einer rasenden Schnelligkeit umwandte und Hermine von dem gleisenden grünen Licht geblendet wurde, das aus ihrem Zauberstab auf ihren einstigen Herrn schoss, dessen Augen vor Entsetzen geweitet waren.

Nicht nur er war in diesem Moment, in dem sich seine treuste Anhängerin plötzlich gegen ihn gewandt und damit das Schicksal der gesamten Zauberergesellschaft zum Guten gewendet hatte, vor Schock erstarrt. Alle in der Großen Halle, Schüler, Lehrer, Todesser, Riesen und Zentauren hatten in diesem Moment innegehalten und ungläubig dabei zugesehen, wie sich die vermeintliche Herrin der Dunkelheit auf die Seite des Lichts gestellt und ihnen damit zum Sieg verholfen hatte.

Doch ihre 180-Grad-Drehung hatte damit noch lange kein Ende, nachdem auch ihre Identität als Doppelagentin nach der Schlacht bestätigt worden war. Ähnlich wie ihre Schwester schien Bellatrix die neue gewonnene Freiheit in vollen Zügen zu genießen und vollauf zu nutzen, jedoch in einem solchen Ausmaß, dass man das Gefühl hatte, sie müsste die verloren gegangenen Jahre im Dienste Voldemorts so schnell wie möglich wettmachen.

Um eine Scheidung und eine öffentliche Distanzierung von ihrem Ehemann Rodolphus Lestrange musste sie sich nach dem Ende des Krieges jedoch nicht bemühen, da er in der letzten Schlacht um Hogwarts gefallen war, und bis heute hielten sich hartnäckig die Gerüchte, dass Bellatrix ihn selbst getötet hatte, um sich aus dieser von ihren Eltern arrangierten Ehe zu befreien, doch nachweisen konnte man ihr nie etwas.

Frei von allen Zwängen blühte die durch ihre Jahre in Askaban und die Schrecken des Krieges abgemagerte Hexe erst so richtig auf, legte an allen richtigen Stellen einige Kilos zu und tauschte ihr langen Röcke gegen Hosen und Anzüge, wobei sie ihrer Farbe und ihrem gleichzeitig wieder angenommenen Geburtsnamen treu blieb.

Bellatrix Black stürzte sich mit fast schon kindlicher Begeisterung und Energie auf abenteuerliche Hobbys wie Motocross, Kickboxen und andere Kampfsportarten. Ihre Fähigkeiten und Kenntnisse nutzte sie weiterhin im Dienste der guten Seite und half dem Ministerium, die restlichen Todesser, die nach Voldemorts Fall das Weite gesucht hatten, zu finden und hinter Gitter zu bringen.

Danach verwunderte es niemanden mehr, als sie innerhalb kürzester Zeit in die Riege der Auroren aufgenommen und nach einem raketengleichen Aufstieg zu deren Leiterin wurde, um mit ihrem feinen Spürsinn und ihren waghalsigen Methoden weiterhin Jagd auf alles Böse zu machen, was sich im Untergrund der Zauberergemeinschaft regte.

Auf die „Jagd" ging sie aber nicht nur beruflich, sondern auch in ihrem Privatleben. Ähnlich wie in den anderen Bereichen ihres Lebens schien Bellatrix Black die verlorene Zeit aufholen zu müssen und stürzte sich geradezu ausgehungert auf alle Frauen, die ihr über den Weg liefen und dabei musste sie sich nicht mal allzu sehr anstrengen.

Ihrem Aussehen und ihrem Charme schienen die Frauen, die ihr begegneten, reihenweise zum Opfer zu fallen und so dauerte es nicht lange, bis sie sich einen gewissen Ruf im Umgang mit Frauen aufgebaut hatte, der dafür sorgte, dass ihr ihre Fähigkeiten zwischen den Laken weit vorauseilten und geradezu legendär waren. Eine Legende im Bett…

Ja, Hermine konnte sich nur allzu gut vorstellen, über welche außergewöhnlichen Fähigkeiten die dunkle Hexe verfügte, wenn sie daran zurückdachte, wie selbstbewusst sie in das Café marschiert war, wie offensichtlich sie ihre Reize zur Schau gestellt hatte und wie spielerisch leicht ihre Zunge um den Eiswürfel geglitten war.

