Kapitel 103
Besonders
Gesondert, getrennt, für sich allein aber auch außerordentlich, sehr gut
Hyperion brauchte einen Moment, um sich zu orientieren. Sonnenlicht fiel durch die Schlitze der dunklen Gardienen und tauchten den Raum in ein dämmriges Licht. Er hörte ein Rascheln neben sich und als er sich umdrehte, bemerkte er, dass neben ihm zwei Personen lagen.
Es war kein Traum gewesen. Irgendwie hatte er erwartet, dass es ein Traum war und er in seinem kleinen kargen WG-Zimmer in London aufwachen würde. Aber er war hier, irgendwo weit weg von London in einem Hotel und neben ihm lag sein Bruder. Draco, den er so vermisst hatte und der plötzlich vor ihm gestanden hatte. Und dieses Mädchen, von dem Hyperion noch immer nicht wusste, was er von ihr halten sollte. Draco hatte beide Arme um sie geschlungen und barg ihr Gesicht an seiner Brust. Ihre wilden locken waren über das ganze Kopfkissen verteilt. Sie sah wahnsinnig zierlich aus, wie sie in Dracos Armen lag.
Hyperion war sich noch nicht ganz sicher, was er von der Offenbarung seines Bruders halten sollte, dass dieses Mädchen seine Sub war. Er hatte es so selbstverständlich gesagt und Hyperion hatte den Begriff am Handy gegoogelt während Draco Hermione ins Bad gebracht hatte. Es erklärte ihr verhalten. Wie absolut protestlos sie alles getan hatte was Draco von ihr gefordert hatte. Hyperion war es seltsam vorgekommen, aber er hatte nicht viel darüber nachgedacht, als sie zusammen Sex gehabt hatten. Trotzdem war er sich nicht ganz sicher, was er von all dem halten sollte. Dracos Worte von gestern implizierten, dass sie mehr taten als Kontrollspiele zu spielen, doch bis jetzt war Hyperion nicht aufgefallen das Draco irgendwie gewalttätig gegenüber Hermione war. Im Gegenteil. Er behandelte sie wie ein besonders kostbares Juwel. Alleine wie er sie gestern gewaschen und zurück ins Bett gelegt hatte, war bezeichnend gewesen. Niemand wie Hitman oder jemand aus der Gang der Frauen für wertlos hielt hätte sowas getan und auch wenn Hyperion absolut gegen Gewalt gegen Frauen war, musste er wohl einsehen, dass die Beziehung zwischen Hermione und seinem Bruder wohl nichts damit zu tun hatte.
Hermione neben ihm fiepte leise und drehte sich etwas in Dracos Armen. Sie war verdammt niedlich. Hyperions erster Gedanke, als sie ihm erzählt hatte das ihre Eltern Ärzte waren war gewesen sich zu überlegen, ob er durch sie wohl an einen abgestempelten Rezeptblock gelangen könnte. Damit ließen sich wunderbar rezeptpflichtige Medikamente kaufen. Das hätte sein Konto deutlich aufgebessert. Doch die Zeitschleife änderte alles sowie die Tatsache, dass sie Milliardärstochter war. Aber was hatte er von Draco erwartet. Wenn Draco schon für ein muggelstämmiges Mädchen all seine Ansichten über Bord warf, dann für eines was durch und durch seinen Ansprüchen genügte. Hermiones Familie war wohl reich genug, um einen Malfoy schonmal vergessen zu lassen, dass sie nicht reinblütig war. Hyperion musste bei dem Gedanken grinsen.
Lange hielt es ihn jedoch nichtmehr im Bett und er stand auf um eine zu Rauchen. Wenigstens war es in einer Zeitschleife scheiß egal ob er sich die Gesundheit ruinierte, dachte er belustigt, während er sich auf den Balkon setzte, die Kippe im Mundwinkel und die Karte des Zimmerservice zu Rate zog.
Das Zimmer war hell erleuchtet, als Hermione aufwachte. Draco stand gerade auf und bemerkte wohl, dass sie die Augen aufgeschlagen hatte.
