Langsam wird er sauer. »Ist dir eigentlich klar, wer hier vor dir steht?«


»Doppelstunde Zaubertränke, zusammen mit den Gryffindors«, sagt Draco und schaut grinsend von seinem Stundenplan hoch.

Ted, der gerade sein Frühstücksmüsli zusammenstellt, erwidert sein Grinsen. »Na, dann sind wir mal gespannt, wie sich der große Harry Potter im Unterricht macht.«

Tatsächlich hat Draco die Hoffnung, dass Potter ein miserabler Schüler ist, sonst bekommt er am Ende noch einen Höhenflug. Alle Leute, selbst die Lehrer, stolpern über ihre eigenen Füße wenn er vorbeigeht und gaffen ihn mit einer solchen Ehrfurcht an, als wäre er ein verdammtes Wunder!

Natürlich weiß Draco genauso wenig wie alle anderen, was vor zehn Jahren wirklich passiert ist, aber er ist derselben Meinung wie seine Mutter: Der Dunkle Lord wurde NICHT von einem einjährigen Kind getötet! Irgendjemand oder irgendetwas muss ihm geholfen haben, aber die meisten Leute sind nun mal Idioten, die glauben, was sie glauben wollen.

Dabei sieht Potter aus wie ein Niemand, der nicht mal in der Lage ist, seine Haare anständig zu kämmen. Allerdings ist er bei Muggel-Verwandten aufgewachsen, von denen man sowieso kein kultiviertes Verhalten erwarten kann.

»Zaubertränke ist jetzt schon mein Lieblingsfach«, erklärt Draco.

Blaise Zabini gähnt. »Woher willst du das wissen?«

»Erstens: Es wird vom besten Lehrer der Schule unterrichtet. Zweitens: Ich durfte Großvater Abraxas manchmal bei der Zubereitung von Tränken helfen, also kenne ich schon einige Zutaten und Wirkstoffe. Und drittens: Seht euch doch nur die anderen Fächer an!«

»Ich finde Zauberkunst okay«, sagt Ted. »Und in Geschichte können wir wenigstens schlafen.«

Zabini brummt zustimmend, Crabbe hingegen ist voll in seine Schüssel Haferbrei vertieft, und was Goyle angeht, ist Draco nicht sicher, ob er bloß ins Leere starrt oder tatsächlich mit offenen Augen schläft. Andererseits, wer könnte es ihm verübeln, nachdem der Astronomieunterricht gestern erst um Mitternacht angefangen hat? Immerhin hat Draco fünf Punkte für Slytherin erhalten, weil er die Sternbilder, die sie mit den Teleskopen studiert haben, alle beim Namen nennen konnte.

Das bisher schwierigste Fach war Verwandlung. In ihrer ersten Stunde demonstrierte McGonagall ihre Fähigkeiten als Animagus und empfing die Klasse in Gestalt einer grau getigerten Katze. Ein recht beeindruckender Auftritt, auch wenn Draco Katzen nicht besonders mag. Jedoch verlief der Rest der Stunde eher ernüchternd. Nach einem Vortrag darüber, was sie in ihrem Unterricht alles nicht dulden wird, stellte sie ihnen die Aufgabe, Streichhölzer in Stecknadeln zu verwandeln. Niemandem gelang es auch nur ansatzweise. Das einzige Streichholz, das eine Veränderung zeigte, war das von Crabbe - es ging in Flammen auf. McGonagall war wenig begeistert.

Die größte Enttäuschung war allerdings Verteidigung gegen die dunklen Künste bei »Professor« Quirrell. Zunächst einmal stank sein Klassenzimmer erbärmlich nach Knoblauch, weil ihn angeblich ein Vampir aus Rumänien verfolgt. Außerdem war es sehr mühsam, Quirrells Worten zu folgen; keinen Satz brachte er ohne Stottern zustande und er verlor ständig den Faden, so dass niemand wusste, worauf er eigentlich hinaus wollte. Und als Goyle plötzlich laut niesen musste, erschrak Quirrell so sehr, dass sie dachten, er hätte einen Herzinfarkt.

Langsam versteht Draco, warum sein Vater ihn nach Durmstrang schicken wollte, ein Internat in Osteuropa. Der Lehrplan soll dort schon im ersten Jahr sehr anspruchsvoll sein, und sie nehmen vernünftigerweise keine muggelstämmigen Schüler auf, die sich in Hogwarts wie selbstverständlich unter die Reinblüter mischen und die gleiche Luft atmen.

