Kapitel 124

sensibel

von besonderer Feinfühligkeit; empfindsam

Es war schon spät, als sie zurück zum Zeltplatz kamen. Hermione hatte nicht erwartet, dass noch jemand wach war, wurde jedoch überrascht, das Mary am Feuer saß und zu ihnen herübersah.

„Hi", sagte sie. „Ich dachte du schläfst schon."

Mary sah zu ihnen hoch. Sie musterte einen Moment die Leine, mit der Draco sie noch immer führte. Hermione versuchte ihren Blick zu interpretieren. Vielleicht sollte sie Mary einmal auf Sean ansprechen, sie hatte einfach ein ungutes Gefühl bei der Sache.

„Ich würde noch kurz mit Mary reden", sagte sie an Draco gewandt und dieser runzelte nachdenklich die Stirn.

„Der Zyklus endet bald", erinnerte er sie und machte eine Drehbewegung mit der Hand. Das Seil löste sich magisch von ihrem Halsband und rollte sich in seiner Hand zusammen. Hermione bemerkte, dass Mary es fasziniert beobachtete, bis Draco das Seil wegpackte. Erst dann stand sie auf.

„Wollen wir noch kurz eine Runde gehen?", fragte Hermione an Mary gewandt und diese stand auf.

„Ja, klar."

„Wenn ihr fertig seid, würde ich uns nach London ins Hotel apparieren. Wir haben kein Zelt und mir ist der Boden zu hart", sagte Draco und Hermione nickte. Sie brauchte morgen früh nicht hier aufwachen. Denn es gab kein morgen früh.

Draco hauchte ihr einen sanften Kuss auf die Lippen, bevor er sich an das verlöschende Feuer setzte.

„Kommst du?", fragte Hermione und Mary nickte unsicher. Sie folgte ihr, jedoch nicht ohne Draco noch einen nachdenklichen Blick zuzuwerfen.

Sie entfernten sich ein Stück und setzten sich am Waldrand auf einen umgestürzten Baum.

„Magie ist schon ziemlich cool", sagte Mary wehmütig und blickte zu Draco zurück. Hermione konnte sich ein Schnauben nicht verkneifen. Draco war schon immer ein ziemlicher Angeber. Kein Wunder, dass er es auskosten musste, dass Mary von Magie wusste.

„Das mit Sean und dir", begann Hermione und ging nicht weiter auf Magie ein. Sie war sich unsicher, wie sie Sean ansprechen sollte. Schließlich schwärmte Mary schon seit geraumer Weile für ihn.

„Du hast nie erwähnt, dass er aus der BDSM-Szene ist", sagte Hermione schließlich in Ermangelung einer besseren Formulierung.

Mary warf ihr einen seltsamen Blick zu und versuchte wohl ein Grinsen zu unterdrücken.

„Ja, naja du musst dich ja damit auskennen. Ich meine ich war mehr als überrascht, was dich angeht."

„Es sollte kein Vorwurf sein. Ich dachte nur du hättest mir sowas gesagt", wiegelte Hermione ab. Ein bisschen war sie enttäuscht, dass Mary ihr nie etwas gesagt hatte.

„Naja, es läuft noch nicht lang", druckste Mary herum und sah ziemlich verlegen aus. „Ich bin mir nicht mal sicher ob überhaupt was läuft. Aber naja wir haben ein paar Sachen ausprobiert und es hat mir gefallen."

„Du hattest Sex?", fragte Hermione überrascht, doch Mary machte nur eine wegwerfende Handbewegung.

„Nein, natürlich nicht. Also keine Penetration. Es ist auch nicht nötig. Wir haben anderes gemacht und er will mehr. Er will das in einem Sklavenvertrag festhalten, es sozusagen „offiziell" machen für uns."

Hermione wusste einen Moment nicht, was sie dazu sagen sollte. Irgendwie fremdelte sie mit dem Gedanken mit Draco irgendeinen Vertrag abzuschließen wo drinnen stand, was er tun durfte und was nicht. Es schien ihr irgendwie komisch so ihre Beziehung definieren zu wollen.

„Und was willst du?", fragte sie Mary und diese zuckte etwas unsicher die Schultern.

„Ich bin mir nicht sicher, ich meine wie hast du das mit Draco gemacht? Ihr wirkt so harmonisch", wollte sie wissen.

Hermione legte den Kopf schief und musterte Mary einen Moment.

