Sonnenlicht flutete durch das Schlafzimmerfenster auf Hermines Bett und blendete die junge Hexe, die eben noch friedlich geschlafen hatte und sich verzweifelt vor den Sonnenstrahlen zu verstecken versuchte, die ihre Kopfschmerzen nur noch verstärkten. Himmel, wieso dröhnt mir der Kopf nur so? Hab ich gestern noch so lange gearbeitet? Hab ich zu wenig Wasser getrunken?
Hermine konnte sich nicht erklären, weshalb sie selbst nach einer arbeitsreichen Nacht mit Kopfschmerzen aufwachsen sollte. Bei all ihren Abschlussarbeiten gehörten vereinzelte Nachtschichten zur Normalität, wenn sie gerade im Arbeitsfluss war und ihre Gedankenfäden einfach nicht unterbrechen konnte und auch nicht wollte, solange es noch offene Enden gab, die sie zusammenführen musste. Noch nie hatte sie deswegen Kopfschmerzen bekommen, sie war es schließlich gewohnt.
Sie richtete sich vorsichtig auf und massierte sich die Schläfen, verzweifelt auf der Suche nach den relevanten Informationen in ihrem Gehirn, weshalb sie sich so elend fühlte, doch die Erinnerung an den gestrigen Abend oder die letzte Nacht wollten sich einfach nicht vor ihrem inneren Auge manifestieren.
Erst mal Wasser, Aspirin und Kaffee. Guter Plan. Schwerfällig setzte sie sich auf, massierte sich den Nacken und blinzelte in die Sonne, die immer noch strahlend durch ihr Fenster schien. Nicht mal die Vorhänge habe ich gestern geschlossen, kein Wunder, dass mich die Sonne eben überhaupt so stören konnte. Was zur Hölle war gestern nur los mit mir?
Schulterzuckend stand sie auf und genoss den kühlen Fußboden unter ihren nackten Füßen, als sie barfuß in die Küche ging, während sie sich frustriert durch ihre verstrubbelten Haare fuhr und immer noch über die fehlenden Erinnerungen der letzten Nacht nachdachte. Ein Glas Wasser und eine Aspirin später nahm sie ihre dampfende Kaffeetasse mit zum Wohnzimmertisch, auf dem unzählige Papierstapel und offene Bücher lagen.
Sie arbeitete gern im Wohnzimmer, da der Tisch dort viel größer war als ihr eigener Schreibtisch in ihrem Arbeitszimmer und sie sich ordentlich ausbreiten konnte, gerade wenn sie mal wieder mehrere Aufsätze und Artikel parallel durcharbeitete, bis die einzelnen Informationen zu einer neuen Symbiose von Erkenntnissen in ihrer Abschlussarbeit zusammenflossen. Sie liebte diesen Prozess und die anfängliche Überforderung angesichts der vielen Informationen, die irgendwann in neue Einsichten mündeten, zu einem plötzlichen Aha-Erlebnis, das sie meist mitten in der Arbeit überkam und ihr endlich den Weg aus dem Dschungel der verschiedenen Informationsstränge wies.
Umso ärgerlicher war es für sie, dass ihr nun einige Erinnerungen zum gestrigen Abend zu fehlen schienen. Gut, es hilft nichts, dachte sie achselzuckend, während sie an ihrem Kaffee nippte und ihren Blick fast liebevoll über die Papiere und Bücher schweifen ließ. Egal, einfach weitarbeiten. Was auch immer gestern Abend passiert ist, wird schon wiederkommen.
Sie setzte sich an den Tisch und fing an, unter den ganzen Dokumenten nach ihrem Laptop zu suchen. Nicht selten kam es vor, dass ihr Laptop während des Arbeitens unter irgendwelchen Papieren verschwand, weil ihr zwischendurch irgendeine Information fehlte oder ihr eine Idee kam, die sie erst nachlesen musste, bevor sie weiterarbeiten konnte.
Organisiertes Chaos, dachte sie schmunzelnd, auch wenn viele sie nie so einschätzen würden, da sie auf ihre Außenwelt meist sehr organisiert wirkte und die Leute daher auch ihren Arbeitsplatz als einen perfekt aufgeräumten visualisierten. Doch wenn sie erst einmal von einem Projekt besessen war, nahm es ihr ganzes Leben ein und daher auch ihren ganzen Lebensraum – im wahrsten Sinne des Wortes.
