Kapitel 98

Psychopathie

schwere Persönlichkeitsstörung ohne eigene ICD Klassifizierung, die mit völligem Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen einhergeht

Sie machten sich auf den Weg, doch Jack verabschiedete sich auf halber Strecke, um noch was zu besorgen. Auch Hyperion meinte, dass sie noch Besorgungen machen mussten.

„Ich hab versprochen Alkohol zu holen. Ist ein bisschen Fußweg, aber die kontrollieren keine Ausweise", sagte er, während sie die lärmende Straße entlanggingen. Überall waren kleine Läden, Lokale und ein Wagen nach dem nächsten rauschte die große Straße entlang.

„Ich kann die Ausweise fälschen. Habe ich schon oft gemacht. Sag einfach, was du willst und ich zahle. Sieh es als Geburtstagsgeschenk", sagte Hermione und Hyperion sah sie überrascht an.

„Okay, finde ich gut. Kann man wirklich mit Magie ausweise fälschen?", wollte er beeindruckt wissen.

„Macht Hermione dauernd. Sie hat mir mal einen gehext. Ich weiß gar nicht ob ich einen Personalausweis habe. Wahrscheinlich schon irgendwo. Irgendein Muggelverwalter wird das mal beantragt haben", sagte Draco achselzuckend.

„Und du sagst du seist nicht verwöhnt", schnaubte Hyperion, warf dabei allerdings Hermione einen nachdenklichen Seitenblick zu. Wohl um herauszufinden, ob sie das wieder wütend machen würde. Hermione lächelte ihn nur an.

„Natürlich ist Draco verwöhnt. Welches Milliardärs Kind ist nicht irgendwie verwöhnt", sagte sie beschwichtigend.

„Was ist mit dir? Was machen deine Eltern, wenn sie Muggel sind", wollte Hyperion neugierig wissen und musterte sie eindringlich. Als würde ihr Aussehen diese Frage beantworten. Hermione überlegte, was er sich wohl zusammenreimen mochte. Sie trug nichts Außergewöhnliches. Einen schwarzen Rock, der ihre Oberschenkel umspielte und ein einfaches rotes Trägertop. Nichts, was darauf hindeute aus was für einer Familie sie kam.

„Meine Eltern sind Ärzte", sagte sie und spürte Dracos Arm um ihre Hüfte, als er ihr einen Blick unter hochgezogenen Brauen zuwarf. „Zahnärzte, um genau zu sein", fügte sie hinzu.

„Ärzte?", wiederholte Hyperion und irgendwas am Klang seiner Stimme irritierte sie. Er musterte sie gleich mit deutlich mehr Interesse und irgendwas sagte ihr, dass sie besser nicht erwähnen sollte, dass sie ebenfalls aus ziemlich reichem Haus kam.

„Ja. Sie haben eine Praxis hier in London. Nicht der Rede wert", wiegelte Hermione ab. „Du meintest ihr wollt euch erst nachmittags treffen. Was haltet ihr von Mittagessen? So wie ich Draco kenne stirbt er vor Hunger", lenkte sie das Thema schnell auf etwas anderes.

Alle stimmten ihr zu und sie setzten sich in einen Asia Imbiss. Während sie aßen umriss Hyperion kurz was geschehen war, nachdem seine Mutter ihn an der Hand genommen hatte und vor der Tür eines Waisenhauses abgesetzt hatte.

Zwei Mal war er in einer Pflegefamilie gewesen, aber immer nur für kurze Zeit. Er war nicht wirklich darauf eingegangen was vorgefallen war. Er meinte einfach nur, dass keiner Kleinkinder adoptieren wollte. Er war einfach zu alt gewesen. Mit Sechzehn vor einem Jahr hatte er die Möglichkeit zum betreuten Wohnen ergriffen. Er wohnte jetzt in einer WG hier in London. Jack war einer seiner Mitbewohner. Dann gab es noch Milo und Jude, die beide schon älter waren. In zwei Wochen waren seine Abschlussprüfungen. Dann würde er sich einen Job suchen. Hyperion blieb ziemlich schwammig mit seiner Erzählung. Selbst auf Nachfragen blieb er Wortkarg, aber Hermione hackte nicht zu sehr nach. Draco indes war ungewohnt still. Er musterte seinen Bruder eindringlich, sagte jedoch wenig.