„Draco und ich führen keine BDSM-Beziehung. Zumindest nichts, was ich mir darunter vorstelle. Keine Spielbeziehung die auf einem Vertrag beruht oder sowas in der Art. Wir lieben uns einfach nur. Es gibt auch nichts Schriftliches, wenn überhaupt ein paar Absprachen. Weil wir nichts tun, was bleibende Schäden verursachen könnte. Klar, als Hexe ist das Spektrum von Dingen, die du ohne Risiko tun kannst, bedeutend größer. Es gibt Magie, sollte wirklich etwas schief gehen. Es minimiert die Konsequenzen für uns."

Hermione hatte sich darüber nie Gedanken machen müssen, da es in einer Zeitschleife sowieso keine Konsequenzen gab. Sie hatten nie darüber nachdenken müssen. Aber wie sah es in der Realität aus. Sollte Draco sie aus Versehen wirklich verletzen, dann könnte das juristische Konsequenzen geben. Hauptsächlich für ihn. Vorausgesetzt sie schafften es Voldemort loszuwerden. Ansonsten könne er mit ihr wahrscheinlich tun, was er wollte. Keiner würde ihn dafür bestrafen ein Schlammblut zu verletzen. Der Gedanke ließ Hermione frösteln.

„Und woher weiß er wie weit er gehen darf?", wollte Mary wissen. Hermione schüttelte den Gedanken ab und wandte ihre Konzentration wieder Mary zu.

„Wir haben nie Grenzen definiert. Draco ist der Erste, mit dem ich jemals meine submissive Neigung ausgelebt habe. Wir haben zusammen alles das erste Mal gemacht. Er hat mich mal danach gefragt, wo meine Grenzen sind und ich wusste es damals nicht. Bei manchem bin ich mir heute auch noch unsicher. Aber ich denke es kommt auch auf das Ziel an."

Hermione rieb sich fröstelnd die Arme und zuckte unsicher die Schultern „Ist das Ziel immer extremere Dinge zu tun, immer mehr in den Tunnel zu rutschen? Dann ist es wahrscheinlich gut feste Grenzen zu formulieren. Draco und mir ging es nie darum Grenzen zu reißen. Wir wollen einfach nur Spaß haben. Sex haben, uns gut fühlen. Es hat sich einfach so entwickelt, ohne dass wir das vorher besprochen hätten. Als es uns auffiel, waren wir schon viel zu weit in dieses Spiel vertieft, um aufhören zu wollen. Aber mehr ist es auch nicht. Ein Sexspiel, dass nicht unsere Beziehung zueinander definiert."

Hermione dachte an ihre Anfänge zurück und dass sie ziemlich lange gebraucht hatte, um zu begreifen, an was sie ihre beginnende Beziehung zu Draco erinnerte. Es war immer nur um Sex und Lust gegangen. Hermione musterte Mary, die sie unschlüssig ansah.

„Ich denke mittlerweile, dass es hauptsächlich Draco ist, der eine Grenze zieht", fügte sie hinzu. „Weil er ab einem gewissen Punkt einfach zu viel Sorge hat, dass mir etwas passiert. Weil er mich zu sehr liebt, um mich wirklich in Gefahr zu bringen. Ich weiß nicht, ob es ihm bewusst ist. Aber ich denke, das ist die Grenze und ich liebe ihn dafür."

„Du weißt, dass das ziemlich süß klingt?", sagte Mary und legte ihren Kopf schief. „Draco wirkt gar nicht so sanft. Er wirkt abweisend, kühl und naja irgendwie dominant eben."

Hermione musste lächeln und berührte fast automatisch ihr Halsband. Sie würde nie vergessen, was Draco gesagt hatte, als er ihr es das erste Mal gegeben hatte. Das sie wertvoll für ihn war. Er hatte sie nie so behandelt, dass es Grund gegeben hätte daran zu zweifeln.

„Draco hat eine ziemlich sanfte, einfühlsame Seite. Auch einer der Gründe, warum ich mich bei ihm wohl fühle. Aber wenn du Zweifel hast. Wenn du dich gedrängt fühlst, dann solltest du das Sean sagen und schauen, wie er reagiert. Wenn er nicht einfühlsam genug ist, um auf deine Ängste einzugehen, dann solltest du vorsichtig sein. Denn wenn er da schon nicht einfühlsam genug ist, woher willst du wissen, ob er es ist, wenn mal wirklich etwas schiefläuft. Ob er Rücksichtsvoll genug ist, auf dich aufzupassen."

„Und was, wenn ich nur zu empfindlich bin? Einfach grundlos überreagiere. Ich denke manchmal ich bin da viel zu verklemmt", wollte Mary wissen und Hermione sah sie überrascht an.