Trotzdem bestand seine Mutter darauf, dass Draco nach Hogwarts geht, damit er nicht so weit von Zuhause weg ist. Und auch, wenn sein Vater es nie zugeben würde, so hat sie eben immer das letzte Wort. Er weiß es, Draco weiß es und vermutlich weiß es ganz England.

»Wann startet das Training, Flint?«, fragt John Bletchley ein paar Plätze weiter, und Draco horcht auf.

Marcus Flint, ein dunkelhaariger Schüler, der die fünfte Klasse wiederholen muss, antwortet: »Morgen. Snape hat das Feld die nächsten drei Samstagvormittage für uns geblockt. Sieht so aus, als müsste Wood seinen Terminplan über den Haufen werfen.«

Bletchley schnaubt. »Der soll bloß zusehen, dass er einen neuen Sucher findet! Apropos neu, wie macht sich Miles?«

»Hab nix zu meckern. Er ist schnell, konzentriert, fügt sich gut ins Team ein.«

»Ich hoffe nur, du lässt ihm noch Zeit zum Lernen. Jeder weiß, dass du es gern übertreibst.«

»Lässt du jetzt etwa den großen Bruder raushängen? Er packt das schon«, sagt Flint und senkt die Stimme. »Ehrlich gesagt, macht mir Higgs im Moment mehr Sorgen.«

Draco räuspert sich. »Bist du der Teamkapitän?«

Flint mustert ihn. »Und wenn, was kümmert's dich?«

Auch die anderen Jungs gucken erwartungsvoll.

»Ich will mich für die Mannschaft bewerben.«

Jetzt unterbricht sogar Crabbe sein Frühstück.

Flint prustet los vor Lachen. »Natürlich tust du das! Das tun sie alle, aber ich verrate dir ein Geheimnis, Kleiner: Erstklässler werden nicht aufgenommen. Von mir aus kannst du nach dem Training die Bälle einsammeln.«

Normalerweise würde Draco diesem Großmaul etwas Passendes erwidern, aber er wäre schön bescheuert, es sich mit dem Kapitän der Mannschaft zu verscherzen.

»Hab's dir doch gesagt«, murmelt Ted, woraufhin Draco ihm einen tödlichen Blick zu wirft.

Bletchley flüstert Flint etwas ins Ohr, doch der verdreht die Augen. »Und wenn er Salazar persönlich wäre - ich sammle Pokale, John, keine Namen.«

Der Vertrauensschüler zwinkert Draco zu. »Nimm's nicht persönlich, die Mannschaft ist sowas wie Flints große Liebe.«

Flint will etwas erwidern, doch im nächsten Moment drehen sich alle Richtung Eingang. Immer lauter werdende Flügelschläge sind zu hören, bis plötzlich mehrere hundert Eulen in die Große Halle geflogen kommen. Heute sind es mit Abstand die meisten, vermutlich, weil die Antwortschreiben aller Erstklässler-Eltern dabei sind. Dracos Laune bessert sich augenblicklich.

Es regnet Briefumschläge und kleine Päckchen. Ted, Crabbe und sogar Goyle bekommen Briefe, während sich Zabini mit dem Herrenparfum einsprüht, dass ihm seine Mutter geschickt hat. Pansy Parkinson erhält einen Stapel Zeitschriften, auf die sich alle Mädchen in ihrer Nähe mit Begeisterung stürzen.

Perseus, der Uhu der Malfoys, lässt einen Brief mit dem Siegel des Familienwappens und ein Päckchen von Sugarplums Süßigkeitenladen auf Dracos Toastbrot fallen. Er stellt das Päckchen in die Mitte des Tisches. »Bedient euch.«

Sofort machen sich die anderen über die Lakritz-Zauberstäbe, Kaugummis und Gummischnecken her, während Draco den Brief nimmt und seinen Finger auf das verzauberte Siegel legt, das nur von Familienmitgliedern geöffnet werden kann. Kurz darauf entfaltet er das hochwertige Pergament, das mit der schnörkellosen Handschrift seines Vaters beschrieben ist.

Draco,

wir gratulieren Dir, dass Du für Slytherin ausgewählt worden bist und unsere Tradition fortführst.

Angesichts Deiner bisherigen, kostenintensiven Privatausbildung erwarten wir selbstverständlich, dass Deine Leistungen zu den besten des Jahrgangs zählen werden.

