Kapitel 134
ausliefern
einer anderen Instanz überlassen, in die Gewalt einer anderen Macht geben
Nachdem sie geduscht und sich angezogen hatten, trennten sich ihre Wege. Hermione wollte nach Harry sehen und Draco wollte Snape suchen. Herausfinden, ob er noch auf Hogwarts war und wie sich die Aktivierung des Dunklen Mals bei ihm bemerkbar gemacht hatte.
Hermione fand Harry im Gryffindor Gemeinschaftsraum, wo er mit Ron am Kamin saß. Sie zögerte kurz, dann setzte sie sich zu ihnen. Ron warf ihr einen unsicheren Blick zu.
„Ich habe Ron alles erzählt", begrüßte Harry sie und Hermione nickte. Sie hatte nichts anderes erwartet.
„Ich weiß, es ist viel. Aber es ist unsere beste Chance Voldemort zu töten."
„Wir müssen mit Dumbledore reden", fügte Harry hinzu und Hermione hätte am liebsten die Augen verdreht. Es schien Harrys Lösung für alles zu sein. Aber Dumbledore war nicht hier. Das hatte sie ihm so verdammt oft schon gesagt.
„Und wie willst du ihn erreichen?", fragte Hermione und versuchte nicht allzu genervt zu klingen. Er konnte nichts dafür. Er hatte es nie probiert und Hermione wusste, dass er ein verdammter Sturkopf war.
„McGonagall wird wissen, wo er ist", sagte Harry und Hermione seufzte tief.
„Nein, weiß sie nicht und auch sonst keiner vom Orden. Wahrscheinlich jagt er gerade die Horkruxe und will nicht gestört werden. Aber bitte. Sprich mit McGonagall. Ich werde die Graue Dame suchen", erwiderte sie.
„Bist du sicher das…", begann Ron und wechselte einen Blick mit Harry. Hermione bekam ein schlechtes Gefühl bei dem Blick. „Bist du sicher, dass Malfoy zu trauen ist? Ich meine, er ist ein Slytherin, die können sich ziemlich gut verstellen. Sind praktisch die geborenen Lügner", gab Ron zu bedenken.
Die beiden Jungen wechselten noch einen Blick und Hermione seufzte. Lehnte sich in ihrem Sessel zurück.
„Ich kenne Draco Malfoy", sagte sie und dachte darüber nach, wie sie ihnen das begreiflich machen konnte.
„Ich kenne ihn nicht in dem Sinne, dass er mir viel von sich erzählt hat, sondern ich habe es gesehen, habe ihn erlebt, wie er sich mit den Problemen seines eigenen Lebens herumschlägt. Ich war dabei, als seine Welt Stück für Stück auseinandergebrochen ist und er immer wieder versucht hat damit zurecht zu kommen. Ihr würdet es nicht ansatzweise verstehen. Weil das, was ich euch sagen kann nur Worte sind. Worte können nicht ansatzweise wiedergeben, warum ich ihm vertraue. Natürlich ist auch Draco nicht perfekt. Aber er möchte keine Herrschaft Voldemorts. Für sich selbst, für mich, für seine ganze Familie."
„Du hast Recht, ich kann es nicht verstehen. Malfoy ist ein arrogantes Arschloch und nichts, was du sagst, wird mich vom Gegenteil überzeugen", widersprach Ron.
Hermione sah aus dem Fenster auf den strahlend blauen Himmel draußen auf den Ländereien. „Ich habe nie behauptet, dass Draco ein herzensguter freundlicher Mensch ist. Zugegeben, er ist ein manipulativer Kontrollfreak. Es ist nicht so offensichtlich im ersten Moment. Weil er nie mit direkter Gewalt versucht seine Ziele durchzusetzen. Aber wenn man ihn besser kennt, ist es unverkennbar. Doch Voldemort kann er nicht manipulieren, nicht mit seiner Grausamkeit und Brutalität mithalten. Draco will nicht mithalten, ich denke das ist ausschlaggebend."
Hermione sah wieder zu Ron und Harry die beide an ihren Lippen hangen. „Ihr müsst das nicht nachvollziehen können. Aber ich vertraue Draco. Ich würde ihm mein Leben anvertrauen."
Hermione musste ein Lächeln unterdrücken. Ja, ihr Leben würde sie ihm anvertrauen. Aber sie zweifelte keinen Augenblick daran, dass Draco sowohl Harry als auch Ron opfern würde, wenn es sie zum Sieg führte. Er war kein Held, der alle retten wollte. In Dracos Welt gab es ganz deutlich den Kreis, für den er sich verantwortlich fühlte. Sie, seine Familie, vielleicht noch Lacock Abby und natürlich sich selbst. Dort lagen seine Loyalitäten und diese würde er mit Nachdruck verteidigen.
