Ohne den Blick zu heben, murmelte sie ein zustimmendes „Hhm-hhm" und lehnte sich immer noch auf dem Boden sitzend im Schneidersitz gegen ihr Sofa, während Draco in der angrenzenden Küche verschwand.

Sie atmete einmal tief ein und wieder aus, nahm den obersten Briefumschlag, auf dem ihr Name mit blauer Tinte geschrieben stand, während sie die anderen beiden in ihren Schoß gleiten ließ, und öffnete ihn.

Auch ohne die blaue Tinte, die sie an ebenso blaue Augen erinnerte, und die Unterschrift am Ende des Briefes hätte Hermine allein durch die eleganten, aber präzise geschwungenen Buchstaben erraten können, dass der Brief von Narcissa stammte. Schon bei der Grußformel pochte ihr Herz schneller in ihrer Brust:

Hermine, Liebling,

ich möchte mich aufrichtig für das Verhalten meiner impulsiven und unbeherrschten Schwester entschuldigen, die dir hoffentlich nicht den Eindruck vermittelt hat, dass diese Wette, die deine Freunde untereinander geschlossen haben, lediglich ein Spiel für mich sei. Bellatrix mag es vielleicht darum gehen, zu gewinnen, und obwohl ich nicht leugnen kann, dass ich mich gerne mit ihr messe, bist du alles andere als ein Spiel für mich. Wenn man diese Analogie schon verwenden möchte, dann dahingehend, dass du in jeglicher Hinsicht ein Hauptgewinn bist, und ich mich geehrt fühlen würde, wenn du dich doch auf die nächsten drei Wochen mit uns einlassen würdest, damit ich dir zeigen kann, wie ernst ich das meine. Unabhängig davon gilt mein Angebot, dir Zutritt zu meiner Privatbibliothek zu gewähren, natürlich weiterhin, egal wie du dich entscheidest, auch wenn ich sehr hoffe, dass du dich für die drei Wochen mit uns entscheidest.

Hoffnungsvoll,

Narcissa

Hermine schluckte und fuhr sich mit der Zunge über ihre plötzlich trockenen Lippen. Sie runzelte die Stirn, als ihre Augen erneut über den Inhalt des Briefes huschten und vor allem an einem Satz hängenblieben, der sich in ihrem Kopf einfach nicht richtig anhören wollte: …dass du in jeglicher Hinsicht ein Hauptgewinn bist, und ich mich geehrt fühlen würde, wenn du dich doch auf die nächsten drei Wochen mit uns einlassen würdest…

Ein solcher Satz aus der Feder von Narcissa Black, der Trophäenfrau überhaupt, die sie, Hermine Granger, Bücherwurm, Neunmalklug und Workaholic, als „Hauptgewinn" bezeichnete, fühlte sich an, als sei sie in einer verdrehten Welt gelandet, in der immer nur das Gegenteil zählte.

Sie schüttelte den Kopf, denn es gab immer weniger Sinn, je länger sie darüber nachdachte. Wenn hier jemand als „Hauptgewinn" zu bezeichnen war, dann ja wohl Narcissa selbst.

damit ich dir zeigen kann, wie ernst ich das meine… Eine Unruhe erfasste Hermines Unterleib bei diesen Worten und sie konnte nicht leugnen, dass sie die Vorstellung, auf wie viele Arten Narcissa ihr zeigen wollte, wie ernst sie es meinte, die Hitze in die Wangen trieb und ihre Neugier aufs Äußerste anregte.

Sie räusperte sich, legte den Brief beiseite und griff nach dem nächsten. Die geschwungenen, aber geradlinigen Buchstaben in grüner Tinte hätte Hermine aus tausenden wiedererkannt, schließlich hatte sie diese Schrift den Großteil ihrer Jugend fast täglich an einer Tafel gesehen, aber noch viel wichtiger in dem Brief, den sie mit elf Jahren aus den feingliedrigen Händen der Frau entgegengenommen hatte, deren Augen ebenso grün waren wie die Tinte, mit der sie schrieb, und deren Besuch samt ihres Briefs Hermines Leben für immer verändert hatte.

