KAPITEL 2
"escape"
„Was ist mit Euch geschehen? Geht es Euch gut?"
Kaum war Sigrid zurück in ihrer Zelle sank sie zermürbt zu Boden, gab ihren zittrigen Beine etwas Ruhe. Erst dann hob sie träge ihren Kopf und warf Fili ein bedrücktes Lächeln zu. Sie wollte den Zwergen beweisen, dass sie gar nicht so schwach war, wie man vielleicht annahm. Schon so häufig hatte sie man sie unterschätzt. Nur … so langsam aber sicher lagen ihre Nerven blank. Dieser Mann war gefährlich. Seine Erscheinung. Alles an ihm hatte sie eingeschüchtert.
„Sorgt Euch nicht. Es geht mir gut. Ich wurde mit unserem Gastgeber bekannt gemacht. Es ist ein Sklavenhändler. Man nennt ihn Déor, den Schatten."
Kaum hatten jene Worte ihre Lippen verlassen, hörte sie Kili spöttisch schnauben.
„Der Schatten?", wiederholte er abfällig und stieß mit seinen rechten Fuß gegen die Tür seiner Zelle, die durch die Wucht kurz zitterte. „Was ist das für ein Name?" Er schüttelte den Kopf und hockte sich frustriert im Schneidersitz auf den Boden.
„Das ist doch jetzt völlig gleich, Kili. Wir sollten jetzt endlich von hier fliehen." Fili robbte wieder näher in Sigrids Richtung. Er rüttelte mit seinen gefesselten Händen an den Gitterstäben, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen.
„Sigrid?"
Sie zuckte beim Klang seiner behutsamen Stimme leicht in sich zusammen. Sie wollte nicht so mutlos wirken. Aber sie hatte kaum Hoffnung je wieder in den vertrauten Straßen von Thal zu bummeln.
„Hört mir zu. Ihr müsst an meinen Dolch gelangen. Dieser Ork hat mich vorhin nicht richtig durchsucht. Versteht Ihr was ich Euch damit sagen will? Wir kommen hier raus", versicherte er ihr eindringlich.
Sigrid wollte ihm gerne glauben, jedoch ...
Heiße Tränen sammelten sich in ihren Augen, die sie versuchte trotzig weg zu blinzeln.
„Und dann?" Ihre Stimme klang unangenehm schrill. Sie hatte Mühe ruhig zu bleiben. „Was dann?", wiederholte sie diesmal ein wenig beherrschter. „Dieses Verlies scheint ein Labyrinth zu sein." Ihr Kopf flog entmutigt in seine Richtung und sie rutschte mit einem Ruck kurzerhand ganz nah an ihn heran. Seine blauen Augen weiteten sich überrascht.
„Auch wenn wir es aus unseren Zellen hinaus schaffen sollten. Wie wollen wir hier wieder herausfinden? Dort draußen könnte es von Orks wimmeln!" Am Ende hin war sie dann doch lauter geworden und starrte Fili störrisch ins Gesicht. Eine unangenehme Hitze kroch in ihre Wangen. Unaufhaltsam und schnell. So aufmüpfig war sie ihm gegenüber noch nie gewesen. Sie schämte sich aus einem unerfindlichen Grund und drehte ihren Kopf rasch zur Seite weg.
Kili hinter ihr stieß plötzlich ein amüsiertes Lachen aus und brauchte einige Sekunden um sich wieder zu beruhigen.
„Ja, Bruder. Was dann?" Sie konnte förmlich das Grinsen aus seiner bebenden Stimme heraushören. Er machte sich über sie lustig! „Unsere Prinzessin hat jedoch gar nicht mal so unrecht. Aber du kennst mich ja, lieber sterbe ich beim Versuch zu fliehen, als in dieser Zelle zu verrotten." Kili hatte sich im Gegensatz zu ihr schnell entschieden.
Sigrid stieß einen grimmigen Laut aus. Diese Zwerge waren so eigenwillig! Egal was sie für Argumente hatte, sie würden ohnehin nicht auf sie hören. Ein wahrlich dickköpfiges Volk.