„Das klingt nicht gerade nett", gab Harry zu bedenken und Hermione hätte am liebsten laut aufgelacht.
„Ich habe nie behauptet, dass Draco nett ist. Ich habe nur gesagt, dass er auf unserer Seite ist."
Das Leben belohnte nette Menschen nicht. Sie hatte das verstanden. Sonst hätte sie niemals Rita Kimmkorn erpresst und Hermione war sich verdammt sicher, dass Dumbledore ihre Meinung vollends teilte, sonst hätte er Harry nicht gefördert, ihm alles beigebracht, was er wissen musste um Voldemort zu töten, in dem Wissen, dass Harry irgendwann würde sterben müssen, für ihrer aller Freiheit. Draco wusste das jetzt auch und er würde nicht zögern Harry zu opfern und sie wusste es jetzt auch und sie wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte. Harry war ihr bester Freund. Derjenige, der immer zu ihr gehalten hatte, selbst als Ron es nicht getan hatte.
Einen kurzen Moment dachte sie darüber nach, was Draco einmal gesagt hatte über Definitionen. Einen Moment fragte sie sich noch, ob Harrys und ihre Seite die Gleiche waren. Wenn es darum ging, Voldemort zu vernichten, dann waren sie auf der gleichen Seite. Aber waren sie noch auf der gleichen Seite, wenn es um Harrys Überleben ging? Was würde sie selbst tun? Würde sie Harry opfern? Für ihre Freiheit und die der ganzen Zauberwelt? Der Gedanke verursachte ihr Bauchschmerzen. Sie hatte nie erwartet sich diese Frage stellen zu müssen.
„Du weißt, dass es total bescheuert klingt. Das ist Malfoy, Hermione. Er-", begann Ron, doch Hermione unterbrach ihn.
„Ich weiß wer er ist. Ich weiß auch wer er gewesen ist. Du erzählst mir absolut nichts neues, Ron. Und ich weiß, dass du ihn nicht magst. Sei es, weil er sich schrecklich benommen hat, oder wegen Familienfehden zwischen euren Großeltern. Es ist mir egal. Draco ist unsere beste Chance diesen verdammten Krieg zu gewinnen. Ich brauche ihn!"
„Hör dich doch nur an, Malfoy muss dich verhext haben. Du klingst schon so, als seist du in ihn verknallt!", fauchte Ron aufgebracht und Hermione wurde klar, dass Harry Ron wohl nicht alles erzählt hatte. Dieses Detail hatte er wohl ausgelassen.
Hermione atmete tief durch. „So wie die Welt heute ist, haben wir keine Chance. Draco ist ein Todesser. Die Zauberwelt befindet sich im Krieg und das Ministerium ist bereits unterwandert. Es dauert nichtmehr lange und Menschen wie ich werden gejagt werden. Wir werden bereits gejagt."
Sie straffte ihre Schultern und sah Ron unverwandt an. „Ich werde jeden Vorteil nutzen, den ich bekommen kann um diesen Krieg zu gewinnen. Draco ist ein solcher Vorteil und er bedeutet mir etwas. Er bedeutet mir verdammt viel, Ron. Wenn du sagst ich bin in ihn verliebt, dann ist da mehr Wahrheit dran, als dir lieb sein dürfte. Aber egal was ich für Draco empfinde oder was er für mich empfindet. Wenn Voldemort gewinnt, wird man mich töten, weil ich ein Schlammblut bin. Aber das kannst du natürlich nicht verstehen. Das für mich mehr auf dem Spiel steht als einfach nur die richtigen Freunde zu haben. Du bist reinblütig, einer der Unantastbaren und auch wenn deine Familie gerade als Muggelfreunde verschrien ist, schützt es dich doch auf eine Art, die ich nicht habe und die Harry nicht hat und deshalb kannst du hier rumposaunen dass du Draco nicht magst und das du ihm nicht traust und du kannst dir deine Freunde aussuchen, aber ich kann das nicht. Wenn Draco uns hilft Voldemort zu töten und wenn er es nur tut, weil er in mich verliebt ist, dann werde ich das verdammt nochmal zulassen!"
Ron sah sie vollkommen schockiert an. „Malfoy ist was!?", stammelte er fassungslos und Hermione glaubte, dass nichtmehr bei ihm hängen geblieben war als dieser eine Satz.
„Macht doch was ihr wollt. Ich gehe jetzt die Graue Dame suchen!", fauchte Hermione und stand auf. Sie hatte keinen Nerv mehr auf diese Unterhaltung. Das führte doch zu nichts.
Sie war schon fast als dem Porträtloch geklettert, als ihr jemand hinterherrief.