„Morgen, Süße", sagte er und beugte sich zu ihr runter, um ihr einen Kuss auf die Stirn zu hauchen.
„Morgen", gähnte sie und beugte sich etwas vor, um noch einmal kurz ihre Lippen gegen Dracos zu drücken.
Draco schmunzelte und setzte sich neben sie, um sie in seine Arme zu bugsiegen. Er rieb seine Nase an ihren Haaren und sie schnurrte zufrieden als sie sich in seinen Armen zusammenrollte.
„Wie fühlst du dich? Irgendwelche Beschwerden?", wollte Draco wissen. Hermione horchte in sich hinein und sie fühlte sich ungewöhnlich gut für die Strapazen der letzten Nacht.
„Nein, alles bestens", sagte sie und Draco nickte zufrieden.
„Ich habe einen leichten Heilzauber angewandt. Sonst hättest du heute wahrscheinlich ziemlich Unterleibsschmerzen. Wir waren nicht gerade sanft mit dir."
Hermione nickte. „Nicht, dass ich es von euch erwartet hätte", fügte sie hinzu und löste sich aus Dracos Armen.
„Ich glaube Hyperion hat Frühstück bestellt. Der Zimmerservice war gerade da", sagte Draco und Hermione gähnte herzhaft als Antwort.
„Ich geh kurz ins Bad", erwiderte sie und Draco schloss sich ihr an.
Der Servierwagen mit dem Frühstück stand an dem kleinen Balkon als sie aus dem badezimmer kamen. Hyperion lümmelte in einem der großen Sessel und wischte über sein Handy.
„Morgen", grüßten sie und setzte sich zu ihm. Draco vergrößerte etwas den Sessel, um sich neben sie zu setzen und sie nutzte die Gelegenheit ihre kalten Füße unter seinen Hintern zu schieben. Im Schatten war der Boden noch kalt von der Nacht, dabei war es fast Mittag. Draco ließ sie gewähren und schenkte ihr einen Kaffee ein.
Genüsslich nippte sie an dem schwarzen Gebräu und genoss den Ausblick über den Retiro-Park.
„Ein ziemlich angenehmes Leben", stellte Hyperion fest und tauchte seinen Löffel in eine Schale Joghurt mit Honig und Früchten.
„Leben alle Milliardärskinder so, also ich meine die von Muggeln?", wollte er wissen und Hermione bemerkte, dass er sie ansah. Einen Moment zögerte sie.
„Ich habe es ihm erzählt. Er war misstrauisch wegen der Kreditkarte", erklärte Draco. Missbilligend schürzte Hermione die Lippen.
„Du hattest kein Recht es ihm zu sagen", sagte sie und Draco schnaubte. Hyperion hingegen schien irritiert.
„Du wolltest nicht, dass ich das weiß?", fragte er überrascht.
„Meine familiären Verhältnisse gehen niemanden etwas an. Ich mag nicht jeden mit der Nase darauf stoßen, dass ich anders bin."
„Sie hält es geheim, auch in der Schule, als wäre es etwas schändliches reich zu sein", seufzte Draco und Hermione setzte sich auf und zog ihre Füße weg.
„Es geht einfach niemanden etwas an", fauchte sie und wusste selbst nicht, warum sie so ärgerlich war. Hyperion würde es keinem erzählen, schließlich behielt er die Erinnerungen nicht.
„Warum?", fragte Hyperion noch immer überrascht.
„Weil ich einmal in meinem Leben einfach nur normal sein wollte", sagte Hermione und schürzte missbilligend die Lippen. „Ich war immer anders. Ich war mein ganzes Leben anders. Entweder weil ich reich war oder weil ich Magie sehen konnte. Als ich erfuhr, dass ich eine Hexe bin, wollte ich einfach wie all die anderen Hexen sein. Dazugehören, Freunde haben. Einfach meine Vergangenheit hinter mir lassen. Keiner hat jemals danach gefragt ob meine Eltern reich sind. Also habe ich es nie ausführlicher beleuchtet und irgendwann war es dann zu spät. Es wäre mir komisch vorgekommen es ihnen irgendwann zu erzählen, als hätte ich es verschwiegen."