„Fein. Ich versuche es. Vielleicht könnt ihr die dutzenden Orks ja mit Eurem Dolch verjagen." Der bissige Ton in ihrer Stimme war pure Absicht. Sie wusste selbst nicht was genau sie eigentlich wollte. Einerseits hatten die Zwerge einen Plan, der vielleicht Freiheit versprach. Anderseits konnte dies genauso gut eine Todesfalle werden. Sie war hin und hergerissen, verstand sich selbst nicht.
Sigrid sah Filis Augen triumphierend aufleuchten und er setzte sich so auf, das er seine linke Seite an die Gitterstäbe heran drücken konnte. Sie schluckte und spürte, wie ihre Hände zu zittern begannen. Eigentlich war sie sich nun doch nicht mehr so sicher, ob das so eine gute Idee war.
„Wo soll Euer Dolch denn sein?", fragte Sigrid nervös und sah überall hin, nur nicht zu Fili.
„Sollte ich besser wegsehen? Ich würde euch beide ja wirklich gern allein lassen, aber ..." Kili hob sichtlich belustigt seine gefesselten Hände in die Höhe und deutete mit den Augenbrauen wackelnd Richtung Zellentür. Sigrid hätte ihn am liebsten grob zurecht gewiesen. Aber sie beließ es dabei.
„Schweig, Kili. Das ist überhaupt nicht hilfreich." Fili übernahm das deswegen kurzerhand für sie. Sie lächelte dankbar in sich hinein. Sein unnötiges Gerede war Gift für ihre Nerven!
„Unter meiner Rüstung. Zwischen Tunika und Gürtel. Direkt am Rücken." Er versuchte die Position so gut es ging zu beschreiben, was ihr jedoch wenig half. Ihr schwirrte der Kopf und sie fing trotz der beißenden Kälte an zu schwitzen. So nah war sie einem Mann vorher noch nie gewesen.
Ihre Hände glitten seine Seite entlang, schoben sich vorsichtig unter seine Rüstung. Sie spürte, wie er sich versteifte und hörte ihren eigenen Atem viel zu laut in ihren Ohren rauschen. Der Geruch von Leder und Pfeifenkraut hüllte sie ein.
Konzentriert fuhr sich Sigrid mit der Zunge über ihre trockenen Lippen. Dieses Ding musste hier doch irgendwo sein?! Sie drängte ihre Finger kurzerhand forsch unter seinen Gürtel, was ihn kaum hörbar Aufjapsen ließ - und erfühlte plötzlich kalten Stahl. Ihre Gesichtszüge hellten sich auf.
„Ich hab ihn!", ließ sie die Zwerge erfreut wissen und versuchte die Waffe herauszuziehen, was kein leichtes Unterfangen war. Sie zerrte und zerrte. Aber es war sinnlos.
„Sigrid." Filis Stimme so nah an ihrem Ohr ließ sie abrupt inne halten. Sie neigte ihren Kopf in seine Richtung und gefror in ihrer Bewegung. Ihrer Gesichter waren nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt. Sie hielt die Luft an. Der Ausdruck in diesen blauen Augen war nicht fair!
„Beruhigt Euch. Ihr schafft das", raunte er ihr leise zu. Sie nickte geistesabwesend und versuchte diese ungewohnte Nähe zu ignorieren. Ihre Hände umfassten den Griff der Waffe etwas fester und sie versuchte es nun weitaus behutsamer. Und tatsächlich. Der Dolch kam Stück für Stück zum Vorschein. Sie strahlte, als sie jenen schließlich in den Händen hielt.
Erst befreite sie Fili von seinen Fesseln. Die gleiche Prozedur alsdann bei ihr. Zum Schluss eilte Sigrid zu Kili hinüber, dessen Hände kurzerhand auch wieder Bewegungsfreiheit verspüren durften.
„Und nun zeige ich Euch meine hervorragenden Ausbruch-Fähigkeiten." Kili zwinkerte ihr zu und hatte die Waffe an sich genommen, um sich anschließend am Schloss der Zelle zu schaffen zu machen.
