VII.


Das Erste, was er hörte, als er wieder zu sich kam, als er auftauchte wie ein Schwimmer, der der rettenden Oberfläche, dem Sonnenlicht über sich zustrebte, war diese befehlsgewohnte Baritonstimme mit dem französischen Akzent, die irgendwo im Hintergrund scharf und missbilligend mit irgendjemanden sprach, die mit unüberhörbarer Autorität einen Untergebenen auszankte. Oder gleich mehrere Untergebene, wie sich gleich darauf herausstellte ...

„Wie konnten Sie das nur zulassen? Und wo zum Teufel war überhaupt Jim die ganze Zeit über? Ich bin so enttäuscht von Ihnen beiden!"

Eine weibliche Stimme, die unverkennbar zu Pitbull-Bridget gehörte, jammerte: „Ich kann wirklich nichts dafür, Sir. Er war so aufdringlich, er hat sich nicht abwimmeln lassen. Und dann kam Madame auch schon aus ihrem Zimmer heraus… Was hätte ich denn machen sollen? Ich konnte sie ja nicht einfach vor seinen Augen wieder reinschubsen und einschließen. Außerdem war es schon zu spät dafür."

Und ein anderer Mann (etwa Jim?) murmelte schuldbewusst in dem nuscheligen Dialekt eines Londoner Cockneys: „Tut mir echt verdammt Leid, Sir. Ich schwör's Ihnen: Ich bin nur ganz kurz raus, um mir was zum Spachteln zu holen. Bin nur zum Bäcker um die Ecke gelatscht. War nur 'n paar Minuten lang weg. Höchstens zehn, Sir!"

„Höchstens zehn Minuten, ja? Sogar wenn das wahr ist, hat das schon vollkommen ausgereicht, wie Sie sehen!", klang es schroff zurück. „Habe ich Ihnen nicht ausdrücklich gesagt, dass Sie Bridget niemals und unter gar keinen Umständen mit Madame alleine lassen dürfen? Sie kommt im Notfall nicht alleine klar, das wissen Sie doch, Jim."

„Aber 's war doch schon so spät, Sir, und ich hatte echt so 'nen Kohldampf...", winselte Jim.

„Das interessiert mich nicht! Sie hätten warten müssen, bis Dolly aus der Pause zurückkommt."

Jim schien einzusehen, dass die Füllung seines leeren Magens keine Priorität bei seinem Chef hatte (schon gar nicht, wenn Dolly gerade damit beschäftigt war, ihren Magen zu füllen oder sonst was zu tun!), und ruderte prompt zurück.

„Ja, Sir", brummelte er ergeben. „Wird nicht wieder vorkommen, Sir – ich schwör's Ihnen beim Gerippe meiner guten alten Granny, Sir!"

„Das will ich auch hoffen – und nicht nur wegen der Knochen Ihrer armen Großmutter! Nom de dieu ... Und ich dachte, ich könnte mich auf Sie verlassen. Aber wenn ich mich nicht um alles selber kümmere ..."

An diesem Punkt entschied Michael Fitzhubert, dass es an der Zeit war, endlich ein Lebenszeichen von sich zu geben. Er stieß einen brunnentiefen Seufzer aus …

Und als er es auch noch schaffte die Augen aufzuschlagen, sah er sozusagen direkt vor seiner Nase den Mann mit dem Menjou-Bart – wen auch sonst?

„Sie sind es also wirklich", sagte er heiser. „Irmas Mann."

Sein Gegenüber erwiderte mit einem leicht ironischen Unterton: „Wie schön, dass Sie nicht nur immer noch unter den Lebenden weilen, sondern sogar zu logischen Schlussfolgerungen in der Lage sind, mon ami."

Dann produzierte er eine winzig kleine Verbeugung (eigentlich war es nur ein Nicken!) und verkündete nicht ohne Grandezza: „Jean de la Motte-Marguery, à votre service ... ganz zu Ihren Diensten – schon wieder!"

Michael versuchte sich aufzurichten (er lag der Länge nach auf dem Sofa, auf dem er bereits vorhin gesessen hatte, allerdings jetzt mit einem Kissen unter seinem Kopf und einer Daunendecke über sich!), gab aber schnell auf, als er einen stechenden Schmerz in seiner Mitte fühlte. Er schleuderte alarmiert die Decke von sich und entdeckte, dass er halb nackt war. Sein Jackett, Hemd und Weste waren weg, dafür hatte er nun einen nicht sehr eindrucksvollen, aber immerhin fachmännisch angelegten Verband um seine Taille. Er sackte stumm wieder auf sein Kissen zurück, vorläufig zu überwältigt, zu schockiert, um seine Verletzung zu kommentieren.

„Keine Sorge", sagte Jean de la Motte trocken. "Sie haben nur einen Kratzer abbekommen. Ihr Gürtel hat das meiste abgefangen. Solides englisches Leder, eh? Ohne das hätte dieser Stich böse ausgehen können. Sie haben wirklich mehr Glück als Verstand."

Doch das Wort „Verstand" löste unwillkürlich den nächsten Schock in Michael aus ...

Und für einen schrecklichen Moment sah er wieder dieses wild verzerrte Gesicht vor sich… das Antlitz einer rasenden Mänade … eine Fratze, die kaum noch menschlich zu nennen war …

Und dann diese weiße, mit Gold und glitzernden Edelsteinen geschmückte Hand, die auf ihn zuschoss, ein anderes todbringendes Juwel zwischen diesen langen schlanken Fingern …

IRMA!

Sie hatte ihn attackiert! Sie hatte tatsächlich versucht, ihn zu …

Er konnte den Gedanken nicht einmal zu Ende denken. Und das war nicht alles, was sie getan hatte. Sie hatte noch viel mehr getan als nur das! Sie …

Nein! Es war undenkbar, unaussprechlich! Es war einfach zu grauenhaft …

Er starrte in das hochmütige aristokratische Korsarengesicht hinauf, das immer noch über ihn gebeugt war, und flüsterte: „Sie ist wahnsinnig … Komplett wahnsinnig!"

„Sie ist schizophren. Oder psychotisch. Oder wahnhaft paranoid. Oder was auch immer", sagte de la Motte nüchtern. „Diese Quacksalber haben hundert verschiedene Worte dafür, aber helfen kann ihr keiner.

Ich war mit ihr inzwischen bei jedem Seelenklempner hier in Frankreich, in Italien und in der Schweiz. Ich habe sie sogar zu diesem Doktor in Wien gebracht, der in letzter Zeit so viel von sich reden macht. Belle-mère ... meine Schwiegermutter … hat darauf bestanden, weil sie irgendwo aufgeschnappt hat, dass er gut sein soll. Der Mann war sozusagen ihre letzte Hoffnung, obwohl sie sich eigentlich schon mit allem abgefunden hatte, nachdem sie mit Irma schon vor Jahren halb Amerika abgeklappert hat.

Alles umsonst. Denn der einzige Punkt, in dem sich all diese Kurpfuscher einig sind, ist, dass es unheilbar ist und vielleicht sogar vererblich. Wir werden niemals Kinder haben, Irma und ich – das Risiko ist einfach zu groß…"

Seine Stimme versickerte. Er trat zwei Schritte zur Seite und sank auf denselben Lehnsessel, auf dem sich seine Frau kurz zuvor niedergelassen hatte, den Kopf gesenkt, die Augen niedergeschlagen.

