Das Wichtigste natürlich zuerst:
Supernatural gehört nicht mir! Alle Rechte gehören den Produzenten der Serie!
Ist sehr lange her, dass ich hier was gepostet habe und ich möchte das hier nur für jemanden einstellen, der Interesse an dieser Geschichte hat.
Normalerweise poste ich hier auf der Seite nicht viel Deutsches, aaaaaber da es sich hierbei um eine Kitzelgeschichte handelt und ich sowas nur ungerne bei hochlade, lade ich es nun hier hoch.
Sollte dies noch wer anders lesen: Ihr wurdet gewarnt.
Jedoch sei gesagt, dass ich mich sehr deutlich von der Fetischszene distanziere!
Meine Geschichten sind alle sauber und bestehen nur aus "Fluff".
Man kann sie auch als SFW Geschichten betrachten^^
Ist sehr lange her, dass ich was aus dem Supernatural Bereich verfasst habe und ich hoffe, ich bin nicht zu sehr eingerostet.
Nach wie vor liebe ich es Geschichten aus der "Engelsfamilie", also aus der Zeit VOR Luzifer's Fall, zu schreiben.
Sollte ich jemals wieder aktiv im Schreiberforum werden, werde ich diese FF hier ins Englische übersetzen und sie dann auf meinem Hauptaccount hier auf der Seite teilen :).
Sollte allgemeines Interesse an meinen anderen Supernatural Fanfiktions bestehen (also die ernsteren, denn ich schreibe wahrlich nicht nur sowas), schreibt mir gerne eine PM :).
Und jetzt viel Spaß beim Lesen!
Die Mutprobe
Es war ein herrlicher Tag in Gottes strahlendem Paradies.
Die Sonne stand hoch am tiefblauen Himmel und nur ab und an verirrte sich eine kleine Wolke, die sich frech vor die Sonne schob. Doch des Herren Engel störten sich nicht daran und keiner von ihnen hatte ein Auge für die kleinen Wolkenfetzen am Himmel.
Viele von ihnen kümmerten sich um die Aufgaben, die der Herr ihnen anvertraut hatte und auch Gott selbst war an diesem Tag mit einer seiner neuen Kreationen beschäftigt und wünschte daher keinerlei Störung. Und während der Herr an etwas Neuem arbeitete, vertraute er Michael seine Engelsschar an.
Der Erzengel war der mächtigste unter ihnen allen, galt als der Prinz des Himmels und seine Macht reichte soweit, dass viele Engel unter sich behaupteten, er sei sogar Gott selbst ebenbürtig. Sie alle respektierten den mächtigen Kriegerengel und es gab einige, die ihn sogar fürchteten. Kein Wunder, denn Michael war mit den Jahren immer stoischer geworden, gab sich beinahe kaltherzig, wann immer er in seiner strahlenden Kriegerrüstung über die Wiesen des Paradises schritt und für Ordnung unter seinen Brüdern und Schwestern sorgte.
Auch heute machten ihm die Engel sofort Platz, als er durch ihre Reihen schritt. Besonders die Jungengel suchten ihr Heil in der Flucht, als der Erzengel in ihre Richtung kam, sie jedoch kaum eines Blickes würdigte.
Michael schien so sehr in seinen Gedanken gefangen zu sein, dass er den Tumult, den sein Erscheinen mit sich brachte, gar nicht bemerkte. Auch bemerkte er nicht seine drei Erzengelbrüder, die nicht weit von ihm entfernt auf der Wiese saßen und das Treiben mit neugierigen Blicken beobachteten.
„Geht es nur mir so, oder wirkt Michael heute noch viel mürrischer als sonst?" fragte ein junger Gabriel und ihn schauderte es allein bei dem Anblick des mächtigen Erzengels, als er an ihnen vorbeischritt und ihm war, als könne er die Macht, die von ihm ausging, beinahe mit den Händen greifen.
„Wer weiß, welcher Engel ihm heute wieder die Federn aufgewühlt hat?"
„Luzifer, hör schon auf. Du weißt, dass Vater Michael in letzter Zeit sehr viele Aufgaben gegeben hat und selbst für unseren großen Bruder scheint das langsam zu viel zu werden."
„Das ist aber noch lange keine Ausrede dafür, dass er so ein mürrischer, alter Engel geworden ist. Raphael, du erinnerst dich doch sicher noch daran, wie er früher zu uns war, richtig? Da war er ein ganz anderer Engel."
„Die Zeiten ändern sich nun mal, Bruder."
Gabriel sah schweigend zwischen seinen beiden großen Brüdern hin und her und zog die Augenbrauen zusammen, als er das Gesagte verarbeitet hatte.
„Wartet mal, ihr beiden wollt mir doch nicht wirklich erzählen, dass Michael nicht schon immer so ein alter Griesgram gewesen ist?"
Luzifer drehte seinen Kopf zu seinem kleinen Bruder, schenkte ihm ein kleines Grinsen und zog ihn an seine Seite, als er seinen Arm um seine Schultern gelegt hatte.
„Du bist noch sehr jung, Gabe. Zu jung, um den wahren Michael kennengelernt zu haben, was eine Schande ist, denn er war wahrlich nicht immer so verklemmt und mürrisch, wie er es jetzt zu sein vorgibt."
„Es vorgibt? Was meinst du damit?"
„Ich meine damit, dass das, was du hier eben gesehen hast, nur eine Maske ist, die er sich über die Jahre aufgesetzt hat. Vater vertraut ihm in seiner Abwesenheit den gesamten Himmel an und da muss Michael mit strenger Hand alle Engel zusammenhalten. Das ist nicht einfach und über die Jahre hinweg, ist er durch all diese Aufgaben anders geworden. Früher hat er viel mit mir und auch mit Raphy herumgealbert, aber je mehr Engel Vater uns geschenkt hat, desto mehr Arbeit und Aufgaben haben wir bekommen und da Michael der Erstgeborene ist, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, jedem Engel das beizubringen, was auch er weiß und sie auszubilden. Ich denke, du kannst dir vorstellen, dass dies eine fast unmögliche Aufgabe ist, nicht wahr, Gabriel?"
„Dann verstehe ich nur nicht, wieso er uns nicht um Hilfe bittet?"
Als hätte Luzifer auf diese Frage gewartet, verzogen sich dessen Lippen zu einem breiten, schelmischen Grinsen und seine Augen richteten sich auf seinen großen Bruder, der schon fast außer Hörweite war. Aber auch nur fast…
„Das liegt daran, weil dieser MÜRRISCHE und STOISCHE Erzengel einfach viel zu STOLZ ist um UNS um Hilfe zu bitten! Ist es nicht so, Michi?" rief Luzifer dem älteren Erzengel hinterher und er hatte seine Stimme absichtlich erhoben, um sicher zu gehen, dass sein älterer Bruder ihn auch ganz sicher hörte.
Und das hatte er, denn der Ältere blieb abrupt stehen und Luzifer spürte, wie Gabriel neben ihm erschauerte, als sich die weiß/goldenen Federn an Michael's Flügeln aufstellten und er seinen Kopf langsam, mehr als langsam, zu ihnen drehte. Der Blick, den er seinen jüngeren Brüdern schenkte, war so kalt und hart, dass es selbst Luzifer kurz schauderte. Doch er wusste es besser, wusste um die Maske, die Michael sich Tag ein, Tag aus aufsetzte und auch wusste er, dass unter dieser harten Maske noch immer der liebevolle große Bruder von damals steckte. Man musste nur wissen, wie man diesen hervorlocken konnte.