Als sie den letzten Stapel einmal vom Wohnzimmertisch gehoben hatte, um darunter nach ihrem Laptop zu sehen, er aber immer noch nirgends auffindbar war, begannen sich tiefe Falten auf ihre Stirn zu graben. Sie sah sich langsam im Wohnzimmer um und überlegte, wo sie ihn in ihrem Arbeitswahn noch hätte ablegen können.
Per definitionem war dieses schöne Stück neuer Technologie ja gerade dazu da, es überallhin mitnehmen zu können und das nutzte Hermine eiskalt aus, um in sämtlichen Ecken ihrer 3-Zimmer-Wohnung arbeiten zu können, wenn ihr danach war oder ihr eben gerade in der Küche oder auf dem Sofa eine Idee kam. Aber egal, wo sie zuvor gearbeitet hatte, sie brachte ihren Laptop am Ende des Tages immer wieder zu seinem Platz auf dem Wohnzimmertisch zurück, damit sie dort ihre Arbeit am nächsten Morgen wieder aufnehmen konnte.
Suchend blickte sie sich im Wohnzimmer um und ließ ihre Augen über das blaue Sofa, den kleinen hölzernen Couchtisch, die hohen Bücherregale, die die Wände säumten, und diverse Fenstersimse gleiten, doch nirgendwo lag ihr Laptop. Mit ihrer Kaffeetasse in der Hand wanderte sie zurück in die Küche, lehnte sich gegen den Türrahmen und scannte auch hier systematisch jede freie Stelle mit ihren Augen, während sie einen weiteren Schluck Kaffee zu sich nahm und spürte, wie das Koffein sich langsam in ihren Adern ausbreitete und die Aspirintablette auch endlich zu wirken schien.
Halleluja, wenigstens hab ich gleich wieder einen klaren Kopf. Sie atmete einmal tief ein und aus, um die aufsteigende Sorge um ihren verschwundenen Laptop im Zaum zu halten und deswegen nicht gleich in Panik zu verfallen. Erneut nahm sie einen Schluck aus der Kaffeetasse, während sie fieberhaft überlegte, wo zum Teufel ihr Laptop war. Denk, Hermine, denk, wofür nennen sie dich denn die brillanteste Hexe unserer Zeit? Sie konnte gerade Ginnys sarkastische Stimme in ihrem Kopf hören, die auf diesen Satz wahrscheinlich erwidern würde: Pfff, brillanteste Hexe unserer Zeit am Arsch, wenn du es nicht mal schaffst, auf deinen Laptop aufzupassen.
Erschrocken hielt Hermine bei diesem Gedanken inne, als sich urplötzlich mehrere Informationen zu einem von ihr ach so geliebten Aha-Erlebnis zusammensetzen: Ginny – Laptop – die drei Besen – Harry – Draco – Dates – Wette – Wein – „Oh nein, bitte lass das nicht wahr sein!"
Panisch griff Hermine zu ihrem Handy und wählte die Nummer ihrer rothaarigen Freundin, während sie ungeduldig mit den Fingern gegen die Kaffeetasse trommelte.
„Weasleys wundervolle Partnervermittlung, wir finden Ihre Liebe fürs Leben, was kann ich an diesem wundervoll sonnigen Tag für Ihre Herzensangelegenheiten tun?", verkündete eine quietschvergnügte Frauenstimme, als endlich jemand nach dem sechsten Klingeln abnahm.
„Ginny?!", fragte Hermine nach einem Moment der sprachlosen Verwirrung.
„Nein, hier ist Severus Snape, der gerade Liebestränke braut und ganz in rosa gekleidet ist. Na, wer denn sonst? Ich dachte, der Sinn dieser super Muggeltechnologie besteht darin, dass man eben gerade nur die Nummer einer bestimmten Person wählen muss, um auch tatsächlich bei dieser Person rauszukommen, oder nicht? Also für die brillanteste Hexe unserer Zeit bist du manchmal wirklich etwas langsam, meine liebe Hermine."
Hermine musste gegen ihren Willen lachen: „Tja, ich werde eindeutig überbewertet."
„Absolut", stimmte Ginny ihr todernst zu, bevor sie ihr Kichern nicht mehr zurückhalten konnte. „Bist du bereit für nachher?"