Jetzt, da die breiten Schultern des Comtes ihm nicht mehr die Sicht versperrten, konnte Michael endlich auch Bridget sehen, die ihn natürlich sofort mit finsteren Blicken löcherte. Und neben ihr stand ein glatzköpfiger Kerl, der so groß war wie ein Kleiderschrank und aussah wie ein Preisboxer, den man eben frisch aus Whitechapel oder auch von irgendeinem x-beliebigen Themse-Dock importiert hatte. Seine muskelbepackten Arme und sein nicht weniger voluminöser Brustkasten sprengten beinahe seine gestreifte Dienerlivree und die stahlblauen Glubschaugen unter seiner niedrigen buckligen Stirn strömten fast genauso viel Feindseligkeit aus wie die seiner Kollegin. Offenbar empfand auch Jim die Anwesenheit dieses nur Unruhe stiftenden Besuchers als ausgesprochen lästig.

Michael löste sich mühsam von dem geballten Groll der versammelten dienstbaren Geister und wandte seine Aufmerksamkeit wieder ihrem gemeinsamem Arbeitgeber zu.

„Sie wissen es also! Sie wissen ganz genau, dass Irma vollkommen … nun ja ... übergeschnappt ist. Und trotzdem gehen Sie das Risiko ein, sie einfach in aller Öffentlichkeit frei herumlaufen zu lassen wie … wie ein ganz normaler Mensch?!"

„Von Öffentlichkeit kann hier ja wohl kaum die Rede sein und von frei herumlaufen lassen schon gar nicht", sagte Jean de la Motte scharf. „Wir lassen Irma niemals alleine, weder hier noch draußen. Wir passen immer gut auf sie auf. Eh bien, bis auf heute jedenfalls ...", fügte er etwas gedämpfter hinzu. „Außerdem … was sollte ich denn Ihrer Meinung nach sonst mit ihr machen?"

„Sie … sie gehört in ein Sanatorium! In … in eine Nervenheilanstalt", stammelte Michael aufgeregt.

„Ach ja? Ich habe mir so etwas angesehen, Monsieur Fitzhubert. Zweimal. Die geschlossene Abteilung im Hôpital Bicêtre hier in Paris, die sogar als fortschrittlich gilt, und noch ein anderes angeblich ganz modernes Sanatorium in Nantes – in der Nähe von meinem Chateau.

Sie haben keine Vorstellung davon, wie dort mit Patienten umgegangen wird. Fortschrittlich, modern, ha! Es ist wie im finstersten Mittelalter, geradezu barbarisch. So etwas könnte ich Irma niemals antun – nicht einmal dann, wenn Beau-père … mein Schwiegervater … das zulassen würde. Was er niemals tun wird, das kann ich Ihnen versichern."

„Warum nicht? Um Himmels willen, der Mann muss doch einsehen …"

„Er sieht gar nichts ein! William Leopold ist ein harter Mann, ein stolzer Mann. Und er hat das Selbstverständnis und das Temperament eines Raubritters. Er ist so was wie ein spanischer Conquistador der Neuzeit. Das Recht des Stärkeren … und sein Wille ist natürlich Gesetz – so denkt er und so handelt er auch. Er macht, was er will. Und wenn er dabei auf ein Hindernis stößt, dann wird es eben aus dem Weg geräumt.

Jemand wie er kann keine Schwäche zeigen, er kann keinen Fehler, kein Versagen eingestehen, weder bei sich noch bei irgendeinem anderen Mitglied seiner Familie. Und er hat auch allen Grund dazu. Es ist nicht nur eine Frage seines Stolzes, seiner Ehre. Es geht um den Ruf von allen Leopolds, um ihre Pläne, um die Zukunft des ganzen Clans.

Sehen Sie, einer von Irmas Onkeln ist inzwischen irgendwo Gouverneur, sein ältester Sohn sitzt im Kongress in Washington und noch mindestens zwei andere ehrgeizige Cousins lauern dort auch schon auf ihre Chance. Mein Schwiegervater füllt ihre Taschen mit dem Kleingeld, das sie dafür brauchen, und sie haben Erfolg damit… Und wer weiß? Eines Tages wird einer von ihnen es möglicherweise sogar bis ins Weiße Haus schaffen – und William Leopold wird natürlich davon profitieren, wenn es so weit ist.

Aber so weit wird es nie kommen, wenn irgendjemand herausfindet, dass die Nichte des Gouverneurs oder die Cousine von dem Kongressmann und den anderen hoffnungsvollen Kandidaten für irgendein öffentliches Amt in einem Irrenhaus sitzt – vom Rest ganz zu schweigen. Stellen Sie sich nur vor, was die Zeitungen daraus machen würden! Es wäre un servi de pâture … ein gefundenes Fressen für jeden Schmierfink von der Ostküste bis zur Westküste. Es wäre ein Geschenk für die Gegenpartei und auch für jeden anderen Konkurrenten im eigenen Lager. Und das ist noch nicht mal das Schlimmste …

Politisch gesehen wäre es vielleicht sogar nur ein kurzfristiger Absturz für einige von den Leopolds, aber gesellschaftlich gesehen wäre es das Ende für sie alle. Das Aufsehen, der Skandal, die Schande … Wer würde sie noch empfangen? Und welche grande famille würde noch in ein Haus einheiraten wollen, in dem es eine Erbkrankheit gibt, ja sogar Geisteskrankheit?

Nein, so eine kompromittierende Blamage, so einen Gesichtsverlust werden sie niemals zulassen. Keiner von ihnen – vous comprenez? Ich würde lieber nicht in der Haut von jemandem stecken, der versucht, den Leopolds an den Karren zu fahren. Mit dieser Familie legt man sich besser nicht an."

„Aber … Irma ist gefährlich!"

„Nur wenn sie eine crise de nerf … einen von ihren Zuständen hat. Sonst nicht. Und wir hatten sie trotzdem immer gut im Griff ..."

„Nennen Sie das etwa gut im Griff?", schrie Michael und zeigte etwas theatralisch auf seinen Verband.

„… bis Sie hier aufgekreuzt sind, Monsieur Fitzhubert!", fuhr de la Motte unnachgiebig fort. „Wenn Sie Irma nicht so aufgeregt hätten, wenn Sie sie nicht so provoziert hätten ..."

„Wollen Sie damit etwa sagen, dass das meine Schuld ist?" Michael konnte es kaum fassen.

„Sie hätten nicht hierher kommen sollen. Ich habe Sie gewarnt, n'est-ce pas?"

„Nicht wirklich …", murmelte Michael ein wenig trotzig.

„Alors, ich habe es Ihnen vielleicht nicht direkt auf die Nase gebunden. Aber ich habe Ihnen immerhin gesagt, dass Sie auf sich aufpassen sollen. Und Diane hat Sie doch schon vorher gewarnt – auf ihre Weise."

Sie weiß es auch?"

Michael war erschüttert – vor allem wenn er an sein Gespräch mit dieser Frau dachte. Die Wehmut, mit der sie über Miranda und all die anderen gesprochen hatte, die Melancholie ...