Was Harry Potter betrifft, so hast Du Dir nicht das Geringste vorzuwerfen. Wenn er es bevorzugt, sich mit der Unterschicht abzugeben, soll das nicht Dein Problem sein. Du tust gut daran, Dich an Deine Kameraden und Mitschüler aus respektablen Familien zu halten.

Obwohl uns die Äußerung Deines Weihnachtswunsches etwas verfrüht erscheint, merken wir diesen vor - vorausgesetzt, wir bekommen von Professor Snape positive Rückmeldungen über Dich.

Vater & Mutter

Grinsend steckt Draco den Brief in seinen Umhang. Natürlich werden ihm seine Eltern das brandneue Rennbesen-Modell der führenden Marke Nimbus zu Weihnachten schenken.

Im Sommer hatte er vor dem Sportgeschäft Qualität für Quidditch den Nimbus Zweitausend bewundert, aber im Gegensatz zu den anderen Kindern, die sich ihre Nase am Schaufenster platt drückten, hat Draco Eltern, die ihm alles kaufen können, was er will. Und er bekommt, was er will. Das war schon immer so.

Zehn Minuten später betreten sie das Klassenzimmer für Zaubertränke. Es ist nur mit Fackeln beleuchtet, wie der restliche Teil des Kerkers. Die Regale sind voll mit Trankzutaten, eingelegten Kreaturen und seltsam aussehenden Objekten, und in der Ecke steht ein Wasserspeier.

Die Gryffindors verdrücken sich in die hinteren Sitzreihen und schauen sich beklommen um. Auch scheinen sie von der Kälte hier unten überrascht zu sein.

Mit einem Knall fliegt plötzlich die Tür auf, und das letzte Gemurmel verstummt. Mit raschen Schritten, so als ob gleich etwas hinter ihm explodieren würde, durchquert Snape den Raum, wobei sein langer, schwarzer Umhang hinter ihm her flattert. Er stellt sich vor das Lehrerpult und mustert die Schüler, als wären sie eine fiese Krankheit. Dann beginnt er, leise aber eindringlich, mit der Verlesung der Namensliste. Als er bei Dracos Namen angelangt ist, nickt er ihm zu. Draco erwidert die Geste und schaut sich selbstgefällig um.

Kurz darauf kichert er in sich hinein, als Snape sagt: »Ah, ja. Harry Potter. Unsere neue - Berühmtheit

Nachdem er die restlichen Namen aufgerufen hat, wandern seine dunklen Augen durch die Reihen. »Ihr seid hier, um die schwierige Wissenschaft und exakte Kunst der Zaubertrankbrauerei zu lernen.« Seine Stimme hat einen drohenden Unterton. Unwahrscheinlich, dass es jemand wagen würde, ihm nicht aufmerksam zuzuhören.

»Da es bei mir nur wenig albernes Zauberstabgefuchtel gibt, werden viele von euch kaum glauben, dass es sich um Zauberei handelt. Ich erwarte nicht, dass ihr wirklich die Schönheit des leise brodelnden Kessels mit seinen schimmernden Dämpfen zu sehen lernt, die zarte Macht der Flüssigkeiten, die durch die menschlichen Venen kriechen, den Kopf verhexen und die Sinne betören.«

Wenn für Flint Quidditch die große Liebe ist, ist es für Snape offensichtlich das Rühren in einem Kessel.

»Ich kann euch lehren, wie man Ruhm in Flaschen füllt, Ansehen zusammenbraut, sogar den Tod verkorkt - sofern ihr kein großer Haufen Dummköpfe seid, wie ich sie sonst immer in der Klasse habe.«

Dracos Blickt fällt auf Goyle, der konzentriert zuhört.

»Potter!«, sagt Snape plötzlich. »Was bekomme ich, wenn ich einem Wermutaufguss geriebene Affodillwurzel hinzufüge?«

Wermut, Affodill … einen Schlaftrank!

Mit diebischer Freude dreht sich Draco um. Die Hand von Hermine Granger, einer Gryffindor-Schülerin mit wüster Frisur, schnellt nach oben.

»Ich weiß nicht, Sir«, sagt Potter, leicht erschrocken.

Snapes Lippen kräuseln sich zu einem hämischen Lächeln. »Tjaja - Ruhm ist eben nicht alles.«

Draco zerfließt in Schadenfreude.

»Versuchen wir's nochmal, Potter. Wo würdest du suchen, wenn du mir einen Bezoar beschaffen müsstest?«

»Ich weiß nicht, Sir«, wiederholt Potter.

Das kommt davon, wenn man bei Muggeln aufwächst.