Eine vertraute Wärme breitete sich in Hermines ganzem Körper aus, als sie Minervas Brief öffnete und zu lesen begann:

Meine liebe Hermine,

bitte verzeih meinen unkontrollierten Ausbruch vorhin im Café. Ich wollte wirklich nicht, dass mein schottisches Temperament mit mir durchgeht, und dich zur Flucht verleitet. Bellatrix hat es schon als Schülerin geschafft, mich zur Weißglut zu treiben, und normalerweise verfüge ich über weit mehr Selbstbeherrschung als ich bei unserem Treffen habe durchscheinen lassen, aber allein die Vorstellung, dass Bellatrix mit dir wie mit so vielen anderen Frauen vor dir ihre Spielchen treibt, dich zur Bestärkung ihres eigenen Egos ausnutzt und dich anschließend wieder eiskalt fallen und verletzt zurücklässt, hat mich rasend vor Wut gemacht. Das soll wahrlich keine Ausrede oder Entschuldigung für mein Verhalten sein, lediglich eine Erklärung. Ich kann mein vergangenes Verhalten nicht rückgängig machen, Hermine, aber ich kann dir versprechen, dass ich mich bemühen werde, es nicht wieder so weit kommen zu lassen. Gleichzeitig muss ich aber auch eingestehen, dass ich dich und dein Herz jederzeit wieder verteidigen würde (auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass du meinen Schutz nicht brauchst), sollte es die Situation erfordern, und dafür werde ich mich niemals entschuldigen.

Immer dein,

Minerva

Ein unbändiges Glücksgefühl breitete sich von Hermines Brust ausgehend in ihrem ganzen Körper aus und sie strahlte, als ihre Augen erneut über die Zeilen ihrer ehemaligen Professorin glitten. Sie konnte das Grinsen auf ihrem Gesicht nicht unterdrücken, als sie die lodernde Eifersucht in Minervas Worten über Bellatrix ausmachte.

Sie wusste, dass sie sich nicht so sehr darüber freuen sollte, dass Minervas Beschützerinstinkt ihr gegenüber derart mit ihr durchging, dass sie bei Bellatrix nicht mal mehr ihre berühmte Selbstbeherrschung demonstrieren konnte, aber sie konnte einfach nicht anders.

Minerva war nicht ohne Grund die Leiterin des Hauses Gryffindor, deren Mitglieder es eben auszeichnete, für diejenigen einzustehen, die ihnen am Herzen lagen, und damit schriftlich die Bestätigung zu haben, dass sie Minerva am Herzen lag, ließ ihr eigenes Herz nur umso schneller schlagen.

Normalerweise gab Hermine viel darauf, für sich selbst einzustehen und auf niemandes Schutz angewiesen zu sein, doch zu lesen, dass Minerva sie – und mein Herz, hach Merlin, konnte die Frau noch romantischer sein? – ohne Rücksicht auf Verluste beschützen würde, weckte eine Seite in Hermine, derer sie gar nicht wirklich bewusst gewesen war.

Eine Seite, die tatsächlich beschützt werden wollte, und sie konnte sich niemanden vorstellen, bei dem sie sich geborgener fühlte als bei der schwarzhaarigen Schottin.

Immer dein…Minerva…Vorsichtig glitt sie mit den Fingern über diese letzten Worte und den Namen der Schulleiterin. Immer…das war ein großes Wort dafür, dass die Dates noch nicht mal richtig begonnen hatten, und dennoch zweifelte Hermine bei keiner der drei Frauen so wenig an ihren ernsthaften Absichten wie bei Minerva McGonagall.

Wenn jemand von ihnen definitiv keine Spielchen mit ihr spielte, dann war sie es. Sie kannte niemanden, der so rechtschaffen und so unfähig zu irgendeiner Art von Intrige wäre wie diese Frau, die sie so viel gelehrt hatte.

Dein… Konnte es wirklich so einfach sein? Konnte eine Frau, deren Fähigkeiten und Expertise der ganzen Zauberergemeinschaft gehörten, ihre sein? Oder war es eben gar nicht so gemeint, sondern vielmehr so, dass Minerva sich in ihre Dienste begab, so wie sie sich allen Zauberern und Hexen verschrieben hatte, als sie das Amt der Schulleiterin von Hogwarts angenommen hatte und damit als Säule ihrer Gesellschaft ihnen allen als Stütze diente? Vielleicht war Hermine gar nicht so besonders für sie oder eben genauso besonders wie alle anderen?