Und jetzt stellte sich plötzlich heraus, dass sie über all die Jahre hinweg Mirandas Mörderin gedeckt hatte – die Mörderin von ihnen allen! Offensichtlich hatte Mr. Leopold auch die Taschen der Montpeliers mit dem notwendigen Kleingeld gefüllt...

Eine Verschwörung! Das ist eine richtige ausgewachsene Verschwörung, dachte er wild.

„Diane weiß es nicht!Jedenfalls nicht mit letzter Gewissheit. Aber ich glaube, sie ahnt etwas. Jeder, der über längere Zeit mit Irma zusammen ist, der von morgens bis abends immer in ihrer Nähe ist, merkt früher oder später, dass sie … nun ja … nicht gerade belastbar ist. Irgendwann fällt es einfach auf … une certaine fragilité … eine gewisse Zerbrechlichkeit ..."

Michael fragte sich prompt, wie zerbrechlich jemand sein konnte, der innerhalb von wenigen Minuten drei Leute mit einem nicht unbeträchtlichen Aufwand an Gewalttätigkeit ins Jenseits beförderte und ohne weiteres dazu bereit zu sein schien, das mit einer anderen Person zu wiederholen, aber er war vorläufig zu baff, um sich dazu zu äußern. Vorläufig!

„Doch bis jetzt hat Diane keine Fragen gestellt. Aus Diskretion? Aus Angst? Ah non, eher aus Zuneigung, aus Liebe. Denn das ist es, was die Liebe zu Irma aus uns allen macht: Les complices ... Mitwisser. Und vielleicht sogar Mittäter."

Michael schluckte unwillkürlich nervös, aber wenn dieser Nachsatz als Drohung gedacht war, dann ließ der Comte es sich nicht anmerken. Noch nicht ...

„Aber sie hat trotzdem hier angerufen, um mich zu warnen – vor Ihnen, Monsieur Fitzhubert! Nicht, dass das noch nötig gewesen wäre. Ich wusste schon längst, dass Sie hier herumstolpern, und mir war auch klar, dass Sie uns Ärger machen werden. Ich wusste das, seit Sie zum ersten Mal hier im Ritz aufgeschlagen sind. Aber das ist jetzt nicht so wichtig." De la Motte schwieg einen Augenblick lang, bevor er ausgesprochen unheilverkündend fortfuhr: „Viel wichtiger ist, dass ich leider nicht der Einzige bin, der über Ihre espionnage ... Ihre Herumschnüffelei Bescheid weiß. Beau-Père behält Irma immer im Auge. Er behält uns alle im Auge – zumindest das sollte inzwischen auch Ihnen klar sein."

„Was zum Teufel wollen Sie damit sagen?"

Der Comte setzte gerade zu einer Antwort an, als in den hinteren Regionen des Salons eine Seitentür aufging und eine hagere, ältliche Frau in einem schmucklosen dunkelblauen Kostüm hereinkam. Sie schien erst vor kurzem noch auf der Straße unterwegs gewesen zu sein, denn sie trug immer noch einen Strohhut auf ihrem angegrauten Haar und eine Handtasche an ihrem linken Arm. Doch in der anderen Hand hielt sie etwas, das aussah wie ein Arztkoffer.

„Ich habe ihr Laudanum gegeben, Sir – die übliche Dosis", teilte sie so sachlich mit, als wäre es das Natürlichste von der Welt, tobsüchtige Möchtegern-Mörderinnen unter Drogen zu setzen. „Sie ist jetzt wieder ganz ruhig und friedlich. Sie wird gleich einschlafen. Aber Bridget sollte lieber bei ihr bleiben und sie im Auge behalten, bis ich wieder zurück bin. Ich gehe nur schnell auf mein Zimmer und ziehe mich um. Dann komme ich gleich wieder."

„Danke, Dolly", sagte Jean de la Motte mit einer vagen wedelnden Handbewegung, die die Frau sozusagen von der Bühne wegwischte. „Bridget, gehen Sie zu Madame rein – tout de suite. Und nehmen Sie Jim mit", befahl er.

Der Pitbull und der Preisboxer kamen seiner Aufforderung sofort nach und trotteten in das hintere Zimmer hinein. Michael, der sich trotz seiner Verwundung neugierig reckte, erhaschte nur einen flüchtigen Blick auf eine kleine Figur in einem Negligee aus rosafarbener Spitze, die in einem mit wolkenartig aufgebauschten Voile-Vorhängen verbrämten Himmelbett ruhte wie ein Dornröschen, das dem weckenden Kuss entgegen schlummerte, bevor sich die Tür lautlos wieder schloss.

Als auch Dolly in Richtung Vorzimmer entschwunden war, sagte er entrüstet: „Sie geben Irma Opium?"

„Ja. Laudanum oder Morphium – was wir eben gerade haben. Aber nur, wenn sie einen Anfall hat. Und Sie brauchen mich gar nicht so empört anzusehen, Fitzhubert. Dolly kennt sich damit aus. Sie weiß genau, was sie tut. Sie ist eine ausgebildete Pflegerin – genau wie Bridget."

Also doch eine Krankenschwester – das erklärte einiges, wie Michael fand.

„Und Jim?

„Notre garde du corps – unser Leibwächter."

Der Muskelprotz war also hier, um Irma zu bändigen, wenn sie durchdrehte. Und nach dem, was Michael gerade erlebt hatte, war ein Bodyguard auch notwendig. Oder doch eher eine Zwangsjacke und eine Gummizelle, um ganz sicher zu gehen ...

„Das ist doch purer Leichtsinn!", rief er. „Wie können Sie so etwas nur verantworten, de la Motte? Irma könnte jederzeit jeden angreifen ..."

„Nein, so ist sie nicht. Nicht, wenn sie sich sicher fühlt, geborgen. Sie braucht ein stabiles Umfeld, das ist alles."

„Und dafür können Sie sorgen?"

„Ich versuche es jedenfalls. Und für gewöhnlich gelingt mir das auch – wenn ich nicht von jemandem wie Ihnen boykottiert werde, Monsieur Fitzhubert!"

Michael suchte noch nach einer entsprechenden Replik, als der Comte auch schon weitersprach.

„Eine Anstalt kommt also nicht in Frage – aus mehreren Gründen. Und wie ich Ihnen vorhin schon gesagt habe: Was soll ich sonst mit Irma machen? Ich bin schließlich nicht wie Mr. Rochester aus Jane Eyre – ich kann meine verrückte Ehefrau nicht einfach in einem Turmgemach einsperren …"

„Das würde ich Ihnen auch nicht raten, Monsieur le Comte, denn für Mr. Rochester ist das nicht besonders gut ausgegangen, wenn ich mich an das Schlusskapitel richtig erinnere", erwiderte Michael ätzend.

„... obwohl mein Chateau sogar vier Türme hat, falls es nötig wäre. Ich meine, wenn es darauf ankäme", sagte de la Motte, ohne eine Miene zu verziehen, aber mit unüberhörbarem Sarkasmus.

„Es kommt nicht darauf an. Aber ich hoffe trotzdem für Sie und Ihren ganzen Haushalt, dass Ihre verrückte Ehefrau nicht auch noch als Brandstifterin unterwegs ist, denn das wäre sogar für Ihre Maßstäbe ein bisschen zu extrem, oder nicht?"