„Nicht, dass es etwas geändert hätte", warf Draco ein. „Du warst immer außergewöhnlich und du wirst es immer sein. Du bist muggelstämmig, überdurchschnittlich begabt und stichst aus der Menge heraus. Ich sehe das nicht als etwas Schlechtes. Ich verstehe nicht, warum du dich so dagegen wehrst." Draco griff nach ihrer Hand, zog sie in seine Arme und Hermione schnaubte resigniert.
Wahrscheinlich hatte Draco recht, sie würde nie normal sein. Vielleicht nicht mal, weil sie nicht normal war, sondern weil sie sich nicht so fühlte. Wenn sie ganz ehrlich mit sich war, dann war sie gerne etwas Besonderes. Sie war gerne Klassenbeste. Sie war gerne Vertrauensschülerin. Sie fühlte sich in der Rolle als Harry Potters Vertraute und Freundin wohl und selbst ihre sexuellen Neigungen... Sie genoss es, sich bei Draco als etwas Besonderes zu fühlen, das Objekt seiner hemmungslosen Lust zu sein. Sie genoss es im Mittelpunkt zu stehen und begehrt zu werden. Sie genoss es aus der Menge herauszustechen und vielleicht musste sie es einfach nur zulassen. Zulassen, dass sie sich mit sich selbst wohl fühlte und nichtmehr dauernd versuchte jemand zu sein, der sie nicht war. Weil sie für ihre Eltern niemals die perfekte Tochter sein konnte, da sie nun Mal immer eine Hexe sein würde.
„Ich verstehe es", sagte Hyperion plötzlich und jetzt war es an Hermione überrascht zu sein. „Als ich in die Schule kam, war ich der einzige europäische Junge unter verdammt vielen anderen Ethnien. Die meisten waren schwarz, auch viele Asiaten. Hackney ist ein Migrantenviertel da fäll man als großer Europäer mit blonden Haaren auf. Dazu bin ich nicht als Muggel aufgewachsen. Ich war immer anders und das hat man gemerkt. Oft hätte ich mir gewünscht, dass ich auch einfach wie alle anderen aussehen würde. In der Masse untertauchen und keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen. Weil dann alles leichter wäre. Aber dann habe ich aus der Not eine Tugend gemacht. Die meisten halten Europäer für vertrauenswürdiger. Naja, zumindest in London. Ich bin mit Dingen durchgekommen, bei denen die anderen Jungs dauernd gefilzt wurden."
„Deshalb haben sie dich in die Gang aufgenommen und du hast dort einen recht guten Stand, obwohl du dich aus Gewaltorgien heraushält", schlussfolgerte Draco und Hermione rutschte etwas in Dracos Armen umher, um bequemer zu sitzen.
Hyperion nickte und musste selbstgefällig grinsen. „Ja. Es hat einfach Vorteile, ein fast zwei Meter großer blonder Europäer zu sein, wenn man illegales Zeug transportiert."
„Du meinst Drogen", stellte Draco fest und Hermione hätte überrascher sein sollen.
„Es ist nicht so, als hätte ich eine Wahl gehabt. Entweder du machst mit oder du stehst auf der Seite der Verlierer. Ich habe mich nur dafür entscheiden, dass ich keine Lust habe jede Woche zusammengeschlagen zu werden", verteidigte sich Hyperion. „Ich habe mich aus allem, was mit körperlicher Gewalt zu tun hat rausgehalten. Zumindest soweit es geht. Ich verachte Gewalt und will nichts mit Mord und Vergewaltigung zu tun haben."
Hermione musterte Hyperion und irgendwie musste sie an Dracos Worte denken, dass er kein Mörder sein wollte und dass er es jetzt trotzdem war.
„Irgendwann könnten sie dich dazu zwingen. Deine Loyalität in Frage stellen und dann wirst du keine Wahl mehr haben, wenn du nicht sterben willst. So funktioniert das", sagte Draco und Hermione wusste, dass er aus Erfahrung sprach.
„Ich weiß", antwortete Hyperion. „Aber es ist nicht so einfach zu verschwinden, wie du denkst."