„Warte, ich komme mit!", sagte Harry und war aufgesprungen. Hermione konnte nicht umhin erleichtert aufzuatmen. Kaum, dass Harry sich ihr angeschlossen hatte, folgte ihnen auch Ron. Nur um ein Auge auf sie zu haben, wie er betonte.
Irgendwie fühlte Draco sich unwohl, als er nach dem Mittagessen mit Hermione, Potter und Weasley in der Bibliothek saß. Weasley warf ihm immer wieder düstere Blicke zu und der einzige Grund, warum Draco ihn nicht anschnauzte, war weil er Potters Kooperation brauchte. Seinen besten Freund anzuschnauzen, würde wahrscheinlich nicht dafür sorgen, das Potter ihnen half. Dabei sollte er ihnen schon allein aus dem Grund helfen, weil sie verdammt nochmal das gleiche Ziel hatten.
Er hatte heute Vormittag versucht Snape zu finden, der nicht da gewesen war. Es war ein beunruhigender Fakt, da er sonst immer im Schloss war. Irgendwas geschah und es konnte nichts Gutes sein. Auch die Graue Dame war wenig auskunftsfreudig gewesen. Jetzt suchten sie in der Bibliothek nach einem Bild des Diadems von Rowena Ravenclaw. Beziehungsweise, Hermione suchte danach in Geschichte Hogwarts und er saß schweigend mit Potter und Weasley am Tisch und ließ sich mit Blicken ermorden.
„Hier, ich habe es!", sagte Hermione plötzlich und Draco beugte sich zu ihr vor. Beinah wäre er mit Potter zusammengestoßen, der ebenfalls seine Nase in das Buch steckte, um ein Bild des Ravenclaw Gemeinschaftsraumes zu betrachten. Dort war eine Statue von Rowena Ravenclaw und auf dessen Haupt saß das Diadem.
„Im Text heißt es, dass das Diadem verschollen ist. Keiner weiß, wo es ist. Es soll angeblich magische Fähigkeiten besitzen", sagte Hermione.
„Ich habe das schonmal gesehen", sagte Potter plötzlich und alle starrten ihn an.
„Wo?", fragte Hermione als erstes.
„Naja, ich bin mir nicht sicher. Ich habe es nur schonmal irgendwo gesehen", stotterte Potter herum.
„Spucks schon aus, Potter. Ich habe euch den Tipp mit dem Diadem überhaupt erst gegeben."
Potter sah ihn unbehaglich an, dann blickte er wieder zu Hermione.
„Ich sehe es praktisch vor mir", sagte er schließlich. „Aber ich weiß nicht mehr, wo es war. Vielleicht war es in einer Vision?", seufzte Potter und rieb sich die Stirn.
„Denk nach!", sagte Draco nachdrücklich.
„Halt die Klappe, Malfoy", fauchte Weasley aufgebracht.
„Nicht streiten", mischte sich Hermione ein und legte eine Hand auf seine, als hätte sie Sorge, er könnte auf Weasley losgehen. Aber Draco bedachte Weasley nur mit einem verächtlichen Blick.
„Draco, auf ein Wort, Sofort", hörte Draco plötzlich eine dunkle Stimme hinter sich und alle fuhren herum. Snape kam die Regalreihe mit wehendem Umhang entlanggerauscht direkt auf sie zu. Er sah mürrisch und schlechte gelaunt aus und Draco hatte ein mieses Gefühl bei seinem Anblick. Snape kam gerade von einem unbeabsichtigten Todessertreffen, bei dem er selbst nicht gewesen war. Voldemort musste wissen, dass etwas mit seinem Dunklen Mal nicht stimmte und der Gedanke verursachte Draco ein flaues Gefühl im Magen.
Draco stand auf, machte jedoch keine Anstalten auf Snape zuzugehen.
„Lebt meine Mutter noch?", fragte er stattdessen und er betete innerlich, dass sie seine Warnung heute Morgen ernst genommen hatte und verschwunden war. Er hatte sie gewarnt, als er die Zauber auf Williams Wohnung angebracht hatte. Schließlich wusste er nicht was passieren könnte, wenn Potter sein Dunkles Mal berührte.
„Ihr gegenwärtiger Aufenthaltsort ist unbekannt. Der Dunkle Lord ist sehr ungehalten darüber", sagte Snape und Draco atmete auf. Es war Hermiones Idee gewesen und jetzt war er ihr verdammt dankbar dafür. Seine Mutter brauchte keinen sinnlosen grausamen Tod sterben. Auch wenn sie nicht wirklich starb.
„Gut", sagte er grimmig und spürte wie Hermione nach seiner Hand griff, ihm aufmunternd zulächelte.
„Folge mir, Draco!", verlange Snape und im ersten Moment war Draco tatsächlich versucht es zu tun, um herauszufinden was Voldemort gesagt hatte. Aber dann kam ihm eine bessere Idee. Wie besser konnte er Potter davon überzeugen, dass er auf seiner Seite war, als wenn er es ihm bewies.