De la Motte sah ihn nur an, ohne ihn einer Antwort zu würdigen. Michael schüttelte langsam den Kopf.

„Ich begreife einfach nicht, wie Sie sich darauf einlassen konnten. Warum machen Sie das alles mit? Tun Sie es für das Geld? Natürlich! Leopold hat Sie gekauft, so wie er offenbar jeden kauft, der ..."

„Ach, halten Sie doch den Mund!", rief de la Motte aufgebracht.

Allmählich schien er selbst kurz vor einer crise de nerf zu stehen. Vielleicht zerbrach er sich aber auch nur den Kopf darüber, ob Irma möglicherweise eines Nachts doch noch auf die Idee verfallen würde, sein Chateau abzufackeln. An seiner Stelle hätte Michael jedenfalls dafür gesorgt, dass ihr nie ein so inspirierender Roman wie Jane Eyre in die Hände fiel …

Doch offenbar war es nicht das, was den Comte beschäftigte.

„Was wissen Sie schon von mir? Gar nichts!", sagte er heftig. „Sie haben nicht das Recht, den Stab über mich zu brechen! Niemand hat das Recht dazu. Ich bin nicht der Schurke in dieser Geschichte, ich bin einfach nur hineingeschlittert. Das hätte jedem passieren können. Es hätte jeden Mann in meiner Situation treffen können – sogar Sie."

Und darauf konnte Michael nichts erwidern. Jedenfalls konnte er de la Mottes Einwand nicht einfach mit selbstgerechter Empörung verneinen, wie er es nur allzu gerne getan hätte, denn der Mann hatte irgendwie Recht: Es hätte tatsächlich auch ihn selbst treffen können. Es hätte ihn vielleicht sogar getroffen, wenn Miranda nicht gewesen wäre, wenn er nicht auf den ersten Blick für sie entflammt wäre, wenn er nicht sofort hoffnungslos von ihr betört gewesen wäre. Oder wenn Tante Anne ihn später nicht so bedrängt hätte, wenn sie nicht so offensichtlich darauf aus gewesen wäre, ihn mit einem Mädchen zu verkuppeln, das laut Colonel Fitzhubert „der ganz große Wurf" war, der „Goldtopf am Ende des Regenbogens". Also hielt er lieber tatsächlich den Mund …

Auch der Comte war jetzt einen Moment lang still, doch dann sagte er leise: „Eines können Sie mir glauben: An dem Tag, an dem ich Irma zum Altar geführt habe, dachte ich wirklich, ich wäre der größte Glückspilz aller Zeiten. Dieses bildschöne Mädchen … und so bezaubernd, so liebenswert. Eine Mitgift wie eine russische Großfürstin … und dann auch noch die einzige Tochter von einem amerikanischen Krösus, einem wahren König Midas, unter dessen Händen alles zu Gold wird. Und dieses wunderbare Geschöpf hatte sich ausgerechnet für mich entschieden. Es war wie in einem Märchen …

Ich meine, was hatte ich ihr schon zu bieten? Ich bin zwölf Jahre älter als sie und hatte mehr Hypotheken auf dem Hals als Francs auf der Bank. Denn mein Vater war leider kein Krösus oder Midas. Er war ein Trinker und ein Spieler und das Geld zerrann ihm wie Sand zwischen den Fingern. Das bisschen Vermögen, das beim Tod meines Großvaters noch übrig war, hat er schnell an den Roulettetischen von ungefähr jedem Casino zwischen hier und dem Nordpol durchgebracht. Als er starb, blieb mir neben meinem kleinen Bruder nur noch unser Familiensitz mit einem Dach voller Löcher und Stockflecken an sämtlichen Wänden. Doch dann lernte ich Irma kennen… Und danach ging alles unglaublich schnell. Es war ganz unwirklich, wie ein Traum ...

Wer hätte denn damals ahnen können, dass unser Märchen so enden wird, dass aus dem Traum bald ein Alptraum wird? Wir waren so glücklich am Anfang …

Ich war bis über beide Ohren verliebt in Irma. Das machte mich blind. Ich sah alles durch eine rosarote Brille, ich lachte nur über ihre ganzen Capricen, ihre Eskapaden, ihre extravaganten Einfälle. Es dauerte Monate, bis ich erkannte, dass irgendetwas mit ihr nicht stimmt. Aber es vergingen fast zwei Jahre, bis ich endlich begriff, wie sehr ich betrogen worden war …

Nein, wenn mir damals irgendetwas an Irmas Verhalten wirklich aufgefallen ist, dann dachte ich einfach nur, dass sie eben noch sehr jung ist. Au nom du ciel – sie war immerhin noch keine zwanzig, als wir geheiratet haben!

Ich sagte mir immer, dass Irma noch ein Kind ist, ein eigenwilliges kleines Mädchen, das ziemlich verwöhnt und verzogen worden ist. Und ich war davon überzeugt, dass sie bald darüber hinauswachsen würde – spätestens dann, wenn unser erstes eigenes Kind da sein würde. Ja, mit der Zeit würde Irma schon reifer und erwachsener werden und dann würde alles besser sein.

Aber es wurde nicht besser, es wurde schlimmer. Diese Launen, diese extremen Stimmungsschwankungen … Und dann diese plötzlichen Ausbrüche, wenn sie einmal nicht ihren Kopf durchsetzen konnte, dieser Jähzorn, den sie sofort an den Tag legte, sobald ihr etwas nicht in den Kram passte …

Ich fing an, mir Sorgen um sie zu machen. Aber erst, als das mit ihrem Hund passiert ist, wurde mir klar, dass ich allen Grund dazu hatte …

Wir lebten damals in Florenz, in einem Palazzo, den uns Freunde für die Winter-Saison überlassen hatten, weil sie selbst im Ausland waren. Ich hatte Irma zu ihrem Geburtstag einen Malteser-Welpen geschenkt, einen niedlichen kleinen Kerl, den sie Chouchou taufte. Sie war völlig vernarrt in ihn, konnte sich nicht eine Minute von ihm trennen, spielte die ganze Zeit mit ihm herum.

Ich war froh darüber, dass sie so viel Freude an Chouchou hatte. Sie war seit unserer Ankunft in Florenz so unruhig gewesen, so gereizt. Sie wäre viel lieber in Rom geblieben, bei ihren Eltern, die zu der Zeit dort im Artemide wohnten. Aber ich hatte ganz bewusst die Entscheidung getroffen, den Winter mit ihr alleine in Florenz zu verbringen. Ich wollte endlich mal ein bisschen Abstand zu meinen Schwiegereltern haben, die uns ständig im Nacken saßen. Vor allem Beau-Père ging mir langsam wirklich auf die Nerven – er mischte sich dauernd in unser Leben ein, wollte über alles bestimmen. Und dieses Mal setzte ich meinen Kopf durch, obwohl Irma grollte und schmollte. Wir hatten ein paarmal Streit deswegen. Und auch wegen anderen Dingen – eigentlich wegen jeder Kleinigkeit ...

