Warum konnte sein Irrwicht nicht einfach ein Mantikor sein?
»Psst, da kommt er«, flüstert Millicent am nächsten Morgen aufgeregt.
»Zu Hilfe, zu Hilfe! Der Dementor ist sooo gruselig!«, heult Draco lautstark, während Harry Potter die Große Halle durchquert und so tut, als wäre er taub.
»Oh nein, Weaselbee! Ich glaube, mein Höschen ist ganz nass!« Augenrollend und unter johlendem Gelächter lässt sich Draco von der Bank fallen.
»Hey, Potter! Potter!«, ruft Pansy. »Die Dementoren kommen, Potter! Uuuuhuuuh!«
Plötzlich quetscht sich jemand zwischen sie und Daphne. »Was hab ich deinen Humor vermisst.«
»Padma!« Pansy umarmt ihre Freundin und küsst sie auf die Wange.
Padma senkt die Stimme. »Haben sich deine Eltern wieder vertragen?«
»Sie wollen es nochmal versuchen. Das wird schon«, antwortet Pansy. In einem Anflug von Gefühlsduselei hatte sie Padma einen Brief geschickt, als zwischen ihren Eltern zum ersten Mal das Wort ›Trennung‹ gefallen war.
»Hättest du mich besucht, hätten wir reden können.«
Sicher doch, damit diese Natter Parvati mithören und allen von den Eheproblemen der Parkinsons erzählen kann.
»Schon in Ordnung, glaub mir. Sag mal, würdest du mir einen Gefallen tun?«
»Wir hatten doch noch gar keinen Unterricht, wie willst du da Hausaufgaben abschreiben?«
»Das meine ich nicht, es geht um euren neuen Vertrauensschüler, Roger Davies.«
»Was ist mit dem?«, fragt Padma verdutzt.
Pansy errötet. Gestern, nach dem Zwischenfall im Zug, waren die Vertrauensschüler von Abteil zu Abteil gegangen, um die Schüler zu beruhigen. Und als dann Roger im Türrahmen auftauchte, mit seinen wuscheligen, braunen Haaren und dem schelmischen Grinsen, traf es Pansy wie ein muss sie dauernd daran denken, wie er ihr zum Abschied zugezwinkert hat, und ihr wird ganz schwummrig.
Roger stammt zwar nicht aus einer alten Familie, aber immerhin ist er Fünftklässler, Vertrauensschüler und Kapitän des Ravenclaw Quidditch-Teams. Er würde sich hervorragend als fester Freund eignen.
»Du musst für mich rausfinden, ob er eine Freundin hat.«
Padma prustet los, doch Pansy schaut sie abwartend an. »Oh, du meinst das ernst.«
»Warum sollte ich scherzen?«, fragt Pansy ungehalten.
»Okay, es ist so … Roger hat praktisch seinen eigenen Fanclub«, sagt Padma behutsam, und Pansy folgt ihrem Blick zum Tisch der Ravenclaws.
Dort sitzt er, fährt sich durch die Haare und sagt etwas zu einem Mädchen, das lachend ihre Hand auf seinen Arm legt. Ein brodelndes Gefühl überkommt Pansy.
»Wahrscheinlich ist die Hälfte aller Mädchen in Hogwarts in ihn verknallt. Zumindest die Hälfte, die nicht schon auf Cedric Diggory steht«, fährt Padma fort. »Und selbst, wenn Roger nicht zufällig Quidditch-Kapitän wäre, würde er immer noch ziemlich gut aussehen. Und ich glaube, das weiß er auch.«
»Aber vielleicht ist er ja bloß mit denen befreundet«, murmelt Pansy, mehr zu sich selbst. »Hey, du hast doch einen guten Draht zu Lisa, und Lisas Bruder ist ebenfalls in der Fünften, richtig? Also kannst du Genaueres für mich herausfinden.«
Padma seufzt.»Jaah, schätze schon.«
»Lass mich nicht hängen, du bist doch meine beste Freundin.« Pansy schmollt und legt einen Arm um Padmas Schulter, als im nächsten Moment die Glocke ertönt.
»Na los, beste Freundin, wir haben Kräuterkunde«, sagt Padma und zieht eine lustlose Pansy hinter sich her.