Nach dem Essen, dass Hermione bezahlte, gingen sie in den nächstgelegenen Supermarkt. Letztendlich kamen sie schwer beladen an einer Art Basketballplatz an. Platz war übertrieben. Es war nicht mehr als ein Basketballkorb, der etwas windschief vor einer freien Fläche hing. Der ehemalige Bodenbelag war ausgetreten und größtenteils entfernt worden. Musik dröhnte ihnen entgegen und brach sich an den Mauern der Häuser rechts und links von ihnen. Vier Jugendliche waren schon da, unter ihnen Jack, der sein Handy an Boxen angeschlossen hatte. Hermione erkannte auch das Mädchen vom Schulhof wieder. Sie gestellten sich zu ihnen und während sich alle an den Getränken bedienten, verschwand Hyperion nochmal, um etwas zu besorgen.

Draco sah seinem Bruder mit mulmigem Gefühl im Magen nach. Sein Leben war so anders verlaufen als seines. Die dauernden Geldsorgen waren nicht zu überhören gewesen. Dazu kam das, was er nicht erzählt hatte. Draco musste gestehen, dass ihn die schwammigen Antworten seines Bruders in keiner Weise beruhigt hatten. Eher im Gegenteil. Also hatte er etwas getan, das er normalerweise vermied, da Zauberer es zu bemerken pflegten. Aber sein Bruder war ein Muggel und nie war es ihm bewusster gewesen als in dem Moment, als er ihn mit Legilimentik durchleuchtet hatte.

Hermione bemerkte ihn immer. Sie sperrte ihn nicht aus, aber spürte, wenn er wieder in ihren Geist eindrang, um sich zu vergewissern, dass es ihr gut ging. Aber sein Bruder hatte es nicht bemerkt.

„Alles okay?", fragte Hermione neben ihm und nippte an der Whisky Cola in ihrem Pappbecher.

„Nein. Hyperion hat Probleme. Große Probleme und ich bin mir nicht sicher, ob ich es alles so genau verstanden habe", antwortete er grimmig. Sie setzten sich etwas abseits der anderen auf eine halbverfallene Betonmauer.

„Wie kommst du darauf?", wollte Hermione wissen.

„Legilimentik. Er würde nie was sagen. Er war schon immer verschlossen, jetzt noch deutlich mehr als in unserer Kindheit. Jedenfalls dealt er mit Drogen. Ich danke Merlin und Morgana, dass er noch nicht abhängig ist. Ab und zu Ecstasy aber zum Glück erst sehr selten."

„Was selten ist muss nicht bedeuten, dass es das bleibt", sagte Hermione und eine tiefe Sorgenfalte grub sich in ihre Stirn.

„Jedenfalls ist es nicht gut und ich weiß nicht, ob ich an ihn herankomme. Er scheint in irgendeiner Art Jugendgang zu sein."

Hermione zog zischen die Luft ein und sah ihn entsetzt an. Dann ließ sie ihren Blick über die immer zahlreicher werdende Gruppe wandern und ihre Mine verdüsterte sich.

„Das ist nicht gut Draco. Nein, das ist verdammt Scheiße. Jugendgangs in Hackney sind ziemlich brutal. Es gibt viele Morde hier und ich habe erst zu Weihnachten von einer Massenvergewaltigung gelesen, als bis zu zwanzig Jungen ein vierzehnjähriges Mädchen mehrere Stunden missbraucht haben. Sie haben ihr Opfer immer wieder mit sich herumgeschleppt, damit andere sich an ihr vergehen konnten. Dies hier ist eine der Gegenden, in denen sich keiner wundert, wenn ein Junge morgens tot auf der Straße liegt.

