8. Dezember: Prügel und ein Schock

Mai 2036

Steven Davies dachte sich nichts Böses, als er am Mittwochabend eine halbe Stunde später als üblich im Wohnzimmerkamin erschien. Ein Experiment in der Mysteriumsabteilung hatte ihn länger aufgehalten als geplant, aber er würde dennoch mindestens eine Stunde vor seiner Frau Dominique Weasley zu Hause sein. Mittwochs präsentierten die Trainer ihrer Mannschaft immer neue Taktiken und Analysen der gegnerischen Mannschaften und das zog sich manchmal so in die Länge, dass Dominique ihn aufweckte, nachdem er schon zwei Stunden auf dem Sofa geschlafen hatte. Mittlerweile hatte er sich angewöhnt, nicht länger als bis zehn Uhr auf sie zu warten.

Deshalb traf ihn sein hell erleuchtetes Wohnzimmer völlig unerwartet, als er die Augen öffnete (er schloss sie bei Reisen im Flohnetzwerk, weil ihm immer Asche in die Augen fiel und das höllisch brannte). Im ersten Moment dachte er, dass ziemlich dämliche Leute bei ihnen eingebrochen waren. Einbrecher sollten eigentlich geschickt genug sein, nicht das Licht anzuschalten, wenn sie einen ausraubten. Aber es gab ja immer wieder solche Möchtegern-Idioten, die einfach alles falsch machten.

Während er also aus dem Kamin trat, suchte er nach seinem Zauberstab, um sich gegen diese Idioten wehren zu können, als ihn plötzlich unvermittelt jemand in den Arm boxte. Er schrie auf und rieb sich die schmerzende Stelle. Wow, diese Einbrecher waren stärker, als er gedacht hatte, und er hatte seinen Zauberstab noch nicht gefunden.

Er drehte den Kopf, aber anstatt irgendwelcher vermummter (oder nicht vermummter, was besser zu den Idioten passen würde) Einbrecher schaute ihn seine Frau an.

„Weasley, was machst du schon hier?", fragte er verwirrt. War er so viel später nach Hause gekommen, als er gedacht hatte?

Aber bevor er auf seine Uhr schauen konnte, musste er in Deckung gehen, weil Dominique damit begann, auf ihn einzuschlagen.

„Du selbstsüchtiges Arschloch, das ist alles nur deine Schuld!" Sie trat auf seinen Fuß und er verzog das Gesicht, als ihn ein starker Schmerz durchzuckte. Merlin, sie war wirklich stärker, als sie aussah. Denn obwohl sie eine durchtrainierte Profisportlerin war, sah sie trotzdem zierlich aus. Was wahrscheinlich auf ihr Veela-Blut zurückzuführen war. Auch wenn ihre burschikose Persönlichkeit so viel Raum einnahm, dass man das schnell vergaß.

„Du hast mir alles kaputt gemacht! Ich hasse dich!", rief sie aufgebracht. Es gelang ihm erst nach mehreren Sekunden, ihre Arme festzuhalten. Ihre blonden kurzen Haare standen in alle Richtungen ab und er bemerkte überrascht, dass ihre Augen blutunterlaufen waren. Sie hatte geweint. Das sah ihr so überhaupt nicht ähnlich. Sie zeigte so ungern Schwäche.

„Was zum Teufel ist passiert?", fragte er alarmiert. Denn es musste etwas passiert sein. Sie war viel zu früh zu Hause, sie hatte sich die Augen ausgeheult und jetzt schlug sie auf ihn ein. Zumindest die ersten zwei Dinge waren sehr unüblich für sie.

„Du warst ja schon immer auf meinen Erfolg neidisch! Nur weil du kein Talent hast, hast du nur auf eine Chance gelauert, mir meine Karriere zu ruinieren! Deshalb hast du mich wahrscheinlich auch geheiratet! Das war alles nur ein hinterhältiger Plan von dir! Wie konnte ich nur so blöd sein, darauf reinzufallen?" Mittlerweile liefen ihr weitere Tränen über die Wangen und sie wandte sich schnell ab, um sie mit ihrem Handrücken abzuwischen.