Sigrid rieb sich über ihre Handgelenke. Das Seil hatte einige unschöne, rote Striemen auf ihrer Haut hinterlassen und es schmerzte. Wahrscheinlich sah sie gerade nicht sehr Vorzeigehaft aus. Ihr sonst so kunstvoll, hochgestecktes Haar musste einem Vogelnest gleichen. Geschweige denn die völlig verschmutzte Kleidung, die sie trug. Und die blauen Flecken am Körper konnte sie wahrscheinlich nicht an zwei Händen abzählen.
„Ihr seid wirklich sehr tapfer."
Ihre überraschten Blicke flackerten zu Fili hinüber, der ihr ein aufmunterndes Lächeln schenkte. Wie machte er das immer?
„Ihr müsst scherzen. Ich werde fast von einer Furcht verschluckt, die mich kaum atmen lässt. „Aber ..." Sie hielt kurz inne. Ihre Lippen hoben sich leicht. „... Ihr seid ja hier. Ich meine ..." Ein weiteres Stocken. „...Ihr und Euer Bruder. Ohne euch hätte ich bestimmt meinen Verstand verloren." Das war knapp gewesen. Worte entfleuchten ihren Lippen, die sie für sich behalten wollte.
Sigrid hatte keine Ahnung, wie lange Kili dafür brauchte sie alle aus ihren Zellen zu befreien. Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Nur die permanente Anspannung war allgegenwärtig gewesen. Jetzt wo sie alle der Tür gegenüberstanden, die sie hinaus auf den Gang führte, konnte sie kaum klar denken. Die schrecklichsten Szenarien rauschten ihr durch den Kopf. Was wenn sie dem Ork direkt in die Arme liefen? Oder dem Anführer? Sie selbst schien ihm äußerst kostbar. Aber was war mit den Zwergen? Würde er sie direkt töten? Vor ihren Augen?
„Folgt mir jetzt. Leise." Kili öffnete die Tür, die ein unschönes Knarren von sich gab. Zu laut, schoss es ihr schreckhaft durch den Kopf. Man würde sie noch hören!
Es war niemand im Gang zusehen. Vielleicht war ihnen das Glück hold und blieben unentdeckt.
Während sie den beiden Zwergen folgte, trommelte ihr Herz beängstigend schnell in ihrem Brustkorb. Sie fühlte sich, wie betäubt und jede Bewegung kam ihr unnatürlich vor. Das hier glich schon fast dem Alptraum, welcher sie früher immer heimgesucht hatte.
„Warte. Ich glaube es geht hier entlang!", wisperte sie es keine Sekunde später leise. Sie war sich sicher, dass der Weg, den Kili und Fili einschlagen wollten zu Déor führte. Sie konnte sich an diesen Kratzspuren an den Wänden erinnern.
Gerade als Sigrid in die entgegengesetzte Richtung: Links statt rechts laufen wollte, passierte es. Sie kam keine zwei Meter weit. Sie stieß unsanft mit jemanden zusammen und taumelte verdattert einige Schritte zurück. Starke, warme Hände umfassten von hinten ihre Schultern und bewahrten sie vor einem Sturz. Fili.
Anschließend begegnete sie den überraschten blauen Augen von Othar. Sie konnte förmlich sehen, wie es in seinem Kopf zu Arbeiten begann. Er würde sie verraten! Ganz sicher.
„Othar!" Die schneidende Stimme des Anführens hallte aus der anderen Richtung zu ihnen hinüber. Es folgten leichtfüßige Schritte.
Sigrid hatte das Gefühl ein Loch täte sich unter ihr auf. Es war vorbei. Déor würde jeden Moment hier sein. Sie würde man in ihre Zelle zurück sperren. Die Zwerge jedoch töten.
„Kommt mit. Ihr müsst hier entlang", zischte Othar eindringlich. Sigrid konnte ihren Ohren kaum trauen und starrte ihn fassungslos an. Was hatte er gesagt? Wollte er ihnen zur Flucht verhelfen? Aber warum?
„Wer ist das? Wieso wollt Ihr uns helfen?" Fili schob sich umgehend schützend vor die Prinzessin und bedachte den jungen Mann misstrauisch. Verständlich. Sie selbst hegte Zweifel an Othars Absichten.