„Wie, nachher?" Hermine war mittlerweile leicht genervt von ihren Fragen, da sie sonst normalerweise diejenige war, die alle Antworten hatte, statt andere um Informationen anbetteln zu müssen.
„Ähhhh, unser Treffen? Zur Präsentation der Kandidatinnen? Für die drei Wochen Spaß, die dir bevorstehen, bevor du dann vielleicht dein Teufelsgerät wieder zurückbekommst, um wieder zur Zombie-Hermine zu mutieren? Wobei ich wirklich hoffe, dass du nach diesen drei Wochen ein wenig mehr Work-Life-Balance in dein Leben bringst. Ehrlich Hermine, das ist überhaupt nicht gesund, was du da treibst, aber das haben wir dir ja gestern Abend mehr als deutlich gemacht, denke ich."
„Also hab ich mir das alles nicht eingebildet?" fragte Hermine entgegen aller Hoffnung.
„Sag mal Hermine, wie wenig verträgst du eigentlich? Du hattest doch gerade mal ein Glas Rotwein gestern Abend?! Oder hast du daheim noch ohne uns nachgelegt?" stieß Ginny aus.
„Ich hatte ein Glas und den Rest deines Glases, vergiss das nicht!" versuchte Hermine sich zu verteidigen.
„Aaaahhh ja. Genau. Du kleine Alkoholikern du", lachte Ginny auf. „Du bist manchmal so ungewollt unterhaltsam, wirklich. Egal, um auf deine Frage zurückzukommen: Nein, du hast dir das nicht eingebildet. Ich hatte immer noch die phänomenale Idee, dich mit Dates für die nächsten drei Wochen zu versorgen, um für dich die Hexe deiner Träume zu finden, natürlich zusammen mit Harry und Draco, was du natürlich liebend gerne über dich ergehen lassen wirst, wenn du deinen Laptop lebend wiedersehen willst."
„Du hast eindeutig zu viele Action-Filme mit Harry zusammen gesehen", stöhnte Hermine angesichts des letzten Satzes ihrer Freundin auf.
„Ach was, ich würde das vielmehr als Vertiefung von Muggelkunde bezeichnen, quasi interkulturelles Lernen, nur mit Lebensweltbezug. Du solltest stolz auf mich sein!"
Hermine lachte auf: „Du bist verrückt."
„Unsere liebe Freundin Luna würde dazu nur sagen: Du bist genauso wenig verrückt wie ich."
„Dem kann ich wirklich nichts entgegensetzen. Also, wie geht's jetzt nochmal weiter?"
„Du bewegst dein prachtvolles Hinterteil heute Nachmittag hierher zu uns, Draco kommt auch vorbei, und dann präsentieren wir dir unsere drei Kandidatinnen und erklären dir ein wenig den Ablauf der nächsten drei Wochen. Merlin, das wird so gut. Ich hab jetzt schon so viele Ideen!" ratterte Ginny ihren Plan aufgeregt herunter.
„Moment mal, Ginny. Wie habt ihr denn bitte so schnell potenzielle Dates für mich gefunden, ich bin eben erst aufgestanden?"
„Kann ich doch nichts dafür, wenn du den halben Tag verschläfst – auch wenn ich wirklich sehr froh darüber bin, dein Körper hat den Schlaf bestimmt dringend gebraucht! Aber während du deinen wohlverdienten Schönheitsschlaf gehalten hast, waren wir drei hier fleißig. Details aber erst später, ich hab bis dahin noch so viel zu erledigen. Deswegen muss ich jetzt auch Schluss machen, wir sehen uns dann nachher! Bis dann", womit sie ohne Hermine auch nur die Möglichkeit zu geben, etwas zu erwidern, einfach auflegte.