Genervt von ihren eigenen Selbstzweifeln verdrehte sie die Augen, legte Minervas Brief auf den von Narcissa und griff nach dem letzten. Wenig überraschend prangte ihr Name in schwarzer Tinte auf dem Umschlag und die Handschrift der dunklen Hexe war wie ihre Besitzerin selbst unübersehbar in den großen Buchstaben, wild, ohne ungeordnet zu wirken, und stellte in der Neigung der Buchstaben nach rechts eine Ungeduld zur Schau, die so typisch für Bellatrix war und die sich auf Hermine zu übertragen schien, als sie unruhig den Brief aus dem Umschlag zog und las:

Kleine Hexe,

ich bin mir durchaus im Klaren darüber, dass mir ein gewisser Ruf vorauseilt, der andere (und vielleicht auch dich) zu der Annahme verleiten könnte, dass ich lediglich darauf aus bin, dich ins Bett zu bekommen. Oh, keine Sorge, ich will dich ganz sicher in meinem Bett haben (und an vielen anderen Orten), daraus werde ich definitiv keinen Hehl machen, und glaub mir, kleine Hexe, das ist eine Erfahrung (oder mehrere), die du bestimmt nicht bereuen wirst. Doch mein Herz, wenn ich entgegen aller Gerüchte überhaupt eines besitze, soll nicht irgendjemand bekommen und ich verschenke es bestimmt nicht leichtfertig. Ich weiß, dass ich die Beste bin und daher verdiene ich auch die Beste. Dafür werde ich in einem Kampf, und sei er noch so spielerisch als Wette verkleidet, niemals klein beigeben, erst recht nicht gegen ein in die Jahre gekommenes Kätzchen und meine kleine Schwester.

Hier komme ich, kleine Hexe. Die Frage ist: Bist du bereit für mich oder nicht?

Erwartungsvoll,

Bellatrix

Unverblümt, direkt und geradezu herausfordernd. Was hatte Hermine auch anderes erwartet? Bellatrix war weder eine Frau, die sich entschuldigte oder rechtfertigte, noch würde sie sich kleiner machen als sie tatsächlich war.

Und obwohl die älteste Black-Schwester diejenige der drei Frauen zu sein schien, die alle Karten ohne viel Federlesen offen auf den Tisch legte, konnte Hermine das Gefühl nicht abschütteln, dass gerade diese zur Schau gestellte Offenheit ein Ablenkungsmanöver war. Eine äußerst gut inszenierte Täuschung, die so über die Maßen transparent wirkte, dass man nicht bemerkte, wie die Wahrheit an einem vorbeigeschmuggelt wurde.

Und Bellatrix' liebstes Mittel der Irreführung war Sex. Darin hatte sie eine solche Expertise über die Jahre entwickelt und sich einen derart unumstößlichen Ruf erarbeitet, den sie wie einen Schild vor sich hertrug. Um andere einzuschüchtern, sie willig zu machen, sie auf Distanz zu halten?

Hermine konnte nicht leugnen, dass ihr ganzer Körper bei Bellatrix' direkten Worten, dass sie sie wollte – nicht nur ein Mal und auch nicht nur an den klassischen Orten – fürchterlich heiß geworden war.

Sie war sich sicher, dass Bellatrix genau das beabsichtigt hatte. Sie wollte sie verunsichern, wollte sie nervös und unfähig machen, klar zu denken. Um die Oberhand und die Kontrolle zu behalten. In dieser Hinsicht waren sie sich gar nicht so unähnlich, auch wenn Hermine ihr Bedürfnis nach Kontrolle niemals gegen andere richten würde – oder?

Ganz ähnlich ging es ihr mit Bellatrix' unübersehbarer Selbstüberzeugung, die geradezu an Arroganz grenzte. Hermines erster Impuls, als sie gelesen hatte, dass Bellatrix sich für die Beste hielt, war ein ungläubiges Schnauben gewesen angesichts der Überheblichkeit der älteren Hexe.

Doch keine Sekunde später erinnerte sie eine kleine Stimme in ihrem Kopf an ihre eigenen Gedanken, die sie erst vor ein paar Tagen in den Drei Besen gehabt hatte, als ihre Freunde diese Wette ins Leben gerufen hatten, die plötzlich ihr Leben bestimmte.