„Luzifer! Was hast du getan!" flüsterte Gabriel ihm zu und allein anhand seiner Stimme konnte der Lichtbringer hören, wie groß die Angst in dem jüngsten der Erzengel war und diese Tatsache allein ließ sein Herz schmerzhaft krampfen. Gabriel war noch so jung, reichte ihm gerade mal bis zur Brust und er wusste, dass der junge Botenengel seine Geschwister bedingungslos liebte. Besonders der kleine Jungengel Castiel schien es ihm angetan zu haben. Ein kleines, schwarzhaariges Engelchen, welches ihr Vater ihnen erst vor kurzem geschenkt hatte. Gabriel kümmerte sich genauso liebevoll um ihn, wie sich auch Raphael und Luzifer um ihn gekümmert hatten. Nur bei Michael wurde es Gabriel ganz anders und Luzifer konnte es ihm gar nicht verübeln, denn Gabriel hatte nie diese liebevolle und verspielte Seite von Michael kennengelernt. Er kannte ihn nur als den strengen Engelsfürsten, der über seine Familie wachte, wie kein anderer Engel es tat.
Als Gott ihnen Gabriel geschenkt hatte, war aus Michael bereits ein stoischer, fast schon kaltherziger Krieger geworden und dem Morgenstern war es bis heute ein Rätsel, wieso der Himmel Krieger brauchte, wo sie doch allesamt im Paradies lebten. Er hatte Michael eines Tages nach dem Warum gefragt, doch der älteste Engel des Himmels hatte ihm nur mit kalter Stimme geantwortet, dass er alles tun würde, um seine Familie zu beschützen. Vor was, das konnte allerdings nicht einmal Michael selbst beantworten. Doch er hinterfragte so oder so nie einen Plan seines Vaters, fügte sich in sein Schicksal und tat wie ihm geheißen.
Ohne Wenn und Aber…
Luzifer's Gedanken wurden jäh unterbrochen, als Gabriel sich zu seiner Rechten bewegte. Sein Körper bebte und er klammerte sich an Luzifer's Arm fest und versteckte schnell sein Gesicht in dessen Schulter, als Michael sich umgedreht hatte und nun festen Schrittes auf sie zuschritt.
Aus dem Augenwinkel heraus konnte Luzifer sehen, dass es selbst Raphael unangenehm war und der Heiler des Himmels wandte den Blick ab, als Michael vor sie trat. Doch dessen strahlend blaue Augen waren nur auf Luzifer gerichtet und der Lichtbringer hatte das Gefühl, der Blick seines großen Bruders würde sich tief in seine Engelsseele brennen. Eine klare Warnung, den Bogen nicht zu überspannen und ihm mehr Respekt zu zollen. Doch tapfer hielt er dem Blick Stand, erdreistete sich sogar seinem älteren Bruder frech ins Gesicht zu grinsen und mit den Augenbrauen zu wackeln. Doch keine Regung zeigte sich auf Michael's Gesicht. Er sah ihn einfach nur eiskalt an, ehe er seinen Blick auf Gabriel richtete, der dabei stark zusammenfuhr und sich noch kleiner machte, als er es eh schon war und dabei versuchte, sich hinter Luzifer's schneeweißem Flügel zu verstecken.
Und als Luzifer ganz genau hinsah, meinte er nun doch eine Regung auf Michael's Gesicht sehen zu können. Bei Gabriel's Reaktion schien die Maske, die er trug, Risse zu bekommen und er wusste, dass Michael es insgeheim nur schwer ertragen konnte, wenn seine Brüder und Schwestern vor ihm Furcht hatten. Anscheinend drang diese Gewissheit nun endlich zu ihm durch, als er sich Gabriel ansah, der vor Angst zitterte und ihn nicht einmal anzusehen wagte. Doch kein Wort drang über seine Lippen. Er starrte ihn einfach nur an, ehe er seine Augen auf Raphael richtete und dann wieder auf Luzifer, diesen kurz finster anfunkelte, und sich dann wortlos umdrehte und von dannen schritt.
Erst dann entspannten sich Gabriel und Raphael wieder.
Luzifer blieb mit einem fragenden Blick zurück, als er seinem großen Bruder hinterhersah.
Er hatte deutlich die Veränderung in dessen Blick gesehen, als er sich Gabriel betrachtet hatte, der da zitternd neben ihm gesessen hatte und das allein reichte aus, damit der Lichtbringer mit Sicherheit wusste, dass da noch immer der sanfte Erzengel in Michael's Körper steckte, der er einst gewesen war. Man musste ihn nur herauskitzeln…
Und dann kam Luzifer eine Idee. Eine brillante Idee und seine eigenen Augen begannen in voller Vorfreude zu funkeln, als er sie auf Gabriel richtete, der sich immer noch an seinem Oberarm festgeklammert hatte.
„Beruhige dich, Gabe. Du musst vor Michael keine Angst haben."
Der junge Bote sah ihn entgeistert an, als diese Worte an seine Ohren gedrungen waren. Was redete Luzifer denn da bitte? Er hatte den eiskalten Blick des Himmelsfürsten doch gerade eben am eigenen Leibe zu spüren bekommen und da wollte er ihm jetzt allen Ernstes weißmachen, dass er keine Angst vor ihm zu haben brauchte?
„Hast du nicht seinen Blick gesehen?"
„Das habe ich, kleiner Bruder und noch viel mehr als das. Vertrau mir doch, wenn ich dir sage, dass du keine Angst vor ihm zu haben brauchst."
„D-das habe ich auch nicht. Das hatte ich nie…"
Aber natürlich nicht…
Der Schalk begann in den Augen des Lichtbringers zu funkeln und ein leises Schmunzeln schlich sich aus seiner Kehle. Selbst Raphael's Mundwinkel zuckten ein kleines Stückchen nach oben, als er der Konversation seiner beiden Brüder schweigsam beiwohnte.
„Wirklich große Worte für jemanden, der sich noch immer an meinen Arm klammert und der so aussieht, als würden ihm gleich sämtliche Federn ausfallen, wenn ich nur den Namen "Michael" in den Mund nehme!"
Beinahe sofort zierte eine zarte Röte Gabriel's Wangen und, peinlich berührt, wandte er das Gesicht von seinem großen Bruder ab und nuschelte sich etwas in den nicht vorhandenen Bart hinein.
„Tut mir Leid, was war das gerade?"
Der Botenengel hüllte sich weiterhin in Schweigen und hielt das Gesicht von ihm abgewandt, doch Luzifer meinte das immer breiter werdende Grinsen seines kleinen Bruders praktisch vor seinem inneren Auge sehen zu können. Er wirkte nicht mehr so angespannt wie noch vor wenigen Augenblicken und auch die anfängliche Angst schien verflogen zu sein, jetzt, wo Michael weg war. Doch das würde sich mit Sicherheit ändern, sobald der große Krieger des Himmels zurückkommen würde.
Doch auch das würde dauern, denn Luzifer kannte seinen Bruder am besten und wusste, dass er sich in sein persönliches Gemach zurückgezogen hatte um zu ruhen oder gar zu schlafen. Er hatte gesehen, wie erschöpft Michael war und das er dringend seine Ruhe benötigte und vielleicht war auch das der Grund, wieso er schon seit einigen Tagen so mürrisch war. Ihr Vater gab ihm einfach zu viele Aufgaben und bei Zeiten würde Luzifer mit Gott reden und ihn darum bitten, ihm selber einige von Michael's Aufgaben zu geben, damit er seinen großen Bruder etwas entlasten konnte.
Bevor es jedoch so weit war, galt es sich erst einmal um Gabriel zu kümmern, denn Luzifer ertrug es einfach nicht mehr, den jüngsten Erzengel jedes Mal zusammenzucken zu sehen, wann immer Michael auf der Bildfläche erschien. Es war höchste Zeit, dass er Michael's wahres Ich kennenlernte und er wusste auch schon ganz genau, wie er das bewerkstelligen konnte.