Steven schaute sie fassungslos an. „Ich hab dich geheiratet, weil ich dich liebe, verdammt! Was hat das denn mit Quidditch zu tun?!" Als sie noch in Hogwarts waren, hatten sie in verschiedenen Hausmannschaften beide als Sucher gespielt und waren unerbittlich gewesen. Aber er hatte nie professionell Quidditch spielen wollen und war mehr als zufrieden mit seiner Arbeit in der Mysteriumsabteilung. Und er war sehr stolz auf seine erfolgreiche talentierte Frau. Er bewunderte, dass sie nichts aufgehalten hatte, sich ihren Traum, professionell Quidditch zu spielen zu erfüllen, und er schaute sich jedes ihrer Spiele an. Das hatte er schon, bevor sie wieder zusammengekommen waren. Auch wenn er versucht hatte, es vor ihr zu verheimlichen, weil er sie nicht hatte wissen lassen wollen, dass sie ihm noch immer wichtiger war, als er zugeben wollte.

Aber diese Anschuldigungen … er hatte geglaubt, dass sie wusste, was er über sie und ihre Karriere dachte, auch wenn er es ihr nie so deutlich gesagt hatte. Aber so war doch ihre Beziehung, verdammt noch mal, keiner von ihnen sagte dem anderen, wie er fühlte. Zumindest nicht häufig. Sie wussten doch trotzdem, wie wichtig sie einander waren. Sonst hätten sie doch nie geheiratet!

„Was hab ich denn mit deiner Karriere zu tun? Ich hab dich doch immer unterstützt und nie irgendwas gemacht -"

„Natürlich hast du was gemacht! Ich kann nie wieder Quidditch spielen!", unterbrach sie ihn und schniefte laut. „Es ist alles ruiniert! Ich werde nie Weltmeisterin werden!"

Das Blut gefror in Stevens Adern. „Bist du krank?", fragte er entsetzt. „Oh Merlin, du bist krank! Musst du sterben?" Auch wenn sie ihn mehrmals täglich zur Weißglut trieb, wie sollte er ohne sie leben? Ohne ihr Lachen und ihr Schreien, ihren verbrannten Hackbraten und ihre Küsse? Sie war die Liebe seines Lebens. Nach Hogwarts hatten sie sich über zehn Jahre nicht gesehen und er war trotzdem nie wirklich von ihr losgekommen. Jede andere Frau hatte er mit Dominique verglichen, auch wenn er es nie zugegeben hatte, nicht mal vor sich selbst. Wenn sie sterben würde … das war eine Katastrophe.

Sie lachte humorlos. „Wenn's nur so wäre", seufzte sie.

Steven schüttelte verwirrt den Kopf und ließ sich auf ihr Sofa fallen. Wo war er nur gelandet? Er hatte sich auf eine Tiefkühlpizza und die Zusammenfassung der internationalen Quidditchspiele im Fernsehen gefreut. „Was ist denn dann passiert?!", wollte er ratlos wissen. Erst verprügelte sie ihn, dann jagte sie ihm einen riesengroßen Schrecken ein, und er hatte keine Ahnung, was überhaupt los war.

„Das wüsstest du wohl gerne, was?", fragte sie aufgebracht und stemmte die Arme in ihre Hüften. Sie tigerte vor ihm auf und ab und warf ihm vernichtende Blicke zu. So hatte sie ihn nicht mehr angesehen, seit er ihr das erste Mal den Schnatz vor der Nase weggeschnappt hatte.

„Ja, verdammt! Ich komme nach Hause und du schlägst mich und wirfst mit Beschuldigungen um dich und ich denke, du musst sterben und …" Hatte ihn jemand mit einem Fluch belegt und in eine Parallelwelt gezaubert? War ein Experiment in der Mysteriumsabteilung schiefgelaufen?

„Heute war der monatliche Dopingtest von unserem Team", erklärte Dominique schließlich, nachdem sie ihn einige Sekunden stumm angeschaut hatte. Die Wut verschwand aus ihrem Gesicht und sie setzte sich ihm gegenüber auf den Couchtisch. Sie griff nach seiner Hand und umklammerte sie fest. „Und …"

Ich hasse diese Dopingtests", murmelte Dominique und zog ihr T-Shirt wieder an. Diese Untersuchungen fanden jeden Monat statt, aber sie waren immer unangekündigt, damit sichergestellt wurde, dass niemand dopte und entsprechende Maßnahmen traf, um das zu verheimlichen. Wenn illegale Substanzen im Blut festgestellt wurden, wurde man sofort für drei Monate gesperrt. Einmal war ihr das auch passiert, als sie das erste Mal eine Beziehung mit einem Mann gehabt und angefangen hatte, den Verhütungstrank zu schlucken. Diese Verhütungssprüche waren auf Dauer schrecklich nervig, der Trank war um einiges praktischer. Aber einige Zutaten wurden auch in gängigen Dopingtränken verwendet und bisher hatte noch niemand eine Methode entwickelt, mit der man feststellen konnte, welcher Trank eingenommen worden war. Man konnte nur die Zutaten selbst nachweisen.