Leider ist Kräuterkunde auch im dritten Schuljahr nicht spannender geworden. Während Professor Sprout erklärt, worauf bei der Ernte von Kartoffelbauchpilz-Schoten zu achten ist, und Pansy davon tagträumt, wie Roger Hand in Hand mit ihr über den Schulhof spaziert, fangen Crabbe und Goyle irgendwann an, sich gegenseitig mit Drachenmist zu bewerfen. Sie stinken so erbärmlich, dass Sprout ihnen zehn Hauspunkte abzieht und sie obendrein vom Unterricht freistellt, damit sie duschen gehen können.
Nach dem Mittagessen steht Pflege magischer Geschöpfe auf dem Programm, ein Zusatzfach, das von allen Slytherins gewählt wurde. Doch hätten sie gewusst, dass sie nicht nur zusammen mit den Gryffindors, sondern auch von dem Riesentrampel Hagrid unterrichtet werden, hätten sie sich anders entschieden.
»Stellt euch dort drüben am Zaun auf!«, sagt Hagrid, nachdem er die Klasse zu einer leeren Koppel am Waldrand geführt hat. »Sehr schön - passt auf, dass alle etwas sehen können - und jetzt schlagt erstmal eure Bücher auf.«
Draco ergreift das Wort. »Wie denn?«
»Was denn?«, fragt Hagrid, woraufhin Draco sein Monsterbuch herausnimmt, das er mit einem Seil zugebunden hat. »Wie sollen wir unsere Bücher öffnen?«
Eine berechtigte Frage; sämtliche Schüler mussten magisches Klebeband, Gürtel oder Hundeleinen benutzen, um dieses Ding im Zaum zu halten. Es als Schulbuch auszusuchen, war wirklich eine Schnapsidee.
»Hat denn … hat denn kein Einziger sein Buch öffnen können?«, fragt Hagrid verdutzt.
Als alle die Köpfe schütteln, sagt er wie selbstverständlich: »Ihr müsst sie streicheln! Seht mal -« Zur Demonstration fährt er sanft am Rücken von Hermines Buch entlang, welches zu zittern anfängt, aufklappt und ruhig in seiner Hand liegen bleibt.
»Oh, wie dumm wir doch alle waren!«, ruft Draco sarkastisch. »Wir hätten sie streicheln sollen! Da hätten wir doch von allein drauf kommen können!«
»Ich - ich dachte, sie sind ganz lustige Dinger.«
»Oh - total lustig! Unglaublich witzig, uns Bücher zu geben, die uns die Hände abreißen wollen!«
»Zum Glück hat er es nicht auf seinen Schoß gelegt«, flüstert Tracey.
Die Mädchen kichern.
»Na denn, also - ihr habt jetzt eure Bücher«, sagt Hagrid zerstreut, »und - jetzt braucht ihr die magischen Tiere. Ja. Also geh ich sie mal holen. Wartet mal …«
Als er in Richtung Wald davonstapft, sagt Draco: »Mein Gott, diese Schule geht noch vor die Hunde. Dieser Hornochse gibt auch noch Unterricht, mein Vater kriegt 'nen Anfall, wenn ich ihm das erzähle.«
Als Potter ihm sagt, er solle den Mund halten, grinst er nur schief. »Pass auf, Potter, hinter dir steht ein Dementor!«
Im selben Moment lässt die Dumpfbacke Lavender einen Schrei los und alle wirbeln herum. Hagrid kehrt zurück, mit einer Horde angeleinter Hippogreifen im Schlepptau. Nicht wenige schnappen nach Luft, da selbst das Ministerium diese Geschöpfe als gefährlich einstuft. Doch Hagrid erläutert ihnen seelenruhig, wie man einem Hippogreif gegenüber treten muss, und bittet dann die Schüler zu sich nach vorne.
Zunächst rührt sich niemand, bis Potter schließlich über den Zaun der Koppel steigt. »Ich mach's!«
»Willkommen zur Harry Potter - Show«, raunt Blaise.
Es folgt das altbekannte Schema. Potter stellt sich einer Herausforderung (ein Anstarr-Wettbewerb mit einem Hippogreif und anschließendem Ritt auf dessen Rücken), und die Gryffindors hyperventilieren vor Begeisterung, bewundern ihn für seinen Mut und ignorieren die Tatsache, dass auch noch andere Schüler diese Aufgabe bestehen.