„Es gibt kein zu empfindlich", sagte sie unwirsch. „Ich meine es hängt immer davon ab wie weit ihr geht, oder? Wenn ich mit Draco Tunnelspiele spiele oder in Panik verfalle muss er mich auffangen. Da ist es absolut egal ob ich zu sensibel bin oder nicht. Ich bin wie ich bin und wenn er es nicht schafft mich da rauszuführen damit ich mich wieder wohl fühle, dann würden wir nicht zusammenpassen. Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte ich einen Panikanfall. Es war komplett unvorhersehbar."

Hermione seufzte und dachte an den Moment zurück. „Er hat mich gefesselt und mir die Sinneseindrücke geraubt, die Möglichkeit mich bemerkbar zu machen und an sich sollte das kein Problem sein. Aber dann habe ich ihn nichtmehr neben mir gespürt und es hat mich an die Psychiatrie erinnert, als ich fixiert wurde, weil ich einen Wutanfall hatte. Da bin ich in Panik geraten."

Hermione sah zu Mary und zuckte mit den Schultern. „Er hat mich so oft gefesselt und ich hatte nie Probleme damit und dann war es ganz plötzlich da. Das passiert einfach manchmal. Da kann ich Draco auch keinen Vorwurf machen oder mir. Da ist es einfach wichtig, dass er es bemerkt und richtig reagiert und wenn Sean nicht sensibel genug ist zu bemerken, wenn du verunsichert bist, dann solltest du mit ihm nichts machen bei dem du ihm vorbehaltlos vertrauen musst."

„Und du behauptest ihr macht nichts Gefährliches", sagte Mary vorwurfsvoll.

„Nichts, was bleibende Schäden hinterlassen, kann", verteidigte sich Hermione. „Okay, für Menschen ohne Magie vielleicht schon. Aber ich hoffe du-"

Hermione hielt inne als Marys Handy plötzlich zu klingeln begann. Sie zog es raus und warf einen Blick drauf.

„Ist nur Dad", sagte sie und hielt inne, unschlüssig ab sie abnehmen sollte.

„Geh ran. Muss wichtig sein, wenn er mitten in der Nacht anruft", sagte Hermione irritiert.

„Es ist fast sechs. Also schon eher morgen", sagte Mary und nahm den Anruf entgegen.

„Was ist Dad?", fragte sie und Hermione konnte die Gegenseite nicht hören.

„Wir haben dir doch gesagt, dass wir zum Festival fahren. Ja, Hermione ist auch hier."

„Warum so plötzlich?"

„Lass uns noch wenigstens ausschlafen."

Hermione folgte der einseitigen Kommunikation. Bis Mary plötzlich blass wurde.

„Nein", sagte sie ins Telefon und schock stand ihr ins Gesicht geschrieben.

Dann nickte sie nur benommen, bevor sie auflegte.

„Wir sollen nachhause kommen. Sofort", sagte Mary und stand auf. Sie war schon den halben Weg zum Zelt gelaufen, als Hermione sie einholte.

„Was ist passiert?", wollte sie wissen und hatte ein mulmiges Gefühl im Magen.

Mary drehte sich zu ihr um und sie schien vollkommen aufgelöst.

„William ist tot."

Hermione wusste einen Moment nicht, was die sagen sollte. Es gab in ihrem Kopf keinen Sinn. Sie versuchte sich daran zu erinnern, wann sie William das letzte Mal gesehen hatte, dann fiel ihr auf, dass Marys großer Bruder nicht auf der Geburtstagsfeier gewesen war.

Sie nahm Mary das Handy aus der Hand und sah auf die Uhr. Es war 5.56 Uhr. Noch etwas weniger als eine Stunde bis die Zeitschleife sich wiederholen würde.

„Wir müssen uns beeilen", sagte Hermione und lief zu Draco. Er schien bemerkt zu haben das etwas nicht stimmte, denn er stand mit gerunzelter Stirn auf, als sie auf ihn zu gerannt kam.

„William ist tot. Wir haben nur noch eine knappe Stunde, bis die Zeitschleife endet."

„Tot?", fragte Draco überrumpelt.

„Wir apparieren nach London", entschied Hermione und hielt schwer atmend inne. Mary kam hinter ihr hergerannt.

„Mary, wo ist Jacob jetzt?", wollte sie wissen und Mary schien vollkommen überfordert.

„Mary!", sagte Hermione eindringlich. „Noch ist niemand tot. Wir haben noch etwas Zeit. Wir apparieren jetzt nach London. Mit Magie. Dann finden wir heraus was passiert ist und können verhindern das William stirbt. Denn gestern war William noch am Leben und wenn er gestern noch am Leben war, dann ist er noch nicht wirklich tot."