An dem Morgen, als es geschah, hatten wir uns auch gerade gezankt, ziemlich heftig sogar. Ich weiß nicht mal mehr, worüber – es war wirklich nur eine Bagatelle, es war die ganze Aufregung gar nicht wert. Aber Irma steigerte sich in die Sache rein, sie verhielt sich immer irrationaler, sie führte sich einfach unmöglich auf. Und ich war immerhin wütend genug, um sie deswegen anzuschreien. Am Ende habe ich gebrüllt, dass sie sich gefälligst am Riemen reißen solle, dann bin ich weg gegangen. Ich habe einen kleinen Spaziergang gemacht, um mich wieder abzureagieren, und dann noch ein paar Einkäufe in der Altstadt. Inzwischen schämte ich mich selber für mein Verhalten, also kaufte ich ihr Lieblingsparfüm und die Pralinen, die so gerne isst, sozusagen als Wiedergutmachung. Aber ich war nicht lange weg, vielleicht ein oder zwei Stunden, mehr nicht ...

Als ich zurückkam und an unserer Tür läutete, fiel von oben etwas herunter, ein kleines weißes Bündel, das direkt vor meinen Füßen landete. Es war Chouchou. Er war sofort tot. Ich war zutiefst bestürzt … Es war mir schleierhaft, wie das überhaupt möglich war. War er etwa vom Balkon gestürzt? Aber wie war dieses winzige Hündchen mit seinen kurzen Beinen über eine so hohe Balustrade gekommen? Und wer hatte ihn überhaupt auf den Balkon hinausgelassen?

Ich sah hoch … Und dann entdeckte ich Irma an einem Fenster im dritten Stock. Sie lehnte sich heraus und sah auf mich hinunter … Und so lange ich lebe, ich werde nie den Ausdruck auf ihrem Gesicht vergessen … So verächtlich und gleichzeitig so … so triumphierend … so höhnisch …

Das war nicht mehr meine Irma, die da oben stand, das war eine ganz andere Frau, eine Fremde ... Eine kaltherzige, grausame Hexe, die diesen armen kleinen Hund einfach aus dem Fenster geworfen hat wie ein Stück Abfall, die mir mein Geschenk buchstäblich vor die Füße geschleudert hat wie einen Fehdehandschuh, nur um sich an mir zu rächen, nur um mir diesen Streit heimzuzahlen ...

Ich war außer mir! Als der Butler mir endlich aufmachte, rannte ich die Treppe hoch und stürmte in ihr Schlafzimmer wie ein Besessener. Ich war so zornig, dass ich sie am liebsten gepackt und geschlagen hätte, wie ich zu meiner Schande gestehen muss.

Aber als ich reinkam, begrüßte sie mich mit dem süßesten unschuldigsten Lächeln, das man sich nur vorstellen kann. Sie entschuldigte sich, weil sie so zänkisch gewesen war, so kindisch, und sie schwor mir, dass sie sich in Zukunft zusammennehmen würde ... Und dann umarmte und küsste sie mich, so zärtlich, so leidenschaftlich wie schon lange nicht mehr … Und ich stand einfach nur da wie zur Salzsäule erstarrt … Ich konnte nicht glauben, was sich da vor meinen Augen abspielte ...

Als ich sie endlich nach Chouchou fragte, starrte sie mich nur verständnislos an. Dann sah sie sich um, als erwartete sie, dass der Hund immer noch irgendwo hinter ihr sitzt, in seinem Korb vielleicht oder auf dem Sofa. Aber er war natürlich nicht mehr da und Irma tat ganz erstaunt und besorgt – jedenfalls dachte ich, dass sie nur so tut als ob, dass sie mir etwas vorspielt.

Doch danach wurde sie wirklich ängstlich, geradezu panisch. („Wo ist mon petit Chouchou?! Er ist weggelaufen, wir müssen ihn sofort suchen!") Und mir wurde klar, dass sie mir gar nichts vormachte, dass sie wirklich keine Ahnung hatte, wo ihr Hund abgeblieben war. Sie wusste nicht, dass er da unten auf dem Trottoir lag wie eine abgeschossene Brieftaube. Sie konnte sich tatsächlich nicht daran erinnern, was sie keine fünf Minuten zuvor getan hatte ...

Dann kam der Butler zu uns rein. Er hatte Chouchou natürlich gefunden, als er mir die Tür aufgemacht hat. Doch er hielt es für einen Unfall und er erzählte es Irma, bevor ich eingreifen und ihn davon abhalten konnte. Sie begann zu zittern wie Espenlaub, dann bekam sie einen Weinkrampf und schließlich fing sie an zu schreien – es war furchtbar, wir konnten sie nicht beruhigen. Sie schlug wild um sich und schien uns kaum zu erkennen. Ich ließ unseren Arzt kommen und er gab ihr sofort eine Morphium-Spritze. Schließlich schafften wir es, sie zu Bett zu bringen.

Der Arzt erklärte mir, dass Irma einen Nervenzusammenbruch hätte und sich bald wieder erholen würde. Ich kaufte ihm das aber nicht ab – wie hätte ich an so eine Diagnose glauben können, nach dem, was ich gerade miterlebt hatte? Doch als ich ihm erzählte, wie Irma sich aufgeführt hatte, da tat er alles mit einem Achselzucken ab. Er meinte nur, dass sie vermutlich an Hysterie leidet und dass wir sie unbedingt zur Kur in irgendeinen Badeort schicken sollten. Danach würden wir weiter sehen ...

Ich war nicht wirklich überzeugt davon, aber als Ehemann hatte ich die Verantwortung für Irmas Wohlergehen, für ihre Gesundheit, und irgendetwas musste ich ja jetzt unternehmen. Ein Kuraufenthalt konnte ihr zumindest nicht schaden und würde ihr vielleicht sogar gut tun. Also beschloss ich, mit ihr so schnell wie möglich nach Montecatini zu gehen, einem Thermalbad ganz in unserer Nähe, am besten gleich am nächsten Tag. Doch meine Schwiegereltern musste ich immerhin über unsere Abreise informieren, also schickte ich ein Telegramm nach Rom und teilte ihnen mit, dass ich Irma aus Florenz wegbringen würde, weil ihre Nerven angegriffen seien und sie dringend Ruhe brauchte. Natürlich kam dann alles ganz anders ...

Mein Schwiegervater traf am nächsten Morgen in aller Frühe bei uns ein. Tatsächlich war es noch nicht mal fünf Uhr – er hatte sich sofort nach meinem Telegramm in sein Automobil gesetzt und war die ganze Nacht durchgefahren, um noch rechtzeitig zu uns zu kommen, um uns noch abzupassen, bevor wir aufbrechen.

Er wollte sofort ganz genau wissen, was geschehen war. Was hieß hier angegriffene Nerven und wohin wollte ich Irma überhaupt bringen?