„Du kannst mir auch hier sagen, was der Dunkle Lord fordert. Potter war es, der mein Dunkles Mal entfernt hat. Er weiß es also schon. Es ist kein Geheimnis", sagte Draco und spürte die Nervosität in sich aufsteigen. Das war ein verdammt gewagtes Spiel, denn er musste unbedingt wissen, was Snape erfahren hatte. Aber er brauchte auch Potters Vertrauen.
Snape starrte ihn einen Moment überrascht an, dann wanderte sein Blick zu Potter, der neben ihm am Tisch saß. Draco bemerkte, wie Snape einen Moment Hermione musterte und ihre verschränkten Hände und sie nutzte den Moment sich noch etwas näher an ihn zu stellen. Ihren Körper leicht an ihn zu lehnen und Draco musste zugeben, dass sie schon eine verdammt manipulative Frau sein konnte. Sie vergas nie ein Detail und dabei hatte Draco selbst es fast vergessen. Snape hatte eine Schwäche für die Konstellation, in der ihr Verhältnis geartet war. Irgendwie hatte er dem nichtmehr Beachtung geschenkt in der Zeit, in der sie versucht hatten das Dunkle Mal zu lösen. Aber jetzt legte er einen Arm um Hermione. Eine Geste, die keinen Zweifel daran ließ, dass sie sich nah standen.
„Was ist hier los, Draco?", wollte Snape lauernd wissen und Draco sah beinah, wie er versuchte sich einen Reim darauf zu machen.
„Ich werde Voldemort nicht dienen", sagte Draco und diese Worte sollten sich nicht so beängstigend anfühlen. „Ich will keine Zukunft, in der jemand mich versklavt und mich zwingt zu töten. Noch weniger will ich, dass jemand Hermione etwas tut. Deshalb muss ich das Risiko eingehen, das Dunkle Mal loswerden und Potter dabei helfen Voldemort zu besiegen. Das ist die einzige Chance, um das zu bekommen was mir wichtig ist."
Snape sah ihn wie vom Donner gerührt an und Draco bemerkte, wie er die Arme verschränkte und dabei seine Hand in seiner Robe verschwand. Neben sich spannte sich Hermione an und auch er griff unauffällig nach seinem Zauberstab.
„Du hast es also tatsächlich geschafft. Du bist das Dunkle Mal losgeworden?", fragte Snape mit lauernder Mine.
„Ja", sagte Draco schlicht. Er zögerte einen Moment und fügte dann hinzu. „Nichts vermag die Dunkle Magie, mit der unsere Seele verseucht ist zu reinigen. Aber es ist möglich die Verbindung zu Voldemort selbst zu lösen. Und uns die Kontrolle über unser eigenes Leben zurückzuholen."
„Beeindruckend. Aber du weißt, alles hat seinen Preis", gab Snape zu bedenken und Draco atmete tief durch.
„Meine Mutter ist eine erwachsene Frau. Sie hat in ihrem Leben viele Entscheidungen getroffen, die sie zu diesem Punkt geführt haben. Ich bin nicht dafür verantwortlich. Wenn ich es kann, werde ich sie retten, aber ich werde mich nicht selbst für sie Aufgeben."
„Ich spreche nicht von deiner Mutter. Der Dunkle Lord wird dich jagen. Niemand ist ihm bis jetzt entkommen. Niemand hat jemals das Dunkle Mal gelöst. Er wird dich nicht entkommen lassen, wenn du es vollbracht hast", sagte Snape warnend und Draco wünschte sich, dass er unrecht hätte. Leider lag Snape mit dieser Einschätzung wahrscheinlich verdammt richtig.
„Dann müssen wir ihn eben zuerst töten. Ich bin bereit für das zu kämpfen, was mir etwas bedeutet. Kannst du das nicht begreifen?"
„Er hat mir befohlen dich zu ihm zu bringen", sagte Snape kühl und Draco fasste seinen Zauberstab fester.
„Das werden wir nicht zulassen", sagte plötzlich Potter und stand mit gezücktem Zauberstab neben ihm.
„Sie können das gar nicht. Sie haben Narzissa Malfoy geschworen Draco zu beschützen", brachte Hermione ein und ein verächtliches Lächeln trat auf Snapes Züge.
„Viel hast du deinen neuen Freunden erzählt. Ich muss gestehen, diesen Schachzug hat vermutlich niemand kommen sehen. Du hast es geschafft alle zu überraschen, Draco", sagte Snape und irgendwie hatte Draco ein verdammt mieses Gefühl bei der Sache.