Völlig baff starrte Hermine das Handy in ihrer Hand an und konnte einfach nur den Kopf darüber schütteln, was ihre Freunde da ausheckten. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass sie wirklich viel zu lange geschlafen hatte und sie bis zu besagtem Treffen nicht mehr allzu viel Zeit hatte. Frühstücken, Duschen, wenigstens ein wenig analog arbeiten und vor allem einen Plan ausarbeiten, damit diese ganze Dating-Situation ihr so wenig Zeit wie möglich von ihrer wertvollen Arbeitszeit stehlen würde. Sie würde sich von Ginny bestimmt nicht von der Arbeit an ihrer Abschlussthesis abbringen lassen und auch wenn sie ohne ihren Laptop nicht direkt daran weiterschreiben konnte, hatte sie immer noch alle Bücher und Papiere hier, um sich handschriftliche Notizen zu machen, die sie dann nur noch in ihren digitalen Aufsatz eintippen musste. Was ihre Dating-Kandidatinnen anging, hatte sie auch schon eine Idee. Selbst wenn du vor mir aufstehst, musst du dir schon ein wenig mehr einfallen lassen, wenn du mich austricksten willst, Weasley. Hermine schmunzelte siegessicher vor sich hin. Es fühlte sich gut an, wieder ein wenig Kontrolle zurückzuerlangen und Herrin der Lage zu sein.
Deswegen war Hermine auch alles andere als nervös, als sie einige Zeit später an die Tür von Grimmauldplatz Nummer 12 klopfte. Doch weder Harry noch Ginny, die hier seit dem Ende des Krieges gemeinsam wohnten, öffneten ihr die Tür, sondern Draco Malfoy, mal wieder elegant in einen diesmal grauen Anzug gekleidet und wie gestern bereits ein Glas Whiskey in der Hand, in dem sich jedoch nur noch ein Schluck befand.
„Malfoy", stieß Hermine freudig überrascht aus und ließ ihren Blick über seinen Anzug gleiten, „möchtest du mir einen Bausparvertrag andrehen oder was soll der noble Aufzug schon wieder? Ich frage mich wirklich, ob ich dich jemals in Jogginghose und T-Shirt sehen werde. Aber mal ernsthaft: Ist das nicht auf Dauer unbequem?"
„Witzig, Granger, sehr witzig", gab Draco kühl zurück, doch seine Augen funkelten amüsiert. „Ein Gentleman hat stets gut gekleidet zu sein. Meine Mutter hat mich nun mal gut erzogen."
Hermine musste zugeben, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fiel. Narcissa Black, wie sie seit der Scheidung von Luciuas Malfoy wieder hieß, war bekannt für ihren eleganten Kleidungsstil und ihre teuren Kleider und sie konnte sich Hermine ebenso wenig in Jogginghosen vorstellen wie ihren Sohn. Sie zuckte mit den Schultern: „Solange du dich wohlfühlst, kannst du mir die Tür in welchem Aufzug auch immer öffnen." Als sie das schelmische Funkeln in seinen Augen sah und ahnte, welch unpassender Kommentar sich hinter seinen grauen Augen zusammenbraute, fügte sie schnell hinzu: „Außer nackt! Auf den Anblick kann ich wirklich verzichten."
Spielerisch beleidigt schob Draco die Unterlippe nach vorne: „Ich dachte, ich könnte dich dadurch vielleicht doch noch von den Vorzügen der anderen Seite des Ufers überzeugen. Dadurch hättest du zumindest wesentlich mehr Auswahl im Dating-Geschäft." Er zuckte vermeintlich verführerisch mit den Augenbrauen.
Hermine konnte das Lachen nicht zurückhalten und umarmte ihn herzlich. „Danke für das Angebot, mein Lieber." Sie lehnte sich zurück, um ihm in die Augen sehen zu können und legte eine Hand auf seiner Brust ab. „Angesichts der herrlich schlechten Auswahl an für mich geeigneten Frauen komme ich vielleicht irgendwann mal darauf zurück, wenn ich wirklich verzweifelt bin und meine Ehe mit der Arbeit auch in die Brüche gehen sollte." Mit einem Blick auf das fast schon leere Whiskey-Glas in seiner Hand fügte sie noch hinzu: „Ich bin zwar nicht deine Mutter, aber findest du es eigentlich nicht ein wenig früh, um schon mit dem Trinken anzufangen?"
„Oh, das ist für dich." Er hielt ihr auffordernd den Schluck Whiskey unter die Nase. Als Hermine ihn nur verwirrt anstarrte, erklärte er: „Glaub mir, du wirst es brauchen. Ginny…geht sehr in ihrem neuen Projekt auf und auch wenn ich das Ganze voll und ganz unterstütze, kann ich mir vorstellen, dass das für dich gleich ein wenig viel sein wird. Naja, und da du sowieso kaum was verträgst, dachte ich mir, ein Schluck reicht für dich." Er grinste vielsagend.