Als ich ihm alles erklärt hatte, war er zuerst ganz still, aber er sah so merkwürdig aus. Ich habe ihn immer für so dynamisch gehalten, für einen energischen vitalen Mann in den besten Jahren. Aber in diesem Augenblick sah er zum ersten Mal alt aus ... steinalt ... und irgendwie gebrochen. Ich hätte Mitleid mit ihm haben können, wenn er mich nicht gleich darauf so angeherrscht hätte. Er schrie, ich könnte mit Irma hinfahren, wohin auch immer ich will, aber auf keinen Fall in einen Kurort oder zu sonst einem ganz gewöhnlichen Feld-, Wald- und Wiesen-Arzt. Jedenfalls nicht unter unserem eigenen Namen – das sei unmöglich! Er würde mir das hiermit ausdrücklich verbieten und ich hätte ihm gefälligst zu gehorchen, oder er würde mir sofort den Geldhahn zudrehen und mich in die Wüste schicken. Und nicht nur das. Er würde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um mir den Mund zu stopfen, um mich fertigzumachen. Er schäumte vor Wut. Ich habe ihn nie zuvor so gesehen…

Ich konnte seine Reaktion überhaupt nicht verstehen. Außerdem hatte ich genug davon, mich von ihm herumkommandieren zu lassen. Also sagte ich ihm, ich würde mit meiner Frau machen, was ich für richtig halte, und er könne sich von mir aus mit seinem ganzen Geld zum Teufel scheren. Da wurde er wieder ganz ruhig und eiskalt… Und dann sagte er mir die Wahrheit über Irma …"

De la Motte atmete tief ein und wieder aus. Es klang fast wie ein Stöhnen.

„Ich weiß nicht, was damals in Australien los war, Monsieur Fitzhubert", sagte er nach einer kleinen Pause. „Und ich will es auch gar nicht wissen, wenn ich ehrlich bin. Aber ich weiß, dass es viel früher angefangen hat als das. Irma war gerade mal zehn, als es den ersten schlimmen Vorfall gab. Sie hat in einem Wutanfall eine brennende Petroleumlampe nach ihrer Gouvernante geworfen, die sie offenbar ein wenig zu hart an den Zügel genommen hat. Die Frau wurde verletzt – glücklicherweise nicht allzu schwer. Man hat sie großzügig entschädigt und die Sache wurde vertuscht.

Aber später ist offenbar doch etwas durchgesickert – vermutlich durch Dienstbotenklatsch! – und irgendjemand hat prompt versucht, daraus Kapital zu schlagen. Doch mein Schwiegervater gehört nicht zu der Sorte, die sich erpressen lässt, das hat er mir klipp und klar gesagt. Danach hat er nur noch angedeutet, dass er die Angelegenheit irgendwie geregelt hat – und zwar endgültig! Und ich muss zugeben, dass ich nach allem, was ich gerade erfahren hatte, einfach nicht mehr den Mut aufbrachte, ihn danach zu fragen, was genau er mit endgültig meint. Ich hatte nämlich den deutlichen Eindruck, dass er mir das alles nur aufgetischt hat, um mir klar zu machen, was es bedeuten kann, von ihm in die Wüste geschickt zu werden oder den Mund gestopft zu bekommen."

Erpressung … Ja, das ergibt durchaus Sinn, dachte Michael.

Und dann dachte er an Edith, die mit ihren siebenundzwanzig Jahren immer noch unverheiratet gewesen war. Ein spätes Mädchen, wie man sitzengebliebene junge Frauen wie sie dezent nannte. Ein sehr spätes Mädchen, eine lebenslängliche Miss Horton, die zweifellos immer noch in ihrem Elternhaus gewohnt hatte – und das vermutlich zusammen mit dieser Drachenweib-Mutter, die ihr laut Diane Montpelier schon als Kind das Leben zur Hölle gemacht hatte. Ein unansehnliches Mauerblümchen ohne jede Hoffnung, sich irgendwann doch noch einen Bräutigam zu angeln, der sie von dieser Misere erlöst hätte. Und nicht einmal klug genug, um wenigstens einen Job als Gouvernante zu ergattern, was immerhin auch ein Ausweg gewesen wäre, wenn auch nicht gerade der Weg in die Unabhängigkeit.

Er stellte sich vor, wie verzweifelt Edith gewesen sein musste, eine Gefangene ihrer engstirnigen Zeit und ihrer erzkonservativen Gesellschaftsschicht mit ihrer erstickend kleingeistigen Weltsicht. Vielleicht sogar verzweifelt genug, um ihr hartnäckiges Schweigen endlich zu brechen, um die Angst, die sie mit Sicherheit als Kind vom Reden abgehalten hatte, in den Wind zu schlagen und gleichzeitig zu versuchen, nach all den Jahren aus ihrem Wissen Kapital zu schlagen, um eine Freiheit zu erzielen, die für sie sonst unerreichbar war, um sich wenigstens einmal in ihrem Leben als Gewinnerin zu fühlen und nicht als ewige Verliererin ...

Und danach dachte er an die immer so geschäftstüchtige und zweifellos auch ziemlich skrupellose Mrs. Appleyard, die dem finanziellen Ruin und auch noch polizeilichen Ermittlungen wegen ihrer Verschleierung von Sarah Waybournes Todesumständen ins Auge gesehen hatte. Auch sie musste damals recht verzweifelt gewesen sein, auch sie hatte einen sehr guten Grund gehabt, nach einem Ausweg zu suchen. Und warum hätte sie sich dabei ausgerechnet für Selbstmord entscheiden sollen? Und wenn man schon mal so weit dachte: War es nicht ziemlich unwahrscheinlich, dass eine Frau mit solchen Absichten eine randvolle Reisetasche mit sich schleppte? Wer brauchte schon Gepäck auf seiner allerletzten Reise, wer belastete sich auf seinem Weg ins Nirwana mit überflüssigen irdischen Habseligkeiten? Nein, es war sehr viel wahrscheinlicher, dass Mrs. Appleyard doch eher eine Flucht geplant hatte, für die sie ein nettes kleines Geldpolster gut hätte gebrauchen können. Und dass sie sich einfach einen garantiert einsamen Ort dafür ausgesucht hatte, um sich mit der Person zu treffen, die ihr dieses Polster, dieses Erste-Klasse-Ticket für ihre Zukunft aushändigen sollte.

Und das galt natürlich auch für Dora Lumley, eine stellenlose Lehrerin ohne große Ersparnisse (das billige Hotel in Bangor, in dem sie Zuflucht gesucht hatte, sprach für sich!), aber dafür mit einem eher anrüchigen Arbeitszeugnis von einer inzwischen reichlich skandalumwitterten Schule. Denn dass das Appleyard-College wochenlang von der internationalen Sensationspresse praktisch durch die Gosse gezogen worden war, hatte sich bestimmt nicht gerade positiv auf die Reputation von Miss Lumley ausgewirkt und ihre Aussichten auf eine baldige neue Beschäftigung in einem anderen Institut für wohlerzogene höhere Töchter zunichte gemacht. Auch sie hatte allen Grund dazu gehabt, sich nach einem ausgesprochen einträglichen Nebenverdienst umzusehen.

Erpressung … Ja, das würde alles erklären ...

Denn das dunkelste Geheimnis einer reichen Familie zu kennen, konnte sehr lukrativ sein. Aber es konnte auch ebenso gut tödlich sein, wenn man sich dazu entschloss, Leute zu schröpfen, die ihrerseits dazu entschlossen waren, ihre Geheimnisse zu bewahren, die sich auf keinen Fall schröpfen lassen wollten …

Eine Verschwörung, ja … Und wehe dem, der den Verschwörern damit droht, den Schleier zu lüften und all das ans Tageslicht zu bringen, was sie unbedingt verbergen wollen … Um jeden Preis ...