Dominique war immer noch überzeugt, dass ihre Suspendierung die Mannschaft damals die Meisterschaft gekostet hatte, da sie wirklich nicht schlecht gestanden hatten. Die Suspendierung hatte länger gedauert als die Beziehung zu ihrem damaligen Freund, weil sie ihm nicht verzeihen konnte, dass er ihre Karriere vermasselt hatte. Danach hatte sie sich in den seltenen Fällen, in denen sie mit einem Mann zusammen gewesen war, nur noch auf die Sprüche verlassen. Solange man sie nicht vergaß, waren die sehr zuverlässig.

Du kannst es wohl gar nicht erwarten, zu diesem Sexgott nach Hause zu kommen, was?", fragte Tori Markert, die einzige Jägerin der Mannschaft, sie grinsend. „Habt ihr irgendwas romantisches geplant?"

Tori war erst in dieser Saison zur Mannschaft dazugestoßen, weshalb sie nicht bei der Hochzeit von Dominique und Steven dabei gewesen war. Sie hatte ihn vor ein paar Wochen nach einem Spiel das erste Mal getroffen und schwärmte seitdem ein bisschen für ihn. Er sah auch wirklich nicht schlecht aus. Und er konnte sehr charmant sein, wenn auch nicht zu Dominique (auf sowas fiel sie nicht rein). Und er war fantastisch im Bett. Auch wenn Tori das nicht wissen konnte (Dominique würde sie umbringen, wenn das der Fall wäre. Und Steven auch.). Er war keine allzu schlechte Partie, wenn sie objektiv darüber nachdachte. Und es war überraschend gut für ihr Ego, wenn andere sie um ihren Ehemann beneideten. Solange es dabei blieb und niemand auf irgendwelche Ideen kam.

Doch darüber musste sie sich eigentlich keine Gedanken machen. Steven kam genauso wenig von ihr los wie sie von ihm. Damals in Hogwarts waren sie blindlinks in etwas hineingestolpert, mit dem keiner von ihnen gerechnet hatte. Sie hatten sich immer nur gestritten und sie hatte es zuerst nur für einen Scherz gehalten, als er ihr vorgeschlagen hatte, dass sie sich auch küssen konnten, anstatt zu streiten. Sie hatte gedacht, dass er nur bluffen würde und wollte ihn dazu bringen, das zuzugeben, aber er hatte sie tatsächlich geküsst. Und Dominique hatte nicht klein beigeben wollen, also hatte sie den Kuss erwidert, anstatt ihn zu verfluchen, so wie sie es ursprünglich geplant hatte.

Und er hatte wirklich gut küssen können. So gut, dass Dominique und er gar nicht mehr damit hatten aufhören konnten und es in jeder freien Minute, in der sie ein leeres Klassenzimmer oder einen unbenutzten Geheimgang gefunden hatten, getan hatten. Es hatte eine Weile gedauert, bis sie es gewagt hatten, miteinander zu schlafen, da das weiter gegangen war, als sie je geplant hatte, aber sie hatte es nie bereut. Auch wenn beide zu feige gewesen waren, über ihre Gefühle zu sprechen und zuzugeben, dass sie sich tatsächlich etwas bedeuteten.

Deshalb hatten sie auch keinen Kontakt mehr gehabt, nachdem Steven seinen Abschluss gemacht hatte. Dominique hatte sich ganz auf Quidditch konzentriert und nur ein paar sehr unbedeutende Beziehungen gehabt. Sie hatte sich eingeredet, dass Männer ihr nicht so wichtig waren (was auch stimmte, nichts war wichtiger als ihre Karriere), aber wahrscheinlich hatte sie unbewusst jeden Mann mit Steven verglichen und bei keinem hatte sie sich so gefühlt wie bei ihm.

Deshalb war es auch keine Überraschung gewesen, dass sie sofort wieder im Bett gelandet waren, als sie sich schließlich wieder über den Weg gelaufen waren. Und dann nicht mehr aufhören konnten, zusammen ins Bett zu gehen. Auch wenn sie immer noch zu feige gewesen waren, zuzugeben, dass sie eine Beziehung hatten. Deshalb war Steven auch mit anderen Frauen ausgegangen und um ihm in nichts nachzustehen, hatte Dominique sich von ihrer besten Freundin Annie mit einem Mann verkuppeln lassen, der ihre Beziehung viel ernster genommen hatte als sie.