Niemand reichte an die Maßstäbe heran, die sie an sich selbst setzte. Sie war es leid, nach einer Frau zu suchen, die intelligent und gut im Bett war. War das nicht weniger überheblich? Konnte sie sich wirklich ein Urteil über Bellatrix Black erlauben, die sich als die Beste bezeichnete, wenn Hermine selbst nur wenigen zugestand, besser zu sein als sie? Sie, die mit höchster Disziplin arbeitete und lernte, die ihre akademischen Errungenschaften ähnlich schützend vor sich hertrug wie Bellatrix ihre sexuellen? Die Frage, ob Hermine bereit für Bellatrix war, schien gerechtfertigt. Doch in diesem Augenblick fragte sie sich vielmehr, ob sie bereit für sich selbst war?

Hermine war selbst überrascht von dieser plötzlich über sie hereinbrechenden Selbsterkenntnis und der ungehinderten Analyse ihrer „Verehrerinnen" (eine Bezeichnung, mit der sie sich immer noch nicht ganz wohl fühlte).

Sie so in Ruhe betrachten, ihre Zeilen lesen und sich ungestört in sie hineindenken zu können, war das, was sie wirklich richtig gut konnte – solange die betreffenden Frauen nicht direkt vor ihr standen und sie mit ihren einnehmenden Präsenzen um den Verstand brachten.

Sie zog die Beine an ihre Brust, Bellatrix' Brief immer noch in ihrer Hand und schlang die Arme um ihre Beine. In Gedanken versunken legte sie den Kopf auf ihren Knien ab und schmunzelte bei der utopischen Vorstellung, jemals ihr analytisches, logisches und kontrolliertes Selbst in der Gegenwart der drei Frauen sein zu können.

Sie schüttelte immer noch schmunzelnd den Kopf darüber, wie sehr diese Sirenen sie innerhalb kürzester Zeit zu einem Häufchen willigen Fleischs reduziert hatten, unfähig dazu, überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen. Hermine grinste. Irgendwie…gefiel ihr das.

„Na, das nenn ich mal die richtige Einstellung", kam Dracos Stimme vom Durchgang zur Küche und Hermine blickte ruckartig auf. Sie war so in Gedanken gewesen, dass sie gar nicht gemerkt hatte, wie er im Türrahmen gelehnt und sie beobachtet hatte, eine Tasse dampfenden Kaffee in der einen Hand, die andere lässig in seine Anzughose gesteckt.

Mit einem geschäftsmäßigen Ruck zog er sie jedoch plötzlich aus seiner Hosentasche und blickte mit einer gehobenen Augenbraue auf seine Uhr: „Nun aber Schluss mit deinen Tagträumereien, Cinderella, sonst kommst du noch zu spät zum Ball, und wenn ich mir deinen verweinten Augen so anschaue, haben wir noch ein wenig Arbeit vor uns, bevor du präsentabel bist."

Hermine runzelte verwirrte die Stirn: „Zum Ball?"

„Ja, zum Ball", antwortete Draco ungeduldig, als wäre Hermine schwer von Begriff.

Seinen Tonfall ignorierend, fragte sie dennoch erneut nach: „Was für ein Ball?"

Draco schien plötzlich etwas einzufallen, schlug sich die Hand vors Gesicht und murmelte entschuldigend, während er einen weiteren Brief aus seiner Anzugjacke hervorholte: „Ach ja stimmt, da hab ich ja noch einen Brief vergessen – den du übrigens gelesen hättest, wenn du das Date vorhin nicht frühzeitig verlassen hättest!"

Leicht beschämt angesichts ihres feigen Verhaltens im Café streckte sie die Hand aus, um ihm dem Brief abzunehmen, auf dem wieder ihr Name stand, diesmal in der unverkennbaren Schrift ihrer besten Freundin und im Gegenzug zu den anderen Briefen machte sie dieser nicht nervös, sondern durchflutete sie mit einer aufgeregten Vorfreude.

Sie war gespannt, was Ginny diesmal ausgeheckt hatte. Draco reichte ihr eine dampfende Tasse Kaffee, während er weiter an seiner nippte: „Ein wenig Koffein währenddessen schadet schon mal nicht, schließlich hast du heute noch ein wenig was vor dir."