Michael erschauerte. Bei der bloßen Vorstellung des Abgrundes, in den er gerade hinein blickte, sträubten sich ihm die Haare ...

Und vielleicht sah oder ahnte de la Motte, wie ihm zumute war, denn prompt erschien auf seinem sonnengebräunten Freibeutergesicht ein windschiefes kleines Lächeln, das mehr Traurigkeit, mehr Resignation enthielt als Tränen.

„Nein, ich bin kein Schurke, Monsieur Fitzhubert, Sie brauchen also keine Angst vor mir zu haben. Aber für Beau-Père würde ich nicht die Hand ins Feuer legen, was das angeht, das dürfte Ihnen jetzt wohl klar sein.

Und ich bin auch kein Held, wie Sie sehen. Ich hänge immer noch an meinem Leben. Und ich hänge immer noch an meiner Frau – trotz allem. Ich könnte Irma niemals im Stich lassen. In guten wie in schlechten Tagen … Genau das habe ich ihr versprochen, als ich ihr den Ring an den Finger gesteckt habe. Und dieses Versprechen werde ich auch halten, was auch immer auf uns zukommen mag – bis dass der Tod uns scheidet …

Und bis dahin tue ich, was ich kann. Ich kümmere mich um Irma, so gut ich kann. Ich versuche ihr ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen, sie glücklich zu machen. Deshalb sind wir auch meistens auf Reisen.

Natürlich können wir nie lange an einem Ort bleiben. Die Leute sind so neugierig. Und mit der Zeit fangen sie unweigerlich damit an, unbequeme Fragen zu stellen. Wenn wir uns zu sehr von unseren Bekannten isolieren, dann wollen sie Ausreden und Entschuldigungen hören, sie wollen wissen, warum wir so viele Einladungen ausschlagen, warum wir so viele Verabredungen nicht einhalten. Also gehen wir wieder fort, bevor es für uns beide zu anstrengend wird, unsere perfekte Fassade aufrecht zu erhalten.

Außerdem braucht Irma Ablenkung, Abwechslung … neue Gesichter, eine neue Umgebung, neue Anreize. Das ist sehr wichtig – Monotonie ist für sie fast genau so unerträglich wie jede Form von Zwang oder Stress. Und deshalb reisen wir so viel. Deshalb sind wir ständig unterwegs, von Haus zu Haus, von Stadt zu Stadt, von Land zu Land ..."

Das erinnerte Michael unwillkürlich daran, dass er Irma vor nicht allzu langer Zeit noch für eine Globetrotterin gehalten hatte, die nirgendwo wirklich daheim war, die durch die Welt zog, ruhelos wie der Fliegende Holländer persönlich. Und genau das war sie auch, wie er jetzt wusste. Sie waren es beide, Irma und ihr Comte, sie waren Verfluchte wie dieser Kapitän aus einer alten Seefahrerlegende. Sie waren dazu verdammt, über die Meere zu segeln, ohne jemals in einen Hafen einlaufen zu dürfen, sie mussten umher irren, ohne jemals echten Frieden oder Erlösung zu finden …

Und plötzlich verstand er diese Traurigkeit, diese schreckliche Resignation auf dem Gesicht des Mannes, der ihm gegenüber saß. Und er fühlte, wie sein Groll auf Irma, auf de la Motte, auf die Leopolds, auf die ganze ungeheuerliche, zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit, die ihn noch vor kurzem so erzürnt hatte, erlosch wie ein lodernder Scheiterhaufen unter einem Regenguss. Und zurück blieb nichts als schwelende Asche in seinem Gemüt und eine bleischwere Erschöpfung ...

Noch vor wenigen Tagen hatte er sich an den Gedanken geklammert, dass er selbst Frieden und Erlösung finden würde, sobald er die Wahrheit erfuhr, sobald das Rätsel, das ihn so lange gequält hatte, gelöst war. Aber jetzt, da es endlich so weit war, fühlte er nur noch diese tiefe Müdigkeit …

Er stand behutsam auf (sein Knie klopfte und pochte immer noch munter vor sich hin!) und sah sich um. Seine Kleidung lag ordentlich gefaltet auf der Rückenlehne der Couch, auf der er bis jetzt geruht hatte. Er griff nach seinem Hemd und begann sich anzuziehen. Die kleine Stichwunde unter dem Verband brannte ein wenig, wenn er sich bewegte, vor allem, wenn er die Arme ausstreckte, aber es war auszuhalten.

De la Motte beobachtete ihn, ohne sich zu seinen Vorbereitungen zum Aufbruch zu äußern. Doch als Michael sein Jackett zugeknöpft hatte und mit einem vagen …

„Ich sollte jetzt wirklich gehen."

... nach seinen anderen Besitztümern auf einem der Tischchen griff (sein Hut hing in einem verwegenen Winkel auf dem Kopf der Ganesha-Statuette und die Handschuhe waren anmutig über ihrem gebogenen Rüssel drapiert!), erhob sich auch der Comte von seinem Sessel.

„Was haben Sie jetzt vor, Monsieur Fitzhubert?"

„Ich? Ich fahre nach Hause."

„Das habe ich nicht gemeint. Was werden Sie machen – jetzt, da Sie alles wissen?"

„Machen? Was soll ich schon machen?", erwiderte Michael bitter.

Aber seine Bitterkeit war nicht ganz echt. Sie war nur noch das leise Echo, der schwache Nachhall einer sehr viel älteren Schwermut, die sich irgendwann vielleicht sogar völlig auflösen würde wie ein nächtlicher Nebelstreif im ersten Morgenlicht.

„Nichts werde ich machen. Gar nichts ...", murmelte er.

Denn welchen Sinn hätte es, die Wahrheit doch noch ans Licht zu bringen? Wem wäre damit gedient? Die Toten würde er damit nicht wieder zum Leben erwecken, die trauernden Hinterbliebenen würde er dadurch nicht trösten. Aber die Lebenden würden noch lange darunter zu leiden haben – sogar die, die nichts dafür konnten, die keine Schuld an all dem trugen ...

Er nahm seinen Spazierstock auf, der an einer bisher unbeachteten zwei Meter hohen Gips-Version des Götterpaars Krishna und Radha in einer Zimmerecke gelehnt hatte, und schwang das gute Stück zwei oder dreimal hin und her wie einen Degen, bevor er eine kleine Grimasse schnitt …

Dieses verflixte Knie!

… und sein Gewicht wieder auf den geschnitzten Löwenkopf in seiner Faust verlagerte.

„Und was haben Sie jetzt vor, Monsieur de la Motte?" fragte er so beiläufig wie nur möglich.

„Wir fahren morgen nach Hause, in die Bretagne. Wir werden den Rest des Sommers in unserem Chateau verbringen. Wir waren so lange weg … Ich muss dort wirklich ganz dringend nach dem Rechten sehen, bevor … bevor Irma und ich wieder Pläne schmieden können", erwiderte der Comte.

Aber da war jetzt ein neuer, ein anderer Schatten in seinen Augen, der nichts mit weiteren Reisen oder ähnlich banalen Zukunftsplänen zu tun hatte, rein gar nichts ...