„Du hast das vorher nicht erwähnt", sagte Draco und spürte ein ungutes Gefühl in sich heraufsteigen.

„Ich war mir am Anfang nicht sicher, wo wir hier sind. Wir sind lange nur dem Zauber hinterhergelaufen. Du vergisst, Draco, dass auch ich nicht jeden Tag Muggelzeitung lese. Dies hier ist keine Gegend in der sich Menschen wie ich herumtreiben. Ich bin hier nur manchmal durchgekommen wenn ich am helllichten Tag mit dem Auto durchfahren wurde. Aber keiner sollte hier nachts herumlaufen."

„Scheiße", murmelte Draco mehr zu sich selbst. Was sollte er jetzt tun? Konnte er überhaupt etwas tun? Würde sein Bruder auf ihn hören? Es war wahrscheinlich keine Option, ihn nach Ende der Zeitschleife mit dem Imperius zu belegen und hier wegzubringen. Konnte man aus einer Muggelgang einfach so aussteigen?

Es wurde langsam dunkel. Hyperion war zurückgekommen und jetzt waren sie fast fünfzehn Leute. Ein paar jüngere spielten Basketball. Aber die meisten saßen auf der Mauer, tranken und unterhielten sich. Draco bemerkte, wie alle um sie herum plötzlich etwas unruhig wurden und sah sich um. Eine weitere Gruppe junger Männer war angekommen. Fünf an der Zahl. Der eine von ihnen erregte sofort seine Aufmerksamkeit. Er war der Anführer der Gang seines Bruders. Groß, dunkelhäutig, tätowiert und muskelbepackt. Hitman nannten ihn alle. Er bewegte sich in ihre Richtung und Hyperion neben ihm stand sofort auf, um ihn zu begrüßen. Hitman schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter. Vielleicht wurden sowas wie Geburtstagswünsche weitergegeben, vielleicht ging es um etwas anderes. Aber Draco spürte nur zu gut den Blick auf sich und es dauerte auch nicht lange und Hitman kam auf sie zu. Hermione neben ihm wurde unruhig.

„Du bist also Lightys Bruder", sagte er und baute sich vor ihm auf. Hyperion stand etwas hinter ihm und schien sich unbehaglich zu fühlen. „Fuck ihr seht euch echt verdammt ähnlich. Genauso ein weißer Riese."

Draco grinste schief nickte ihm zu. „Das bin ich."

Hitmans Blick glitt von Draco weiter zu Hermione und Draco hatte schon genug Männer gesehen, die Hermione angestarrt hatten, um zu erkennen, dass sie ihm gefiel. Natürlich gefiel sie ihm. Sie war eine verdammte Schönheit und weder die hereinbrechende Dunkelheit noch die schäbige Umgebung vermochten etwas daran zu ändern, dass sie mit ihren wilden braunen Locken, den zarten ebenmäßigen Gesichtszügen und der makellosen Haut etwas durch und durch Atemberaubendes hatte.

„Wer bist du, Bunny. Ich wüsste wenn ich dich hier schonmal gesehen hätte", wandte sich Hitman an Hermione und er hatte eindeutig ein lüsternes Grinsen im Gesicht.

„Das ist meins. Sorry", sagte Draco und legte lässig einen Arm um Hermione.

„Wo steht das?", wollte Hitman wissen.

Hermione fühlte sich ziemlich unwohl. Sie tastete nach ihrem Zauberstab in ihrer Rocktasche und es war ein beruhigender Gedanken jederzeit disapparieren zu können. Hackney war gefährlich und sie saß hier gerade mitten auf einem Gangtreffen, auf dem es eindeutig zu viele notgeile Männer gab. Normalerweise hatte sie kein Problem mit Männern die geil auf sie waren, aber diese Situation war bedrohlich. Sie hatte keine Ahnung, wer der Typ vor ihr genau war. Aber er musste wichtig sein und sein Interesse konnte einfach nichts Gutes bedeuten.