Hermine verengte misstrauisch die Augen, nahm ihm aber das Glas aus der Hand und schluckte dessen Inhalt in einem Zug hinunter, schauderte kurz und versuchte das flaue Gefühl in ihrem Magen auf den Alkohol zu schieben, dessen Brennen sich seinen Weg durch ihre Kehle bis hinunter in ihre Eingeweide bahnte und nicht auf die wiederkehrende Nervosität, die sie den Tag über so erfolgreich verdrängt hatte.
„Versuchst du, sie schon vor der eigentlichen Präsentation der Kandidatinnen zu betäuben, in der Hoffnung, dass sie dann weniger Widerstand leistet, Malfoy?" Harry war im Flur hinter Draco erschienen und nahm Hermine grinsend in die Arme.
„Ach Potter, wenn wir wollten, dass sie keinen Widerstand leistet, müssten wir sie eigentlich direkt danach obliviieren, da hilft auch kein Alkohol, auch wenn sie ein ziemliches Leichtgewicht ist."
Während die zwei Männer ein wissendes Lächeln austauschten, beunruhigte Hermine diese Information umso mehr. Wie schlimm konnten diese ominösen Kandidatinnen denn sein, dass sie davon ausgingen, dass sie sich derart dagegen wehren würde?
Ohne weiteren Kommentar führten die beiden sie ins Wohnzimmer, wo Ginny bereits vor einer großen weißen Leinwand auf sie wartete. Sie grinste aufgeregte und hüpfte geradezu in Hermines Arme, die sich immer noch fragte, was da eigentlich gerade passierte. Hermines Sprachlosigkeit ausnutzend, schubste sie Hermine in den mittleren der vor der Leinwand aufgestellten Sessel, während Draco und Harry links und rechts von ihr Platz nahmen und Ginny wieder Stellung vor der Leinwand bezog. Hermines ungutes Gefühl nahm ein wenig mehr zu und sie wünschte plötzlich, sie hätte sich den Schluck Whiskey ein wenig besser eingeteilt.
„Herzlich Willkommen, liebe Hermine, zur Präsentation deiner Herzensdamen", verkündete Ginny freudestrahlend. Zu Hermines großer Überraschung erschien hinter Ginny auf der Leinwand bei diesen Worten ein Bild von ihr, eingerahmt in ein großes Herz, neben dem drei kleinere Herzen erschienen, in denen ein jeweils ein Fragezeichen aufblinkte. Schockiert wandte sie ihren Blick nach rechts zu Harry, auf dessen Schoß ein Laptop – leider nicht ihrer – ruhte: „Habt ihr dazu etwa extra eine Power-Point-Präsentation erstellt?!"
Harry zuckte hilflos mit den Schultern und deutete auf Ginny: „Schau mich nicht so vorwurfsvoll an, sie ist der Boss, ich führe nur ihre Befehle aus und darf die Folien weiterklicken."
„Ruhe jetzt, hier spielt die Musik bzw. vielmehr die Liebe", forderte Ginny erneut die Aufmerksamkeit ihres „Publikums".
Als Hermine Harry immer noch in Schockstarre anstarrte, drängte er flüsternd: „Ich würde wirklich lieber tun, was sie sagt. Glaub mir, ich möchte nicht in die Geschichte eingehen als der Junge, der den Tod mehrmals überlebte, aber dann diese Beziehung nicht." Mit einem bedeutungsschwangeren Blick auf Ginny lehnte er sich wieder in seinem Sessel zurück, während Hermine Draco hinter sich herzhaft lachen hörte, der Harrys Spruch gehört zu haben schien.
„Das gilt auch für dich, Malfoy, Zeit ist Geld bzw. vielmehr Liebe und uns bleiben nur drei Wochen, um für unsere liebe Hermine die Hexe fürs Leben zu finden, also reißt euch gefälligst zusammen", forderte Ginny scharf.
Pfff, die „Hexe fürs Leben", weil es die ja gibt, dachte Hermine zynisch bei Ginnys Worten.
„Kandidatin Nummer eins", verkündete Ginny laut, erneut ein Strahlen im Gesicht und ihre ganze Aufmerksamkeit wieder auf Hermine gerichtet, „vorgeschlagen von unserem allseits beliebten Auserwählten, dem Jungen, der überlebt hat, Mr Harry Potter!" Sie applaudierte strahlend in Harrys Richtung, der sich noch tiefer in seinen Sessel zurückzog.