„Ich weiß", sagte Draco und Hermione spürte, wie er sie näher an sich zog.
Einen Moment fragte sie sich, warum ihre Situationen so ähnlich waren, warum sie beide irgendwie Pech gehabt hatten und in einem Zyklus aus Gewalt und Tod gefangen waren. Aber vielleicht war es nicht einfach nur Pech. Auch wenn sie in unterschiedlichen Welten lebten, hatten sie dennoch eine Verbindung. Draco und Hyperion hatten als Kinder die gleiche Erziehung genossen. Wahrscheinlich eine ähnliche Erziehung wie auch Lucius Malfoy und vielleicht war dies einer der Gründe, warum sie sich stets an jemanden hielten, der Stärker war als sie. Der sie beschützen konnte oder anders ausgedrückt der ihnen half ihre eigenen Pläne zu verwirklichen. Jetzt mussten sie feststellen, dass der Preis zu hoch war. Dass sie nicht bereit waren den Preis für diese Macht zu zahlen. Hermione war sich nicht sicher, ob Draco diese Entscheidung jemals selbst getroffen hatte, oder ob es lediglich die Entscheidungen seiner Familie waren, die auf ihn zurückgefallen waren. Aber Hyperion hatte selbst zugegeben, dass er sich für die Gang entschieden hatte. Ganz bewusst.
Vielleicht lag es an der Art, wie ihre Familie dachte. Welche Werte sie vermittelte, dass manche Familien sich immer wieder in Schwierigkeiten brachten, während andere Probleme mieden. Vielleicht lag es etwas an der Bereitschaft Risiken einzugehen, um Erfolg zu haben und vielleicht waren Familien die Reich waren immer etwas mehr davon betroffen, weil es gerade dies war, was sie reich gemacht hatte.
Mit einem mulmigen Gefühl dachte Hermione an ihre eigene Familie. Auch sie waren in ihrer Familiengeschichte nicht immer vorbildlich gewesen, doch ihre Entscheidungen hatten sie Reich und Einflussreich werden lassen. War sie nicht auch so. Sie hatte sich nicht mit irgendwem angefreundet. Sie hatte sich mit Harry Potter angefreundet und den Weasleys und egal wie Arm die Weasleys waren, sie waren ein Teil der Unantastbaren. Hermione wusste nicht, ob sie dies alles jemals überblickt hatte, ob es bewusste Entscheidungen gewesen waren oder ob diese Entscheidungen in ihrem Unterbewusstsein entstanden waren. Entstanden aus ihrer Erziehung niemals einfach tatenlos dem Lauf der Zeit zuzusehen, sondern selbst Entscheidungen zu treffen. Sich starke Verbündete zu suchen, um ihre Ziele zu erreichen.
Es gab genug Menschen, die nicht so waren, die lieber die Füße still hielten, sich in die Schatten drückten und warteten, das der Sturm vorüberzog. Sie war nicht so und auch Hyperion war nicht so und wahrscheinlich war auch Draco nicht so. Sie waren alle zum Handeln gezwungen nur das keiner einen zwang. Zu jeder Handlung zwang sie ihre Erziehung und alles, was sie in ihrem Leben bis jetzt erlebt hatten.
Mit einem Mal wurde Hermione klar, dass auch Hyperion Florean Fotescue ermordet hätte und wenn sie ganz ehrlich zu sich selbst war, wusste sie nicht, ob sie sich selbst anders entschieden hätte. Es war kein Gedanke, der sie erfreute. Aber es war ehrlich. Denn in letzter Instanz hätte sie gekämpft und nicht zugelassen, dass ihr Leben durch das Unterlassen von Handlung verwirkt wurde.
Vielleicht war das einer der Gründe, dieses Denken, warum sie niemals vollkommen normal sein würde, weil sie sich gestattete ihr Schicksal immer selbst in die Hand zu nehmen. Hermione vergrub ihr Gesicht an Dracos Brust und atmete seinen Geruch ein. Alle ihre Entscheidungen, die sie in ihrem Leben getroffen hatte, hatten sie an genau diesen Punkt gebracht.