Dankbar schloss sie ihre Hand um die Tasse, genoss die Wärme auf ihrer Haut und nippte zufrieden an dem heißen Getränk, dessen Wärme sich schnell in ihrem Körper ausbreitete. Sie hoffte, das Koffein würde ebenso schnell wirken, während sie Ginnys Brief las:

Liebe Hermine, Ladies,

willkommen in der ersten Runde von drei wirklich spannenden Wochen, die eure Leben für immer verändern könnten. Die erste Woche wird aus mehreren Gruppendates bestehen, während die zweite und dritte Woche von Einzeldates geprägt sein werden. Die Details der einzelnen Dates erfahrt ihr immer erst am Ende des aktuellen Dates. Nachdem ihr euch nun in einem fast schon alltäglichen Ambiente das erste Mal getroffen habt, wird es heute Abend besonders: Wir entführen euch auf einen Ball! Keine Sorge, der Ball findet in der Londoner Muggelwelt statt, wo ihr die Zeit miteinander ungestört genießen könnt, ohne die Augen der magischen Welt, für die ihr nun mal alle Berühmtheiten seid, ständig auf euch zu spüren. Grundsätzlich könnt ihr den ganzen Abend über tun und lassen, was ihr wollt, und den Ball in vollen Zügen genießen. Doch bevor ihr euch auf die Tanzfläche stürzt, beachtet folgende Regel: Ladies, jede von euch bekommt nur einen Tanz mit Hermine.

Hermine verschluckte sich beinahe an ihrem Kaffee und rief entsetzt aus: „Oh nein, ich muss tanzen?! Draco, das geht nicht! Ich werde mich vollkommen blamieren! Den einzigen Tanz, den ich einigermaßen beherrsche, ist der Walzer und den hab ich zuletzt im vierten Jahr beim Trimagischen Turnier getanzt – mit einem Mann. Gott, was ist, wenn ich führen muss? Ich kann nur den weiblichen Part tanzen. Ich werde allen drei Frauen auf die Füße treten. Oh Gott, das wird noch viel schlimmer als heute Mittag."

Ohne, dass sie es gemerkt hatte, war sie aufgestanden und hatte begonnen, unruhig auf- und abzugehen, während sie sich immer weiter in unheilvolle Szenarien für den anstehenden Ball hineinsteigerte.

„Hermine?"

„Die drei können bestimmt wahnsinnig gut tanzen. Minerva definitiv, sie hat uns ja schließlich im vierten Jahr das Tanzen beigebracht. Bei ihr kann ich wenigstens mit absoluter Sicherheit sagen, dass sie führen kann."

„Hermine…"

„Daran, dass Bellatrix sich bewegen kann, zweifle ich keine Sekunde, wobei ich mir die klassischen Tänze bei ihr nicht so richtig vorstellen kann, aber ihre Eltern haben als Reinblüter bestimmt großen Wert darauf gelegt, ihre Töchter in den klassischen Tänzen auszubilden. Und wenn man ihre dominante Rolle in ihren Beziehungen zu Frauen auf das Tanzen überträgt, führt sie bestimmt auch in dieser Situation, etwas anderes kann ich mir bei ihr zumindest nicht vorstellen."

„Hermine."

„Und Narcissa richtet doch ständig diese Wohltätigkeitsbälle aus. Dass sie auf denen dann nicht tanzt, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Sie scheint mir aber im Gegensatz zu den anderen eher die Frau in der Beziehung zu sein – also die Rolle der Frau beim Tanzen zu übernehmen. Gott, als ob ich führen könnte…egal bei welchem Tanz."

„Hermine!"

Ruckartig wandte sich zu Draco um, der hilflos ihren Namen gerufen hatte, während sie sich in ihren lauten Gedanken verloren hatte, und nun leicht genervt vor ihr stand: „Würdest du bitte einfach den Brief zu Ende lesen?"

Verwirrt blickte sie auf den Brief, den sie noch immer in der Hand hielt, und der tatsächlich noch nicht zu Ende war: „Oh, ja, natürlich. Entschuldige."