Hermine kam sich vor wie in einer ziemlich schlechten Dating-Show: „Ginny, was zur Hölle siehst du dir noch alles im Fernsehen an?"
„Hört ihr wohl nun endlich auf, mich ständig zu unterbrechen?" Sie funkelte Hermine wütend an, die eingeschüchtert zurückfuhr, völlig überfordert mit den raschen Stimmungsschwankungen ihrer rothaarigen Freundin, die sich eindeutig zu sehr in dieses Projekt reingesteigert zu haben schien.
„Kandidatin Nummer eins", wiederholte Ginny und warf Harry einen vielsagenden Blick zu, der mit einem Klick auf seinem Laptop die nächste Folie erscheinen ließ, auf der das erste der Fragezeichen-Herzen in die Mitte der Leinwand wanderte und immer noch mysteriös vor sich hinblinkte, „ist eine Expertin im Bereich der Verwandlung und wahrscheinlich eine der wenigen Personen auf diesem Planeten, die mehr Bücher gelesen hat als du, liebe Hermine. Ihre Lieblingstiere sind Katzen, ihre Lieblingsfarbe ist grün und in ihrer Freizeit unternimmt sie am liebsten ausgedehnte Spaziergänge in den schottischen Highlands. Ich präsentiere", wieder nickte sie in Harrys Richtung, der mit einem Klick dafür sorgte, dass das blinkende Fragezeichen dem Bild einer streng aussehnden Frau mit leuchtend grünen Augen Platz machte, die Hermine nur allzu gut kannte: „Minerva McGonagall."
Hermine war sich nun ziemlich sicher, dass sich ihre Freunde einen Spaß mit ihr erlaubten, wagte aber nicht, Ginny noch einmal zu unterbrechen und hob lediglich die Augenbrauen, als sie Harry einen Blick zuwarf, der Bände sprach: Echt jetzt?!
Sie ließ sich noch tiefer in ihren Sessel sinken, atmete genervt aus und nahm sich vor, diese „Show" über sich ergehen zu lassen, um dann am Ende die Namen der wirklichen Kandidatinnen einzufordern, damit sie endlich nach Hause gehen und weiter an ihrer Abschlussarbeit schreiben konnte.
„Kandidatin Nummer zwei", rief Ginny aus, die Hermines Einstellung zu ihren Bemühungen vollkommen zu ignorieren schien, „vorgeschlagen von unserem allseits beliebten blonden Schönling, dem Jungen, dessen Vater bestimmt noch von dieser Wette erfahren wird, Mr Draco Malfoy!" Diesmal applaudierte sie in Dracos Richtung und nickte anschließend in Harrys Richtung, der wiederum eine Taste auf seinem Laptop betätigte. Das zweite blinkende Herz schob sich unter das immer noch mit Minervas Konterfrei ausgefülltem Herz und Hermine war gespannt, wie ihre Freunde die Schulleiterin von Hogwarts noch toppen wollten.
„Kandidatin Nummer zwei ist eine Expertin im Bereich der Zaubertränke und wahrscheinlich die bestgekleidete Frau der ganzen Zaubererwelt. Ihre Lieblingstiere sind Schlangen, ihre Lieblingsfarbe ist silber und in ihrer Freizeit unternimmt sie gerne ausgedehnte Shoppingtouren in bekannten Metropolen dieser Welt und organisiert Bälle für wohltätige Zwecke. Ich präsentiere", mit einem Klick erschien im zweiten Herz das Bild einer blonden Frau mit so kalten blauen Augen, dass Hermine bei dem Anblick erschauderte, „Narcissa Black."
Jetzt machen sie sich einfach nur lächerlich. Hermine schüttelte lachend den Kopf. Malfoy's Mom. Grinsend musste sie an die America-Pie-Filme denken und sich mit aller Gewalt zurückhalten, um nicht laut loszulachen, als sie einen der Jungs in dem Film Stifler's Mom rufen hörte. Sie würde nun wahrscheinlich jedes Mal lachen müssen, wenn jemand Narcissa Black erwähnte, die nun in ihrem Kopf als Malfoy's Mom abgespeichert war.