Erneut wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Diesmal von einem Quietschen und von einem kleinen Körper, der sich eng gegen seine Seite presste. Als er seinen Kopf drehte, sah er nur noch, wie Raphael grinsend seinen Finger wieder wegzog, den er eben in Gabriel's Seite gepiekst hatte.
„Es ist unhöflich, wenn du deinem älteren Bruder nicht antwortest, Gabriel. Haben wir dir das nicht beigebracht?" fragte Raphael mit einem neckenden Unterton in der Stimme, der nicht nur Gabriel kichern ließ, sondern auch Luzifer.
„Es sei ihm verziehen," feixte dieser mit einem frechen Schnippen gegen das Ohr des jungen Boten, der daraufhin noch lauter kicherte.
„Da du ja weiterhin behauptest keine Angst zu haben, habe ich da eine kleine Herausforderung für dich."
Seine Worte trafen genau ins Schwarze, denn Luzifer wusste, wie sehr Gabriel eine Herausforderung zu schätzen wusste und dass er es nie schaffte, sich einer zu wiedersetzen. Das neugierige Funkeln in seinen Augen sprach gerade Bände und brachte ihn nur wieder zum Grinsen.
„Was für eine Herausforderung?" fragte Gabriel ganz aufgeregt, als er sich vor Luzifer in den Schneidersitz setzte und ihm ungeduldig ins Gesicht blickte.
„Es ist eine Mutprobe."
Oh ja, jetzt war Gabriel's Neugierde erst Recht geweckt. Perfekt. Es lief bisher alles nach Plan.
„Eine Mutprobe? Was denn für eine?"
Mit einem unauffälligen Seitenblick sah er zu Raphael herüber, der selber fragend eine Augenbraue hochzog und ebenfalls gespannt an seinen Lippen hing, doch er versuchte sich nichts davon anmerken zu lassen. Was er natürlich nicht schaffte, denn Gottes zweitältester Engel bemerkte einfach alles. Doch um Raphael ging es hier heute nicht und so fokussierte er seine gesamte Aufmerksamkeit wieder auf den Jüngsten unter ihnen.
Er grinste, als er zu einer Antwort ansetzte, von der er wusste, dass sie Gabriel gleich vollkommen aus dem Konzept bringen würde.
„Jede Wette hast du nicht den Mut, dich in Michael's Zimmer zu schleichen während er schläft und mir eine Feder von seinem Flügel zu bringen."
Stille, bis...
„I-ich soll was?"
„Du hast mich schon verstanden."
„Bist du völlig verrückt geworden? Das mache ich nicht!"
Der Schalk funkelte nun so stark in seinen Augen, dass Luzifer das Gefühl hatte, diese würden schon regelrecht leuchten und er beugte sich nach vorne, um mit Gabriel auf Augenhöhe zu sein.
„Ha! Ich wusste doch, dass du zu feige bist und kneifen würdest! Von wegen du hast keine Angst, du kleiner Lügner!"
„D-das habe ich auch nicht!"
„Gabriel, Lügen ist eine Sünde. Das hat Vater uns allen doch beigebracht," mischte sich nun auch noch Raphael mit in das Gespräch ein und auch in seinen Augen funkelte der Schalk und ein kleines Grinsen zog an seinen Lippen, als er sah, wie sein jüngerer Bruder die Wangen aufblähte und ganz rot um die Nase wurde, ehe er seinen Blick von ihm abwandte und Luzifer wieder anfunkelte.
„Du kannst mich so finster anstarren wie du nur willst. Ändern wird es nichts. Es sei denn, du beweist uns, dass du kein kleiner Lügner bist und die Mutprobe annimmst."
„Na schön! Ich nehme sie an! Ihr beiden werdet es schon sehen! Ich habe keine Angst vor Michael!" knurrte Gabriel, als er aufstand und demonstrativ die Schultern straffte und die goldenen Flügel ausbreitete, um seinen Standpunkt noch zu untermauern.
„Na dann…Raphael und ich werden hier warten. Komm also besser nicht mit leeren Händen zu uns zurück~."
Die provokanten Worte waren der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, denn Gabriel drehte sich mit einem „Ich werde es euch schon noch zeigen!" um und stapfte in dieselbe Richtung, in die auch Michael zuvor verschwunden war.
„Na, ob das so eine gute Idee war?" fragte Raphael und leichte Besorgnis schwang in seinem Blick mit, als er seinen großen Bruder fragend ansah, der jedoch nur noch breiter grinste.
„Keine Sorge. Ich kenne Michael von uns allen am besten. Er wird Gabriel nichts antun, sollte dieser ihn wecken."
„Dein Wort in Gottes Ohr, Bruder…"
Von der Konversation seiner beiden großen Brüder bekam Gabriel nichts mehr mit. Er hatte seine Schritte schon wieder etwas verlangsamt und auch seine anfängliche Wut über Luzifer's Provokationen ward wieder verflogen und hatte erneut der Angst Platz gemacht.
Oh, wieso nur hatte er sich auf diese dämliche Mutprobe eingelassen?
Das konnte doch alles nur in einem Desaster enden!
Michael war doch so schon genervt genug. Wenn er jetzt auch noch in dessen Zimmer gehen und ihm eine Feder aus dem Flügel rupfen würde, während er schlief…Gabriel mochte den Gedanken gar nicht erst zu Ende denken. Er würde sich nur die schrecklichsten Szenarien ausmalen und die ganze Sache abblasen. Doch damit würde er seinen beiden anderen Brüdern, vor allem Luzifer, nur in die Hände spielen und das wollte er nicht. Nein! Er wollte ihnen beweisen, dass auch er mutig war und keine Angst vor Michael hatte!
Er würde das schon irgendwie schaffen!
Doch als er letzten Endes vor der Tür stand, die in Michael's private Gemächer führte, rutschte ihm beinahe das Herz in die Hose und er begann schon zu zittern, obwohl er nicht mal den Türknauf berührt hatte. Doch er wollte nicht kneifen, nahm all seinen Mut zusammen und presste das Ohr gegen die hölzerne und reich verzierte Tür und lauschte in das Gemach hinein. Nicht ein Geräusch drang an seine Ohren und eine winzig kleine Hoffnung keimte in ihm auf.
Vielleicht war Michael gar nicht da?
Dann konnte er sich diese blöde Mutprobe schenken.
Doch so viel Glück hatte er nicht, denn als er die Tür vorsichtig einen Spalt breit öffnete und in den leicht abgedunkelten Raum blickte, sah er Michael auf seinem Bett liegen. Zumindest sah er seine Füße, da das Bett mit dem Fußende zur Tür stand und den Ansatz seiner weiß/goldenen Schwingen, die schlaff vom Bett hingen. Sie hoben sich sanft auf und ab, als der mächtige Kriegerengel langsam ein und ausatmete.
Vorsichtig steckte Gabriel den Kopf zur Tür hinein und suchte den Boden nach einer einzigen gefallenen Feder von Michael's Flügeln ab, doch natürlich hatte er nicht so viel Glück. Na großartig! Es half ja alles nichts. Er musste da nun durch. Eines wusste er schon jetzt mit Sicherheit: Wenn Luzifer ihm demnächst wieder eine Mutprobe vorschlagen würde, er würde sich bestimmt nicht noch einmal drauf einlassen! Obwohl…schlimmer als das hier konnte es ja eh nicht mehr werden…
So leise er konnte, schob er sich durch die halboffene Tür und schloss diese so leise wie möglich wieder hinter sich, da er nicht wollte, dass das hereinfallende Sonnenlicht Michael aufwecken würde, bevor er überhaupt in dessen Nähe war.