Trotzdem hatten weder Steven noch sie zugegeben, wie sehr sie sich liebten, auch nachdem Dominique sich von dem anderen Mann getrennt hatte und Steven sich mit niemand anderem mehr traf und sie sogar zur Geburtstagsfeier seines Vaters mitgenommen hatte. Wie ernst es ihm wirklich mit ihr war, war Dominique erst klar geworden, als Steven plötzlich eines Abends in der Küche vor ihr gekniet und ihr einen Heiratsantrag gemacht hatte. Seitdem hatten sie zwar immer noch kaum jemals über ihre Gefühle füreinander gesprochen, aber die Eheringe an ihren Fingern sprachen für sich.

Ich hab keine Ahnung, wann er heute nach Hause kommt", erwiderte Dominique schulterzuckend und machte damit wahrscheinlich Toris romantische Fantasie kaputt. „Er weiß, dass das mittwochs bis in alle Ewigkeit dauern kann und geht oft mit ein paar Kollegen was trinken."

Schade", seufzte Tori sehnsüchtig. „Er sieht aus wie jemand, der mit einem eingelassenen Bad und zwei Gläsern Champagner auf einen wartet, nachdem er einen Haufen Rosenblätter im Zimmer verstreut hat." Verträumt starrte sie in die Luft.

Dominique lachte laut auf, so lächerlich war die Vorstellung, dass Steven so etwas für sie machen würde. Das romantischste, was er je für sie gemacht hatte, war ein Antrag auf ihrem Küchenfußboden. Aber mehr hätte sie auch gar nicht gewollt, denn sie stand nicht auf diesen Wischi-Waschi-Scheiß, den Victoire und Annie so toll fanden. Einmal hatte er ihr Blumen mitgebracht, aber sie hatte überhaupt keinen grünen Daumen und die Blumen waren viel zu schnell verwelkt.

Du brauchst einen Freund", erwiderte Dominique augenverdrehend und fuhr sich einmal mit einer Bürste durch ihre kurzen blonden Haare. Das dürfte reichen. Wozu hatte sie schließlich kurze Haare? „Dann interessierst du dich wenigstens nicht mehr für mein Sexleben."

Du hast wenigstens eins", murmelte Tori bedauernd und knöpfte ihre Bluse zu. „Meine letzten Verabredungen waren alle so scheiße, dass ich meistens selbst für das Essen bezahlt hab."

Das wird schon", sagte Dominique und klopfte ihr verständnisvoll auf die Schulter. Sie drehte sich um, um ihre Haarbürste wieder zurück in ihren Spint zu legen und musste sich dann mit einer Hand an der Wand festhalten, weil ihr plötzlich schwindelig war. Sie sollte wohl mehr trinken, vorhin beim Training war ihr das auch plötzlich passiert und im Sturzflug war das mehr als ungünstig.

Du könntest mir ja deinen Cousin vorstellen", sagte Tori grinsend.

Hugo?" Dominique runzelte die Stirn und ließ sich unauffällig auf die Bank sinken. Das letzte, was sie brauchen konnte war, dass Tori etwas bemerkte. Schon im Training hatte sie gerade noch verhindern können, dass jemandem etwas aufgefallen war. Das fehlte noch, wenn sie am Samstag nicht spielen konnte, weil es ihr nicht gut ging. Sie hatten gerade so einen guten Lauf, das wollte sie auf keinen Fall riskieren. Wenn sie so weitermachten, hatten sie sogar wieder gute Chancen, die Meisterschaft zu gewinnen.

James!", widersprach Tori kopfschüttelnd.

Dominique seufzte. Was fand nur die ganze Welt an James? So toll war der nun auch wieder nicht. „Da kommst du zu spät. Ich hab gehört, dass er im Moment auf der Suche nach der Richtigen ist und kein Interesse mehr an One Night Stands hat." Völliger Schwachsinn. Als ob einem die Richtige einfach in den Schoß fällt. In den meisten Fällen stolperte man eher über sie. So wie Lily über Henry. Albus über Tia. Sie über Steven. Und was Victoire und Ted veranstaltet hatten … davon fing sie lieber gar nicht erst an. Außerdem, wenn es einen in der Familie gab, der ohne Sex nicht leben konnte, dann war es James. Auch wenn der wahrscheinlich mittlerweile fast jede Frau der Zauberwelt mal im Bett gehabt hatte. Vielleicht war die Richtige sogar dabei gewesen und er hatte sie einfach übersehen.