Sie verbrachten den Tag im Hotelzimmer. Frühstückten großzügig, unterhielten sich, lungerten herum und Draco war ziemlich zufrieden damit sich mit seinem Bruder zu unterhalten, während Hermione wie eine träge Katze auf seiner Brust lag und er ihre Haare um seine Finger winden konnte. Er wäre damit zufrieden gewesen den Rest des Zyklus im Hotelzimmer zu liegen und seinen Bruder besser kennen zu lernen. Doch gegen Abend wurde Hermione umtriebig. Sie hatte sich wohl genug erholt und die Strapazen der letzten Nacht waren verflogen. Jetzt trieb ihr unendlicher Tatendrang sie aus seinen Armen. Es sollte ihm recht sein. Er hatte kein Problem damit zum Abendessen das Hotel zu verlassen.
Jedoch hatte er seine Rechnung eines entspannten Abends ohne Hermione gemacht. Irgendwann kam sie aus dem Bad wieder und trug ein schwarzes, enges, verdammt knappes Kleid. Eindeutig ein Werk ihrer außerordentlichen Verwandlungskünste. Es hatte einen freien Rücken und ihre wilden Locken vielen fast einen tick zu perfekt, um nicht magisch auszusehen. Ihre hohen Schuhe betonten ihre langen Beine und Draco konnte sich nicht daran erinnern, dass sie jemals so heiß ausgesehen hatte. Verführung in Reinform. Er nahm sich einen Moment sie einfach nur genüsslich zu mustern. Wenn sie so auf die Straße gehen wollte, hatte er absolut kein Problem damit. Aber er würde sie ganz sicher keine einzige Sekunde loslassen.
„Ich habe euch was zum Anziehen ins Bad gelegt", sagte Hermione. „Deine Sachen sind viel zu warm für Madrid", fügte sie an Hyperion gewandt hinzu.
„Du hast uns etwas zum Anziehen rausgelegt?", fragte Draco mit erhobener Augenbraue und sie schenke ihm ein so verdammt süßes Lächeln, dass sie einfach nur Hintergedanken haben musste.
„Du wirst wohl kaum in Boxershorts in der Stadt rumlaufen wollen", flötete sie und verwandelte sich eine kleine schwarze Umhängetasche. „Lasst uns bisschen ausgehen", fügte sie hinzu und steckte mit einer übertriebenen Geste ihre Kreditkarte in ein kleines Fach ihrer Tasche.
Einen Moment war Draco überrascht. Er hatte sie selten so gesehen, aber in diesem Moment sah sie aus wie ein selbstbewusstes, abenteuerlustiges, reiches Girlie auf dem Weg zur nächsten Party. Mit einem spöttischen grinsen stand Draco auf. Nun, schließlich war sie genau das. Keine dieser Beschreibungen passte nicht auf seine Myonie.
Sie zogen sich an und als sie in den Lift stiegen, um in die Eingangshalle zu fahren, blickte Draco in den Spiegel und war einen Moment selbst überrascht, wie ähnlich Hyperion und er sich sahen. Hyperion trug jetzt welche von Dracos Sachen und die Größe passte ziemlich gut. Keiner würde sie verwechseln, wenn er ihnen ins Gesicht sah und doch war nicht zu übersehen, dass sie Brüder waren. Hermione stand zwischen ihnen. Trotz der hohen Schuhe noch immer fast einen Kopf kleiner, zierlich in dem kurzen Kleid und ihr Anblick war reine Sünde.
Besitzergreifend legte Draco einen Arm um ihre Hüfte und befand, dass es sich verdammt gut anfühlte. Hermione lächelte ihn ziemlich zufrieden an und griff nach Hyperions Hand, als sie durch die Lobby gingen.
Draco brauchte einen Moment, um ihr Lächeln zu interpretieren und als sie an der Straße standen und darauf warteten, dass die Autos vorbeifuhren, beugte er sich zu ihr runter.
„Na mein versautes kleines Muggelmädchen führst du etwa deine Lover aus?", wollte er von ihr wissen und ihr schamhaftes ertapptes erröten war Antwort genug.