Sie erschauderte bei der Erinnerung an den Eiswürfel in ihrem Nacken und dem intensiven Blick, mit dem Bellatrix sie währenddessen taxiert hatte. Einem Blick, aus dem die charmante Verspieltheit mit einem Mal verflogen war und der Sorge und ernsthaftes Interesse zeigte. Oder hatte sie sich das nur eingebildet? War es nur eine Masche gewesen, um Hermine unter die Haut zu gehen? Um zu „gewinnen", wie sie es selbst formuliert hatte?

Minervas Vorwurf, dass diese Wette nur ein Spiel für Bellatrix sei, das es zu gewinnen galt, schien ihr in diesem Moment überhaupt nicht abwegig zu sein. Doch wieso hatte Bellatrix so wütend auf diesen Vorwurf reagiert? Weil er zu nah oder zu weit entfernt von der eigentlichen Wahrheit lag? Die Wahrheit…

Was hatte die drei Frauen dazu getrieben, sich mit ihr in dem Café zu treffen und damit auf diese Wette einzugehen? Keine von ihnen war auch nur im Mindesten auf Hermines Vorschlag eingegangen, diese drei Wochen irgendwie zu umgehen, sollten sie von ihren Freunden irgendwie bestochen, erpresst oder auf eine andere Weise dazu überredet worden sein.

Noch während sie das dachte, musste Hermine bei der Vorstellung lachen, wie irgendjemand versuchen wollte, eine der drei Frauen auch nur im Entferntesten einzuschüchtern. Sie rieb sich mit ihren Händen über das Gesicht, als die drei Frauen vor ihrem geistigen Auge Gestalt annahmen und sie sich eingestehen musste, wie unfassbar attraktiv, intelligent, erfolgreich, atemberaubend schön und selbstbewusst sie alle waren und wie sehr sie sich zu jeder einzelnen von ihnen auf ihre ganz eigene Weise hingezogen fühlte.

Sie verschränkte ihre Hände ineinander, legte ihre Handrücken auf ihrer Stirn ab und atmete tief aus, während sie verzweifelt an ihre Wohnzimmerdecke starrte. Sie schüttelte den Kopf über sich selbst und bevor Harrys Stimme in ihrem Kopf noch eine wichtige Ergänzung machen konnte, rief sie frustriert aus: „Und ja, sie sind alle auch noch um einiges älter als ich, also genau mein Typ, vielen Dank auch!"

Gott, allein bei dem Gedanken daran, mit diesen drei Frauen auf Dates zu gehen, schlug Hermines Magen Purzelbäume. Nein, keine Purzelbäume, wohl eher Saltos. Diese Frauen würden mit absoluter Sicherheit dafür sorgen, dass sich jegliche Gedanken an ihre Abschlussarbeit in Rauch auflösten, bei dem Feuer, das sie in ihrem Unterleib entzündeten, allein mit der Tatsache, dass sie überhaupt Interesse an ihr zeigten.

Und Interesse hatten alle drei sehr eindeutig im Café gezeigt. Ein Interesse, mit dem Hermine ebenso offensichtlich heillos überfordert gewesen war. Was wohl alles noch passiert wäre, wenn sie nicht so panisch aus dem Café gestürmt wäre? Hätten die drei noch mehr Annäherungsversuche unternommen oder wären sie vor lauter Streit darum, wer die beste Kandidatin für sie war, gar nicht dazu gekommen?

Doch was nützten diese Gedanken nun noch, da das erste gemeinsame Date so abrupt von ihr beendet worden war? Du bist so eine Idiotin, Hermine. Falls die drei tatsächlich auch nur den Hauch eines Interesses an ihr gehabt hatten, hatte der sich nun bestimmt wegen ihres kindischen Verhaltens in Luft aufgelöst.