Ladies, jede von euch bekommt nur einen Tanz mit Hermine. Ihr dürft euch dafür einen Tanzstil, ein dazu passendes Lied und Hermines Outfit für den Tanz aussuchen. Bitte teilt uns euren Liedwunsch rechtzeitig per Eule mit, damit wir uns um die Details vor Ort kümmern können. Für Hermines Outfitwechsel und ihre Beherrschung des jeweiligen Tanzstils habt ihr folgende Aufgabe: Ihr werdet jeweils ein Paar Tanzschuhe so verzaubern, dass sich Hermines Kleid beim Anziehen der Schuhe automatisch an das von euch gewünschte verwandelt. Gleichzeitig sollte sie mit dem Tragen der Schuhe auch automatisch die Schritte und Bewegungen eures gewählten Tanzstils beherrschen, damit ihr euch während des Tanzens aufeinander konzentrieren könnt. Für den Kleiderwechsel vor jedem Tanz haben wir ein Badezimmer hergerichtet, das für die Augen der Muggel unsichtbar und nur für euch zugänglich ist. Nach außen ist es als Besenkammer gekennzeichnet und befindet sich direkt am Rande der Tanzfläche. Die Reihenfolge der Tänze haben wir ausgelost und lautet wie folgt: Erst Narcissa, dann Bellatrix und abschließend Minerva. Wir erwarten eure Liedwünsche, Ladies, und wünschen euch allen viel Spaß!

Ginny, Harry und Draco

„Merlin sei Dank, ich muss mir keine Gedanken ums Tanzen machen." Erleichtert sank Hermine auf ihr Sofa und nahm einen großen Schluck Kaffee.

Draco schien nur darauf gewartet zu haben, dass Hermine sich endlich beruhigen und ihr Schicksal akzeptieren würde, denn er ließ ihr keine Zeit, um sich auszuruhen und kommentierte sarkastisch: „Nur gut, dass wir diese Krise nun abgewendet haben."

Hermine schenkte ihm einen verspielt bösen Blick und streckte ihm die Zunge heraus. Er verdrehte die Augen, während sich ein Lächeln auf seine Lippen stahl: „Dachtest du wirklich, wir würden dich so einer Blamage aussetzen und dich unvorbereitet auf einen Ball mit drei Frauen schicken, die alle ausgesprochen erfahrene und gute Tänzerinnen sind?"

„Nein, natürlich nicht", murmelte sie in die nun fast leere Kaffeetasse, was ihre Stimme leicht dämpfte, aber das war ihr gerade recht. Es fiel ihr schwer, zuzugeben, dass sie mal wieder von ihrer eigenen Unsicherheit überrollt worden war und nicht richtig nachgedacht hatte. Das war so untypisch für sie und gefiel ihr überhaupt nicht.

Dracos Stimme holte sie aus ihren düsteren Gedanken: „Gut, nachdem wir das nun geklärt hätten, ab mit dir unter die Dusche, während ich nachsehe, was dein Kleiderschrank so hergibt."

Nicht gewohnt, herumkommandiert zu werden, da sie normalerweise diejenige war, die anderen sagte, was zu tun war, warf sie ihm einen mürrischen Blick zu, leerte jedoch die Kaffeetasse in einem Zug und erhob sich, um an ihm vorbei ins Bad zu gehen.

„Und vergiss nicht, dich um alle Härchen an den wichtigen Stellen zu kümmern. Ich will nachher keines davon sehen", rief Draco ihr hinterher.

Irritiert steckte sie ihren Kopf aus der Badezimmertür: „Hast du mir gerade ernsthaft befohlen, meine Beine zu rasieren?"

„Nicht nur die." Draco hob vielsagend die Augenbrauen.

Hermine konnte ihren Schock nicht verbergen, als ihr der Mund aufklappte: „Du willst mich auf den Arm nehmen?"

„Seh ich so aus?"

Die Art und Weise, wie er das sagte, als sei es das normalste der Welt, als hätte er sie lediglich darum gebeten, sich auch die Haare zu waschen, entrüstete sie noch mehr: „Draco, selbst wenn ich das kürzeste Kleid der Welt zum Tanzen tragen würde, trage ich immer noch Unterwäsche –"

Sie trat nun wieder aus dem Bad heraus und gestikulierte wild mit den Armen, um ihren Standpunkt deutlich zu machen.

„Ich rede nicht vom Tanzen", unterbrach er sie, ohne zu zögern, und der Blick, den er ihr zuwarf, hätte nicht zweideutiger sein können. Irgendetwas an seiner Antwort schien ihn selbst zu stören, als er den Kopf leicht schief legte und laut zu überlegen begann: „Wobei…streng genommen, könnte man das auch als Tanz bezeichnen."