Mary schien nicht wirklich zu begreifen, was sie meinte, aber als sie Magie hörte, hellte sich ihre Mine auf.

„Das kannst du?", wollte sie wissen.

„Ja. Also wo ist dein Vater gerade", verlange Hermione zu wissen.

„Dad meinte wir sollen nachhause kommen", sagte Mary aufgeregt. „Ich gehe Robert wecken."

„Vergiss Robert", beschloss Hermione und Draco nickte ihr grimmig zu.

„Uns läuft die Zeit davon. Er weiß nichts von Magie. Es wird alles aufhalten", fügte Draco hinzu.

„Ich appariere", bestimmte Hermine und Draco reichte ihr die Hand. Mary schien zu zögern.

„Los jetzt, oder wir gehen ohne dich", herrschte Draco sie an und Mary schnappte schnell nach Hermiones dargebotener Hand.

Einen Augenblick später standen sie am Ende der Straße, in der sie aufgewachsen war.

Dicht gefolgt von Mary eilten sie den Weg entlang. Vor Marys Haus stand ein Streifenwagen und Hermione bemerkte auch mehrere andere Autos von Familienmitgliedern. Noch während Mary nach ihrem Haustürschlüssel suchte, hatte Hermione geklingelt. Es dauerte nicht lange und ihr Vater öffnete die Tür.

„Mione", sagte er überrascht.

„Jacob hat gerade angerufen. Wir sind sofort gekommen."

„Aber er hat doch gerade erst…", begann ihr Vater, doch er schien wohl zu begreifen, während er sprach. „Kommt rein."

Dicht hinter Hermione betrat Draco das Wohnzimmer. Die ganze Familie Granger schien hier versammelt zu sein. Hermiones jüngster Onkel saß mit seiner Familie am Esstisch. Seine Kinder sahen ziemlich mitgenommen aus. Hermiones Großvater hatte beide Hände auf die Schultern von Hermiones Großmutter Jean gelegt, die neben ihrem jüngsten Sohn saß. Jacob unterhielt sich gerade mit dem Polizisten und Hermiones Mutter, die mit einer Kanne Tee aus der Küche kam, hielt irritiert inne, als sie sie sah. Kurz dachte Draco darüber nach, wo wohl Jacobs Frau war. Er konnte sich nicht daran erinnern von ihr gehört zu haben.

„Wie siehst du denn aus, Mione?", fragte Barbara Granger überrascht. Hermione beachtete sie nicht weiter. Sie trug noch immer die Kleidung ihrer Cousine und sah mit dem schwarzen Korsett und dem goldenen Metallhalsband schon ziemlich auffällig aus. Außerhalb eines Goth Festivals gaben Mary und Hermione ein ziemlich eigentümliches Bild ab.

„Wir sind so schnell gekommen, wie wir konnten", sagte Hermione. „Jacob, Mum, Dad ich muss mit euch reden es ist wichtig."

„Weißt du etwas über William?", wollte ihr Großvater wissen und musterte sie grimmig.

„Vielleicht gibt es eine Chance William zu retten", sagte Hermione an Jacob gewandt und dieser starrte sie einen Moment überrumpelt an.

„Gibt es?", wollte er wissen und seine Mine hellte sich auf. Hermione nickte aufgeregt. „Okay, gut, was brauchst du?", fragte Jacob sofort. Er schien zu verstehen, dass es irgendwas mit Magie zu tun hatte.

„Was geht hier vor sich, erklärt euch?", wollte Hermiones Großvater wissen und erhob sich. Es schien ihm gar nicht zu gefallen, dass Jacob und Hermione von etwas sprachen, dass er nicht verstand.

„Das ist schwer zu erklären", begann Jacob und wirkte unsicher, was er seinem Vater sagen konnte. Doch Hermione ließ ihm keine Zeit.

„Ich bin eine Hexe", begann sie genervt. „Ich kann Zaubern und in knapp zehn Minuten wird sich die Zeit um 48 Stunden zurückdrehen und William wird wieder leben. Wenn ich weiß, wie er gestorben ist kann ich es vielleicht verhindern. Aber ich habe nur 10 Minuten."

Alle sahen Hermione an und Draco wusste nicht so recht den Ausdruck zu deuten, der über die Gesichter vieler Familienmitglieder huschte. Hermiones Großmutter war die Erste, die etwas dazu sagte.

„Oh, Mione, nicht schon wieder." Sie sah ziemlich besorgt aus.

„Oma, bitte, es ist nicht so wie du denkst", fauchte Hermione aufgebracht.