„Wenn Ihr leben wollt dann folgt mir! Jetzt." Othar wirbelte herum und rannte los. Sie starrten ihm unschlüssig hinterher. Hatten sie eine Wahl? Nein. Sie mussten hier weg. Sofort.
„Also ich fand ihn irgendwie doch sehr überzeugend." Kili schien seine Entscheidung getroffen zu haben und folgte dem rothaarigen Knaben, dessen Intention vorerst im Dunklen blieb. Sigrid und Fili ließen ebenfalls nicht lange auf sich warten und stürmten los.
„Was ist mit Waffen, Junge?", rief der jüngere Zwerg ihm im Laufen zu und hatte nach seinen Oberarm gegriffen. Othar schüttelte jenen sofort wieder ab.
„Seid nicht so ungeduldig", kam es unwirsch zurück und sie stolperten kurzerhand in eine dunkle Kammer hinein.
Sigrid schnappte hörbar nach Luft und lehnte sich rücklings an das kalte Gemäuer, während die Herren sich bewaffneten. Auf einem Tisch lag ihre komplette Ausrüstung. Sie konnten sich nun verteidigen und standen nicht mit mehr leeren Händen da.
„Hier." Sigrid hob ihren Kopf. „Ihr solltet Euch bewaffnen." Othar hatte sich lautlos genähert und reichte ihr einen kleinen Dolch. Sie schluckte als sie den verzierten, schweren Griff an ihren Fingern spürte, nickte jedoch entschlossen. Er hatte recht. Sie musste sich verteidigen können und dürfte zu keiner unnötigen Belastung werden. Hätte sie doch nur mit ihren Bruder mehr den Schwertkampf geübt. Wie oft hatte Bain ihr in den Ohren gelegen? Sie bereute es nun nicht auf ihn gehört zu haben.
„Wir müssen die zwei Wachen am Eingang ausschalten." Othar stand schon wieder an der Tür und spähte kurz auf den spärlich beleuchteten Gang hinaus.
„Die Wachen sind kein Problem." Kili grinste zuversichtlich. „Aber warum helft Ihr uns?", bohrte er nach und seine sonst so weichen Gesichtszüge verhärteten sich.
Othars Blick fiel auf Sigrid. Sie spannte sich schlagartig an.
Filis Augenbrauen schossen in die Höhe. „Was habt Ihr mit Sigrid zu tun?", wollte er argwöhnisch von ihm wissen und schob sich vor ihr.
„Später", war die gemurmelte Antwort und sie gaben sich vorerst zufrieden, mussten ihm vertrauen. „Und nun eilt!"
Es ging eine enge, steinerne Wendeltreppe hinauf. Sigrid drückte den Dolch fest an ihre Brust. Sie wagte es nicht jenen zwischen ihrer Kleidung zu verstauen.
Die beiden Zwerge führten ihre kleine Gemeinschaft an. Sigrid hielt sich dicht hinter ihnen. Othar bildete die Nachhut.
Kili gab mit einer Geste zu verstehen, dass sie nun alle zu schweigen hatten. Laute einer fremden Sprache waren zu hören. Orkisch. Ein eisiger Schauer kroch ihre Wirbelsäule hinauf. Sie drückte sich an die kalte Steinwand. In ihren Ohren rauschte es.
Fili und Kili machten sich zum Angriff bereit. Es würde jede Sekunde soweit sein. Die Zwergenbrüder schnellten zeitgleich nach vorne. Hinterrücks stießen sie jeweils einen Dolch in den Rücken ihrer Feinde. Die Orks hatten nicht die geringste Chance. Sigrid sah hastig weg, als die Kreaturen, wie zwei schwere Säcke Mehl nach vorne wegfielen.
Irgend jemand riss sie anschließend bestimmend, aber sanft mit. Sie konnte nicht sagen wer es war. Wichtig war nur, dass sie jetzt einen Fuß vor den anderen setzte.
Draußen schlug ihr die kühle Nachtluft entgegen, ließ ihren Atem sichtbar werden. Sie fröstelte und rieb sich über beide Oberarme. Sie trug nicht mehr als ein einfaches Kleid ohne Überwurf. Es war Herbst und der Winter war nicht mehr fern.