»Dachtest sicher, es wäre nicht nötig, ein Buch aufzuschlagen, bevor du herkommst, nicht wahr, Potter?«

Die Slytherins lachen leise.

»Was ist der Unterschied zwischen Eisenhut und Wolfswurz, Potter?«

Granger hebt ihren Arm nun so hoch, dass sie beinahe die Kerkerdecke berührt. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, könnte es aber auch sein, dass sie dringend zur Toilette muss.

»Ich weiß nicht«, sagt Potter schon wieder. »Aber ich glaube, Hermine weiß es, also warum nehmen Sie nicht mal Hermine dran?«

Ronald Weasley kichert, doch Snape lässt ihn mit einem eisigen Blick verstummen. »Zu deiner Information, Potter, Affodill und Wermut ergeben einen Schlaftrank, der so stark ist, dass er als Trank der Lebenden Toten bekannt ist. Ein Bezoar ist ein Stein aus dem Magen einer Ziege, der einen vor den meisten Giften rettet. Was Eisenhut und Wolfswurz angeht, so bezeichnen sie dieselbe Pflanze, auch bekannt unter dem Namen Aconitum. Noch Fragen? Und warum schreibt ihr euch das nicht auf?«

Es folgt ein lautes Geraschel von Pergament und Federkielen. »Und Gryffindor wird ein Punkt abgezogen, wegen dir, Potter.«

Draco fragt sich, ob sie im Krankenflügel wohl in der Lage sein werden, ihm das Grinsen aus dem Gesicht zu schrauben.

Im Verlauf der Stunde sollen die Schüler einen einfachen Heiltrank gegen Furunkel brauen. Schritt für Schritt befolgt Draco die Anweisungen in seinem Buch, wiegt getrocknete Nesseln ab und zermahlt den Giftzahn einer Schlange. Er und Crabbe bereiten die Zutaten doppelt zu und schieben die andere Hälfte, sobald Snape nicht hinsieht, zu Goyle rüber, der hilflos in sein Buch starrt.

Einige Minuten später huscht Snape durch die Reihen, um die Ergebnisse anzuschauen. Er bleibt vor Dracos Kessel stehen, nickt zufrieden und dreht sich zur Klasse um. »Seht, wie beispielhaft Mr Malfoy seine Wellhornschnecken geschmort -«

ZISCH - KNALL!

Plötzlich erfüllen giftgrüne Rauchwolken den Kerker - Neville Longbottom hat es irgendwie geschafft, seinen Kessel zu einem unförmigen Klumpen zu zerschmelzen. Die ätzende Flüssigkeit sickert nun über den Steinboden und die Schüler steigen hastig auf ihre Stühle.

»Volltrottel«, schnaubt Zabini.

Auch Draco ist wütend; Snape war gerade dabei gewesen, ihn vor der Klasse zu loben!

»Du Idiot!«, ruft Snape und lässt den verschütteten Trank mit einem Schwung seines Zauberstabs verschwinden. »Ich nehme an, du hast die Stachelschweinstacheln hinzugegeben, bevor du den Kessel vom Feuer genommen hast?«

Longbottom heult leise vor sich hin. Er hat sich mit seinem Gebräu vollgespritzt, und überall auf seinen Armen und seinem Gesicht brechen nun rote Furunkel auf, wodurch er kaum wiederzuerkennen ist.

»Bring ihn hoch in den Hospitalflügel«, faucht Snape seinen Partner Seamus Finnigan an und wendet sich an Potter und Weasley, die am Nebentisch gearbeitet haben. »Du - Potter - warum hast du ihm nicht gesagt, er solle die Stacheln weglassen? Dachtest wohl, du stündest besser da, wenn er es vermasselt, oder? Das ist noch ein Punkt, der Gryffindor wegen dir abgezogen wird.«

Ha!

Entrüstet öffnet Potter den Mund, entscheidet sich dann aber klugerweise, nichts zu erwidern.

Nachdem sie alle einen Aufsatz darüber geschrieben haben, warum eine präzise Reihenfolge, in der die Zutaten dem Kessel hinzugegeben werden, einzuhalten ist, ist die Stunde zu Ende. Die Gryffindors flüchten aus dem Klassenzimmer, als hätte man sie aus dem Gefängnis befreit.