Wenn Voldemort Snape tatsächlich befohlen hatte, ihn um jeden Preis zu ihm zu bringen. Dann musste er verdammt wütend sein. Wütend genug, um seinen wichtigsten Spion zu opfern. Was bedeutete, wenn Snape es nicht gelang, wäre es Snape der starb und das würde er sicher nicht zulassen.
„Aber leider liegen sie falsch, Miss Granger", sagte Snape und plötzlich bemerkte Draco, dass er eine seltsame Geste zur Seite machte. Unauffällig folgte er dem Blick und bemerkte einen untersetzen Mann mit schiefem Gesicht, der sich halb hinter der nächste Regalreihe verbarg. Er hatte ihn schon ein paar mal gesehen. Amycus Carrow. Snape nickte unmerklich und Draco verstand. Er war sich sicher, wenn er nicht gewusst hätte, dass Snape Verständnis dafür hatte, dass er Hermione liebte, dann hätte er es nicht verstanden, aber so verstand er augenblicklich.
„Ich habe geschworen für den Fall, dass Draco die Wünsche des Dunklen Lord erfüllt", fuhr Snape unbeirrt fort. „Dies ist momentan nicht der Fall. Also-"
Draco wartete gar nicht darauf, dass Snape ausgesprochen hatte. Mit einem Schnipsen seines Zauberstabs warf er das schwere Bücherregal zu seiner Rechten um und es fiel direkt auf den plumpen Todesser, der sich dahinter verbarg.
Carrow fluchte laut und spätestens jetzt musste er auch den anderen auffallen.
„Weg hier!", rief Draco und zog Hermione hinter sich her.
Er spürte beinah, wie ihm ein Fluch hinterherjagte, doch es war Potter der „Protego", rief und den Zauber abblockte. Draco hatte keine Ahnung, ob er von Snape oder von Carrow war. Aber er war sich sicher, dass es kein Zufall war, dass sie entkamen. Das Snape ihnen half, auch wenn es nach außen hin anders aussah.
Schnell sprinteten sie weiter durch die Bibliothek, eine Gruppe Drittklässler flüchtete unter einen Tisch, als Draco einen Fluch zurück in Richtung der Todesser schickte. Jetzt entdeckte er auch Alecto Carrow, Amycus widerliche, aufdringliche Schwester. Er hoffte einfach es würde sie beschäftigen. Sie kamen an der Bibliothekstür an, die Hermione mit einem Fluch belegte und er war sich ziemlich sicher, dass es kein netter Fluch war. Hoffentlich war Snape umsichtig genug einen der Carrows zuerst hindurch gehen zu lassen.
„Wohin?", keuchte Weasley.
„In den Raum der Wünsche!", schnaufte Potter und Draco hielt es für eine verdammt gute Idee.
Sie liefen hoch Richtung siebter Stock, als Hermione plötzliche Inne hielt.
„Der Zeitumkehrer", keuchte sie und griff nach seinem Arm. „Sie werden deine Sachen durchsuchen, wenn sie es nicht schon getan haben. Sie dürfen ihn nicht in die Finger bekommen."
Panik floss durch seinen Körper. Der Zeitumkehrer war ihr einziger wirklicher Schutz. Keiner durfte ihn in die Finger bekommen, schon gar nicht Voldemort.
„Ich hole ihn", sagte Draco und wollte schon umdrehen.
„Spinnst du, in den Kerkern finden die Typen dich sofort", rief Potter ihm nach.
„Das ist wichtig", fauchte Draco und rannte zurück. Er bog in einen Geheimgang ab, der hinunter in die Kerker führte und stellte überrascht fest, dass nicht nur Hermione ihm folgte, sondern auch Potter und Weasley.
„Wehe es lohnt sich nicht", schnaufte Weasley.
„Wer waren die beiden bei Snape?", wollte Hermione wissen, als sie den Gang entlangeilten.
„Die Carrows, Amycus und Alecto. Todesser die niemals in Askaban saßen", erklärte Draco und bog schlitternd um eine enge Kurve.
„Klar, dass du solche Typen kennst", zischte Weasley und Draco warf ihm einen düsteren Blick zu.
„Es sah fast so aus, als hätte Snape uns vor ihnen warnen wollen", sagte Potter, ohne auf Weasley einzugehen.
„Ich denke das war seine Absicht", antwortete Hermione und Draco warf ihr einen kurzen Blick zu. Sie sah angespannt aus.
Hermione bemerkte wie Draco langsamer wurde und den Finger auf die Lippen legte, als er aus dem Geheimgang hinaus in den Gang spähte.
„Sieht gut aus", flüsterte er und sie traten hinaus in den Flur, wo gerade eine zweite Klasse aus Gryffindor und Hufflepuff aus dem Verwandlungsunterricht kam.