Während Pansy lieber kein Risiko eingeht und sich unbemerkt an den Rand der Koppel verdrückt, beobachtet sie ihre Klasse. Daphne versucht ihr Glück mit einem altertümlichen Hofknicks, womit sie zwar bescheuert aussieht, ihren Hippogreif jedoch dazu bringt, den Kopf zu neigen. Ted hingegen, der sich so tief verbeugt, dass seine Nase beinahe die Knie berührt, wird weiterhin misstrauisch beäugt.
Draco hat sich Potters Hippogreif vorgeknöpft, der sich recht schnell den Schnabel tätscheln lässt. »Das ist doch kinderleicht, hab ich doch gleich gewusst, wenn Potter es schafft … ich wette, du bist überhaupt nicht gefährlich, oder? Oder doch, du großes hässliches Scheusal?«
Crabbe und Goyle setzen zum Lachen an, werden jedoch von Dracos Schmerzensschrei übertönt - die gewaltigen Krallen haben ihn voll erwischt. Zusammengekauert liegt er im Gras. »Ich sterbe! Ich sterbe, seht her! Es hat mich umgebracht!«
Erschrocken eilt Hagrid herbei, hebt Draco hoch und läuft mit ihm zum Schloss, wobei die lange, klaffende Wunde an Dracos Arm das Gras mit Blut besprenkelt.
Während die anderen Hagrid wahlweise beschimpfen oder in Schutz nehmen, starrt Pansy auf die roten Grashalme hinab.
Mit einem Mal ist sie wieder sechs und steht vor dem Baum, an dem ihr Bruder nach seinem Unfall buchstäblich kleben geblieben ist. Sie blinzelt ihre Tränen weg. »Sie sollten ihn sofort rauswerfen!«
»Malfoy war doch selber Schuld«, erwidert Dean Thomas, senkt jedoch den Kopf, als er Crabbes und Goyles bösen Blicken begegnet.
Pansy muss dringend hier weg. »Ich schau nach, wie es ihm geht!«, verkündet sie und läuft ebenfalls zum Schloss zurück. Auf die Schnelle ist ihr keine bessere Ausrede eingefallen.
Einige Minuten später steht sie mit wackligen Beinen vom Boden der Mädchentoilette auf und verlässt die Kabine. Ihr Hals brennt, doch sie fühlt sich erleichtert. Nicht gerade die gesündeste Art, Stress abzubauen, aber umso effektiver.
In den Ferien, nach einem besonders lauten Streit zwischen ihren Eltern, hatte sie es zum ersten Mal ausprobiert. Seitdem macht sie es ab und zu, auch wenn sie das schlechte Gewissen plagt. Dabei ist es wirklich keine große Sache, denn sie hat ja alles unter Kontrolle. Völlig unnötig also, dass irgendjemand davon erfahren muss.
Am Waschbecken spritzt sie sich kaltes Wasser ins Gesicht und wischt die verlaufene Wimperntusche unter ihren Augen weg, als sie im Hintergrund eine Bewegung wahrnimmt. Der Geist eines pummeligen Mädchens mit Hornbrille schwebt aus einer der Kabinen und säuselt: »Du armes Ding.«
Pansy verdreht die Augen. Natürlich kennt sie die Maulende Myrte vom Hörensagen - hässlich, wehleidig und fast so nervig wie Peeves. »Bloß eine Magenverstimmung, nichts weiter.«
Myrte kichert wie eine Idiotin. »Mir brauchst du nichts vorzumachen, ich kenne Mädchen wie dich ganz genau! Und du bist nicht die Erste, die hierher kommt, um sich den Finger in den Hals zu stecken.«
»Ach ja?« Pansy trägt eine neue Schicht Lippenstift auf. Dann dreht sie sich zu Myrte um und betrachtet sie von oben bis unten. »Hätte dir zu Lebzeiten auch nicht geschadet.«
Myrtes Kinn zittert, und Pansy verlässt eilig die Toilette, bevor diese von lautem Geplärre erfüllt wird.
Auf halbem Weg zum Gemeinschaftsraum fällt ihr jedoch ein, dass sie noch ein Alibi braucht, also macht sie einen Abstecher zum Krankenflügel. Zu ihrer Überraschung findet sie Draco schlafend vor.