Durch einen Korridor gegenüber der Großen Halle gelangen Draco und die anderen auf den leeren Schulhof. Dieser ist von klosterähnlichen Mauern und Säulen umgeben und liegt am Fuß eines Uhrenturms, dessen Glocke Beginn und Ende der Schulstunden und der Sperrstunde ankündigt. In der Mitte steht ein Birnenbaum und ein antiker, weißer Springbrunnen, und am Ende des Hofs führt ein Trampelpfad hinunter zum See.

Die Jungs lassen sich auf den Rand des Brunnens plumpsen, während sich die Mädchen auf eine schmale Steinbank quetschen und kichernd und gackernd in Parkinsons Magazinen blättern. Sie erinnern Draco irgendwie an Hühner.

Crabbe öffnet eine Bertie Botts - Packung und äfft Longbottom nach: »Professor, Hilfe, mein Gesicht brennt

Goyle wiehert vor Lachen. »Es müsste Gryffindoof heißen, ha ha ha!«

»Habt ihr Weasley gesehen?«, fragt Zabini. »Ich dachte schon, der fängt an zu heulen.«

Draco schnaubt. »Der und seine neunzehn Geschwister können froh sein, dass das Ministerium die Schulgebühren für Hogwarts zahlt. Dreckige Blutsverräter.«

»Genau, sollen die doch von hier verschwinden, wenn sie Muggel so toll finden«, sagt Ted und macht ein Gesicht, als hätte er einen fiesen Geruch in der Nase. »Und die Schlammblüter können sie gleich mitnehmen.«

»Wir sollten sie alle in den verbotenen Korridor sperren und gucken, was passiert«, schlägt Crabbe vor und drückt sich eine Handvoll Bohnen in den Mund, wobei die Hälfte auf dem Boden landet.

»Zu dumm, dass das Ganze nur ein Scherz ist«, sagt Draco. »Ihr wisst ja, mein Vater ist Vorsitzender des Schulrates, und er hat nie was von so einem Korridor - WAAH!«

Etwas ist von hinten unter Dracos Umhang gehuscht und streift seine Beine. Er macht einen Satz und stolpert beinahe über eine kleine, dreifarbige Katze, die mit den heruntergefallenen Bohnen spielt. Die Hühner kichern.

Seine Wangen färben sich rosa, dann faucht er die Jungs an: »Was guckt ihr denn so?«

»Äh -«

»Mabel, hör auf, den armen Jungen zu erschrecken«, ruft Pansy Parkinson.

Draco wirbelt herum. »Hey! Pass gefälligst besser auf deine Katze auf!«

»Hätte ich ahnen können, dass du wegen einem Kätzchen so ausrastet?«

Er seufzt. Diese Göre geht ihm auf die Nerven. Schon wieder. Sie zwingt ihn praktisch, sie in ihre Schranken zu weisen, denn offenbar haben ihre Eltern ihr keinen Respekt vor Jungen beigebracht. »An deiner Stelle wäre ich nicht so frech. Halte dein Mistvieh im Auge, sonst kriegt sie beim nächsten Mal einen Tritt verpasst!«

Ihre Miene wird ernst. Doch anstatt sich zu entschuldigen, steht sie auf, kommt auf ihn zu und bleibt so nah vor ihm stehen, dass er unwillkürlich zurückweicht.

Wie auf Knopfdruck erscheinen Crabbe und Goyle an seiner Seite, was aber schon fast peinlich wirkt; sie ist einen Kopf kleiner als er und zierlich genug, dass der nächste Windhauch sie davon wehen könnte.

Im Augenwinkel nimmt er wahr, dass Tracey Davis aufsteht und ihren Zauberstab zückt.

»Pass auf«, sagt Parkinson leise.

Draco muss lachen. »Vor einem Zwerg wie dir?«

Sie bleibt vollkommen ruhig. »Wenn du meiner Katze auch nur ein Haar krümmst, wirst du den Tag verfluchen, an dem du nach Hogwarts gekommen bist.«

Langsam wird er sauer. »Ist dir eigentlich klar, wer hier vor dir steht?«

»Sicher«, sagt sie abschätzig. »Ein Großkotz, der so tut, als würde ihm die Schule gehören, und der bei jedem Schritt von zwei Bodyguards flankiert wird.«

Mit diesen Worten nimmt sie ihre Katze auf den Arm und kehrt zu den Mädchen zurück.

Während Draco verarbeitet, dass jemand gewagt hat, so mit ihm zu reden, versucht Zabini, einen Lachkrampf zu unterdrücken. Die anderen drei gucken betreten zu Boden, bis Goyle schließlich fragt: »Was heißt ›flankiert‹?«