„Kandidatin Nummer drei", Ginny schien nun erst recht aufgeregt, als sie ihre eigene Kandidatin vorzustellen begann, „vorgeschlagen von unserer allseits beliebten rothaarigen Top-Jägerin der Holyhead Harpies, der Frau, deren Freund immer voller Blut ist, Miss Ginny Weasley!" Sie applaudierte allen Ernstes sich selbst. Das dritte Herz schob sich unter die Herzen von Minerva McGonagall und Narcissa Black und Hermine wünschte sich einfach nur, dass sie zum Ende dieser Farce kommen würden.
„Kandidatin Nummer drei ist eine Expertin im Bereich der Dunklen Künste und wahrscheinlich die gefährlichste Frau der ganzen Zaubererwelt. Ihre Lieblingstiere sind Raben, ihre Lieblingsfarbe ist schwarz und in ihrer Freizeit unternimmt sie gerne ausgedehnte Touren mit ihrem Motorrad, geht Kickboxen oder kümmert sich um…", Ginny wackelte genauso mit dem Augenbraune wie Draco zuvor an der Eingangstür, „…Frauen." Sie grinste Hermine frech an und die Braunhaarige konnte sich nur allzu gut vorstellen, was in Ginnys Kopf gerade vor sich ging. Sie verdrehte die Augen. „Ich präsentiere", Harry klickte ein weiteres Mal und im letzten Herz erschienen kohlschwarze Augen, umrahmt von ebenso schwarzen langen Locken und Hermine sog erschrocken die Luft ein, „Bellatrix Black."
Hermine verließ endgültig die Geduld und erhob sich von ihrem Sessel: „Ok Leute, der Spaß ist vorbei. Ich kann echt nicht glauben, dass ihr einen solchen Aufwand betrieben habt, um mich derart auf den Arm zu nehmen." Sie schaute ihre Freunde allesamt vorwurfsvoll an, die ihren Blick mit einer Seelenruhe erwiderten, die Hermine erneut beunruhigte.
Als sie keine Antwort erhielt, warf sie frustriet die Arme in die Luft: „Ich meine es ernst. Sagt mir doch einfach, welche Frauen ihr für mich ausgesucht habt, damit ich es hinter mich bringen kann."
Sie richtete ihren Blick auf Draco, der das Wort für die Gruppe ergriff: „Das haben wir gerade getan", und deutete auf die drei Frauen in den drei Herzen, die immer noch die Leinwand hinter Ginny zierten, nun mit Hermines Bild daneben und einem großen Fragezeichen, das die drei Frauen von Hermine trennte.
„Ja schon klar", erwiderte Hermine sarkastisch. „Ihr wollt mir allen Ernstes weismachen, dass Minerva McGonagall, Narcissa Black und Bellatrix Black sich von euch dazu haben überreden lassen, mit mir in den nächsten drei Wochen auszugehen? Verarschen kann ich mich tatsächlich selbst, Freunde."
„Wir verarschen dich nicht", schmunzelte Harry.
Verzweifelt wandte sie sich an Draco: „Draco, das sind deine Tante und deine Mutter."
„Was mich zum eindeutigen Gewinner dieser Wette machen wird, weil ich meine Mutter sehr gut kenne und weiß, wie gut ihr zueinander passen werdet. Potter, Weasley, ihr könnt eigentlich direkt aufgeben, denn ihr habt keine Chance."
„Ha, Hermine steht seit Jahren auf Minerva McGonagall und die Frau hat bestimmt tausende Bücher in ihrer Privatbibliothek stehen, dagegen kommen selbst die langen Beine deiner Mutter nicht an!" konterte Harry.
„Ihr setzt alle beide aufs falsche Pferd, Jungs. Keine Frau kann Bellatrix Black widerstehen. Eure beiden Mädels werden sich schön an ihr die Finger verbrennen, während sie Hermines Welt auf den Kopf stellt, dass ihr Hören und Sehen vergeht."
Hermine musste sich wieder in ihren Sessel setzen, als sich ihre Freunde nur so gegenseitig die Argumente an die Köpfe warfen, wer nun die beste Kandidatin für Hermine ausgewählt hatte. Die meinten das tatsächlich ernst. Hermine fühlte sich schwindlig, als sie wie gebannt mit offenem Mund auf die drei Frauen in den drei Herzen auf der Leinwand blickte, mit denen sie in den nächsten drei Wochen viel Zeit verbringen würde, ob es ihr passte oder nicht. Sie schluckte. Merlin steh mir bei.