Auf leisen Sohlen schlich Gabriel sich durch den Raum und er kam nicht umhin, staunend zu den verschiedenen Waffen und Rüstungsteilen zu blicken, die an einer Wand des Zimmers zu sehen waren oder auf hölzernen Tischen lagen. Dort sah er reich verzierte Brustpanzer, prächtige Kriegerröcke, Umhänge, die an Rüstungen befestigt werden konnten, tödliche Waffen für den Kampf und ebenfalls reich verzierte Schilde für die Abwehr.
Doch sah er auch seidene Engelsroben, die in Weiß gehalten und mit goldenen Ornamenten verziert waren. Gewänder, die nur der Fürst der himmlischen Heerscharen tragen durfte und Gabriel fühlte sich davon so stark angezogen, dass er nicht anders konnte, als sich zu dem Platz zu schleichen, wo die Roben fein säuberlich zusammengefaltet lagen. Er ließ seine Fingerspitzen über den Stoff streichen und konnte kaum glauben, wie unglaublich weich er sich unter seinen Finger anfühlte. Seine eigenen Roben waren schon herrlich, aber die von Michael waren nicht nur herrlich, sondern auch prächtig!
Und doch waren sie ein so ungewohnter Anblick, denn wenn Gabriel so darüber nachdachte, hatte er Michael noch nie eine davon tragen sehen. Er war immer nur in Rüstung und Kriegerrock zu sehen, wann immer er seine Runden durch das Paradies drehte und dafür Sorge trug, das alles seinem gewohnten Ablauf folgte.
Als er sich jedoch wieder umdrehte und zu Michael spähte, sah er diesen nur staunend an, denn diesen Michael kannte er wahrlich nicht, denn jetzt trug er keine prächtige Kriegerrüstung mehr. Nein. Der Michael, der da vor ihm im Bett lag, sah gar nicht mehr so furchteinflößend aus. Er hatte seinen Kriegerrock und seinen Brustpanzer abgelegt und trug nun eine seiner seidenen Engelsroben. Er lag auf dem Bauch, hatte die Arme unter das Kopfkissen geschoben und Gabriel das Gesicht zugewandt, welches von seinen langen, goldenen Locken eingerahmt wurde. Seine Augen waren geschlossen und seine Brust hob und senkte sich langsam, zeugte davon, dass er friedlich und fest schlief. Doch das, was Gabriel am meisten überraschte, waren die sanften Gesichtszüge. Da war nichts mehr von dem stoischen und eiskalten Erzengel zu sehen, den Gabriel kannte. Es war, als würde hier ein ganz anderer Engel vor ihm liegen. Der junge Bote konnte seinen Blick kaum von diesem so sanft wirkenden Gesicht abwenden.
Doch dann erinnerte er sich wieder, weshalb er überhaupt hierhergekommen war. Er hatte hier immerhin noch eine Aufgabe zu erfüllen und er wollte diese schnell hinter sich bringen, denn so sanft Michael auch in seinem Schlummer wirkte, Gabriel wusste es besser und er wollte sich nicht mit seinem ältesten Bruder anlegen, wenn der erstmal aufwachen würde.
Er würde mit Sicherheit nicht sehr erfreut sein, ihn hier vorzufinden…
Dennoch wandte er den Blick nur wiederwillig von Michael's Gesicht ab und seine Augen suchten stattdessen nach dem ebenso prächtigem Flügel, der vom Bett herunterhing. Seine Flügel waren denen Luzifer's ähnlich, doch waren sie nicht von reinem Weiß. An der Basis der Flügel zog sich ein herrlicher Goldton entlang, der dem Erzengel beinahe schon etwas Königliches verlieh. Er war durch und durch schön.
Nur einer unter ihnen war noch schöner…
Doch Gabriel wollte seine Gedanken jetzt nicht daran verschwenden, welcher der schönste Engel des Himmels war. Nein. Er wollte jetzt einfach nur noch diese Mutprobe hinter sich bringen und vorsichtig streckte er seine Hand nach dem Flügel vor ihm aus. Dabei behielt er Michael's Gesicht immer im Blick, da er Angst hatte, er könne jeden Moment aufwachen. Und das wollte er auf gar keinen Fall, denn nur Gott allein wusste, was Michael ihm dann antun würde. Es würde mit Sicherheit nichts Gutes sein…
Doch sobald seine Finger die samtig weichen Federn nur ein bisschen streiften, war Gabriel's Konzentration dahin. Seine Augen wandten sich von Michael's Gesicht ab und richteten sich stattdessen auf dessen Flügel. Er konnte kaum glauben, wie weich sich diese Federn anfühlten und wie wunderschön sie aussahen. Er fuhr mit seinen Fingern ganz vorsichtig unter den weichen Flaum, ließ die Federn sanft und kitzelnd durch seine Finger gleiten und seine Augen leuchteten dabei vor schierer Entzückung.
Auch, wenn er wusste, dass es sich nicht geziemte ungefragt die Flügel eines Engels zu berühren, konnte er kaum damit aufhören die Federn immer wieder durch seine Finger gleiten zu lassen. Doch irgendwann besann er sich wieder seiner Aufgabe und bevor Michael wirklich noch wach werden würde, packte er sich eine kleine Feder an ihrem Kiel und zog daran. Erst vorsichtig, doch sie löste sich kein bisschen aus der empfindlichen Haut des Flügels, also zog Gabriel fester. So lange, bis sich die kleine Feder endlich aus der Haut löste.
Die Reaktion kam sofort, denn der Flügel zuckte von seiner Hand weg, richtete sich nach oben und eine dunkle Aura erfüllte auf einmal den gesamten Raum.
Gabriel konnte spüren, wie sich seine Nackenhaare und auch die Federn seiner Flügel aufstellten und er wagte es kaum sich zu rühren, geschweige denn den Kopf zu drehen und zu Michael's Gesicht zu sehen. Doch eine unsichtbare Macht zwang ihn regelrecht dazu und was er sah, gefiel ihm ganz und gar nicht.
Der älteste Erzengel war wach, lag noch immer in seinen seidenen Laken, doch seine blauen Augen schienen sich regelrecht in Gabriel's eigene Augen zu brennen. Der sanfte Ausdruck auf Michael's Gesicht war verschwunden und hatte seinem eiskalten Ausdruck Platz gemacht, mit dem Gabriel viel zu sehr vertraut war. Langsam, mehr als langsam, setzte sich Gottes ältester Engel in seinem Bett auf und breitete die Schwingen zu ihrer vollen Spannweite aus, um noch bedrohlicher zu wirken, als er es eh schon war.
Gabriel schluckte trocken herunter und er hatte das Gefühl, immer kleiner zu werden, zuckte unter dem strengen Blick des Engelsfürsten zusammen und wimmerte leise.
„E-es ist nicht das, wonach es aussieht. Wirklich…" stammelte er vor sich hin, suchte verzweifelt nach einer Ausrede…irgendwas, mit dem er sich noch retten konnte. Doch tief in seinem Herzen wusste er, dass er den größten Fehler seines Lebens begangen hatte und bevor der junge Bote auch nur den Hauch einer Chance bekam zu fliehen, hatte Michael sich auch schon nach vorne gebeugt und seine Arme nach ihm ausgestreckt, um ihn sich zu packen…
Etwas weiter entfernt von den Gemächern des Himmelsfürsten, horchten Raphael und Luzifer auf, als ein lauter, spitzer Schrei die Luft erfüllte, gefolgt von einem „Luzi! Raphy! HILFE!" der bis zu ihnen durchdrang.
Raphael war sofort auf den Beinen und wollte schon losrennen, doch Luzifer war schneller, packte mit einer Hand den Saum seiner langen Engelsrobe und zog ihn wieder zu sich herunter und in eine sitzende Position.
„Aber Luzifer, hörst du denn nicht Gabriel's Schreie? Wir müssen zu ihm und ihm helfen! Deine Mutprobe ist nach hinten losgegangen, soll er nun deswegen leiden?"