Und warum sollte ich nicht die Richtige sein?", fragte Tori beleidigt und stemmte die Hände in die Hüften.

Ich glaube nicht, dass er überhaupt eine Richtige hat. Er sollte bei dem bleiben, was er kann." Und das war Sex. Und leider auch Quidditch. Besser als sie. Deshalb war er in der Nationalmannschaft und nahm dieses Jahr an der Weltmeisterschaft teil und sie nicht. Es war aber auch unfair! Eine Mannschaft brauchte drei Jäger und nur einen Sucher, deshalb hatte er eine dreimal höhere Chance gehabt als sie! Scheiß Potter! Und weil sie mittlerweile längst über dreißig war, würde sie wohl auch nie in die Nationalmannschaft kommen.

Da kann ich ihm auch helfen", erwiderte Tori. „Aber vielleicht sollte ich mir jemanden suchen, der kein Quidditch spielt. Die haben kein so großes Ego."

Dominique grinste. „Das stimmt." Sie stand wieder auf und stellte erleichtert fest, dass das Schwindelgefühl verschwunden war. Sie mussten noch die Trainingsanalysen über sich ergehen lassen und wegen diesem beschissenen Dopingtest waren die auf eine Stunde später verlegt worden.

Sie wollten sich gerade auf den Weg machen, als eine der Sportheilerinnen des Mungos in der Tür erschien, die den Checkup durchgeführt hatte (die Teamheiler waren nicht unparteiisch). „Ah, Ms. Weasley, gut, dass ich Sie noch erwische, ich muss mit Ihnen über die Ergebnisse der Blutuntersuchung sprechen."

Tori schaute Dominique mit großen Augen neugierig an, verzog sich aber schnell, als sich ihre Blicke trafen. „Was ist denn? Ich habe nicht gedopt! Ich nehme überhaupt keine Tränke, seit der Schädelbruch wieder verheilt ist." Vor ein paar Jahren hatte sie sich eine sehr üble Kopfverletzung zugezogen und wäre beinahe sogar daran gestorben. Danach musste sie eine ganze Weile eine Reihe von sehr übelriechenden Tränken schlucken, aber seit die Heiler ihr damals das Okay gegeben hatten, dass alles wieder in Ordnung war, hatte sie nichts mehr nehmen müssen. „Nicht mal diesen dämlichen Verhütungstrank, weil die Regeln so saublöd sind. Ich kann nicht gedopt sein."

Genau darum geht es", erwiderte die Heilerin mit einem Lächeln, das ihr Dominique am liebsten aus dem Gesicht gezaubert hätte. Sie waren alle sowieso schon spät dran, warum wurde sie jetzt noch aufgehalten? Und warum drückte die Heilerin sich nicht klarer aus? Wenn Dominique nicht gedopt hatte, was war dann das Problem?

Ich habe nicht gedopt!", betonte Dominique. „Und ich bin schon spät dran, also-"

Darum geht es auch nicht", unterbrach die Heilerin sie immer noch lächelnd. Dominique hätte ihr am liebsten eine reingehauen. „Es geht um den Verhütungstrank."

Aber ich hab doch gar keinen genommen", erwiderte Dominique stirnrunzelnd. Sie war doch nicht bescheuert und machte den gleichen Fehler zweimal.

Eben" Die Heilerin schaute Dominique vielsagend an.

„Willst du damit sagen", sagte Steven fassungslos, denn Dominique konnte doch unmöglich auf das hinauswollen, worauf er dachte, dass sie hinauswollte. „Willst du damit sagen, dass wir … dass du … dass du … dass …" Er gestikulierte in die Richtung ihres Bauches.

Dominique schluckte schwer und nickte schließlich.

„Scheiße", murmelte Steven schockiert. Wie hypnotisiert starrte er auf ihren Bauch, der ausschaute wie immer. Nie und nimmer wäre er darauf gekommen. Ihm war zwar aufgefallen, dass es Dominique in den letzten Tagen nicht so gut gegangen war, aber niemals wäre er auf den Gedanken gekommen, dass das der Grund war. „Aber … der Spruch. Wir waren doch immer so vorsichtig."

Er hätte sich wohl doch schon längst sterilisieren lassen sollen. Aber das war ihm immer so endgültig vorgekommen und hatte ihm ehrlich gesagt etwas Angst gemacht, weshalb sie es bisher bei dem Spruch belassen hatten. Es gab zwar auch einen Verhütungstrank für Männer, aber leider war er auf eine der Zutaten so allergisch, dass der nie in Frage gekommen war. Eine Weile hatte Dominique es mit der Muggelpille versucht, aber die hatte sie überhaupt nicht vertragen. Und bisher hatte der Spruch immer funktioniert.