Entgegen Hermiones Erwartung schafften sie es unbehelligt in die Kerker. Draco lotste sie in den Slytherin Gemeinschaftsraum und alle sahen sie erstaunt an, als die drei Gryffindors von Draco Malfoy angeführt zu den Jungenschlafsälen eilten.
„Bewacht die Tür", befahl Draco, während er zu seinem Nachttisch ging.
„Ziemlich düster hier", kommentierte Ron, doch keiner achtete auf ihn. Harry spähte angestrengt aus der Tür hinaus und Hermione beobachtete Draco wie er die Schutzzauber aufhob und den kleinen goldenen Zeitumkehrer einsteckte.
„Ich habe ihn", sagte er erleichtert und stand auf.
„Dann nichts wie raus hier", entschied Harry und Hermione stimmte ihm zu. Sie wollten sich gerade wieder auf den Rückweg hoch ins Schloss machen, als ihnen Amycus Carrow in den Weg trat. Ein Zauber schoss in ihre Richtung und blockierte den Weg in den Gemeinschaftsraum.
„Fast wie nach Hause zu kommen", sagte er mit einem rasselnden Lachen. Während er bedrohlich näherkam.
Sie drehten sofort um und liefen den Gang zurück in den Schlafsaal.
„Gibt es noch einen anderen Weg hier raus?", fragte Hermione an Draco gewandt und begegnete seinem grimmigen Gesichtsausdruck.
„Nein. Nur zu den Schlafsälen der anderen Jahrgänge", sagte er. Sie spürte wie er ihr etwas in die Hand drückte und ihre Finger schlossen sich um das kleine Stundenglas.
„Bring das in Sicherheit. Falls ich den Zyklus nicht schaffe", sagte Draco und sie hörte die Anspannung in seiner Stimme.
„Nein. Du bist schon so oft gestorben. Es muss einen Weg geben", antwortete sie und hielt Dracos Hand fest.
Die Carrows kamen näher, jetzt war auch die Stimme der Frau zu hören. Ihre Schritte hallten im Gang wider. Alle hoben ihre Zauberstäbe und starrten angespannt auf die Biegung.
„Welchen?", zischte Draco und hob ebenfalls seinen Zauberstab.
„Es ist bedauerlich, Draco. Aber der Dunkle Lord verlangt nach dir. Sei ein braver Junge", rief Amycus in den Gang hinein. „Wenn du dich nicht bis Mitternacht stellst, wird der Dunkle Lord Hogwarts angreifen. Willst du das deinen kleinen Freunden antun?"
„Niemand wird ausgeliefert", rief Harry zurück. „Wir sind keine feigen Verräter!"
„Potter, Potter immer bereit den aufopfernden Helden zu spielen. Selbst für seine ärgsten Widersacher", donnerte Snapes höhnische Stimme durch den Kerker. Hermione seufzte erleichtert auf. „Gebt Malfoy raus, bei einem Angriff auf Hogwarts würde es nur noch mehr Blutvergießen geben. Willst du das Potter? Was ist mit deinen kleinen Freunden."
„Aber es ist falsch! Man kann nicht falsche Dinge mit guten Beweggründen rechtfertigen", rief Harry zurück.
Er gab ihnen ein Zeichen in Richtung des Ganges in dem Amycus und Alecto warscheinlich genau zwischen ihnen und Snape standen. Dann hob er drei Finger in die Luft und wisperte „Stupor." Hermione verstand und nickte. Auch Ron neben ihm nickte.
„Jetzt spielen Sie nicht den Helden, Potter. Haben sie nicht erst vor kurzem versucht Mr Malfoy zu ermorden. War nicht ich es, der ihren Fehler geradegebogen hat?", höhnte Snape und wenn Hermione es nicht besser wüsste, würde sie tatsächlich glauben, dass Snape Draco ausliefern wollte. Aber er hatte bis jetzt noch nie eine Möglichkeit verstreichen lassen Harry zu verhöhnen.
Harry nahm einen Finger weg und sie brachten sich alle in Position. Hermiones Nerven lagen blank, als er auf eins runter zählte. Als er den letzten Finger weg nahm, stürzten sie um die Ecke und drei Stupor Zauber schossen auf die Todesser zu, brachten ihre Schildzauber zum zerspringen, dennoch erreichten sie die beiden nicht. Hermione dachte schon, dass es nicht geklappt hatte, als Harrys Zauber Amycus mitten in die Brust traf. Er hatte ihn später abgefeuert und die Zauber von ihr, Ron und Draco dazu genutzt die Schildzauber zu brechen. In genau dem Moment als Hermione dies bewusst wurde erreichte der Zauber von Snape Alecto im Rücken und die beiden Todesser lagen bewusstlos zwischen ihnen.
„Das war verdammt gut, Potter", lobte Draco begeistert.