Ihre Blicke schweiften verängstigt umher. Das hier war einer der Wachposten des ehemaligen Bürgermeisters. Direkt am See. Von der alten Ruine ging ein langer Steg hinaus. Kleine Eisschollen trieben im dunklen Wasser. Der Mond stand hoch und sie hatten eine klare Sicht auf das steinige, unebene Gelände.
„Bursche. Habt Ihr Pferde?", hörte sie Kili flüstern.
„Nein. Und nennt mich nicht Bursche. Ich heiße Othar", kam es mürrisch zurück.
„Ihr seid ja ein richtiger, kleiner Sonnenschein." Kili zog die Stirn kraus.
Sigrid stieß ein leises Seufzen aus. Die beiden würden nicht so schnell Freunde werden.
„Dann wird das jetzt ein etwas längerer und unangenehmer Fußmarsch werden. Aber wir können hier nicht verweilen." Fili schenkte den beiden nicht weiter Beachtung. In der Ferne hörte man einen Warg aufheulen. Sigrid versteifte sich augenblicklich. In der Tat war jetzt höchste Eile geboten.
Die erste Rast machten sie zwischen zwei massigen Felsbrocken. Es war nicht einfach sich bei Nacht zu orientieren, jetzt wo sich dunkle Wolken vor dem Mond geschoben hatten.
Sigrid ließ sich zu Boden sinken, gab ihren schmerzenden Füße eine kurze Pause. Ihr nachdenklicher Blick lag auf Othar, der sofort spürte, dass sie ihn ansah und starrte gereizt zurück.
„Euch liegt doch etwas auf der Zunge. Nun fragt schon. Aber ich kann Euch nicht versprechen zu antworten. Ihr werdet mir doch ohnehin kein Wort glauben," entgegnete er schroff und zog die Nase kraus. Die beiden Zwergenprinzen ließen ihn nicht aus den Augen und flüsterten kurz hektisch miteinander.
Sigrid begann an eine ihrer Haarsträhnen herum zu spielen und zögerte kurz, bevor sie ihren Mund öffnete:
„Ich frage mich noch immer warum? Wer seid Ihr? Und wieso habt Ihr Euch in Gefahr begeben, um uns zu helfen? Was versprecht Ihr Euch?" Sigrid wollte es verstehen.
Othar ging direkt vor ihr in die Hocke und bettete seine Unterarme auf seine Oberschenkel. Sie unterdrückte den Impuls zurückzuweichen und hielt seinen durchdringenden Blick stand. Er war ihr so nahe, dass sie die Sommersprossen auf seinen Wangen zählen konnte. Sie fühlte sich unbehaglich und wäre am liebsten weit von ihm weg gerutscht.
„Vielleicht ist dies ja mein Weg aus der Gosse? Was meint Ihr wohl was für ein Leben ich unter Déor geführt habe? Als kleiner unbedeutender Handlanger", spuckte er förmlich unzufrieden aus und biss sich auf die Unterlippe.
„Aber ich kann es Euch nicht verübeln. Ihr habt keinen Grund mir zu vertrauen." Othar drehte seinen Kopf zur Seite weg.
Sigrid musterte ihn ein weiteres Mal unauffällig. Seine einfache Kleidung war in dunklen Brauntönen gehalten. Er trug einen fleckige Lederrüstung. Am Gürtel befand sich sichtbar ein Dolch. Er wusste bestimmt hervorragend damit umzugehen.
„Aber wir könnten es versuchen, wenn Ihr mit uns zusammen arbeitet." Seine Hilfe bei ihrer Flucht war ein Anfang. Mehr aber auch nicht. Déor musste aufgehalten werden. Einem Sklavenhändler gehörte das Handwerk gelegt.
In letzter Zeit hatten sich Berichte über Menschen gehäuft, die spurlos verschwanden. Dieser Schatten war bestimmt daran beteiligt. Sie musste unbedingt Vater davon in Kenntnis setzen. Bald. Wenn sie endlich nach Thal zurückkehrte.