„Stimmt", hörte sie Draco neben sich sagen und sie hatte keine Ahnung wie er so ruhig, fast belustigt klingen konnte. „Mein Fehler", fügte er hinzu.

„Myonie, zieh dein Oberteil aus", befahl er ihr und Hermione war so daran gewöhnt, Draco zu gehorchen, dass nicht mal die beängstigende Situation sie davon abhielt sich ihr Top auszuziehen. Sie bemerkte, wie Draco ein Messer herauszog und sich zu ihr rüber beugte.

Er setzte die scharfe Klinge an ihrer rechten Brust an, genau dort wo ihr BH endete. Sie spürte das Brennen, als er mit der Klinge über ihre Haut fuhr. Hermione konnte nicht verhindern, dass ihr Puls schneller wurde während Draco ihre Haut aufritzte. Eine dünne blutige Linie bildetet sich, wo die Klinge ihre Haut berührte.

„Da steht es", sagte Draco schließlich und legte die flache Seite der Klinge an ihre Brust, sodass sie das kalte Metall spürte. „DM. Draco Malfoy. Eindeutig meins."

Hermione sah an sich herunter und da stand es tatsächlich. Seine Initialen auf ihre Brust geritzt. Ein kleiner Bluttropfen hatte sich von der Stelle gelöst, an der die Striche des D sich kreuzten und lief in ihren schwarzen BH. Draco fing ihn mit seinem Finger ab und leckte ihn auf. Hermione spürte das Kribbeln in ihrem Körper und es war wahrscheinlich überhaupt nicht gut, dass es sie gerade ziemlich anmachte von Draco markiert zu werden. Während alle, ausnahmslos alle, sie anstarrten.

Der große schwarze Typ vor ihnen gaffte sie ebenfalls einen Moment überrascht an, dann begann er schallend zu lachen.

„Verdammt Lighty, schneid dir ne Scheibe von deinem Bruder ab. Der hats echt drauf."

Noch immer grinsend ließ er sich neben Draco auf die Mauer fallen und dieser fischte aus einem der Bierkästen eine Flasche, die er ihm reichte. Der Typ nahm sie entgegen und nickte zufrieden. Ihm schien Draco Wahl zu gefallen.

„Wollte nur mal schauen was mein kleiner Bruder so treibt. Wir bleiben nicht lange, sind nicht von hier", sagte Draco und wandte sich an Hermione.

„Zieh dich wieder an, Süße. Den Jungs da hinten läuft gleich der Sabber runter, wenn sie auf deine Titten starren."

Hermione sah sich um und nicht wenige starrten sie an. Die einen lüstern, die anderen fassungslos. Wahrscheinlich war es nicht mal hier eine absolute Selbstverständlichkeit das ein Mann einer Frau seine Initialen in den Körper ritzte. Sie nahm ihr Top und zog es wieder über. In Ihrem Ausschnitt waren noch immer ziemlich gut Teile der blutigen Schrift zu lesen.

„Besser so?", wollte sie wissen und drehte sich zu Draco, sodass er es begutachten konnte. Er griff ungeniert an ihre Brust und grinste sie an.

„Absolut", sagte er und beugte sich vor um ihr einen weiteren Blutstropfen von der Brust zu lecken. Sie spürte nur zu gut das leichte Brennen der Verletzung. Verdammt diese Situation war noch immer ziemlich gefährlich und trotzdem wurde sie geil davon.

„Du bist schon ein ziemlich kranker Typ. Aber der Move war gut", sagte der schwarze Hüne, der jetzt neben Draco saß und nahm einen Schluck von seinem Bier. „Die fetten Titten, sind die echt?"

Draco schnipste mit dem Finger und deutete vor sich auf den Boden. Mit einem mulmigen Gefühl kniete Hermione sich vor ihn und spürte, wie er eine Hand auf ihre Haare legte und sein Bein dicht neben sie stellte. Für jeden anderen, musste es wie eine Geste absoluter Unterwürfigkeit aussehen. Aber was immer Draco dazu bewog sie in diese Position zu bringen. Sie war sich sicher, dass er sie gerade nur beschützen wollte. Denn sie zweifelte keinen Moment daran, dass die Situation gerade das Potential hatte, unkontrolliert aus dem Ruder zu laufen.