„Nur ein bisschen", antwortete Hermione und konnte nicht verhindern, dass ihr die Röte in die Wangen stieg. Woher wusste Draco so genau was in ihrem Kopf vor sich ging. Das war zum verrückt werden.
Sie hörte sein dunkles Lachen, dann fasste Draco sie am Kinn und zwang ihr Gesicht etwas höher.
„Willst du etwa das alle wissen was für ein gieriges, lüsternes Mädchen du bist?", fragte Draco und bevor Hermione etwas darauf erwidern konnte, presste er seinen Mund auf den ihren, küsste sie hart und leidenschaftlich. Hermione legte ihre eine Hand an Dracos Schulter, um sich an ihm festzuhalten, mit der anderen hielt sie noch immer Hyperion, dessen Blick sie im Rücken spürte.
Verdammt machte sie die Situation an. Es befriedigte all ihre exhibitionistischen Gelüste mit den zwei Brüdern durch Madrid zu laufen. In ihrem Kopf schien verdammt nochmal jeder der sie zwischen ihnen sah sofort zu wissen, dass sie es miteinander trieben und ihr Kleid war kurz genug gewählt, dass keiner daran zweifeln würde. Draco hatte das durchschaut. Natürlich hatte er das durchschaut und er war nur allzu bereit dieses Spiel mitzuspielen.
„Ihr seht so aus, als würdet ihr es hier gleich auf offener Straße treiben wollen", sagte Hyperion hinter ihr und Draco grinste, als er sich von Hermione löste. Er zog die Augenbrauen hoch und Hermione traf auf seinen herausfordernden Blick.
„Wir wollen nur ein bisschen spielen", schnurrte Hermione und wandte sich an Hyperion. Sie stellte sich auf sie Zehenspitzen und hauchte ihm einen kurzen unschuldigen Kuss auf die Lippen. Sie bemerkte, dass er fast etwas verlegen aussah.
„Lasst uns was zu essen suchen", sagte Hyperion und Hermione musste zufrieden lächeln, als er sie an der Hand mitzog.
Sie aßen Tapas in einem kleinen Restaurant und anschließend suchte Hyperion auf dem Handy, wo sie denn noch hingehen konnten. Letztendlich landeten sie in einer Bar, von der Hermione erst im zweiten Moment klar wurde, dass heute Karaoke Abend war. Es war ganz witzig. Die einen sangen Playback und zogen eine riesige Show ab, die anderen krächzen vor sich hin in die Mikrofone und dann gab es wieder Musik um die Tanzfläche zu füllen, bevor die nächste Runde los ging. Hermione stand an einer Wand. Der Laden war bis zum Besten gefüllt. Hyperion hatte sich auf den Weg gemacht neue Getränke zu holen und irgendwie hatte sie gute Laune. Hier zu stehen, sorgte dafür, dass sich das Leben irgendwie leicht und sorgenfrei anfühlte, auch wenn es nicht real war.
Hermione spielte mit dem Familienring an Dracos Finger und er ließ sie gewähren. Zufrieden rieb sie ihr Gesicht an seiner Hand und küsste sie. Dann viel ihr Blick auf Hyperion. Er stand an der Bar und sprach mit einem Mädchen. Einem verdammt hübschen Mädchen und Hermione spürte einen Moment fast so etwas wie Eifersucht. Hyperion war Dracos Bruder und heute war er mit ihnen hier und sie war gerade dabei den Gedanken weiter zu denken, als ihr auffiel, wie verdammt bescheuert er war. Sie kannte Hyperion gerade mal etwas mehr als 24 Stunden und nur weil er Dracos Bruder war, hieß das nicht, dass sie irgendwas verband. Hermione beobachtete, wie der großgewachsene blonde Hyperion das braungebrannte, schwarzhaarige Mädchen anlächelte und es sah Dracos Lächeln so verdammt ähnlich.
„Draco warum macht es dir nichts aus zuzusehen, wie ich mit anderen Männern Sex habe", fragte sie geradeheraus und konnte nicht die Augen von ihnen lassen. „Ich würde vor Eifersucht vergehen", gab sie zu.