»In etwa einer halben Stunde dürfte er wach werden«, erklärt Madam Pomfrey leicht genervt. »Er hat das stärkste Schmerzmittel verlangt, das wir haben. Hat sich furchtbar aufgeregt. Die Ruhe tut ihm jetzt gut.«
Da es gerade sonst keine Patienten gibt, darf Pansy an Dracos Bett warten. Wie er daliegt, so friedlich und leise schnarchend, käme niemand auf die Idee, dass er ein ziemlicher Arsch sein kann. So wie letztes Jahr, als er Hermine nicht nur mehrfach als Schlammblut beschimpfte, sondern ihr obendrein auch noch den Tod wünschte (nicht, dass Pansy Mitleid mit ihr gehabt hätte, aber trotzdem).
Merlin sei Dank hat er aufgehört, sich Gel in die Haare zu schmieren, wie ein Lackaffe. Jetzt trägt er sie mittellang, so dass sie ihm lässig ins Gesicht fallen. Eine eindeutige Verbesserung. Auch seine Gesichtszüge erscheinen inzwischen weniger kindlich.
Pansy betrachtet seinen klobigen, silbernen Ring, in dem das Familienwappen der Malfoys eingraviert ist. Ganz schön versnobt. Wäre er nicht Draco Malfoy, würde sie das irgendwie cool finden. Aber er ist es, und deshalb findet sie ihn natürlich nicht cool.
*.*.*.*
Er fühlt sich benommen, so, als wäre sein Kopf in Watte gepackt. Als er langsam die Augen aufschlägt, beugt sich jemand direkt über sein Gesicht.
»Ich - war - die - ganze - Zeit - hier«, erklärt sie, jedes Wort betonend. Doch sie dringen nicht wirklich zu ihm durch. Er ist abgelenkt von ihren grünen Augen, deren Pupillen braun umrandet sind. Das war ihm vorher nie aufgefallen.
»Pansy?«, murmelt er.
Sie mustert ihn eindringlich. »Weißt du, ich hatte mich schon an Zwerg gewöhnt, diesen Spitznamen würde ich ungern verlieren. Nein, ernsthaft, hat der Hippogreif etwa auch deinen Kopf erwischt?«
»Was, wovon redest -«, setzt er an, doch mit einem Mal kommt seine Erinnerung zurück. Ebenso wie der brennende Schmerz. Er wurde angegriffen! Sein Blick wandert zu seinem rechten Arm, der verbunden in einer Schlinge liegt. »Das wird Hagrid mir büßen.«
»Na, hoffentlich«, antwortet sie mit düsterer Miene.»Ich wäre auch sauer, wenn mein Arm amputiert werden müsste.«
Für eine Sekunde erfasst ihn Panik, doch dann fängt sie an zu kichern. »Entspann dich, Pomfrey sagt, dir bleibt nichts weiter als eine Narbe.«
»Ich werd diesen scheiß Vogel umbringen«, knurrt er.
»Natürlich wirst du das.« Sie steht auf, nimmt ihren Umhang von der Stuhllehne und ruft Madam Pomfrey etwas zu.
Währenddessen kommt Draco nicht umhin, zu bemerken, dass sich unter ihrem Hemd und dem Faltenrock leichte Kurven abzeichnen. Wäre sie nicht Pansy Parkinson, würde er das irgendwie sexy finden. Aber sie ist es, und deshalb findet er es natürlich nicht sexy.
»Da du, entgegen aller Erwartungen, nicht im Sterben liegst, lasse ich dich jetzt mit deinen Racheplänen allein. Genieße die Schonkost.«
Er bringt ein schiefes Lächeln zustande. »Verzieh dich.«
»Und nun sprecht mir bitte nach … Riddikulus!«
»Riddikulus«, wiederholen die Slytherins, die einen mehr, die anderen weniger enthusiastisch.
Draco grübelt. Wovor fürchtet er sich auf der Welt am meisten? Er ist hin- und hergerissen zwischen einem Mantikor und der Vorstellung, plötzlich arm zu sein.