Einen kurzen Moment, während sie zu Dracos Füßen kniete und ihren Kopf an sein Bein anlehnte war Hermione verdammt froh, dass Draco so gut in Legilimentik war und dass er verdammt gut darin war sich bei anderen einzuschleimen. Zwei Eigenschaften, die sie unter normalen Verhältnissen beide als etwas unangenehm empfand, die aber gerade ziemlich praktisch waren. Und wahrscheinlich, gerade weil sie praktisch und wenig angenehm waren, beherrschte Draco sie so tadellos.

Draco hatte noch nie so einfach Gelegenheit gehabt in den Kopf eines verwahrlosten Psychopaten zu blicken und er war berechnend einfach.

Hitman, dessen wirklicher Name Toby Delmont war, war der Anführer der größten Jugendgang hier in Hackney. Mehrere große Häuserblocks standen in seinem Territorium, seiner Postleitzahl und jede kleine Gang, die sich dort hätte bilden können, wurde von ihm mit brutaler Gewalt ausgelöscht. Ausgelöscht im wahrsten Sinne des Wortes. Draco wollte nicht genau in seinem Geist nachschauen wie viele Jungen er erstochen, erschossen oder zu Tode geprügelt hatte, aber es waren ein paar gewesen und trotzdem hatte sich immer wer anders gefunden, der dafür ins Gefängnis gegangen war, wenn es überhaupt zu einer Verhandlung gekommen war.

Doch das, was Toby wirklich wollte, war Respekt. Respekt der ihm seiner Meinung nach zustand. Respekt den er nie erhalten hatte. Nicht von seiner jugendlichen Mutter, die immer nur trank, bis sie im Vollsuff die Treppe runterstürzte als Toby noch ein Kleinkind gewesen war. Oder von seinem Großvater, der ihn misshandelt hatte, bis er ihn im Alter von dreizehn Jahren mit einem Hammer erschlagen hatte. Jetzt hatte er Respekt. Alle fürchteten ihn und keiner traute es sich etwas gegen ihn zu sagen. Er hatte sich diesen Respekt mit Gewalt verdient und war stolz darauf.

Diese Gegend hier gehörte ihm und jeder der es wagte hier einzudringen, sich hier einnisten wollte und ihm damit etwas von seinem Eigentum nahm, ihm damit keinen Respekt zollte, den würde er zertreten.

Diese Erkenntnis war einer der Gründe, warum Draco ihm schnell versichert hatte, dass sie nur auf der Durchreise waren. Nicht bleiben wollten. Doch das weitaus größere Problem als ihre Anwesenheit hier, war dieses bezaubernd hübsche Mädchen, das vor ihm kniete. Denn Hitman hatte keinen Respekt vor Frauen. Für ihn waren sie Gegenstände. Ein Mittel zur Befriedigung seiner sexuellen Gelüste. Und jetzt gerade war er geil auf Hermione und alles, was ihn davon abhielt sie hier und jetzt zu ficken war der Respekt den Draco sich ihm gegenüber verdient hatte indem er etwas so wahnwitzig Verrücktes getan hatte wie seine Initialen in ihre Brust zu ritzen. Das war eine Art Wahnsinn, die Hitman respektierte und damit auch, dass Hermione sein Eigentum war und er respektlos war, wenn er sich an Dracos Eigentum vergriff.

Es war ein Wagnis gewesen. Denn ein zu dominantes auftreten und Toby hätte sich dadurch bedrängt fühlen können. Seine Position zu hinter graben sollte etwas sein, dass Draco tunlichst lassen sollte.