Hermine riss nun endgültig der Geduldsfaden: „Was?! Draco, das ist der erste Abend, den ich mit den Frauen verbringen werde, was denkst du eigentlich von mir?"

Er seufzte, steckte beide Hände in die Taschen seiner Anzughose, als müsse er sich auf ein längeres Gespräch mit einem begriffsstutzigen Kind vorbereiten, und zu Hermines Ärger sprach er auch noch in einem fast schon väterlich wohlmeinenden Ton mit ihr: „Eigentlich hab ich dabei weniger an dich gedacht." Geduldig wartete er darauf, dass sie verstand.

Sie hatte eine vage Ahnung, was er damit andeuten wollte, hielt sich aber dennoch an der irrwitzig unschuldigen Hoffnung fest, dass er damit nicht wirklich das meinte, was sie dachte: „Was willst du damit sagen?"

Er zuckte mit den Schultern, die Hände immer noch in seinen Hosentaschen vergraben: „Nun, für McGonagall und Tante Bella kann ich nicht sprechen, aber ich kenne meine Mutter sehr gut und sie ist besessen von glatter Haut." Bei dem Wort „besessen" riss er übertrieben weit die Augen auf, um sein Unverständnis über das Verhalten seiner Mutter zum Ausdruck zu bringen, was trotz seiner Ernsthaftigkeit, mit dem er das sagte, urkomisch wirkte und Hermine konnte ein Lachen nicht unterdrücken. Das Lachen blieb ihr aber im Hals stecken, als ihr Gehirn verarbeitet hatte, was genau er da gerade mit seiner Aussage impliziert hatte.

„Du willst mir ernsthaft sagen, dass du weißt, dass deine Mutter mich gerne glatt…?!" Hermine wusste beim besten Willen nicht, wie sie diesen Satz würdevoll zu Ende bringen sollte, ohne vor Scham im Erdboden zu versinken, und gestikulierte hilfesuchend mit den Händen zwischen ihre Beine.

Draco riss erschrocken die Augen auf, wurde einen Ticken blasser, wenn das bei seiner natürlichen Blässe überhaupt noch möglich war, und zog blitzschnell seine Hände aus den Hosentaschen, um sie sich schützend vor die Augen zu halten: „Himmel Herrgott nein, Granger, uuuaaaahhh, Bilder in meinem Kopf."

Er lugte zwischen seinen Fingern hindurch, um sicherzugehen, dass ihre Hände wieder sicher an ihren Seiten baumelten und keine weiteren anzüglichen Bewegungen machten, bevor er seine Hände wieder sinken ließ und erklärte: „Ich weiß es nicht mit Sicherheit, nehme es aber sehr stark an, weil ich weiß, wie besessen sie von ihrer eigenen Haut ist und wie sehr sie mich mit meiner über die Jahre genervt hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in diesem Fall plötzlich anders sein sollte." Er zuckte mit den Schultern. „Sicher ist sicher."

Auch wenn Hermine seine Bedenken verstehen konnte, weigerte sie sich, so früh in diesem Dating-Experiment schon so weit zu denken: „Trotzdem werde ich doch heute Nacht nicht mit irgendeiner dieser Frauen Sex haben! Selbst für einen Kuss wäre es noch viel zu früh, es ist der erste Abend!"

Draco verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich gegen die nächstbeste Wand: „Was das Küssen angeht, wäre ich mir da an deiner Stelle nicht so sicher. Meine Mutter und ihre Schwester sind unglaublich ehrgeizig und können auch ziemlich rücksichtslos sein, wenn es darum geht, Konkurrenz aus dem Weg zu räumen. Das schon an und für sich. Wenn es aber darüber hinaus noch, wie in diesem Fall, um etwas geht, das sie beide haben wollen", er machte eine bedeutungsschwangere Pause, „werden sie in feinster Black-Manier mit sehr harten Bandagen kämpfen, Schwesternliebe hin oder her. Und glaub mir, du hast keine Chance gegen irgendeine der Schwestern aus dem noblen und ehrwürdigen Haus der Blacks, wenn sie etwas wirklich wollen und erst recht nicht wollen, dass es die andere kriegt. Eine von den beiden wird dich heute also mit absoluter Sicherheit küssen, wenn nicht sogar beide." Er grinste. „Die Wetten laufen schon."