Ob Ginny ihr ihren Laptop zurückgeben würde, jetzt, wo sie die drei Frauen erfolgreich in die Flucht geschlagen hatte? Genervt schrie sie ihrer Zimmerdecke entgegen: „Himmel, wer konnte denn auch wissen, dass Minerva McGonagall, Bellatrix Black und Narcissa Black mich daten wollen?"

„Naja, eigentlich haben wir dir das von Anfang an gesagt", ertönte eine rechthaberische Stimme aus ihrem Kamin, dessen Flammen grün aufleuchteten und Draco Malfoy preisgaben, der in einem anthrazitfarbenen Anzug in ihr Wohnzimmer trat.

Sein eben noch arroganter Gesichtsausdruck wich innerhalb einer Sekunde Irritation und ernster Sorge, als er sie direkt vor sich liegend auf dem Fußboden sah und ihre eigentümliche Position mit den Füßen auf dem Sofa wahrnahm: „Hermine? Alles in Ordnung?"

Die Tatsache, dass er sie beim Vornamen nannte, sprach Bände, wie besorgt er wirklich um sie war, und Hermine wurde warm ums Herz. Sie nickte und hoffte, lässig zu klingen: „Ja doch, alles super." Verräterische Tränen schossen ihr in die Augen, als sie vehement nickte, um sich selbst und ihren Freund davon zu überzeugen, dass es ihr gut ging, und dabei nicht nur selbst spürte, wie falsch sie damit lag, sondern auch in Dracos grauen Augen sah, wie wenig überzeugend ihre Worte waren.

Sie wechselte von einem vehementen Nicken zu einem vehementen Kopfschütteln: „Nein, überhaupt nichts ist in Ordnung. Also nicht, dass mir etwas wehtut oder ich irgendwelche körperlichen Beschwerden hätte. Mir geht es gut. Gut, gut, gut, ja wirklich gut."

Heiße Tränen flossen nun ihre Wangen hinunter und sie wandte den Blick von Draco ab und richtete ihn wieder zur Wohnzimmerdecke. „Ich lieg hier nur so auf meinem Wohnzimmerboden herum, hab eine schöne Kombination aus einer Panikattacke und einem Nervenzusammenbruch und versuche, den heutigen Tag zu verdrängen, an dem ich mich vor den attraktivsten Hexen, die die Zaubererwelt aktuell zu bieten hat, zum absoluten Vollidioten gemacht habe, aber ansonsten gings mir noch nie besser. Ja doch. Läuft bei mir."

Schniefend wischte sie sich über die tränennassen Augen, in der Hoffnung, ihren Weinkrampf damit unter Kontrolle zu bringen, was ihr jedoch nicht gelang. Erst recht nicht, als Draco sich neben ihre Füße aufs Sofa setzte, eine Hand auf ihrem Schienbein ablegte und mit dem Daumen beruhigend auf- und abzustreichen begann.

„Was kann ich tun?", fragte er ehrlich mitfühlend und Hermine stiegen erneut Tränen in die Augen, diesmal jedoch aus Dankbarkeit darüber, in ihrem einstigen Schulfeind einen solch großartigen Freund gefunden zu haben.

Sie zuckte hilflos mit den Schultern: „Keine Ahnung…Nichts...Als könnte man jetzt noch etwas tun…Oh halt, du könntest mich obliviieren!"

„Witzig, Granger, vergiss es." Er zog ein Taschentuch aus seiner Anzugjacke und reichte es ihr. Dankbar nahm sie es, wischte sich die Tränen aus den Augen und trocknete ihre Wangen.

„Du könntest mir meinen Laptop zurückbringen?", fragte sie unschuldig und putzte sich die Nase.

Draco lachte ironisch auf und schlug mit der Hand, die sie eben noch gestreichelt hatte, freundschaftlich auf ihr Schienbein: „Und dir Workaholic deine Lieblingsdroge zurückgeben, nachdem wir gerade erst mit dem Entzug begonnen haben? Träum weiter."

Beleidigt verschränkte Hermine die Arme vor der Brust. „Aber die Wette hat sich doch sowieso erledigt, also könnt ihr mir den Laptop auch einfach gleich wiedergeben", versuchte sie zu argumentieren.