„Beruhige dich, Raphy. Unserem kleinen Bruder passiert nichts Schlimmes. Hör genauer hin, dann verstehst du meine Worte," antwortete der Lichtbringer mit einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen und einem schelmischen Funkeln in den Augen.
Raphael zog fragend seine Augenbraue hoch, ehe er lauschte und tatsächlich mischte sich unter Gabriel's anfängliche Schreie ein ganz anderes Geräusch. Es klang fast danach als würde er…lachen?
„Was im Namen unseres Vaters geht dort vor sich? Wieso lacht Gabriel?" fragte er und dabei warf er Luzifer neben sich skeptische Blicke zu. Doch der Sohn der Morgenröte grinste ihn nur weiterhin an, lehnte sich an den Baumstamm in seinem Rücken und verschränkte die Arme hinter seinem Kopf.
„Habe ich dir nicht gesagt, dass Michael ihm nichts Schlimmes antun würde? Er kann noch so eiskalt tun wie er will, aber bei seinen kleinen Geschwistern wird unser ach so kalter Krieger ganz weich. Du müsstest das doch am besten wissen, Raphy~."
Oh ja. Jetzt, wo Luzifer das erwähnte, kamen längst vergangene Erinnerungen zu Raphael zurück, die ihn selber grinsen ließen und gleichzeitig trieb es ihm vor Verlegenheit die Schamesröte auf die Wangen, als sich Bilder in seinen Kopf schlichen, die er meinte längst vergessen zu haben.
„Sollten wir ihm nicht trotzdem helfen? Nicht, dass Michael es übertreibt?"
„Mach dir keine Sorgen. Das wird er nicht. Er weiß, wann es genug ist. Hab Vertrauen in ihn…"
Eine Tatsache, die Gabriel mit großer Sicherheit auch gerne gewusst hätte, doch davon hatte der jüngste der vier Erzengelbrüder keine Ahnung und ihm fiel es in diesem Moment so oder so schwer überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen, denn er hatte hier gerade mit einem Problem zu kämpfen, aus dem er ohne Hilfe nicht wieder herauskommen würde.
Nachdem Michael ihn sich gepackt hatte, hatte er ihn auf sein Bett geworfen und sobald er ihn attackiert hatte, war für Gabriel sämtliche Hoffnung verloren gegangen, noch irgendwie heil aus dieser ganzen Sache herauszukommen.
Und hier lag er nun, in Michael's seidenen Laken und Kissen und wand sich lachend hin und her, während die Hände seines großen Bruders ihn kitzelnd attackierten. Hier krabbelten seine Finger flink über seinen Bauch, dort drückten sie sich in seine Seiten, tippelten neckisch über die unter dem seidenen Stoff seiner Engelsrobe versteckten Rippen oder versuchten sich unter seine Arme zu schieben, die Gabriel eng gegen seinen Körper presste, in der Hoffnung, sich irgendwie schützen zu können und dabei kläglich scheiterte.
„Michael, bitte!" presste er zwischen seinen Lachanfällen hervor und verzweifelt schlug er nach den Händen, die so schnell seine kitzeligen Stellen wechselten, dass er sich überhaupt nicht mehr koordinieren konnte und immer wieder ins Leere griff und sich dabei immer mehr in seinem süßen Lachanfall verlor.
Es war nicht die erste Kitzelattacke, die hier auf ihn niederregnete. Ganz bestimmt nicht, doch war es die erste Kitzelattacke, die er von Michael bekam. Sonst war es immer Luzifer, der ihn sich an Tagen schnappte, wann immer es Gabriel schlecht ging und dann dafür sorgte, dass sein kleines Brüderchen für eine lange Zeit nicht mehr aufhören konnte zu lachen. Luzifer's Kitzelattacken waren auch oft mit spielerischen Rangeleien verbunden und der Lichtbringer ging nicht gerade zimperlich mit seinem Brüderchen um, doch Gabriel würde lügen, würde er sagen, er würde diese spielerischen Raufereien mit seinem großen Bruder nicht mögen.
Auch Raphael hatte ihm hier und dort schon mal eine kleine Kitzelattacke verpasst, die aber nie lange anhielt, denn der Heiler hatte immer bedenken, es zu übertreiben. Er war immer sanft und meistens neckte er ihn, wenn Gabriel wieder zu einer seiner Untersuchungen musste, denn Raphael nahm dies sehr ernst.
Doch eines hatten die beiden Erzengel gemeinsam: Während sie ihn kitzelten, neckten sie ihn verbal. So sehr, dass dem jungen Gottesboten binnen weniger Sekunden die Schamesröte ins Gesicht stieg und er sich unfreiwillig immer mehr in seinen Lachanfall hineinsteigerte.
Michael war auch da anders, denn der hüllte sich in eisernes Schweigen.
Wann immer Gabriel es schaffte, eines seiner Augen zu öffnen und seinem Bruder ins Gesicht blickte, ließ ihn dessen Anblick nur noch lauter lachen.
Michael trug einen Ausdruck auf seinem Gesicht, welchen Gabriel noch nie zuvor gesehen hatte. Wo sonst immer nur der kalte Ausdruck eines Kriegerengels Platz fand, hatte sich nun ein kleines, spitzbübisches Lächeln ausgebreitet. Und seine Augen…in ihnen funkelte etwas Verschmitztes und so viel brüderliche Liebe zugleich. Und es war dieser Gesichtsausdruck, der ausreichte, um Gabriel die Lachtränen in die Augen zu treiben. Und das, obwohl Michael ihn nur sanft kitzelte. Es war der schiere Gedanke an diese alberne Situation und die Erleichterung, dass der mächtige Erzengel nicht sauer auf ihn war, dass er es gewagt hatte ihn zu wecken und ihm noch dazu eine Feder aus seinem Flügel zu reißen, der Gabriel vor Erleichterung und Spaß zugleich lachen ließ.
„N-nein, nicht! AHHH! Bitte nicht da! Michael, hör auf damihihihit!"
Als die kitzelnden Finger sich nur noch auf seinen Bauch konzentrierten, krümmte sich der junge Erzengel vor Lachen in den seidenen Laken und drückte seinen Kopf tief in das weiche Kissen, während er vor Vergnügen anfing zu quietschen. Seine Hände schnellten zu denen seines großen Bruders, versuchten sie von seinem Bauch zu drücken, doch er schaffte es nicht, war zu schwach und er konnte nur noch da liegen, mit den Beinen wild herumstrampeln und lachen, lachen, lachen…
Und noch immer verließ nicht ein Wort die Lippen des ältesten Erzengels. Er kniete schweigsam über ihm, noch immer mit diesem spitzbübischen Gesichtsausdruck, während er ihn nicht eine Sekunde aus den Augen ließ und ihn munter weiterkitzelte, so, als wartete er auf ein bestimmtes Wort, welches seinen Weg noch immer nicht aus Gabriel's Mund gefunden hatte.
Der junge Bote versuchte ein letztes Mal sich selbst zu retten, indem er sich auf die Seite rollte und versuchte, über die Kante des Bettes zu rollen, doch bevor er dies schaffte, waren da sofort zwei starke Arme, die sich um seine Mitte wanden und ihn anhoben, was ihm wieder ein lautes Quietschen entlockte, ehe er zurück in die Laken geworfen wurde. Sofort waren die Hände wieder da, die nun seinen gesamten Körper attackierten. Die Finger krabbelten in seinen Kniekehlen, drückten die Knie auf der Oberseite, was Gabriel vor Lachen brüllen ließ, jagten seinen Füßen hinterher, die er ihnen aber immer wieder entzog, ehe sie weiter nach oben wanderten. Doch immer blieben sie sanft und Michael hielt sein kleines Brüderchen immer genau im Auge, um sicherzugehen, dass er es nicht übertrieb und das Gabriel noch immer Spaß an dem Ganzen hatte.