„Warum sollte ich eifersüchtig sein?", fragte Draco und zog sie etwas an sich. Sie spürte seinen Körper neben sich und wie seine Hand über ihren nackten Rücken fuhr. „Es gibt keinen Grund dazu. Du wirst dich in niemand anderen verlieben. Nicht in dieser Zeitschleife. Das ist alles, was zählt."
„Und wenn ich den Sex mit jemand anderem besser finde?", wollte sie wissen und Draco schnaubte verächtlich. Mit einem Ruck drehte er sie um und lehnte an seinem Körper.
„Das ist nicht möglich", sagte er und sie spürte seine Hand an ihren Oberschenkel „Myonie", fügte er hinzu und seine Finger glitten federleicht die Unterseite ihres bloßen Schenkels entlang.
„Denn-", fuhr er fort und packte ihr Bein fester, mit einem Ruck wurde sie gegen die Wand hinter sich gepresst, Dracos Körper drückte sich direkt an ihren Schambereich, den er durch die Stellung nach vorne gedrückt hatte.
„-dein Körper-" Sein Mund fuhr direkt an ihr Ohr und sie spürte seinen Atem an ihrer Haut.
„-gehorcht nur mir."
Ein erregtes Zittern lief durch ihren Körper und sie musste sich an Draco festhalten. Wenn sie keine Kleidung angehabt hätten, hätte er sie in dieser Position direkt gegen die Wand ficken können und bei Merlin, sie hätte es genossen. Hermione wurde bewusst, dass er Recht hatte. Innerhalb von ein paar Sekunden hatte er sie von ihrer nachdenklichen Laune in brennende Erregung versetzt. Sie hatte nicht geahnt das so etwas möglich war, doch er tat es immer wieder. Spielte mit ihr, ohne dass sie sich dem erwehren konnte.
„Draco." Ihre Stimme war nicht mehr als ein verlangendes Wispern. Aber er musste es gehört haben, denn er beugte sich vor und küsste sie verzehrend.
Scheiß auf Hyperion und dieses Mädchen, scheiß auf alles, einzig Draco war wichtig. Wenn er sie hielt, wenn er sie ansah, wenn er sie liebte, war es vollkommen egal wie viele Männer um sie waren. Sie waren nur Spielsachen im Vergleich zu Draco. Denn Draco besaß sie auf eine Art, von der sie nicht erwartet hätte, dass jemand sie besitzen konnte. Er verstand sie besser, als sie sich selbst verstand und nur bei ihm fühlte sie sich vollkommen. Als wäre sie vollkommen, genau so wie sie war. Nur für ihn wollte sie alles sein. Für ihn wollte sie herausragend und besonders sein. Aus der Menge hervorstechen, damit er stolz auf sie sein konnte, da sie seins war und alle ihn darum beneiden konnten, dass er sie besaß.
„Habe ich dir jemals was zum Geburtstag geschenkt?", wollte sie wissen und ihre Finger spielten mit dem Ausschnitt seines Shirts, fuhren über sein Schlüsselbein.
„Was hast du im Sinn?", wollte er wissen.
„Warte hier und lass mich nicht aus den Augen, verstanden."
Hermione löste sich von Draco und verschwand Richtung Bühne, auf der alles für die nächste Karaokerunde vorbereitet wurde.
Als Kind hatte sie Singen geliebt. Sie hatte es immer mit Melody getan. Alle waren immer ganz begeistert gewesen sie Singen zu hören, vor allem wenn ihr Vater am Klavier dazu spielte. Es waren ihre lebendigsten Erinnerungen an ihren Vater. Dann hatte sie so tun müssen, als würde Melody nicht existieren und irgendwie hatte sie sich dann schlecht gefühlt zu singen, als würde sie etwas Komisches machen. Das alle sie nur immer wieder hatten Singen hören wollen, hatte nicht dazu beigetragen, dass sie sich damit wohlfühlte. Aber für Draco wollte sie gerne singen. Ihm zeigen, wie besonders wie war und dass sie es nur für ihn sein wollte. Damit er stolz auf sie sein konnte.