Und Michael fiel wieder ein, was er bislang erfolgreich ausgeblendet hatte, weil es noch nicht ihn persönlich betraf: Nämlich dass Frankreich sich seit kurzem in einem Krieg befand und darüber hinaus bereits in einer wahren Kriegseuphorie, was nicht ohne Folgen bleiben würde. Möglicherweise würde sogar ein gewisser Graf sich schon sehr bald dazu gezwungen sehen, seinen eleganten Anzug gegen eine Uniform einzutauschen und seinen Platz an der Front einzunehmen – auch wenn er kein Held sein wollte und die Verantwortung für eine kranke Frau auf ihm lastete.

Bis jetzt war so etwas vielleicht nur eine Frage seiner Ehre, aber es würde wahrscheinlich sehr bald eine Frage der Pflicht sein ... Und so oder so – es gab keinerlei Garantie dafür, dass man jemals von dieser Front zurückkehren würde …

Bis dass der Tod uns scheidetUnd was dann?

Michael fragte sich, was aus Irma werden sollte, wenn de la Motte fiel oder ihm sonst etwas zustieß. Er zögerte, aber diese Karte musste wenigstens noch auf den Tisch gelegt werden, bevor dieses Spiel wirklich zu Ende war …

„Niemand wird je etwas davon erfahren, was ich hier und heute gesehen und gehört habe", sagte er ernst. „Ich gebe Ihnen mein Wort darauf – das Wort eines Fitzhuberts! Aber es gibt eine Bedingung für mein Schweigen. Und dafür will ich Ihr Wort haben, Comte. Versprechen Sie mir, dass Sie von jetzt an noch viel besser auf Irma aufpassen werden. So etwas wie heute … und so etwas wie damals darf nie wieder geschehen. Ich könnte es einfach nicht mit meinen Gewissen vereinbaren, wenn das noch mal vorkommt, wenn noch mehr Menschen verletzt oder sogar getötet werden, weil ich dieses Mal geschwiegen habe. Vous comprenez?"

„Je comprends", erwiderte de la Motte und jetzt war sein Lächeln weniger trübe, sondern heller, aufrichtiger. „Und ich schwöre Ihnen, dass so etwas nie wieder geschehen wird. Ich gebe Ihnen mein Wort darauf – das Wort eines de la Motte-Marguery!"

Und da war etwas in der straffen Haltung seiner Schultern, seines Rückens, seines hoch erhobenen Kopfes, seines stolz gereckten Kinns, das über den bloßen Klang seiner Worte hinausging, das aus einer Plattitüde, die nur der Beschwichtigung hätte dienen können, einen echten Eid machte.

Sie gaben einander die Hand, ein Gruß, der von beiden Seiten mit einem besonders festen männlichen Druck ausgeübt wurde. Und für einen Augenblick bestand eine unausgesprochene, aber deutlich fühlbare Seelenverwandtschaft zwischen ihnen, eine bemerkenswerte Vertrautheit, eine Art ritterliche Verbundenheit, die vielleicht schon ihre Vorfahren Jahrhunderte zuvor empfunden haben mochten, falls sie sich jemals auf den blutgetränkten Schlachtfeldern von Crécy oder Agincourt gegenüber gestanden hatten, ihre Schwerter in einem stummen Salut gegenseitigen Respekts gesenkt und in der Erkenntnis, dass sie in einem anderen Leben, auf einer anderen Zeitebene Freunde hätten sein können, wenn die Loyalität zu ihren Königen sie nicht zu unversöhnlichen Feinden gemacht hätte.

„Und auch Sie müssen weiter gut auf sich aufpassen, mon ami. Ich würde es wirklich sehr, sehr bedauern, wenn Sie wegen dieser leidigen Angelegenheit … na ja ... Sie wissen schon. Halten Sie bitte immer die Augen offen – zumindest, bis Sie wieder sicher in England sind. Au revoir."

„Au revoir, mon ami. Et bonne chance", sagte Michael, der zutiefst bewegt war.

„Bonne chance à vous aussi", entgegnete de la Motte. Und nach einer kleinen Pause gedämpft: „Ich fürchte, wir werden bald alle sehr viel Glück brauchen."

„Das fürchte ich auch ..."

Und damit ging Michael hinaus, ohne sich noch einmal umzusehen. Aber er wusste auch so, dass der Comte ihm nachsah, bis sich die Tür hinter ihm schloss.

Er klopfte dem hilfreichen Liftboy (der inzwischen natürlich schon längst wieder Dienst schob und in seinem Aufzug bereits ungeduldig auf die Rückkehr des abenteuerlustigen und spendablen englischen Gents lauerte wie eine besorgte Mama auf ihren allzu verspäteten Filius!) freundlich auf die Schulter, ignorierte aber seinen vielsagenden Blick, der wortlos tausend Fragen stellte.

Er ignorierte auch Monsieur Armand Claudel, der hinter seiner Empfangstheke verblüfft die Augen aufriss, als er so unerwartet im Erdgeschoss ausstieg und quer durch die belebte Hotelhalle auf die Drehtür zu hinkte.

Dolly, die ältliche Krankenschwester, die ihn aus einer verglasten Telefonkabine heraus beobachtete wie ein Sperber (immer noch in ihr Kostüm gehüllt und mit Strohhut und Handtasche bewaffnet, obwohl sie doch angeblich längst in ihrem Zimmer war, um sich dort umzuziehen!), bemerkte er nicht einmal ...

Draußen auf der Straße erwartete ihn erneut die brütende Hitze des späten Augustnachmittags zusammen mit unzähligen Passanten, die wie ein aufgescheuchter Ameisenhaufen durcheinander zu wimmeln schienen. Aber Michael nahm auch davon nichts wirklich wahr. Er schwebte wie auf Wolken dahin, in Gedanken versunken und völlig losgelöst von seiner Umwelt, während er langsam die Place Vendôme entlang humpelte...

Er sah weder den Zeitungsstand, von dessen Auslage aus ihm die neueste fettgedruckte Schlagzeile förmlich entgegen sprang („L'armee allemande marche vers la Belgique! Angleterre déclaré l'Allemagne la GUERRE!"), noch den schmierigen kleinen Mann mit dem Frettchengesicht, der sich ihm im Schutz der Menschenmenge mit schnellen Schritten näherte und hastig ein langes schmales Stilett aus einem Lederhalfter unter dem Ärmel seiner fadenscheinigen Jacke zog ...

Das Letzte, was Michael Fitzhubert überhaupt sah, war das entsetzte kalkweiße Gesicht eines viel zu jungen Flics, das sich im Widerschein der Sonne über ihn beugte …

Und dann kam die Nacht ...

E N D E

© 2024 by Nangijala


Übersetzung:

Eh bien

Na ja

Vous comprenez?

Verstehen Sie?

Alors

Also gut

grande famille

große Familie

n'est-ce pas?

oder nicht?

tout de suite

sofort

Au nom du ciel

um Himmels willen

Je comprends

Ich verstehe

Et bonne chance

Und viel Glück

Bonne chance à vous aussi

Auch Ihnen viel Glück

L'armee allemande marche vers la Belgique! Angleterre déclaré l'Allemagne la GUERRE!

Deutsche Armee marschiert in Belgien ein! England erklärt Deutschland den KRIEG!