Und wie er das hatte!
Wie ein Würmchen wand er sich vor purem Vergnügen unter der Kitzelattacke hin und her, schlang seine Arme um seine Brust und ließ es nun einfach geschehen, denn er wusste, dass es kein Entkommen für ihn gab.
Sein Lachanfall steigerte sich sogar noch etwas mehr, als die Hände von seinen Beinen neckend bis nach oben zu seinem Gesicht tippelten und kurz spielerisch in seine Nase kniffen.
Doch auch weiterhin machte Michael keinerlei Anstalten aufzuhören, oder das Wort an ihn zu richten. Er sah ihn nur mit diesem Funkeln in den Augen an, so, als wartete er noch immer auf etwas ganz Bestimmtes.
Und dieses Etwas bekam er dann auch, als er anfing, an dem oberen Teil von Gabriel's seidener Robe zu nesteln. Sobald er dessen Bauch freigelegt hatte, waren Gabriel's Hände da, die seine wegzudrücken versuchten und ein lautes „Nein, nicht das! Bitte, alles nur das nicht! MICHIIIII, HÖR AUF!" durchschnitt die Luft und dann, endlich, zeigte Michael eine Reaktion.
Eine Reaktion, die Gabriel so noch nie zuvor bei ihm gesehen oder gehört hatte und er war sich sicher, dass es sehr vielen Engeln genauso ergehen würde, denn der große Krieger des Himmels warf den Kopf in den Nacken und lachte; laut und voll purer Belustigung. Und endlich kamen seine Finger zum Stillstand und Gabriel ließ sich, völlig erschöpft, zurückfallen und atmete erst einmal tief durch. Dabei behielt er seinen großen Bruder immer im Blick und er konnte gar nicht glauben, was er da sah. Da war nichts mehr von dem eiskalten, stoischen Krieger vom Morgen zu sehen. Es war, als sei die Maske gefallen, die Michael sich jeden Tag aufsetzte und gab den großen, liebevollen Bruder frei, den Gott geschaffen hatte.
Anscheinend hatte Luzifer mit seinen Worten Recht behalten…
Michael's Lachen klang tief und melodisch zugleich, ließ eine Wärme in Gabriel's Brust entstehen, wie er sie sonst nur bei Raphael oder Luzifer spürte, wann immer er mit diesen beiden herumalberte oder einfach nur Zeit mit ihnen verbrachte. Dieses Gefühl hatte er bei Michael noch nie gehabt…bis zu diesem Moment und er spürte, wie bei dem Klang seines Lachens auch das letzte Bisschen Furcht aus seinem Herzen schwand.
Dennoch kam er nicht umhin, ein Kribbeln in seinem Bauch zu spüren, als Michael den Blick wieder auf ihn richtete, ihn breit angrinste und sich dann zu ihm herunterbeugte. Er stützte seine Ellenbogen neben Gabriel's Kopf auf der Matratze des Bettes ab, bettete seinen eigenen Kopf auf seine Hände und sah seinem kleinen Bruder direkt ins Gesicht. Ein paar blonde Locken fielen ihm von den Schultern, kitzelten den jungen Boten in seinem Gesicht, was diesen wieder zum Kichern brachte und Michael's Augen leuchteten vor purem Entzücken der lieblichen Klänge wegen.
„Es ist schön, dich in meiner Gegenwart Lachen zu sehen," kam es dem mächtigen Krieger über die Lippen, die er nun zu einem sanftmütigen Lächeln verzogen hatte und er strich sich die Haare nach hinten, damit diese nicht weiter im Gesicht seines Brüderchens hingen.
Gabriel kicherte noch immer und wischte sich eine kleine Träne aus dem Augenwinkel, ehe er seine goldenen Augen zurück auf seinen großen Bruder richtete. Sein Herz machte beinahe Luftsprünge, als er dieses sanfte Lächeln auf dem sonst so harten Gesicht erblickte und er kam nicht umhin, vor Verlegenheit zu erröten und schnell versteckte er sein Gesicht hinter seinen Händen.
„Aber, aber. Es gibt keinen Grund dieses niedliche Lächeln vor mir zu verstecken," säuselte der ältere Erzengel und mit einer Hand versuchte er die Hände von Gabriel's Gesicht zu ziehen, was dieser mit einem süßen Quietschen kommentierte und er fing erneut an, unter Michael zu zappeln und zu kichern.
„Beruhige dich. Ich will dich nicht kitzeln. Ich will nur mit dir reden."
Und tatsächlich beruhigte sich der Jüngere wieder, als er merkte, dass Michael zu seinem Wort stand. Er erlaubte ihm sogar, seine Hände sanft von seinem Gesicht zu ziehen und ihm eine weitere kleine Lachträne aus dem Auge zu wischen, ehe der Ältere sein Gesicht wieder mit beiden Händen abstützte und ihn anlächelte.
„Na siehst du? So schlimm bin ich doch gar nicht, oder, Gabriel?"
Fast sofort war die Schamesröte zurück auf seinen Wangen und Gabriel wandte das Gesicht, peinlich berührt, von seinem großen Bruder ab und starrte stattdessen gegen die Wand.
„Tut mir Leid…" murmelte er leise vor sich hin.
Sein Kopf wurde sanft zurückgedreht, sodass er den Älteren wieder ansehen musste.
„Da gibt es nichts zu entschuldigen," antwortete dieser, erneut mit diesem sanften Lächeln auf den Lippen.
„Nur bitte denke von mir nicht, dass ich ein Monster bin. Denn das bin ich wahrlich nicht. Ich bin vielleicht strenger, als die anderen Erzengel. Aber ich bin kein Monster."
„D-das habe ich nie behauptet, Michael."
„Und doch sehe ich jeden Tag deine ängstlichen Blicke, wenn ich an dir vorbeigehe und du wagst es ja kaum mich dabei anzusehen. Warum, Gabriel? Wirke ich denn auf dich wirklich so furchteinflößend?"
„Die anderen haben auch Angst vor dir. Vor allem die jüngsten Engel unter ihnen…" murmelte der Jüngere und beinahe sofort weiteten sich seine Augen, als er sich seiner Worte bewusst wurde und geschockt sah er seinen Bruder an und rechnete jede Sekunde damit, dass dieser nun zornig auf ihn werden würde.
Doch nichts dergleichen geschah.
Der sanfte Gesichtsausdruck blieb bestehen, mischte sich mit etwas Spitzbübischen, als Michael's Lippen sich zu einem kleinen, schelmischen Grinsen verzogen.
„Haben sie das, ja? Bist du dir da auch ganz sicher, kleiner Bruder?"
Der neckende Unterton in Michael's Stimme ließ Gabriel's Bauch erneut Purzelbäume schlagen und seine Neugierde war definitiv geweckt.
Als er sich die Worte noch einmal durch den Kopf gehen ließ, fiel ihm auf, dass die jungen Engel zwar immer ihr Heil in der Flucht suchten, wann immer sie Michael erblickten, doch wenn er genauer darüber nachdachte, hatte er nie echte Panik auf ihren Gesichtern gesehen. Es war etwas ganz anderes, das er auf ihren Gesichtern gesehen hatte. Er ging sogar so weit zu behaupten, dass einige sogar gelacht hatten, als sie vor Michael geflohen waren. Und er konnte sich auch an das eine Mal erinnern, wo er den Mut gehabt hatte, seinen großen Bruder anzusehen, als der an ihm vorüberschritt. Als die Jungengel vor ihm davongerannt waren, meinte Gabriel, den gleichen Ausdruck auf dem Gesicht des Kriegers gesehen zu haben, den er jetzt gerade auf dem Gesicht trug. Da war nichts Gefährliches oder gar Aggressives zu sehen gewesen. Nur das spitzbübische Grinsen eines großen Bruders, der innerlich schon den nächsten Schabernack zu planen schien.