Normalerweise hätte Hermine angesichts der Tatsache, dass ihre Freunde Wetten innerhalb einer Wette abschlossen, nur genervt die Augen verdreht und einen sarkastischen Kommentar abgegeben, aber das Bild, das Draco da vor ihrem inneren Auge gezeichnet hatte, ließ die Hitze in ihrem Körper rapide ansteigen.

Narcissa und Bellatrix Black…wenn sie etwas wirklichwollen…wenn sie michwollen…Hermine musste den Kloß, der sich plötzlich in ihrem Hals gebildet hatte, herunterschlucken, verdrängte die Bilder von blauen und schwarzen Augen, die sie fixierten, von starken Händen, die sie auf der Tanzfläche im Kreis wirbelten, von festen Körpern, die sich von beiden Seiten an sie pressten, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und von sinnlichen Lippen, die sich ihr näherten, bis sie heißen Atem auf ihrer Haut spüren konnte, und zwang ihren Kopf dazu, logisch zu denken: „Ok, selbst wenn…"

Sie musste sich räuspern und hasste es, wie rau ihre Stimme plötzlich klang. Ein Blick in Dracos graue Augen, die wissend aufblitzten, reichte ihr, um zu wissen, dass er eine sehr klare Vorstellung davon hatte, in welche Richtung ihre Gedanken gerade gegangen waren.

Sie begann erneut, diesmal mit glücklicherweise klarer Stimme: „Ok, selbst wenn, erfordert ein Kuss nicht gleich automatisch eine Intimrasur."

Zu ihrer Schmach legte er den Kopf in den Nacken und lachte lauthals: „Gott, ich hätte nicht gedacht, dass ich hier heute noch Aufklärungsarbeit leisten muss."

Er sah sie an und sagte in einem frustrierend belehrenden Tonfall: „Dir ist bewusst, dass es zwischen Küssen und Sex noch viele weitere Abstufungen gibt, die das durchaus erforderlich machen könnten?"

Hermine sah ihn völlig entgeistert an und spürte, wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg und bis hoch zu ihren Ohren kroch: „Keine Details bitte."

„Ich hatte nicht vor, dir welche zu geben." Er stieß sich von der Wand ab und scheuchte sie mit einer ungeduldigen Geste ins Bad: „Los jetzt, wir haben nicht mehr viel Zeit. Oh, und mach nichts mit deinen Haaren und kein Make-up. Ich kümmere mich darum, sobald wir das Kleid haben, damit es zueinander passt."

„Ok Nigel, kein Grund, gleich so bossy zu werden!" Sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als sie aus Der Teufel trägt Prada zitierte: „Machen wir eine Vorher-Nachher-Show, von der ich nichts weiß?"

Der früher so von seinem Blutstatus besessene Sprössling aus gleich zwei Familien der Unantastbaren 28 zögerte nicht eine Sekunde, um zu beweisen, dass er seit seiner Schulzeit einen weiten Weg zurückgelegt und sich von Grund auf geändert hatte: „Du wirst nehmen, was ich dir gebe, und es gefällt dir."

Sie lachte: „Fehlt nur noch Miranda Priestly."

„Oh, das ist einfach." Er zwinkerte ihr schelmisch zu, während Hermine ihn fragend ansah.

„Eine eiskalte, erfolgreiche Geschäftsfrau mit stechend blauen Augen, die als Stil-Ikone gilt und der du mit deinen großen Rehaugen hinterherlaufen kannst wie ein kleiner Welpe, um ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen?"

Er hob vielsagen die Augenbrauen. Hermine schluckte und presste die Lippen zusammen, in der Hoffnung, damit nicht zu viel preiszugeben. Ihre Hoffnung löste sich in Luft auf, als er grinsend sagte: „Und genau dieser Blick ist der Grund, weshalb ich diese Wette gewinnen werde. Ich weiß, wie heiß du Priestly findest." Sein Grinsen wurde nochmal um einiges breiter. „Meine Mutter ist so dein Typ, Granger."

Sie schnaubte frustriert, weil sie dem einfach nichts entgegenzusetzen hatte, warf hilflos die Hände in die Luft und drehte sich zur Badtür um: „Ich geh dann mal duschen."

„Ich bitte darum", rief er, während er sich in Richtung ihres Kleiderschranks aufmachte.