„Freu dich nicht zu früh, Draco. Leider hat Carrow recht. Der Dunkle Lord zieht in Betracht Hogwarts anzugreifen wegen deiner Unverfrorenheit das Dunkle Mal loszuwerden. Er war sehr ungehalten", warnte Snape, senkte jedoch seinen Zauberstab.
Draco neben ihr schnaubte verächtlich.
„Ich kann es mir vorstellen. Er kann es wahrscheinlich nicht ertragen, dass einer seiner Sklaven geflohen ist", meinte er bitter und Hermione fasste nach seiner Hand. Spürte den Druck seiner Finger.
„Was tun wir jetzt?", fragte Hermione und der Gedanke bereitete ihr mehr Angst als sie zugeben wollte. Bis jetzt hatte sie nie in Betracht gezogen, dass Hogwarts angegriffen werden konnte. Hogwarts war ihr sicher vorgekommen. Aber wenn Snape besorgt war, dann war sie es ebenso.
Draco beschloss, dass dieser Zyklus ganz besonders verrückt war. Sie hatten die bewusstlosen Todesser in Snapes Büro gebracht, wo kurz darauf eine besorgte Professor McGonagall aufgetaucht war.
Daraufhin hatte er die beiden Professoren über die Situation aufgeklärt. Inklusive der Zeitschleife, der Tatsache, dass Potter sein Dunkles Mal aktiviert hatte und dabei aus Versehen ein Todessertreffen einberufen hatte.
Snape berichtete davon, wie er dem Ruf des Treffens gefolgt war und Voldemort beinah Bellatrix vor Wut wahnsinnig gefoltert hatte. Wenn sie es nicht ohnehin schon war. Aber da er weder Draco noch seiner Mutter habhaft gewesen war, war sie seine nächste Blutverwandte, die er hatte bestrafen können.
„Es liegt nicht in meinem Einflussbereich den Dunklen Lord davon abzuhalten Hogwarts anzugreifen. Ich habe ihn in all der Zeit noch nie so wütend erlebt. Nicht mal nach dem Debakel im Ministerium letztes Jahr", berichtete Snape grimmig.
„Ich denke wir werden die Schule evakuieren müssen. Selbst wenn die Zeitschleife alles wieder ungeschehen machen kann, können wir nicht die Sicherheit der Schüler von Hogwarts riskieren", sagte McGonagall und sah mehr als nur besorgt aus. „Gerade jetzt wo Dumbledore nicht da ist."
„Gerade das ist das Problem. Voldemort würde es nicht wagen Hogwarts anzugreifen, wenn Dumbledore da wäre. Aber bis jetzt hat er sich noch nie innerhalb eines Zyklus gemeldet", seufzte Hermione besorgt.
„Ich habe ihm einen Patronus geschickt, Miss Granger. Albus Dumbledore wird tun, was er für richtig hält. Was immer da bedeuten mag", sagte Snape abweisend und irgendwie hatte Draco fast das Gefühl, dass er ziemlich schlecht auf Dumbledore zu sprechen war.
„Mehr können wir nicht tun. Jetzt brauchen wir einen Plan, um Hogwarts zu evakuieren", fügte McGonagall hinzu.
„Danke, dass sie es nicht in Betracht ziehen mich auszuliefern", sagte Draco und er war ihr tatsächlich verdammt dankbar.
Die Hexe schürzte missbilligend die Lippen. „Sie sind ein Schüler von Hogwarts. Niemand wird ausgeliefert", sagte sie nur und Draco nickte. Er blickte auf den Hippogreif auf seinem Arm. Wenn er gewusst hätte, was für Probleme es machen würde, dass Dunkle Mal los zu werden, hätte er es etwas anders angestellt. Aber jetzt war er wenigstens gewarnt. Er würde es listig angehen müssen, wenn er sich dadurch nicht zur Zielscheibe machen wollte.
„Jetzt evakuieren wir Hogwarts um Malfoy zu retten", schnaubte Weasley abfällig und warf ihm einen bösen Blick zu.
„Was ist mit ihnen, Sir?", wollte Hermione wissen und wandte sich an Snape. „Werden sie nicht bestraft, wenn sie Draco nicht ausliefern können?"
Snape warf Hermione einen langen nachdenklichen Blick zu, dann wandte er sich an Draco.
„Ich denke du bist mir noch immer eine Erklärung schuldig. Woher der Sinneswandel?", wollte Snape wissen und musterte ihn mit lauerndem Blick. Es brachte Draco automatisch dazu seine Okklumentik zu prüfen.
„Du hast mir gesagt, dass ich das tun soll", antwortete Draco und verschränkte die Arme vor der Brust. Snapes Augenbraue rutschte nach oben.