Und vielleicht tat er dies auch jetzt gerade…
Ein Gedanke, der Gabriel selber breit grinsen ließ und in weiser Voraussicht, schlang er seine Arme um seinen Bauch, was Michael belustigt schmunzeln ließ.
Der beugte seinen Kopf soweit nach unten, dass er Gabriel's Nase mit der seinen berühren konnte und er konnte sich gar nicht an diesen niedlichen Reaktionen satt sehen, die darauf folgten. Reaktionen, die er so bisher noch nie von Gabriel bekommen hatte und sie gefielen ihm so viel besser, als die angsterfüllten Blicke, die er all die Jahre von ihm bekommen hatte.
„Sie sind nicht vor mir geflohen, weil sie Angst vor mir hatten. Sie sind vor mir geflohen, weil sie wissen was passiert, wenn ich mir ein kleines, süßes Engelchen schnappe. Und sieh sich einer das an: Hier liegt schon ein süßes, kleines Engelchen direkt vor mir~," säuselte Michael und dabei kitzelte er Gabriel's Nase mit der seinen, was seinen Bruder noch lauter kichern ließ. Besonders dann, als er sich dessen Handgelenke packte und seine Arme ganz langsam von seinem Bauch zog und sie neben seinem Kopf in die Laken drückte und dort festhielt.
„Und weißt du, was ich mit süßen, kleinen Engelchen mache? Besonders mit den frechen Engelchen, die sich erdreisten, sich in mein Gemach zu schleichen, während ich schlafe und mir dann auch noch eine Feder aus dem Flügel zupfen?"
Mit jedem gesprochenen Wort, versuchte Gabriel sich tiefer in Michael's Kopfkissen zu drücken und sein Grinsen war gerade dabei, sein Gesicht in zwei Hälften zu zerteilen. Das Kribbeln in seinem Bauch nahm überhand, dass es ihn zum Kichern brachte. So sehr, dass sogar seine goldenen Flügelchen zitterten. Er wusste, wie es enden würde, würde er den Kopf schütteln und er wusste, wie es enden würde, würde er sich in Schweigen hüllen. Wie er es drehte und wendete, aber sein großer Bruder hatte ihn genau dort, wo er ihn haben wollte. Es gab kein Entkommen und Gabriel würde lügen, würde er behaupten, er hätte keinen Spaß daran. Mit Michael zu spielen war so anders, als wie mit Luzifer oder Raphael zu spielen. Michael war sanft und neckisch, strahlte jedoch eine Autorität aus, die Gabriel leicht schaudern ließ und dennoch wollte er jetzt nirgendwo anders sein, als hier.
Auch dann nicht, als er es wagte den Kopf zu schütteln und so Michael's Frage zu verneinen, der dies als eine Art Startschuss für die zweite Runde ansah, denn der grinste, wackelte mit den Augenbrauen und beugte dann seinen Kopf ganz langsam nach unten und steuerte die kleine Stelle Haut an, die unter Gabriel's Robe hervorlugte.
„Nun Gabriel, wenn du es nicht weißt, dann lass es mich dir zeigen…"
Mehr sprach der Kriegerengel nicht, bevor er sein Gesicht knurrend in Gabriel's Bauch drückte und den Kopf schüttelte.
Ein spitzer Schrei durchschnitt die Luft in seinem Gemach, ließ ihn grinsen und spielerisch knabberte er an der Haut unter seinen Lippen, ließ seine Nase sanft kitzelnd über sie fahren und knurrte dabei wie ein Raubtier, während sein kleiner Bruder sich unter ihm wie ein Würmchen wand und sich dabei die Engelsseele aus dem Leibe lachte, da er das anscheinend gar nicht aushalten konnte.
Und dennoch spürte Michael, dass Gabriel immer noch Spaß hatte, denn sein jüngerer Bruder wehrte sich kaum dagegen, zupfte nur halbherzig an seinen Händen und lachte so laut und unbeschwert, wie er es schon lange nicht mehr von einem der jüngeren Engel gehört hatte. Es war, als fiele eine riesige Last von seinem Brüderchen ab und vielleicht war dem auch wirklich so, denn Michael hatte noch immer die ängstlichen Blicke vor Augen, die Gabriel ihm all die Jahre zugeworfen hatte. Es war höchste Zeit dieser Angst ein Ende zu setzen und genau das tat er hier gerade und wie es aussah, funktionierte es hervorragend.
Er kam nicht umhin gegen die Haut unter seinen Lippen zu grinsen, als Gabriel anfing zwischen seinen Lachanfällen zu quietschen und er presste gleich noch mehr kitzelige Küsschen gegen die Haut und bedeckte die ganze Bauchoberfläche damit. Zeitgleich ließ er Gabriel's Hände los, schlang seine eigenen Arme um den Körper des jungen Erzengels und machte ungehindert weiter. Er störte sich nicht mal an den Fingern, die ihm nun in die goldenen Haare griffen oder versuchten, seinen Kopf wegzuschieben. Er machte einfach weiter, verteile weitere kitzelige Küsschen auf Gabriel's Bauch und lachte selber leise, als der Körper unter ihm stark zusammenzuckte und die Finger an seinen Haaren zogen, als er einen kleinen, neckischen Kuss auf den Bauchnabel drückte. Er tat es noch einmal und abermals zuckte der Körper unter sich zusammen und ein süßes Quietschen erfüllte die Luft.
„Nein, nein, nein! Michi, bitte nihihihicht dahaha! Lahahahas dahahahas!" protestierte Gabriel zwischen seinen Lachanfällen und er versuchte sich von den Lippen wegzukrümmen, die seinem Bauchnabel hinterherjagten und einen Kuss nach dem anderen darauf pressten.
Die ganze Situation erinnerte ihn daran, wie Luzifer ihn mal gekitzelt hatte. Es war fast identisch mit ihm. Nun, dass beantwortete jetzt auch seine Frage, wo oder eher von wem Luzifer all das gelernt haben mochte. Jetzt wusste er es…
Noch einmal stemmte er sich gegen Michael, eine Hand auf dessen Schulter und die andere griff ihm in den Flügel.
Nur Sekunden später, war es Michael's eigener Körper, der stark zusammenzuckte und augenblicklich hörte die Kitzelattacke auf und Gabriel ließ sich, immer noch kichernd, zurück in die Kissen fallen.
Er konnte die dunkle Aura praktisch spüren, die sich abermals im Raum ausbreitete und er spürte, wie sich die Federn seiner Flügel aufstellten, als Michael sich von seinem Bauch zurückzog, sich etwas aufrichtete und ihn streng ansah. Und Gabriel hätte es ihm geglaubt, dass er nun wirklich sauer auf ihn war, wäre da nicht dieses verspielte Funkeln in diesen blauen Augen, welches Michael verriet.
Seine Augen richteten sich auf das, was Gabriel nun in seiner Hand hielt und ein tiefes Grollen entstieg seiner Kehle.
„Das war wirklich nicht sehr nett, kleiner Bruder," knurrte er gespielt böse, doch innerlich musste er stark an sich halten, um die Maskerade aufrecht zu erhalten, denn Gabriel's niedliches Kichern wirkte ansteckend.
„E-es tut mir leid, Michi, wirklich," versuchte sich der junge Bote noch zu retten und egal, wie sehr er es auch versuchte, er konnte einfach nicht mehr aufhören zu kichern.
„Ach ja? Tut es das wirklich? Mir kommt es eher so vor, als würdest du das auch noch lustig finden."