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht. Wahrscheinlich haben wir ihn irgendwann vergessen. Letzten Endes ist es völlig egal."

Er seufzte. „Ja, das ist es wohl." Zögerlich nahm er ihre Hand. Sie schien sich mittlerweile genug beruhigt zu haben, dass sie nicht mehr auf ihn einschlagen würde, aber man konnte nicht vorsichtig genug sein. Ihr Temperament war furchteinflößend genug, wenn sie nicht voll war mit Hormonen. „Es tut mir wirklich Leid. Ich weiß, das war das Letzte, was du wolltest."

Sie nickte. Ihre Unterlippe begann zu zittern und einen Moment später brach sie in Tränen aus. Steven zog sie schnell in seine Arme. Sie klammerte sich an ihn und begann herzzerreißend zu schluchzen. „Es tut mir so Leid", wiederholte Steven und strich ihr über den Rücken. Dominique hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie keine Kinder wollte, was sie bei seiner Mutter nicht gerade beliebt gemacht hatte. Aber Steven hatte das nie gestört. Er hatte nichts gegen Kinder, und wenn er mit einer Frau zusammen gewesen wäre, die unbedingt welche hätte haben wollen, dann hätte er mit ihr Kinder gehabt. Aber er wäre nie auf die Idee gekommen, sich von Dominique zu trennen, weil sie keine wollte. Er hatte nie das Gefühl gehabt, dass ihnen etwas fehlte, weil sie keine Kinder hatten. In ihrer Familie gab es genug Kinder und Stevens Bruder Michael hatte ebenfalls zwei. Sie waren immer froh, wenn sie von Familienveranstaltungen nach Hause kamen und ihre Ruhe hatten.

Er strich ihr weiterhin über den Rücken und wartete, bis ihre Schluchzer wieder nachließen und sie sich schließlich langsam wieder von ihm löste. Sie wischte sich mit ihrem T-Shirt über die Augen und schniefte.

„Und wie geht es jetzt weiter?", fragte er schließlich zögerlich.

„Was meinst du?"

„Na die Abtreibung", erwiderte Steven. „Gibt es da einfach einen Trank? Musst du dafür ins Mungos? Gibt's da irgendwelche Beratungszeiten? Willst du, dass ich mitkomme oder möchtest du das lieber alleine machen? Ich komm natürlich gerne mit, wenn du das willst. Du musst das nicht alleine machen, okay?" Dominique war immer so vehement gewesen in ihrem Entschluss, keine Kinder zu haben, dass eine Abtreibung für Steven der einzige logische Schritt war. Er hatte zwar gehofft, dass sie nie in diese Lage kommen würden, aber er wusste, dass es in ihrer gemeinsamen Zukunft keine Kinder gab. Und er wollte Dominique wirklich gerne unterstützen, aber vielleicht würde sie das auch lieber ohne ihn erledigen. Sie war manchmal unberechenbar bei den Dingen, die sie am liebsten ohne ihn regelte. Und das war schließlich ihr Körper und ihre Entscheidung. Er würde sich ganz nach ihr richten.

Dominique schluckte. Sie räusperte sich. „Ich glaube, ich brauche einen Termin im Mungos. Ich war so schockiert, ich hab da gar nicht weiter nachgefragt."

„Kannst du am Samstag spielen?" Sie spielten gegen ihren Erzrivalen und Dominique war schon seit Wochen nervös wegen der Partie.

Sie nickte. „Ich glaube schon. Mir war beim Fliegen zwar etwas schwindelig in den letzten Tagen, aber dagegen gibt es Tränke, die ich nehmen kann. Das dürfte kein Problem sein."

„Okay, gut", sagte er erleichtert und zog sie wieder in seine Arme. Sie lehnte den Kopf an seine Schulter und schloss erschöpft die Augen. „Du wirst wahrscheinlich nicht vor nächster Woche einen Termin im Mungos kriegen, gut, dass dich das jetzt nicht zu sehr behindert."

„Ja, das ist gut", murmelte Dominique mit belegter Stimme. Einen Moment später war sie erschöpft eingeschlafen. Steven zog sie enger an sich und schaute sie schweren Herzens an. Da hatten sie sich ja was eingebrockt.

TBC …