„Wie meinst du das, die Wette hat sich erledigt?", fragte Draco misstrauisch.

Hermine stieß frustriert die Luft aus: „Glaub mir, Draco, nach dem, was heute passiert ist, wären diese Frauen nicht mehr ganz bei Sinnen, wenn sie jemals wieder etwas mit mir zu tun haben möchten."

„Dann sind sie das wohl."

„Was?"

„Nicht mehr ganz bei Sinnen."

„Wie meinst du das?"

Er verdrehte die Augen und sah seiner Mutter dabei so ähnlich, dass Hermine lächeln musste. „Was denkst du denn, warum ich hier bin, um nach dir zu sehen, und woher ich überhaupt weiß, dass jemand nach dir sehen sollte?"

Die Antwort war ebenso naheliegend wie beängstigend: „Narcissa."

Draco grinste vielsagend: „Hm, du nennst sie also schon beim Vornamen, das ist doch schon mal ein Fortschritt seit vorhin."

Schlagartig setzte Hermine sich auf: „Sie hat es dir erzählt." Es war keine Frage und ihre Gedanken fuhren Achterbahn, als sich auszumalen versuchte, was genau Narcissa ihrem Sohn über dieses erste gemeinsame Treffen erzählt haben mochte.

Sie musste nicht allzu lange auf Antworten warten, da Draco bereits zu erzählen begann: „Oh ja, sie hat mir von deinem hinterlistigen Plan erzählt, die Dates gar nicht durchzuführen, uns gegenüber aber so zu tun."

Er beugte sich zu ihr vor, die Ellenbogen auf seinen Knien abgestützt und die Hände locker zwischen seinen Beinen verschränkt: „Ein ziemlich mieser Versuch, Granger, sogar für dich. Der Schuss ging leider nach hinten los. Wir behalten dich ab jetzt noch genauer im Auge, meine Liebe, und überlegen auch schon, ob wir noch ein zusätzliches Date einführen, das ursprünglich nicht geplant war, aber da du das heutige frühzeitig abgebrochen hast…"

„Also finden die Dates noch statt?", unterbrach sie ihn ungläubig, aber auch eine Spur hoffnungsvoll. Sie war selbst überrascht, wie hoffnungsvoll sie klang, obwohl sie diese Dates ursprünglich gar nicht gewollt hatte.

„Ja, Granger, die Dates finden noch statt." Er lächelte wissend und die Wärme kehrte in seine Augen zurück, die eben noch vorwurfsvoll gefunkelt hatten, als er sie mit ihrem Ausweichmanöver konfrontiert hatte.

Nach allem, was passiert war, wollten die Frauen sich immer noch mit ihr treffen? Drei ganze Wochen lang? Zweifel nisteten sich in Hermines Kopf ein und ihre Augen huschten unruhig über den Wohnzimmerboden, auf der Suche nach einer logischen Erklärung für etwas, das ihr alles andere als logisch erschein.

Doch bevor sie sich noch länger in ihren Gedanken verlieren konnte, glitten drei Briefumschläge in ihr Blickfeld: „Wenn du mir schon nicht glaubst, vielleicht glaubst du dann ihnen?"

Verwirrt blickte Hermine von den Briefen zu Draco und wieder zurück. Wie gebannt starrte sie auf die drei Umschläge, die alle ihren Namen trugen, und ihr Herz begann aufgeregt zu pochen angesichts dessen, was die drei Frauen ihr wohl nach dem heutigen Desaster zu sagen hatten.

Mit zitternden Fingern nahm sie die Briefe entgegen und strich immer noch ungläubig mit den Fingern über ihren Namen auf den Briefen, als wollte sie sich so davon überzeugen, dass er auch wirklich dort stand und die Briefe wirklich für sie waren.

Nur am Rande bekam sie mit, wie Draco sich neben ihr erhob und ihr bestärkend auf die Schulter klopfte, bevor er sich auf den Weg in die Küche machte: „Ich mach uns eine Tasse Kaffee, während du in Ruhe liest."