„Nein, nein, das finde ich nicht lustihihihg."
„Aber natürlich nicht. Deswegen kringelst du dich ja auch nur vor Lachen. Also wirklich, Gabriel. Es ist eine Sache, wenn du dich in mein Gemach schleichst und mir eine Feder herausreißt, aber das Ganze nochmal machen? Und dann so viele auf einmal? Wie viele hast du da überhaupt?"
„Ich weiß nihihihicht."
Michael konnte nicht anders. Seine Lippen verzogen sich zu einem kleinen Grinsen, welches er einfach nicht mehr zurückhalten konnte, als er seine Hand zu Gabriel ausstreckte und ihm somit bedeutete, ihm die Federn auszuhändigen, die er ihm eben im Eifer des Gefechts aus dem rechten Flügel gerissen hatte.
Der junge Erzengel tat wie ihm geheißen und schlang daraufhin schützend die Arme um den Oberkörper, als Michael die kleinen Flaumfedern durchzählte, die er nun in seiner Hand hielt.
„Sieben an der Zahl. Welch Unverfrorenheit!"
Langsam, ganz langsam, beugte Michael sich zum Gesicht seines kleinen Bruders herunter, bis sich ihre Nasenspitzen wieder berührten, was den Jungenegel noch lauter kichern ließ und er drehte den Kopf von ihm weg. Etwas, was der Ältere sofort zu seinem Vorteil nutzte, denn der presste sein Gesicht sofort in die nun entblößte Halsbeuge und schüttelte knurrend seinen Kopf, bevor er seine Lippen gegen Gabriel's Ohr presste, was diesen wieder lachen ließ.
Kitzelige Ohren, Wie niedlich…
Michael grinste, bevor er zu sprechen begann und als er das tat, ließ er die Federn in seiner Hand vorsichtig zu Boden rieseln.
„Ich kann mir schon vorstellen, wer dich dazu angestiftet hat. Du brauchst mir nichts vorzumachen, Gabriel. Es gibt nur einen Engel im ganzen Himmel, der so etwas machen würde und glaube mir eines, kleiner Bruder, er wird hier später an deiner Stelle liegen. Aber erstmal bist du an der Reihe. Diese Federn gebe ich dir, aber nicht umsonst. Ich denke, du kennst den Preis dafür…"
Jedes gesprochene Wort kitzelte an seinem Ohr und bald schon lag der junge Botenengel wieder lachend unter seinem großen Bruder, der aus dem Grinsen gar nicht mehr rauskam. So viel Spaß hatte er schon viel zu lange nicht mehr gehabt und er wollte es unbedingt noch etwas hinauszögern.
Langsam rutschte er an Gabriel's Körper herunter, bis sein Gesicht wieder auf Augenhöhe mit seinem Bauch war. Als er die Robe noch weiter nach oben schob, waren da sofort wieder Gabriel's Hände, die er sich schnell packte, denn er wollte nicht noch mehr Federn verlieren. Sanft presste er diese in die Laken, machte es sich bequem und grinste dem Jungenegel noch einmal ins Gesicht.
„Sieben Federn. Also sieben Mal…DAS!"
Und Gabriel fuhr beinahe aus seiner Haut, als er den Kopf zurückwarf und vor Lachen brüllte, als sich die weichen Lippen seines großen Bruder gegen seinen Bauchnabel drückten, dieser tief Luft holte und dann so kräftig pustete, wie er nur konnte.
Sein Lachen ging nach dem dritten Mal bereits ins Hysterische über und er versuchte nun mit aller Kraft sich zu befreien, strampelte wild mit den Beinen, dass das Bett binnen Sekunden ganz wüst aussah, warf den Kopf hin und her und schlug wild mit den Flügeln auf und ab. Doch sein Bruder ließ sich nicht erbarmen, machte gnadenlos weiter, sofern er es schaffte, denn er musste selber lachen und es fiel ihm zusehends schwerer gegen den Bauch des jungen Engels zu pusten.
Die letzten vier Male pustete Michael ihm einmal gegen die Seite, als Gabriel sich vor Lachen krümmte, gegen die Rippen, unter den Arm und den letzten gegen seinen Hals, was ihn so laut kreischen ließ, dass selbst Michael's Ohren davon klingelten. Erst dann hörte er auf und er lachte seinem Brüderchen belustigt ins Gesicht.
„Komm her, du kleiner Frechdachs!" knurrte er spielerisch, als er seine Arme unter Gabriel's Rücken schob und den immer noch lachenden Boten anhob.
Laut lachend ließ Michael sich auf den Rücken fallen, presste Gabriel dabei gegen seine Brust und hielt ihn fest in seinen Armen, so, als wolle er sicher gehen, dass keine Macht der Welt ihn von sich reißen konnte.
Es dauerte lange, bis sich die beiden wieder einbekommen hatten und am Ende war es nicht nur Gabriel, der Lachtränchen in den Augen hatte. Michael erging es nicht besser und als endlich wieder Ruhe eingekehrt war und er sich gerade die Tränen aus den Augenwinkeln wischte, schlang Gabriel seine Arme um ihn und presste sein Gesicht in den seidenen Stoff seines Gewandes.
„Ich hab dich lieb, Michael…" murmelte er so leise, dass man es kaum hören konnte. Doch Michael hatte die Worte gehört und sie ließen ihn eine Wärme in seinem Herzen spüren, wie er sie schon sehr lange nicht mehr verspürt hatte. Und in diesem Moment wurde ihm auch bewusst, wie sehr er es vermisst hatte, mit seinen Geschwistern herumzualbern oder einfach nur Zeit mit ihnen zu verbringen.
Und als er so dort lag und seine Flügel sanft um den Körper Gabriel's legte und diesem einen sanften Kuss gegen die Schläfe hauchte, hätte er zufriedener nicht sein können und heimlich schickte er ein Gebet zu seinem Vater und bat ihn darum, dass dieser Moment ewig währte, denn er wollte nicht, dass er jemals wieder aufhören würde.
„Ich habe dich auch lieb, Gabriel und daran wird sich auch niemals etwas ändern. Bitte, vergiss das niemals…" flüsterte er dem jungen Botenengel zu, bevor sich seine Augen schlossen und er langsam wegdämmerte und Gabriel tat es ihm wenig später gleich.
Als Luzifer und Raphael wenig später die Tür zu Michael's Gemach öffneten und in den Raum spähten, kamen sie nicht umhin breit zu lächeln, als sie die beiden Erzengel dort auf dem Bett liegen sahen und wie sie friedlich schlummerten.
Luzifer schlich sich in den Raum hinein und legte die Decke über seine beiden Brüder und grinste, als er die Federn auf dem Boden sah, die davon zeugten, dass Gabriel tatsächlich den Mut gehabt hatte, seine Aufgabe zu erfüllen, die er am Ende nur als Schein für die ganze Situation gebraucht hatte. Sein Plan hatte anscheinend hervorragend funktioniert, wenn man bedachte, wie glücklich Gabriel gerade wirkte.
„Siehst du, Raphy? Ich habe dir doch gesagt, dass nichts Schlimmes passieren wird…" flüsterte er seinem kleinen Bruder entgegen, der an seine Seite getreten war und sich die Szene betrachtete.
Auch auf dem Gesicht des Heilers lag ein sanftes Lächeln, als er die beiden schlafenden Engel beobachtete.
„Wir sollten die beiden in Ruhe lassen. Gabriel scheint in sehr guten Händen zu sein."
Auch Luzifer lächelte der Worte wegen und seine Augen funkelten, als er das kleine lächeln auf Gabriel's Gesicht sah, welches der Botenengel in seine Richtung gedreht hatte, während er auf Michael's Brust lag und friedlich schlief.
„Das ist er Raphael. Das ist er…"
Ende