„Edward, kümmre dich um deine Tochter", verlangte ihr Großvater resigniert und ließ sich zurück auf seinen Stuhl sinken. Hermione presste die Lippen zusammen und wandte sich an Jacob.

„Also was ist passiert?", wollte sie wissen.

Plötzlich sprachen alle durcheinander. Edward, der sich an seinen Vater wandte, Mary die Hermione verteidigte, dass sie wirklich eine Hexe sei. Hermiones Großmutter die Besorgt auf Hermione zuging und auf ihre Enkelin einredete. Ihre Mutter, die versuchte sie abzuschirmen und Jacob der über das allgemeine Geplapper versuchte mit Hermione zu reden. Zwischendrin stand der Polizist und schien nicht recht zu wissen was geschah. Als dann auch noch Hermiones anderer Onkel John aufstand um sich zu beteiligen, reichte es Draco. Er zückte seinen Zauberstab. Ihnen lief die Zeit davon.

„Silencio", rief er laut und allgemeines Schweigen breitete sich auf.

„Schon besser", sagte er grimmig. „Jacob und Hermione reden jetzt und der Rest schweigt bitte für die nächsten Minuten. Um 6.42 dürft ihr meinetwegen etwas sagen. Wer vorher noch etwas zu Williams Tod hinzuzufügen hat, meldet sich bitte ganz brav mit einem Handzeichen und ich hebe den Schweigezauber auf."

Draco wandte sich an Jacob und machte eine Geste mit seinem Zauberstab in seine Richtung.

„So jetzt darfst du", sagte er und Jacob räusperte sich.

„Ähm, okay. Das war beeindruckend", stellte er fest und musterte seine schweigsame Familie. Alle sahen vollkommen verschreckt aus. Hermiones Großvater schien wie vor den Kopf gestoßen und starrte ihn aus hervorquellenden Augen an.

„Also", begann Jacob in die Stille hinein. „Ich habe heute um kurz nach zwei die Nachricht bekommen, dass ein Mann, wahrscheinlich William, Tod aufgefunden wurde. Ich bin in die Rechtsmedizin gefahren, ein Freund aus dem Studium arbeitet dort und ich konnte William identifizieren. Die Todesursache ist noch nicht ganz klar. Dem ersten Eindruck der Leiche nach zu urteilen, sieht es nach einer Überdosis Kokain aus. Er hat sich das Zeug intravenös gespritzt." Jacob seufzte tief und fügte hinzu. „Ich habe ihm das Taschengeld gekürzt, weil er durch zu viele Prüfungen gefallen ist. Kann sein das er gepanschtes Zeug gekauft hat."

„Wo hat man ihn gefunden?", wollte Hermione wissen und Draco hatte die leise Vermutung, dass Williams Drogenproblem wohl kein allzu gut gehütetes Geheimnis gewesen war. Zumindest in der Familie Granger. Hermione schien nicht sonderlich überrascht.

„In seiner Wohnung", antwortete Jacob. „Es sah wohl so aus, als wären zum Todeszeitpunkt noch andere Leute da gewesen. Die Polizei wollte wissen, ob ich wissen könnte, wer das war. Aber ich kenne Williams Freunde nicht. Es gab einen anonymen Hinweis von einer Frau. Der Todeszeitpunkt ist geschätzt 8 Uhr gestern Abend"

„Weißt du noch etwas?", wolle sie wissen. „Irgendwas, was mir helfen kann? Ich weiß, dass er Freitagvormittag in London ist."

„Er sollte in der Uni sein", erboste sich Jacob aufgebracht. Kurz schürzte er die Lippen, kam dann aber zu der Erkenntnis, dass es nichts brachte Hermione anzuschreien. „Nein, ich weiß nichts. Wir haben in letzter Zeit kein gutes Verhältnis zueinander gehabt."

„Warum?", wollte Hermione wissen.

„Er hat sich gehen lassen, hat die Uni nichtmehr besucht, nichtmehr auf mich gehört. Er sollte heute eigentlich zur Geburtstagsfeier kommen, aber selbst da ist er nicht aufgetaucht."

„Das hat nicht zufällig etwas mit ihrer Affäre mit Hermiones Mutter zu tun?", wollte Draco wissen und musterte den Muggel eindringlich. Es schien fast so, als sähe er etwas schuldbewusst aus. Draco war sich nur nicht sicher, ob es wegen der Affäre oder dem Tod seines Sohnes war.

„Was?", fragte Hermione fassungslos. Sie wirbelte zu ihrer Mutter herum, doch bevor sie etwas sagen konnte, setzte sich die Zeit zurück und Draco erwachte im Slytherinschlafsaal der Jungen.