»Hast du eine Frage, Pansy?«
Pansy lässt die Hand sinken. »Nicht direkt, Professor. Ich glaube bloß nicht, dass ich diese Aufgabe lösen kann.«
»Mach dir keine Sorgen, ich bin sicher, das kriegen wir gemeinsam hin«, antwortet Lupin mit einem aufmunternden Lächeln, doch sie schüttelt den Kopf.
»Sie verstehen nicht, Sir. Ich möchte niemandem den Anblick meines verunglückten Bruders zumuten, dessen Schädel aussieht wie eine zerplatzte Wassermelone. Und ich fürchte, so sehr ich mich auch anstrenge, ich werde darin nichts Witziges erkennen können.«
Es herrscht betretenes Schweigen.
Lupin nickt ernst. »Dein Verlust tut mir sehr leid, und ich danke dir für deine Offenheit. Unter diesen Umständen bist du selbstverständlich entschuldigt.« Er wendet sich an die Klasse. »Jeder, der sich dem Irrwicht erfolgreich entgegenstellt, erhält fünf Hauspunkte. Wer fertig ist, darf den Nachmittag genießen, vergesst aber nicht, bis zur nächsten Stunde eine Zusammenfassung über das Irrwicht-Kapitel in eurem Buch zu schreiben.«
Bis auf Pansy stellen sich alle in einer Reihe vor dem Schrank auf, in dem der Irrwicht hörbar herumzappelt. Crabbe macht den Anfang. Sein Irrwicht ist ein Schwarm Motten, den er in buntes Konfetti verwandelt. Anschließend fallen Teds Horrorclown die spitzen Zähne aus, und Tracey lässt ihren Werwolf seinen eigenen Schwanz jagen.
Als sich die Schranktür vor Draco öffnet, kommt jemand heraus, mit dem er nicht gerechnet hätte: sein Vater. Allerdings ist diesem nichts von seiner sonst so würdevollen Erscheinung geblieben. Mit dunklen Schatten unter den Augen, einem eingefallenen, unrasierten Gesicht und wirr abstehenden Haaren stellt der Irrwicht nur ein erbärmliches Abbild von Lucius Malfoy dar. Das wirklich beängstigende ist jedoch die Tatsache, dass er einen gestreiften Pyjama trägt … die typische Bekleidung eines Askaban-Häftlings.
Was zur Hölle?
Zwar wuchs Draco mit dem Wissen auf, dass seinem Vater die Vergangenheit irgendwann zum Verhängnis werden könnte, doch er glaubte, er hätte diesen Gedanken mit den Jahren erfolgreich verdrängt. Nun setzt sich sein Irrwicht-Vater auf den Boden, umklammert die Beine und wiegt sich hin und her wie ein verängstigtes Kind.
Irgendjemand kichert.
»Denk dran«, sagt Lupin ruhig, »es ist nur ein Irrwicht, ein Streich deiner eigenen Fantasie.«
»Riddikulus«, sagt Draco halbherzig, doch nichts passiert. Er wiederholt den Spruch, bis ihm klar wird, dass er die Vorstellung, sein Vater wäre wie Dobby mit einem Kissenbezug bekleidet, überhaupt nicht lustig findet.
Crabbe kann sein Lachen nicht länger unterdrücken.
»Halt die Klappe, Fettsack!«
Zornfunkelnd dreht sich Crabbe zu Pansy um. »Blöde Bitch.«
»Aufhören!«, sagt Lupin. »Für Beleidigungen ist in meinem Unterricht kein Platz. Pansy, Vincent, ihr wartet draußen. Fünf Punkte Abzug für Slytherin.«
Ein Raunen geht durch die Klasse. Sie hatten bereits Punkte verloren, als sich Crabbe und Goyle in Kräuterkunde daneben benahmen, und dann noch einmal, weil Millicent gegenüber McGonagall erklärte, ihr Monsterbuch habe die Verwandlungshausaufgaben gefressen (was zwar alle bezeugen konnten, die alte Wachtel aber als Ausrede abtat).
»Möchtest du es noch einmal versuchen, Draco?«, fragt Lupin, nachdem er den Irrwicht in den Schrank zurückgedrängt hat.
»Danke, kein Bedarf«, antwortet er zynisch und kehrt ans Ende der Reihe zurück, Lupins Blick im Rücken spürend. Warum konnte sein Irrwicht nicht einfach ein Mantikor sein?
