Wandas Kräfte waren natürlich präzise genug um den Becher am hinunterfallen zu stoppen. Der rote Nebel fing ihn auf und stellte den Becher wieder auf die Theke. "Entschuldigung...", sagt Wanda mit einem kleinen Lächeln. Es war still im Café geworden. Alle Leute starrten Wanda an. Sie legte das Geld auf den Tresen, schnappte sich ihren Kaffee und lief aus dem Laden.
"Sie ist eine Hexe!" "Nein, sie ist DIESE Hexe, die Rote, die angeblich bei den Avengers ist!", riefen die Leute hinter ihr und Wanda war plötzlich umzingelt von Gaffern und angsterfülltem Raunen. Alle hielten Abstand von ihr aber trotzdem umkreisten sie sie.
Der Kaffee Becher wurde plötzlich schwer. Wanda bekam keine Luft mehr, es war als erstickte sie. "Das ist sie! Die Mörderin des Karmatschasch! Sie hat alle getötet!"
Wanda war zu verängstigt, als den Sprecher darauf aufmerksam zu machen, das es nicht "Karmatschasch" hieß. Warte... Wenn sie gerade vom Avengers Tower kam... Warum wussten die Leute schon, dass sie in der Zukunft diese Leute töten würde? Warum wusste SIE, dass es die Zukunft war?!
Irgdetwas stimmte hier nicht.
Wäre Vision doch bei ihr!
Wo war Vision? Wo waren Billy und Tommy? Wo war SIE? Alles war dunkel. Mit der Dunkelheit kamen auch die Erinnerungen.
Tot.
Tot.
Nicht nur Billy, nicht nur Tommy.
Nicht nur ihre Eltern.
Nicht nur Pietro.
Nicht nur Tony, Natasha und Cap.
Vision.
Vision war tot. Ihre Kinder!
"War ich so eine schlechte Mutter?", fragte ihre eigene Stimme.
Hah. Als ob das das Problem war. Sie hatte alle Zauberer getötet, alle! Wäre Stephen nicht gewesen, oder Wong, wer weiß was sie angestellt hätte mit America's Kräften?
America. Oh nein, was hatte sie diesem armen Mädchen angetan? Wanda atmete scharf ein. Verdammt.
Mit der Dunkelheit kamen die Erinnerungen.
Mit den Erinnerungen kamen die Tränen.
Und mit den Tränen, kam der Schrei.
Wanda schlug erst die Augen auf, als der Schrei verklungen war, und sie sich sicher war, dass es ihr eigener gewesen war. Das Erste, was sie sah, war Gestein. Sie richtete sich auf, und blickte sich um. Nicht entschlossen, oder verwundert, wie andere es tun würden, sondern müde, ohne irgendeinen lebenswichtigen Überlebenssinn. Denn den hatte sie nicht.
Wanda's Atem war seltsam laut in der Stille. Es war überraschend schwierig nicht erneut eine Welle aus Chaosmagie um sich zu werfen, allein aus Frustration. Wanda stand auf, verklemmte sich dreimal zwischen Gesteinsbrocken, die ihr merkwürdiges bekannt vorkamen, aber sie dachte nicht länger darüber nach, sie wollte nicht nochmal versuchen, sich umzubringen. Warum hatte es überhaupt nicht funktioniert? Wanda hatte nicht einmal einen Kratzer, wie sie feststellte, als sie an sich hinunterblickte.
Sie trug ihr rotes Scarlet Witch Kostüm. Wanda's Rock war schmutzig. Ihr Haar war zerzaust und sie fühlte sich dreckig. Wanda hatte das Gefühl, das es nie wieder anders sein würde.
Sie ging ein paar Schritte nach vorne. Wanda war immer noch auf dem Maunt Wundagore, in dem Tempel. "Das ist kein Grab... Es ist ein Thron...", hauchte ihre eigene Stimme durch ihren Verstand. Wie anders sie doch klang! So stark und ungebändigt, unaufhaltsam ihren Ziel näher kommend. Wie eine mächtige und gefährliche, aber unwiderstehliche Königin, vor der man sich besser verhalten sollte. Verdammt, war sie das nicht auch? Die Königin des Chaos! Wie hätten die Hexen gesagt? Vorbotin des Chaos...
Wanda blickte hinaus in die unendliche Weite aus Schnee und Eis. Sie schloss für eine Sekunde die Augen und genoss den kühlen Wind, der ihr durch das Haar fuhr. Es fühlte sich an, als würde sie gestreichelt werden, sanft flüsterte ihr der Wind, sie solle nicht traurig sein.
Wanda seufzte erneut, dann drehte sie sich um, und blickte auf den Platz vor ihr. Steine und Gerümpel lagen in der Zerstörung von Wundagore. Wanda bemerkte erst jetzt, wie kalt ihr war.
Die Scarlet Witch begann vorsichtig ein paar Schritte zu gehen und sich umzusehen. Dann hatte sie eine Idee. Wanda dachte an Visions Lächeln, an ihre Kinder, an ihre Vergangenheit. Ihr Zuhause. Ihre Familie. Sie blickte in den Abgrund und plötzlich musste sie lächeln. Es war so einfach. So einfach sich fallen zu lassen, wie eine Feder zu fliegen, tief hinunter. Und dann der Aufprall. Alle ihre Sorgen würden vorbei sein. Wanda presste die Lippen zusammen. War es das, was sie wollte? Sie würde wieder bei Vision sein und alles wäre zu schön für die Ewigkeit. Wanda blickte nochmal hinunter. Ja, es war die richtige Entscheidung.
"Wanda?!". Nein, niemand würde sie aufhalten, verdammt nochmal. Sie stellte sich an den Rand. "Wanda?", fragte die Stimme nochmal. Sie kam ihr bekannt vor, aber sie setzte stattdessen noch einen Fuß vor den anderen. "Ich kann nicht mehr.", flüsterte sie. Dann stellte sie auch den letzten Fuß in die Luft.
"WANDA, NEIN!", rief die Stimme.