Doch während er jetzt Tobys Verstand durchforstete und nach einer Lösung für sein Problem suchte, begriff er etwas anderes. Etwas Einfaches, was er niemals in einem Muggel erwartet hatte zu finden. Dieser jugendliche Ganganführer und die Dynamik mit seinen Untergebenen hatte viele Parallelen zu dem Dunklen Lord und seinen Todessern.

Sie alle fürchteten Hitman. Wagten es kaum sich in seiner Anwesenheit zu rühren aus Angst etwas falsch zu machen und ihn vor den Kopf zu stoßen, weil er sie dafür töten könnte. Oder in anderen Worten sie fürchteten respektlos zu sein. Genau wie der Dunkle Lord genoss Hitman es wie sie vor ihm krochen. Sich ihm anbiederten, sich erniedrigten. Doch trotz allem war er nur ein Mensch. Ein Mensch mit Bedürfnissen und Schwächen und dies konnte Draco benutzen. Denn er war gut darin die Schwächen anderer zu benutzen.

Jetzt stand die Sache bei dem Dunklen Lord etwas anders als bei Toby Delmont. Der Dunkle Lord war ein magisch begabtes Genie. Jahrzehnte an Erfahrung und ein überragender Intellekt machten ihn zu einem gefährlichen Gegner. Dagegen war dieser Mann hier vor ihm ein Muggel von dem Draco nicht mal sicher war, ob er richtig lesen und schreiben konnte. Keine wirkliche Gefahr für ihn, da er mit einem simplen Imperius beeinflusst werden konnte. Trotzdem glaubte Draco das Erste Mal in seinem Leben etwas verstanden zu haben.

Auch der Dunkle Lord war nur ein Mensch mit Emotionen und selbst ein psychotischer Massenmörder konnte manipuliert werden. Wie gut, diesem Experiment würde Draco sich jetzt hingeben.

Nachwort:

Ich möchte an dieser Stelle an jemanden erinnern. An den 18-jährigen Schauspieler Robert Knox der in Harry Potter und der Halbblutprinz Marcus Belby spielte. Er wurde in Hackney von Gangmitgliedern ermordet, als einer von vielen Jugendlichen die dort Jahr für Jahr Unschuldig durch Gangrivalitäten sterben.

Vielleicht stimmt nicht jeder meiner Interpretation von Voldemort zu. Aber wer sich einmal auch nur ganz oberflächlich mit Gangbildung und Jugendkriminalität auseinandersetzt erkennt viele Gemeinsamkeiten. Von der Vernachlässigung der Kinder bis zu Terretorialverhalten und dem Wunsch respektiert und anerkannt zu werden. Ich habe es schon einmal erwähnt, das Dunkle Mal erinnert mich an ein Gangsymbol mit dem das Territorium markiert wird und der Mord den ich habe Draco verüben lassen war das Aufnahmeritual, dass es bedurfte ihn emotional vom Rest der Gesellschaft zu entfremden. Draco versteht die Dynamik einer Gang nur zu gut, denn er ist Teil von einer. Nun hat er das erste Mal die Möglichkeit dies von außen zu betrachten ohne die Emotionen, die er selbst mit Voldemort und den Todessern verbindet.

Voldemort ist nicht das ultimative Böse, Menschen wie ihn gibt es in der Realität und auch sie sind sich keiner Schuld für ihr Handeln bewusst. Das dürfen wir nie vergessen.

Anderes Thema: Zu dem Spitznamen Lighty für Dracos Bruder. Er hat mehrere Ebenen. Die Einwohner von Hackney sind größtenteils Schwarze, Asiaten oder britische Unterschicht, wie ich es an Hyperions Freunden bereits beschrieben habe. Da fällt ein weißblonder Junge natürlich auf. Vielleicht ist das der offensichtlichste Grund, der nur in meinem Kopf existiert, weil keiner weiß, wie die anderen Gangmitglieder aussehen. Doch Hyperion ist neben einem Mond des Saturn auch der Titan des Lichts in der griechischen Mythologie. So ist Lighty mehr als die nur Oberflächliche, durch die Verniedlichung etwas abwertende Beschreibung seines Aussehens.

LG

Salarial