„In einem anderen Zyklus dieser Zeitschleife hast du gesagt, dass es Dinge gibt die es Wert sind darum zu kämpfen. Genau das tuen wir. Wir kämpfen darum eine Chance zu haben. Voldemort wird das niemals zulassen. Also ist die Seite gesetzt", stellte Draco klar und fasste nach Hermiones Hand. Sie trat einen Schritt näher und als er sie ansah, lächelte sie ihm aufmunternd zu. Er erwiderte das Lächeln.
„Ich habe nicht vor, ein alter verbitterter Todesser zu werden, der sein Leben in Reue und Schmerz fristet. Das ist der Weg, den mein Vater gegangen ist." Draco zögerte kurz, dann fügte er hinzu. „Das ist nicht mein Weg. Ich werde nie wieder vollkommen unschuldig sein. Aber ich habe mich noch nicht aufgegeben."
„Dir ist die Gefahr hoffentlich bewusst", mahnte Snape und Draco seufzte tief.
„Natürlich ist es mir bewusst. Bewusster als dir klar ist. Ich wäre niemals so unvorsichtig, wenn die Zeit linear verlaufen würde. Aber durch die Zeitschleife haben wir immer noch eine weitere Chance. Das Schlimmste, was passieren kann, ist grausam zu Tode gefoltert zu werden. Das ist nicht angenehm, glaub mir, ich habe schon ein paar solcher Tode hinter mir. Ich würde es vorziehen zu überleben."
„Draco hat Unterlagen aus dem Studierzimmer Voldemorts gestohlen, dadurch kamen wir überhaupt erst auf die Idee wie das Dunkle Mal aufgelöst werden kann", fügte Hermione erklärend hinzu.
Snape nickte grimmig.
„Du solltest dich verstecken bis sich die Zeit wiederholt. Ich kann wenig für dich tun, außer dich nicht auszuliefern", sagte Snape.
„Aber wo verstecken wir Malfoy?", mischte sich Potter ein.
„Wenn Sie-wissen-schon-wer Hogwarts angreift, wird er nicht davor zurückschrecken auch sie zu jagen, Mr Potter. Wir müssen sie beide hier hinaus bringen", seufzte Professor McGonagall.
„Hat der Orden nicht ein Haus, das unter dem Fidelius Zauber steht?", fragte Draco der sich daran erinnern konnte, dass Bill Weasley sowas gesagt hatte. „Es muss nicht für lange sein. In ca. 36 Stunden wiederholt sich die Zeitschleife und der Spuk ist vorbei."
„Nun, Mr Malfoy. Das haben wir sehr wohl. Doch leider ist Professor Dumbledore der Geheimniswahrer und kann sie nicht einweihen. Wir werden allerdings Mr Potter dorthin evakuieren können", sagte Professor McGonagall besorgt.
„Ich will mich nicht verstecken!", begehrte Potter auf und Draco fand es ziemlich heldenhaft dämlich.
„Es gibt keinen Grund, dass du dich hier in Gefahr begibst. Ich war mir bewusst, was alles dabei schief gehen kann das Dunkle Mal zu entfernen. Aber ich musste es versuchen", schnarrte Draco.
„Eine sehr löbliche Einstellung, Draco. Ich bin wirklich gespannt zu hören, was alles geschehen ist, in den paar Stunden, in denen ich weg war."
Sie alle fuhren herum. Dort in der Tür stand Albus Dumbledore. Draco wusste einen Moment nicht, was er sagen sollte. Er hatte wochenlang versucht ihn zu finden. Stundenlang hatte er mit Hermione darüber gesprochen ihn zu suchen. Sodass es Draco fast unwirklich erschien, ihn plötzlich zu sehen. Aber es war kein Trugbild, jetzt stand er in dieser verdammten Tür. Kaum, dass er sein Dunkles Mal los geworden war und Hogwarts deshalb in Gefahr geriet stand Dumbledore hier und in dem Moment wurde Draco plötzlich klar, dass ab jetzt alles anders war. Dumbledore war der einzige, den Voldemort jemals gefürchtet hatte und er verstand, warum er Potter Hoffnung gab. Er gab auch ihm Hoffnung, denn er konnte ihnen helfen, Voldemort zu besiegen.
Nachwort:
Vor genau einem Jahr habe ich die ersten Kapitel dieser FF hochgeladen. Ich hatte tatsächlich nie vor so lange an dieser FF zu schreiben. Aus einem kleinen Versuchsprojekt in eine FF in Romanlänge geworden. Vielen Dank an alle, die mich seit den ersten Seiten begleitet haben und natürlich auch an all jene die später dazugestoßen sind.
Ich kann also mit Fug und Recht behaupten, Dumbledore hat ein ganzes Jahr auf sich warten lassen.
Liebe Grüße
Salarial
